Guuuten Abend, liebe Leser, ;)
vielen Dank für den Vergleich und das Lob, Liesl Snake! Super zu lesen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. :) Liebe Grüße!
Allen viel Spaß mit dem neuen Kapitel:)!

In Kapitel 5: Das Nachsitzen endete für Hermione in Severus Snapes Bett und damit mit ihrem „Triumph" über Ginny: Der Wetteinsatz ging an Hermione. Nach einem Kuss mit Harry rannte Hermione jedoch weg und musste feststellen, dass sie sich über ihre eigenen Gefühle im Unklaren ist. Ein nicht ganz zufälliges Zusammentreffen mit Snape endete in dessen Armen.


Kapitel 6 - Teufelskreis

Ginny verbrachte den Samstagmittag bei Hagrid, der sie zu einem Tee eingeladen hatte, als sie sich am Rand des Verbotenen Walds getroffen und ihren Spaziergang gemeinsam fortgesetzt hatten. Sie waren gerade in ein angeregtes Gespräch über das Quidditchtraining vertieft, das Ginny endlich vom Gedanken an Harry ablenkte, als es energisch an der Tür klopfte.
„Herein!", dröhnte Hagrid.
Die Tür flog auf und eine Gestalt stürmte herein, die dunklen, wirren Haare flogen Harry nur so über die Stirn. „Hi Hagrid! Oh Ginny, Du bist hier – könntest Du kurz-?", keuchte er beinahe und winkte sieatemlos zu sich.

Die Rothaarige entschuldigte sich kurz bei Hagrid und folgte Harry vor die Tür.
„Weißt Du, wo Hermione ist und was mit ihr los ist?", fragte dieser sofort.
„Was ist denn los?" Panik stieg in Ginny auf. „Ich hab keine Ahnung. Ich dachte, sie sei bei Dir", antwortete sie schnell.
„Ja, war sie auch..."
„Und?", drängte Ginny.
„Und... naja, sie hat mich regelrecht überfallen, sie hat mich im Schlafsaal überrascht, geküsst und ist dann rausgestürmt. Ich habe sie überall gesucht stand gerade zehn Minuten vor eurem Schlafsaal, aber dort ist sie auch nicht. Oder zumindest hat sie nicht auf mein Klopfen reagiert."
Ginny hatte besorgt zugehört und trat nervös von einem Bein aufs andere. Sie musste etwas unternehmen, ein Stoß in die richtige Richtung, denn anscheinend stellte sich ihre Freundin etwas blöd an. Mit einem Seufzen beugte sie sich zu ihm und flüsterte: „Harry, mal so unter uns gesagt... sie steht ziemlich Dich."
Das hatte gesessen. Harry drehte sich auf dem Absatz um, rannte über das Gelände und wieder ins Schloss. Ginny schüttelte grinsend den Kopf und ging wieder in die Hütte.

„Is' alles okay?", fragte Hagrid. Ginny nickte nur vielversprechend und setzte das Gespräch mit dem Halbriesen nahtlos fort, wenn auch mit einem leicht melancholischen Gefühl im Bauch.

~x~


Hermione fühlte sich noch immer wie in Trance, als sie durch das Portraitloch in den Gemeinschaftsraum kletterte. Kurz überlegte sie, direkt in den Schlafsaal zu gehen, um eine Konfrontation mit Harry zu vermeiden, doch die Flammen, die im Kamin loderten, zogen sie geradezu an. Sie setzte sich in einen Sessel und beobachtete sie, ließ sich von ihnen hypnotisieren. Ihre Augen fielen zu, doch das Spiel der Flammen setzte sich vor ihrem inneren Auge fort. Die Flammen wurden zu Körpern, die einander umschlangen...
Jemand nahm ihre Hand, beugte sich über sie, legte ihr eine Hand in den Nacken. Konnte es sein, dass-? Hermiones Herz raste.

Die Lippen, die sich nun auf ihre legten, fühlten sich rau an, ihr Kuss steif, dennoch erwiderte sie ihn, aus Ermangelung einer Alternative. Sie hatte gerade noch in Gedanken an Snape geschwelgt, an den Kuss eine halbe Stunde zuvor. Er hatte sie nur geküsst und war danach mit einem leichten Lächeln auf den Lippen verschwunden. Sie war zurückgeblieben und hatte noch einige Minuten in ihrer kleinen Nische verweilt, ehe sie langsam wieder zum Schloss gelaufen war.

Doch hier saß sie nun und realisierte, dass es Harry war, der sie so überrascht hatte. Er löste sich von ihr und als sie die Augen öffnete, sah sie direkt in seine. Es war ihr unangenehm, wie nah sie waren.
„Hermione, ich glaube, ich habe mich in Dich verliebt."
Eine Menge vulgärer Ausdrücke flogen in diesem Moment durch Hermiones Kopf und einer beschrieb die Situation passender als der andere. Harry hatte ihr seine Liebe gestanden. Es sah ihm nicht ähnlich, ihr das so direkt zu sagen, Harry war schüchtern und unsicher in diesen Dingen – ähnlich wie sie selbst. Wahrscheinlich war er gleich zu Ron oder Ginny gerannt, nachdem sie abgehauen war. Und falls er bei Ginny gewesen war, hatte diese womöglich etwas nachgeholfen.
Schluss jetzt, sie musste irgendetwas sagen! Und bevor sie es aufhalten konnte, rutschte es ihr heraus: „Ich—ich glaube, ich Dich auch."

Am liebsten hätte sie ihre Worte sofort zurückgenommen oder sich selbst eine saftige Ohrfeige verpasst. Warum hatte sie Harry geküsst und ihm das Gefühl vermittelt, mehr zu wollen, wo sie sich dessen doch gar nicht mehr sicher war? Warum?
Ihre Frage blieb unbeantwortet. Viel zu schnell war sie wieder in einen Kuss verwickelt, der sich nicht gut anfühlte. Zu allem Überfluss glitt Harrys Hand nun unter ihren Pullover; zwar konnte das in ihrer Sitzposition niemand sehen, doch das Gefühl war beinahe abstoßend.
Würde doch nur Severus das t...– HERMIONE!'
Bestürzt über ihre eigenen Gedanken wirkte sie mit sanftem Druck der Hand entgegen, die versuchte, höher zu gelangen. Sofort zog Harry sie zurück und umfasste damit stattdessen ihr Gesicht.
Hermione wurde es zu viel, sie fühlte sich eingeengt. „Harry... ich muss nach oben... ich..."

Ohne den Satz zu beenden erhob sie sich und lief betont langsam Richtung Schlafsaal, um nicht den Eindruck zu erwecken, erneut abzuhauen. Sobald sie außer Sichtweite war, setzte sie jedoch zu einem Sprint an, zu dem sie sich nicht fähig geglaubt hätte. Erleichtert stellte sie fest, dass sie alleine war, und sie ließ sich auf ihr Bett fallen. Eigentlich hatte sie über Harry nachdenken wollen, doch ihre Gedanken schweiften immer wieder ab zu dem geheimnisvollen schwarzen Mann, der ihr innerhalb von zwölf Stunden zweimal sehr nahe gekommen war. Sie sah ihn vor sich. Severus Snape. Meister der Zaubertränke. Meister der Leidenschaft.
‚Meister der Leidenschaft? Oh bitte, Hermione, er ist Dein Lehrer!'
Letztendlich hatte sie es nicht anders gewollt. Ihr naives, offenbar sehr benebeltes Ich, das die Wette abgeschlossen hatte, hatte es nicht anders gewollt. Ihr war bewusst gewesen, dass sie einen ihrer Professoren verführen musste, um Harry zu gewinnen, aber genau dort lag das Problem.

Harry.

Sie war mit Snape ins Bett gegangen, um ihn zu gewinnen, und jetzt stellte sie fest, dass sie ihn im Grunde gar nicht wollte. Erneut fielen ihr ein gutes Duzend vulgärer Ausdrücke zu ihrer Situation ein.

~x~


„Hermione?" Ginny betrat unsicher den Schlafsaal, den Blick zu Boden gerichtet. „Süße, was ist los? Harry hat gesagt -", begann sie sanft, doch Hermione schnitt ihr das Wort ab.
„Mir ist egal, was Harry gesagt hat, ich will ihn jetzt nicht sehen!"
Ginny runzelte bestürzt die Stirn. „Süße, was ist los?" Sie sah die Freundin abwartend an, bekam jedoch keine Antwort. „Okay, Du willst Harry nicht sehen. Gibt es einen Grund?"
„Snape!", rutschte es der Älteren heraus und sie biss sich auf die Zunge, bis es wehtat.
Ginnys Gesichtsausdruck wechselte von besorgt und empört. „Hat er Dich... was... was hat er getan? Sag's mir, ich mach ihn fertig!", ereiferte sie sich.
„Nein", sagte Hermione schlicht und schüttelte den Kopf.
„Hermione!", flehte die Rothaarige verzweifelt. „Jetzt sag mir doch, was los ist!"
„Nein."
Ein langes Schweigen drückte aus, dass beide Schülerinnen mit ihrem Latein am Ende waren. Ginny wusste nicht, wie sie Hermione zum Reden bewegen sollte, während Hermione fieberhaft überlegte, wie sie auf die Fragen der Jüngeren reagieren sollte.

„Hermione, ich kann Snape bis in den Tod quälen, aber Du musst mir bitte sagen, warum ich das tun sollte", startete die Weasleytochter einen neuen Versuch und stellte wieder einmal ihre Verwandtschaft mit Fred und George unter Beweis.
Hermione hatte jedoch die Befürchtung, dass Ginny ihre Worte sehr ernst meinte. Todernst.
„Gin, lass es. Eben das sollst Du nicht tun", sagte sie deshalb ruhig und fragte sich im nächsten Moment, ob diese Worte nicht durchaus Spekulationen zuließen. Hatte sie schon zu viel verraten?
Doch die Andere zuckte nur mit den Schultern. „Ich lass Dich jetzt alleine, ja? Aber meld Dich, wenn Du reden willst." Sie gab der Freundin einen Kuss auf die Wange, drehte sich um und lief zur Tür.

Hermione wollte sie aufhalten, doch ihre Stimme versagte. Sie wollte ihr nachlaufen, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. Sie wollte weinen, doch ihre Augen blieben trocken. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen. Was war nur los mit ihr? Und was hatte gerade so laut gekracht?
Eine Hand legte sich plötzlich auf ihre Schulter und sie schrie auf, doch kein Laut entwich ihrer Kehle.

Severus. Sie wusste es. Sie spürte es.
Als sie aufsah, bestätigte sich ihre Ahnung. Über sie gebeugt stand er da und sah ihr mit warmen schwarzen Augen ins Gesicht. Sie wollte ihn küssen, doch er entzog sich ihrem Griff und setzte sich stattdessen neben sie, nachdenklich ins Leere blickend, nun mit ausdruckslosen Augen.
„Miss Granger...", begann er ruhig.
„Miss Granger? Du nennst mich nach allem was passiert ist ernsthaft Miss Granger?", schnappte Hermione fassungslos.
„Ja. Nein. Ich nenne Sie wieder Miss Granger, weil ich eigentlich hier bin, um dieser Sache ein Ende zu setzen. Das kann so nicht weitergehen."
„Es hat noch nicht einmal richtig angefangen!", protestierte Hermione und riss, über ihre eigenen Worte entsetzt, die Augen weit auf.
„Doch, das hat es", widersprach Severus ruhig. „Es ist sogar schon viel zu sehr außer Kontrolle geraten."
„Eine Nacht und ein Kuss mit ein bisschen Fummeln?"
„Eine sehr heiße Nacht und ein Kuss mit ein bisschen sehr viel Fummeln", bestätigte er.
Sie verdrehte die Augen.
„Unsere Schulsprecherin will doch nicht etwa Regeln brechen?", hauchte er sarkastisch.
Seine Stimme raubte ihr den Verstand und sie warf ihn nach hinten aufs Bett, beugte sich über ihn und küsste ihn. Als sie ihm gewährte, sich aufzurichten, war die Wärme in seinen Augen wieder da, das leichte Lächeln...
„Siehst Du jetzt, was ich meine?", fragte er nach einigen Momenten der Stille.
‚Oh ja.' „Nein."
Er stöhnte auf. „Mach die Augen auf! Das alles hier geht zu weit!"

Ein leichtes Schmunzeln umspielte Hermiones Lippen, die noch gerötet waren von ihrem Kuss.
„Was ist?", fragte der Professor, der sie misstrauisch von der Seite beobachtete.
„Mir ist nur gerade aufgefallen, dass Du wieder angefangen hast, mich zu duzen."
Wieder ein Aufstöhnen. „Schluss, Ende, es ist vorbei, das geht so nicht", sagte er bestimmt.
„Ich weiß, Du bist mein Lehrer, blablabla..."
„Schön, dass Ihnen dieses kleine Detail nicht ganz entfallen ist, Miss Granger. Exakt. Und deshalb werde ich jetzt gehen und mit dieser Sache abschließen, was Du... Sie übrigens auch dringend tun sollten."
„Ja, bis wir uns das nächste Mal wieder in die Arme laufen? Und irgendwo alleine sind, wo es ein Bett, eine Couch oder einen Tisch gibt?"

Snape verdrehte die Augen, wandte den Blick ab und schüttelte den Kopf. Hermione fragte sich, ob sie mit dieser Unterstellung zu weit gegangen war und erschrak, als der schwarze Mann neben ihr aufstand und seinen Zauberstab aus dem Umhang holte. Statt sie zu verhexen, schien er jedoch lediglich die Zauber aufzuheben, die er um den Raum gelegt haben musste, um ein ungestörtes Gespräch zu ermöglichen.
„Oder einen Boden", hörte sie ihn leise murmeln. „Torrie?"

Die junge Frau blieb ungläubig auf dem Bett sitzen, zog die Beine an den Körper und starrte Snape an. Torrie? Was meinte er damit, war er jetzt verrückt geworden?
Eine kleine, sauber gekleidete Hauselfe kletterte unter Ginnys Bett hervor, und Hermione verstand: Mit ihrer Hilfe war Snape in den Schlafsaal der Schulsprecherin gekommen, ohne im Gryffindorturm Aufsehen zu erregen oder jemanden erpressen zu müssen, um das Passwort der Fetten Dame zu bekommen.
„Master Severus ist bereit?" Sie nahm Snape bei der Hand, schenkte Hermione ein strahlendes Lächeln und disapparierte.

Hermione blieb vollkommen reglos zurück. Sie fühlte keine Trauer, sie hatte die Gewissheit irgendwo tief in ihr drin, dass dies nicht das Ende war. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass er recht hatte. Es sollte das Ende sein. Sie musste versuchen, weiterzumachen, weiterzuleben.
Snape würde nicht auf sie warten. Jemand anderes schien es durchaus zu tun.

~x~


„Harry!", rief Hermione und hoffte, dass es nicht so gequält klang, wie es sich anfühlte. Sie breitete versöhnlich die Arme aus. „Schön, Dich zu sehen!"
„Und Dich erst!", antwortete der Angesprochene mit einem Grinsen im Gesicht, ließ sich in ihre Arme fallen und drückte sie. Mehr wagte er nicht, dennoch schien er äußerst gut gelaunt zu sein.
Es war Hogsmeade-Wochenende und Hermione und Ginny hatten sich mit Harry und Ron verabredet. Sie ließen sich von einem schlechtgelaunten Filch filzen und waren wenig später auf dem Weg nach unten ins Dorf. Harry hatte Hermiones Hand genommen und Ginny hakte sich nun bei ihrem Bruder unter.

„Leute, ich brauche unbedingt noch Pergament und eine neue Feder. Ihr könnt ja schon mal vor gehen in die Drei Besen, ich bin gleich da", räumte Hermione ein, nachdem sie am späten Nachmittag gemeinsam den Honigtopf geplündert hatten und sich nun auf ein Butterbier freuten. Sie kramte kurz in ihrer Tasche und winkte mit einer zerzausten Feder, die aussah, als wäre sie gerade aus dem Auge eines Hurricanes geschleudert worden.
„Liebe Güte, was ist denn mit der passiert?", fragte Harry glucksend. „Na dann bis gleich!"
Hermione atmete erleichtert auf und realisierte zu spät, dass Ginny es bemerkt hatte. Hatte die Freundin sie durchschaut? Wusste sie, dass die Ältere nur so getan hatte, als sei ihr auf dem Weg zu den Drei Besen erst eingefallen, dass sie am anderen Ende des Dorfes noch etwas kaufen musste? Dass sie den Hintergedanken hatte, dann ein bisschen allein sein zu können?
„Bis gleich!", nickte die Rothaarige dann jedoch munter, winkte kurz und lief weiter. Die Jungen folgten ihr und Hermione dankte ihrer besten Freundin im Stillen. Sie schlenderte die Einkaufsstraße hoch und wieder runter, nun mit ausreichend Pergament und gleich drei neuen Federn beladen.

Als sie das Pub betrat, das zwar gut besucht, aber nicht überfüllt war, entdeckte sie ihre Freunde sogleich an einem Tisch am Fenster. Sie hatten die Köpfe zusammengesteckt und verstummten, als sie sie bemerkten. Hermione hatte das ungute Gefühl, dass sie über sie geredet hatten – doch was gab es da zu reden? Ginny hatte doch nicht etwa -?
Ron winkte sie energisch zum Tisch und Hermiones Schritte wurden hektischer. Kaum hatte sie Platz genommen, deutete er sofort zur Bar. Dort, auf einem Hocker am Tresen, saß Remus Lupin und schien sich beiläufig mit Madam Rosmerta zu unterhalten. Als sie einem anderen Kunden ein Butterbier hinstellte, schien sie wie zufällig Lupins Arm zu berühren. Die Tür des Pubs ging auf und ein Schwarm älterer Herren trat herein und versammelte sich vor der Bar, jeder eine Bestellung rufend. Lupin glitt sofort von seinem Stuhl herunter, um den Tresen herum und half der Wirtin ohne Zögern beim Ausschenken.
„Sieh einer an, warum wissen wir davon nichts?", lächelte Hermione glücklich, als Rosmerta sich mit einem hinreißenden Lächeln offenbar gerade bei Lupin bedankte. Sie konnten erahnen, dass sie hinter der Bar seine Hand gedrückt hielt, denn er blieb noch eine Weile bei ihr stehen und sah sie an, nachdem sich die neuen Gäste bereits einen Tisch gesucht hatten.
„Er hat einen neuen Mantel, und... er sieht gut aus!" Ron pfiff leise durch die Zähne und die Freunde mussten lachen.

Obwohl sie beschlossen hatten, nicht zu ihm hinzugehen und ihn zu stören, sondern ihn bei ihrem nächsten persönlichen Treffen darauf ansprechen wollten, ließen sie Lupin und Rosmerta kaum eine Sekunde aus den Augen und stießen heimlich mit Butterbier auf die beiden an. Hermione ließ sich nicht anmerken, wie unglücklich und unschlüssig sie über ihr eigenes Leben war. Nach außen hin strahlte sie wie immer, und tatsächlich konnte sie kaum ausdrücken, wie sehr sie sich für Lupin freute, doch von innen wurde sie mehr und mehr aufgefressen. Vielleicht von ihrem Gewissen. Vielleicht auch von ihrer Leidenschaft für –

„Reden, Schlafsaal, Du und ich, sobald wir wieder im Schloss sind!"
Hermione drehte sich verwirrt um und starrte in die strengen rehbrauen Augen ihrer besten Freundin.

~x~


„Hermione, Du kannst mir nichts vormachen! Was ist los?"
Hermione saß auf ihrem Bett, während Ginny im Schlafsaal hin und her tigerte.
„Ich habe mit Snape geschlafen, kannst Du mir bitte ein paar Tage geben, um das zu verdauen?" Die Ältere versuchte ein schiefes Lächeln zustande zu bringen.
„Was hat er getan?", bohrte die Rothaarige nach.
„Warte, willst Du gerade die schmutzigen Details?", fragte Hermione und versuchte, es ironisch klingen zu lassen; sie beugte sich nach unten und begann langsam ihre Schuhe auszuziehen, um Ginny nicht mehr ansehen zu müssen.
„Es hat Dir gefallen, oder?"
„Sehr." Hermione verzog keine Miene, mied jedoch, nach unten gebeugt, weiterhin den Blick der Freundin.
„Und glaubst Du, Du liebst ihn? Oder könntest Dich in ihn verlieben?"
„Nein." ‚Nein?' Sie öffnete den Mund, als wollte sie noch etwas hinzusetzen, und schloss ihn wieder.
Ginny hatte das Zögern bemerkt. „Aber?", setzte sie nach.

„Es ist kompliziert." Die Siebtklässlerin hielt kurz inne, um ihre Worte sorgfältig abzuwägen, doch plötzlich brach es einfach aus ihr heraus: „Wir werden einfach voneinander angezogen! Naja, eher ausgezogen. Seit der Nacht haben wir uns zwei Mal wieder getroffen und uns geküsst. Gestern Abend war er noch mal hier und hat die Sache für beendet erklärt, aber wir haben uns natürlich wieder geküsst. Er ist dann gegangen mit dem Kommentar, dass er gehen und mit dieser Sache abschließen wird und ich das auch tun sollte. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es nicht vorbei ist und dass wir das beide auch wissen."
Ginny hatte sprachlos zugehört und war sichtlich perplex. Ganz langsam nickte sie. „Was ist mit Harry?" Als Hermione um eine Antwort herumdruckste, fragte sie weiter: „Liebst Du ihn?"
Die Andere wägte mit dem Kopf ab. „Ich weiß es nicht. Irgendwie schon, da ist etwas. Aber allein mein schlechtes Gewissen wegen Se-Snape lässt es nicht zu, dass ich die Zeit mit ihm wirklich genieße."
Nun wusste Ginny also Bescheid. Aber was nun? Nun war die Sache höchstwahrscheinlich noch viel schlimmer als vorher.

„Puh, Deine Situation ist schwieriger als ich dachte", bestätigte die Rothaarige.
„Wie schön, dass wir uns einig sind."
„Oh ja."
„Dann siehst Du sicher auch ein, dass Du mir da nicht helfen kannst außer Stillschweigen darüber zu bewahren und mich das alleine entscheiden zu lassen?"
Ginny wiegte den Kopf hin und her. „Na ja, ich denke schon, dass ich Dir als beste Freundin da beratend zur Seite stehen kann", sie zwinkerte, „aber die Entscheidung kann ich Dir natürlich nicht abnehmen."
Hermiones Blick wurde weicher und ihr Körper entspannte sich ein wenig. Ginny machte ihr keine Vorwürfe, weil sie so leichtsinnig mit ihrem „Gewinn" spielte, um den auch Ginny hart gekämpft hatte; um Harry.
„Aber Du sagst keinen Ton zu niemandem?", fragte sie durch zusammengebissene Zähne.
„Natürlich nicht, wofür hältst Du mich denn!"
„Du bist ein Schatz. Ginny, es tut mir leid, ich weiß wie unangebracht und bescheuert das alles ist."
„Mione, es ist für alle Beteiligten nicht leicht, sicher auch mich eingeschlossen, aber Du hast es Dir nicht ausgesucht. Unerwartete Dinge passieren ständig, und dann muss erst ein Weg gefunden werden, wie man mit ihnen umgeht. Denk einfach drüber nach und nimm Dir Zeit, um Dir darüber klar zu werden, was oder wen Du willst. Ich würde jetzt noch ein bisschen in den Gemeinschaftsraum gehen, ja? Kann ich Dich alleine lassen oder soll ich lieber hier bleiben?"
„Quatsch, geh schon, ich wühle hier mal ein bisschen in meinen Gefühlen rum."
Die Rothaarige umarmte ihre beste Freundin herzlich und verließ mit einem letzten tröstenden Blick den Schlafsaal.

Hermione blieb mit einem mulmigen Gefühl zurück, doch ihr Herz war nun eine Tonne leichter. Sie hatte mit Ginny über ihr Empfinden gesprochen und diese hielt dennoch zu ihr, hatte sogar in dieser Situation ein offenes Ohr für sie. Das war Hermione wichtiger als alles andere.
Sie hatte eine wahre beste Freundin.

~x~


Die nächsten Tage überstand Hermione einzig und allein durch Ginnys Unterstützung. Ginny verstand sie ohne Worte und machte ihr den Weg frei, wenn Hermione alleine sein wollte. Dann hielt sie Harry von ihr fern und sorgte dafür, dass niemand sie störte. Hermione schaffte es mit ihrem harten Willen, sich in Zaubertränke wieder auf den Unterricht statt auf ihren Lehrer zu konzentrieren, der sie wiederum weitestgehend normal behandelte, und fühlte sich schließlich zum ersten Mal seit Langem wieder einigermaßen wohl. Dieses Gefühl nahm immer mehr zu – bis sie eines Morgens singend aus ihrem Schlafsaal kam und sich Harry um den Hals warf. Dieser nutzte sogleich die Gelegenheit und küsste die überschwängliche junge Frau. Sie erwiderte den Kuss überrascht und machte zum ersten Mal keine Anstalten, danach weglaufen. Von da an setzte sie alles daran, Harry so nah wie möglich zu kommen.
Harry seinerseits erwiderte ihre Gefühle, Ron beobachtete die beiden belustigt und Ginny war erleichtert, dass es Hermione besser ging.

Auch vor dem Kerker, in dem der Zaubertränkeunterricht stattfand, ließ Hermione am Donnerstagmorgen nicht von Harry ab. Sie standen, seitlich gegen eine Wand gepresst, zwei Meter von der Klassenzimmertür entfernt und küssten sich zärtlich. Aus den Augenwinkeln konnte sie Snape kommen sehen, doch es störte sie nicht. Sie war bei Harry, was kümmerte sie Snape?
Augenblicklich wurde es still um sie herum und sie realisierte nur halb, dass der schwarze Mann offenbar stehengeblieben war und das Paar angewidert beobachtete. Lavender brach mitten in einem Satz an Parvati gewandt ab und auch alle anderen verstummten in angespannter Erwartungshaltung. Ron hielt die Luft an.
„Was haben Sie Granger denn gegeben?", fauchte der Professor da auch schon in ihre Richtung. Harry ließ schockiert von Hermione ab und starrte mit einer Mischung aus Scham und Verwirrung über dessen Aussage zu Snape.
„Was schauen Sie mich so an? Als würde Granger sich ohne Hilfsmittel freiwillig auf diese Art mit Ihnen abgeben!" Damit rauschte er in sein Klassenzimmer. Als seine Schüler ihm nicht sofort nachsetzten, rief er beinahe zornig nach draußen: „Die Stunde beginnt!"

Wortlos trotteten die Siebtklässler durch die Tür und ließen sich an ihren Tischen nieder.
„Vielleicht sollten wir Amortentia brauen, damit Potter auch in Zukunft Erfolg bei Granger hat", herrschte Snape die Klasse an.
Alle starrten Harry und Hermione an. Sie hatte die Hand unschuldig auf ihrem Schoß liegen und warf Harry gerade ein beinahe verführerisches Lächeln zu.
„Obwohl das nicht nötig sein dürfte, wenn ich mir das so ansehe", schnappte der Lehrer.
Nachdem er ihnen eine Aufgabe gegeben hatte, streifte er durch den Kerker und machte bei manchen Schülern Halt, um ihnen Anweisungen zu erteilen, wobei er an Kritik wie üblich nicht sparte. Hermione hatte Mühe, ihren Trank richtig zu brauen, so sehr war sie auf Harry fixiert. Snape bemerkte es mit wachsamem Auge.

„Potter!", bellte er.
Der Angesprochene schrak auf.
„Kommen Sie hier nach vorne, ich will keine heißen Szenen in meinem Klassenraum sehen! So wie Granger aussieht würde sie nicht davor zurückschrecken, Sie vor meinen Augen zu verführen! Weasley, Sie kommen mit nach vorne, vielleicht kann sich Miss Granger dann auf sich selbst und ihre Aufgabe konzentrieren."
Harry und Ron gehorchten widerwillig, packten ihre Sachen zusammen, nahmen ihre Kessel und setzten sich nach vorne vor Snapes Pult. Hermione beobachtete verärgert, wie der Lehrer sogleich zu den beiden Jungen an den Tisch trat, sich weit über Harry beugte und über dessen Trank spottete.
Sie wandte die Augen ab und ihre Konzentration besserte sich kaum merklich, bis sie plötzlich eine scharrende Stimme direkt in ihrem Ohr vernahm.
„Miss Granger, Sie wirken heute sehr abgelenkt. Konzentrieren Sie sich auf den Unterricht und auf Ihren Trank!"

Klack. Als hätte Snape einen Schalter umgelegt, war es aus, das sonst so leistungsfähige Gehirn. Oder wurde es angeregt? Zumindest einige Gedanken, die hier eindeutig nichts zu suchen hatten, wurden angeregt und veranlassten Hermiones Nackenhaare, sich zu Berge zu stellen.
„Was ist?", hauchte er und Hermione spürte seinen starken Oberkörper an ihrer Schulter und ihrem oberen Rücken.
Sie verfluchte ihn innerlich, als sie mit zitternden Händen die grünliche Flüssigkeit in ihrem Kessel umrührte, im verbissenen Versuch, ihn einfach zu ignorieren. Was wollte er mit solch einer Aktion nun wieder bezwecken, er, der ihre kleine Liebschaft erst kürzlich für beendet erklärt hatte? Er, dessen Lippen sie noch immer spüren konnte.
„Wenn Sie so weitermachen, muss ich Ihnen leider Nachhilfe geben", fuhr er fort und ihre Augen flatterten einen Moment und fielen dann zu, als hätte seine dunkle Stimme sie in eine Art Trance versetzt. „Wollen Sie das etwa?"
„Oh ja", rutschte es ihr sehnsüchtig flüsternd heraus, ehe sie es zurückhalten konnte, und sie riss die Augen auf. ‚Okay, ganz ruhig, Hermione. Atmen. Ich bereue nichts!', versuchte sie sich sofort einzureden. Vielleicht hatte sie es gar nicht laut gesagt, oder nicht laut genug als dass er es hätte hören können.
„Na dann...", wisperte er jedoch prompt und hob die Stimme, sodass alle es hören konnten: „Granger, wenn Sie sich nicht zusammenreißen können, müssen Sie heute Abend zum Nachsitzen kommen. Um neun stehen Sie hier, und wehe wenn nicht!"
Schon beim letzten Wort hatte er sich umgedreht und war nach vorne geeilt, um von dort aus die Hausaufgaben zu verkünden und den Unterricht zu beenden. Hermione verfluchte ihren Körper still dafür, dass er sie so schamlos verraten hatte. Ein kurzes Zucken, ein Moment der Unachtsamkeit, ausgelöst durch seine bloße Nähe – und sie hatte gleich dreimal zu viel gerührt.

„So ein Trottel! Konnte er uns nicht einfach dort sitzen lassen, ich meine, was geht ihn das an!", beschwerte sich Harry auf dem Weg nach oben in die Eingangshalle lautstark. „Kann er nicht mal seine lange Nase aus unseren Angelegenheiten raus- und uns in Frieden lassen? Und jetzt hast Du auch noch Nachsitzen!", brauste er weiter auf.
„Harry, ganz ruhig... Die Stunde ist vorbei und dass ich nachsitzen muss ist nicht schlimm. Ich kann diesen Trank brauen, ich war vorhin nur so in Gedanken, so... verliebt..."
Harry blieb stehen, packte sie am Arm und riss sie eine Sekunde lang von den Füßen, um sie zu küssen. Hermiones Atem setzte kurz aus, nicht nur wegen Harrys Überfall, sondern weil ihr der Gedanke gekommen war, dass sie nicht sicher war, ob das, was sie gerade gesagt hatte, wirklich zutraf.

Und wenn doch, blieb immer noch die Frage, wen sie damit gemeint hatte. Sie versuchte die Enttäuschung darüber zu unterdrücken, dass die Augen, die sie liebevoll anstrahlten, grün waren.
Grün, nicht schwarz.

~x~