Herzlicher Dank geht wieder an DH4-ever, freut mich, dass Du Spaß hattest:)))! Jetzt geht's weiter mit Kapitel 8, fröhliches Lesen an alle!


In Kapitel 7: Die Revanche ist geglückt, Hermione und Ginny haben Severus Snape in seine eigene Falle laufen lassen und ihm seinen eigenen Zaubertrank untergejubelt. Doch sie verliefen sich in den Kerkern und fanden nicht rechtzeitig heraus, ehe die Wirkung des Tranks nachließ und der Tränkemeister wieder zu sich kam...


Kapitel 8 - Eine Reihe von Entschlüssen

„Miss Weasley, verschwinden Sie, verdammt noch mal!"
Ginny schaute schockiert von Snape zu Hermione, die zwar aussah wie ein Reh im Scheinwerferlicht, der Rothaarigen aber schwach zunickte. Diese streckte die Hand aus und hielt der Älteren stumm den Tarnumhang hin.
„Den Umhang können Sie mitnehmen, Granger wird ihn nicht brauchen!", zischte Snape jedoch. Mit einer geschmeidigen Bewegung zog er den Zauberstab aus seinem Umhang und kurz darauf sprang eine silberne Hirschkuh um Ginny herum. Leichtfüßig tanzte sie den Gang entlang und Ginny folgte dem Patronus mit einem letzten besorgten Blick über die Schulter zu ihrer Freundin, die diesen nicht minder verzweifelt erwiderte.

„Nun, Miss Granger?"
Schweigen.
„Sie haben also nichts zu ihrer Verteidigung zu sagen?"
„Wofür soll ich mich verteidigen?", schnappte sie. „Wer hat denn mit dem Trank angefangen, wer hat ihn denn gebraut? Und ich soll mich verteidigen? Lass Du Dir da lieber mal eine gute Ausrede einfallen!"
„Und Sie sagen mir, Sie sind kein kleines Kind? Sie reden wie eins, dem ein anderes gerade sein Schaufelchen im Sandkasten weggenommen hat."
„Ich würde gerne hören, was Du zu sagen hast", beharrte Hermione ruhig.
„Da können Sie lange warten!", antwortete Snape aalglatt.
„Gut, dann werde ich jetzt zum Schulleiter gehen und ihm alles erzählen."
Bei diesen Worten umspielte tatsächlich ein Grinsen seine Lippen. „Klar, tu das. Falls Du eines schönen Tages den Weg hier raus findest."
Sie fluchte innerlich.

„Ich hätte da allerdings eine bessere Idee", sagte er und machte einige Schritte auf sie zu. Obwohl sein Ton gleichgültig war, so als würde er einen Brettspiel-Abend vorschlagen, war seine Intention doch eindeutig.
„Ach ja? Ich nicht, ich bin nicht in der Stimmung für Gesellschaftsspiele!" Hermione wich vor ihm zurück, fest entschlossen, dass nichts zwischen ihnen passieren würde. Er folgte ihr und schließlich stieß sie gegen die Wand, wo sie keine Ausweichmöglichkeit mehr hatte. So steinhart wie die Wand in ihren Rücken drückte, so butterweich waren ihre Knie. Ihr Widerstand brach in dem Moment zusammen, in dem im Gegenzug Snapes Besinnung kam und er offenbar mit großer Mühe versuchte, wieder Abstand zwischen sie zu bringen.
„Siehst Du jetzt, warum ich Dir den Trank verabreichen wollte?" Er keuchte die Worte beinahe und stützte sich mit einem Arm neben Hermione an der Wand ab, sein Gesicht noch immer nur knapp vor ihrem.
„Nein, erklär's mir", flüsterte sie sehnsüchtig, die Augen fest auf seinen Mund gerichtet. „Erzähl mir von Deiner Idee, Deiner viel aufregenderen Alternative zu meinem Besuch beim Schulleiter."
„Wir können nicht—Hermione, wir können das nicht mehr tun."
„Das sah gerade eben noch ganz anders aus", lächelte sie und ließ ihre Hand seinen Oberkörper entlang zu seinem Hals wandern, um dann seinen Nacken zu umfassen.
„Ich wollte Dir den Trank verabreichen, damit wir nicht ständig wieder auf dumme Gedan—"

„Du bist der Meister der Zaubertränke!", schnitt die junge Frau ihm plötzlich mit klarer Stimme das Wort ab, so als hätte sie gerade einen Geistesblitz gehabt. „Du weißt schon, dass ein Liebestrank keine Liebe beschwört."
Er rollte die Augen. „Aber es kommt durchaus vor, dass man sich verliebt, wenn man einander nahe ist."
„Aha", machte Hermione nur, rollte die Augen und ließ seine Worte sacken. Menschen verliebten sich ineinander, wenn sie einander nahe waren, und nachdem sie Severus schon mehrmals nahe gewesen war, sollte sie sich mit einem Mal plötzlich von Zauberhand in Harry verlieben; interessante These. Sie verdrängte den Gedanken und versuchte stattdessen ihn zu küssen, seine Lippen zu erreichen, doch er zog sich spielerisch immer wieder ein Stück zurück. „Severus!"
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sich endlich zu ihr beugte, ihre Lippen fand und seine Hände über ihren Körper gleiten ließ.

~x~


Noch immer schnell atmend saß Hermione, gegen Severus' Oberkörper gelehnt, auf dem Boden im dunklen Kerkergang. Ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter und sie spürte, wie sich sein Atem langsam beruhigte. Sie hatte so viele Fragen an ihn, wollte so viele Antworten. Am brennendsten interessierte sie, was er für sie empfand, doch sie verspürte nicht das geringste Bedürfnis, ihm diese Frage zu stellen. Nicht in diesem friedlichen Moment.

Ein Ruck ging durch Severus' Körper, etwas musste ihm gerade eingefallen sein. „Du hast Malfoys Gedächtnis manipuliert?", fragte er nachdrücklich.
„Er kann sich an nichts erinnern, was er hier unten gesehen hat."
Halb erwartete sie, dass er ihr Vorwürfe machen würde, dass sie zugelassen hatte, dass er ausgerechnet Draco Malfoy geküsst hatte, doch er verlor kein Wort darüber. „Ich werde ihm morgen früh sicherheitshalber noch einen zusätzlichen Gedächtniszauber aufhalsen."
„Solltest Du das nicht lieber lassen? Du machst Dich doch strafbar."
„Wenn rauskommen würde, was zwischen uns ist, würde ich sowieso meinen Job verlieren, dann kommt es darauf nun wirklich nicht mehr an."
Nun rutschte ihr ihre Frage doch heraus: „Was ist denn zwischen uns, Severus?"
Er sah sie einen Moment lang nachdenklich an. „Ich weiß es nicht. Aber wir sollten gehen", wich er dann schnell aus. „Morgen ist Unterricht."
Damit erhob er sich, half ihr auf und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Wenigstens dachte er noch daran, sie aus diesem Labyrinth herauszuführen, wenn er ihr schon keine Antwort gab.

Als Hermione den Kerker zu ihrer Rechten wiedererkannte, wollte sie sich an dem schwarzen Mann vorbeidrücken und losrennen, doch er hielt sie auf und drückte sie erneut gegen die Wand. Sie schloss die Augen, nahm all ihre Willenskraft zusammen und drückte ihn von sich weg.
„Nein. Solange Du nicht weißt, was zwischen uns ist, will ich das nicht mehr", erklärte sie ruhig, auch wenn ihrer Stimme die Mühe, mit der sie sich beherrschte, anzuhören war.
„Weißt Du es denn?" Er hatte sich deutlich besser unter Kontrolle, und das ärgerte sie.
„Nein", gab sie zu, beugte sich vor und küsste ihn.

Nur Sekunden später ließ er sie los, sah ihr noch einmal kurz in die Augen, drehte sich um und verschwand. Seufzend machte sich die Schülerin auf den Weg zum Gryffindorturm, wo Ginny sicher in ihrem Schlafsaal sitzen und auf sie warten würde.

~x~


„Hermione!"
„Ginny."
„Was hat er getan? Du siehst ziemlich fertig und zerzaust aus", stellte Ginny misstrauisch fest.
„Bin ich auch", murmelte Hermione.
„Deute ich die Sache richtig?"
„Ich denke schon", gab die Ältere zu.
„Hat er noch irgendetwas gesagt oder hat er Dich gleich flachgelegt?"
Hermione begann zu schluchzen und vergrub ihren Kopf in den Händen. Ginny setzte sich neben sie, strich ihr sanft über den Kopf und legte ihr einen Arm um die Schulter.
„Hey... Süße, ich mach Dir keine Vorwürfe, ja?", tröstete sie die Freundin, „ich will nur das Beste für Dich und ich denke, es wäre hilfreich zu wissen, was euch beiden diese Sache bedeutet."
„Ich habe ihn gefragt", sagte Hermione nach einer kurzen Pause, „und alles, was er dazu gemeint hat, war, ‚ich weiß es nicht'."
„Und was meinst Du dazu?", fragte Ginny besorgt.
„Dasselbe! Das ist ja das Schlimme."
„Oh ... Das ist natürlich... kompliziert."
„Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, ist da ja auch noch Harry!"
Ginny dachte angestrengt nach. „Kann ich irgendetwas für Dich tun?", fragte sie.
„Nein. Damit muss ich fertig werden. Ich muss nachdenken. Ginny – danke!" Hermione breitete die Arme aus und drückte Ginny, die als Antwort lächelte und sich dann wieder in ihr Bett legte, während die Ältere sich am Schreibtisch niederließ und den Kopf mit den Händen abstützte.

„Ich werde die Sache mit Severus beenden", sagte Hermione plötzlich laut. „Wir werden beide von der Schule fliegen, wenn rauskommt, was zwischen uns ist."
„Dann wüsstet ihr vielleicht wenigstens, was da zwischen euch ist", zwinkerte Ginny, war jedoch schon auf den Beinen und setzte sich neben Hermione an den Schreibtisch. „Wie willst Du es ihm sagen? Persönlich?"
Hermione starrte nachdenklich ins Leere. „Schreiben wäre vielleicht die sicherste Methode. Ja, ich werde ihm schreiben. Jetzt sofort."

Ginny nickte, und nur zwanzig Minuten später lasen die Schülerinnen noch einmal durch, was sie gemeinsam geschrieben hatten:

S-
wir sollten alles vergessen, was war, bevor wir beide von der Schule fliegen wegen einer Sache, die wir nicht einmal definieren können. Das lasse ich nicht zu und bitte eindringlich darum, dass wir in Zukunft auf Abstand bleiben.
Gute Nacht,
-H

„Ja?", versicherte sich Ginny noch einmal mit einem Blick zu Hermione. Als diese nickte, rollte sie das Pergament zusammen und band es Pigwidgeon ans Bein. „Bring das zu Professor Snape."

~x~


Schon am nächsten Morgen geriet die frisch getroffene Entscheidung ins Wanken, als Hermione allein zum Frühstücken in die Große Halle trat. Dort war weniger los als üblich; Professor Flitwick war nicht da, deswegen hatten die Sechstklässler in der ersten Stunde keinen Unterricht.
Hermione sah sofort, dass der Tränkemeister seine Augen starr auf den Eingang der Halle gerichtet hatte. Nun, da sie eintrat, heftete er seinen Blick an sie, folgte ihr bis an ihren Platz am Gryffindortisch und ließ ihn dort auf ihr ruhen.
Hermione war fast über Parvati Patils Tasche gestolpert, so sehr war sie darin vertieft gewesen, eben diesen Blick zu erwidern. Als sie sich setzte, wurde er ihr jedoch unangenehm und sie sah auf. In diesem Moment drehte Snape den Kopf weg und wandte sich Dumbledore zu, der sich überschwänglich lächelnd auf eine Unterhaltung mit ihm einließ. Jetzt hatte die Schülerin Zeit, ihn zu beobachten.

„Mione?", gähnte da eine Stimme neben ihr.
„Ginny, Du hast es schon aus den Federn geschafft!" Sie grinste ungläubig.
„Ja, aber mehr schlecht als recht..."
„Das sehe ich", lachte Hermione und verbannte Snape aus ihrem Kopf und Blickfeld.
„Wie kannst Du nach so einer langen Nacht um diese Uhrzeit schon lachen?", stöhnte Ginny schlaftrunken.
„Ich bin einfach nur gut gelaunt und drücke das durch Enthusiasmus aus", antwortete Hermione, nicht ohne ein wenig Ironie. „Und Du bist schon hier, weil...?", fragte sie dann mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Weil ich gleich Zauberkunst habe?", entgegnete die Rothaarige.
„Das dachte ich mir", lächelte Hermione. „Wirf einen Blick zum Lehrertisch und denk kurz nach."

Es dauerte nur einen Augenblick, bis Ginnys Augen zum Lehrertisch flatterten und ihr Kopf sanft auf den Tisch knallte.
„Geh wieder schlafen, Süße", schlug Hermione vor und tätschelte der Jüngeren den Arm. Als keine Reaktion kam, beugte sie sich nach unten, um einen sanften Kuss auf die roten Haare zu platzieren. „Warte", flüsterte sie dann, „ich mach Dir noch schnell zwei Brote, die Du mitschmuggeln kannst, dann kannst Du im Schlafsaal frühstücken."
„Du Heldin", murmelte Ginny und legte Hermione verträumt eine Hand auf den Arm. Hermione musste ein Grinsen unterdrücken, als sie bemerkte, dass Professor McGonagall die Szene beobachtet hatte und sich nun zufrieden lächelnd abwandte.
Noch während sie die Brote schmierte, kamen Harry und Ron in ihre Richtung gelaufen.

„Morgen, Mädels!", grüßten sie.
„Moin, ihr beiden", gähnte Ginny.
„Guten Morgen", meinte schließlich auch Hermione und klang dabei noch unmotivierter als ihre beste Freundin. Sie war froh, dass Harry keine Anstalten machte sie zu küssen, denn das war das Letzte, das sie unter Snapes Augen gebrauchen könnte, außerdem würde das sicher zu erheblicher Verwirrung auf Seiten Professor McGonagalls führen.
Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Snapes Blick wieder auf ihr ruhte, doch diesmal empfand sie es nicht als unangenehm. Hermione wandte sich ein Stück um, sah in seine schwarzen Augen und versuchte deren Ausdruck zu deuten. Sie machten ihr keinen Vorwurf, aber sie schienen schmerzerfüllt. Er hatte noch nicht abgeschlossen und war verletzt, doch obwohl sie ihm Kummer bereitete, hatte er ihre Entscheidung akzeptiert. Sie hielt es nicht mehr aus und Tränen stiegen in ihre Augen. Sie blinzelte und er sah weg, vielleicht weil er ihren inneren Kampf beobachtet hatte.
„Ich geh noch mal kurz nach oben, mir ist ein bisschen schlecht", gab Hermione bekannt und mimte dabei so gut eine kranke Frau nach, dass Harry und Ron ihr das ohne Weiteres durchgehen ließen.
Im Schlafsaal stellte sie erleichtert fest, dass Ginny bereits wieder eingeschlafen war. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und starrte an die Decke, bis es Zeit war, zum Unterricht zu gehen.

~x~


Als Ginny nach dem Quidditchtraining am Abend den Schlafsaal betrat und Hermione am Schreibtisch sitzen sah, blieb sie mitten im Raum stehen und fragte unvermittelt: „Meinst Du nicht, wir sollten ihm mal wieder zeigen, wo es langgeht?"
Hermione fuhr herum. „Wie, was meinst Du?"
„Snape hat schon so lange nichts mehr von uns gehört. Wir haben ihm am Anfang des Schuljahres das Leben quasi zur Hölle gemacht und haben damit aufgehört, als Du die Wette gewonnen hast. Ich bin mir sicher, er vermisst das schon...", grinste die Rothaarige.

„Du kannst unmöglich ernsthaft vorschlagen, dass wir eine neue Wette abschließen sollten!", stöhnte Hermione entgeistert.
„Lieber Himmel, nein! Ich habe nur gesagt, dass ich dafür wäre, ihn noch ein bisschen zu quälen."
Hermione war nicht sicher, was sie von dieser Idee halten sollte.
Die Jüngere schien ihr Zögern zu bemerken. „Liebes", begann sie erneut, „er hat uns das Leben so lange schwer gemacht, mir wird er es auch nächstes Jahr noch schwermachen, er hat es verdient, dass er das mal zurückkriegt."
Die Andere zweifelte noch immer. „Aber er war so getroffen. Heute Morgen in der Großen Halle... er -"
„Ich habe seine Blicke gesehen, aber glaub mir, er hat verstanden, dass er keine Chance mehr hat, und er wird bald wieder anfangen, Dich zu attackieren wie eh und je, warte nur ab! Das mag vielleicht einfach seine Art sein, aber er wird es nun einmal tun, Du wirst schon sehen."
„Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Außerdem wird das nur dazu führen, dass wir wieder im Bett landen, wenn ich ihn wieder anflirte!"

„Es muss ja gar nicht immer um Flirten gehen", beharrte Ginny. „Ihn ein bisschen bloßzustellen und ihm ein paar Streiche zu spielen wäre doch mindestens genauso lustig!"
Bei diesem Argument gab die Ältere sich geschlagen. „Einverstanden."
„Ich werde nächste Woche gleich damit anfangen!", triumphierte Ginny und hielt ihrer besten Freundin die Hand hin, die mit einem amüsierten Seufzen einschlug.

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