Und es geht endlich mal weiter. Unser lieber Edward taucht auch endlich auf und natürlich gibt es ein wiedersehen mit Mr. Jacob Black.

Ein RIESEN Dankeschön an meine Beta die wie immer alles gegeben hat und mich mit ihren Kommentaren permanent zum schmunzeln bringt. Ich darf beim lesen was sie schreibt nichts trinken. Glaubt mir es ist besser so :)

Bellas Sicht

Die Nächte unter freiem Himmel waren, trotz Lagerfeuer, verboten kalt. Fest schlang ich meinen mittlerweile schmutzigen Morgenmantel um meinen Körper um mich noch ein wenig auszuschlafen, bevor ich den Weg nach Armadillo antreten würde, zu Fuß.

Ich hatte mich gerade wieder hingelegt, als sich schwere Schritte dem Lager näherten. Ein leises Murmeln war zu hören und als meine Name fiel wusste ich, dass ich mich verstecken musste. Leise kroch ich hinter die kleine Hütte an die ich mich zum Schlafen gelehnt hatte. Weit und breit war nichts wo ich mich hätte verstecken können und so versuchte ich, als ich sah wie die zwei düster aussehenden Männer jeden im Lager genau musterten, die Tür aufzustemmen die in den Schuppen führte.

Tatsächlich öffnete sie sich einen winzigen Spalt, gerade weit genug das ich hinein kriechen konnte. Keine Zehn Sekunden später traten die beiden um die Hütte herum. Ich drückte mich in die Ecke und betete inständig, dass sie die offene Tür nicht bemerken würden. Mein Herz blieb kurz stehen, als einer der Beiden sich plötzlich in den Spalt zwängte, um einen Blick hinein zu werfen.

„Dillan, was ist wenn die Kleine hier drin ist? Der Boss wird rasend sein vor Wut wenn wir sie nicht finden." Die Antwort seines Kumpanen verstand ich nicht, nach einem weiteren prüfenden Blick war der Typ verschwunden.

Nach diesem Schock wartete ich bis die Siedlung anfing aufzuwachen. Leise verschwand ich aus meinem Versteck und wanderte vorsichtig die Straße entlang, um zu vermeiden meinen beiden Verfolgern in die Arme zu laufen. Sehnsüchtig sah ich von weitem zu wie meine Mitreisenden vom Vortag wieder in die Kutsche stiegen. Der Kutscher bemerkte anscheinend meine Abwesenheit, sah sich kurz um und winkte mir zu. Ich hob die Hand und schüttelte verneinend den Kopf, was er mit einem müden Schulterzucken quittierte.

Seufzend machte ich mich auf den Weg. Ich hatte gut zwei Stunden in der prallen Hitze der Prärie verbracht, als ein Planwagen neben mir anhielt und die nette Dame, ich erinnerte mich vage das sie Helen hieß, vom Lagerfeuer lächelnd fragte ob ich nicht mitfahren wollte.
Erleichtert nicht noch mehr Stunden hier verbringen zu müssen, kletterte ich hinten auf die Ladefläche auf der schon zwei Männer und ein Mädchen in meinem Alter mitfuhren.

Ich lehnte mich zurück und genoss den Fahrtwind, als die beiden Kutschpferde an Tempo zulegten.

-Währenddessen in Rathkeller Forks-

Edwards Sicht:

Im leichten Trab lenkte ich mein Pferd durch die geöffneten Tore der kleinen Pension. Noch nie war das kleine, verwahrloste Drecksloch Rathkeller Forks einen Besuch wert gewesen. Mehr als ein paar verlauste leichte Mädchen und schlechten Bourbon gab es hier nicht.

Doch heute war ich hier um einen neuen, sehr lukrativen Auftrag anzunehmen. Ein reicher Bonze wollte sein Mädchen zurück. Nichts einfacher als das. Tausendmal gemacht. Nichts Neues.
Die anderen Kopfgeldjäger hatten allesamt abgelehnt. Jacob Black galt als skrupellos.
Damit konnte ich umgehen, dasselbe sagten die Menschen auch über meine Wenigkeit.

Ich betrat den Saloon, ließ meinen Blick über die Tagelöhner und Prostituierten gleiten die sich in dem kleinen Wirtshaus tummelten, bevor ich an die Theke trat.

„ Was darf's sein?"
„Bourbon. Aber der Gute. Der den du unter der Theke versteckt hältst".

Der Barkeeper zog eine Grimasse, holte dann aber doch eine staubige, alte und halbvolle Flasche hoch und goss mir ein Glas ein.

Kaum hatte ich daran genippt, betrat ein junger Mann indianischer Abstammung den Saloon aus einer Seitentür und gesellte sich zu mir an die Theke, orderte ebenfalls einen Bourbon und prostete mir kurz zu.
„Mr. Cullen, richtig? Man hat mir mitgeteilt, dass sie sich für meinen Auftrag interessieren."
Schweigend nickte ich ihm zu und er fuhr fort.

„Mir ist ein sehr wertvoller Besitz abhanden gekommen. Es handelt sich dabei um meine zukünftige Ehefrau. Meine Angestellten konnten ihre Spur bis zur Mc Farlanes Ranch verfolgen. Dort verliert sich ihre Spur. Sie ist weder in eine Kutsche noch in einen Zug gestiegen, was bedeutet, dass sie sich noch in der näheren Umgebung befinden muss. Ich möchte, dass Sie sie finden und zu mir bringen. Nach dieser langen Reise möchte ich nun endlich nach Hause zurückkehren. Mit meiner Verlobten."
Ich schob mein Glas zum Barkeeper und er schenkte mir ohne zu fragen ein weiteres Mal nach.
„Und was springt für mich dabei raus? Mister Black?"

„Sie werden natürlich großzügig entlohnt werden. Je nachdem wie schnell Sie meine Verlobte finden."

Mir gefiel die Tonart in der er Verlobte oder Ehefrau aussprach nicht. Aber ich stellte keine Fragen, mich darum zu kümmern ob es sich nun tatsächlich um seine Frau handelte oder nicht, gehörte nicht zu meinen Aufgaben.
Ich leerte mein Glas, stellte es ab und nickte Jacob Black zu. „Ich bin in ein paar Tagen wieder bei Ihnen, Mr. Black. Mit Ihrer Verlobten."
Ich zahlte und machte kehrt, um mich auf den Weg zu meinem Lager zu machen. Meine Brüder Jasper und Emmett wollten mich dort treffen. Ich hatte noch etwas Zeit bevor ich mich auf die Suche nach dem Mädchen machte.

Draußen reichten mir Jacobs Handlanger einen Umschlag und verschwanden im Saloon, vermutlich um sich eins der Mädchen aufs Zimmer zu holen, jetzt wo ich ihnen ihre Arbeit weggenommen hatte.
Endlich konnte ich diesen kleinen Schandflecken wieder hinter mir lassen.

Bis zum Einbruch der Nacht hatte ich es zu meinem Lager, der Cueva Seca geschafft und wurde laut gröhlend von meinen Brüdern, Emmett und Jasper, empfangen. Wir genehmigten uns noch den ein oder anderen Schluck Hochprozentiges, bevor die Beiden in ihren typischen komaähnlichen Schlaf fielen.
Ich nutzte die Gelegenheit und holte den Umschlag hervor. Darin befand sich eine genaue Beschreibung des Mädchens, Isabella Marie Swan, und ein Bild. An diesem Abend am Feuer konnte ich meinen Blick nur sehr schwer von dem Mädchen lösen. Ihre Augen obgleich Schwarz/Weiß auf der Fotografie, waren wie tiefe Seen in denen man versinken konnte. Versinken wollte.

Ich schüttelte energisch den Kopf, steckte das Foto wieder weg und legte mich schlafen. Es war nicht meine Art mich von Äußerlichkeiten ablenken zu lassen. Ich würde sie finden, auf mein Pferd werfen und sie bei Jacob Black abliefern. Vermutlich würde ich noch eine fette Belohnung abgreifen und vielleicht würde ich danach meine Eltern besuchen, die eine kleine Farm gut versteckt mitten im Nirgendwo hatten. Meine Brüder waren mit ihren Ehefrauen zu Hause bei unseren Eltern geblieben und hatten angefangen selber eine Familie zu gründen.

Irgendwann schlief ich ein und träumte von braunen sanften Augen, die flehend zu mir aufblickten.

Bellas Sicht:

„Pass auf dich auf, Mädchen." verabschiedete sich Helen und ich winkte ihr zu als sie mit ihrer Kutsche die kleine Stadt verließ. Den Rest meines mageren Budgets steckte ich wieder in meine Manteltasche.
Hier war ich nun. Armadillo im Staate New Austin. Geschäftig wuselten die Menschen durch die staubigen Straßen. Kleine Geschäfte säumten die Straße. Direkt gegenüber der Zugstation befand sich ein Saloon mit Pension, in der ich, nachdem ich feststellen musste dass ich auch hier wieder kein warmes Bett bekam, für drei Dollar in der hintersten Ecke des Wirtshauses ein deftiges Mittagsmahl verspeiste.

Wieder draußen tauchte die untergehende Sonne allmählich alles in ein Orange -Rotes Licht. Die Menschen zogen sich in ihre Häuser zurück oder verließen die Stadt. Mich selbst trieb es erst zum Bahnhof. Doch dort hatte sich schon eine Gruppe Vagabunden niedergelassen und ich wusste instinktiv als ich den Geruch von Whiskey wahrnahm, dass hier kein guter Platz für mich war. Nach einigem hin und her fand ich hinter dem Saloon einen Viehbauern, dessen Scheune offen stand.
Müde und geschafft kletterte ich eine Leiter hoch, rollte mich ohne viel Federlesen auf einem weichen Heuhaufen zusammen und schlief schon kurz danach ein.

So verbrachte ich die nächsten paar Tage in dieser kleinen Stadt. Mit Besorgungen für die umliegenden Händler und Farmer verdiente ich mir die eine oder andere Münze, um zumindest nicht hungern zu müssen. Schon nach kurzer Zeit kannte ich jeden in dieser Ortschaft, zumindest vom Sehen . Und ebenso die Leute mich.

Am achten Tag betrat schon früh vor Sonnenaufgang ein Fremder zu Pferd die Stadt. Ich wusch mich gerade im Wassertrog, als er sein Pferd anband und mit langsamen bemessen Schritten die Straße entlang ging. Mir lief es eiskalt den Rücken runter. Ich hatte so eine Ahnung, dass ich vorsichtig sein musste. Irgendwas stimmte nicht.
Anstatt wie üblich kleinere Arbeiten zu verrichten, versuchte ich heute eine Mitreisegelegenheit aus der Stadt heraus zu bekommen. Als sich am Abend immer noch nichts tat, beschloss ich früher als sonst in meinem Versteck zu verschwinden. Wie üblich stand die Seitentür offen und schnell und leise kletterte ich die Leiter hoch. Doch noch bevor ich mein Versteck erreichen konnte, prallte ich gegen etwas, nein jemand, weiches. Dieser drehte sich erschrocken um und hielt mich reaktionsschnell fest, um mich davor zu bewahren rückwärts herunterzufallen.

Für einen Augenblick trafen sich unsere Blicke. Seine Augen, funkelnd grün, waren erst überrascht, dann traurig und schließlich entschlossen. Er hielt mir den Mund zu und ehe ich wusste wie mir geschah, knebelte er mich und drückte mich auf den Boden. Ich strampelte und kreischte. Er warf sich mit seinem gesamten Körper auf mich, drückte mich weiter zu Boden und versuchte ein Seil um meine Hände zu schlingen.
Mit aller Kraft kratze ich wie wild mit meinen Fingern durch sein Gesicht. Er schrie auf und ich nutze die Gelegenheit und rollte mich herum um die Leiter herunterzuklettern. Ich war auf der Hälfte angekommen, als mein Fuß eine der Sprossen verfehlte. Das Letzte was ich sah war das geschockte, blutige Gesicht meines Verfolgers.

Nur langsam kam ich wieder zu Bewusstsein. Mein Kopf pochte schmerzhaft bei jeder Bewegung. Vorsichtig öffnete ich die Augen und sah wie wir im Schritttempo in die Nacht hineinritten. Die schwarzen Fesseln des Pferdes auf dessen Hintern ich lag wirbelten bei jedem Schritt kleine Staubwirbel auf. Meine Hände und Füße waren fest gefesselt. Verdammt! Ich strampelte und tat das Einzige was mir möglich war.
„HILFE! Bitte, ich werde entführt, helft mir doch!" Das ließ sich dieser Typ nicht lange gefallen. Er fummelte kurz an seinem Hals herum bevor er sich herum drehte und mir sein verschwitztes Halstuch in den Mund steckte. Er trieb das Pferd an, verließ den Pfad und lenkte es in eine dichter bewachsene Umgebung. Dort hielt er an, zog mich vom Pferd und legte mich bäuchlings in den Schmutz.
Schnell entfachte er ein kleines Feuer und band das Pferd an einem Ast fest.
„Es tut mir sehr leid, dass Sie sich verletzt haben, Miss Swan. Sie haben es mir aber auch sehr schwer gemacht."

Im Flackern des Feuers sah man die Kratzer die ich in seinem Gesicht hinterlassen hatte. Er war noch jung. Wahrscheinlich nicht viel älter als ich. Sein Haar hatte eine ungewöhnliche bronzene Farbe. Seine Augen waren weich als er mir hoch half und mich sitzend an einen Stein lehnte.
„Ihre Wunde ist nicht besonders schlimm. Trotz allem möchte ich sie säubern."
Er zückte aus seiner Tasche ein sauberes Tuch und tränkte es in etwas das aussah wie Wasser, aber in keinem Fall so roch. Vorsichtig betupfte er meine Stirn und ich konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, als der pure Alkohol auf meiner Haut brannte.

„Ich befreie Sie jetzt von dem Knebel und ich bitte schrei nicht. Mach es uns beiden nicht schwerer als nötig. Verstanden?"
Ich nickte und schon war ich dieses widerliche Tuch los.
„Möchten Sie etwas essen?"

Ohne auf meine Antwort zu warten, machte er sich erneut an seiner Satteltasche zu schaffen, aus der er eine große Portion Fleisch herausholte. Anscheinend hatte er es erst im Laufe des Tages gejagt. Auf Äste gespießt platzierte er zwei große Klumpen im Feuer, bevor er mich von den Fesseln um meine Hände befreite.

„Ich werde Ihnen nichts tun. Ich werde Sie lediglich zu ihrem Verlobten Jacob Black bringen und dann sind Sie mich los. Er wartet in Rathkeller Forks. Morgen Abend sollten wir dort ankommen."

„Bei allem Respekt, Mr. …."
„Cullen, Edward Cullen."
„Bei allem Respekt, Mr. Cullen, dieser Mann ist nicht mein Verlobter. Das ist ein Missverständnis."

„Ich mache nur meinen Job. Ich stelle keine Fragen. Bitte essen Sie etwas. Danach werde ich ein Lager für Sie vorbereiten. Im Morgengrauen reiten wir weiter."

Und so war es, ein weiteres Gespräch kam nicht zustande. Ich versuchte es ihm immer wieder zu erklären, doch er drohte mir nur damit mich wieder zu knebeln.
Er fesselte mir wieder die Hände, diesmal vor dem Bauch und bat mich ein wenig auszuruhen.
Mit dem Blick auf den Horizont fiel ich schon bald in einen erlösenden und festen Schlaf.

Danke fürs Lesen, schaut mal wieder vorbei

Liebe Grüße
Emma