On we go. :)
In Kapitel 8: Nach einer weiteren gemeinsamen Nacht beendete Hermione ihre Affäre mit dem Tränkemeister. Ginny und sie beschlossen daraufhin jedoch, dass es an der Zeit war, ihre Streiche und Ungehorsamkeiten in Snapes Unterricht fortzusetzen.
Kapitel 9 - Frechheit siegt
„Ginny?", rief Hermione hektisch, „was soll ich anziehen?"
Ginny kam zu ihr getrottet und betrachtete zuerst ihre beste Freundin dann den Inhalt deren Kleiderschranks und zog schließlich eine weiße Bluse und eine himmelblaue Jeans heraus.
„Versuch's erst einmal damit. Bevor unsere Fledermaus auf dumme Gedanken kommt."
„Danke", murmelte Hermione und zog sich den Pullover über den Kopf, um in die Bluse zu schlüpfen.
„Süüüß", säuselte Ginny grinsend, "darin siehst Du richtig putzig aus!"
„Und das ist... gut so oder eher nicht?", fragte ihre Freundin unsicher.
„Das ist perfekt so."
Hermione nahm es hin, auf Ginny war in solchen Sachen Verlass, sie leistete sich keine Fehlgriffe.
„Ich muss gehen, sonst komme ich zu spät, das will ich mir nicht leisten." Auf Ginnys verschmitztes Schmunzeln hin setzte sie hinzu: „Aber für Dich wäre das doch eine ausgezeichnete Idee!"
Als Hermione schließlich in den Kerkern ankam, war die Tür zum Klassenzimmer noch fest verschlossen. Zögerlich nahm sie Harrys Hand, als sie warteten. In diesem Moment ging die Kerkertür auf und Snape streckte die Nase heraus. Als hätte er sie gesucht, fand er Hermione sofort, und registrierte auch direkt, an wessen Hand sie hing. Seine Augen verengten sich und sie ahnte, dass er nicht gut auf sie zu sprechen sein würde. Vielleicht hatte Ginny recht gehabt und er würde nahtlos dazu übergehen, sie wie früher zu behandeln.
„Sie werden mir heute Veritaserum brauen", verkündete er lauter als notwendig, als alle Schüler an ihren Tischen waren, „ich werde die Vorratskammer offenstehen lassen, aber ich warne Sie, wenn ich einen erwische, der Zutaten klaut oder etwas Falsches in den Trank werfen will, wird das für denjenigen schwerwiegende Folgen haben!"
Damit erklärte er seinen Teil der Stunde für erledigt und setzte sich hinter sein Pult, wo er einen Stapel Aufsätze zu sich heran zog und begann, sie zu korrigieren. Harry, Ron und Hermione hofften inständig, dass es nicht ihre Hausaufgaben waren, denn bei der Laune, die der Tränkemeister hatte, hätten sie kaum Chancen, an gute Noten zu kommen.
Und das alles nur wegen ihr. Das schlechte Gewissen nagte an Hermione und warf ihr vor, dass gerade ein ganzer Jahrgang wegen ihr unter der übellaunigen Fledermaus litt. Mit einem leichten Kopfschütteln beschloss sie, ihren Rachefeldzug anzutreten, stand auf und ging langsam nach vorne. Auf dem Weg zur Vorratskammer lief sie nur Zentimeter vor seinem Pult entlang, sodass ihre Robe den Tisch streifte und er aufsah. Sie nutzte diesen Moment um ihm ein verführerisches Lächeln zuzuwerfen. Seine Reaktion war nicht so gefasst wie sie erwartet hatte.
‚Aha', dachte sie im Weitergehen und öffnete mit einer geschickten Hand den obersten Knopf ihrer Robe, ‚wenn Du mich im Blick hast, hast Du also alles unter Kontrolle, aber wenn ich plötzlich unerwartet vor Dir stehe und Dir Avancen mache, schaue ich direkt wieder in lustverschleierte Augen.'
Auf dem Rückweg schlug sie einen Umweg ein, der sie hinter Snapes Pult vorbeiführte. Sie streifte mit dem Arm seine Schulter und ließ dann ein Stück Baumschlangenhaut neben ihn auf den Boden fallen. Alarmiert durch die Berührung, drehte er den Kopf zur Seite, um nachzusehen, wer oder was sie verursacht hatte. Hermione nutzte den Augenblick, um sich nach unten zu beugen, um die Zutat aufzuheben und dem versteinerten Snape einen kleinen Einblick in ihre Robe zu geben.
„Verzeihung, Professor", hauchte sie dann, drehte sich auf dem Absatz um und ging zu ihrem Platz. Kurz bevor sie bei ihrem Stuhl ankam, drehte sie sich plötzlich um. Nicht darauf vorbereitet, wandte Snape den starrenden Blick, der auf ihrem Rücken geruht hatte, schnell ab.
Hermione lächelte zufrieden. Ginny würde ihm nach der Mittagspause den Rest geben.
~x~
„Weasley!", bellte Snape.
„Ja, Professor? Ich stehe fast unmittelbar vor Ihnen und habe zwei gesunde Ohren, wissen Sie?", entgegnete Ginny ruhig, nicht ohne eine große Portion Genugtuung in der Stimme.
Snape ging zur Drohung über und schritt gefährlich nahe an sie heran, um dann leise zu zischen: „Vorsicht, Miss Weasley! Benehmen Sie sich nicht allzu sehr daneben!"
„Was verstehen Sie unter ‚daneben benehmen'?", fragte sie in normaler Lautstärke und hörte einige Schüler an den Tischen in ihrer Nähe scharf Luft holen.
„Fünf Punkte Abzug von Gryffindor, und jetzt hinsetzen!", fauchte Snape, der offenbar keinen anderen Ausweg sah, da er es nicht wagte, ihr mit Nachsitzen zu drohen.
Ginny ihrerseits hatte es jedoch keineswegs auf Nachsitzen abgesehen. Es würde ihr nichts ausmachen, wenn er sie dazu verdonnern würde, aber vorerst wollte sie ausnutzen, dass er mit dieser Strafe vorsichtig umging, weil er im Glauben war, sie sei genau darauf aus. Gemütlich schlenderte sie zu ihrem Tisch und musste den Impuls unterdrücken, leise vor sich hin zu pfeifen. Schmunzelnd richtete sie ihren Zauberstab unter dem Tisch auf den Professor und murmelte die Worte, die sie vorhin zusammen mit Hermione gelernt hatte. Dann suchte sie schnell ihre Sachen zusammen und begann, den verlangten Zaubertrank zu brauen, dessen Zutaten an der Tafel standen.
Als Snape eine halbe Stunde später am entgegengesetzten Ende des Klassenzimmers stand, sagte sie laut und ohne sich zu melden oder auch nur von ihrem Kessel aufzusehen: „Wenn Sie gestatten, Professor..."
„Tue ich nicht!", unterbrach er sie barsch.
„Aber, Professor, Ihr Hosenschlitz ist offen." Langsam sah sie auf.
Einen kurzen Moment lang wirkte er zutiefst irritiert und seine Augen weiteten sich, weil er nicht bemerkt hatte, dass seine Robe offen und die Hose, die er darunter trug, tatsächlich zu sehen war – mitsamt offenem Hosenschlitz. Ginny sah sofort, dass er durchschaut hatte, dass sie all das zu verantworten hatte; er konnte nicht verhindern, dass er rot anlief, bewies jedoch Beherrschung, indem er sie anblaffte: „Finden Sie das etwa lustig?"
Mit einem Schwenker seines Zauberstabs knöpfte sich Snapes Robe von selbst wieder zu.
Ginny richtete den Blick wieder auf ihren Kessel und rührte dessen Inhalte um. „Natürlich finde ich es lustig, aber ich war wenigstens so höflich, es Ihnen zu sagen, nachdem die halbe Klasse schon Ihre hübsche grüne Unterhose bewundert hat." Sie sagte es ganz ruhig, kein winziges Zittern lag in ihrer Stimme, sie war vollkommen entspannt.
Sie hatte nichts zu verlieren – solange sie es bei solchen eher harmlosen Scherzen beließ, hatte Snape nichts gegen sie in der Hand. Obwohl er von der Wette wusste, konnte er nichts tun, schließlich hatte er sich auf Hermione eingelassen. Wenn er etwas sagen oder eine der beiden von der Schule werfen lassen wollte, könnten sie ihn erpressen, sie hatten ihn in der Hand. Die Rothaarige fragte sich, ob ihm das ganze Ausmaß seiner Handlungen eigentlich bewusst war; und wenn ja, warum er es dann trotzdem nicht schaffte, die Augen und Finger von Hermione zu lassen.
Sie dankte Gott – nicht zum ersten Mal –, dass kein einziger Slytherin in ihrem Jahrgang einen UTZ in Zaubertränke machte; keiner hatte ein "Ohnegleichen" erreicht, was Snape zu Beginn des Schuljahres gehörig geärgert hatte. Dennoch hatte er sich beharrlich geweigert, einen Schüler unter diesem Niveau aufzunehmen. So hielt in dieser Situation die ganze Klasse zusammen, alle unterdrückten mühsam ein Kichern; nur Ginny beherrschte sich eisern und blieb nüchtern.
„Ginny, pass bloß auf!", flüsterte ein Junge aus Ravenclaw, den sie nur flüchtig kannte, eindringlich vom Nachbartisch herüber.
Der Tränkemeister hatte sich von der Klasse abgewandt und Ginny war sicher, dass sein Kopf noch immer so rot war wie ihre Haare. „Professor?", fragte sie nach einer weiteren Minute Stille. „Dürfen wir gehen?"
Die Antwort war ein wütendes Schnauben. „Von wegen, Sie brauen Ihre Tränke fertig und stellen mir jeweils eine Probe davon aufs Pult, dann sind Sie entlassen! Weitermachen!"
Bevor die Klasse reagieren konnte, fiel die Tür zur Vorratskammer zu und wurde von innen magisch verschlossen.
„Ich bin fertig", flüsterte der Ravenclaw, der Ginny zuvor gewarnt hatte, nach einer Weile. Darauf bedacht, Snape nichts davon hören zu lassen, gab er seinen Mitschülern in Zeichensprache zu verstehen, dass alle mit ihrem Flakon zu ihm kommen und seinen Trank abschöpfen könnten.
Seine Tischnachbarin reckte beide Daumen, und ein Schüler nach dem anderen schwebte leise an den Tisch, um sich mit stummen Danksagungen ein Fläschchen des Tranks abfüllen zu lassen, es aufs Pult zu stellen und seine Sachen zu packen. Nach und nach leerte sich der Raum, bis schließlich auch der Ravenclaw seine Tasche packte.
„Danke, vielen Dank!", flüsterte Ginny, als sie ihr Fläschchen nach vorne gebracht hatte, und lächelte den Jungen an. „Ich werde hier noch schnell ein bisschen aufräumen, damit der armen Fledermaus nicht das Herz stehen bleibt, wenn sie sich raustraut."
„Ich helfe, wo ich kann", zwinkerte er schüchtern, nickte und verschwand ohne ein weiteres Wort.
Den Zauberstab umklammert, falls sie sich unerwartet würde verteidigen müssen, setzte Ginny sich seelenruhig an Snapes Pult und sah sich an, was dort herumlag. Da waren vier verschiedene Federn, etliche Pergamentrollen, Hausaufgaben von Viertklässlern, die er noch kontrollieren musste (sie widerstand der Versuchung, sie in Flammen zu setzen), und ein paar Zaubertrankzutaten. Ihre neugierige Hand wanderte automatisch zu den Schubladen im Schreibtisch, doch sie ließen sich nicht öffnen.
Sie richtete ihren Zauberstab darauf. „Alohomora!"
„Das wird nichts bringen. Was suchen Sie, Weasley?"
Die kalte Stimme war so jäh erschienen, dass Ginny eine Gänsehaut den Arm hoch kroch. Ganz leicht war sie zusammengezuckt, ein Zeichen von Schwäche, das ihm sicher nicht entgangen war. Sie nahm sich einen Moment, um durchzuatmen.
„Ach, nichts, ich habe mir nur die Wartezeit vertrieben, bis Sie endlich aus Ihrer Vorratskammer gekommen sind", antwortete sie dann schlicht und wieder ganz ohne Nervosität.
„Und was hat Sie dazu bewegt, zu warten?", schnauzte er sie an.
„Ich wollte nur wissen, ob alles okay ist mit Ihnen." Im Laufe ihrer Kindheit als einziges Mädchen unter sieben Kindern hatte sie den Blick eines Unschuldslamms perfektioniert. „Sie waren plötzlich weg und ich war nicht sicher, ob Ihnen etwas passiert ist."
„Was soll mir dort drin schon passiert sein?" Nur ein leichtes Beben seiner Stimme verriet seinen Ärger.
„Vielleicht hätten Sie sich ja etwas angetan, falls ihr Vögelchen davongeflogen wäre." Da er sie nur böse anfunkelte, wartete sie erst ein paar Sekunden, ehe sie noch einen draufsetzte: „Das würde ja bedeuten, dass Sie Hermione nicht mehr beglücken können. Ach halt", sie tat als würde ihr gerade etwas einfallen, „mit der ist ja Schluss!"
Wenn sie ihm jetzt die Gelegenheit geben würde etwas zu sagen, könnte das böse enden. Schnell sprach sie weiter, mutiger aussehend als sie sich fühlte, während sie die Finger schon fest um ihre Tasche schloss. „Aber da Sie offenbar wohlauf sind, werde ich jetzt gehen, Professor. Bis Morgen!", flötete sie schließlich atemlos und flüchtete mit heftig pochendem Herzen.
~x~
Als Ginny den Gang entlang rannte, stieß sie einen lauten Freudenschrei aus. Alles war genau nach Plan verlaufen. Am Abend würde sie sich mit Hermione beraten, welche Streiche sie noch aushecken konnten. Sie hatte kein Interesse daran, ihren Professor zu erpressen, aber der Gedanke daran, dass sie zur Not auf diese Alternative zurückgreifen konnten, war beruhigend.
„Allerdings wäre es mir lieber, wenn es nicht so weit kommen würde", meinte Hermione einige Minuten später zu den Darlegungen ihrer Freundin. „Dass wir uns ohne Probleme mit ihm anlegen können haben wir bewiesen, aber es wäre zumindest für mich nicht angenehm, mich so gegen ihn stellen zu müssen", murmelte sie.
Ginny nickte. „Es wäre gefährlich, Du könntest auch von der Schule fliegen. Und wir dürfen nicht annehmen, er hätte keine Mittel, mit denen er sich uns zur Wehr setzen könnte, wenn es denn so weit kommen würde. Ein einfacher Trank oder ein bisschen Legilimentik, und wir sind erledigt. Aber das wird schon alles gutgehen!", schloss sie optimistisch.
Hermione grinste. „Wenn Du das sagst. Dann mal los, welche neuen Ideen hast Du?"
„Ich hab noch nicht wirklich drüber nachgedacht, aber wie wäre es zum Beispiel mit einer gewaltigen Kesselexplosion?"
„Die so gewaltig ist, dass wir die Stunde frei kriegen und vielleicht ein bisschen was von seinen Sachen zerstört wird oder so?"
„Genau! Es wäre sinnvoller, wenn Du das machen würdest, oder?"
„Ja, mich lässt er ganz sicher nicht zum Putzen da und gibt mir kein Nachsitzen ", meinte Hermione.
„Habt ihr morgen Zaubertränke?", fragte Ginny.
„Nein, und ich denke, dass ich die Bombe auch erst am Montagmorgen platzen lasse. Für diese Woche reicht es, Du hast heute ja eine super Show hingelegt! Lassen wir ihn sich ein paar Tage in Sicherheit wiegen, um am Montag umso härter zuzuschlagen."
Die Andere wirkte höchst zufrieden. „Einverstanden!"
~x~
„Was ist, eine Runde Zauberschach?", fragte Ginny ihren Bruder, als sie neben Harry und Hermione im Gemeinschaftsraum saßen und die beiden noch mit Hausaufgaben beschäftigt waren.
Ron nickte herausfordernd. „Hast Du es in Deinem Schlafsaal oder hab ich das letzte Woche mit hoch genommen?"
„Ich hol's."
Ein paar Minuten später kehrte Ginny mit dem Spiel zurück und winkte Ron zum Kamin hinüber, um die Arbeitenden nicht zu stören. Sie zockte ihn so gnadenlos ab, dass er nach drei Runden murrend zu Bett gehen wollte.
„Oh nein, mein Lieber, Du bleibst hier!", befahl sie lachend. „Du schlechter Verlierer!"
„Schon gut", gab er sich grinsend geschlagen. Dann beugte er sich näher zu ihr und fragte er ernst: „Ginny, Du weißt nicht zufällig, warum sich Hermione so komisch benimmt, oder?"
„K-Komisch benimmt?"
„In Zaubertränke."
„In Zaubertränke?" Sie hoffte, dass ihn ihre schockierte Reaktion nicht auf etwas schließen ließ. Wie konnte sie sich nur so ungeschickt anstellen?
„Ja, sie legt sich manchmal ziemlich heftig mit Snape an, das ist man von ihr gar nicht gewöhnt. Ist schon merkwürdig", erklärte Ron.
Ginny zog eine Augenbraue hoch. „Naja, hast Du schon darüber nachgedacht, dass sie vielleicht ihre Grenzen austestet? Vielleicht findet sie, dass sie lange genug die brave, erwachsen agierende Streberin war, und jetzt einfach mal tun sollte, was jeder von uns schon mal getan hat. Und ein bisschen Schabernack in Snapes Unterricht kann doch unmöglich schlecht sein?", zwinkerte sie.
Ron nickte nachdenklich. „Du hast recht, daran hab ich noch gar nicht gedacht. Aber es klingt eigentlich sehr logisch."
Ginny atmete erleichtert auf. „Siehst Du, mach Dir da mal keine Gedanken."
Sie sah kurz hinüber zu Harry und Hermione. Letztere hatte das Gespräch angespannt mitverfolgt und warf ihr einen dankbaren Blick zu. Ginny lächelte nur und wandte sich wieder dem Spiel zu, als sie ihren Bruder plötzlich leise lachen hörte.
Sie schaute auf das Brett: Das Gespräch hatte sie so sehr abgelenkt, dass sie Ron den Weg zum Sieg geebnet hatte. „Mist", fluchte sie grinsend.
~x~
Ginny beschloss, den frühen Donnerstagmorgen zu nutzen und ihre Hausaufgaben für Zauberkunst zu machen, die sie tags zuvor vergessen hatte. Zu gerne hätte sie ausgeschlafen, aber was getan werden musste, musste nun einmal getan werden. Das frühe Aufstehen erwies sich jedoch als unnötig, denn als sie nach nur einer halben Stunde fertig war, hatte sie noch fast anderthalb Stunden, bis sie zum Unterricht musste. Sie packte ihre Sachen zusammen und schlenderte durch den Gemeinschaftsraum auf das Portrait der Fetten Dame zu. Am Schwarzen Brett las sie die Meldung, dass am kommenden Wochenende ein Ausflug nach Hogsmeade anstand. Sie stieg durch das Portraitloch hinaus und lief nach unten, um einen Spaziergang an den Rand des Verbotenen Waldes zu machen.
Das Wetter war herrlich. Die Sonne strahlte und beleuchtete Hogwarts aus einer Perspektive, die es wie ein Märchenschloss aussehen ließ. Ein leichter Wind ließ die Kronen der Bäume des Verbotenen Waldes rascheln, die spätherbstlich bunten Blätter segelten mit dem schwachen Wind. Es würde wahrscheinlich einer der letzten schönen Tage dieses Jahres sein, für Ende November war es ungewöhnlich warm. Zehn Meter von seiner Hütte entfernt unterrichtete Hagrid ein paar Drittklässler, die äußerst interessiert den Inhalt einer riesigen Holzkiste betrachteten.
Bald würden die Weihnachtsferien beginnen, die sie, zusammen mit Hermione, Harry und all ihren Brüdern, ausgenommen Percy, zu Hause im Fuchsbau verbringen würde. Charlie würde aus Rumänien anreisen, um mit seiner Familie zu feiern. Sie freute sich darauf, ihn zu sehen.
Ja, es würde sicherlich ein schönes Fest werden. Sie würde es mit ihrer Familie und ihren besten Freunden verbringen. Ihren besten Freunden, die jetzt ein Paar waren. Ginny ermahnte sich, mit diesem Thema abzuschließen.
Dadurch, dass sie der Wette zugestimmt hatte und es so spielerisch entschieden worden war, wer mit Harry ausgehen sollte, war es ihr viel leichter gefallen, das Ergebnis hinzunehmen. Sie hatte sogar dafür gekämpft, dass Hermione mit Harry glücklich werden konnte, indem sie sie bestärkt hatte, die Sache mit Snape zu beenden. Vielleicht verrannte sich ihre beste Freundin in eine Schwärmerei; es war schließlich ihr erstes Mal gewesen, mit einem älteren, erfahreneren Mann. Die junge Frau mit dem großartigen Intellekt und dem erwachsenen Denken, die neue Gefühle erfährt, fremde Berührungen spürt, und die das aufregend findet.
‚Eigentlich total logisch', dachte Ginny plötzlich, ‚er ist ein intelligenter, erwachsener Mann, natürlich würde sich Hermione unausweichlich zu ihm hingezogen fühlen. Jedenfalls eher als zu einem pubertierenden Teenager.'
Aber ebenso unausweichlich würde sicher bald die Gewissheit kommen, dass sie mit Snape nicht zusammen sein konnte und wollte, und dann würde sie es bereuen, ihn Harry vorgezogen zu haben.
Ginny seufzte. Sie würde Hermione auf ihrem kleinen Umweg in die richtige Richtung unterstützen müssen; auf ihrem Weg in Harrys Arme. Da würde es bestimmt nicht schaden, dem Tränkemeister weiterhin Streiche zu spielen und ihn so gegen Hermione aufzubringen, dass er vergessen würde, dass er sie eigentlich begehrte. Außerdem machte es einen Höllenspaß, die griesgrämige Fledermaus auf die Palme zu bringen.
Sie fühlte das Blut von Fred und George durch ihre Adern fließen und hatte plötzlich eine ausgezeichnete Idee.
~x~
