...mit liebstem Dank an SevMine:)!...
In Kapitel 12: Hermione und Ginny übten erfolgreich Okklumentik und testeten ein paar neue Nasch- und Schwänzleckereien – zur großen Belustigung aller Schüler und sehr zum Leidwesen von Snape.
Kapitel 13 - Mission missglückt
„Und?", drängte Ginny, kaum dass die Mädchen die Tür ihres Schlafsaals hinter sich geschlossen hatten.
„Na ja, musikalische Unterhaltung hatten wir keine, aber poetische. Ein großer Dichter der Muggel hat Snape ein herzzerreißendes Liebesgedicht vorgetragen, außer ihm waren alle begeistert!"
„Na also, besser geht's nicht", lachte Ginny.
Hermione nickte mit einem vielversprechenden Grinsen. „Und jetzt würde es mich interessieren, was Snape am meisten verabscheut."
„Dann lass es uns tun! Wenn nicht jetzt, wann dann?", ereiferte sich die Rothaarige und erhielt Zustimmung seitens Hermione. „Wer macht's?", fragte sie dann ernst.
Hermione schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung. Mir egal."
„Gut, dann Du. Es ist Dein letztes Schuljahr. Wer weiß, was Fred und George nächstes Jahr so alles auf den Markt bringen, das für Zaubertränke nützlich sein könnte."
„Oder wir machen es beim Essen in der Großen Halle", schlug die Andere vor.
„Dann würden wir den Rauswurf womöglich mehr denn je riskieren, meinst Du nicht? Da würde Dumbledore handeln müssen."
„Seit wann kümmert Dich das?", lachte ihr Gegenüber. „Aber Du hast Recht, wir wollen ja bis zum Schluss dableiben und Deinen Bruder seine Wette gewinnen lassen."
„Welche Wette?" Ginny wurde fast hysterisch.
Hermione grinste. „Die Jungs wollten wetten, ob wir mit unseren Aktionen von der Schule fliegen oder ob unser Charme uns hier hält. Keine Angst, ich konnte sie davon abhalten."
„Dafür muss ich sie zur Rede stellen", schnaubte Ginny. „Aber jetzt erst mal zurück zum Schnatzzeug. Du wirst das erledigen. Du kennst die Regeln: Lass Dir nichts anmerken und stell es so an, dass Du Dich rausreden kannst, beziehungsweise er Dir nichts nachweisen kann. Harry und Ron und auch sonst keiner wird vorher eingeweiht. Steck Deinen Zweiwegespiegel ein, falls wir uns danach nicht gleich sehen."
„Alles notiert, geht klar, Käpt'n", lachte die Ältere. „Spätestens beim Mittagessen sehen wir uns ja. Sind sonst noch irgendwelche Vorbereitungen zu treffen?"
„Ich glaube nicht."
„Gut. Dann gehe ich jetzt runter und mache mit den Jungs Hausaufgaben. Kommst Du mit?"
Ginny nickte und sie verließen gemeinsam ihren Schlafsaal.
~x~
„Mach's gut, Hermione! Und mach Deine Sache ja ordentlich, hast Du mich verstanden?", drohte Ginny am nächsten Morgen grinsend, als Hermione sich von ihr verabschiedete, um mit Harry und Ron in die Kerker zu gehen und ihre Mission Possible II zu erfüllen.
Kurz darauf betraten sie das Klassenzimmer für Zaubertränke.
Snape stand vorne am Pult. „Es sind nur noch knapp zwei Monate bis zu Ihren UTZs, wir werden ab jetzt hauptsächlich wiederholen, was Sie in den bisherigen Jahren gelernt haben, und auf einiges näher eingehen", verkündete er mit kalter Stimme.
Hermione bekam kurz ein schlechtes Gewissen, dann dachte sie jedoch: ‚Ja, nächste Stunde gerne, Professor' und umfasste fest den kleinen Schnatz unter ihrem Umhang.
„Was ist mit meinem Aufsatz über die letzte Stunde?", fragte sie dann laut.
„Verbrennen Sie ihn", knurrte er und Hermione versuchte ihr vergnügtes Glucksen gar nicht erst zu unterdrücken.
Als Snape umherging und schließlich vor Draco Malfoys Tisch stehen blieb, um dessen Trank zu begutachten, zog Hermione den Schnatz aus der Tasche. Als sie spürte, dass die kleinen Flügel zu schlagen begonnen hatten, ließ sie ihn los und beobachtete, wie er eifrig auf den Tränkemeister zuflog. Nur unwillig wandte sie den Blick ab und warf das schon vorbereitete Bündel zerhackter Energiebaumrinde in ihren Kessel, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. In den folgenden Sekunden geschah zunächst nichts. Dann hörte sie ein lautes, zischendes Geräusch und eine dichte, graue Rauchwolke stieg von Snapes Beinen hoch. Dieser schrak auf und machte einen Sprung zur Seite.
Das Zischen wurde zu einem Lachen, einem grausamen, eiskalten, hohen Lachen, das Hermione das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der Rauch nahm Gestalt an, sie konnte einen Umhang erkennen; darin schien ein kleiner Körper zu stecken, von dem nur der Kopf zu sehen war. Ein schmaler Mund; etwas, das man nur mit einiger Fantasie der Kategorie „Nase" zuordnen konnte; und Augen, die zu Schlitzen verengt waren. Sie leuchteten rot.
Voldemort.
Sein Lachen durchdrang die Stille auf die unangenehmste Art und Weise und wurde schon bald durch Angstschreie der Schüler untermalt. Snape schien nicht in der Lage, etwas zu unternehmen. Wie versteinert stand er da, rührte keinen Muskel, sein Gesicht war in grausamem Hass erstarrt.
Und Hermione verstand plötzlich. Er war früher tatsächlich Todesser gewesen, doch aus einem ihr unbekannten Grund hatte er die Seiten gewechselt. Aus einem Grund, der ihn Voldemort hassen ließ, mehr als alles Andere auf der Welt.
Sie schalt sich selbst dafür, dass Ginny und sie nicht bedacht hatten, welch ein herber Angriff auf Snapes Privatsphäre ihre Aktion darstellte. Sie hatten damit gerechnet, dass sie selbst als Snape größte Abscheu erscheinen würden, dass es jedoch noch viel tiefere Abgründe geben könnte – Dinge, die niemanden etwas angingen –, darüber hatten sie nicht nachgedacht. Keinen Augenblick.
Es waren nur wenige Sekunden, ehe sich der Rauchvoldemort wieder in undeutlichen Nebel auflöste und schließlich gänzlich verschwand. Snapes Miene entspannte sich. Hermione sah ihn eindringlich an und hoffte, dass er ihren Blick erwidern würde. Als er es tat, dachte sie an das, was sie getan hatte und konnte spüren, wie er in ihren Gedanken wühlte. Sie fühlte sich schrecklich, aber er musste es so schnell wie möglich erfahren.
Kaum merklich nickte er und erhob seine Stimme: „Keine Panik! Nur eine kleine Panne, nichts Beunruhigendes. Sie werden jetzt ganz ruhig Ihren Trank fertig brauen und ihn am Ende der Stunde wieder entsorgen." Damit setzte er seine Streife durchs Klassenzimmer fort und besah sich die Gebräue in den Kesseln seiner Schüler.
„Er will heute keine Noten machen?", fragte Harry verwirrt.
Ron runzelte die Stirn. „Hat er Malfoys Trank gekostet und ist jetzt geistig verwirrt?"
Hermione schubste ihn an. „Das ist nicht witzig!"
„Bei allem Respekt, Hermione – doch, das ist es!", lachte Ron leise und Harry nickte zustimmend, doch Hermiones Gesicht blieb starr.
Als es klingelte, packten alle ihre Taschen und ließen die Inhalte ihrer Kessel verschwinden.
Hermione wandte sich an Harry und Ron. „Hört zu, ich habe noch eine Frage an Professor Snape, ich komme gleich nach, okay? Falls ihr Ginny seht, könnt ihr ihr ausrichten, dass unsere Mission rigoros gescheitert ist."
Sie nickten und Harry beugte sich noch zu ihr vor um sie zu küssen. Sie war davon so überrumpelt, dass sie den Kuss ohne nachzudenken erwiderte. Dann verließen die Jungen das Klassenzimmer und Hermione folgte ihnen bis zur Tür, um sie zu schließen.
Snape stand am Pult, stützte sich mit einer Hand ab und sah sie an. Er hatte es erwartet, er hatte es gewusst, dass sie bleiben würde. Sie wich seinem Blick nicht aus und versuchte nicht einmal, Okklumentik anzuwenden. Wahrscheinlich wäre sie daran in diesem Moment ohnehin gescheitert.
„Es tut mir so leid! Ich wollte das nicht!" Ihr kamen die Tränen. „Das muss schrecklich für Dich sein! Und ich… ich habe nicht über die Folgen nachgedacht."
Er wandte den Blick ab und sie sah, dass er mit sich haderte, wie er reagieren sollte.
Herz und Verstand lieferten sich in seiner Brust einen erbitterten Kampf, und der nahm kein Ende.
„Was ist passiert? Was ist passiert, Severus? Damals, als Du Dich dazu entschlossen hast, gegen ihn zu arbeiten? Was war der Grund?"
Er ging langsam um den Tisch herum und setzte sich auf seinen Stuhl. „Glaubst Du wirklich, ausgerechnet Du bist diejenige, mit der ich darüber reden sollte?", fragte er dann ohne aufzusehen. In seiner Stimme war keine Abneigung zu hören, kein Hass; er klang resigniert.
„Ja, das denke ich schon. Wenn Du darüber reden willst, warum dann nicht mit mir?"
„Weil ich heißen, unbedeutenden Sex mit Dir hatte?", mutmaßte er ironisch. „Und wer sagt überhaupt, dass ich darüber reden will?" Er hob den Kopf und sah sie wieder an. Sein Gesicht war nicht mehr kalt und abweisend, zum ersten Mal seit Langem konnte Hermione wieder eine Regung darin erkennen, ein Gefühl.
„Ich", entgegnete sie verzweifelt. „Du. Dein Gesichtsausdruck."
„Lily Potter", flüsterte er, ohne die Augen von ihr abzuwenden.
„Lily Potter? Harrys Mutter?", fragte Hermione verwirrt.
„Wenn Du es so willst", nickte er mit zusammengebissenen Zähnen.
„Was war mit ihr?"
Er antwortete nicht und Hermione fragte sich, ob das Glitzern in seinen Augen Tränen waren, die er mit Mühe zurückhielt.
„Du hast sie geliebt!", platze sie mit großen Augen heraus.
„Ist das ein Verbrechen?", entgegnete Snape heftig.
„N-nein – ich meine, natürlich nicht." Die junge Frau sah beschämt zu Boden, fieberhaft überlegend, was sie sagen konnte, das die Situation nicht nur noch schlimmer machen würde. Sie hörte ein sanftes Rascheln und eine ebenso sanfte Stimme.
„Komm her", wurde sie aufgefordert.
Sie ging um das Pult herum und stellte sich, ohne wirklich zu wissen, was sie tat, in Severus' ausgebreitete Arme. Die Tränen rannen ihr noch immer die Wangen hinunter. Severus hob eine Hand und wischte sie weg. Dann drückte er ihr Gesicht gegen seine Schulter und spürte immer wieder, wie ein Beben ihren Körper durchfuhr, wenn sie schluchzte.
Nach einigen Minuten – Hermione kam es wie eine Ewigkeit vor – hob sie den Kopf wieder und sah ihm in die Augen.
„Und... liebst Du sie immer noch?", fragte sie mit zitternder Stimme.
Snape schüttelte den Kopf und strich ihr eine Locke aus dem Gesicht. Sie lächelte über diese sanfte Geste. Eine Andeutung eines Lächelns breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er da stand und sie einfach nur festhielt.
Hermione vermochte nicht zu sagen, ob sie ihm Letzteres glaubte oder nicht.
~x~
Hermione erschien nicht zu Kräuterkunde, wie Harry mit heftigem Stirnrunzeln feststellte.
„Wo ist sie?", fragte nun auch sein bester Freund.
„Ich habe keine Ahnung", antwortete Harry, „sie wollte doch nur kurz Snape was fragen, oder?"
Ron zuckte mit den Schultern. „Ja, eigentlich schon."
„Meinst Du, wir sollten sie suchen gehen?"
„Nein, Harry, lass mal. Sie wird schon wissen, was sie tut, meinst Du nicht?"
„Ja, schon." Harry zögerte. „Aber wer weiß, was diese alte Fledermaus mit ihr anstellt!"
„Guten Morgen!", tönte da die Stimme von Professor Sprout durch das Gewächshaus und es wurde ruhig.
Der Dunkelhaarige gab sich geschlagen. „Lassen wir es", flüsterte er Ron zu.
„Ginny!"
Ginny wirbelte herum, als sie Harrys Stimme hörte, die sie aus einiger Entfernung rief.
„Hallo, Jungs!", grüßte sie, als Harry und Ron sie eingeholt hatten. „Wo habt ihr Hermione gelassen?"
„Das letzte Mal gesehen haben wir sie im Kerker, als wir zu Kräuterkunde aufgebrochen sind und sie noch eine Frage an Snape hatte. Das war vor", Ron sah auf die Uhr, „über einer Stunde. Wir dachten, Du wüsstest vielleicht mehr – wir sollen Dir übrigens sagen, dass eure Mission rigoros gescheitert ist", erklärte er.
„Rigoros gescheitert?" Die Rothaarige war verwirrt. „Warum denn das?"
„Ich nehme mal an, es hatte etwas damit zu tun, dass mitten in der Stunde ein Rauchvoldemort erschienen ist und uns ausgelacht hat. Aber da musst Du sie schon selbst fragen. Worum ging's diesmal eigentlich?", wollte Harry wissen.
Ginny konnte nur erahnen, dass da etwas ganz und gar nicht stimmte und entschied sich sicherheitshalber dafür, die beiden im Ungewissen zu lassen und nicht auf die Frage einzugehen.
„Ich werd sie mal suchen gehen", verkündete sie und verschwand ohne ein weiteres Wort.
Mit fragenden Gesichtern zurückgelassen, schüttelten Harry und Ron die Köpfe.
Ron zog eine Grimasse. „Langsam werden mir die zwei wirklich unheimlich!"
~x~
„Hermione?" Ginny klopfte an die Tür ihres gemeinsamen Schlafsaals.
„Ja? Ginny?", drang es heraus.
Ginny öffnete die Tür und sah Hermione auf ihrem Bett liegen. Sie lag auf dem Rücken und starrte die Decke an.
„Alles okay?", fragte Ginny.
„Aber klar doch", antwortete die Andere, besann sich jedoch eines Besseren. „Nein... ist es nicht. Das mit dem Schnatzzeug war eine ziemlich bescheuerte Idee. Ich wünschte nur, ich wäre schon vorher auf diesen Gedanken gekommen."
„Der Rauchvoldemort! Er war das Ergebnis! Die Mission ist tatsächlich vollkommen fehlgeschlagen; Snapes größte Abscheu sind nicht wir, sondern Voldemort", kombinierte die Rothaarige und verzog schmerzlich das Gesicht.
Hermione nickte und sah weiter an die Decke.
„Na gut, das war wirklich keine gute Idee", gab Ginny zu.
„Ich steig aus. Wir sollten damit aufhören, bevor noch einmal so etwas passiert. Wir haben ihn jetzt genug bloßgestellt."
„Okay, Du hast gewonnen. Wir hören auf. Wir sind ab jetzt wieder brave Mädchen, die in Zaubertränke zuhören statt Streiche auszuhecken."
„Danke, Gin. Es hat oft ziemlich viel Spaß gemacht, die Böse zu spielen, aber ich denke, ich habe jetzt wirklich genug davon", zwinkerte Hermione.
Ginny nickte verstehend. „Kommst Du mit zum Mittagessen?"
„Ich war schon", log Hermione. „Und ich bin wahnsinnig müde, bist Du mir böse, wenn ich hier bleibe?"
„Quatsch, schon okay. Ruh Dich aus. Bis später!" Mit einem letzten besorgten Blick verließ sie den Schlafsaal.
Hermione setzte sich auf und legte den Kopf auf die Knie. Als sie jedoch merkte, wie unbequem diese Haltung war, ließ sie sich zurück in die Kissen sinken und schloss die Augen. Sie hatten nicht genug Schaden angerichtet, sondern zu viel. Viel zu viel.
Mit diesem Gedanken schlief sie ein.
~x~
„Hermione, Du hast in genau sieben Minuten Verwandlung."
„Waaaaas?" Die Frage war mehr ein erschöpftes Stöhnen.
„Die Mittagspause ist gleich vorbei, Schätzchen!", teilte Ginny ihrer besten Freundin mit.
Diese richtete sich verschlafen auf und sah auf die Uhr. „Oh Merlin, tatsächlich", gähnte sie und streckte sich, schmerzhaft das Gesicht verziehend. „Ich bin so gut wie unterwegs."
Ginny grinste. „Viel Spaß!", wünschte sie.
„Was hast Du jetzt?", fragte Hermione, während sie ihre Schulsachen zusammensuchte.
„Frei!", triumphierte die Jüngere und ging in Deckung, weil Hermione drohte, das Buch für Verwandlung nach ihr zu werfen.
„Na los, sieh zu, dass Du in den Unterricht kommst; Du willst schließlich wieder brav sein!", lachte Ginny.
„Jaaah", stöhnte Hermione, „nur in Zaubertränke! Aber ich bin ja schon weg." Sie verabschiedete sich mit einer Umarmung, hastete hinunter in den Gemeinschaftsraum und kletterte durch das Portraitloch. Von dort rannte sie zwei Stockwerke nach unten, wobei ihr die Treppen einen gehörigen Strich durch die Rechnung machten (eine davon war einfach verschwunden, sodass sie einen Umweg laufen musste), und kam Sekunden nach dem Klingeln am Klassenzimmer an. Die Anderen strömten gerade hinein und setzten sich an ihre Tische.
„Hermione, wo zur Hölle warst Du in Kräuterkunde?", plapperten Harry und Ron gleichzeitig los, sobald sie ihre Freundin bemerkten.
„Im Bett", gab Hermione zurück und erschrak, als sie merke, wie leicht ihr das Lügen neuerdings fiel.
„Im Bett? Während Du eigentlich im Unterricht hättest sitzen sollen? Hermione, Du machst mir Angst!" Harry packte sie am Arm und zog sie zu sich heran. „Ist alles okay?"
Sie lächelte. „Ich bin nur müde."
Nach der Doppelstunde Verwandlung waren Harry und Ron vom Unterricht befreit, während Hermione noch Arithmantik hatte.
So interessant sie das Fach üblicherweise auch fand, an diesem Tag verschwendete sie keinen einzigen Gedanken daran und war froh, als sie wieder vor der Tür ihres Schlafsaals stand. Sie klopfte, bekam jedoch keine Antwort – natürlich, Ginny hatte heute länger Unterricht als sie. Hermione öffnete die Tür und ließ sich drinnen sofort wieder aufs Bett fallen. Dann packte sie ihre Tasche aus und versuchte sich an ihren Hausaufgaben.
In ein Buch vertieft und angestrengt versuchend sich zu konzentrieren, bemerkte sie Ginny nicht, die eine Stunde später ebenfalls erschöpft eintrat.
„Na, geht's Dir besser?", fragte sie.
Hermione schrak auf. „Wa-? Oh, ja, natürlich. Aber müde bin ich immer noch." Ganz gelogen war das nicht.
„Dann hast Du keine Lust auf eine Party bei den Ravenclaws heute Abend?"
Sie schüttelte den Kopf. „Würde es Dir etwas ausmachen, da alleine hinzugehen? Das heißt, Du brauchst mich ja ohnehin nicht." Sie zwinkerte.
Ginny grinste. „Stimmt. Aber Hausaufgaben hab ich trotzdem noch ein paar zu machen." Sie dachte kurz nach. „Ach nein, nur eine Kleinigkeit für McGonagall."
„Die solltest Du besser gewissenhaft erledigen", feixte Hermione, „bevor sie Dir in der nächsten Stunde nahelegt, dass Du lieber ein bisschen mehr Zeit an Deinem Schreibtisch als in meinem Bett verbringen solltest."
Ginny warf sich lachend auf Hermiones Bett und kramte in ihrer Tasche nach einer Rolle Pergament.
„Dann müsste ich ihr leider sagen, dass es an meinem Schreibtisch nicht halb so schön ist!"
~x~
Als Ginny Stunden später die Tür hinter sich geschlossen hatte um zur Party zu gehen, stand Hermione auf, ging zum Schrank, nahm eine Weste heraus und zog sie über. Sie musste reden. Sie musste mit Severus reden.
Als sie sicher war, dass sie Ginny nicht mehr begegnen würde, verließ sie den Schlafsaal und schlich sich hinunter in die Kerker. Die Tür zum Klassenzimmer für Zaubertränke stand offen und aus dem Spalt fiel ein Lichtstrahl, der den Gang erleuchtete. Ohne zu zögern ging Hermione darauf zu und betrat den Raum.
Er war nicht da. Aber er musste gleich wieder kommen, sonst hätte er das Klassenzimmer nicht offen gelassen. Sie setzte sich ans Pult auf seinen Stuhl und wartete geduldig.
Zehn Minuten später vernahm sie eine raue Stimme: „Wenn das keine nette Überraschung ist..."
~x~
