Daaanke Dir, SevMine:)!


In Kapitel 14: Severus erzählte Hermione seine Geschichte und stürmte danach, von seinen Emotionen überwältigt, aus dem Klassenzimmer. Ginny feierte indes bei den Ravenclaws und wurde von Harry in betrunkenem Zustand zurück in ihren Schlafsaal gebracht, was in Hermione einen Verdacht weckte.


Kapitel 15 - Feuerwhisky spricht Wahrheit


Wie jeder Samstag – die Hogsmeade-Wochenenden ausgenommen – war auch dieser nicht besonders ereignisreich. Normalerweise nutzte Hermione die freie Zeit zum Lernen, und wenn sie nichts zu lernen und auch schon alle Hausaufgaben erledigt hatte, war sie in der Bibliothek vorzufinden. An diesem Samstag fiel es ihr trotz einer wichtigen Aufgabe für Verwandlung schwer, überhaupt das Bett zu verlassen. Sie wollte niemanden sehen, und noch weniger wollte sie über die vergangene Nacht nachdenken; doch seit Ginny den Schlafsaal verlassen hatte, um die Feier zu organisieren, waren ihre Gedanken immer wieder dorthin abgeschweift.
Schließlich verdrängte sie den Verdacht, den sie um Harry und Ginny hegte, weil sie bemerkte, dass er sie nach wie vor kalt ließ. Sie hätte einen Weg gefunden, mit Eifersucht umzugehen, doch stattdessen fragte sie sich, ob der Grund, weshalb sie eben nicht eifersüchtig war, unten in den Kerkern wohnte. Seufzend zog sie sich etwas über und schlurfte nach unten in den Gemeinschaftsraum.

Dort waren die Vorbereitungen bereits in vollem Gange: Parvati und Neville schmückten per Zauberhand den Raum, Lavender war gerade dabei, ein Fass Met, das sie zweifellos aus der Küche stibitzt hatte, durch das Portraitloch zu hieven. Hermione eilte ihr zur Hilfe; für sie wurde das alles überhaupt erst veranstaltet, und in ihr stieg das schlechte Gewissen auf, weil die Anderen schon so viel dafür gearbeitet hatten.

„Danke, Leute, ihr seid die Besten!", rief Ginny eine halbe Stunde später. „Wer übernimmt den Rundgang?"
„Welchen Rundgang?", flüsterte Hermione, die neben der Rothaarigen stand.
Colin Creevey meldete sich. „Okay, Colin. Und wer noch? Parvati? Sehr schön. Wir sehen uns gegen zehn." Sie verabschiedete die fleißigen Helfer und wandte sich ihrer besten Freundin zu. „Sag bloß, Du hast das noch nie mitbekommen? Das wäre der ultimative Beweis dafür, dass die Rundgänge sinnlos sind! Es gibt immer zwei Freiwillige, die kurz vor der Nachtruhe noch mal durchs Schloss laufen und Leute – also, außer Slytherins natürlich – einladen beziehungsweise einsammeln, mit zur Party zu kommen. Je mehr desto besser."
Hermione staunte nicht schlecht. „Ihr seid verrückt; das Partynetzwerk von Hogwarts, durchgeplant bis ins Detail." Sie schüttelte amüsiert den Kopf. „So etwas hätte es nicht gegeben, als wir noch jünger waren."
„Oder vielleicht haben wir es einfach nur nicht mitbekommen, weil wir jünger waren", zwinkerte Ginny.

~x~


Als Colin und Parvati ziemlich genau eine halbe Minute vor Beginn der Nachtruhe vom Rundgang zurückkamen, zogen sie eine ganze Schar Hufflepuffs und Ravenclaws hinter sich her.
„Nicht schlecht!", lachte Ginny anerkennend und schlug den beiden zwinkernd auf die Schultern. „Met und Feuerwhisky für alle!"
Das war der Beginn einer langen Nacht.

„Was ist das?"
„VERSTECKT EUCH!"
Ein Feuerwerk brach los, die Flammen des Kamins färbten sich zunächst grün und leuchteten schließlich in allen Farben, die man sich nur vorstellen konnte. Funken sprühten und Schüler kreischten. Hermione dankte ihrem Verstand dafür, Lärmschutzzauber um den Raum gelegt zu haben. Schließlich stiegen Fred und George aus den Flammen, ließen sich wie Helden feiern und verneigten sich vor der inzwischen jubelnden Menge.

„Wir sind da, die Party kann losgehen!", rief George und bahnte sich den Weg zu seiner kleinen Schwester frei.
„Reichlich spät, würde ich sagen! Ich dachte schon, Errol sei unterwegs abgesoffen", schmollte Ginny gespielt, als die beiden sie umarmten.
„Mit Pünktlichkeit schafft man keine Show-Einlage, Schwesterchen", grinste Fred, sah sich um und stieß einen Pfiff aus. „Wir sind stolz auf Dich - ich freue mich sagen zu dürfen, dass wir nicht leugnen mit Dir verwandt zu sein!"
„Du hast Talent!", bekräftigte George und besorgte zwei Gläser Feuerwhisky.
„Du willst gleich damit anfangen?", fragte sein Zwillingsbruder.
„Wenn schon, denn schon."
Das schien auch Hermiones Motto des Abends zu sein.

„Hermione, geht's Dir gut?"
Die Angesprochene reagierte nicht, sie saß alleine und zusammengekauert in einem Sessel neben dem Kamin und starrte an die Wand.
„Hermione?", versuchte Parvati es erneut, wurde jedoch von Seamus unterbrochen, der, etwas Unverständliches lallend, ihre Hand packte und mit sich zum Ausschank zog, wo er sich von Ginny zwei Gläser mit Feuerwhisky füllen ließ.
Ginnys Blick suchte ihre beste Freundin, doch sie konnte sie nirgends finden. „Chris?", flüsterte sie. „Würdest Du hier kurz übernehmen, damit ich nachschauen kann, ob Hermione schon im Bett ist?"
„Natürlich." Chris nickte und legte der jungen Hexe kurz eine Hand auf die Schulter, ehe diese sich durch die Masse an eher mehr als weniger betrunkenen Feiernden zur Treppe durchkämpfte. Oben angekommen, öffnete sie die Tür zu ihrem Schlafsaal und schaute sich vorsichtig um. Beide Betten waren leer, keine Spur von Hermione.

Diese hatte indes beschlossen, dass es im Gryffindorturm zu langweilig war. Die Kerker schienen ihr ein besserer Ort zu sein, um eine Party zu feiern. Mit einiger Anstrengung erhob sie sich aus dem Sessel und ertastete sich den Weg zur Portraitloch. Beim Durchklettern desselben mangelte es ihr an Kraft und Gleichgewicht, doch Neville, der sie beobachtet hatte, eilte zur Hilfe.
„Waaarde, i schieb", verkündete er, und mit einigen umständlichen Verrenkungen schaffte er es, Hermione nach draußen zu bugsieren. „Lassiii nid erwischen!", rief er ihr noch nach, als das Portrait den Durchgang längst wieder versperrt hatte.

Ginny kam zurück in den Gemeinschaftsraum und lief einmal rund herum, um sicherzustellen, dass sie Hermione wirklich nicht übersehen hatte, doch die Ältere war tatsächlich unauffindbar.
„Hast Du sie irgendwo hingehen sehen?", fragte sie schließlich Chris, als sie das Ausschenken wieder übernommen hatte.
Der Ravenclaw sah sie nachdenklich an. „Nicht seit sie sich vorhin Feuerwhisky geholt und danach mit Padma Patil in Richtung Schlafsäle verschwunden ist. Ist Padma wieder hier oder haben sich die beiden vielleicht in ihr eigenes kleines Vergnügen gestürzt?"
„Quatsch", warf Ginny ein, „unser Schlafsaal ist leer."
„Sie ist Schulsprecherin, sie hat überall Zutritt", gab Chris zu bedenken, „die beiden könnten in irgendeinen Saal gestolpert sein, so betrunken wie sie waren."
„Verdammt, sind wir denn die einzigen Nüchternen hier?", fauchte Ginny wütend. „Und Hermione muss es natürlich gleich übertreiben!"
„'mione's scholange wegg!", vernahm der Rotschopf da eine vertraute Stimme.
„Neville!", rief sie aus und packte den dazugehörigen Jungen am Arm, wobei sie versehentlich den Inhalt des Glases in seiner Hand verschüttete. „Hast Du Hermione gesehen? Wo ist sie hin?"
Ihr Mitschüler zeigte nur mit verständnisloser Miene zum Portraitloch, und Ginny stürmte los.

In diesem Moment flüsterte in den Kerkern jemand „Obliviate" und veränderte damit nicht nur Erinnerungen, sondern ein ganzes Leben.

~x~


Dreißig Minuten zuvor.

Hermione wankte mehr als dass sie lief die Treppen hinunter, beide Hände am Geländer festgeklammert und von misstrauischen Blicken einiger wacher Portraits verfolgt. In der Eingangshalle kämpfte sie zunächst erfolglos gegen die Orientierungslosigkeit an. Erst nach einigen Minuten fand sie die Treppen, die in die Kerker führten und stolperte sie, sich an den Wänden entlang tastend, hinunter.

Unten angekommen, trugen Hermione ihre Beine wie von alleine den Weg, den sie in über sechs Jahren in Hogwarts so oft gelaufen war. Normalerweise hatte sie das nur äußerst widerwillig getan, doch in den letzten Monaten schien sich alles verändert zu haben.
Vor der Tür zum Klassenzimmer für Zaubertränke hielt sie inne; Severus war in dieser verhängnisvollen Nacht mit ihr links aus dem Raum hinaus und um die Ecke gebogen. Kurz darauf stand sie an der Stelle, an der sie in seine privaten Räume verschwunden waren, doch dort war nur kahler Stein. Die junge Frau zog ihren Zauberstab aus der Tasche.

„Ene mehhne mu, unn auf bisss Du!", lallte sie. Nichts geschah, außer dass sich Hermiones Gesichtsausdruck von verwirrt zu wütend änderte.
„Sesam öffnnn Dich!", rief sie. Sie tippte die Wand mehrmals ungeduldig mit dem Zauberstab an und staunte nicht schlecht, als plötzlich eine Tür erschien. Sie steckte den Zauberstab weg und klopfte, erst sanft, dann immer lauter. Sie ging zu einem Hämmern und Treten über, als keine Reaktion von drinnen kam, und sank schließlich auf dem Boden zusammen.

„Miss Granger? Was machen Sie hier?"
Jemand half Hermione auf die Beine, stützte sie und zog sie mit sich durch zwei Türen, in ein gemütliches Wohnzimmer. Es war nicht sonderlich warm, doch sie fühlte sich sicher.
„Was machen Sie hier?", wiederholte Severus Snape und setzte seine Schülerin auf das Sofa. Als er sah, dass sie etwas fröstelte, nahm er eine Decke und legte sie ihr über Schultern und Rücken.
„Danke", flüsterte sie und zog die Decke eng um sich, ohne auf seine Frage einzugehen.
Severus beäugte die stark alkoholisierte junge Frau misstrauisch. „Tee?", fragte er.
Sie schüttelte den Kopf.
„Dann aber zumindest ein Glas Wasser", sagte er bestimmt und stellte kurz darauf eines vor sie auf den Tisch. „Trinken", wies er sie an, „damit der Alkohol verdünnt wird. Andernfalls rede ich heute kein Wort mehr mit Ihnen."
Seine Schülerin nahm das Glas, setzte es an und leerte es in einem Zug.
„Fein", kommentierte Severus, „dann können Sie mir jetzt ja sagen, was in Merlins Namen Sie um diese Zeit in den Kerkern machen."
„Ich wollte mit Dir reden."
Er zog eine Augenbraue nach oben. „Um diese Zeit? Miss Granger, was ist nur in Sie gefahren? Von einer beträchtlichen Menge Alkohol einmal abgesehen, meine ich?"
„Ich weiß nicht", murmelte sie und blickte zu Boden.

Der Professor sah sie eine Weile an, seufzte und setzte sich dann ihr gegenüber in den Sessel. „Also gut. Worüber willst Du reden?"
„Über Dich. Uns?"
„Du willst also in einem solchen Zustand solche bedeutsamen Dinge besprechen? Ehrlich, Hermione, diese unüberlegte Aktion lässt mich daran zweifeln, dass sie tatsächlich von der Frau kommt, in die ich mich verliebt habe."
Es gab Momente, in denen auch der betrunkenste Mensch schlagartig nüchtern wurde. Dieser war so einer für Hermione.
„Du- Du has-?", stotterte sie mit weit aufgerissenen Augen.
„Nein, ich wollte nur sehen, wie viel Du noch mitbekommst", knurrte Severus kopfschüttelnd.
Erst jetzt bemerkte sie, dass er einen Schlafanzug trug und sehr müde aussah; als wäre er gerade erst aufgestanden. Natürlich, schließlich hatte sie ihn ja unsanft geweckt. Obwohl das schlechte Gewissen an ihr nagte, wollte sie nach wie vor reden; wenn sie ohnehin schon da war...

„Du liebst Lily immer noch, oder?"
Er wand sich im Sessel hin und her, die Frage war ihm wie erwartet sehr unangenehm. „Ich habe Dir schon einmal gesagt, dass es nicht so ist. Ich kann sie nie vergessen. Sieh mir das nach, sie war meine erste und einzige Liebe, und ich habe viel für sie und wegen ihr getan. Mein Leben hat durch sie eine drastische Wendung genommen, ohne sie wäre ich heute nicht hier. Vielleicht wäre ich tot. Auf jeden Fall wäre ich aber totunglücklich."
„Wieso?"
„Hast Du Dir schon mal ein Leben vorgestellt, in dem es keine Liebe gibt?", fragte Severus tonlos zurück. „Ohne Lily wäre ich heute bei den Todessern, wäre ein treuer Gefolgsmann von", er stockte kurz, „Voldemort." Wie schon einst in der Zaubertränkestunde, spuckte er den Namen angewidert aus.
„Vielleicht hättest Du dort jemanden kennengelernt und Dich verliebt", mutmaßte Hermione.

Er sah ihr geradewegs in die Augen und schüttelte energisch den Kopf. „Hermione, Du verstehst nicht. Es gibt keine Liebe bei ihm. Diese Leute sind kalt und leblos, sie lieben nicht. Sie quälen, foltern, töten einander, nur zum Spaß; ganz zu schweigen von den Dingen, die sie mit anderen Menschen tun. Und wenn jemand sich verliebte, wäre das umso schlimmer für ihn. Du kannst nicht einfach fliehen und so leben, wie Du es möchtest. Du lebst für ihn oder Du stirbst." Er lachte bitter auf. „Oder beides. Jedenfalls lernst Du, Deine Gefühle abzustellen; bis sie irgendwann ganz absterben."

Hermione schaute ihn ungläubig an. „Kein Mensch kann das, Sever-"
„DU KENNST IHN NICHT!", schrie er, Tränen der Wut in den Augen. Sofort tat es ihm leid, als er sah, wie die junge Frau zusammenzuckte. „Du bist ein Kind", fuhr er ruhiger fort, „und Du warst nicht dort. Du kannst es Dir nicht vorstellen, nicht verstehen. Und das ist gut so. Wenn ich mir nur vorstelle, Du könntest es..." Er verzog schmerzlich das Gesicht, als könne er den Gedanken nicht ertragen.
„Aber ich kann es nicht. Keine Sorge, ich kann es nicht", wisperte sie, rückte ganz an den Rand des Sofas und streckte den Arm aus, um seinen zu berühren. Er zog ihn nicht weg, doch wohl schien es ihm nicht zu sein bei dieser Geste. „Und Du wirst es eines Tages vielleicht vergessen."
Wieder lachte er hohl auf. „Wie könnte ich das vergessen?"
„Durch einen Menschen, den Du liebst? Du könntest Dich jemand Anderem hingeben."
„Findest Du es dafür nicht ein bisschen spät? Wer würde mich wollen?", fragte er ironisch.

Hermione schüttelte den Kopf. „Wofür könnte es je zu spät sein, Severus? Ich bin nicht sicher, was ich zu Deiner zweiten Frage sagen soll. Vielleicht könntest Du Dich hier im Raum mal umsehen."
Der Professor seufzte erneut und erhob sich von seinem Sessel, um einen Streifzug durch den Raum aufzunehmen. „Hermione, Du hast von Hingabe geredet, von Liebe, von Beziehung, nicht von... leidenschaftlichem Sex."
„Hast Du gerade 'bedeutungslosem Sex' sagen wollen?"
„Ja, aber es schien mir nicht ganz richtig; leidenschaftlich finde ich dagegen nicht ganz unpassend." Fast war es ein leichtes Grinsen, das sich da auf sein Gesicht stahl.
„Gut", erwiderte Hermione, „ich fand es nämlich auch alles andere als bedeutungslos. Es hätte bedeutungslos sein sollen, als Ginny und ich diese Wette abgeschlossen haben."
„Und ist es das für Dich nicht?" Er hatte Angst vor der Antwort, und damit war er nicht der Einzige.
Auch Hermione tat sich schwer damit. Sie wollte nichts zugeben, von dem sie selbst nicht wusste, was es bedeutete. „Nein."
„Sondern?", bohrte Severus nach.

„Vielleicht ist es mehr." Im gleichen Moment, in dem sie es ausgesprochen hatte, hätte Hermione sich am liebsten dafür ins Gesicht geschlagen. Die Wirkung des Alkohols hatte noch nicht gänzlich nachgelassen. „Vielleicht aber auch nicht", setzte sie schnell hinzu.
„Sicher nicht", bekräftigte er, doch sie hörte seiner Stimme an, dass es eher eine Hoffnung als eine Feststellung war. Oder war es Bedauern?
Severus lief weiter durch sein Wohnzimmer und blieb schließlich hinter der Couch stehen, wo seine Schülerin mit dem Rücken zu ihm saß. Einer spontanen Eingebung folgend, griff er nach seinem Zauberstab. Er biss sich kurz zweifelnd auf die Lippen, bevor er ihn auf den Hinterkopf der jungen Frau richtete und nahezu lautlos flüsterte:

Obliviate!"