Herzlichen Dank an SevMine, Danbo31 und Jay! :) :)


In Kapitel 16: Jegliche Erinnerungen an die Wette und ihre gemeinsame Zeit mit Snape aus ihrem Gedächtnis gelöscht, versuchte Hermione unwissentlich einen Neuanfang und musste erkennen, dass sie ihren Freund gar nicht wirklich liebt.


Kapitel 17 - Ein Tag ohne Fledermaus ist ein verlorener Tag


Die ungewöhnlichen Zaubertränkestunden ließen sich nicht aus Hermiones Kopf verbannen, den ganzen Tag über machte sie sich Gedanken darüber, was mit Professor Snape los war. Hatte Dumbledore ihn befördert? Wohl kaum, welche Beförderung könnte es in Hogwarts schon geben? Aber vielleicht hatte der Schulleiter ihm gesagt, dass er bald in Rente gehen dürfe? Gab es überhaupt Rente in der Magierwelt?
Möglicherweise war die Erklärung auch viel einfacher und Snape war so gut gelaunt, weil er verliebt war? Sie stellte sich Snape beim ersten Date vor, in einem netten Restaurant mit einer großen, hübschen Blondine, die das genaue Gegenteil des griesgrämigen Mannes sein könnte. Vielleicht würde sie nach einem gemeinsamen Essen seine Hand nehmen, er würde ihr tief in die Augen sehen und sich zu ihr nach vorne beugen...

„Hermione? Ist alles okay?"
Beim Gedanken an Snape und die fremde Frau hatte ein Zucken Hermiones Körper erfasst und sie hatte fast schmerzvoll das Gesicht verzogen.
„Woran denkst Du?", fragte Ginny besorgt weiter, als sie vom Kleiderschrank zurück zu ihrem Bett ging und sich darauf fallen ließ.
Ihre beste Freundin schüttelte den Kopf. „Ach, an nichts."
Ginny zeigte ihr den Vogel. „Wenn Du wirklich gewollt hättest, dass ich nicht weiter frage, hättest Du Dir wenigstens eine Ausrede einfallen lassen, also raus damit. Wer oder was spukt in Deinen Gedanken herum?"
Hermione brachte ein schiefes Grinsen zustande. „Snape."
Die Rothaarige sog scharf die Luft ein, versuchte aber, sich nichts weiter anmerken zu lassen.
„Was ist mit ihm los, warum ist er so milde?", fuhr die Ältere fort. „Ich meine, mir kann es ja recht sein, aber ich habe mich eben gefragt, warum ich heute zum ersten Mal in fast sieben Jahren Hauspunkte von ihm bekommen habe."
Ginny lachte nervös. „Und das lässt Dich so zusammenzucken? So schockierend ist das nun auch wieder nicht, ich habe gehört, Du hast ihn in Grund und Boden geredet mit Deiner Antwort, wieso sollte er da nicht ein einziges Mal gnädig sein?"
„Na ja, er ist Snape", murmelte Hermione, unsicher, ob sie damit rausrücken sollte, woran sie tatsächlich gedacht hatte. „Meinst Du, er ist verheiratet?"

„SNAPE?", rief Ginny entsetzt aus. Darüber hatte sie noch nie nachgedacht, und noch schockierender war, dass sie diese Überlegungen nicht in ihre Wett- und Verführungspläne mit einbezogen hatten.
Sie zwang sich, sich zusammenzureißen und zu grinsen. „Machst Du Witze?"
Hermione atmete sichtlich erleichtert auf. „Gut, das denke ich auch. Also, ich dachte jedenfalls daran, ob er verliebt und deshalb so nett ist." Sie zwinkerte Ginny zu, die sich schnell wegdrehte, weil sie nicht verhindern konnte, dass ihr die Gesichtszüge ein wenig entglitten.
„Ja, vielleicht ist er das", sagte die Rothaarige zur Wand, als sie sich wieder gefangen hatte. „Oder vielleicht hat Madam Pomfrey ihm auch einfach ein nettes Medikament gegen einen Schnupfen gegeben, um uns Schülern etwas Gutes zu tun."
Hermione legte sich auf ihr Bett und starrte an die Decke. „Ja. Vielleicht. Sicher ist es nur das."
Schnell schlief sie ein und hörte schon gar nicht mehr, wie Ginny den Schlafsaal kurz darauf noch einmal verließ.

~x~


„Steh schon auf! HALLO! Schätzchen, wenn Du vor Zauberkunst noch etwas frühstücken willst, wäre jetzt der Zeitpunkt, aufzustehen."
„Mmmmhh?", kam es schwach aus den Kissen, und Hermione beschloss härtere Geschütze aufzufahren.
Sie machte ein paar Schritte zurück, nahm ihren Zauberstab vom Nachttisch und murmelte: „Wingardium Leviosa."
Ginnys Decke schwebte hoch in die Luft und die junge Frau schlang die Arme um ihren Körper, um sich vor der Kälte zu schützen. Immerhin bewegte sie sich jetzt endlich.
„Ginny, komm schon, steh auf", lachte Hermione, ließ die Decke auf sich zu schweben und fing sie auf. Dann ging sie an Ginnys Bett und zog ihre beste Freundin in eine aufrechte Position. „Es hilft alles nichts. Du kannst Chris nicht ewig aus dem Weg gehen. Steh auf."
Die Rothaarige blinzelte Hermione an und nickte einsichtig. Sie würde sich nicht davor drücken, in Zauberkunst zu gehen und Chris wieder gegenüberzutreten. Langsam erhob sie sich und schlurfte in Richtung Bad.
„Wo warst Du gestern Abend noch, dass Du heute so übernächtigt bist?", wollte Hermione amüsiert wissen.
„Nur noch ein bisschen draußen", gab die Andere leise zurück.
„Bei dem Wetter?", schmunzelte die Ältere.
„War ganz schön", gab Ginny müde zurück. „Geh schon mal vor zum Frühstück, ich komme gleich."
Hermione zuckte mit den Schultern und hoffte, dass Ginny im Bad nicht wieder einschlafen würde, machte sich aber dennoch auf den Weg in die Große Halle.

„Morgen, Mione!", wurde sie unten von ihrem besten Freund begrüßt.
„Guten Morgen, Ron", lächelte sie. Irgendetwas war komisch an diesem Morgen, sie fühlte sich unbeschwerter als sonst, wenn sie hier saß.
„Wo ist Ginny?", riss Ron sie aus ihren Gedanken.
„Noch im Bad, ich weiß nicht, ob sie's noch rechtzeitig schafft. Wo ist Harry?"
„Hat keinen Hunger." Der Rothaarige zuckte mit den Schultern. „Hat mich alleine runter geschickt."
Hermione grinste. „Ob er wohl mit Ginny gestern Abend einen übern Durst getrunken hat? Die sieht nämlich auch etwas mitgenommen aus heute Morgen."
„Er sah eher etwas kränklich aus, ich glaube kaum, dass er etwas getrunken hat, aber wer weiß?", feixte Ron. „Wir können ihn ja gleich in die Mangel nehmen."
Hermione ließ den Blick durch die Halle schweifen und wurde sich plötzlich bewusst, was heute komisch war: Professor Snape war nicht da.

Ron war ihrem Blick gefolgt, und ein Strahlen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Hab ich das noch gar nicht erwähnt? Snape ist weg, wir haben heute Zaubertränke frei!"
„Das sind ja gute Nachrichten!", freute sich die junge Frau. „Dann haben wir quasi nach dem Mittagessen frei, können uns also direkt hinsetzen und anfangen, unsere Sachen für die Abschlussprüfungen rauszuschreiben."
Sofort verschwand das Strahlen von Rons Gesicht.
„Mr. Weasley, wenn Sie Ihre Prüfungen bestehen wollen, müssen Sie durchaus etwas dafür tun, das hier ist kein Zuckerschlecken!"
Er lachte über Hermiones nahezu perfekte Imitation von McGonagalls Stimme und gab sich geschlagen. „Aber nicht den ganzen Nachmittag, ja?"
„So lange, wie wir brauchen!"

~x~


Der Plan, am Mittag gemeinsam etwas für die Abschlussprüfungen zu tun, sollte nicht aufgehen.
Harry war nicht zu Verteidigung gegen die Dunklen Künste erschienen, und auch in Kräuterkunde warteten Ron und Hermione vergeblich auf ihn.
„Miss Granger, Mr. Weasley, könnte ich Sie kurz sprechen?"
Die beiden nickten und kamen nach vorne zu Professor Sprout. Diese fuhr fort: „Ich soll Ihnen ausrichten, dass Mr. Potter im Krankenflügel ist, er hat eine leichte Grippe; Madam Pomfrey kümmert sich um ihn, sie sagt, er sei morgen wieder fit."
Hermione atmete erleichtert auf. „Dann ist ja gut. Vielen Dank!"
„Kein Wunder, dass er nichts frühstücken wollte heute Morgen", sagte Ron. „Dann werden wir also statt zu arbeiten später in den Krankenflügel gehen?", fragte er hoffnungsvoll.
Seine beste Freundin schüttelte erbarmungslos den Kopf. „Wir besuchen ihn – aber Harry wird sicher ganz schlimme Langeweile haben und sich über jegliche Beschäftigung freuen, wir können dort also trotzdem etwas arbeiten."

Als die beiden Freunde zum Mittagessen in die Große Halle kamen, saß Ginny dort bereits auf ihrem Platz und winkte ihnen entgegen.
„Wo ist Harry?", fragte sie irritiert, kaum dass Ron und Hermione in Hörweite waren.
„Im Krankenflügel", antwortete Ron. „Leichte Grippe, nichts Ernstes. Morgen ist er wieder auf den Beinen. Was hast Du nach dem Essen, wir wollten ihn nämlich gleich besuchen gehen?"
Ginny verzog das Gesicht. „Zaubereigeschichte. Aber ich schaue heute Abend noch bei ihm vorbei."
Während Ron sich Unmengen an Köstlichkeiten auf den Teller schaufelte, beugte sich Hermione zu ihrer besten Freundin hinüber und fragte: „Wie war Zauberkunst?"
Die Jüngere wiegte den Kopf hin und her. „War okay. Wir saßen nicht mehr nebeneinander, haben uns aber auch nicht komplett ignoriert."
„Kommst Du klar?"
„Ich mache mir da weniger Gedanken um mich als um ihn. Ich bin schließlich diejenige, die..." Sie brach ab.
Hermione nahm unterm Tisch ihre Hand. „Du hast nichts falsch gemacht!"
„Stimmt", murmelte Ginny leise. „Noch nicht."

~x~


„Hermione, Ron! Ihr seid meine Rettung!", rief Harry aus, als seine Freunde den Krankenflügel betraten.
„Sag das nicht zu laut, solange Du nicht weißt, welche Pläne Hermione für uns hat", grinste Ron, als er auf seinen besten Freund zu ging und ihn umarmte.
Harry sah ihn irritiert an und wandte sich dann Hermione zu, die nur widerwillig näher kam. „Welche Pläne könnte meine Liebste denn für uns haben?", fragte er strahlend.
Beim Anblick seines selbstgefälligen Gesichts verspürte Hermione den Drang, sich umzudrehen und aus dem Saal zu stürmen, widerstand jedoch mit einiger Mühe und sagte stattdessen ruhig: „Ich hatte vorgesehen, heute mit euch anzufangen für die Prüfungen zu lernen, aber angesichts Deines Zustandes wäre es wohl besser, wenn wir das streichen. Ich lasse euch besser hier und fange oben alleine an, den Stoff zusammenzufassen. Ron, Du kannst Harry sicher blendend unterhalten, und sobald er wieder fit ist, setzen wir uns zusammen und gehen die Notizen durch."
Der Dunkelhaarige im Bett starrte verwirrt drein. „Du kommst mich besuchen um mir zu sagen, dass Du gleich wieder gehst und irgendwelchen Stoff durcharbeitest, der gut und gerne noch einen Tag länger liegen bleiben könnte?", wollte er wissen.
Hermione runzelte die Stirn. „Es gibt Leute, die nehmen die Bildung ernst und sehen sie als eine Chance, ihr späteres Leben positiv zu gestalten, weißt Du?"
„Aber heute bin ich krank, hat das nicht bis morgen Zeit?"

„Du verstehst es nicht", schnaubte die junge Frau, die langsam die Geduld verlor, „die Sache ist ganz einfach: Ich habe mir das für heute vorgenommen, deshalb möchte ich es auch erledigen. Es sei denn, Du bist todkrank? In diesem Fall würde ich natürlich hier bleiben. Aber ansonsten ziehe ich es vor, Dir eine gute Besserung zu wünschen, Dich in Ruhe genesen zu lassen und Dich vor allem mit Schulkram zu verschonen!"
Harry schaute sie noch immer verständnislos an. „Na schön, sehen wir uns heute Abend?"
„Sicher." Damit drehte sich Hermione auf dem Absatz um und war verschwunden.
„Mensch, Harry, Du machst es Dir ja leicht", stöhnte Ron.
Harry sah den Rotschopf fragend an.
„Na, Du lässt sie einfach so g—warte eine Sekunde, ich bin gleich wieder da!" Damit rannte auch Ron aus dem Krankenflügel, den gerade verklingenden Schritten Hermiones hinterher. Rennend holte er sie ein.

„Was ist los, kam es ihm doch noch in den Sinn, dass er Schwachsinn redet?", meinte sie verächtlich, ohne stehen zu bleiben.
Ron schüttelte den Kopf. „Leider nicht. Hermione, willst Du drüber reden?"
„Worüber reden?"
„Darüber, warum es zwischen euch gerade so überhaupt nicht funktioniert?", schlug Ron vor.
Die junge Frau hielt an, stemmte die Arme in die Hüfte und sah ihr Gegenüber herausfordernd an. „Ach, unsere Beziehung funktioniert also nicht? Was weißt Du schon von funktionierenden Beziehungen!" Hals über Kopf floh sie den Korridor entlang, eine Hand vorm Gesicht, um ihre Tränen zu verbergen.
„Du kannst nicht davor weglaufen", rief ihr bester Freund ihr nach, „nicht ewig!"

Doch Hermione lief, und zwar in beachtlichem Tempo. Durch den Korridor, acht Treppen hinunter, durch die Eingangshalle, durch das Portal, die Marmortreppe hinunter und über das Gelände bis an den See. Dort brach sie zusammen, ihre Knie gaben nach, sie sank atemlos und wie ein nasser Sack zu Boden. Die Tränen hatten sich vervielfacht, sie rannen ihr nur so übers Gesicht.
„Verdammt, was ist nur los mit mir?", flüsterte sie zu sich selbst. Zwischen Harry und ihr funktionierte es gerade so überhaupt nicht, hatte Ron festgestellt, und Hermione musste ihm in diesem Punkt Recht geben. Wie konnte sie es nur mit Harry aushalten, wie hatte diese Beziehung früher funktionieren können? Früher, als... ja, was war eigentlich früher gewesen?
Es schien sich nahtlos, geradezu selbstverständlich gefügt zu haben, dass Harry und sie ein Paar geworden waren. Damals. Sie konnte nicht einmal genau sagen, wann es gewesen war; es konnte noch nicht sehr lange her sein. Man sollte meinen, dass sie sich an solch ein wichtiges Ereignis in ihrem Leben genau erinnern könnte, doch sie tat es nicht. Konnte es nicht.
Sie hatte eine Ahnung, wie sich Liebe anfühlen musste, ohne zu wissen, woher diese Vorstellung kam. Und als Hermione sich darüber den Kopf zerbrach, begann sie ernsthaft daran zu zweifeln, dass es Harry gewesen war, der ihr diese Ahnung vermittelt hatte. Liebte sie Harry?
Bisher hatte sie nie darüber nachgedacht, und auch jetzt sah sie keinen Grund, warum sie es tun sollte. Sie war schließlich mit ihm zusammen, die logische Schlussfolgerung schien also zu sein, dass sie ihn liebte. Damit würde sie sich zufrieden geben.
Sie war sehr grob gewesen und hatte ihn einfach dort oben im Krankenflügel liegen gelassen, vielleicht sollte sie sich entschuldigen gehen und sich mit ihm versöhnen. Sie war immerhin mit ihm zusammen, sie war ihm das schuldig.

Als ihr Atem und ihre Gedanken sich wieder beruhigt hatten, machte Hermione sich auf den Weg zurück ins Schloss. Als sie durch das schwere Eingangsportal trat, sah sie auf die Uhr und erschrak fast zu Tode: Zaubertränke hatte bereits vor zwanzig Minuten angefangen!
So schnell sie konnte stürzte sie zu den Kerkertreppen und sprang sie, mehrere Stufen auf einmal nehmend, hinunter. Hatte sie überhaupt ihr Buch eingepackt? Vor dem Klassenzimmer angekommen hielt sie inne, ihr Herz raste. Snape würde sie gleich töten, ganz sicher. Langsam, quälend würde er ihr die Haut abziehen, würde mit seiner Hand...
Als sie schon die Hand hob, um anzuklopfen, wurde ihr bewusst, dass hier etwas komisch war. Normalerweise müsste Snapes Stimme oder das Zischen der Kessel durch die Kerkertür zu hören sein, doch es war still. Sie stellte sich vor, wie der Professor zwischen den Kesseln umher schwebte und hier und dort Anweisungen gab. Beim Gedanken an die Stimme des Zaubertrankmeisters lief es ihr kalt – oder vielleicht auch heiß, sie konnte es nicht sagen – den Rücken hinunter, doch das schob sie auf ihre momentane Nervosität. Was war hier los?
Und da fiel es Hermione wie Schuppen von den Augen. Severus Snape war abwesend, Zaubertränke fiel aus, sie konnte direkt in den Krankenflügel gehen und sich bei Harry entschuldigen. In der Abzweigung vor dem Korridor, in dem Madam Pomfrey ihre Station beherbergte, bog Hermione stattdessen jedoch in Richtung Gryffindorturm ab, ohne zu wissen warum.

„Hermione!"
Sie erkannte Rons Stimme und lief schneller. Der Rotschopf musste wohl gerade auf dem Weg von Harrys Krankenbett zurück in den Gemeinschaftsraum sein.
‚Perfektes Timing, Hermione, super hingekriegt!', dachte sie ironisch und lief weiter, wurde jedoch verfolgt.
„Du kommst mir nicht so einfach davon! Bleib stehen und rede mit mir!"
„Und was qualifiziert Dich Deiner Ansicht nach für so eine Unterhaltung?", rief Hermione über die Schulter zurück.
„Ich bin Dein bester Freund, verdammt, jetzt komm schon her!"
Sie hielt tatsächlich inne. „Aber Du bist auch Harrys bester Freund, was Dich wiederum für diese Unterhaltung eindeutig disqualifiziert", stellte sie fest, ohne sich umzudrehen.
„Sekunde. Du willst es jetzt gegen mich verwenden, dass ihr die freundschaftliche Beziehung, die wir drei untereinander hatten und die es uns ermöglicht hat, immer über alles zu reden, kaputtgemacht habt?" Ron hob eine Augenbraue.
Sie gab sich geschlagen und drehte sich um. „Na gut, ich habe verloren. Aber wir besprechen das nicht mitten im Korridor."

~x~


In einer ruhigen Ecke im Gemeinschaftsraum kauerte Hermione sich in den Sessel und legte den Muffliato um Ron und sich selbst.
„Du willst also reden? Dann rede", forderte sie den Jungen auf.
Dieser legte den Kopf schief. „Ich glaube, nicht ich bin derjenige, der etwas zu sagen hat. Was ist los mit Dir?"
Sie schaute zu Boden. „Ich lüge nicht, wenn Dir sage, dass ich es nicht weiß."
„Gibt es jemand Anderes?"
Sie schaute ihn nur an, nicht sicher, ob sie die Frage richtig verstanden hatte.
„Hast Du Dich in jemand Anderes verguckt?", fragte Ron erneut und bestätigte damit Hermiones Ahnung über die Natur der Frage.
„Ich... ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, aber ich w-"
„Es geht vorbei, weißt Du?", unterbrach er und nahm ihre Hand. „Das passiert, aber das Gefühl muss nicht ewig andauern. Es geht vorbei, und dann wird alles wieder gut zwischen euch."
Sie hob den Kopf und sah ihn an. „Ja. Irgendwann geht es vorbei." Sie lächelte kurz, doch als plötzlich das Bild von Snape und der schönen Blonden vor ihrem inneren Auge auftauchte, gefror das Lächeln sofort. „Aber wenn es vorbei ist, heißt das automatisch, dass ich mich dann in Harry verliebe?"

Ron hielt den Atem an und hatte die Augen weit aufgerissen. „Du…?"
Hermione schlug die Hände vor den Mund, als zu ihrem Geist durchdrang, was sie da gerade gesagt hatte. Nicht, weil sie es tatsächlich laut geäußert hatte; nein, vielmehr weil sie wusste, dass es die Wahrheit war.
„Du- Du liebst Harry nicht?"
Sie wiegte den Kopf lange hin und her, bis es schließlich durchaus als Kopfschütteln zu deuten war.
„Aber warum-?"
„Stell keine Fragen, gib mir lieber die Antworten darauf, Ronald. Ich habe sie nämlich nicht."
Ron legte die Stirn in Falten. „Okay. Dann wissen wir ja, was wir zu tun haben."
„Ach, und das wäre?", wollte sie irritiert wissen.

„Na, wir suchen die Antworten auf die Fragen, die Deine Gefühlswelt aufwirft."
'Wir'?"
„Natürlich wir. Glaubst Du, ich lasse meine beste Freundin einfach hängen?"
Hermione ließ sich in seine ausgebreiteten Arme fallen und machte sich keine Mühe mehr, das Schluchzen zu unterdrücken, das nun ihren ganzen Körper schüttelte.
Auf die Weasleys war einfach Verlass.


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