Herzlichen Dank an Danbo31, Jay und Sophia! :))

In Kapitel 17: Ron bekam Wind davon, dass die Beziehung von Harry und Hermione nicht gut lief und sprach seine beste Freundin darauf an. Ginny dagegen beobachtete besorgt Hermiones Gebären, wenn es um Snape ging.


Kapitel 18 - Ein großer Schritt in die Ungewissheit


Ron und Hermione waren noch zu keiner Lösung gekommen, als Harry am nächsten Morgen aus dem Krankenflügel entlassen wurde und sie ihn beim Frühstück in der Großen Halle trafen. Er winkte ihnen unsicher zu, was Hermione jedoch gar nicht registrierte, denn ihr Blick hing am Lehrertisch. Dort saß Professor Snape auf seinem üblichen Platz und schien keine Notiz zu nehmen von dem, was um ihn herum geschah. Ähnlich ging es auch seiner stillen Beobachterin.

„Mione? Ist alles gut?", fragte Harry plötzlich und seine Stimme holte sie zurück in die Realität. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon bei dem Schwarzhaarigen angekommen waren.
„J-ja, alles gut", antwortete sie leise und wusste nicht, was sie nun tun sollte.
„Hör zu, es tut mir leid, wie ich mich gestern benommen habe... Auch wenn ich nicht ganz verstehe, was mit Dir los war oder ist. Vielleicht können wir demnächst ja mal drüber reden?"
Die junge Hexe wiegte den Kopf hin und her, woraufhin Harry ihre Hand nahm und sie kurz drückte. „Lass uns jetzt einfach nur ein bisschen langsam machen, ja?", brachte sie hervor.
„Langsam. Langsam ist gut."
„Würdest Du mir bitte die Würstchen geben, Hermione?", hörte sie Ron fragen. Als sie die Platte hinüberreichte und ihn ansah, schaute er sie kurz mit einem beschwichtigenden Blick an, nahm sich zwei Würstchen und wandte sich dann seiner kleinen Schwester zu.
„Harry?", fragte Hermione vorsichtig. „Wir sollten demnächst wirklich drüber reden."
Harry sah sie besorgt von der Seite an und nickte nur.
Hermione war sich sicher, dass er ahnte, was ungefähr sie zu sagen hatte, und dass er sich so lange wie möglich davor drücken würde. Und sie wusste, dass auch sie selbst dieses Gespräch vor sich herschieben würde, solange er es zulassen würde.


~x~


Einige Stunden später, nach dem Mittagessen, verbrachten Harry, Ron und Hermione ihre Freistunde im Gemeinschaftsraum gemeinsam mit Ginny. Harry und Ginny hatten sich in eine Ecke zurückgezogen, um die Taktik für das kommende Quidditchspiel gegen Ravenclaw zu besprechen, während die anderen beiden auf ihren Lieblingssesseln vor dem Kamin saßen.
„Meinst Du, sie reden wirklich gerade über Quidditch?" Ron sah nachdenklich den sanft lodernden Flammen zu und spielte etwas nervös mit der Feder in seiner Hand, mit der er kurz zuvor mit Hermiones Hilfe seinen Aufsatz für Verwandlung beendet hatte.
„Hm?", fragte Hermione verwirrt, hatte jedoch, noch bevor er es aussprach, eine vage Idee, worauf Ron hinaus wollte. Sie wollte ihm die Hand vor den Mund halten, wollte es weder hören noch darüber nachdenken.
„Muffliato", murmelte Ron in diesem Moment jedoch schon. „Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, ob Ginny in Harry verliebt ist", erklärte er und fühlte sich dabei sichtlich unwohl. „Sie hat ihn manchmal so angesehen, weißt Du? Und wenn Du dazu kamst, hat sie sich weggedreht."

In diesem Augenblick wurden Hermione die Ausmaße ihres Handelns bewusst und sie schlug beide Hände vor den Mund.
„Oh Du lieber Gott!", rief sie leise aus. „Wie konnte ich nur so blind sein!"
Ron sah sie entsetzt an. „Du glaubst, die beiden...?"
„Nein", schnitt sie ihm das Wort ab, „nein, auf keinen Fall. Ich bin mir sicher", fügte sie auf den skeptischen Blick des Rotschopfs hin hinzu. „Mein Gott, sie hat ihn die ganze Zeit geliebt und mit angesehen, wie ich mit ihm zusammengekommen bin! Nein, die Arme, wie kann ich das je wieder gutmachen?"
Sie ließ den Kopf hängen. Sie hatte nicht nur ihrer besten Freundin die große Liebe vor der Nase weggeschnappt, sie hatte es sogar getan, ohne selbst überhaupt wirkliches Interesse an dem betreffenden Mann zu haben!
Schuldbewusst sah sie zu Harry und Ginny hinüber, die noch immer angestrengt in ein Gespräch vertieft waren und keine Notiz nahmen von dem, was nur wenige Meter entfernt passierte.

„Mione, Du hast gestern Morgen gefragt, ob Harry und Ginny sich wohl in der Nacht vorher gemeinsam betrunken haben, erinnerst Du Dich? Meinst Du nicht, das könnte tatsächlich was dran sein?", fragte Ron unsicher.
Beide saßen einige Momente stumm da und dachten über die Worte nach.
Ron sprach als erstes wieder: „Nein, die beiden würden das hinter unserem Rücken nie tun. Stimmt doch, oder?"


~x~


Auch zum Abendessen erschien Hermione zusammen mit Ron, was Ginny mit einem mürrischen Knurren zur Kenntnis nahm, sich jedoch nichts anmerken ließ. Als Harry, laut mit Seamus und Parvati schwatzend, hinzukam und Hermione ihn keines Blickes würdigte, verließ die Rothaarige die Große Halle als Erste wieder, ohne sich von irgendwem zu verabschieden.

„Willst Du ihr nachlaufen?", fragte Ron leise.
Hermione runzelte die Stirn. „Nein, wieso? Ich sehe sie doch gleich im Schlafsaal?"
„Na ja, ich dachte nur... sie schien grade etwas aufgebracht."
„Inwiefern aufgebracht?"
„Sie hat Harry schon beobachtet, als er zur Tür reinkam", antwortete Ron, „und sie ist direkt aufgestanden und gegangen, kaum dass er an den Tisch kam."
Sie bemerkte einen argwöhnischen Blick seitens Harry, als sie so vertraut mit ihrem gemeinsamen besten Freund redete. Obwohl sie ihm nicht die Vorstellung vermitteln wollte, dass sie mit Ron anbandelte, bat sie den Rothaarigen, vorzeitig mit ihr rauszugehen.
Ron nickte. „Wir sehen uns gleich, soll ich schon mal das Zaubererschach auspacken?", fragte er mit einem Zwinkern an Harry gewandt.
„Gerne! Spielst Du eine Runde mit, Hermione? Oder zwei?"
Hermione verzog bedauernd das Gesicht. „Ich wollte ehrlichgesagt ein bisschen mit Ginny quatschen. Wärst Du mir böse, wenn ich erst morgen wieder dabei wäre?"
Harry schüttelte den Kopf, nahm erneut kurz ihre Hand und drücke sie sanft. Erleichtert drehte sie sich um und lief, dicht gefolgt von Ron, in Richtung Eingangshalle. Ein Schwarm Hufflepuffs drängte ebenfalls gerade nach draußen, und von der Seite kam eine schwarze Gestalt angehastet, in die Hermione in ihrer geistigen Umnachtung fast hineinlief.

Die schwarze Gestalt blieb abrupt stehen und ließ ihr den Vortritt. Verwirrt wie sie davon war, reagierte Hermione nicht sofort; stattdessen blieb sie wie angewurzelt stehen und stammelte: „V…viel… danke, Professor."
Snapes Augenbrauen schossen nach oben. „Miss Granger, im Gegensatz zu Ihnen habe ich meinen Schönheitsschlaf nötig", zischte er leise, sodass nur sie und Ron es hören konnten, „hätten Sie also die Güte, sich zu bewegen, damit ich in mein Bett komme?"
Ron machte große Augen, war jedoch geistesgegenwärtig genug, Hermione von der Seite anzustoßen, als sie noch immer nicht reagierte. „Mach den Mund zu und lauf weiter!"
Verwirrt gehorchte sie, und als sie außer Hörweite waren, fuhr Ron sofort ungläubig fort: „Was ist mit diesem Mann los? Hermione, ist zwischen euch irgendwas vorgefallen, oder warum macht er Dir Komplimente, statt dass er die Chance nutzt, den ein oder anderen dummen Kommentar loszuwerden?"
„Na ja, ich fand schon, dass das ein dummer Kommentar war", entgegnete Hermione; wenn der Rotschopf doch sonst so stumpfsinnig war, was Gefühle und Komplimente anging, wieso hatte er ausgerechnet heute seine Antennen so weit ausgefahren?
Er zuckte mit den Schultern. „Ich halte ihn momentan für nicht zurechnungsfähig, aber das muss Madam Pomfrey entscheiden. Wir sollten dafür sorgen, dass sie ihn zu Gesicht bekommt. Schon gut, das war ein Witz", sagte er auf Hermiones warnenden Blick hin schnell.
„Mir gefällt er so ganz gut", murmelte sie.


~x~


Rons Bemerkung vom Nachmittag hatte Hermione mehr verunsichert als sie zugegeben hätte. Und da sie nicht bei sich selbst anfangen wollte die Problemlösung zu suchen, beschloss sie kurzerhand, dass es unkomplizierter wäre, zunächst ihre beste Freundin auszufragen.

Zurück in ihrem Schlafsaal, nahm sie all ihren Mut zusammen, um es direkt anzusprechen, nur um festzustellen, dass Ginny gerade im Badezimmer war.
Als sie schließlich beide schweigend auf ihren Betten saßen und durch Hausaufgaben blätterten, begann sie unvermittelt:
„Ginny. Warst Du vorletzte Nacht bei Harry?"
Ginny sah sie entsetzt an. „War ich was?"
„Ich... Du... also, weißt Du, ich... Was Du da neulich gesagt hast - dass Du verliebt bist... und Ron meinte, dass Harry vorgestern Nacht auch draußen war..."
„Ron scheint Deine neue beste Freundin zu sein?", fragte sie spitz. „Na gut, Du bist also zu dem Schluss gekommen, dass es Harry ist, in den ich verliebt bin?"
Hermione nickte beschämt, nicht sicher, ob sie mit ihrer Vermutung tatsächlich ins Schwarze getroffen hatte oder eher meilenweit danebenlag.
„Lass uns sagen, Du hättest recht", sagte die Rothaarige leise, und sowohl in ihrer Stimme als auch in ihrem Blick lag nun Verachtung, „hast Du auch zugehört, als ich gesagt habe, dass ich es niemandem, am allerwenigsten Dir, antun würde, auf diese Gefühle zu reagieren?"

Gerade hatte Hermione eine Freundschaft aufs Spiel gesetzt, die ihr mehr als fast alles andere bedeutete.


~x~


„Ginny scheint neuerdings die beste Freundin der Patilzwillinge zu sein, ich sehe sie höchstens abends kurz vorm Schlafengehen und morgens, wenn wir uns - ohne ein Wort miteinander zu sprechen - miteinander arrangieren, wer zuerst ins Bad geht."

Wie so oft in den letzten Tagen saßen Ron und Hermione bis spät in die Nacht im Gemeinschaftsraum, machten Hausaufgaben, spielten Zaubererschach und redeten. Harry und Ginny trainierten jeden Abend für das bevorstehende Spiel gegen Ravenclaw am Wochenende, und wenn sie zurückkamen, verschwanden sie meist direkt müde in ihren Schlafsälen. „Bin ich froh, dass ich nicht mehr in der Mannschaft bin", hatte Ron bereits mehrmals ausgerufen, „ich wüsste nicht, wie ich das alles schaffen sollte!" Und tatsächlich waren seine Noten nun größtenteils besser als Harrys, was Hermione stets lobend hervorhob, um ihn zu ermuntern.

Hermione hatte Ginnys Vorwurf, Ron sei ihre neue beste Freundin, nicht vergessen, und dass sie sich nun ausgerechnet bei ihm über seine Schwester ausließ, machte die Sache nicht besser, wie sie feststellen musste. Bedrückt sah sie zu Boden.
„Aber wie könnte ich ihr das vorwerfen? Sie hat ja recht damit, sich von mir abzuwenden. Die Situation ist für uns beide, aber vor allem für sie, wirklich..."
„...beschissen", vollendete Ron Hermiones Satz. Diese nickte stumm. „Was ist mit Harry?"
„Was soll mit ihm sein?", wich die junge Frau aus.
Ron nahm ihre Hand, mit der sie sich auf dem Fensterbrett abstützte und so ihr Gesicht verbarg. „Sieh mich an. Du weißt genau, was ich meine."
„Natürlich", gab sie zu, „aber Ausweichen schadet bei völliger Ahnungslosigkeit nie."
„Ist es wirklich völlige Ahnungslosigkeit, oder ist es eher das hartnäckige Meiden dessen, was Du längst weißt, aber nicht wahrhaben willst?"
Hermione legte die Stirn in Falten und sah ihren besten Freund aus zusammengekniffenen Augen an. „Wer bist Du, meine Mutter?" Auf seinen fragenden Blick hin fügte sie hinzu: „Die weiß auch immer, was Sache ist, ohne dass ich etwas sage. Manchmal weiß sie es besser als ich."
„Ich nehme das als Kompliment", zwinkerte Ron, „da Du also schon zugegeben hast, dass ich recht habe, ist meine nächste Frage: Liebst Du Harry?"
Nach einer langen Pause sah Hermione Ron in die Augen und sagte fest: „Nein."


~x~


Zur gleichen Zeit fand draußen auf dem Quidditchfeld ein ähnlich unangenehmes Gespräch statt.
Harry war in einer Trainingspause zu Ginny geeilt und hatte sie um ein paar Worte abseits des Teams gebeten. Ginny hatte schon befürchtet, dass er ihre Leistung bemängeln und ihr mit dem Rauswurf aus der Mannschaft drohen würde, doch nichts dergleichen geschah. Was kam, war noch viel schlimmer.

„Sag mal", begann Harry unsicher, „ich weiß nicht, ob es mich etwas angeht und ob Du drüber reden willst oder... also, ich wollte Dich eigentlich ein bisschen über Hermione ausfragen, sie benimmt sich seit Wochen so komisch, aber... Jetzt benehmt ihr euch beide komisch und scheint kaum noch miteinander zu reden, ihr ward doch sonst immer unzertrennlich?" Er wartete kurz, doch als sie nichts sagte, fuhr er fort: „Ich versteh die Welt gerade nicht mehr, vielleicht kannst Du mir da ja ein wenig auf die Sprünge helfen?", endete er leise.
Die Rothaarige sah ihn an, unschlüssig, wie sie reagieren sollte. Sie war sauer. Sauer, dass er mit dieser Angelegenheit zu ihr kam, dass er mit ihr über seine Beziehung mit Hermione sprechen wollte; sauer, dass er es wagte, Hermiones und ihre Freundschaft in Frage zu stellen. Sauer, weil er der Grund war, warum diese Freundschaft – so weh es ihr tat, das zuzugeben - tatsächlich gefährdet war.
Doch sie wusste, dass sie das letztlich sich selbst zuzuschreiben hatte. Sie war schließlich auf diese Wette eingegangen. Harry wusste nichts davon, und das musste auch so bleiben.

Deshalb blieb sie ruhig, legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter und antwortete: „Weißt Du, das mit Hermione und Dir, das ist eine Sache zwischen Hermione und Dir, in die ich mich nicht einmische. Und das mit Hermione und mir, das ist eine Sache zwischen Hermione und mir, in die Du Dich nicht einmischen solltest. Lass ein bisschen Zeit vergehen, die Dinge werden sich von selbst regeln, und früher oder später wird wieder eine Art Normalität einkehren. Es tut mir leid, aber ich kann Dir in dieser Sache einfach nicht helfen, ich muss mir erst mal selbst helfen."
Harry schien ganz und gar unzufrieden mit dieser Antwort.
„Harry, Hermione ist ein bisschen durcheinander", erbarmte sich Ginny nun doch zu einer etwas aussagekräftigeren Antwort. „Gib ihr Zeit, sich über einiges klar zu werden."
„Hat sie jemand Anderes kennengelernt?", fragte Harry direkt.
„Wir mögen vielleicht gerade Differenzen haben, die wir womöglich nie überwinden werden, aber deshalb gebe ich noch lange nichts aus Hermiones Privatleben preis, auch ihrem Freund nicht", erwiderte Ginny kühl. „War's das dann, wir sollten weiter trainieren, wenn wir dieses Wochenende die Ravenclaws schlagen wollen, die haben eine gute neue Hüterin, falls Du es schon vergessen hast."

Damit ließ sie ihn stehen und ging zurück zu den Anderen, die bereits ungeduldig warteten.


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Ron schluckte. „Das ist ja eine klare Aussage. Gut. Nein, nicht wirklich gut, aber damit können wir arbeiten."
Hermione sah ihn mit hochgezogener Augenbraue fragend an.
„Na ja, wir können uns jetzt Gedanken machen, wie es weitergeht, oder nicht?", fuhr er fort.
„Wie sieht Dein genialer Plan aus?", kommentierte die junge Frau ironisch, ohne eine Antwort zu erwarten. Umso überraschter war sie, als sie eine bekam.
„Du solltest", Ron holte tief Luft, „Du solltest Dich natürlich von Harry trennen."
„Mich... t-trennen?" Die Fassungslosigkeit stand Hermione ins Gesicht geschrieben.
„Dir selbst dieses Spiel anzutun ist eine Sache. Es Harry, der nichts dafür kann und dem es offenbar ernst ist, anzutun, ist eine andere Sache. Man geht eine Beziehung ein, weil man sich liebt. Weil man das ganze Leben miteinander verbringen will. Wenn diese Bedingungen nicht oder nur einseitig erfüllt sind, fehlt die Basis. Je länger Du wartest, desto schmerzhafter wird es."

Was Ron sagte, klang so überzeugend und zugleich so unbequem, dass es Hermione wie ein Stromstoß durch die Glieder fuhr. Plötzlich stand sie ganz aufrecht, sah ihrem besten Freund in die Augen und nickte. „Du hast Recht. Mich selbst kann ich so viel belügen wie ich will, aber nicht Harry. Versprichst Du mir, Dich um ihn zu kümmern, wenn er dann nichts mehr von mir wissen will?"
Ron sah sie schief an. „Er ist unser bester Freund. Natürlich kümmere ich mich um ihn."
„Gut. Ich gehe zu ihm." Damit drehte sie sich auf dem Absatz um, um in Windeseile das Quidditchfeld anzusteuern.
„Warte!", rief Ron ihr noch nach. „Überstürz das jetzt nicht!"
Doch davon wollte sie nichts mehr hören.


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Das Team verließ nach und nach erschöpft die Umkleidekabine, bis nur noch Ginny übrig war. Sie hatte getrödelt, um noch ein Wort mit Harry zu wechseln, der draußen gerade noch die Bälle in der Kiste verstaute. Er war erstaunt, die Rothaarige auf ihn wartend vorzufinden. Er hatte erwartet, dass sie nach ihren vorherigen Differenzen ausnahmsweise ohne ihn gegangen war.

„Ginny", setzte er an, „ich weiß, ich hab Dich verärgert, es tu—"
„Du solltest mit Hermione reden, weißt Du?", unterbrach sie ihn ruhig. „Nicht mit mir. Ich kann Dir nicht helfen, ich stehe genauso dazwischen wie Du."
Harry nickte zunächst verständnisvoll, dann kam ihm jedoch ein anderer Gedanke. „Sekunde. Bist Du in Mione... also, Mione und Du, seid ihr...?"
„Wo nehmt ihr nur alle diese Idee her?" Ginny verdrehte die Augen und schüttelte genervt den Kopf darüber, dass er eher auf die Idee kam, dass sie in Hermione verliebt sein könnte als in ihn selbst. „Rede einfach mit ihr. Ich komme nach, wir sehen uns morgen."
Sie gab dem Dunkelhaarigen einen aufmunternden Klaps auf die Schulter und verschwand in Richtung See, um noch ein wenig ihren Gedanken nachzuhängen. Währenddessen nahm Harry seinen Besen und seine Tasche, um zurück ins Schloss zu gehen. Gähnend verließ er die Umkleide und war gerade dabei, die Tür hinter sich zu schließen, als er eilige Schritte und eine Stimme vernahm.

„Harry?"
„Hermione, ich, ich w...", stammelte er drauf los, überrascht von Hermiones plötzlichem Erscheinen. „So ein Zufall, dass Du herkommst, ich wollte sowieso mit Dir re—aber lass uns das lieber im Schloss be-"
„Nein", unterbrach sie ihn ungeduldig, „ich habe mir gerade Mut angelaufen und bin völlig entschlossen hierher gerannt, um das hier durchzuziehen, wenn ich es nicht sofort tue, zögere ich vielleicht wieder, oder ich weiche aus, oder ich—"
„Ist schon gut", versuchte Harry die junge Frau zu beruhigen, die kurz vorm Hyperventilieren zu stehen schien. Er hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch. „Was ist los, was gibt's so Wichtiges?"
„Gar nichts ist gut. Wir können nicht zusammen sein, Harry. Können wir einfach nicht. Wir müssen uns trennen."
„Du-ich-, was hast Du da gesagt?" Harry starrte Hermione mit weit aufgerissenen Augen an. „Du kannst doch nicht einfach-wir..."
„Doch, ich kann, Harry", sagte sie traurig. „Ich kann Dir nicht vormachen, dass ich Dich liebe; das ist unfair. Und deshalb muss ich diese Beziehung, oder was immer es war, beenden. Es tut mir leid. So leid."
Wie gelähmt stand Harry vor der Tür und konnte nichts tun als der jungen Frau hinterher zu schauen, wie sie ebenso eilig, wie sie gekommen war, wieder davonstürmte.


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„Harry? Was machst Du denn hier?", fragte Ginny verwundert. Sie war auf dem Rückweg vom See am Rand des Verbotenen Waldes entlang zum Schloss. „Solltest Du nicht mit Hermione reden?", zwinkerte sie, doch als ein Lichtschein durch die dichten Bäume fiel erkannte sie, dass ihm Tränen in den Augen glänzten. „Was ist passiert?"
„Ich habe mit Hermione geredet; sie kam runter gerannt, um Schluss zu machen."

„Sie hat WAS?" Ginny traute ihren Ohren nicht. „Okay, ich muss sofort zu ihr."
„Aber-?", warf Harry ein; seine Verwirrung war perfekt. „Ihr habt gerade den größten Krach eurer ganzen Freundschaft!"
„Wir hatten gerade den einzigen kleinen, sinnlosen Streit unserer ganzen Freundschaft."


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