Herzlichen Dank an Erin, Jay und SevMine! Fangt die Woche gut an (verdammt, habe ich euch grade dran erinnert, dass morgen Montag ist? ;)) und habt viel Spaß beim Lesen!
In Kapitel 19: Ginny und Hermione versöhnten sich wieder und die Ältere hatte in Zaubertränke zwei Visionen, in denen Snape sie küsste.
Kapitel 20 - Neue Entwicklungen
„H-Hermione, was ist denn los?"
Fassungslos starrte Ginny das Nervenbündel in ihren Armen an, das sie gerade überfallen hatte, kaum dass sie aus McGonagalls Klassenzimmer getreten war. Hermione war nach ihrer Flucht aus den Kerkern auf direktem Weg dorthin gerannt und hatte ihre beste Freundin abgepasst, die gerade Verwandlung gehabt hatte.
„Mione, sprich mit mir!", forderte Ginny nun besorgt, als die Ältere keine Anstalten machte, sie aus der festen Umklammerung zu entlassen. „Pass auf, wir gehen jetzt hier..." sie stieß die benachbarte Tür auf und spähte kurz in den Raum, „rein und dann erzählst Du mir, was passiert ist."
Hermione nickte und ließ sich durch die Tür führen, die sie sofort energisch schloss und losredete.
„Du... Du hast gesehen, wie Snape Dich geküsst hat?" Die Rothaarige hatte aufmerksam zugehört und angestrengt versucht zu verhindern, dass ihre Augen sich immer mehr und mehr weiteten. „Du meinst, so richtig?" Vielleicht ließ sich sie Situation noch entschärfen und sie konnte Hermione eine andere Interpretation des vermeintlich Gesehenen einreden. „Du hattest eine Vision?", fragte sie weiter, als die andere noch immer nicht reagierte.
„Es fühlt sich an wie eine Erinnerung, als wäre es wirklich passiert! Ginny, was ist nur los mit mir?", ereiferte Hermione sich schließlich mit einem deutlich hörbaren Hauch von Verzweiflung in der Stimme.
Ginny wünschte, sie könnte sie beruhigen, doch nichts, was ihr in diesem Moment einfiel, schien diesem Zweck dienlich. „Liebes, denk nicht so viel darüber n-"
„Das ist doch krank!", wurde sie sogleich unterbrochen.
„Das ist nicht krank, das ist das Leben, Mione! Du machst viel durch grade und machst Dir mit Deinem Abschluss super viel Stress, da ist es doch kein Wunder, dass mal was durchbrennt. Oder verdrängte Gefühle zum Vorschein kommen", setzte sie leise hinzu, doch Hermione hatte es gehört.
„Verdrängte Gefühle? Aber das Thema hatten wir doch, ich liebe Harry nicht!"
Ginny schüttelte den Kopf. „Schon gut, lass uns schnell etwas essen gehen und uns dann einen schönen Abend machen und noch mal über alles reden, ja?"
~x~
Da weder Hermione noch Ginny nach dieser Offenbarung großen Appetit verspürten und die Grpße Halle schnell wieder verlassen wollten, um Snape nicht sehen zu müssen, dauerte es nicht lange, bis die beiden besten Freundinnen in ihrem Schlafsaal auf Ginnys Bett saßen. Sie hatten unbemerkt etwas vom Nachtisch (Nougatstangen und Vanillepudding) mitgehen lassen, das nun zwischen ihnen in der Luft schwebte. Hermione griff lustlos nach einer Nougatstange, während die Rothaarige Pudding löffelte.
„Also", brach Ginny nach einigen Minuten das Schweigen, „hast Du noch mal über Deine Vision nachgedacht?"
„Nein", wich die Andere aus, „eigentlich nicht."
„Und uneigentlich?"
„Die ganze Zeit. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, und je länger ich drüber nachdenke, desto verschwommener werden die Bilder. Aber ich sage Dir, es war, als würde ich es wirklich erleben, ich war mittendrin, ich- ich kann es immer noch fühlen." Hermiones Stimme war leiser geworden, war am Ende nur noch ein Wispern.
„Was kannst Du noch fühlen, Mione?"
Die Ältere antwortete nicht sofort, sondern sah entschlossen zum Fenster. „Seine Lippen...", presste sie schließlich flüsternd hervor.
Ginny stand der Mund offen, sie konnte nichts erwidern und war froh, dass Hermione noch immer stur ihren Blick mied. „Das bildest Du Dir ein, Süße, Du bist einfach ziemlich durcheinander durch die ganze Sache mit Harry. Setz Dich nicht noch selbst unter Druck, das machst Du in schulischer Hinsicht schon genug."
Nun wandte sich Hermione der Anderen endlich wieder zu. „Meinst Du, Harry und ich werden uns je wieder in die Augen sehen können?"
Ginny schloss kurz die Augen und atmete tief durch; sie hatte schon erwartet, dass das Gespräch in diese Richtung verlaufen würde. „Gib euch Zeit, das wird wieder. Ihr habt so viel miteinander erlebt und durchgestanden, das geht nicht einfach von jetzt auf gleich kaputt. Aber es wird auch nicht von jetzt auf gleich wieder gut. Erst mal müsst ihr eure Gefühle sortieren, vor allem Harry. Ihr könnt nicht einfach vergessen, was zwischen euch war, ihr müsst es verarbeiten."
„Du kannst doch auch wieder normal mit Chris reden, obwohl euch mal mehr verbunden hat. Er scheint ja auch damit klarzukommen, dass er Dich geliebt hat." Sie bemerkte, wie Ginny auf einmal nervös wurde und betreten wegschaute. „Ich meine, das könnt ihr doch, oder? Als ihr euch grade vor dem Abendessen noch kurz unterhalten habt... es sieht vertraut aus, wie ihr miteinander umgeht", setzte sie nun deutlich unsicherer hinzu.
„Na ja, also", begann die Rothaarige, ihre Hände knetend, „weißt Du, das... also – ehrlichgesagt sind wir grade nur einen kleinen Schritt davon entfernt, wieder zusammen zu kommen", brachte sie schließlich hervor und schaute Hermione mit beinahe schmerzverzerrtem Gesicht an.
Deren Augen weiteten sich, ob vor Freude oder vor Schock vermochte sie einen Moment lang selbst nicht zu sagen. „Ihr-ihr kommt wieder zusammen? Wie-?"
„Wir haben in den letzten beiden Wochen wieder mehr Zeit miteinander verbracht, er hat mir gesagt, dass er mich nicht verlieren und mir erstrecht nicht ständig aus dem Weg gehen möchte. Daraufhin hatten wir ein längeres Gespräch darüber, dass ich einfach noch nicht bereit war und jetzt aber dabei bin, über Harry hinwegzukommen... Wir sehen uns jetzt wieder öfter und er gibt mir einfach Zeit; wenn daraus was werden soll, dann wird es. Wenn nicht, müssen wir unser Glück woanders suchen." Sie sah ihrer besten Freundin nun leicht lächelnd in die Augen.
„Ginny, das ist wunderbar!", rief diese aus und drückte die Jüngere an sich. „Aber Du versuchst doch jetzt nicht wegen mir, mit Harry abzuschließ-?"
„Mione", unterbrach die Rothaarige, „was passiert ist, war vielleicht genau richtig. Es hat mir den Stoß in die richtige Richtung gegeben. Und anscheinend nicht nur mir."
„Wieso, was meinst Du?", fragte Hermione stirnrunzelnd.
Ginny überlegte kurz, wie sie es möglichst nett formulieren sollte. „Weißt Du, ich habe vorhin nicht von verdrängten Gefühlen Harry gegenüber geredet, sondern dem schwarzen Mann gegenüber."
Hermione riss Mund und Augen auf und starrte ihre beste Freundin schockiert an.
Zack. Jetzt war es also raus.
„Schwarzer M-m-", stammelte Hermione und rang sichtlich um Fassung. „Was...was meinst Du damit? Ich meine, Du willst doch nicht sa—nein, sicher willst Du das nicht, ich meine..." Sie brach ab und sah ihre beste Freundin hilflos an.
Ginny legte ihr sanft einen Arm um die Schulter. Jetzt galt es, möglichst viel aus Hermione rauszukriegen, ohne auch nur ein Wort über die Wette zu verlieren. Sie wappnete sich gedanklich und überlegte fieberhaft, wie sie ihr Anliegen überzeugend zum Ausdruck bringen konnte.
„Aber wie-?", setzte Hermione erneut an, ohne ihren Satz zu vollenden.
„Weißt Du, ich beobachte schon eine Zeitlang, wie Du ihn manchmal ansiehst, und wie sich Dein Gesichtsausdruck verändert, wenn wir von ihm sprechen. Jetzt erzählst Du mir von dieser... dieser Vision. Ich musste nur eins und eins zusammenzählen nach unserem Gespräch neulich. Vielleicht ist da", sie legte der Älteren eine Hand aufs Herz, „einfach irgendwas drin, das raus möchte. Und vielleicht solltest Du aufhören es festzuhalten, sondern einfach nachgeben."
Hermione riss die Augen auf. „Ich soll zu Snape gehen und einfach-?"
„Nein", unterbrach die Rothaarige nachdrücklich. „Vor Dir selbst zuzugeben, dass da was ist, und darüber zu reden, wäre schon ein guter erster Schritt." Als die Andere unsicher schwieg, setzte sie nach einer Weile leise hinzu: „Und? Ist da was?"
„M-möglich...", wich Hermione aus. Als sie Ginnys bohrenden, unzufriedenen Blick bemerkte, wandte sie sich ab und sah zu Boden. „Es ist so komisch, ich kann mich nicht recht daran erinnern, wann es angefangen hat, es war plötzlich einfach da. Ich habe es ignoriert, aber es wurde immer stärker, bis ich dann diese Vision hatte. Es ist, als wäre ich ihm so nah, obwohl ich weiß, dass wir uns eigentlich hassen und dass wir uns nie auch nur berührt haben. Und dann ist er manchmal so nett zu mir und gibt mir Hauspunkte und verzichtet auf blöde Sprüche."
Sie verstummte und Ginny ließ ihr Zeit, sich wieder zu sammeln.
„Bevor wir darüber reden, was er fühlt... fangen wir mal bei Dir an", sagte die schließlich. „Er ist also der Mann, der Dich den Boden unter den Füßen verlieren lässt?"
Die Ältere wiegte den Kopf hin und her, noch immer unentschlossen, ob sie das alles wirklich wahrhaben und aussprechen wollte. Als Ginny sie fester an sich drückte, brach es aus ihr heraus: „Verdammt, Ginny!", schluchzte die heftig. „Verdammt, ich liebe ihn!"
Das war einfacher gewesen als Ginny gedacht hatte. Sie beschloss, daraus kein großes Drama zu machen, sondern direkt Konsequenzen aus diesen Worten zu ziehen.
„Na also. Dann können wir jetzt ja darüber reden, wie er fühlt und wie Du am besten an ihn rankommst", meinte sie zufrieden.
Hermione sah ihr entgeistert in die Augen. „Du machst Witze."
„Über dieses Thema würde ich niemals Witze machen. Oder vielleicht schon, irgendwann. Aber erst mal musst Du mir einen triftigen Grund dazu geben, so etwas wie eine peinliche Tanzpanne am Abschlussball oder so. Also, wie kommst Du an ihn ran?"
„Gar nicht!", war die prompte Antwort.
„Natürlich. Du glaubst doch nicht, dass ich hier stundenlang mit Dir über Snape und die Liebe philosophiere, um es Dir dann durchgehen zu lassen, dass Du mutwillig Dein Glück verweigerst? Euer Glück?"
Ginny sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen streng an, was Hermione ein kurzes Lachen abrang.
„Das ist wirklich süß von Dir, Ginny, aber es kann unmöglich Dein Ernst sein, er ist unser Lehrer-"
Erneut wurde sie unterbrochen: „Wie lange noch? Gib mir einen Moment, ich zähle die Tage." Ginny tat als würde sie sie an den Fingern abzählen.
„Okay, okay", unterbrach die Ältere, „aber er ist Snape! Die miesepetrige, bösartige alte Fledermaus, die uns seit jeher das Leben schwermacht und ungerechtfertigt Hauspunkte abzieht, erinnerst Du Dich?"
Ginny nahm ihre Hand. „Ja, es ist Snape, der geheimnisvolle Meister der Zaubertränke, der Dir nun mal den Kopf verdreht hat, der sich in letzter Zeit in Deiner Gegenwart komisch benimmt und alles andere als das Interesse zeigt, Dir das Leben schwerzumachen, und der Dir vor den Augen seiner Slytherins Hauspunkte zuspricht. Noch Fragen? Ich glaube nicht."
Als Hermione schwieg, fuhr sie grinsend fort: „Ich sag Dir, spätestens am Abschlussball schleppst Du den schwarzen Mann ab!"
„GINNY! Ich schleppe gar niemanden ab, das würde ich n-"
„Dann schleppt er eben Dich ab, ist doch egal, das Ergebnis zählt. Oh, und damit meine ich keinen Baby-Snape, damit könnt ihr euch ruhig noch ein bisschen Zeit lassen."
Hermione versuchte ihr Grinsen zu verbergen, nahm ein Kissen und schleuderte es ihrer besten Freundin in den Bauch. Diese warf sich lachend zur Seite und bewaffnete sich mit der Bettdecke, die sie der Anderen schließlich über den Kopf zog und sie darin einwickelte. Hermione strampelte mit den Armen und Beinen, um die Decke loszuwerden, konnte nun aber das laute Loslachen nicht mehr unterdrücken. Sie schälte einen ihrer Arme aus der Decke und tastete sich an Ginnys Beinen entlang hinauf zu ihrem Bauch, um sie zu kitzeln. Ginny wand sich hin und her und rang nach Luft; dabei rutschte sie so nah an den Rand der Matratze, dass sie schließlich das Gleichgewicht verlor und stürzte.
„Mione!", quietschte die Rothaarige, als sie vom Bett segelte und sich auf dem Boden lachend abrollte.
„PAH!", rief Hermione lachend zurück und streckte der Jüngeren eine Hand entgegen, um sie zurück aufs Bett zu ziehen. „Du bist verrückt. Wir sind verrückt."
Ginny grinste. „Genau, und deswegen überlegen wir uns jetzt auch, wie wir Dir den schwarzen Mann angeln."
‚Na ja', dachte sie, ‚an der Angel haben wir ihn schon lange; jetzt müssen wir ihn nur noch von der Angel in Hermiones Bett kriegen.'
Aus dem Gesicht der Älteren konnte sie noch immer Zweifel lesen. „Liebes. Du bist alt genug, machst in ein paar Wochen Deinen Abschluss und Du bist verliebt in jemanden, der ungefähr so intelligent ist wie Du selbst und nicht so unreif wie manch andere mit Blitznarben auf der Stirn. Du sagst, er reißt Dir den Boden unter den Füßen weg, Du bist bis über beide Ohren verliebt – glaubst Du wirklich, dass Du das einfach verdrängen solltest statt es zu versuchen? Ist es das nicht wert, ist er das nicht wert?"
Hermione wiegte den Kopf hin und her. „Natürlich ist er das", murmelte sie dann hinter zusammengebissenen Zähnen.
„Dann bequatsche ich also Ron, dass er uns die Karte des Rumtreibers besorgt, und Du wirst Herrn Snape eines Abends bei Deinen Patrouillen rein zufällig über den Weg laufen und ein bisschen mit ihm plaudern."
Gegen ihren Willen fand Hermione diese Idee gar nicht schlecht. Darauf wäre sie niemals gekommen und auch wenn sie nicht wusste ob sie sich trauen würde ihn anzusprechen, war es doch allemal angenehmer als es im normalen Schulbetrieb zu versuchen. Sie nickte und lächelte Ginny dankbar an. „Was habe ich nur für ein Glück, Dich zu haben."
„Warte ab, ob es überhaupt funktioniert", sie streckte Hermione die Zunge raus, „soll ich mich in der Nähe aufhalten, falls er Dir einen Fluch auf den Hals hetzen will?"
~x~
„Er ist auf dem Weg, er läuft grade von den Kerkern nach oben. Bist Du bereit?"
Wie schon die letzten beiden Abende waren Hermione und Ginny lange wachgeblieben, um auf der Karte des Rumtreibers zu verfolgen, welcher Lehrer den nächtlichen Kontrollgang durchführte; nach McGonagall und Sinistra war heute also Snape an der Reihe. Die Schulsprecherin war fertig angezogen, um jederzeit losgehen zu können. Sie nickte stumm, nahm die Karte, umarmte wortlos ihre beste Freundin, die ihr ein „viel Glück!" zuflüsterte, und verließ den Schlafsaal.
Sie kletterte im Gemeinschaftsraum durch das Portraitloch, grüßte die Fette Dame und ging unsicheren Schrittes zu den Treppen, die sie zur Eingangshalle führen würden. Ein kurzer Blick auf die Karte verriet ihr, dass Snape mittlerweile in Richtung Bibliothek lief; sie änderte ihren Kurs, um von der Seite auf den Korridor zu stoßen, den er entlangwanderte. Dort angelangt, tippte sie mit dem Zauberstab sanft auf das Blatt Pergament in ihren Händen, flüsterte „Missetat begangen" und lief den Gang entlang, an dessen Ende sie auf Snape treffen würde.
Bevor sie dort angelangt war, hörte sie bereits schnelle Schritte auf sich zukommen und schaute plötzlich in grelles Licht. Er hatte sie für eine Regelbrecherin gehalten und wollte sie nun zur Rede stellen.
„Miss Granger", hörte sie da seine samtige Stimme, die ihr kalte und heiße Schauer den Rücken hinunter jagten. Er ließ seinen Zauberstab sinken, doch ihre Augen brauchten noch eine Weile, um sich wieder an die dunklere Umgebung anzupassen, weshalb sie sein Gesicht zunächst nicht sehen konnte.
„Sie gehen also auch Ihren Pflichten nach?", fragte er schließlich ruhig.
Sie nickte und versuchte den Kloß im Hals loszuwerden. „Auch wenn ich mir Schöneres vorstellen könnte; das Schloss in so vollkommener Ruhe erlebt man auch nicht oft."
„Wohl wahr", stimmte er zu. „Fürchten Sie sich nicht, so ganz alleine hier im Dunkeln?"
Tief durchatmend und mit pochendem Herzen nahm sie ihren ganzen Mut zusammen. „Laufen wir weiter?"
Aus dem Augenwinkel konnte sie ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht erkennen, bevor er ihr bedeutete, ihm zu folgen.
Sie liefen eine Weile schweigend nebeneinander her.
„Professor?" Noch immer schlug ihr Herz so heftig, dass sie Angst hatte, er würde es hören.
„Hm?", machte er und sie war erstaunt, dass er von seiner sonst so korrekten Lehrersprache abließ.
„Danke, dass Sie mich neulich alleine haben arbeiten lassen; vielleicht wollten Sie mich damit ärgern, aber mir war es sehr r-"
„Hätte ich Sie ärgern wollen", unterbrach er sie, „hätte ich Ihnen irgendeinen Idioten zur Seite gestellt, der Ihnen Ihren makellosen Trank ruiniert hätte."
Sie musste unwillkürlich lächeln. „Danke."
„Es erspart auch mir Ärger, wenn ich eine Katastrophe weniger in meinem Unterricht abhandeln muss."
Wieder schwiegen sie eine Zeitlang. Diesmal war es Snape, der zu sprechen begann.
„Wenn Sie die Frage gestatten, was haben Sie nach Ihrem Abschluss vor, Miss Granger?"
Erstaunt sah sie zu ihm hoch, doch sein Kopf war nach vorne gerichtet und keine Regung darauf zu erkennen. Sie dachte kurz nach. „Ehrlichgesagt weiß ich das noch gar nicht so genau. Das mag abgehoben klingen, aber mir stehen viele Türen offen, und ich habe mich noch für keine entschieden. Professor McGonagall rät mir von einer Laufbahn im Ministerium ab-"
„Das wäre verschwendeter Intellekt", warf Snape genau das Argument ein, das damals auch ihre Hauslehrerin angeführt hatte.
„-und ich habe auch keine Ambitionen, mich hinter einen Schreibtisch zu setzen und Essays oder Bücher zu schreiben. Harry und Ron wollen Auroren werden, und das reizt mich durchaus auch; aber ich würde lieber etwas mit meinem Wissen anfangen, würde es vielleicht gerne lehren. Ich bin nicht sicher. Ich weiß, ich sollte mich längst entschieden haben, schließlich bin ich nur noch wenige Wochen hier."
Sie schluckte bei dem Gedanken. Hatte sie es sich eingebildet, oder war Snape bei diesem Satz gerade kurz aus seinem Laufrhythmus gekommen?
„Sie haben Recht, Ihnen stehen alle Türen offen, und Sie sind eine hervorragende Hexe. Überlegen Sie sich das mit der Auror-Sache noch mal. Sie wären viel unterwegs und könnten ihr Können unter Beweis stellen; aber vergessen Sie auch nicht, wie schnell es für einen Auror vorbei sein kann und welche Schäden viele von Ihnen davontragen."
Ja, darüber hatte sie auch schon nachgedacht.
„Und um den ein oder anderen Artikel werden Sie nicht rumkommen, früher oder später wird man auf Sie zukommen und Sie bitten, Ihr umfassendes Wissen zu teilen, und das sollten Sie dem Rest der Zaubererwelt nicht vorenthalten."
„Vielleicht", sagte Hermione nachdenklich, reichlich verwirrt von so vielen offenen, netten Worten.
„Denken Sie darüber nach, Sie werden es ewig bereuen, wenn Sie kurz nach Ihrem Abschluss eine überstürzte, unüberlegte Entscheidung treffen und in ein paar Jahren feststellen, dass Sie einen großen Fehler gemacht haben. Nicht alle Türen werden Ihnen so lange aufstehen wie es die von Hogwarts sicher tun werden."
Nach einer großen Runde durchs Schloss waren sie vor den Kerkertreppen angekommen.
„Gute Nacht, Professor", sagte sie, noch immer tief in Gedanken über die Worte des Professors.
„Gute Nacht, Miss Granger." Er hielt kurz inne, als wolle er noch etwas sagen, setzte dann aber doch seinen Weg fort.
„Wann patrouillieren Sie wieder?", hörte sie sich da fragen und biss sich gleich darauf auf die Zunge. Das war aufdringlich. Andererseits wäre ein zweites ‚zufälliges Treffen' sicher zu auffällig gewesen.
Er blieb abrupt stehen. „Sonntag", antwortete er und drehte sich langsam noch einmal um. „Um zehn in der Eingangshalle?"
~x~
