Und weiter geht's!

Herzlichen Dank an den Gast, SevMine (hehe, keine Angst...wird sie nicht :b) und Erin (was McGonagall angeht, muss ich grade an eine Szene aus dem nächsten Kapitel denken, lass Dich überraschen;) - ein Zusammentreffen unserer Protagonisten mit McGonagall und Dumbledore wird es aber auch noch geben, in der Tat:))!

Viel Spaß beim Lesen!


In Kapitel 21: Ginny und Chris machten ein gemeinsames Picknick am See und Hermione verbrachte den Abend erneut bei einer Patrouille mit Severus – doch er endete mit einer weiteren Vision.


Kapitel 22 - Was wichtig ist


„Oh mein Gott, Du hattest schon wieder eine Vision?"
Ginny war bereits im Halbschlaf gewesen, als Hermione panisch und außer Atem in den Schlafsaal gestürzt war, doch nun saß sie aufrecht im Bett und starrte ihrer besten Freundin entgeistert entgegen.
„Langsam macht mir das Sorgen", fuhr sie fort, besann sich jedoch eines Besseren, setzte ein Grinsen auf und wechselte den Kurs. „Wir sollten vielleicht doch zusehen, dass wir ihn Dir schon vorm Abschlussball angeln."
„Ginny, diese Sache ist ernst, verflucht, siehst Du das denn nicht?", rief Hermione verzweifelt und lief mit unruhigen Schritten vor Ginnys Bett auf und ab. „Er darf das nicht wissen, und er ist verdammt noch mal unser Lehrer, und ich bin verdammt noch mal in –"
Muffliato", warf die Rothaarige sicherheitshalber ein. Das Grinsen auf ihrem Gesicht war verschwunden, stattdessen nickte sie ernst. „Ich weiß, Mione. Tut mir leid. Du bist verliebt und die Sache ist tatsächlich sehr schwierig. Aber wir finden einen Weg. Du hattest eine Vision, in der er Dich vor seinen Räumen geküsst hat. Hat er das beobachtet? Wie hat er reagiert?", fragte sie vorsichtig, darauf bedacht, möglichst unauffällig an Informationen zu kommen, von denen Hermione selbst nicht wusste, dass sie über sie verfügte.
„Er...", die Ältere zog die Stirn kraus und dachte nach, „er hat mich ganz panisch angeschaut, fast als hätte er auch gesehen, was ich gesehen habe, oder als hätte er es – oh mein Gott, meinst Du, er hat es durch Legilimentik rausgefunden?" Sie riss die Augen weit auf.
Wieder einmal hatte sie ihrer besten Freundin ohne es zu wissen eine perfekte Vorlage geliefert.
„Lieber Himmel, das kann natürlich sein!" Ginny nickte bekräftigend, erleichtert, dass sie sich nicht selbst eine Erklärung hatte einfallen lassen müssen. „Das könnte heißen, er weiß, wie Du fühlst."

Hermione war in der Zwischenzeit wie erstarrt stehengeblieben. „Er wird mich nie wieder sehen wollen! Er hatte die Hand auf meiner Schulter, um mich rauszuführen", fiel ihr plötzlich ein. „Auch während ich diese Vision hatte. Und als er es gemerkt hat und ich wieder klar war im Kopf, hat er sie ganz schnell weggezogen. Oh nein. Glaub mir, er hasst mich! Er ist total schockiert."
„Er ist vielleicht schockiert, oder sagen wir, sehr überrascht über das, was Du fühlst. Aber ernsthaft, Hermione. So wie er sich Dir gegenüber momentan verhält, würde ich doch fast ausschließen, dass es eine unangenehme Überraschung war. Was hat er denn noch gesagt?"
Hermione nahm ihre Wanderung durchs Zimmer wieder auf und dachte nach. „Dass ich meine Prioritäten überdenken und bei meinem übermüdeten Zustand lieber schlafen sollte als zu patrouillieren. Dann hat er mich quasi weggejagt, mich aber noch nach oben geführt."
„Dann hat er seine Manieren diesmal also nicht vergessen", stellte Ginny fest und dachte an den Abend vor wenigen Monaten, als Snape Hermione einfach alleine in den Tiefen der Kerker hatte sitzen lassen – ein Ereignis, an das er ihr jegliche Erinnerung genommen hatte. „Was hast Du da übrigens in der Hand?"

„Was?", entgegnete die Andere zerstreut. „Ach, das. Ein Buch von ihm. Deshalb war ich noch mit unten, er wollte mir das geben, ich soll wegen der Berufswahl mal reingucken. Wir wollten uns bei der nächsten Patrouille drüber unterhalten."
„Und habt ihr einen Termin ausgemacht?", fragte Ginny und biss sich unsicher auf die Unterlippe.
Hermione schüttelte den Kopf und warf sich auf ihr Bett. „Nein. Und selbst wenn, würde ich nicht hingehen."

~x~


Tatsächlich suchte Hermione gleich am nächsten Tag das Gespräch mit Professor McGonagall, um sie darüber zu informieren, dass sie ihre Patrouillen als Schulsprecherin bis auf Weiteres aussetzen würde.
„Miss Granger, Sie stehen kurz vor Ihrem Abschluss, ich bitte Sie sogar darum, sich nicht mit Patrouillen noch zusätzlich zu belasten." Die Lehrerin für Verwandlung hatte Hermione am Arm gepackt und sah ihr nun prüfend ins Gesicht. „Sie haben bei Merlin genügend zu tun, Sie sollten mehr als nur einen Schritt kürzertreten. Ich weiß, dass Sie den Ehrgeiz und das Talent haben, hervorragende Prüfungen abzulegen und dass das momentan Ihre oberste Priorität ist, deshalb sollten Sie sich vorrangig darum kümmern. Sie werden das meistern, Miss Granger, mit Bravour. Und in ein paar Wochen, wenn alles durchgestanden ist, haben Sie auch wieder Zeit für andere Dinge."
Hermione wiegte langsam den Kopf hin und her und lächelte leicht. „Für die wichtigen Dinge."
Auch Professor McGonagalls Gesicht hellte sich auf und sie drückte den Arm ihrer Schülerin noch einmal sanft. „Für die wichtigen Dinge. Für das Leben", nickte sie, ehe sie in einer Menschentraube auf dem Korridor verschwand.

Hermione atmete tief durch und schloss kurz die Augen. Ihre Freistunde war gerade vorbei und nach dem Mittagessen würde sie sich auf dem Weg in die Kerker machen müssen. Obwohl sie eher Übelkeit als Hunger verspürte, wusste sie, dass Ginny sie finden und in die Große Halle zerren würde. Der Rotschopf war schon wenig begeistert gewesen, als Hermione am Morgen das Frühstück ausfallen gelassen hatte und war nur widerwillig alleine nach unten gegangen.
Sie hatte gerade Zauberkunst, zusammen mit Chris. Chris, den sie liebt', dachte Hermione und unweigerlich kam ihr der Gedanke an Snape. Severus Snape. Sie verdrängte ihn und stellte fest, dass sie von ihrer aktuellen Position aus auf dem Weg nach unten an Flitwicks Klassenzimmer vorbeikam; vielleicht waren die Sechstklässler ja noch nicht draußen.

„Sehen wir uns heute Abend übrigens? Michael und Padma organisieren eine kleine Feier für Terrys Geburtstag und lassen fragen, ob ihr kommt? Du und Mione?"
Hermione blieb abrupt stehen, als sie die Stimme eines jungen Mannes und ihren Spitznamen aus dem benachbarten Korridor vernahm.
„Ui, wann geht es denn los? Ich werde Mione mal fragen, sie ist zur Zeit aber sehr im Lernstress, vielleicht werde ich heute Abend lieber Zaubertränke mal mit ihr durchgehen. Oder ich komme alleine. Ich vermisse Dich, weißt Du... Ich sage Dir Bescheid."
Sie konnte Ginny lächeln hören und musste selbst schief grinsen, weil die Rothaarige ausgerechnet Zaubertränke vorgeschoben hatte. Dass sie die Party mit Chris sausen lassen würde, um mit ihr über Snape zu reden, kam jedoch gar nicht in Frage, das würde Hermione gleich klarstellen.
„Ich würde mich freuen", hörte sie erneut Chris' Stimme. Sie drehte sich um und nahm lächelnd einen Umweg zur Großen Halle, um die beiden nicht zu stören.

Erleichtert stellte Hermione fest, dass Snape nicht beim Mittagessen war. Sicher bereitete er in seinen dunklen, tristen Kerkern gerade eine besonders fiese Stunde vor und legte sich massenhaft schwere Fragen und dumme Sprüche bereit, um sie zu quälen und Gryffindor Hauspunkte abzuziehen. Vielleicht sollte sie einfach die Kranke spielen und sich in den Schlafsaal verkriechen.
„Hermione, wie geht's Dir?", riss die Stimme ihres besten Freundes sie aus ihren Gedanken. Ron setzte sich neben sie und tätschelte ihr den Oberschenkel. „Wo warst Du beim Frühstück?"
„Ich war noch so müde und hatte keinen Hunger, deshalb bin ich oben geblieben und habe lieber angefangen, Muggelkunde zu lernen", erwiderte Hermione. Das war nicht gelogen, sie hatte sich am Morgen durch Lernen gut von den Gedanken an den schwarzen Mann ablenken können. „Mir geht es soweit gut, Ronald, vielen Dank."
Der Rothaarige sah sie zufrieden an. „Harry geht es auch schon viel besser. Ich weiß nicht, ob Du es bemerkt hast, aber Lavender macht sich gerade an ihn ran", er verdrehte die Augen, „er versucht mit allen Mitteln sie loszuwerden, und sie scheint wirklich kurz vorm Aufgeben zu sein. Jedenfalls hofft er das." Er grinste schief.
„Und Dir, wie geht es Dir?", fragte Hermione, erleichtert über die Aussicht, dass Harry über ihre unverzeihlichen Fehltritte hinwegzukommen schien. Insgeheim dankte sie Lavender dafür, dass sie ihn von ihr ablenkte, auch wenn sie es sicher nicht aus Selbstlosigkeit tat.
„Blendend", antwortete Ron, „ich komme mit dem Lernen voran und habe bisher ein ganz gutes Gefühl für die Prüfungen, auch wenn ich unsere gemeinsamen Lernsitzungen vermisse."
Das gemeinsame Lernen mit Harry und Ron... Bevor Hermiones schlechtes Gewissen sich melden konnte, weil es ihre Schuld war, dass diese Sitzungen nicht mehr möglich waren, tauchte jemand neben Ron auf, blieb kurz zögernd stehen und sagte dann: „Guten Appetit, ihr beiden."

Hermiones Augen weiteten sich etwas, sie versuchte sich so unauffällig wie möglich umzusehen und herauszufinden, ob tatsächlich sie selbst mitgemeint war.
„Danke, Dir auch, Harry", antwortete sie schließlich sanft und lächelte unsicher in seine Richtung. Der Dunkelhaarige bedankte sich, ließ sich neben Ron nieder und machte sich daran, seinen Teller zu füllen.
„Die...die Jägerschnitzel sind der Wahnsinn", meinte die junge Frau leise, nicht sicher, wie viel Konversation ihre angeschlagene Beziehung vertragen würde.
Harry sah auf. „Es gibt Jägerschnitzel? Das ist ja der Hammer, und die schmecken auch wirklich wie Jägerschnitzel?" Er schien aus Euphorie über die Muggelspeise für einen Moment vergessen zu haben, mit wem er sprach, und eine verlegene Stille folgte seinen Worten.
Ron griff ein. „Jägerschnitzel? Ernsthaft, Jäger? Muggel sind schon komisch", ereiferte er sich. „Also, das ist aber schon Schweinefleisch und kein-"
Das Lachen seiner besten Freunde ließ ihn breit lächelnd verstummen, bevor er sich anstecken ließ und mit einstimmte. Hermione stiegen Tränen in die Augen; wie sehr hatte sie den ausgelassenen Spaß mit Harry und Ron vermisst. Sie hatten seit Monaten nicht mehr zusammen gelacht.

„Also..." Ron räusperte sich nervös und verschluckte sich dabei an seinem letzten Bissen Schnitzel. Als der gemeinsame Lachanfall verklungen war, hatte sich die kurzzeitig gelöste Spannung wieder bemerkbar gemacht, wenn auch deutlich schwächer als zuvor. Schweigend hatten Harry, Ron und Hermione seither nebeneinander gesessen und gegessen.
Der Rotschopf unterdrückte den Hustenreiz, schluckte das letzte Stück gewaltsam hinunter und fuhr schnell fort: „Habt ihr eure Sachen für Zaubertränke alle dabei?"
Hermione dachte kurz darüber nach zu behaupten, sie müsse ihr Buch noch holen, rügte sich im nächsten Moment jedoch für ihre Feigheit und nickte.
Harry tat auf Rons anderer Seite dasselbe. „Aber lasst uns noch ein paar Minuten hier warten, oder?", schlug er vor. „Lieber hier als dort unten."
„Ob Zaubertränke wohl immer unten in den Kerkern stattfindet, egal bei welchem Lehrer?", wunderte sich Hermione leise. Dieser Gedanke war ihr noch nie gekommen. Wollte Snape unbedingt in diesen kalten unterirdischen Mauern unterrichten, oder tat er es nur, weil es vorgegeben war?
„Schätze, das liegt ganz bei der Fledermaus", vermutete Ron. „Obwohl, Mum hatte auch schon in den Kerkern Unterricht, bei einem Professor Slughorn oder so, von dem hat sie mal erzählt. Allerdings war der auch ein Slytherin. Dunkel und kalt, liegt wohl in deren Natur." Er grunzte abfällig.
„Hm", machte Hermione nur und dachte an das gemütliche, helle Wohnzimmer in den Kerkern, in dem ein warmes Feuer loderte und ein attraktiver schwarzer Mann auf dem Sofa saß.

~x~


RUMS.

Hermione schreckte auf, als mit einem lauten Knall die Tür zu ihrem Schlafsaal ins Schloss fiel. Sie war so in Snapes Buch vertieft gewesen, dass sie nicht gehört hatte, wie sie geöffnet worden war.
„Ups, sorry", murmelte Ginny, und Hermione konnte das Grinsen auf ihrem Gesicht bereits hören, bevor sie es sah. Die Rothaarige strahlte bis über beide Ohren, als sie fortfuhr: „Wir haben heute Abend etwas vor, liebe Hermione."
Du hast etwas vor", entgegnete die Angesprochene, „Du gehst mit Chris auf diese Geburtstagsfeier, ich bleibe hier." Auf Ginnys fragenden Blick hin erklärte sie mit einem Lächeln: „Ich wollte Dich vorhin nach Zauberkunst abpassen und habe dann eure Unterhaltung gehört."
Ginny nickte wissend. Nach einem Moment, in dem sie abzuwägen schien, wie gut ihre Chancen standen, Hermione zum Mitgehen zu überreden, lenkte sie zunächst vom Thema ab: „Wie war Zaubertränke heute? Haben mir meine Augen einen Streich gespielt oder ist das Goldene Trio gemeinsam in Richtung Fledermaus losgezogen? "
Das Lächeln fand seinen Weg zurück auf das Gesicht ihrer besten Freundin. „Das... das heißt vielleicht nicht, dass wir wirklich wieder Freunde sind, aber... irgendwie schon. Wir arbeiten daran. Es hat beim Mittagessen angefangen, da war es noch etwas steif, und in Zaubertränke war es dann fast wie früher. Außer Snape vielleicht. Der war komisch."
„Inwiefern?"

Hermione hatte sich auf diese Unterhaltung vorbereiten und sich überlegen wollen, wie sie Ginny ihre Eindrücke beschreiben konnte, doch je mehr sie darüber nachgedacht hatte, desto mehrdeutiger waren ihr Snapes Verhaltensweisen vorgekommen.
„Als er gesehen hat, dass wir uns zu dritt an unseren üblichen Tisch setzen, hat er sekundenlang zu uns rüber geguckt, so... ich weiß nicht, als würde er es uns gönnen, dass wir wieder befreundet sind. Obwohl ich eigentlich dachte, dass er die ganze Stunde darüber spotten würde, grade auch weil wir seit dem Fiasko mit der Vision nicht mehr miteinander geredet haben. Aber nichts. Er hat normalen Unterricht gemacht – das heißt, so normal wie es in der letzten Zeit eben war, mit Zusprechen statt Abziehen von Gryffindor-Hauspunkten und solchen Sachen. Nur hatte ich das Gefühl, dass er mich, obwohl ich nie versucht habe, ihm irgendwie nahe zu kommen und ihn nicht angestarrt habe oder so, sanft auf Abstand halten wollte."

Ginny versuchte das Gesagte zu verarbeiten und sich einen Reim auf Snapes Verhalten zu machen. Er billigte die Wiedervereinigung des Trios, doch warum? War er froh, dass seine Hermione ihren Halt wiedergefunden hatte? Hoffte er, dass Hermione und Harry wieder ein Paar werden würden, und er selbst damit aus dem Schneider wäre?
„Würde er Dich hassen, hätte er Dir schaden wollen", setzte die Rothaarige schließlich an. „Und wir kennen Snape: Ihm wären entsprechende Maßnahmen dafür eingefallen!"
Hermione wiegte den Kopf in unsicherer Zustimmung hin und her und sah ihre beste Freundin abwartend an.
„Er mag Dich. Ich hab's Dir gesagt; streite es nicht ab. Snape mag seine Besserwisserin. Es gibt gar keine andere Erklärung."
„Er wollte mich vielleicht aus Abscheu von sich fernhalten! Es gibt tausend andere Erklärungen", erwiderte Hermione mit einem Seufzen.
Ginny grinste nun. „Aber keine davon macht euch beide glücklich. Also brütest Du nun über seinem Buch und denkst darüber nach, was Du mit Deinem Leben anfangen willst, dann lernst Du noch ein bisschen, damit Du tadellose Abschlussprüfungen hinlegen kannst, und ich gehe mit Chris auf Terrys Geburtstagsparty. Wenn Snape das momentan nicht übernehmen kann, dann tu ich es eben: Ich, was hat er gesagt, ‚ erwarte erste Entscheidungsansätze, wenn wir uns wiedersehen'!?"

Hermione musste über diese gelungene Imitation der Fledermaus lachen und gab sich geschlagen. Wenigstens versuchte Ginny nicht mehr, sie zur Party zu überreden.
„Ich habe tatsächlich schon was im Auge, aber darüber reden wir morgen, wenn ich es fertiggelesen habe. Jetzt mach Dich endlich fertig, wenn Du ein paar Minuten früher dort bist, hast Du noch ein bisschen Zeit mit Chris alleine!"
Die Jüngere zog ihre Schuhe aus, stapfte am Schreibtisch vorbei, um Hermione einen Kuss auf die Wange zu geben, und verschwand im Badezimmer.

~x~


Die Wochen bis zu den Prüfungen vergingen wie im Flug. Alle Professoren waren darauf bedacht, die Schüler bestmöglich auf ihren Abschluss vorzubereiten und den Stoff der vergangenen Jahre noch einmal zu wiederholen. Sogar Snape schien sich in dieser Hinsicht Mühe zu geben; wenn auch vielleicht nur, um die Gefahr gering zu halten, dass Schüler durchfallen und ihn im kommenden Schuljahr erneut belästigen würden.
Neben dem Unterricht verbrachten Harry, Ron und Hermione die meiste Zeit zusammen beim Lernen. Sie hatten einen Plan erstellt, an den sich auch die Jungen gewissenhaft hielten. Hermione war anfangs unsicher gewesen, da sie in der Lerngruppe diejenige war, die das Kommando angab und nicht wusste, wie weit Harry dies akzeptieren würde. Ihre Sorge erwies sich als unbegründet; sie konnte sich darauf verlassen, dass Harry und Ron das, was sie in ihren gemeinsamen Freistunden erarbeitet hatten, sauber aufgeschrieben und gelernt hatten, wenn sie aus einem ihrer zusätzlichen Kurse zurückkam.

„Soll ich Dich noch in Muggelkunde, Runen oder Arithmantik abfragen, Mione?", fragte Ron eines Abends zwei Wochen vor Beginn der Prüfungen, als sie, in den Sesseln vorm Kamin des Gemeinschaftsraums sitzend, gerade ihre Lernsachen wegpackten. Die Müdigkeit stand dem Rotschopf ins Gesicht geschrieben. Sie waren nach dem Abendessen mit Ginny auf einen verbrühten Kaffee und steinharte Kesselkekse bei Hagrid zu Besuch gewesen und hatten deshalb eine Lernspätschicht eingelegt, um im Plan zu bleiben.
Hermione schüttelte gähnend den Kopf. „Danke, das geht schon. Nächste Woche vielleicht, das wäre gut. Aber jetzt gehen wir erst mal ins Bett."
Ron erhob sich bereits und schlurfte mit einem leisen „gute Nacht!" davon, doch Harry schien noch etwas zu beschäftigen, er wand sich angespannt im Sessel und sah Hermione an. Diese spürte die Unruhe, holte tief Luft und blieb ebenfalls sitzen. Harry wollte darüber reden. Sie hatte gewusst, dass dieses Gespräch kommen würde, und sicher war es notwendig, um die Freundschaft langfristig aufrechtzuerhalten. Blieb ihr nur zu hoffen, dass es Harry tatsächlich nur um Freundschaft ging. Ron hielt noch einmal inne, als er bemerkte, dass seine Freunde ihm nicht folgten, begriff dann jedoch, was vor sich ging und ließ die beiden alleine.

„Hermione...", begann Harry.
Diese nahm all ihren Mut zusammen und sah den Dunkelhaarigen an. „Harry. Ich kann nicht sagen, wie leid es mir tut. Wirklich. Aber hör mich kurz an. Ich hätte von Anfang an ehrlich sein sollen, hätte Dir das schon viel früher sagen sollen. Aber es hat mich damals so überrannt, dass ich nicht damit umgehen konnte. Unsere Beziehung, das war... das ist passiert, das hat sich ergeben, ich kann nicht einmal sagen, wie und warum. Ihr seid beide wie Brüder für mich, Ron und Du, ich kann mir selbst nicht erklären, wie ich dieses Gefühl Dir gegenüber verwechseln konnte, wenn ich dasselbe Gefühl Ron gegenüber doch so direkt als freundschaftlich einordnen konnte."
„Aber dann hast Du Dich wirklich verliebt, und die Unterscheidung fiel plötzlich ganz leicht, hm?"
Die junge Frau hielt Harrys Blick stand, als ihr Tränen in die Augen stiegen und sie ertappt nickte.
„Du hast mich damals regelrecht überfallen und geküsst, Mione, und dann bist Du rausgestürmt. Ich wusste nicht, was los war, dann habe ich mit Ginny geredet, die angedeutet hat, dass Du in mich verliebt seist, und irgendwie haben meine eigenen Gefühle dann verrückt gespielt. Ich…", er wandte beschämt den Kopf ab, „ich glaube, ich habe bei den sich überschlagenden Ereignissen Gefühle auf Dich projiziert, die nicht da waren. Und dann ging alles so schnell."
„Dann ging alles so schnell", wiederholte Hermione nachdenklich. „Du hast Dich also auch in jemanden verliebt? Und ich habe das kaputtgemacht."
Harry lächelte sanft, als er ihren Blick wieder traf. „Du hast mir Zeit verschafft, mir über etwas klar zu werden, das ich mir sonst selbst kaputtgemacht hätte. Das sowieso nicht funktioniert hätte. Ich habe jetzt eine zweite Chance, Mione, und mir wurde klar, dass ich sie ergreifen muss. Auch wenn ich nicht weiß, was daraus wird. Ich hoffe von Herzen, dass Du diese Chance auch hast." Er machte eine lange Pause. „Hast Du sie?"

Hermione kniff kurz die Augen zusammen, ehe sie antwortete. „Harry. Ich… vielleicht habe oder kriege ich diese Chance, ja. Und wenn sie sich ergibt, werde ich mit beiden Händen danach greifen, das ist mir jetzt bewusst. Aber ich bin noch nicht bereit, Genaueres darüber zu bereden. Der Mensch, um den es geht... es ist nicht einfach."
Harry löste sich zum ersten Mal aus seiner angespannten Haltung, richtete sich auf und beugte sich zu Hermione, um ihr eine Hand auf den Oberschenkel legen zu können.
„Das kenne ich. Wir reden ein andermal darüber, wenn wir beide bereit sind. Und Fortschritte gemacht haben", zwinkerte er.
Hermione spürte Erleichterung ihren ganzen Körper durchfluten, als sie sich ebenfalls aufrichtete und Harry in eine enge Umarmung zog, die dieser lächelnd erwiderte und ihr den Rücken tätschelte.
Nie wieder würde sie so fahrlässig mit solch einer wunderbaren Freundschaft umgehen. Und nie wieder würde sie mit dem Gedanken spielen, Severus Snape einfach so aufzugeben. Gleich nach ihrer letzten Prüfung würde sie ihm sein Buch zurückbringen und ihm, sofern er sie nicht sofort wieder hinauswarf, ihre mit Ginny bereits diskutieren Zukunftsideen darlegen.
Und zwar nicht nur die akademischen.

~x~


Anmerkung/Erinnerung: Slughorn hat Harry und Co. in dieser FF nie unterrichtet, deshalb kennen sie ihn natürlich nicht. :)

Möchte übrigens jemand raten, wessen Identität Harry aktuell noch verschweigt? ;))