Weiter geht's!
Herzlichsten Dank an den Gast, SevMine und Erin! Hihi, danke für eure Mutmaßungen, :o) die Auflösung gibt's in den kommenden Kapiteln.
Bis dahin viel Spaß beim Lesen und schöne Feiertage euch allen! :)
[Das vorherige Kapitel ist übrigens tatsächlich nach dem sehr rührenden Song "Was wichtig ist" von Udo Jürgens benannt. Ich will jetzt nicht sentimental werden oder so, ;) aber ich denke, das Lied und sein plötzlicher Tod sollten uns darauf aufmerksam machen, dass wir die wichtigen Dinge -und Menschen- in unserem Leben wertschätzen sollten. Nicht nur jetzt, weil eben Weihnachten ist, sondern jeden Tag. Thank you for the music, Udo!:)]
In Kapitel 22: Die Wiedervereinigung des Trios wurde dadurch besiegelt, dass Harry und Hermione ein klärendes Gespräch hatten, in dem beide zugestanden, bereits während ihrer Beziehung in jemand anderen verliebt gewesen zu sein.
Kapitel 23 - Die ersten Hürden sind genommen
„Und Du wolltest weiter trainieren, stell Dir mal vor, zu all dieser Lernerei müsstest Du auch noch zwei oder drei Abende zum Quidditchtraining!", rief Hermione am Sonntagabend halb lachend aus, ehe für die Siebtklässler die letzte Schulwoche vor den Prüfungen begann. Ginny hatte sich bereiterklärt, das Training für einige Wochen zu übernehmen; zwar hatten die Gryffindors den Quidditchpokal bereits gewonnen und es gab keine Spiele mehr, dennoch war Harry sorgsam darauf bedacht, dass sein Team nicht aus der Übung kam.
Ron räkelte sich gestresst in seinem Sessel, während Harry sich gähnend ausgiebig streckte. Ihre beste Freundin beobachtete das Geschehen mit amüsiert hochgezogenen Augenbrauen und wartete geduldig ab. Tatsächlich dauerte es keine zwei Minuten, bis beide Jungen wieder aufrecht in ihren Sesseln saßen, nach ihren Zauberstäben griffen und sich alle Mühe gaben, sich wieder auf Zauberkunst und Verwandlung zu konzentrieren.
Hermione lächelte, legte jedem eine Walnuss auf die Lehne und nahm selbst ihren Zauberstab wieder zur Hand. Sie richtete ihn auf ihre Nuss, murmelte „engorgio" und sah zu, wie sie die Größe einer Wassermelone annahm. Dann sah sie auffordernd zu Harry und Ron, die es ihr gleich taten. Auch sie führten den Zauber problemlos aus, und Hermione gab das Wort an Ron weiter.
Seit über einer Stunde saßen sie vorm Kamin und stellten sich abwechselnd Aufgaben aus den Fächern Zauberkunst und Verwandlung, um eine Abwechslung zum trockenen Auswendiglernen zu haben (den ganzen Rest des Sonntags hatten sie damit verbracht, die Jahre 1613 bis 1990 der Zaubereigeschichte zu lernen, Ron war fast verrückt geworden und Hermione hatte ihn nur mit Mühe davon abhalten können, seine Zusammenfassung ins Feuer zu werfen). So waren die Walnüsse etwa bereits durch die Luft geflogen, hatten die interessantesten Farben angenommen, waren zu lebendigen Blaumeisen geworden, waren zu Fußbällen für zwei muggelstämmige Erstklässler geworden, hatten winzige Ärmchen und Beinchen bekommen und einander nahezu zerfleischt.
„Na gut, der Verschwindezauber zum Abschluss", gähnte Hermione zwanzig Minuten später, als sie gerade wieder an der Reihe war.
Harry war so müde, dass er sein Ziel verfehlte und statt seiner Walnuss Hermiones Feder traf, die sich nun entmaterialisierte. „Hoppla. Sorry." Sofort war er wieder etwas wacher, murmelte den Gegenzauber und legte die Feder in Hermiones Tasche.
Ron klopfte ihm auf die Schulter. „Jetzt wissen wir wenigstens, dass Du sogar den Gegenzauber beherrschst", lachte er und ließ mit einem Schwenker seines Zauberstabs auch Harrys Walnuss verschwinden.
„Die letzte Woche, Jungs!", seufzte Hermione zufrieden und auch die Jungen brachten ein erleichtertes Lächeln zustande, während sie Sachen packten und aufstanden.
„Richtig", sagte Ron mit einem müden Grinsen, als das Trio sich am Fuß des Treppenaufgangs trennte. „Dann sind es nur noch die Prüfungen, und das wird ja wohl ein Kinderspiel!"
~x~
Der Unterricht der letzten Woche erwies sich als äußerst angenehm, da die meisten Lehrer die letzten Stunden für Fragen der Schüler offengehalten hatten und ihnen nicht mehr viel Eigeninitiative abverlangten. Einzig Professor Binns schien diese letzte Gelegenheit nicht auslassen zu wollen, seine Schüler von der Zaubereigeschichte zu überzeugen, nicht ahnend, dass er damit das genaue Gegenteil erreichte; obwohl bei seinem Fach wohl alle Hoffnung längst verloren war. Selbst Hermione stöhnte am Donnerstagabend beim Lernen so oft genervt auf, dass Harry und Ron irgendwann anfingen, amüsierte Blicke auszutauschen und voller Inbrunst historische Persönlichkeiten zu imitieren, um ihre beste Freundin aufzuheitern.
Es war nicht so, dass sie die Abschlussprüfungen nicht ernst nahmen; es war nur so, dass sie es nicht als entwürdigende Tragödie wahrnehmen würden, in Zaubereigeschichte keinen oder nur einen unglaublich schlechten UTZ zu erhalten.
Hermione hatte kaum Zeit, sich mit etwas Anderem als den Prüfungen auseinanderzusetzen, oder vielleicht war sie einfach nur entschlossen, sich von nichts und niemandem ablenken zu lassen; am allerwenigsten von der Fledermaus. Es reichte schließlich, dass Severus Snape sie in ihren Träumen heimsuchte.
Als sie Ginny davon erzählt hatte, hatte diese ihr lächelnd auf die Schulter geklopft.
„Er sah gestern Morgen beim Frühstück auch relativ übernächtigt aus und hat sich ganz schön an seinem Käsebrot verschluckt, als Du mit dieser süßen Frisur in die Halle kamst", hatte sie dann geflötet, „hast Du bemerkt, dass er seine Augen nicht von Dir lassen konnte?"
Sie liebte es, ihre beste Freundin mit solchen Beobachtungen zu necken, ihr jedoch vor allem Hoffnung damit zu geben. Sie hatte nur eine vage Vorstellung davon, wie viel Mut das erfordern würde, was Hermione sich nach den beiden Prüfungswochen vorgenommen hatte, dennoch war die Ältere bemerkenswert ruhig und vollkommen auf ihren Abschluss konzentriert.
~x~
„Auf in den Kampf!", riefen Harry und Ron gleichzeitig, als sie gemeinsam mit den anderen Gryffindor-Siebtklässlern zum zweiten Mal an diesem Montagmorgen durch die Türen der Großen Halle traten. Sie hatten sich früher als sonst zum Frühstück versammelt, um dem Trubel zu entgehen und einander zu motivieren, wirklich etwas zu essen. Dann hatten sie sich mit ihren Leidensgenossen der anderen Häuser auf der großen Treppe der Eingangshalle versammelt und gewartet, bis alle Schüler gefrühstückt hatten und die Große Halle umdekoriert worden war.
Nun waren sie, manche ruhig, viele aufgeregt, andere gar am Rande eines Nervenzusammenbruchs (zu ihrer Genugtuung konnte Hermione sehen, dass Draco Malfoy nicht nur blass und zerzaust aussah, sondern auch als würde er jeden Moment in Hysterie verfallen), auf dem Weg in die Höhle der Löwin - Verwandlung bei Professor McGonagall stand als erste Prüfung auf dem Plan. Auch bei Harry und Ron machte sich nun leichte Nervosität breit, während Hermione sich nur gedankenverloren die linke Hand rieb, in die Ginny, an der Tür stehend, gerade sehr kräftig eingeschlagen hatte.
Sie war ihrer besten Freundin einiges schuldig. Ganz egal wie die Sachen mit den Prüfungen und mit Snape ausgehen würden, bei denen Ginny sie unermüdlich unterstützte, während sie selbst der Jüngeren momentan keine Hilfe war: Sie hatte einiges wiedergutzumachen.
~x~
Am Montag zwei Wochen später lag Ginny im Bikini am Schwarzen See und strahlte in die Sonne, die seit Stunden von keiner einzigen Wolke verdeckt worden war. Es war früher Nachmittag und ihre Stunde bei Snape fiel aus, da die Siebtklässler gerade ihre praktische UTZ-Prüfung in Zaubertränke hatten.
„Weißt Du", sagte Chris leise neben ihr, „ich dachte wirklich, ich hätte Dich verloren. Und im selben Moment, in dem ich das dachte, wusste ich, dass ich es nicht einfach akzeptieren würde."
Ginny drehte sich auf die Seite, um ihm in die Augen sehen zu können. Sie hob eine Hand und strich ihm sanft über die Wange. „Wenn Du uns aufgegeben hättest, hätte ich alles daran gesetzt, Dich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich bin so glücklich, Chris."
„Ich auch", hauchte der Ravenclaw und nahm ihre Hand von seiner Wange, um sie zu küssen.
Die Rothaarige lächelte. „Hermione, mein Bruder und Harry haben gerade ihre letzte Prüfung und ich habe eine Flasche Feuerwhisky besorgt, um sie danach zu überraschen. Würdest Du... ich meine... Mione weiß natürlich längst Bescheid", sie zwinkerte, „aber ich würde den anderen beiden gerne von uns erzählen."
„Und Du meinst, nach der allgemeinen Prüfungsbefreiung, wenn alle zu erleichtert sind um bestürzt zu reagieren, ist ein guter Zeitpunkt?", lachte Chris und spielte damit auf Ron an, von dem sie beide wussten, dass er Freunden seiner Schwester durchaus sehr argwöhnisch gegenüberstand.
Ginny wiegte den Kopf hin und her. „Er wird sich sicher nicht die gute Laune verderben lassen. Die gute Laune, wenn Snape ihn endlich entlässt, nachdem er die letzte halbe Stunde, in der er ihn quälen kann, voll ausgekostet hat", grinste sie, war jedoch nicht sicher, ob der Fakt, dass Ron bei Snape Prüfung hatte, Chris und ihr tatsächlich zuspielen würde. Doch schließlich hatte ihr Bruder Hermione zuverlässig in Liebesdingen beigestanden (wenn er auch nicht wusste, um wen es ging - denn dann hätte die Sache vielleicht schon anders ausgesehen), sicher würde er dann auch seiner Schwester ihr Glück gönnen?
Chris hielt ihre Hand noch immer fest in seiner und drückte sie erneut an seine Lippen. „Dann lass uns doch mal erste Reaktionen testen. Wann müssen wir drinnen sein?"
Eine Stunde später waren Ginny und Chris auf der Suche nach einem leeren Raum, in den sie das Trio entführen konnten, sobald selbiges die praktische Prüfung hoffentlich ohne schwerere Verletzungen überstanden hatte. Direkt neben dem Treppenabgang zu den Kerkern fanden sie ein geräumiges, leerstehendes Klassenzimmer, in dem keiner von ihnen je Unterricht gehabt hatte.
Pünktlich um halb fünf hörten sie Geschnatter von draußen und Ginny schielte durch den Türspalt. Gerade lief Michael Corner mit ein paar anderen Ravenclaws vorbei, die sie zwar nur vom Sehen kannte, von denen sie jedoch sicher war, dass auch sie Siebtklässler waren. Als sie das Lachen ihres Bruders hörte, öffnete sie die Tür weiter, wartete, bis das Trio in Sicht kam, packte Ron am Arm und zog ihn ins Zimmer. Sie bedeutete Harry und Hermione, ihm zu folgen und schlug schließlich die Tür hinter ihnen zu.
„Bevor ihr irgendetwas von der Prüfung erzählt, PROST!"
Die fünf bereitgestellten Gläser Feuerwhisky schwebten in fünf rechte Hände und drängten geradezu darauf, getrunken zu werden. Die drei Prüflinge lachten ihre Erleichterung und die Freude über die gelungene Überraschung frei heraus und leerten ihre Gläser in einem Zug.
„Und jetzt raus damit, wie war's?", drängte Ginny dann, in der Hoffnung, noch ein wenig von ihrer Begleitung ablenken zu können.
„Verhältnismäßig gut!", antwortete Ron zufrieden. „Ich glaube ja immer noch, dass die Fledermaus irgendein Aphrodisiakum untergejubelt bekommt, aber mir soll's recht sein. Ich bin sicher, dass ich bestanden habe, allein das macht diesen Tag schon absolut wunderbar!"
Hermione reckte beide Daumen, offensichtlich sowohl wegen der Prüfung als auch wegen Chris' Anwesenheit. Harry war der Erste, der Chris bemerkte und neugierig zwischen ihm und Ginny hin und her schaute.
„Das gute Ende der Prüfungen ist also nicht das einzige freudige Ereignis, das wir feiern?", zwinkerte er dann wissend.
Hermione warf einen kurzen skeptischen Seitenblick zu Ron und strahlte bis über beide Ohren, als dieser keine Anstalten machte, auf Chris loszugehen.
„In der Tat nicht. Ich wollte euch Chris endlich offiziell vorstellen."
„Nicht nötig", warf Harry lachend ein, ehe Ginny weiterreden konnte. „Ron hat so als großer Bruder schon alle möglichen Informationen über ihn gesammelt und mich auf dem Laufenden gehalten, wir sind ziemlich im Bilde."
Alle sahen nun zu Ron, der errötete und schief grinste. „Harry übertreibt. Ich habe nur ein, zwei Leute nach Deinem Herzblatt gefragt, Ginny. Du selbst hast nichts gesagt, Hermione wollte ich nicht ausquetschen, und ganz ohne Infos wollte ich auch nicht sitzenbleiben", verteidigte er sich. „Ja, äh, hi. Ich bin also ganz offiziell Ron." Er streckte Chris die Hand hin, der sie sofort ergriff und schüttelte.
„Freut mich sehr", antwortete der Ravenclaw lächelnd, schüttelte dann auch Harry die Hand und umarmte Hermione kurz.
Nach einer kurzen verlegenen Stille rief Ron schließlich aus: „Was ist, haben wir noch genug Feuerwhisky für eine zweite Runde auf die Turteltauben?"
~x~
„Ich unterbreche unser nettes Beisammensein hier ungern", sagte Harry nach einer dritten Runde Feuerwhisky, „aber ich denke, wir werden am See erwartet."
Die Siebtklässler der drei befreundeten Häuser hatten sich für den späten Nachmittag am Schwarzen See verabredet, um gemeinsam das Ende der Prüfungen zu genießen und sich nach der harten Zeit, die hinter ihnen lag, endlich zu entspannen.
„Dann nichts wie los, legt euch in die Sonne, sie ist herrlich!", meinte Ginny und umarmte ihren Bruder und ihre Freunde, ehe sie etwas schwankend das Klassenzimmer verließen. Chris und sie schlenderten Hand in Hand durch die Eingangshalle hinüber zum Fenster, um ihnen nachzusehen.
„Miss Weasley, gut, dass ich Sie sehe, ich suche meine – oh, Verzeihung, ich-!"
Ginny und Chris sprangen auseinander. Professor McGonagall hatte im Vorbeigehen nur die roten Haare der Weasleytochter gesehen, hatte sie angesprochen und war auf sie zugelaufen.
Ginny brachte ein verlegenes Lächeln zustande. Chris hatte sie gerade lediglich in den Arm genommen, doch für die Lehrerin musste die Situation etwas kompromittierender ausgesehen haben. Auf ihren Wangen war unter ihrer professionellen Maske nun ein Hauch von Rosa zu sehen, sie runzelte die Stirn und ihre Augen verengten sich. Ginny hatte das unangenehme Gefühl, gerade schuldlos des Fremdgehens bezichtigt zu werden.
Bruchteile von Sekunden später hatte Professor McGonagall sich wieder unter Kontrolle, ihre Stimme klang jedoch nicht nur streng, sondern nahezu kalt, als sie erneut ansetzte: „Miss Weasley, ich suche meine Siebtklässler. Sie sehen nicht so aus als hätten Sie eine Ahnung oder irgendein Interesse daran, wo sie sich aktuell aufhalten? Professor Flitwick sucht seine Ravenclaws übrigens auch", fügte sie mit einem knappen Nicken zu Chris hinzu.
„Ich—sie s-sind, sie sind am See unten, Professor", stotterte Ginny. „Mit den H-Hufflepuffs und Ravencl-laws."
„Siehe an, Sie wissen also doch Bescheid. Na dann, vielen Dank", sagte McGonagall und sah aus, als könnte sie sich nur mit Mühe selbst davon abhalten, den Schülern Hauspunkte abzuziehen. Sie wandte sich ab und ging mit langen Schritten davon.
Ginny biss sich auf die Lippen, halb aus Scham, halb um ein Lachen zu unterdrücken.
„Autsch", kommentierte sie schließlich.
„Wow, was war das?", fragte Chris mit weit aufgerissenen Augen. „Ich dachte, sie jagt uns gleich einen Fluch an den Hals, und dann lässt sie uns doch ohne jegliche Strafe stehen?"
„Na ja, ich denke, ich weiß, warum sie so sauer auf mich ist", setzte die Rothaarige zögerlich zu einer Erklärung an. „Frag mich bitte nicht nach Details oder Gründen, aber sie hatte irgendwie die lustige Idee, dass ich mit jemand anderem zusammen sei, und Hermione und ich haben bisher nichts unternommen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen."
Chris lachte laut los. „Sie dachte, Hermione und Du-? Weil ihr zusammen wohnt? Und sie findet den Gedanken, dass zwei ihrer Schäfchen sich in einem gemeinsamen Schlafsaal miteinander vergnügen, nicht beunruhigend?"
„Na ja", erwiderte Ginny mit einem schiefen Grinsen. Chris schien nichts Anstößiges an der Idee zu finden, dass ihre Hauslehrerin eine Beziehung mit Hermione unterstützen würde, und so entschied sie, ihm die Wahrheit zu erzählen. „Vielmehr war es sogar ihr Vorschlag, dass ich in Hermiones Räume ziehen könnte, weil sie diesen Gedanken offenbar gut fand – zumal eine ungewollte Schwangerschaft nun mal eher unwahrscheinlich wäre. Da haben wir uns natürlich nicht beschwert."
„Ach, und jetzt denkt sie, Du nutzt die Zeit, in der Hermione unten am See ihre Prüfungen feiert, um Dich anderweitig zu vergnügen", nickte Chris, noch immer lachend. „Miss Weasley, Ihr Verhalten ist äußerst verwerflich!", imitierte er die strenge Professor McGonagall.
Ginny piekste ihn in die Seite, schüttelte amüsiert den Kopf und beugte sich vor, um ihn zu küssen.
~x~
„Siebtklässler!", rief Professor McGonagall bereits von Weitem und löste damit eine kleine Massenpanik aus.
Die Siebtklässler der Gryffindors, Hufflepuffs und Ravenclaws waren mitten in ihrer kleinen Prüfungsfeier am Schwarzen See. Zwar hatten sie penibel darauf geachtet, dabei keine Regeln zu brechen, doch das Auftauchen ihrer drei Hauslehrer und McGonagalls strenge Stimme ließen sie dennoch erstarren.
„Na na", machte Professor Sprout mit einem sanften Lachen, „das sieht ja gerade so aus, als hätten Sie etwas angestellt. Wir sind nicht hier, um Ihre kleine, wohlverdiente Feier zu beenden."
„Miss Patil und Konsorten, kommen Sie zu uns, bitte", quiekte Professor Flitwick ein paar Schülern zu, die bis gerade eben im Wasser getobt hatten und nun leise darin herumtrieben. Sie kamen an Land geschwommen und setzten sich auf ihre Handtücher.
Sogleich ergriff Professor McGonagall erneut das Wort: „Sie sind sich bewusst, dass Sie morgen zwar frei, ansonsten aber in den nächsten beiden Wochen noch Unterricht haben." Das war ein Fakt, keine Frage. „Auch wenn die Prüfungen vorbei sind und das Wissen, das Sie jetzt noch erwerben, nicht mehr abgefragt wird, möchte ich, dass Sie zu den Stunden erscheinen, allen Lehrern weiterhin Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken und Ihre Hausaufgaben erledigen."
„Am Wochenende danach, bevor für die anderen Schüler die letzte Woche beginnt, findet Ihr Abschlussball statt." Flitwicks Aussage ließ einige Köpfe in die Höhe schießen. „Dazu sind Ihre Familien eingeladen – die Einladungen wurden bereits versendet – und natürlich auch Ihre Freunde und Partner aus den niedrigeren Klassenstufen."
Hermione hatte dem Lehrer aufmerksam zugehört, aus dem Augenwinkel konnte sie jedoch sehen, dass grüne Augen sie geradezu durchbohrten. Professor McGonagall starrte sie an und sie konnte den Blick nicht deuten: War es Mitleid? Hatten ihre Eltern bereits eine Absage zurückgeschickt, ohne sie zu informieren, oder war etwas anderes passiert?
„Ab elf Uhr abends werden minderjährige Schüler jedoch in Ihre Schlafsäle geschickt, es sei denn, ihre Eltern sind anwesend. Wir haben Mittel, das zu garantieren", setzte der kleine Zauberer warnend hinzu.
Professor Sprout machte einen Schritt nach vorne. „Nichtsdestotrotz hoffen wir auf einen tollen Abend und einen wundervollen Abschluss Ihrer Schulzeit. Bitte, Mr Thomas?"
Dean hatte sich stumm gemeldet. „Gibt es dafür noch etwas zu organisieren, Professor?"
„Professor Dumbledore hat die Vorbereitungen fest im Griff und ich kann Ihnen versprechen, Sie werden es nicht bereuen, die Planung ganz in seinen Händen zu belassen", zwinkerte die Lehrerin für Kräuterkunde. „Genießen Sie Ihre letzten Wochen hier, so stressfrei wird Ihr Leben nicht mehr lange sein, schätze ich."
„Ich muss Sie nicht darauf hinweisen, dass sowohl heute hier als auch jederzeit bei eventuellen Zusammenkünften in sämtlichen Gemeinschaftsräumen Alkohol für Sie verboten ist?", warnte Professor McGonagall.
Die Hauslehrer nickten ihren Schülern noch einmal zu und gingen zurück zum Schloss. Hermione glaubte zu sehen, wie Flitwick ihnen beim Umdrehen noch kurz zuzwinkerte. Sie streckte die Hand nach ihrem Glas aus, das neben ihr im Gras stand, und erschrak, als ihre Finger Federn ertasteten. Ginnys kleine Eule Pigwidgeon saß dort und nippte an ihrem Butterbier.
„Pig, wie lange sitzt Du schon hier?", fragte sie das Tier sanft, streichelte ihm über den Rücken und band ein Stück Pergament von seinem Bein los. Darauf war offenbar eine eilige Botschaft gekritzelt worden.
„Mione,
hoffe, diese Nachricht erreicht Dich noch vor McG., sie hat Chris und mich gerade zusammen gesehen und war nicht erfreut, dass der böse Rotschopf ihre geliebte Starschülerin betrügt. Nur falls sie Dich drauf anspricht oder Andeutungen macht. Sie ist auf dem Weg zu euch!
- Ginny"
„Aha", murmelte Hermione leise vor sich hin und musste unwillkürlich grinsen, „daher weht der Wind."
„Was ist los?", fragte Ron neben ihr.
„Ach nichts, nur ein netter kleiner Hinweis von meiner Besten."
„Hört zu", erhob in diesem Moment Padma Patil ihre Stimme, „Professor Flitwick hat uns gesagt, dass wir heute bis halb elf unbedingt in unseren jeweiligen Gemeinschaftsräumen bleiben sollen, weil die Hauslehrer im Laufe des Abends nochmal nach dem Rechten sehen werden. Er und Professor Sinistra haben heute Nacht Patrouille – wenn ihr es schafft, euch auf dem Weg zu uns von Sinistra nicht erwischen zu lassen", sie grinste breit, „hält er Augen und Mund fest verschlossen."
Hermione starrte Padma ungläubig an, während ihre Mitschüler sie, die Schulsprecherin, beobachteten und offenbar gespannt auf eine Reaktion warteten. Als sie realisierte, dass sie eine Moralpredigt von ihr befürchteten, lachte sie laut los. Großer Applaus und anerkennende Worte über den Hauslehrer der Ravenclaws folgten ihrem Ausbruch, und Pläne wurden geschmiedet, wie sich die Siebtklässler zweier Häuser am späten Abend in den Ravenclawturm schleichen konnten.
~x~
