Ich mache nie wieder Versprechungen darüber, wann ich update, das Leben und die Uni kommen ja sowieso immer dazwischen und machen sie nichtig. Aber jetzt. Tadaaaa.
Immer wenn ich übers Fliegen schreibe, wird mir klar, wie viel ich dafür geben würde, es zu können. Am liebsten ohne Besen.

So denn. Der Abschlussball steht an!

(Kennt ihr das... wenn ihr mal eine Geschichte angefangen habt - in meinem Fall vor vielen Jahren - und irgendwann beim Weiterschreiben plötzlich von allem, was ihr sonst lest, zu einem ganz anderen Pairing kommt? Und euch dann zusammenreißen müsst, in Gedanken voll und ganz bei dem Pairing zu bleiben, über das ihr gerade schreibt? Dann willkommen in meiner Welt.)

Vergebt mir übrigens, dass ich heute nicht allen persönlich auf die Reviews antworte, aber das Bett ruft. Ich drücke euch und danke euch von Herzen, eure Worte bedeuten so viel. Fühlt euch gedrückt.


In Kapitel 25: Hermione schickte ihre Bewerbung an das Garrigle's Verwandlungs-Forschungszentrum ab und die letzte Schulwoche ging zu Ende. In der letzten Stunde Zaubertränke verstanden sowohl Harry als auch Ron unabhängig voneinander, wer das Herz ihrer besten Freundin erobert hatte.


Kapitel 26: Alte und neue Herausforderungen


Die Sonne weckte die Schülerinnen am nächsten Morgen früher als ihnen lieb war, doch als Hermione sich auf dem Bett geschält, sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatte und zum Fenster lief, ging ein Ruck durch ihren Körper und ein Strahlen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Ginny", flüsterte sie, „komm zum Fenster."
In der Nacht hatte es geregnet, und die Natur zeigte sich nun von ihrer umso schöneren Seite: Die Farbenvielfalt des Verbotenen Waldes und der Umgebung war intensiver denn je und die Spiegelungen, die der Schwarze See durch die Sonneneinstrahlung zurückwarf, raubten Hermione den Atem. Das Zwitschern der Vögel und der ausgelassene Flug zweier Hippogreife in der Ferne unterstrichen die Schönheit und den Frieden der Atmosphäre.
Ein leises Keuchen sagte ihr, dass Ginny, die gerade neben sie getapst war, ihre Empfindungen teilte.
„Könntest Du Dir ein schöneres Bild vorstellen?", hauchte die Ältere gerührt.
Ein leichtes Grinsen schlich sich auf Ginnys Gesicht. „Na ja, ich fänd es schon noch schöner, wenn da unten meine beste Freundin Hand in Hand mit einer Fledermaus am See entlanglaufen würde", (Hermione drehte den Kopf und versuchte sich an einem bösen Blick, was nur mäßig gelang), „aber auch so ist das wunderschön."
Sie genossen den Ausblick noch einige Momente lang, ehe sie sich gleichzeitig abwandten und zum Kleiderschrank gingen.

„Heute ist also der Tag, an dem Du Dich zum ersten Mal seit dem Ende Deines ersten Schuljahres wieder auf einen Besen wagst?", bemerkte Ginny beiläufig, doch Hermione konnte das Grinsen auf ihrem Gesicht hören, ohne sie anzusehen.
„Wenn ich einen geschickten Sturz hinbekomme, müsste ich nicht auf den Abschlussball, diese Chance konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen", erwiderte die Ältere und kniff Ginny von der Seite in den Arm. „Aber dann würde mein wunderschönes Kleid ja nicht zum Einsatz kommen, also hoffe ich einfach, dass Harry und Ron gut auf mich aufpassen."
„Das werden sie schon", sagte Ginny und holte eines ihrer leichten Quidditch-Tops heraus, um es ihrer besten Freundin zu reichen. „Zieh das an, das hat mich schon durch manches Training gebracht bei solchen Temperaturen. Es ist windabweisend", erklärte sie.
Beim Umziehen fiel Hermione noch etwas ein. Sie hielt inne.
„Bevor ich mich in mein Unglück stürze, habe ich noch eine Frage. Das beschäftigt mich schon seit gestern Abend. Fred und George haben damals keine Halluzinogene an mir getestet - ich war tatsächlich im Kerker und habe Snape vor die Füße gekotzt und auf seinem Sofa geschlafen, richtig?"
„Ich habe geahnt, dass Du irgendwann dahinterkommen wirst", sagte Ginny lächelnd und zwinkerte. „Ja, Du warst tatsächlich dort unten und er hat sich ganz reizend um Dich gekümmert, das war keine Spinnerei."
Hermione stöhnte frustriert.

~x~


„Guten Morgen, Harry", murmelte Hermione hinter zusammengeknirschten Zähnen, aber mit einem schiefen Lächeln, als sie den Gemeinschaftsraum betrat.
„Ron!", rief der Angesprochene statt einer Begrüßung. „Ich kann nicht fassen, dass Du recht hattest!"
Ein Rotschopf wandte sich ihnen vom Sessel aus zu und antwortete glucksend: „Als ob Hermione vor solch einer Herausforderung zurückschrecken würde. Guten Morgen, Mione."
„Guten Morgen", sagte die junge Hexe mit einem Zwinkern. „Also, ziehen wir gleich los, bevor ich doch noch kalte Füße bekomme?"
Strahlend nickten die Jungen und Ron kletterte voraus durch das Portraitloch. Auf dem Weg zum Quidditchfeld wägte Hermione ab, ob ihre Entscheidung wirklich klug gewesen war, aber immerhin war die Angst vorm Fliegen nicht die größte Sorge, mit der sie heute noch konfrontiert werden würde.

Madam Hooch hatte die Quidditchkapitäne der Häuser angesprochen und ihnen angeboten, am Wochenende nach dem letzten Schultag ein Treffen zu ermöglichen, bei dem alle Siebtklässler, auch diejenigen, die sonst nicht flogen und keinen Besen hatten, gemeinsam einige Runden über das Quidditchfeld und den Schwarzen See drehen konnten. Sie war bereits auf dem Feld, um sie herum einige Truhen mit Quidditchbällen, als die Gryffindors als Erste auf den Ländereien ankamen.
„Potter", grüßte sie gutmütig, „schön, Sie zu sehen, Sie alle." Sie nickte Ron, Hermione und den anderen bereits Anwesenden zu.
Daphne und Blaise blieben die einzigen Slytherins, die gekommen waren („Wundert mich eigentlich", sagte Ron, „es wäre doch die Gelegenheit gewesen, ein letztes Mal jemanden von uns vom Besen zu prügeln!"), und als Madam Hooch Besen an alle verteilt hatte, konnte Hermione sehen, dass sie nicht die Einzige war, die sich unwohl fühlte. Auch Daphne war blass und starrte den Besen in ihrer Hand mit sorgenvoll gerunzelter Stirn an.
„Einige von Ihnen saßen seit sechs Jahren auf keinem Besen mehr, wie ich annehme", sprach die Lehrerin das Thema an, das tatsächlich mehrere Schüler betreffen zu schien. „Ich werde hier am Boden gleich noch mal ein kleines Tutorial für diejenigen machen, die sich unsicher fühlen. Alle anderen können sich auf ihre Besen schwingen und hier auf dem Feld ein paar Runden drehen. Wenn alle in der Luft sind, schicke ich die Quidditchbälle für ein freies Spiel zu Ihnen nach oben."
Die meisten schwangen sich auf ihre Besen, stießen sich vom Boden ab und verschwanden in der Höhe. Harry nickte Hermione aufmunternd zu, ehe er sich anschloss.

Hermione sah sich um. Neben Daphne und ihr selbst waren Luna Lovegood, Neville Longbottom und Ernie Macmillan am Boden geblieben und warteten auf Instruktionen von Madam Hooch, die sich ihnen nun wieder zuwandte.
„Sie werden sich vielleicht noch an Ihre erste Flugstunde hier erinnern, und vielleicht sind das keine guten Erinnerungen", sie zwinkerte, „heute machen wir neue. Damit sie schöner werden als die bisherigen, setzen wir erst einmal ein Lächeln auf und atmen ein paarmal tief durch, damit wir demnächst auch aufhören können, uns Sorgen zu machen. Dann rufen wir uns in Erinnerung, was wir alles machen müssen. Wir steigen auf den Besen und stoßen uns so fest wir können vom Boden ab. Wenn wir abheben, lassen wir nicht den Kopf hängen, sondern lehnen uns ganz auf den Besen und schauen nach oben, dorthin, wo wir hinwollen. Wenn wir auf der gewünschten Höhe angekommen sind, heben wir den Oberkörper an, richten uns auf und drücken den Besenstiel ein wenig nach unten – und ich meine, ein wenig, nicht senkrecht Richtung Boden." Sie machte eine Pause und ließ die Schüler ihre Worte verarbeiten. Mit einem Blick auf Neville fuhr sie fort: „Da ich nicht unbelehrbar bin, sind seit einem Vorfall vor einigen Jahren alle Schulbesen mit einem Zauber belegt, der verhindert, dass Sie herunterfallen."
Zum ersten Mal seit Beginn ihres Monologs waren fünf entspannte, tiefe Atemzüge zu hören. Hermione fühlte, wie ihre unangenehme Körperspannung sich auflöste, und mutmaßte, dass es den Anderen genauso ging.
Madam Hooch erklärte noch den Landevorgang und schaute dann abwartend in die Runde. „Sind Sie bereit? Dann würde ich Sie gerne nacheinander in die Luft verabschieden. Miss Granger, machen Sie den Anfang? Denken Sie ans Lächeln."
Hermione schluckte und nickte, während sie auf den Besen stieg.
„Lächeln", erinnerte Madam Hooch sie noch einmal und zog eine Grimasse, was Hermione tatsächlich nicht nur zum Lächeln, sondern zum Lachen brachte.
„Exzellent. Abstoßen und atmen dabei nicht vergessen."

Mit aller Kraft, die ihre zittrigen Beine aufbringen konnten, stieß Hermione sich ab und spürte sofort, wie der Besen unter ihr zum Leben erwachte. Er trug sie nach oben, weg von der Sicherheit des Erdbodens, hinauf in Richtung Himmel. Sie nahm zwei Schatten wahr, die von beiden Seiten an sie heranflogen und ihr im Aufstieg folgten.
„Und jetzt aufrichten, wir sind hoch genug", hörte sie Harry rufen. Seine Stimme klang weit entfernt durch das Rauschen des Windes, doch als sie sich aufrichtete und den Besen ein wenig nach unten drückte, konnte sie sehen, dass er direkt neben ihr war.
„Entspann Dich", rief nun auch Ron von ihrer anderen Seite, „Du bist in der Luft und machst das richtig gut. Es wird gleich einfacher."
Tatsächlich war das Vorwärtsfliegen angenehmer als das Aufsteigen, und Hermiones Umklammerung um den Besenstiel, von der ihre Fingerknöchel bereits weiß geworden waren, wurde lockerer. Sie wollte sich seitlich zu Harry drehen, der jedoch sofort eine Hand von seinem eigenen Besen löste und gestikulierte, sie solle nach vorne schauen.
„Am Anfang ist es besser, Du schaust nach vorne", erklärte er und Hermione wusste sofort, warum. Die kurze Bewegung hatte sie fast aus dem Gleichgewicht gebracht, und so starrte sie noch einige Minuten stur geradeaus, bis sie merkte, dass ihre Balance besser wurde.
„Die Anderen sind jetzt auch in der Luft", rief Ron, „Madam Hooch gibt gleich die Bälle frei, lasst uns noch zwei, drei Runden außerhalb der Tribünen fliegen, bis Mione sich sicherer fühlt."

„Ich werde einfach versuchen, in niemanden hineinzufliegen und keinen Ball abzukriegen, das ist schon Herausforderung genug für mich, ja?", kommentierte Hermione einige Minuten später Rons Vorschlag, wieder nach drinnen aufs Feld zu fliegen und ins Spiel mit einzusteigen.
Harry lachte herzhaft. „Klingt fair. Pass auf Dich auf!"
„Danke, dass ihr mit mir draußen geblieben seid", rief sie den Jungen noch zu, ehe alle drei in verschiedene Richtungen aufs Feld schossen.

Eine Stunde später, in der Hermione einigen Klatschern und Mitspielern ausgewichen war und die Siebtklässler gemeinsam mit Madam Hooch über den Verbotenen Wald, den Schwarzen See bis hin zu den entfernten Bergen und zurück über die Ländereien geflogen waren, landeten sie wieder auf dem Quidditchfeld. Hermiones Beine gaben nach und sie fiel vor Erschöpfung vornüber.
Harry half ihr auf, strahlte und zog seine beste Freundin in eine Umarmung. „Du warst super, Mione."
„Wie geht's Dir? Wirst Du jetzt zur Fliegerin?", fragte Ron grinsend und schlug ihr sanft auf die Schulter.
„Ich finde meine Beine als Fortbewegungsmittel in aller Regel sehr sympathisch und verlässlich", erwiderte sie, doch sie konnte nicht bestreiten, wie sehr ihr der Morgen gefallen hatte, und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Aber es war schön. Wirklich, es war ein tolles Gefühl. Ich brauche es nicht ständig und will und werde es nie so gut können wie ihr, aber ich kann annähernd nachvollziehen, was euch daran gefällt."
„Ich werde Sie vermissen, wissen Sie das?", drang Madam Hoochs Stimme durch die Menge und alle wandten sich zu der Lehrerin um. Emotionalität war auf alle Gesichter geschrieben. „Unter Ihnen sind großartige Quidditchspieler und Flieger, und Sie alle sind sehr angenehme Menschen, die das Potenzial haben, etwas zu verändern in dieser Welt. Bevor Sie das tun, verändern Sie heute Abend aber erst einmal noch etwas an Ihrem angespannten Zustand. Lassen Sie's krachen."

~x~


Das Mittagessen verbrachten Harry und Ron hauptsächlich damit, Ginny vorzuschwärmen, wie großartig Hermione sich auf dem Besen geschlagen hatte, während diese vor Schmerzen kaum etwas anderes tun könnte als zu stöhnen.
„Du solltest Dir etwas gegen die Schmerzen geben lassen, Mione", wandte sich Ginny schließlich an Hermione. Mit einem anzüglichen Zwinkern fügte sie leise hinzu: „Damit Du heute Abend für sämtliche Aktivitäten beweglich bist. Also fürs Tanzen zum Beispiel."
Damit erhob sie sich und holte Chris am Ravenclawtisch ab, um einen Spaziergang auf den Ländereien zu machen. Hermione versuchte die Bilder, die Ginnys Worte in ihrem Kopf ausgelöst hatten, loszuwerden, doch sie ließen sich nicht abschütteln. Frustriert schloss sie die Augen, was die Situation nur verschlimmerte.
„Lass uns rübergehen zu den anderen", schlug Ron neben ihr vor, und als sie die Augen wieder öffnete konnte sie beobachten, dass ihr Jahrgang sich tatsächlich nach und nach am Haustisch der Hufflepuffs sammelte.
„Ich komme gleich nach, ich gehe kurz in den Krankenflügel, Ginny hat recht, ich sollte mir etwas geben lassen", kündigte Hermione an.
Ron hatte sich bereits erhoben und nickte Terry Boot zu, die sie zu sich herüber winkte.
Harry nickte. Sie konnte sehen, wie ihm ein plötzlicher Gedanke kam. „Vielleicht hätten wir bei Professor Snape einen Trank gegen Schmerzen statt gegen Kater brauen sollen", kommentierte er und sein Zwinkern stand dem von Ginny in nichts nach, bevor er sich umdrehte und Ron folgte.
Dass er respektvoll „Professor Snape" gesagt hatte, erinnerte Hermione einerseits daran, dass er zu viel wusste, andererseits, nun ja, klang es eben respektvoll, was bedeuten konnte, dass Harry ihre Liebe zumindest nicht missbilligte.
Ihre Liebe. Sie verdrehte die Augen über sich selbst, als sie ihren Blick zu Snapes Platz am Lehrertisch drängen sah. Sie gab nach, und mit einem Seufzen stellte sie fest, dass er bereits leer war.

Madam Pomfrey zog amüsiert eine Augenbraue nach oben, als die junge Frau in den Krankenflügel gehinkt kam.
„Sie sehen miserabel aus und ich nehme an, das hat mit der morgendlichen Flugrunde zu tun?", fragte sie wissend. „Sie werden nicht die Letzte sein, die heute hierher kommt, glauben Sie mir. Hier, nehmen Sie das gegen die Schmerzen, das löst die Verspannungen und verhindert, dass Sie demnächst Muskelkater bekommen."
Sie nahm ein Fläschchen mit einer dunkelroten Flüssigkeit von einem Regal und Hermione bemerkte, dass dort tatsächlich noch mehrere Behälter der gleichen Art bereitstanden. Madam Hoochs Flugangebot schien offenbar berüchtigt dafür zu sein, bei den Nicht-Fliegern unter den Schülern Schmerzen zu verursachen.
„Danke vielmals, Madam Pomfrey", sagte sie und hob unter Schmerzen den Arm, um den Zaubertrank hinunterzustürzen. Sofort spürte sie, wie die Schmerzen nachließen.
Verdammt', dachte sie, ‚also doch keine Ausrede mehr für den Abschlussball'.

~x~


„Hermione Granger, Du bist wunderschön. Du hast Sommersprossen bekommen heute Vormittag, weißt Du das?"
„Ginevra Weasley, ich habe keinen blassen Schimmer, womit ich es verdient habe, Dich als beste Freundin zu haben."
„Na ja", sagte die Rothaarige, „wenn wir im Leben alles verdienen würden, was wir bekommen, würden wir ja alles bekommen, was wir verdienen..." Sie verzog das Gesicht. „Und auch wenn das manchen Leuten nicht schaden würde, so fair und so einfach ist diese Welt nicht. Aber Freundschaft ist kein Verdienst, Freundschaft ist ein Produkt aus guten und schlechten gemeinsamen Erinnerungen, gegenseitigem Vertrauen, Respekt und noch so Vielem mehr. Ich schätze mich glücklich, Dich meine beste Freundin zu nennen, und noch mehr, dass Du mich so nennst."

Im Spiegel konnte Ginny sehen, wie Hermiones Augen mit jedem ihrer Worte feuchter geworden waren.
„Hey, Moment", ereiferte sie sich und legte der Älteren eine Hand auf die Schulter, „nicht weinen, Du bist fertig geschminkt! Heb Dir Deine Tränen für Montag auf, wenn ihr das Schloss verlasst. Jetzt werden erst mal Fledermäuse geangelt."

~x~


Der Moment, in dem Hermione, Harry und Ron an diesem Abend die Große Halle betraten, war einer derjenigen, die man als Erinnerungen mit ins Grab nahm, weil sie sich so klar ins Gedächtnis einbrannten, dass es beinahe unmöglich schien, dass sie jemals verblassen sollten.
Die Haustische waren verschwunden, stattdessen wurde die Große Halle von einer Tanzfläche dominiert, um die herum kleinere, runde Tische standen. Dort, wo normalerweise der Lehrertisch war, war nun ein Podium, auf dem zweifellos die Zeugnisse vergeben werden würden. Die Hogwartsfarben schmückten die Halle, jedoch nicht nach Häusern sortiert, sondern bunt durcheinander; die Tanzfläche leuchtete und wechselte in unregelmäßigen Abständen die Farben. Auf der linken Seite war eine Bühne aufgebaut. Lavender und Parvati mutmaßten bereits, wer zu späterer Stunde dort spielen würde, während Hermione noch immer den Atem anhielt. Sie verstand plötzlich Professor Sprouts Versprechen, dass die Siebtklässler es nicht bereuen würden, die Organisation des Abends ganz in Dumbledores Händen zu belassen.

Nach und nach trafen die Verwandten und Freunde der Schulabgänger ein und Hermione sah sich angestrengt um. Sie konnte ihre Eltern noch nirgends ausmachen. Die Professoren hatten versichert, dass alle Muggel persönlich abgeholt und zum Schloss gebracht werden würden. Ginny und Chris kamen in die Halle geschlendert, Mrs Longbottom umarmte wenige Meter entfernt ihren Enkel und Draco Malfoy ließ mit sichtlichem Unwillen über sich ergehen, dass seine Mutter an seiner Robe herumzupfte und ihm die Haare aus dem Gesicht strich. Sie hörte Ron neben sich glucksen und musste sich nicht zu ihm umdrehen um zu wissen, dass auch er die Szene beobachtete.

„Hermione!", rief eine aufgeregte, vertraute Stimme. Es war ungewohnt, sie in diesen Mauern zu hören, und als die junge Hexe sich umdrehte, um ihre Mutter zu begrüßen, hatte diese bereits die Arme um sie geschlungen.
„Mum, Dad, es ist so wundervoll, euch zu sehen", sagte Hermione mit einem breiten Lächeln.
Als kurz darauf die Weasleys eintrafen und ein heilloses Durcheinander an begeisterten Begrüßungen und Umarmungen losbrach, hatte sie das Gefühl, die Familien nicht mehr auseinanderhalten zu können, so eng schienen sie zusammengewachsen. Ihre Mutter und Mrs Weasley waren sofort in ein Gespräch vertieft, und Hermione wurde stutzig, als Jean Mrs Weasley freundschaftlich die Hand auf dem Arm legte, den Kopf zurückwarf und herzhaft über etwas lachte.
„Die beiden sind ziemlich gute Freundinnen geworden", erklärte ihr Vater Marcus, der ihre Verwunderung beobachtet hatte. „Wir sind seit einiger Zeit öfter mal zu Besuch bei den Weasleys. Ich glaube, sie ist sehr glücklich, eine Hexe als Tochter zu haben und am Rande Teil ihrer Welt sein zu können. Es tut ihr leid, dass sie damals so negativ reagiert hat, als Du klargestellt hast, dass das hier Deine Welt ist, Hermione."
Er lächelte sanft und nahm sie in den Arm, und Hermione musste die Tränen zurückhalten. „Ich freue mich so. Es hat wahnsinnig wehgetan damals, mich einfach umdrehen und im Streit zu gehen."
Einen Moment später wandte Jean sich zu ihrem Mann und ihrer Tochter um. Offenbar hatte sie sich gerade zum ersten Mal richtig in der Großen Halle umgesehen. "Wow", sagte sie beeindruckt, "hier hat jemand ganze Arbeit geleistet." Sie erholte sich schnell von ihrem Erstaunen und begann, Hermione über die letzten Wochen auszufragen.

Aus dem Augenwinkel sah Hermione Snape die Halle betreten und stolpern, als seine Augen auf sie fielen. Tonks, die suchenden Blickes einen Schritt hinter ihm ebenfalls durch die Tür getreten war, packte ihn am Arm, um ihn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
„Hoppla", sagte sie mit vergnügter Stimme, „jetzt behaupte aber bloß nicht, ich hätte Dir das Bein gestellt." Sie zwinkerte ihm zu, wurde dann wieder ernst und schaute sich erneut in der Halle um. Schließlich ging sie an Snape vorbei auf das Podium zu, auf dem sich bereits einige Lehrer versammelt hatten.
Der Tränkemeister blieb noch einen Moment stehen, die Augen auf Hermione gehaftet, die versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie es bemerkte und wie sehr es sie unter Strom setzte.

Vielleicht überlegte er gerade, ob ihre Eltern wohl älter oder jünger waren als er selbst. Sie verdrängte den Gedanken daran.

~x~


„Liebe Siebtklässler, liebe Eltern, Verwandten, Freunde, Bekannte und Mitschüler, es ist mir immer eine große Freude, diesen Abend vorzubereiten und Sie alle hier zu sehen, einige übliche Verdächtige, aber vor allem viele Gesichter, die wir während des Schuljahres, gar während der gesamten Schulzeit, hier nicht sehen. Andererseits bedeutet dieser Abend immer einen Abschied. Abschied von euch, liebe Siebtklässler. Sieben Jahre lang seid ihr durch diese Tore ein und aus gegangen, habt zu Fuß und auf dem Besen die Ländereien erkundet; ihr habt gelernt, welche Treppen zu welchen Uhrzeiten an geraden Monatstagen wohin führen und welche Stufen fehlen, einige von euch haben auch den ein oder anderen weniger konventionellen Weg gefunden; ihr habt euch Wissen selbst angeeignet und habt wissbegierig dem Unterricht gefolgt; ihr habt hier Feste gefeiert und Sommernachmittage am Schwarzen See verbracht. Ihr habt eure Grenzen getestet, gelacht, geweint, ihr habt Erfolge gefeiert und seid über Niederlagen hinweggekommen. Und vor allem habt ihr Freundschaften geschlossen und seid ihr zu herausragenden Persönlichkeiten herangereift, jeder mit seinen eigenen Stärken und Besonderheiten. Und darauf kommt es an. Nein, es geht in der Schule in der Tat nicht nur um Noten, um bestandene UTZe und vorbildhaftes Benehmen. Deshalb wollen wir eines auch direkt am Anfang hinter uns bringen, bevor ein Abend voller Tanzen, netten Unterhaltungen, Spaß und guten Freunden beginnen kann: Die Übergabe der Zeugnisse. Damit wir uns aber nicht die ganze Nacht mit unseren Ergebnissen auseinandersetzen, sind die Umschläge mit den UTZ-Ergebnissen magisch versiegelt und lassen sich erst morgen früh, nach unserer kleinen Feier, öffnen. Soviel soll gesagt sein: Ihr alle könnt sehr zufrieden sein mit euren Leistungen."

Hermione war sich bewusst, dass sie die Einzige war, die diese Offenbarung mit gemischten Gefühlen vernahm, doch sie musste lächeln über das fröhliche Lachen und die anerkennenden Pfiffe, das aus allen Ecken der Halle auf Dumbledores Worte hin ertönte. Auch die Lehrer, die neben dem Schulleiter alle in einer Reihe auf dem Podium standen, applaudierten.
Nacheinander wurden die Siebtklässler nun nach oben gerufen und bekamen von ihren Hauslehrern die Zeugnisse überreicht. Als Hermiones Name aufgerufen wurde, drückte sie kurz die Hand ihrer Mutter und lächelte Ginny angespannt zu, ehe sie mit eiligen Schritten zum Podium lief und ihr Zeugnis von Professor McGonagall entgegennahm. Die Umarmung, in die ihre Hauslehrerin sie zog, kam so unerwartet, dass sie Hermione fast aus der Balance warf, und die Beherrschung, die sie bis dahin über ihre Gefühlswelt gehabt hatte, wurde durch diese überraschende Geste erschüttert. Die junge Hexe musste mehrmals blinzeln, um zu verhindern, dass ihr die Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten, übers Gesicht rannen, während sie nacheinander allen Lehrern die Hände schüttelte. Schließlich erreichte sie Snape, in dessen Blick sie fast schon den früher üblichen Hohn erwartet hatte, doch stattdessen nickte er ihr mit einer Mischung aus Stolz und Schwermut leicht zu und drückte fest ihre Hand.

Vielleicht war er zum Entschluss gekommen, dass es eigentlich gar nicht so wichtig war, wie alt ihre Eltern waren. Wenn nicht, würde sie ihn davon noch überzeugen müssen.

~x~


Den Teil des Abschlussballs mit den Noten und dem „vorbildhaften Benehmen" hätten wir also hinter uns gelassen, im nächsten Kapitel geht es ans Tanzen, nette Unterhaltungen und Spaß mit guten Freunden. ;) Daran habe ich übrigens besonders viel Spaß, weil dort ein paar Bomben platzen... da wären die vermeintliche Beziehung zwischen unseren beiden Mädels, Harrys Liebe (irgendwelche aktuellen Tipps;)?) und natürlich die Fledermaus. Komisches Gefühl, das Ende zu schreiben. :')