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Kapitel 7

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Cho, Rigsby und Grace waren begeistert von Lanie, reichten sie ständig hin und her. Doch das kleine Mädchen hatte an Cho besonderen Gefallen gefunden, wollte ständig von ihm gehalten werden und sobald der Asiate das Mädchen in den Armen hielt, wurde seine Miene weicher und er konnte nicht anders als zu lächeln. Lisbons anfängliche Angst, dass ihre Ziehtochter die Gesellschaft nicht mögen würde, eventuell sogar Schreianfälle bekommen würde, war verflogen. Teresa konnte durchatmen, das Szenarium beobachten. Es schien als wären sie plötzlich nicht einfach nur Arbeitskollegen sondern Freunde und das war ein neues Gefühl, ein neuer Eindruck. Bisher waren sie nach der Arbeit meist getrennte Wege gegangen, vielleicht trank man einmal ein Bier mitsammen, aber über private Angelegenheiten wurde selten auch nur ein Wort verloren.

Jane stand am neuen Grill, meisterte die Steaks für jedermann genau perfekt zu grillen – von blutig bis zart durch. Er bediente, unterhielt die Gäste, wusste stets wo was im Haus zu finden war, was das Trio natürlich etwas verwunderte, doch keiner wollte auch nur eine Andeutung machen. Es schien, als wäre Jane der Herr im Haus.

Innerlich zweifelte Jane allerdings an sich und der gesamten Situation. Nicht nur, dass ihn seine Kollegen das erste Mal in Shorts sahen, die er sich extra für den Anlass gekauft hatte – elegante dunkelblaue kurze Hosen und ein dazu passendes weißes Leinenhemd. Patrick hatte sich gesagt, dass es für den Anlass die passende Kleidung war, trotzdem schien es falsch zu sein. Das letzte Mal hatte er Hosen wie diese getragen, als er mit seiner Tochter am Strand von Miami gespielt hatte, kurz bevor sie ermordet worden war.

Sobald er einen Moment hatte, in dem er sich nicht auf das Grillen oder Lanie konzentrieren musste, wanderten seine Gedanken zu Angela und Charlotte, und den Fakt, dass er sie betrog. Sobald Teresa in seinem Blickfeld war, konnte er seine Augen nicht mehr von ihr abwenden. Ihre großen Augen, den perfekten durchtrainierten Körper, den dezenten Hüftschwung. Das Grün des Tops ließ ihre Augen noch mehr strahlen. Es war ihm unmöglich, sie nicht von oben bis unten begutachten. Ihr Lächeln. Die Anspannung schien aus ihren Schultern gewichen zu sein. Ja, es schien, als wäre Teresa tatsächlich entspannt. Sie lehnte im Türrahmen und beobachtete Cho, der in Lanies Bann gezogen worden war.

Sie war barfuß, hatte irgendwann die Schuhe ausgezogen. Seine Augen wanderten zu den ihm perfekt erscheinenden Brüsten, die sich unter dem Top abzeichneten und einen kurzen Moment lang, ließ Jane zu, dass er tagträumte. Teresas und Lanie am Strand mit ihm. Wie sehr ging ihm da Wasser und der Sand ab, die Möglichkeit die Zehen in diesem zu vergraben. Wie viele Stunden hatte er damals mit seiner Tochter am Strand verbracht? Und nun Lisbon in einem Bikini. Ihre helle Haut war sicherlich empfindlich …. – doch bevor er weiterträumen konnte, holte Rigsby ihn zurück. Dieser wollte von ihm wissen, wie es um da Fleisch stand. Wahrscheinlich war es gerade der richtige Moment gewesen, bevor er sich mittels Biofeedback wieder präsentabel hätte machen müssen.

Er wendete die Steaks ein letztes Mal und gestand sich schließlich ein, dass sie so perfekt aussah. Ihr dunkles Haar mit der sanften Welle. Die großen grünen Augen. Die vielen Sommersprossen, die sie sonst jeden einzelnen Tag unter Make-up versteckte.

Sie sah einfach unschuldig aus. An viele Männer in ihrem Leben konnte er sich nicht erinnern. Zwei, vielleicht drei? Nicht dass Teresa jemals mit ihren Affären geprahlt hätte. Oder im Büro sich auch nur hätte anmerken lassen, dass es einen Liebhaber geben würde. Sie war eine private Person und genau das gefiel Patrick, es machte sie geheimnisvoll.

Was auch immer zwischen ihrem Vater und ihr vorgefallen war, hatte sie wohl so beeinflusst, dass sie Beziehungen zu Männern nicht leicht einging. Vielleicht hatten diese auch keine Wichtigkeit für sie?

In all den Jahren hatte Lisbon nie ein Wort über ihre Brüder verloren, außer sie tauchten aus dem Nichts auf. Über ihre Eltern und was damals passiert war, sprach sie selten. Jane hatte beobachtet, dass sie sonntags, sofern sie keinen Fall hatten, in eine kleine Kirche ging, die einer spanisch-portugiesischen Kongregation angehörte. Das Kreuz trug sie Tag ein, Tag aus, also schien es für sie von Wichtigkeit, immerhin hatte es ihrer Mutter gehört.

Der Versuch etwas zu recherchieren hatte ins Nichts geführt. Es gab keine Akte zu Victor Lisbon, also war nie ein Vorfall gemeldet worden. Teresa hatte ihn niemals angezeigt.

Und genau darauf hatte Teresa damals genau geachtet. Ihre blauen Flecken hatte sie kaschiert, hatte vorgegeben beim Laufen gestürzt zu sein, in eine Handgreiflichkeit mit ihren Brüdern geraten zu sein oder etwas dergleichen. Jeder hatte Mitleid mit der Familie, brachte ihnen manchmal sogar am Sonntag Essen oder lud sie nach der Kirche zu einem Picknick ein. Und dann hatten sie weggesehen, niemals Fragen gestellt. Nein, das stimmte nicht, Elliot hatte gefragt. Ihm hatte sie geantwortet.

Damals war es eine komplizierte Situation gewesen. Hätte man Victor angezeigt, wären sie alle in Pflegefamilien gelandet, mit gewisser Sicherheit getrennt worden. Also ging es darum, dass sie es durchstand. Bis heute gehörte die orale Befriedigung zu den Praktiken, die sie nicht gerne vollzog. Es war eigentlich ein Tabu. Zu oft hatte ihr Vater dies von ihr gefordert, den Namen ihrer Mutter von sich gegeben, als er schließlich kam. Zudem fiel es ihr schwer, sich dominieren zu lassen, immer musste sie die Kontrolle über die Situation haben, wissen, was als nächstes passierte. Victor hatte sie nicht oft vergewaltigt – es passierte „lediglich" am Hochzeitstag und seinem Geburtstag, Doch auch zweimal im Jahr, war zweimal zu viel. Viel zu viel. All das hatte mit Vertrauen zu tun und die passende Basis hat es nur einmal gegeben, mit Greg, bevor sie sich gegen eine Zukunft mit ihm entschied.

Doch in den letzten Tagen hatte sie sich gefragt, wie es mit Jane sein würde. Er war ein außergewöhnlicher Mann. Er verlangte von ihr nicht viel, gab sich mit Kleinigkeiten zufrieden. So stand er nun in ihrem Garten, grillte für das Team Steaks, lächelte und schien sich wohlzufühlen. Doch konnte sie ihm vertrauen? Oder würde er in einer kniffligen Situation wieder weglaufen? Er war immerhin ein verheirateter Mann. Einer, der seinen Ehering mit Stolz und Verbundenheit trug. Und verheiratete Männer waren seit Bosko Tabu.

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Lisbon holte das Fläschchen für Lanie und setzte sich mit ihr etwas Abseits in einen Schaukelstuhl, nahm sich die Zeit, sie in Ruhe zu füttern. Es war ein Moment der trauten Zweisamkeit, obwohl nicht weit weg, vier Leute lachten und sich das Essen schmecken ließen. Sie hörte ein anregendes Gespräch, aber den Inhalt konnte sie nicht verstehen, doch dieser war ihr egal. Sie hielt ihre Kleine auf den Arm, fütterte sie und wartete darauf, dass sie ihre kleinen Augen schloss. Für Lanie war es ein anstrengender Tag gewesen, sie hatte viel erlebt, viele neue Leute kennengelernt.

Leise summte Teresa das Lied, das ihre Mutter stets gesungen hatte, doch konnte sie sich kaum noch an den portugiesischen Text erinnern. Die Melodie hatte sie im Ohr, als hätte ihre Mutter es ihr gestern vorgesungen.

Sie sah Adam so ähnlich. Er hatte als Baby auch diesen Blick, diese großen Augen. Teresa erinnerte sich, dass ihre Mutter nicht noch ein Baby hatte haben wollen. Die Schwangerschaft war kompliziert gewesen, hatte Komplikationen mit sich gebracht. Sie war beinahe die Hälfte der Zeit gelegen und Adam war trotzdem vier Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Das gesamte erste Jahr war er ein Sorgenkind gewesen, viele Spitalsbesuche hatten auf dem Glück der Familie gelastet, doch hatte Teresas Mutter ihn wie jedes ihrer Kinder geliebt.

Lanie war kein Sorgenkind. Nein, das war sie nicht.

„Soll ich sie in ihr Bettchen bringen?", fragte Jane und stand neben ihr. Erst beim zweiten Anlauf reagierte Teresa, so sehr war sie in Gedanken versunken. Gemeinsam gingen sie in den ersten Stock, und legten Lanie hin. Sie sah zufrieden aus, erschöpft.

„Hast du jemals Kinder haben wollen?"

„Vielleicht irgendwann einmal", antwortete sie. „Bei meiner Beziehungsunfähigkeit", fügte sie murmelnd hinzu.

Jane fragte nicht nach den Details. Wenn sie bereit wäre, ihm etwas mehr zu erzählen, würde sie es tun, nahm er an.

„Du hast nur noch nicht den Richtigen gefunden", redete Jane ihr gut zu.

„Den Richtigen? Patrick ich bin bald 40 und bald ist es zu spät für alles."

Ohne darauf zu antworten, schloss Jane Lisbon in seine Arme und presste ihren schmalen Körper an den seinen.

„Jetzt hast du Lanie."

„Ja, Lanie", wiederholte sie.

„Und ich bin genauso beziehungsunfähig wie du", erklärte er, „nur aus anderen Gründen."

Teresa ließ sich halten. Sie genoss die Wärme seines Körpers. Es war angenehm und ungewohnt. Wann war sie in den vergangenen Jahren das letzte Mal so gehalten worden? Teresa nahm seine starke Brust war, die Muskeln, die er so gut unter den Dreiteilern versteckte und seinen Geruch. Sie waren sich in den letzten Tagen auf so eigentümliche Art näher gekommen, ohne sich körperlich wirklich nahe zu sein.

Es war eine amikale Verbindung. Jane wusste, dass er nicht da empfinden sollte, was er empfand. Sie hatte ihren jüngsten Bruder verloren und bisher keine Zeit gehabt zu trauern – und er wollte diese Schwäche, die sie ihm gegenüber offenbarte, nicht ausnützen.

Und Jane genoss den dezenten Geruch ihrer Haare aufzusaugen. Sie einfach zu halten, ohne darauf waren zu müssen, dass sie sich in der nächsten Sekunde zurückziehen würde.

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Grace hatte von der Terrasse aus das ganze Spektakel beobachtet, die Vertrautheit, die lieblichen Blicke, die sie austauschten ohne es wahrscheinlich zu wissen, ihr gemeinsamer Umgang mit Lanie – als hätten sie nie etwas anderes gemacht, sich stets gemeinsam darum gekümmert. Aber vielleicht war dies auch der Fall. Wenn Lisbon Hilfe brauchte, das wusste Van Pelt, gab es zwei Leute, an die sich ihre Chefin wendete – Jane oder Cho.

Cho trank gerade einen Schluck Bier, als Rigsby anmerkte, dass Lisbon und Jane schon lange verschwunden waren. Graces Versuch, es auf das Schlafenlegen der Kleinen zurückzuführen ist, wurde nicht wirklich akzeptiert.

„Glaubt ihr, dass sie etwas mitsammen haben?", fragte Rigsby.

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Ende Kapitel 7

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A/N: Ein kurzes Kapitel, I know. Aber es ist einfach so heiß, mein Kopf will nicht so arbeiten, wie er soll, meine Hände nicht tippen … trotzdem hoffe ich, dass das Kapitel zufriedenstellend ist.