A/N: So, das Rating hat sich nun geändert, wie bereits angekündigt. Ich hoffe, dass die Leserschaft dadurch nicht abgeschreckt wird, aber auf Dauer P12 zu schreiben, das kann ich einfach nicht.
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Kapitel 9
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Auch er war nur ein Mann und als er an diesem Abend zurück aufs Revier fuhr, wusste er, dass es Zeit war, das Haus zu verkaufen. Es war nicht mehr nur ein Hirngespenst, nein, er wollte ihr helfen sich um Lanie zu kümmern. Auf Dauer würde es für Teresa sonst sehr schwer werden, sagte er sich immer wieder. Sie brauchte seine Hilfe. Jane wusste, dass es vielleicht nur seine Einbildung war, oder insgeheim war es auch Hoffnung, die er in das ganze Vorhaben setzte.
Und dann schweiften, als er duschte, seine Gedanken wieder zu Teresa ab und all dem, was er an diesem Tag gesehen hatte. Und so passierte es das erste Mal in mehr als fünfzehn Jahren, dass er selbst Hand anlegte. Der harte Strahl der Schauer passierte seinen Rücken, den Nacken und seine geschlossenen Augen ließen es Teresas Hände sein, ihre kurzen Fingernägel. Ihre Zähne.
Unter seinen dreiteiligen Anzügen versteckte er gerne das, was er einer Frau zu bieten hatte. Er wusste, dass er sehr gut ausgestattet war, weit über dem Durchschnitt lag, daher zog er normalerweise die Anzughosen den Jeans auch vor. So war es immer schon gewesen. Jeans hatten den Nachteil, dass sie rasch unbequem und eng wurden. Obwohl ihm in den letzten Jahren niemand mehr so erregt hatte, dass es hätte gefährlich werden können, war er an die Anzüge so gewohnt gewesen – bis Lanie in sein Leben trat.
Auch wenn man fünf Anzüge hatte, waren diese bei einem Kleinkind rasch aufgebraucht und die Reinigung war aufwendig und teuer. Nicht dass Geld eine Rolle spielte. Deswegen war er in einen Levis Store gegangen und hatte einige Paare Jeans gekauft, bei Ralph Lauren einige dunkelblaue Shorts und diverse Leinenhemden und T-Shirts. Sachen, die er auch getragen hatte, wenn er Zeit mit Charlotte verbrachte.
Nach ihrem Tod hatte er all diese Kleidungsstücke einer Obdachloseninstitution gebracht, konnte sie nicht mehr sehen, da sie ihn an all das Glück erinnerten, das er einst erlebt hatte.
Und jetzt hatte er seine Hand um sein Gemächt geschlossen, bewegte sie rasch auf und ab und sah lediglich eine Frau vor seinem geistigen Auge – Teresa Lisbon. Die dunkelhaarige Frau mit den großen grünen Augen, die ihn seit Jahren jeden Tag daran erinnerte, dass es weitergehen musste. Ihn wissen ließ, dass Obsessionen Menschen zerstörten.
Und er stellte sich vor, wie es nun ihre Hand war, die ihn berührte – diese kleine, zarte Hand, die sich so fest um einen Waffengriff schließen konnte. Und es wären ihre weichen, rosigen Lippen, die sich um seinen Phallus schließen würden, die spitze und geübte Zunge, die genau wusste, was sie machte. Sie würde die Krone seines Penis nachfahren, am Eichelrand saugen, während sie mit dem Vorhandbändchen spielte. Sie würde genau wissen, was sie hat.
Vielleicht war es seine Imagination, aber Lisbon war auf einer katholischen Schule gewesen und von Mädchen, die in solchen Einrichtungen waren, nahm man an, dass sie gut dabei waren, wussten, was sie taten. Alle Gedanken an ihren Vater und den Missbrauch waren verbannt.
Sie würde zudem mit ihrer zweiten Hand seine Hoden liebkosen, sie sanft kneten. Es fiel Jane schwer, sich in der Dusche aufrecht zu halten und als er kam, kam er wie niemals zuvor. Sein Orgasmus schien ewig anzuhalten und es war ihm unmöglich, an etwas anderes als diese großen Augen, den lieblichen Mund und die perfekten Brüste zu denken. Kurz schrie er sogar ihren Namen – Teresa – als er kam.
Obwohl Patrick es versuchte, ging Teresa ihm einfach nicht aus dem Kopf. Nicht als er sich abgetrocknet, nicht als er sich angezogen hatte. Selbst als sie geschlafen hatte, hatte er sich am Nachmittag in Tagträumen verloren. Und nun war es keinen Deka besser.
Teresa war nicht der Typ Frau, der Hausfrau und Mutter sein würde. Teresa Lisbon ohne Karriere beim CBI war unvorstellbar. Zumindest für Jane.
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Am nächsten Morgen erreichte das Team bereits vor dem offiziellen Arbeitstag ein Anruf. Sie wurden zu einem Mordfall gerufen.
Zuerst war Clara Andrews lediglich verschwunden gewesen, man hatte sich Sorgen gemacht, dies aber als einen Vorfall gewertet, der vorkommen konnte. Clara war an Demenz erkrankt.
Problematisch war es geworden, als man ihre Leiche gefunden hatte. Und sie war nicht die einzige geblieben. Demente Frauen waren an unterschiedlichen Wochentagen stets zwischen 7 und 9 Uhr verschwunden, mittlerweile waren es fünf.
Das CBI hatte man gerufen, als alle fünf mit abgetrennten Armen und Beinen gefunden hatte.
Als das Team mit Lanie im Kindersitz eintrat, bat sich die Frau des Sheriffs sofort an, auf die Kleine aufzupassen, was die Ermittlungsarbeit ungemein erleichterte. Lisbon fiel es zunehmend schwer sich zu konzentrieren. Nach Tag zwei schien es Jane, als würde sie sich allmählich an die Abwesenheit ihrer Nichte gewöhnen, wahrscheinlich weil sie erkannt hatte, dass Lanie sich in guten Händen befand. Sheriff Marlows Frau hatte selbst ein Kind in Madelaines Alter.
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Obwohl die Ermittlungen voranschritten, musste Teresa am zweiten Wochenende, das nahte, zurückfliegen. Die Urne ihres Bruders war zugestellt worden und eigentlich hatte sie vorgehabt, die Asche zu verstreuen, gemeinsam mit ihren beiden Brüdern, doch da beide keine Zeit gefunden hatten, nach Kalifornien zu kommen, stellte sie das Behältnis lediglich auf ihren Kamin, in der Absicht bald einen Ort zu finden, der perfekt für Adam wäre. Einen Ort, der besondere Bedeutung hatte. Zudem gab es Teresa die Chance, sich von ihm zu verabschieden und dies würde einige Tage benötigen.
Jane war verärgert über Tommys und James Abwesenheit, konnte es aber nicht ändern. Die Männer waren erwachsen und ahnten wahrscheinlich nicht, wie sehr sie ihre Schwester mit ihrer Nichtanwesenheit verletzten.
Tommy hatte angedeutet am Telefon, dass er mit James gesprochen habe, aber Teresa hatte das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte und als der Flieger landete, und Lisbon die Asche abholte, war es Jane, der sie im Arm hielt, als sie weinte. Es war freundschaftlich gewesen, beinahe geschwisterlich. Lisbon sprach an diesem Wochenende fast kein Wort mit ihm, kümmerte sich, so gut wie möglich, um Lanie, die die Gemütsveränderung ihrer Ziehmutter natürlich mitbekommen hatte.
Im Endeffekt war die CBI Agentin in seinen Armen auf ihrer Couch eingeschlafen. Teresa hatte ein paar wenige Details über Adams Kindheit preisgegeben. So erfuhr Jane, dass der jüngste Bruder stets der erste war, der in der Früh wach war und alle aufgeweckt hatte, bis Teresa ihn einmal zu sich ins Bett geholt hatte und ab diesem Tag, hatte er niemanden mehr aufgeweckt. Er war jeden Morgen zu ihr unter die Decke gekrabbelt, hatte sich an sie geschmiegt.
Einmal, da war Beatrix bereits verstorben, hatten Tommy und James Adam im Garten an einem Baum gebunden und vorgegeben, dass Indianer dies immer wieder taten, um ihre Brüder besonders zu ehren. Sie warne den gesamten Nachmittag nicht mehr in den Garten gekommen und Adam war zu verschreckt gewesen, um zu schreien. Nicht nur zu verschreckt, er dachte auch, dass es etwas Besonders war. Teresa fand ihm an diesem Herbsttag vollkommen unterkühlt, als sie von der Schule nachhause kam, und ihr Vater prügelte Tommy und James windelweich, als er nachhause kam. Dieses eine Mal, meinte Teresa, hatten sie es beinahe verdient. Adam hatte eine Lungenentzündung davongetragen.
Als er sieben war, schickten Tommy und James Adam von Haus zu Haus zu Halloween. Sie hatte ihm ein Kostüm seiner Brüder etwas aufgemöbelt. Bei seiner Rückkehr nahmen sie ihm alle Süßigkeiten weg – die Bezahlung für sein Kostüm. Adam hatte nicht verstanden, dass es sich um einen Streich gehandelt hatte und Teresa war es leid gewesen, zwischen ihnen zu schlichten. So kaufte sie ihm am folgenden Tag diverse Süßigkeiten, gemeinsam versteckten sie sie und von diesem Tag an, hatten sie ein gemeinsames Süßigkeiten versteck, welches Teresa immer wieder neu befüllte.
Im Endeffekt war sie an seiner Schulter eingeschlafen. Immer wieder blickte Jane auf sie herab und musste erkennen, wie zerbrechlich sie war. Natürlich gab sie Tag für Tag vor eine starke, unabhängige Frau zu sein, doch in Wahrheit hatte sie bereits mehr durchmachen müssen, als die Mehrheit ihrer Kollegen. Nicht nur der frühe Tod ihrer Eltern, die Pflicht ihre Geschwister großzuziehen – nein, es waren viele Kleinigkeiten. Der Missbrauch. Der Umzug nach San Francisco, um einen Neustart zu ermöglichen. Die ewige Hoffnung, dass keiner der Brüder auf die schiefe Bahn kommt. Und dann war er in ihr Leben getreten und hatte es weiter verkompliziert, da er selten mit ihr spielte sondern meist gegen oder parallel mit ihr.
Für die Außenwelt waren sie ein gutes Team. Sie schienen sogar zu harmonieren. Doch ihre Augendreher blieben nicht unbemerkt, genauso wenig die abgesenkten Mundwinkel, die dezent zusammengezogenen Augenbrauen oder der leicht nach vorne gesenkte Kopf, in Kombination mit der leicht verkrampften Mundmuskulatur und dem Blick in Richtung Boden. Jane wusste genau, dass er sie regelmäßig auf die Palme brachte und es beinahe ein Spiel war, das sie spielten.
Irgendwann, als es bereits seit Stunden dunkel war, trug er sie in ihr Schlafzimmer, zog die Decke über ihren viel zu leichten Körper und beobachtete sie, als sie schlief. Ihre Augenbrauen waren zusammengezogen und entspannt wirkte sie keinesfalls. Sie träumte, aber da sie keinen Laut von sich gab, war es schwer für Jane zu eruieren, ob es ein guter oder ein schlechter Traum war.
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Und der Anruf am Sonntagabend kam viel zu früh. Zu schnell. Zwei weitere demenzkranke Frauen waren entführt und ermordet worden. In San Diego. Der Vorgang war ident. Sie mussten in Richtung Süden reisen, um flexibler zu sein, fuhren sie mit dem Wagen, nahmen die lange Fahrt auf sich.
Grace konnte dieses Mal nicht mit ihnen reisen, da es eine wichtige Sitzung gab, an der sie teilnehmen musste. Deswegen hatte sie sich angeboten auf Lanie aufzupassen, damit die Ermittlungen rasch von statten gehen konnten.
Die Übergabe des Kindes und somit auch der Hausschlüssel war Teresa besonders schwer gefallen und am liebsten hätte Jane ihr all das abgenommen und wäre selbst in Sacramento geblieben. Doch der Polizeichef von San Diego vermutete Red John hinter den Morden und somit musste auch Jane auf der Bildfläche erscheinen, zumindest um den Schein zu waren. Den Schein deswegen, da Teresa und Jane bereits erkannt hatten, dass es nicht Red Johns Handschrift war, was die Arbeit des Serienmörders aber keinesfalls harmloser machte.
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„Vielleicht ist es ein Gehilfe?", stellte Rigsby fest, als er die Leichen genauer betrachtete.
„Wieso?"
„Es gibt keine Signatur, aber doch irgendwie erinnern mich die Morde an ihn."
„Gehilfe?", hakte Jane nach.
„Jemand der für ihn mordet oder uns auf diese Fährte lotsen soll."
Manche Spekulationen verliefen in den kommenden Tagen komplett im Sand. Es tauchte aber auch keine neue Leiche auf. Erst an Tag fünf wurden DNA Auswertungen übermittelt, die das Blatt schlussendlich wendeten. Es befanden sich zwei unterschiedliche Spuren auf der Kleidung der Toten – zwei unterschiedliche und doch verwandte. Brüder.
Dies veränderte natürlich den Suchraster ungemein. Das Profil.
Fünf weitere Tage und sie hatten die Mörder gefunden – Jackson und Joe Afranti. Zwei Afroamerikaner in den späten Vierzigern. Sie hatte eine äußerst dominante Mutter gehabt, die kurz vor den ersten Morden verstorben war, sie hatte an Demenz gelitten und das Leben ihrer Söhne stets dominiert gehabt.
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Teresa konnte es kaum erwarten, Lanie wieder in ihre Arme zu schließen und wollte Cho bereits bitten, schneller zu fahren, ließ es dann aber im Endeffekt. Jane fuhr Lisbon zu ihrem Haus und als sie bei diesem ankamen, wurden sie bereits herzlich empfangen. Lanie streckte ihren kleinen Arme nach Teresa aus, die sie freudig in die ihren schloss.
Jane fuhr einfach wieder weg, ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren. Grace wunderte sich über sein Verhalten, ließ sich aber nichts dergleichen anmerken. Mit nun leeren Armen ging sie hinter Teresa ins Haus und schloss die Türe.
Am Ofen kochte ein frischer Gemüseeintopf vor sich hin, den man auch pürieren und danach an Lanie verfüttern konnte, da noch alle Gewürze fehlten.
Auf dem Esstisch stand ein Korb mit gebügelter Wäsche – Janes und ihrer, ebenso einige Babysachen.
„Irgendwie musste ich mir die Zeit vertreiben, als Lanie schlief"; kommentierte sie. „Doch wenn du nicht möchtest, dass deine Kollegen herausfinden, dass Jane hier wohnt, dann sollte seine Wäsche nicht ebenso im Wäschkorb sein …"
„Er wohnt hier nicht."
„Nein?"
„Nein, er hat mir mit Lanie geholfen und ein paar wenige Male auf der Couch geschlafen. Nicht mehr."
„Sicher?"
„Sicher", erklärte sie und wusste, wie sie sich anhören musste. Klang sie überzeugend? Das hoffte sie, ihr selbst viel es allerdings schwer, sich selbst zu glauben. Daran musste sie eindeutig arbeiten.
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Ende Kapitel 9
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