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Kapitel 18

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Am Abend lag sie schließlich alleine in ihrem großen Bett und langsam ging ihr alles noch einmal durch den Kopf. Sie fror, obwohl sie einen Pyjama trug und die Heizung eingeschalten war. Sie fror, weil sie wusste, dass sie in dieser Nacht keine Ausrede hatte, nicht durchschlafen zu können, da Jane sich um Lanie kümmern wollte. Brauchte sie denn eine Ausrede? Es war wahrscheinlich ihre Art die geringe Menge an Schlaf vor sich selbst zu rechtfertigen.

Es dauerte lange, bis ihre Augen zufielen und sie Janes Worte, dass er nun seinen Ehering abgelegt habe, nicht mehr hörte, ihn nicht mehr sah. Immerhin hatte der Mann, der nun wahrscheinlich bereits im Erdgeschoß ihres Hauses im Bett lag, sein Haus in Malibu für sie verkauft. Er hatte ihretwegen seinen Ehering abgelegt und auf seine Art und Wiese mit seiner Frau und Tochter Frieden geschlossen, ohne dass sie Red John gefunden hatten, er ihn richten konnte. Nun war er frei. Frei für eine gemeinsame Zukunft, würde sie ihm eine Chance geben.

Bis zu diesem Tag hatte sie ihn stets kritisiert, obwohl er innerhalb eines dreiviertel Jahres sein komplettes Leben umgekrempelt hatte. Patrick hatte mehr verändert als in den letzten zehn Jahren. Und wofür? Sie hatte kein Danke verloren, nein, innerlich hatte sie bereits neue Bedingungen aufgebaut, die sie von ihm distanzieren würden, Barrikaden, die sie eigentlich abbauen wollte. Teresas geringstes Bedürfnis war es, dass etwas zwischen ihnen stand, sie war zu müde, um diese aufrecht zu erhalten.

Bevor sie eingeschlafen war, hatte sie ihre Hand auf die Wölbung ihres Bauches gelegt und geflüstert: „Ach Kleines, auch wenn es nicht einfach werden wird, aber du hast einen guten Vater verdient und er möchte dir einer sein. Also sollten wir ihm diese Chance geben." Ihre Stimme war leise gewesen, so dass nur sie sie hören konnte. Was sie nicht sagte, sich aber dachte war, dass sie es nicht nur für das Baby tat sondern auch für sich, aber auch um dies nur zu artikulieren, war sie zu nervös und unsicher.

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Nach einer Nacht, in der sie endlich wieder durchgeschlafen hatte, ging sie frisch geduscht ins Wohnzimmer, aus dem sie schon Janes Stimme hörte, wie auch das Lachen eines Kleinkindes. War es das, was sie all die Wochen vermisst hatte? Sollte es genau so sein? Ein Haus, ein weißer Zaun, zwei Kinder und ein Mann, der ein fremdes Kind als eigenes aufgenommen hatte?

Zwischen Lanie und Patrick herrschte eine Herzlichkeit, die sie bei ihrem Vater und einem ihrer Brüder nie erlebt hatte. Sie selbst war bis zu Tommys Geburt einfach immer nur „eine Tochter" gewesen. Wenn man Mr. Lisbon nach seinem Kind gefragt hatte, hatte er niemals ihren Namen genannt, dafür war er viel zu sehr enttäuscht gewesen, dass Gott ihm lediglich ein Mädchen geschenkt hatte, nein, er sagte immer nur „eine Tochter" und das auch noch, als die drei Jungs bereits auf der Welt waren – „Sie heißen Tommy, James und Adam, und dann habe ich noch eine Tochter." Diesen Satz hatte sie so oft gehört, dass ihr alleine beim Gedanken daran wieder schlecht wurde. Schließlich war sie ein Sexobjekt für ihn, das Objekt seiner nächtlichen, betrunkenen Begierde. Die damaligen Erlebnisse waren es, die sie unfähig machten, Beziehungen einzugehen, einem Mann wirklich zu vertrauen – einst hätte sie für ihren Vater alles getan, doch sie wusste, was das Resultat war. Niemandem hatte sie jemals von den sexuellen Übergriffen ihres Vaters erzählt, ausgenommen Elliot. Jetzt war sie nicht mehr in der Lage, auf ihr Herz zu hören. Und seitdem sind mehr als zwanzig Jahre vergangen und sie tat alles um zu vergessen, alles. Jeden einzelnen Tag verdrängte sie die Erinnerungen an ihn – seinen Geruch, wie sich seine Hände anfühlten – und jeden einzelnen Tag gewann sie, bis sie alleine in ihrem Bett lag, dann passierte es immer noch, dass es sie überkam. Doch seitdem Lanie in ihr Leben getreten war, war dies nicht mehr vorgekommen. Sie hatte früher irgendwann damit Leben gelernt und sich damit abgefunden, dass sie nach dem x-ten Clubbesuch, nachdem sie alleine nachhause gegangen war, vielleicht wirklich für Beziehungen nicht geschaffen war. Und nun stand sie vor dem genauen Gegenteil – Haus, Mann, Kind. Kinder eigentlich.

Als sie schließlich mit warmen Socken und im Morgenmantel in der Küche stand, sich eine Tasse entkoffeinierten Kaffee machte, kam ihr Jane mit Lanie, die sichtlich Spaß hatte, entgegen.

„Wie lange bist du im Krankenstand?", fragte Jane vorsichtig, nachdem er ihr einen schönen Morgen gewünscht hatte.

„Der Arzt möchte, dass ich mich eine Woche schone", erklärte sie und machte eine kurze Pause, „Also kann ich ja im Büro …"

„Du wirst es nicht riskieren, Teresa. Du schonst sich zuhause, bleibst auf der Couch. Ich kümmere mich um alles", sagte er bestimmt, so bestimmt, dass sie sich nicht traute, ihm zu widersprechen. Eigentlich hatte sie protestieren wollen, doch dann war ihr bewusst geworden, dass sie in den letzten Monaten keinen einzigen Tag Zeit hatte, wirklich Luft zu holen, die Beine hochzulegen und zu entspannen, also besann sie sich eines Besseren. Sie durfte es wirklich nicht riskieren, noch einmal ins Spital eingeliefert zu werden, sonst lief sie Gefahr, dass sie ihre Schwangerschaft als „highrisk" deklarieren würden, unter anderem aufgrund ihres Alters, und sie eventuell das Spital bis zur Geburt nicht mehr verlassen durfte. Zudem war das Wesen in ihr einfach zu wertvoll, um es zu verlieren.

„Ich möchte, dass heute ein Tischler und Installateur kommen, um sich den Keller anzusehen. Ein Saunabauer kommt später. Dann kommt heute am Nachmittag noch eine Sicherheitsfirma und installiert ein hochmodernes Sicherheitssystem. Ich hoffe, dass dich das nicht stört", fragte er vorsichtig, gegen Ende war seine Stimme immer leiser geworden.

„Kein Problem", sagte sie kurz. Es war ihr nicht egal, bei Gott nicht, aber es war sein Haus und der Keller war sein Bereich, das war vom ersten Tag an festgestanden. Würde er dort eine Sauna haben wollen, sollte er sie haben. Und in Sachen Alarmanlage hatte sie selbst bereits Erkundigungen eingeholt, war aber noch nicht dazugekommen, Vergleiche anzustellen.

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In den kommenden Tagen gingen Fremde im Haus ein und aus. Alle Männer nahmen an, dass sie ein Paar waren und sprachen sei auch mit „Mrs. Jane" an. Sie nahmen an, dass sie eine Familie waren. Eine Familie.

Von Jane sah sie nicht viel, da er die meiste Zeit im Keller verbrachte und aktiv bei der Umgestaltung mithalf, allerdings stand er jeden einzelnen Abend frisch geduscht am Herd und bereitete Abendessen, spielte mit Lanie und fragte Teresa tausend Sachen zu ihrer Schwangerschaft. Außerdem brachte er ihr jeden Abend eine andere Kleinigkeit von seinem Einkauf mit: ein Kochbuch für Kinderkost, ein Tagebuch für werdende Mütter, einen speziellen Tee. Viele Kleinigkeiten. Und genau das erfreute Lisbon, sein Bemühen beobachten zu können – sie war all das nicht gewöhnt, weder von ihm noch von jemand anderem. Er war so anders als vor einigen Monaten, wie ausgetauscht – nicht, dass er sich damals nicht um sie und Lanie gekümmert hätte, nein, er war auch damals der perfekte Vater für Lanie gewesen, doch versuchte er nun mehr zu sein, und all das nur, weil sie sein Kind unter dem Herzen trug.

Nach fünf Tagen begann Lisbon sich allmählich körperlich nach ihm zu sehnen, nachdem sie ihn immer wieder im Keller erblickt hatte – mit entblößtem Oberkörper, verschwitzt. Diese körperliche Sehnsucht hatte sie noch nie für einen Mann empfunden. In ihren eigenen Augen war sie kein sexuelles Wesen und wurde daher auch nicht von Lust getrieben – weder von Lust noch von Frust – und nun stand sie am sechsten Abend in langen Pyjamahosen und einem enganliegenden Top in der Küche und überlegte, was sie tun sollte. Immer wenn sie die Augen geschlossen hatte, sah sie Jane vor sich. Jedes einzelne Mal und fand daher auch keinen Schlaf. Es wühlte sie auf. In dieser Art und Weise war es eine ungewohnte Empfindung.

Janes Türe stand offen. Es war bereits nach ein Uhr in der Früh, Ruhe war vor Stunden im Haus eingekehrt. Vorsichtig und darauf bedacht, keine Geräusche zu machen, wanderte sie zu Janes Schlafzimmertüre, wenige Augenblicke später befand sie sich neben seinem Bett. Es war nicht so breit wie ihr eigenes und er hatte sich für dunkelgrüne karierte Flanelllaken entschieden.

So friedlich und ruhig lag Jane da und schlief. Sein Haar war zerwühlt. Seine ringlose Hand lag auf dem Kopfpolster neben ihm, zwei Handtücher am Boden neben dem Bett. Ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen, glitt Teresa unter die Laken neben ihm. Einen Moment später hatte Jane, noch immer schlafend, sie zu sich gezogen, murmelte etwas in ihr Ohr – etwas komplett Unverständliches. Schließlich presste er seine Lippen gegen ihren Hals. Zum ersten Mal seit Wochen entspannte Teresa sich wirklich, ihr gesamter Körper erschlaffte in seinen Armen, alle Muskeln. Sie schlief den Schlaf der Toten. Tief und fest. Die dunkelhaarige Frau hörte nicht, wie Lanie gegen sieben leise Geräusche machte und Jane sie zu sich holte, sie im Bett neben ihn legte. Da sein Bett gegen eine Wand geschoben war, stellte es kein Problem dar, das Mädchen sicher auf dem Bett unterzubringen, noch war die Kleine nicht mobil genug, um die Flucht ergreifen zu können.

Jane war verwundert gewesen, als er Teresa neben sich schlafend vorfand, als er seine Augen geöffnet hatte. Auf der einen Seite, war ihm bereits eine Veränderung in der Nacht vorgekommen, irgendwas hatte er bemerkt gehabt. Auf der anderen Seite hatte er von ihr geträumt – dem Geruch, ihrer weichen Haut. Mit Lanie auf der einen Seite, schmiegte er sich wieder an Teresa und beobachtete seine beiden Frauen sorgfältig.

Zwei Stunden später wachte Teresa zum ersten Mal auf und fand Janes Hand auf ihrem Bauch vor. Sie hatte sich mit der Wölbung mittlerweile abgefunden und sie zeichnete sich trotz des frühen Stadiums ihrer Schwangerschaft deutlich ab – beinahe 14 Wochen. In vielen Büchern hatte sie gelesen, dass bei den meisten Frauen nun ein Bauchansatz zu sehen sein würde – bei ihr war es scheinbar anderes. Vielleicht war es ihre geringe Größe oder ihre schlanke Figur, der Fakt dass sie den Sport von hundert auf null reduziert hat, nur selten Zeit zum Laufen fand. Oder es waren die Gene. Nicht, dass sie ihr Bäuchlein nicht schön fand, nein, immerhin war es für sie doch irgendwie ein Wunder – dreimal mitsammen geschlafen und schon ward ein Kind gezeugt.

Teresa legte ihre Hand auf die seine und führte sie zusammen – von Janes Atmung zu schließen war er wach – an ihre Brust, die so empfindsam geworden war in den letzten Wochen. Ihre Augen geschlossen, der Mund leicht geöffnet. Patrick musste mit dem Daumen nur zweimal leicht über ihre Brustwarzen fahren und schon zeichneten sie sich senkrecht unter dem Top ab, pressten sich gegen den dünnen Stoff.

„Teresa", stöhnte er leise auf, presste seine morgendliche Erektion an ihre Hüfte.

„Patrick", murmelte sie vor sich hin.

Janes Hand liebkoste weiterhin die bedeckte Brust, entlockte ihr liebliche Laute, die er so von ihr gar nicht kannte, war ihr Liebesspiel das erste Mal doch alles nur nicht romantisch und langsam gewesen. Weiterhin presste er sein Glied gegen sie, rieb sich leicht an ihr. Einige Zeit ging all dies gut, doch als Patrick kurz davor war, Erlösung zu finden, riss Lanie ihre Augen auf – die immer noch einen halben Meter entfernt von ihnen geschlafen hatte, schrie auf und in diesem Augenblick war die gesamte Stimmung verflogen – was Jane allerdings nicht von seinem Problem befreite.

Lanie krabbelte zu Teresa, schmiegte sich an ihre Brust, so wie sie es so oft in den letzten Wochen getan hatte und starrte sie mit ihren großen Augen an.

„Gut geschlafen, mein Engelchen?", fragte Lisbon, wissend, dass sie noch keine wirkliche Antwort von dem Mädchen bekam. Es war aber eine Art Ritual geworden zwischen Mutter und Tochter, diese wenigen Minuten in der Früh gemeinsam zu verbringen, seitdem Lanie wieder in Teresas Bett geschlafen hatte.

Ohne ein Wort zu verlieren verschwand Patrick im Bad, seine Erektion versuchte er erst gar nicht zu verbergen, es wäre auch ein sinnloser Versuch gewesen.

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An diesem Tag waren die Handwerker zum letzten Mal im Haus und stellten die Sauna und den gesamten Wellnessbereich fertig. Jane hatte sich für große Schiefplatten entschieden, in einem dunklen Grau. Der kleine Wirtschaftsraumbereich war durch eine eingezogene Wand abgetrennt worden und verbarg nun Waschmaschine und Trockner. Die Sauna war ein finnisches Modell mit einem klassischen Holzsaunaofen, Jane hatte einen neumodischen, den man mit Kohle oder sogar elektrisch heizen würde, abgelehnt. Neben der Sauna stand nun ein großer Whirlpool, der beinahe in den Boden eingelassen war, nur etwa dreißig Zentimeter ragten aus dem Boden – so war ein sanfter Einstieg gewährleistet. Außerdem hatte Jane zwei Wellnessduschen installieren lassen – der gesamte Wellnessbereich war beinahe so groß wie das Wohnzimmer, welches sich darüber befand. .

Am Nachmittag war Teresa lange mit Lanie spazieren gewesen, da das erste Mal seit Wochen wirklich die Sonne geschienen hatte, obwohl die Temperaturen immer noch zu niedrig für die Jahreszeit waren. Zum Nachtmahl verspeisten sie dieses Mal gemeinsam frisch gemachte Pizza aus dem eigenen Rohr und sahen sich ein Basketball-Spiel an.

„Schlaf heute bei mir", sagte Lisbon leise, vorsichtig beinahe Angst erfüllt, Angst vor einer Zurückweisung.

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Ende Kapitel 18

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A/N: Wenn man als erwachsener Mensch in Korrekturarbeit ertrinkt, ist das kein besonders gutes Zeichen, daher würde ich mich natürlich umso mehr über Feedback aller Art freuen … also Drop me a line …

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