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Kapitel 19

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Schlaf heute bei mir", sagte Lisbon leise, vorsichtig beinahe Angst erfüllt, Angst vor einer Zurückweisung.

Unsicher in seinem Verhalten nickte Jane ihr zu. Vielleicht waren es zweit Schritte in die richtige Richtung nach letzter Nacht, vielleicht würde es bedeuten, dass sie zwei Schritte zurück machen, wenn sie nun mitsammen im selben Bett schlafen würde. Aber wenn Patrick es nicht riskieren würde, wäre vielleicht alle vorbei. Für immer.

Also saßen sie den gesamten restlichen Abend nervös nebeneinander und gaben vor, das Spiel zu beobachten. In Wahrheit studierte der eine eher den anderen – sein Verhalten, den Blickkontakt, den man suchte.

Schließlich war es, nachdem sie noch die Küche aufgeräumt hatten, beinahe Mitternacht und somit an der Zeit, sich ins die passenden Schlafgemächer zurückzuziehen.

Auf der einen Seite hätte Jane gerne Zahnbürste genommen und sie in Lisbons Badezimmer gelegt, doch er entschied sich im Endeffekt nur für seinen Polster, ein paar Boxershorts und ein weißes T-Shirt, letzteres zog er an, bevor er hinaufging.

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Ruhig war Teresa nicht, als sie die Stiegen zu ihrem Schlafzimmer erklommen hatte und nun vor der Entscheidung stand, das passende Schlafgewand für diesen Abend auszuwählen. Sie könnte sich für etwas Aufreizendes entscheiden, doch dann würde sie zu willig und zugleich billig wirken. Wäre es ihr normaler Pyjama, wäre es ihm vielleicht zu wenig. Nur was wollte sie überhaupt von ihm in dieser speziellen Nacht. Seine Nähe? Mehr?

Plötzlich klopfte es an ihrer Türe. Jane stand mit seinem unschuldigen Blick in der Türe, ebenfalls nicht ganz ruhig, das war offensichtlich – er stieg von einem Bein auf das andere. Immer noch trug sie keinen Pyjama sondern ihre normale Kleidung, die sie zuhause in den letzten Tagen getragen hatte. Sie blickte sich unsicher um.

„Stress dich nicht", sagte er leise und kam auf sie zu, legte ihr die Hände von hinten auf die Schultern.

Letzte Nacht hatte sie seine Nähe gesucht und beinahe wäre es zu mehr gekommen, wäre Lanie nicht gewesen und nun waren sie alleine, das Baby schlief tief und fest. Niemand würde sie unterbrechen.

„Ich …."

„Soll ich dich alleine lassen, bis du …?"

„Oh … nein, ich gehe ins Badezimmer."

„Du weißt, dass du das nicht brauchst."

Fragend sah sie ihn daraufhin an. Wollte er, dass sie sich vor ihm umzog? Ohne ihm darauf zu antworten, ging sie mit dem Pyjama der letzten Nacht in der Hand ins Badezimmer und lehnte die Türe an. Ihr Herz schlug schneller. Macht sie das Richtige? Oder war es ein großer Fehler?

Fünf Minuten später kam sie wieder heraus, nachdem sie ihr Gesicht gereinigt, Zähne geputzt und von 50 bis null gezählt hatte. Jane stand immer noch am Fenster, dort wo sie ihn verlassen hatte.

„Jane?", sagte sie zögerlich.

Teresa setzte sich auf die Seite des Bettes, auf der sie meistens schlief und wartete auf seine Reaktion. Nach einigen Augenblicken drehte er sich um und wartete auf eine weitere Reaktion ihrerseits. Doch Lisbon saß nur im Bett, hatte ihre Beine unter die Decke geschoben und lehnte sich an die Pölster. Kurz schloss sie die Augen.

„Wenn du möchtest, kann ich auch in meinem Zimmer …"

„Nein, Patrick. Ich möchte das hier. Gestern Nacht schien nur alles einfacher zu sein."

Mit einer Handbewegung schaltete Jane das Licht im Zimmer aus und kletterte ins Bett neben Teresa und ließ sich schließlich hinabgleiten auf seinen Polster, bis er in einer liegenden Position war.

„Möchtest du nicht …"

„Oh ja …"

Dann glitt auch sie komplett in die liegende Position und blieb am Rücken liegen. Einige Minuten herrschte absolute Stille im Raum, kein Geräusch war zu hören, außer das Atmen zweier Personen. Schließlich drehte sich Jane zu Teresa und ließ seine Finger über ihre Lippen gleiten. Er hatte ihre Weichheit vergessen. Vorsichtig und auf eine Reaktion von ihr wartend, zog er sie schließlich etwas näher an sich heran. Doch es kam keinerlei Gegenwehr. Auch nicht, als seine Lippen zart die ihren berührten, als wäre es das erste Mal, dass sie sich küssten. Das aller erste Mal. Anfänglich war es lediglich eine Berührung, schließlich entwickelte es sich, über die Minuten hinweg, zu etwas mehr, aber nicht heftig und leidenschaftlich. Es war eher ein Abtasten.

Auch als seine Hand ihre Wange berührte, wurde der Kuss nicht intensiver. Irgendwann lag Teresas Kopf an seiner Brust, seine Hand an ihrem Bauch und genauso schliefen sie ein.

Sie brauchten keinen Sex, um einander nahe zu sein und genau diese Nähe war es, nach der sich beide so sehr in den letzten Wochen gesehnt hatten. Der Körperkontakt reichte für Lisbon aus, um einzuschlafen und am Morgen so ausgeschlafen wie noch nie zuvor aufzuwachen. Außerdem hatte Lanie sie nicht um fünf oder sechs Uhr geweckt, viel mehr war es acht Uhr gewesen, als die Polizistin von selbst aufwachte, Janes Hand unter ihrem T-Shirt, ihre Brust umfassend. Sie musste lächeln. Im Endeffekt war er auch nur ein Mann. Hatte sie sexuelles Verlangen nach ihm in diesem Moment? Ein klares Nein wäre gelogen, doch war es mehr dieses Beisammensein, das ihr ein gewisses Gefühl des Schutzes gab, sie fühlte sich – obwohl Red John nicht gefasst war – sicher. Sie hatte schon so lange nicht mehr an diesen Mann gedacht.

In den Wochen von Janes Abwesenheit hatte sie versucht ihn zu hassen, ihn zu vergessen. Und nun lag er neben ihr, roch so gut nach einfach nur ihm und seinem Duschgel und eine Hand war so warm. Sie versuchte sich etwas zu bewegen, doch das ließ Jane nicht zu, er umfasste ihre Brust fester, strich mit dem Daumen über ihre zusammengezogene Brustwarze, die sich unter seiner Berührung aufgerichtet hatte. Obwohl sie versuchte, lediglich seine Wärme zu genießen, betrog sie ihr Körper. Lisbon stöhnte auf, reflexartig bog sich ihr Rücken durch, presste sich fester gegen seine Hand.

In diesem Augenblick erwachte Jane, der nur noch vor sich hingedöst hatte und strich abermals über die aufgerichtete Brustwarze. Dieselbe Reaktion wurde ihm dargeboten. So landete sein Mund Sekunden später an ihrem Hals, sein Körper zwischen ihren Beinen und seine Hände zogen ihr im selben Moment ihr T-Shirt über den Kopf. Kurz hielt er über ihr inne. Studierte ihren veränderten Körper, die weitaufgerissenen Augen mit den geweiteten Pupillen, den geöffneten Mund, der kein Wort hervorbrachte. Und schließlich begann er zärtliche Küsse an ihrem Schlüsselbein zu platzieren, glitt allmählich ihren Brustkorb entlang, bis er an ihrer Brust angekommen war. Mit jeweils einer Hand umschloss er eine Brust, wog sie, studierte ihre neue Fülle, bevor er begann mit seiner Zungenspitze ihren rechten Warzenhof nachzuziehen. Lisbon stöhnte auf, wollte mehr. Aber er zögerte, ließ sie warten. Zwar waren seine Lippen und Zähne am Werk, aber er bewegte sich nicht vom Fleck.

„Jane … bitte …!", verlangte sie, aber Jane ignorierte ihr Flehen mit einem breiten Grinsen, das sie nicht sehen konnte.

Ihr gesamter Körper schien zu brennen, überall kribbelte es. In ihrem Unterleib spürte sie ein Ziehen, ein Verlangen der ganz neuen Sorte. Ja, sie hatten bereits mitsammen geschlafen, doch das war rasch und unüberlegt gewesen, gefolgt von einigen weiteren Malen, die ebenso wenig geplant gewesen waren. Doch war alles schnell und ohne viele Worte gewesen, man hatte sich nicht wirklich die Zeit genommen, jeden Millimeter des Körpers des Anderen zu erforschen. Und genau das tat Jane nun. Er hatte sich jedes Muttermal, jede Sommersprosse an ihrer Brust eingeprägt, die umso ausgeprägter waren, umso eher die Hautstelle im Sommer in die Sonne kam.

Als er von ihrer Brust abließ, vernahm Jane einen Laut der Enttäuschung, doch bevor Teresa noch etwas sagen konnte, waren seine Lippen bereits an der Wölbung ihres Bauches angekommen. Als sie im Spitalbett gelegen war, hatte er den Umfang seines Kindes noch nicht in diesem Ausmaß wahrgenommen, erst in den letzten Tagen, als sie weniger darauf geachtet hatte, was sie in seiner Nähe trug, hatte er bemerkt, dass ihre Schwangerschaft mehr als nur sichtbar war. Bei Angela hatte man den Bauch erst am Anfang des fünften Monats wirklich gesehen, Lisbon hingegen konnte den ihren nicht mehr verbergen, so offensichtlich war er.

In Janes Augen war sie immer eine zarte, kleine Frau gewesen, deren Kräfte man nicht unterschätzen durfte. Sie war nicht der Muttertyp für ihn gewesen, doch nun, da seine Hände über ihren Bauch und die schwindende Taille wanderten, seine Lippen hunderte Küsse platzierten, erkannte er, wie sehr er sich damals geirrt hatte. Teresa hatte diese Seite einst einfach nicht zugelassen. Und nun würde er bald zum zweiten Mal Vater werden und es gab Lanie, die ihn als Vater ansah und er wollte diese Rolle auch übernehmen.

„Patrick", stöhnte Lisbon, als seine Zunge ihren Nabel berührte. Sie war in den letzten Wochen so empfindlich geworden, hatte aber keine Zeit gehabt, diese neuen Gefühle und Empfindungen wirklich zuzulassen, zu sehr war sie mit ihrem Ärger über Jane und sein Verhalten, dem Haus, Lanie und ihrem Job beschäftigt gewesen.

Mit seinen Lippen brachte er sie in Folge zweimal zum Höhepunkt, stellte seinen eigenen Gefühle und Wünsche in dieser Nacht hinten an. Patrick wusste, dass wenn sie Sex haben würden, er sich nicht zurückhalten können würde und davor würde er die Erlaubnis eines Arztes dafür haben wollen, wissen wollen, dass mit dem Baby alles in Ordnung war, der Geschlechtsverkehr keine Gefahr darstellte.

Und die Frau in seinem Bett, war nach ihrem zweiten Orgasmus eingeschlafen, hatte mehrmals seinen Namen ausgerufen und war mit diesem auf ihren weichen Lippen eingeschlafen. Er hatte ihr friedliches Gesicht über einst Stunde studiert, die Hand, die beschützend über ihrem Bauch lag.

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Als Lisbon in der Früh aufwachte, war es bereits nach acht Uhr und sie lag alleine, nackt in ihrem Bett. Verwundert sah sie sich um. Janes T-Shirt lag noch neben ihr im Bett und sie lag scheinbar auf seinem Kopfpolster, da er nicht zu ihrem Bettüberzug passte.

Unsicher und sich zugleich erinnernd, was letzte Nacht passiert war, ließ sie sich erneut auf den Kopfpolster zurückfallen und schloss einen Moment die Augen. Er hatte sie befriedigt. Oral. Das war nicht der Plan gewesen.

In dem Moment, in dem sie erneut den Anlauf wagen wollte, aus dem Bett zu steigen, kam Jane mit Lanie und einer Tasse Tee in der Hand ins Zimmer.

„Patrick", murmelte Lisbon und zog das Laken über ihren nackten Körper, als gäbe es etwas, das er noch nicht gesehen hatte.

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Ende Kapitel 19

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A/N: Kurz aber auf Wunsch noch dieses Jahr.

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