A/N: Ich wollte es eigentlich nicht so schnell online stellen, aber aufgrund der Reaktionen auf Kapitel 21 ist es dann doch notwendig geworden. Also … don't kill me!
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Kapitel 22
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Kate ging ohne ein Wort zu sagen die Treppe hinauf, flüchtete richtig vor all den Fragen, die ihr eventuell gestellt werden konnten. Doch es war nicht Castles Art, sie gehen zu lassen. Zehn Minuten Vorsprung gewährte er ihr, bevor er kurz Alexis Bescheid gab, dass er zu Bett ginge und dann in den Stock verschwand.
Die dunkelhaarige Mutter seines ungeborenen Kindes lag zusammengekauert auf dem neuen Bett. So hatte Rick sich die erste Nacht in der gemeinsamen Bleibe nicht vorgestellt.
Die Vorhänge waren nicht vorgezogen, so illuminierte die New Yorker Straßenbeleuchtung dezent das Zimmer. Kate hatte sich nicht die Mühe gemacht, die Tagesdecke zu entfernen. Nein, sie lag mit angezogenen Beinen auf dem Bett, das sie mit Lanie zuvor überzogen hatte.
Ohne ein Wort zu sagen, legte sich Castle hinter sie. Sie zuckte nicht zusammen, blieb stumm. Doch dem Zittern ihres Körpers konnte er entnehmen, dass sie weinte. Wahrscheinlich hatte sie vieles von ihrem Vater erwartet, aber das offensichtlich nicht.
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Als Castle den Raum betrat, hatte sie bereits den Schatten aus dem Flur gesehen, bemerkt, wie jemand das Licht abdrehte.
Dass ihr Vater tendenziell immer wieder von einem Extrem in ein anderes rutschte, war ihr bekannt. Direkt nach dem Tod ihrer Mutter war es der Alkohol gewesen, dann waren es Frauen. Eine kurze Zeit hatte er gespielt, bis sie ihn finanziell limitierte. Sie hatten damals eine Selbsthilfegruppe gefunden, die Trauerarbeit leistete und mit dieser hatte er Johannas Tod Stück für Stück aufgearbeitet.
Als Johanna ermordet worden war, hatte Kate sich erhofft, in ihrem Vater eine Stütze zu finden, im Endeffekt musste sie für ihn stark sein. Sie wechselte von Stanford nach New York auf die Polizei-Akademie. Ließ alle Träume hinter sich, die sie mit ihrer Mutter gemeinsam aufgebaut hatte. Von nun an drehte sich alles in ihrem Leben lediglich um die Suche nach dem Mörder ihrer Mutter. Und damit machte sie das Leben ihres Vaters nicht einfacher.
Mehrmals hatte sie in gemeinsamen Sitzungen mit Psychiatern oder in der Selbsthilfegruppe zu hören bekommen, dass es unter anderem ihre Schuld war, dass er mit der Ermordung nicht abschließen konnte, dass es ihr Leben erfüllte. Ihrem Leben erst einen Sinn gab. Und somit machte sie es scheinbar für Jim unmöglich, Fortschritte zu machen.
Meist hatte sie sich nachher gesagt, dass es alles Blödsinn sei. Man mit der Ermordung einer geliebten Person erst dann abschließen könne, wenn der Mörder gefasst war. Alles andere erschien Kate unlogisch.
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Vorsichtig legte er einen Arm um sie, schob einen unter den Polster auf dem ihr Kopf lag. Obwohl sie weinte und Katherine Beckett es niemals zuließ, dass man sie weinen sah, war es Rick nun doch erlaubt, sie zu halten. Seine Brust war an ihren Rücken gepresst, seine Knie berührten ihre Kniebeuge. Und er zog die Decke, die am Ende des Bettes drapiert worden war, über sie.
Die freie Hand strich sanft über ihren Bauch, ihre Seite, ihre Wange, ihren Hals. Es hatte nichts Erotisches.
Langsam beruhigte Kates sich, das Weinen verebbte. So ließ Rick seine Finger über die feuchten Wangen wandern, wischte vorsichtig die Tränen weg. Er verstand nicht, was gerade vorgefallen war. Wieso Jim so reagiert hatte, wie er reagiert hat. Religion? Kirche? Das war alles mehr als nur neu für ihn und scheinbar war es das für die Frau, die neben ihm lag, ebenso.
Alles könnte so einfach sein, wenn er nun endlich alle Schichten der Beckett-Zwiebel verstehen könnte. Sie könnten eine Familie sein, eine kleine aber feine Familie.
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Irgendwann kam seine Hand unter ihrer Brust zum Ruhen. Seine Hände waren so groß, dass sie beinahe ihren gesamten unteren Brustkorb einnehmen konnte. Wenn seine Hand auf ihrem Rücken lag, hatte sie stets das Gefühl, dass er leicht seine Finger über ihren gesamten Rücken spannen konnte.
Nun strahlte er die Wärme aus, nach der sie sich in den Minuten, die sie alleine hier verbracht hatte, gesehnt hatte. Körperliche Wärme. Es war etwas, das sie stets mit ihrer Mutter verbunden hatte. Sobald Kate als Kind oder Teenager geweint hatte, hatte sie sich in ihrem Zimmer verkrochen. Dann war Johanna gekommen und hatte sich an sie geschmiegt. Doch nun war es anders. Der Mann hinter ihr war der Vater ihres Kindes, der Mann, der ihr Leben innerhalb weniger Augenblicke bereits mehrmals verändert hatte und der scheinbar alles machen wollte, um sie an sich zu binden.
Kate legte ihre Hand auf die seine, verschränkte seine Finger mit den seinen. So intim waren sie seit der Zeugung ihres Kindes nicht mehr gewesen und die dunkelhaarige Frau rechnete es ihm hoch an, dass er nicht einmal annähernd versuchte, seine Berührungen sexuell werden zu lassen.
Das Zimmer roch noch immer leicht nach Farbe, aber das Feuer im Kamin und das gekippte Fenster hatten seine Wirkung getan.
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Ricks Augen wanderten über das Zimmer. Es war so groß wie das seine, wirkte aber vollkommen anders. Ihr Bett stand irgendwie anders, oder war es nur die blaue wand, die hinter dem Bett existierte? Sie hatte einige Möbelstücke aus ihrer alten Wohnung übersiedelt. Einen Ohrensessel, viele Polster, einige kleine Regale und eine alte Kommode. Alle Gegenstände waren nicht all zu dunkel in ihrer Erscheinung und so erschien das Zimmer heller als das seine. Blau dominierte den Raum. Er hatte gelernt, dass es Kates Lieblingsfarbe war, auch wenn sie sie selten trug.
Allmählich wurde ihre Atmung ruhiger, regelmäßiger und tiefer. Rick verschwand nicht, hielt sie weiterhin. Obwohl er genau wusste, dass der heutige Abend viel in der Beziehung zwischen Kate und ihrem Vater zerstört haben muss, genoss er den Moment. Sie ließ es zu, dass er ihre verletzbare Seite sah, dass sie nicht aus Stein war. Natürlich hatte er das bereits gewusst, aber sie gehörte nicht zu den Menschen, die es gerne billigte, dass jemand sah, dass sie weinte. Dass sie immer noch um ihre Mutter trauerte. Dass sie teilweise nicht wusste, wie es mit ihrem Leben weitergehen sollte. Und das wusste Rick. Über die Jahre hatte er viele dieser Stadien mit ihr erlebt. Am liebsten lief seine Kate weg, bevor sie private Gefühlte zeigte, verstecket sich irgendwo und weinte alleine. Doch hatte Rick irgendwann einmal gezeigt, dass er sie nicht laufen lassen wollte. So war er einfach nicht. Er bedrängte Menschen, zeigte kein Interesse an Privatsphäre. Zumindest nicht an Kates.
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Als Kate in der Früh aufwachte, war Rick nicht mehr neben ihr, aber der Polster roch immer noch nach ihm und so drehte sie sich um, kuschelte sich abermals in diesen und schloss ihre Augen.
Sie wusste, dass sie Rick viele Erklärungen schuldig war, doch im Moment wollte sie nur schlafen. Schlafen. Sie war so müde. Obgleich die Stunden in Ricks Armen sie das erste Mal seit längerer Zeit tief hatten schlafen lassen, war sie doch müde. Das neue Leben in ihrem Körper raubte ihr viel Energie. Immerhin war sie der Morgenübelkeit entgangen, dafür war sie schon mehr als nur dankbar.
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„Was ist gestern passiert?", fragte Alexis, als sie ihren Vater in den frühen Morgenstunden aus der oberen Etage hinabkommen sah. Er trug immer noch Jogginghosen und dasselbe Leibchen wie am Vortag.
„Jim … es lief nicht so gut, wie erhofft", erklärte er, füllte seine Espressotasse mit dem dunklen Liquid und ging in Richtung Badezimmer. Er wollte Alexis kein Details erzählen, hatte sie sicherlich einiges mitbekommen, von dem was vorgefallen war.
Rasch war er geduscht, rasiert und frisiert. Umso näher sein Vorhaben rückte, umso mehr ärgerte er sich über Jim Beckett. Was Rick machen wollte? Er wollte ihn aufsuchen und mit ihm sprechen, da er der Ansicht war, dass man so mit der eigenen Tochter nicht umgehen konnte. Nicht mit Kate. Nicht mit der Frau, der er so viel zu verdanken hatte, seitdem Johanna ermordet worden war.
In Jeans und einem legeren Pullover, griff er nach seiner Lederjacke. Eigentlich hatte er ein gemeinsames, gemütliches Frühstück geplant gehabt, stattdessen hatte er Alexis lediglich darum gebeten, sich etwas um Kate zu kümmern, wenn sie hinabkäme und keine Fragen zu stellen. Die Küche war noch nicht ganz eingeräumt, aber der entkoffeinierte Kaffee stand deutlich sichtbar auf der Anrichte.
Er würde mit Jim sprechen und ihm seine Absichten erklären.
Es kostete ihn genau ein Telefonat, um Mr. Becketts Adresse herauszufinden und wenige Augenblicke später, saß er bereits in seinem BMW und fuhr in Richtung Queens. All das, was er zu Kate am Abend zuvor gesagt hatte, konnte Rick nicht einfach so auf sich sitzen lassen, immerhin war er der Grund dafür, dass Beckett in dieser Situation war. Seine ungezügelte Lust in dieser einen Nacht – die er nun ständig in ihrer Gegenwart empfand, aber nun in Schacht halten konnte.
Als er schließlich vor dem Haus stand, welches Jim Beckett seit einigen Jahren gemietet hatte, fiel es ihm kurze Zeit doch etwas schwer, das Auto zu verlassen. Der Schneefall war intensiver geworden, seine Hoffnung die angespannte Beziehung etwas zu glätten hatte hingegen proportional mit der Entfernung von Kate abgenommen. Sie würde ihn umbringen, würde sie davon erfahren.
Doch fand er sich auf der Terrasse wieder und klopfte an. Als Jim Beckett die Türe öffnete, konnte man seinem Gesicht etwas Verwunderung entnehmen.
„Mr. Castle."
„Mr. Beckett. Ich würde gerne mit ihnen sprechen."
Er bat ihn hinein, bot ihm etwas Tee an und so setzten sie sich im Wohnzimmer in zwei Ohrensessel, die bereits bessere Zeiten gesehen hatten.
„Was kann ich nun für sie tun, Mr. Castle."
„Rick, bitte", erklärte Castle, bevor er seinen Blick von dem älteren Mann abwendete. „Es war Kate gegenüber nicht fair, so mit ihr zu sprechen", begann Rick. „Wir haben vielleicht einen Fehler gemacht, aber wir arbeiten daran, alles in die richtigen Bahnen zu lenken."
„Einen Fehler? Mr. Castle … Rick … Meine Kate ist alt genug, um zu wissen, wie man verhütet und was es bedeutet, ein uneheliches Kind alleine großzuziehen."
„Sie ist nicht alleine."
„Und wie sie das sein wird. Sofern sie nicht ihre Bettgespielin wird, und aktuell sieht es ja nicht danach aus, werden sie sie austauschen. Sie mögen ein großer Autor sein, ihre Bücher haben immer eine große Rolle in Kates Leben gespielt, aber mit ihrem Verhalten werden sie bei ihr nichts erreichen."
„Welchem Verhalten?", Rick wusste nicht, auf was er hinaus wollte.
„Soll ich ihnen all die Klatschblätter zeigen, all die Frauen, mit denen sie abgelichtet wurden? Soll Kate nur eine weitere Kerbe an ihrem Bettpfosten sein? Ich habe meiner Tochter niemals Vorschreibungen gemacht, mit wem sie sich vergnügen darf, aber sie wissen lassen, dass Verhütungsmittel das Wichtigste sind, was eine Frau einsetzen kann. Und was haben wir nun? Kate ist unverheiratet. Schwanger. Und das von einem Schürzenjäger. Gott muss uns auf diese Weise ein Zeichen geschickt haben …"
„Gott hat mit all dem nichts zu tun und das wissen sie nur all zu gut."
„Was wissen sie schon von Gott?", fragte Mr. Beckett erbost.
„Dass ich nicht daran glaube und Kates es auch nicht tut und wir uns beide gestern gefragt haben, wie es zu ihrem Glaubenswandel kam."
Jim stand auf und ging in Richtung Kamin. Er sah Castle nicht an, nicht einmal annähernd.
„Ich …"
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Ende Kapitel 22
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A/N: Vielleicht hätte ich auch einfach ein langes Kapitel 21 schreiben sollen … whatever … Es ist auf alle Fälle noch nicht ausgestanden.
