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Kapitel 30

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Als sie an demselben Abend in der großen Badewanne lag, leise Musik hörte, einen Roman las – keine Krimi, nein es war ein Liebesroman – gingen ihr die Events der letzten Tage durch den Kopf, während ihre linke Hand auf der Wölbung ihres Bauches lag.

Irgendwann hatte sie das Buch zur Seite gelegt und die Augen geschlossen.

Sie war in dieser einen Nacht nackt gewesen und er hatte sie berührt, war aber nicht unsittlich geworden, obwohl sie es irgendwie, tief in ihrem Inneren, erhofft hatte. Sie hatte seine Erektion gespürt in der Nacht, als sie wach wurde, weil sie es nicht gewohnt war, dass eine Hand sie berührte. Nicht so. Nicht, wenn sie nackt in ihrem Bett lag, wütend auf ihn war. Und ja, sie war wütend oder war sie enttäuscht? Sie war sich bei Gott nicht sicher, wusste aber, dass sie ihm niemals lange böse sein könnte. Nicht einmal für die Schwangerschaft, die ihren Körper veränderte.

Jeden Tag entdeckte sie etwas Neues, dass sie überraschte. Sie hatte das Gefühl, dass mittlerweile jedermann bemerkte, dass sie schwanger war, es war nicht mehr zu übersehen, auch wenn sie versuchen würde, es zu kaschieren, was sie nicht tat. Auf diese Art und Weise starrte Rick sie intensiver an und sie hatte festgestellt, dass es ihr gefiel. Sie mochte es, wenn er sie unabsichtlich berührte. Unbeabsichtigt über ihren Bauch streifte, ohne es zu wollen mit der dem Arm an ihrer Brust ankam. Es waren Kleinigkeiten, aber sie waren so offensichtlich geworden. So unglaublich offensichtlich.

Oder war es ihre Hoffnung, dass er – aus irgendeinem Grund – den nächsten Schritt wagen würde? Sie würden tanzen gehen, kommende Woche. Vielleicht würde er dann einmal absichtlich zugreifen.

Kate wusste, dass ihre Hormone verrückt spielten, ansonsten wäre es ihr unmöglich gewesen, sich ihr Verhalten, ihre Gefühle zu verstehen. Nun schob sie es auf das Hormonchaos in ihrem Körper. Katherine Houghton Beckett hatte das Bedürfnis, berührt zu werden. Von Castle. Und nicht einfach nur ihre Wange, ihr Hals – oh nein – über dieses Stadium war sie schon lange hinaus. Sie wollte seine großen Hände, mit seinen starken Fingern, ganz wo anders spüren – am besten dort, wo jetzt ihre eigenen Finger waren. Zwischen ihren Beinen. Dort wollte sie auch seine Lippen spüren, seine Zunge. Wie würde es sich anfühlen? Wie würde er sich anstellen? Kate wusste, dass ihre Erfahrungen im Vergleich zu seinen nicht existent waren und er wahrscheinlich schon mit so vielen Frauen zusammen gewesen ist, dass er Bücher darüber schreiben könnte, eine gesamte Serie. Und sie könnte vielleicht einen einspaltigen Zeitungsartikel füllen, eine einspaltigen aber nicht über eine ganze Seite in der NY Times, vielleicht ein Drittel davon.

Das warme Wasser hüllte sie in eine angenehme Wolke, der ölhaltige, nach Rosen duftende Badezusatz ließ sie noch mehr abdriften. Ihre rechte Hand lag nun zwischen ihren Beinen, rieb ihre Klitoris, währen die linke umfasste anfänglich ihre Brust, doch glitt dann zu ihrer Brustwarze. Ihre Brüste waren so viel empfindlicher geworden in den letzten Wochen, oftmals reichte eine einzige Berührung und sie war erregt. Genau das spielte sie nun aus. Sie wusste was sie tat, war es doch nicht das erste Mal, dass es vorkam, dass sie ihrer Erregung Herr wurde. Normalerweise war sie in ihrem Bett und benutzte den neuerworbenen Vibrator. Es dauerte selten länger als fünf Minuten und danach schlief sie meist vollkommen erschöpft ein, fiel in einen traumlosen Schlaf.

Dieses Mal war es anders. Ihre Finger tanzten über diese zwei so sensiblen Stellen wie Federn, obwohl sie wusste, dass es schneller gehen würde, würde sie den Druck erhöhen.

Ihre Haut war weich, sie ölte ihren Bauch zweimal täglich ein, um Schwangerschaftsstreifen zu vermeiden. Sie legte immer noch viel Wert auf die Enthaarung ihrer Beine und des Intimbereichs. Früher – es klang, als wäre es schon viele Jahre her – besuchte sie regelmäßig nach dem Sport die Sauna oder Dampfkammer und ihre Haut dankte es ihr. Beides war Momentan Tabu für sie.

Und dann war er in dieser Nacht neben ihr gelegen, beinahe nackt, hatte sie berührt – aber nicht ausriechend. Es war genau dieser Moment, in den sie sich nun versetzte. Die leise Musik ließ sie in die passende Stimmung kommen, ihre geschlossenen Augen verdeutlichten das Bild. Kate stellte sich vor, wie er in ihr Bett stieg.

Rick"; murmelte sie und er presste sich an sie. Sein Geruch umhüllte sie, dieser maskuline Duft.

Kate", antwortete er leise, sanft und küsste ihren Hals, doch drehte sie sich nicht zu ihm um, blieb seitlich liegen. Sie spürte seine Hand, die sanft unter dem Laken nach ihr tastete, ihre Hüfte berührte, bevor sie zu ihrem Bäuchlein glitt. „Kate", murmelte er abermals und ließ seine Lippen über ihren Hals zu ihrer Schulter wandern, bevor er diese in seine Richtung drückte und sie auf ihrem Rücken landete. Im nächsten Augenblick befand er sich zwischen ihren Beinen, stützte sich auf den Ellenbogen ab, um sein Gewicht nicht auf ihren Bauch zu drücken.

Du bist so wunderschön", erklärte er ihr, „so unglaublich schön."

Sie lachte. Leise. „Das sagst du nur, damit ich mit dir schlafe."

Wie kommst du auf diese Idee? Du bist unglaublich schön, hast diesen Glanz in den Augen, dieses Strahlen an dir."

Ich werde dick."

Nein, du trägst ein Baby in dir. Mein Kind. Und jedes Gramm, jeder Zentimeter macht dich noch schöner. Ich hätte nicht gedacht, dass mich schwangere Frauen so anturnen können … du beweist das Gegenteil, Kate."

Oh Rick …", stöhnte die junge Frau, als seine Lippen auf ihrer Brust landeten und sie seine Erektion an ihrem Bein spürte.

Es gab keine Nacht, in der er nicht zu ihr ins Bett kam und sie verführte. Ab und an schliefen sie auch nur Arm in Arm, doch die meisten Nächte liebten sie sich.

Ich brauche dich in mir", ließ sie ihn wissen und zog seinen Kopf vorsichtig und sanft zu sich, „tief in mir."

Ich mag es, wenn du mir sagst, was du möchtest." Und wenige Augenblicke später, nach einem intensiven Kuss, war er in ihr. Anfänglich bewegte er sich langsam, sehr langsam. Zu langsam, wenn man ihren Worten trauen konnte.

Mehr", verlangte sie.

Und er gab sie mehr, veränderte die Position – auf allen vieren konnte er ihr geben, nach was sie verlangte. Seine Bewegungen waren härter und dies schien zu gefallen, denn sie wurde lauter, motivierte ihn dazu, weiterzumachen.

Vor Rick war sie nie sehr offen gewesen mit ihren Wünschen, doch das hatte er ihr gelernt – und er liebte es, wenn sie artikulierte, nach was ihr gerade war. Wie sie es wollte. Und Kate wusste, dass manchmal ihre Stimme ausreichte, um ihm zum Orgasmus zu bringen.

Er war üppig ausgestattet und das hatte ihr schon beim ersten Mal gefallen. Es war ein neues Gefühl gewesen, von einem Mann so ausgefüllt zu werden, und das erregte sie noch mehr. Und nun war er in ihr, bewegte sich rausch, hatte beide seiner Hände an ihrer Taille, oder was davon noch übrig war. Ab und an strich er über ihre Wirbelsäule, dann stöhnte sie noch lauter auf. Stöhnte seinen Namen und etwas vollkommen Unverständliches.

Und dann kam sie, bevor sie auf die Matratze sank, rasch atmete. So lag sie dann auf ihrem Rücken, Rick auf seiner Seite und strich, immer noch rasch atmend, mit einer hohen Herzfrequenz, über ihre mit feinem Schweiß bedeckte Brust. Becketts Augen waren geschlossen und sie versuchte ihre Atmung unter Kontrolle zu bekommen, mit mäßigem Erfolg.

Und so war sie auch in der Badewanne gekommen, versuchte nun durch die Nase einzuatmen, was ihr nicht gelang. Sie war gekommen. Und all das nur, weil sie diese fixe Vorstellung hatte, wie es hätte ablaufen können, wie gut es sich anfühlen würde, wenn er abermals in ihr wäre.

Sie brauchte jemanden, der ihre Erregung stillte. Ihre Bedürfnisse hatten sich geändert. Früher, vor der Schwangerschaft, war Sex eine Randerscheinung gewesen – schön, wenn es ihn gab, aber nicht notwendig. Selbstbefriedigung war ein Thema für sie, weil es unkomplizierter war und man sich an niemanden binden musste, aber keine Regelmäßigkeit.

Doch sollte es nicht irgendjemand sein, es gab nur einen Menschen, an den sie dachte, wenn sie kam – Rick. Richard Edgar Castle. Richard Alexander Rogers. Oder wie auch immer er genannt werden wollte, sei würde flexibel agieren.

Als sie schließlich aus der Wanne stieg, sich abtrocknete und einölte, dachte sie an seine Hände und wie es sich anfühlte in seinen Armen zu liegen. Richtig, einfach nur richtig. Sie lächelte.

Ihre Augen strahlten tatsächlich und sie hatte auch gemerkt, dass sie irgendwie anders wirkte. Sie hatte eine andere Ausstrahlung, wenn es so etwas überhaupt gab.

Vielleicht würde Rick eines Tages erkennen, dass sie ihn liebte. Sie aber die Zeit brauchte, um sich über die aktuelle Situation im Klaren zu werden. Es waren so viele Veränderungen auf einmal in den letzten Monaten passiert – nicht nur ihre Schwangerschaft, nein, die neue Wohnung, die medizinischen Probleme ihres Vaters, Ricks Beziehung zu Jamie Allister. Doch dann waren da auch noch Alexis und Martha. Egal welche Entscheidung sie traf, sie musste immer an das komplette Castle-Paket denken. Es gab Rick nicht alleine, er kam mit zwei sehr starken Frauen, zwei die ihn über alles liebten und alles für ihn tun würden – auch eine Leiche verstecken, wenn notwendig.

Daher war es umso wichtiger, jede Entscheidung gut zu überdenken – so auch seinen Antrag. Natürlich hätte sie ihn gleich annehmen können, doch was wäre sie dann für eine Frau gewesen?

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Ende Kapitel 30

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A/N: Ja, ein Mini-Kapitel, das eigentlich nicht geplant gewesen ist. Aber ich habe so viele Anfragen bekommen, Bitten endlich wieder etwas mit hohem Rating online zu stellen, dass mir nur diese Option offen blieb.

Und wir sind bei Kapitel 30 angelangt. Noch nie habe ich so viel geschrieben. Wie viele Seiten es auch immer sein mögen, möchte ich mich fürs Lesen und Reviewen bedanken – beides ist keine Selbstverständlichkeit.

Immer wenn ich mir die Stats anschaue, muss ich lächeln – über 12.000 Zugriffe und es fehlen nur noch 18 Reviews auf die 200. Das wäre ja der Wahnsinn ;)

So … genug geschwafelt meinerseits. Danke, danke, Danke!