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Kapitel 38
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Rick präsentierte an diesem Wochenende in Chicago seine Bücher auf einer Krimi-Konvention. Lange hatte er versucht, Kate zu überreden mitzukommen, doch in der 28. Schwangerschaftswoche in der sie nun Ende März war, hatte sie keine Lust zu fliegen und sich dann in die Massen der Fans zu stürzen. Stattdessen blieb sie zuhause, wollte sich einen netten Abend mit Lanie machen.
Die Lage mit Alexis hatte sich in den letzten Wochen nicht entspannt, aber immerhin auch nicht verschärft. Kate ermüdete nun leichter, war sie doch am Beginn des 7. Monats, und versuchte allen Konflikten weiträumig aus dem Weg zu gehen. Sie genoss beinahe jeden Tag abends ein Band, um den beginnenden Rückenschmerzen entgegen zu wirken – da sie an einem intensiven Fall gearbeitet hatten, war sie in den letzten Tagen auch nicht zu ihren Pilates und Yoga-Übungen gekommen und dies bezahlte sie nun. Doch abgesehen davon, genoss sie die Schwangerschaft in vollen Zügen. Mittlerweile. Rick schenkte ihr all seine Aufmerksamkeit, konnte seine Finger kaum von ihr lassen, ließ ihr aber auch alle Gott erdenklichen Freiräume. Oftmals teilten sie nun ein Bett, aber wenn dann war es Kates. Sie bevorzugte ihr eigenes. Außerdem war Castle dabei, ein neues Buch fertigzustellen. Seitdem sie zusammen in dieser Wohnung lebten, waren Schreibblockaden ein Fremdwort geworden, sobald er sich hinter den Laptop setzte, floss die Kreativität nur so aus ihm heraus – erlebten Nikki und Jameson neue Abenteuer der besonderen Art.
Seit vier Wochen hatte Captain Montgomery sie nun bereits hinter den Schreibtisch verbannt und einen neuen Kollegen ins Team geholt, da Ryan bedingt durch seine Organspende nun im Krankenstand war. Kates Vater wusste immer noch nicht, dass es jemand aus dem engsten Umfeld gewesen war, dem er seine neue Leber zu verdanken hatte, denn er hatte mit Kate seit seiner Rückkehr kein Wort gewechselt.
Ohne ihr Wissen war Castle Mr. Beckett einmal besuchen gewesen und hatte ihm in Gewissen geredet – das Problem war allerdings, dass er seine Meinung nun 100 Prozent geändert hatte seit seinem Bußgang in Europa. Nun war er der Ansicht, dass er seine Tochter nicht verdiene, sie einfach zu gut für ihn war. Er erklärte Rick, dass er sie immer nur benutzt und ihr nie etwas zurückgegeben hatte. Keine Stabilität, wenn sie sie so dringend brauchte. All dieses Wissen bewahrte Rick unter Schmerzen in seinem Herzen auf und sagte nichts zu Kate. Zu sehr war sie in den letzten Wochen aufgeblüht – sie strahlte und mit jedem Tag der Schwangerschaft ging sie selbstbewusster aus dem Haus. Nicht einmal als Montgomery sie hinter den Schreibtisch verbannt hatte, hatte sie protestiert – nein, sie hatte den Tag kommen sehen und gewusst, dass es notwendig war. Als Ryan und sie einem Verdächtigten verfolgten, nur wenige Wochen zuvor, hatte sie feststellen müssen, dass sie nicht mehr in der Lage war, ihren Job zu vollständig auszuführen. Außerdem hatte sie Angst zu stürzen und in die Schutzweste passte sie schon lange nicht mehr.
Am Revier war sie nun mit viel Papierkram beschäftigt und sie verlor kein negatives Wort darüber und die Verhöre waren immer noch die ihren, an ihrer Führungsposition im Team zweifelte auch niemand, dafür sorgte sie des Öfteren. Ihr Team, ihr Kommando.
Die neue Kollegin war ihr allerdings ein Dorn im Auge. Sie machte Rick stets schöne Augen und hing nicht nur an seinen Lippen, sobald er eine neue Theorie aufstellte, sondern auch an seinem Hosenbein. Hatte Kate gehofft, dass der Artikel in der Zeitung ihre Beziehung nun irgendwie offiziell machen würde, wie auch der Ring an ihrem Finger, den sie seit Megan Mullalalys Ankunft in ihrem Team nicht mehr abgelehnt hatte, so sehr ignorierten viele Kollege – auch Megan – dies komplett. Die irisch stämmige Kollegin war jung, rotblond, mit beinahe weißer Haut, sportlich gebaut mit großer Oberweite, die sie jedem männlichen Wesen ins Gesicht schob. Sie präsentierte die Naive, war es aber keineswegs. Ryan und Esposito mochten Megan nicht, blieben auf Distanz – und Ryan hatte sie bisher nur dreimal gesehen, da er das Revier besucht hatte.
Außerdem hat Montgomery Megan von Anfang an gesagt, dass sie Kates Team nur für eine bestimmte Zeit verstärken würde – bis Kate nach dem Mutterschutz wieder anwesend und Ryan voll rehabilitiert wäre. Trotzdem war jeder Morgen an dem Kate Megan sah, ihr ein Dorn im Auge und es wurde ihr bewusst, dass sie nun dabei war, Mutter zu werden und ihre Prioritäten sich verschoben. Natürlich liebte sie ihren Job, doch nun gab es einen guten Grund, nicht mehr jedes Risiko einzugehen.
Auf der Couch vor dem Feuer war Kate eingeschlafen. Lanie wollte sie anrufen, wenn ihre Schicht zu Ende wäre, daher hatte sie es sich gemütlich gemacht. Plötzlich klingelte ihr Telefon und Kate schrak hoch aus dem leichten Schlaf. Eine unbekannte Nummer.
„Beckett", meldete sie sich.
„Miss Beckett, hier spricht Isabelle, Alexis Freundin …"
„Isabelle .."
„Miss Beckett … wir haben … Ich habe ein Problem", sagte die mädchenhafte Stimme auf der anderen Seite. Kate stand auf und blickte auf die Uhr am Bücherregal – es war kurz nach 9 Uhr. „Alexis …"
„Was ist los, Isabelle?"
„Sie ist betrunken … wir haben … ich meine … ich konnte Mr. Castle nicht erreichen und …"
Kate war sich der aktuellen Situation mit Alexis bewusst, dass sie weit davon entfernt war, ideal zu sein und sie dadurch mehr Freiräume hatte, als zuvor, da man Abende nicht mehr zusammen verbrachte und Rick darauf vertraute, dass sie wusste, was sie tat – so wie es in den letzten Jahren auch gewesen war.
Kurz fragte sich Kate, was sie tun sollte. Wenn Isabelle Rick erreichen würde, dann würde er aus Chicago auch nicht einfach herfliegen können, um Alexis abzuholen. In Folge ließ sie sich von Isabelle die Adresse geben, ein Redstone am Central Park, ein reiches Elternhaus. Rasch zog sich Kate um, ohne besonders darauf zu achten, was sie optisch hermachte – Jeans, die unter ihrem Bauch zu schließen und mittlerweile etwas eng waren, ein weißes Trägertop und eine graue NYPD Sweatshirt-Jacke, die sie schon lange nicht mehr zippen konnte, Sneakers, Schal und Lederjacke.
Kates Crown Victoria parkte in der Garage des Hauses und am Weg zu diesem Band sie ihre Haar rasch zu einem lockeren Knoten zusammen, schickte Lanie eine Kurznachricht, dass sie ihren gemeinsamen Abend wohl verschieben müssten, ohne einen Grund zu nennen.
Bevor sie aus dem Auto stieg, welches sie mit eingeschalteter Alarmblinkanlage halb auf dem Gehsteig geparkt hatte, atmete sie noch einmal tief durch und versuchte Alexis verletzende Worte in den letzten Winkel ihres Gedächtnisses zu verschieben und für heute zu vergessen. Immerhin hatte Isabelle sie angerufen.
Kate klopfte an.
Eine junge Frau, die älter als Alexis zu sein schien, öffnete die Türe. Offensichtlich war es keine richtige Party, auch wenn einige junge Leute anwesend waren.
„Sie sind Kate Beckett?", fragte die Frau und stellte sich als Isabelles ältere Schwester Mary vor.
Als sie gemeinsam das Wohnzimmer betraten wurde Kate gemustert, vier Paar Augen glitten über ihren Körper und es wurde gemurmelt. Die Polizistin ahnte, dass Alexis ihren Freunden von ihr erzählt hatte.
Am Couchtisch standen leere Red Bull Dosen und zwei leere große Wodka Flaschen.
„Ich bin vor 45 Minuten von der Bibliothek nachhause gekommen und habe sie alle so vorgefunden. Hätten sie nicht reagiert Miss Beckett …"
„Kate", korrigierte sie sie.
„Kate, hätte ich die Rettung gerufen."
„Danke." Kates Augen wanderten durch das Zimmer. „Wie viel hat Alexis getrunken?"
Gemeinsam blickten sie die vier anderen Jugendlichen an. Ein blonder Bursch, dem es offensichtlich auch schon einmal besser gegangen war, schaute fragend in die Runde, danach sagte er: „Vier oder fünf Wodka Red Bull? Wobei in den letzten mehr Wodka als Red Bull war."
„Das Problem scheint zu sein, dass die gesamte Gruppe nicht wusste, wie schnell diese Mischung betrunken macht", fügt Mary wütend hinzu. „Außerdem wussten sie nicht, dass bereits zwei Gläser zu viel für sie sein würden."
„War dies das erste Mal?", fragte Kate in die Runde, sich wundernd, was Alexis noch alles vor ihnen verbergen hatte können. Alle nickten Reue erfüllt.
„Und Isabelle schmeckte die Mischung nicht so gut, daher ist wenigstens sie noch zurechnungsfähig. Aber Alexis … ich habe sie jetzt einmal ins Badezimmer gesetzt, falls ihr noch schlecht werden sollte. Sie hat ständig nur … Kate, Kate … gesagt, mehr konnte ich nicht verstehen."
„Wir verstehen uns nicht besonders gut …", versuchte sie zu erklären.
Isabelle mischte sich ein. „Sie ist wütend, aber eigentlich bewundert sie sie. Sie ist wütend und hat Angst …" Ganz unbeteiligt schien der Alkohol an diesem quasi Geständnis auch nicht zu sein, sagte sich Kate, denn welche Freundin würde ihre beste Freundin so verraten? „Sie hat Angst, dass Mr. Castle das Baby mehr lieben wird als sie", sprudelte es aus Isabelle heraus.
„Wie weit sind sie?", fragte das andere Mädchen.
Kate blickte auf ihr Outfit herab, eines, das vor einem Jahr noch stylisch und jugendlich gewirkt hatte, betonte ihre Schwangerschaft nun mehr als sie es gewollt hatte.
„Im 7. Monat", sagte sie und legte ihre Hand automatisch auf die Wölbung ihres Bauches.
„Sie sind wunderschön", sprudelte es aus dem Jungen, der sich zuvor schon zu Wort gemeldet hatte, heraus.
Einige Augenblickte war es nun ruhig bis Mary erklärte, dass sie ihr helfen würde, Alexis ins Auto zu bringen. Als sie ins Badezimmer gingen, fragte Kate nach den Eltern der Mädchen.
„Europa, irgendwo in Europa", erklärte Mary genervt. Zusammen weckten sie Alexis auf und schafften sie in den Crown Victoria, inklusive ihrem Schulrucksack und ihrer Jacke.
„Schaffen sie das nachher alleine? Ich meine in ihrem Zustand …"
„Es wird schon gehen …", murmelte Kate etwas unsicher. „Danke, dass sie mich angerufen haben."
Als sie auf dem Weg nachhause waren, ging Kate viel durch den Kopf. Alexis war immer die perfekte Tochter, die überdurchschnittlich gute Schülerin gewesen. Es war die perfekte Vater-Tochter-Beziehung gewesen, bis sie in ihr Leben getreten war. Alexis hatte immer die Erwachsene gemimt – handelte überlegt und sich der Konsequenzen bewusst. Und nun hatte sie sich betrunken, ein Verhalten, das eigentlich so un-Alexis-mäßig war.
Kate parkte das Auto in der Garage des Hauses und versuchte Alexis aus dem Wagen zu heben, doch stets war ihr ihr Bauch im Weg. Nun war sie schon so lang schwanger, aber in manchen Situationen konnte sie sich an ihren Umstand nicht gewöhnen und das erste Mal war ihr der Bauch, das Kind, wirklich im Weg. Im Endeffekt und mit etwas Technik schaffte sie es, das Mädchen zum Lift zu bringen, wo sie sie gegen die Wand lehnte und endlich wieder durchatmen konnte.
Alexis Worte waren ein unkontrolliertes Durcheinander, ein Gebrabbel. Immer wieder fiel Kates Name und Dad. Ja, es war im schlussendlich anstrengender gewesen, als Beckett es sich vorgestellt hatte, bis sie Alexis in die Wohnung geschafft hatte. Sie hatte sich noch nie wirklich um das Mädchen kümmern müssen, erinnerte sich aber an ihren ersten Rausch, den sie mit 15 Jahren gehabt hatte und das Versprechen, welches sie nachher ihrer Mutter gegeben hatte, dass sie niemals wieder im Leben Alkohol anfassen würde. Nie wieder. Nicht nachdem sie beinahe einen Tag über der Toilette gelegen hatte und ihre Mutter die gesamte Zeit an ihrer Seite gewesen war – um ihr ein kaltes, nasses Tuch in den Nacken zu legen, ihr das Gesicht abzuwischen und die Haare zusammenzubinden. Sie hatte es sogar ein ganzes halbes Jahr geschafft.
Nachdem sie aus den Schuhen geschlüpft war, half sie Alexis in ihr eigenes Badezimmer und setzte sie auf den Wäschekorbbank, zog ihr den Pullover und die Schuhe aus, drehte die Fußbodenheizung im Badezimmer auf und setzte das Mädchen schlussendlich neben die Toilette auf den Boden, lehnte sie auf die Badewanne. Alexis konnte alleine stehen, für einige Augenblicke bevor sie zu schwanken begann, und reagierte verzögert auf Befehle.
Einige Momente ließ Kate das Mädchen alleine, eilte die Stiegen hinauf, um sich bequeme Leggins anzuziehen, stellte eine Kanne Tee zu und blieb schließlich einen Augenblick stehen, atmete tief durch und fühlte das Baby, wie es sie trat, protestierte. Einige beruhigende Worte sollten helfen. „Du hast eine ältere Schwester, Kleines, und im Moment braucht sie mich. Wenn du erst einmal auf der Welt bist, wirst du sie kennenlernen. Sie ist genauso stur wie dein Vater, sehr intelligent … aber im Moment haben wir unsere Probleme und ich muss ihr helfen. Ich kann sie in einem Moment wie diesem nicht alleine lassen, ich würde es für dich ebenso tun."
Kurz hatte sie am Weg ins Badezimmer überlegt, ob sie Rick anrufen sollte, doch es würde an der Situation nichts verändern, daher unterließ sie es.
In den folgenden Stunden erbrach Alexis immer wieder, seit längerem war ihr Magen bereits komplett leer und lediglich der Reiz ließ sie Galle spucken. Kate hatte ihr die Haare in einen Zopf geflochten, ihr das Gesicht abgewischt und ihr irgendwann das angebrochene T-Shirt ausgezogen und ein frisches Top aus dem Schrankraum des Mädchens geholt, da Kate den Geruch nicht ertrug. Beinahe bis 4 Uhr in der Früh dauerte das Spektakel, da Alexis schließlich vollkommen erschöpft, aber doch noch irgendwie in der Lage, sich mit Becketts Hilfe ins Bett schleppen konnte. Sie zog dem Mädchen die Jeans aus, deckte sie warm zu. Sicherheitshalber platzierte Kate einen Kübel neben dem Bett des Teenagers und setzte sich in den Ohrensessel, der neben dem Bett stand, zog eine dünne Decke über sich, da sie zuvor das Fenster gekippt hatte – Frischluft half schließlich jedem Rausch – und schlief rasch, vollkommen erschöpft, ein.
Sah denn so ihre Zukunft in fünfzehn oder sechzehn Jahren aus?
Als die Sonne wenige Stunden später aufging und gegen 9 Uhr in das Zimmer blinzelte, es schließlich vollkommen erhellte, wachte Kate auf. Das Mädchen schlief noch immer, der Kübel war leer.
Da sie in dem Sessel geschlafen hatte, quälte sie ihr Rücken, das Baby trat gegen ihre Blase, als wäre diese ein Fußball. Auf die Toilette gehend, redete sie auf das Ungeborene ein, unzusammenhängende Sätze, aber es funktionierte immer wieder und so beruhigte es sich, nachdem sich Kate erleichtert hatte.
Kate stellte entkoffeinierten Kaffee für sich selbst auf, suchte Zwieback für Alexis aus dem Regal und brachte es gemeinsam mit einem großen Glas Wasser in das Zimmer des Mädchens.
„Alexis." Kate weckte sie auf, indem sie ihre Schulter immer wieder berührte und auf sie einsprach. Irgendwann öffnete das Mädchen schließlich ihre Augen und sah sie verwundet an.
„Kate … mein Kopf", stöhnte sie und schloss rasch die Lider wieder.
„Ich weiß", sagte sie leise und half ihr in eine sitzende Position, reichte ihr das Glas. „Kleine Schlucke, langsam."
Über die kommende Stunde saß die Polizistin neben Alexis und strich ihr über das Haar, reichte ihr immer wieder das Glas, sagte wenig und beobachtete.
Plötzlich läutete Kates Handy, das sie in der Tasche ihrer Jacke hatte, und Alexis zuckte zusammen.
„Rick", sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Bitte nicht, Kate", murmelte Alexis.
Für fünf Minuten stand Kate am Fenster, plauderte mit Castle, als wäre nie etwas passiert und stimmte ihm zu, dass sie ihm am Montag vom Flughafen abholen würde, bevor sie zu einem Ultraschalltermin fahren würden, den sie am frühen Abend hatten.
„Danke", murmelte Alexis, als Kate wieder an ihrer Seite war. Beckett war sich nicht sicher, ob es richtig war, ihm nichts von all dem zu erzählen, immerhin war er ihr Vater und sie war eigentlich niemand. Nichts und niemand. Die Lebensgefährtin. Die Verlobte.
Im Laufe des Tages brachte Kate ihr Tee und gegen Abend fühlte sich Alexis bereits in der Lage aufzustehen, allerdings war ihr immer noch schwindlig.
„Ich würde gerne duschen", erklärte sie Kate und sah sie fragend an. Kate war dabei den Raum zu verlassen, dem Mädchen Privatsphäre zu geben, als sie zurückgerufen wurde. „Kate … ich …" Beckett nickte nur und gab dem Teenager die Möglichkeit zu entkleiden, in die mit Milchglas versehene Dusche zu steigen, bevor sie wieder das Badezimmer betrat und sich auf die Wäschekorbbank zu setzte. Das Baby in ihrem Bauch bewegte sich und Kate legte ihre Hand auf die Stelle, fuhr darüber. Sie bemerkte nicht, tief in Gedanken versunken, wie Alexis aus der Dusche stieg und in einen Morgenmantel stieg, sich gegen die Duschwand lehnte und Kate beobachtete. Erst als das Mädchen sich neben sie setzte, wortlos, erfasste sie das nicht mehr laufende Wasser und dass Alexis ihr ganz nahe war.
Die Polizistin nahm die Hand des Mädchens und legt sie an die Stelle, gegen die das Baby im Moment drückte. Es schien kein Fuß, eher eine Hand zu sein, da der Druck geringer war, aber auf diese Weise spürte Alexis das erste Mal ihr Geschwisterchen. Dann hob sie die Hand an, zog das T-Shirt hoch, und man konnte leicht sehen, wohin das Baby nun drückte.
„Das ist ein Fuß", erklärt Kate und platzierte Alexis Finger an dieser Stelle.
„Tut das nicht weh?"
„Nein, es ist manchmal unangenehm, besonders wenn sie gegen meine Blase tritt, aber sonst fühlt es sich lediglich eigenartig an."
„Kate …", Alexis pausierte kurz. „Es tut mir leid …", sie legte beide Hände auf Kates entblößten Bauch nebeneinander. „Es tut mir leid, was ich gesagt habe. Ich …. Ich …", sagte sie unter Tränen, die nun über ihre Wangen liefen. Kate legte ihren Arm um die Schulter des Mädchens und Alexis lehnte sich mit ihrem nassen Haar an die Brust der dunkelhaarigen Frau, die ihr über den Kopf und die Schulter strich. „Ich meinte es nicht so … ich meine … ich war wütend und ich … ich habe Angst, dass Dad … Dad …"
„Dein Vater wird dich nicht weniger lieben, nur weil du dann eine kleine Schwester hast. Das ändert gar nichts. Du und Rick, ihr habt ein spezielles Verhältnis, ein einzigartiges, das kann euch niemand nehmen."
„Aber er wird mir niemals verzeihen … und ich verstehe es, wenn du es auch nicht machst. Meine Worte …", mehr und mehr Tränen liefen ihre weißen Wangen hinab.
„Ach Alexis, ich würde lügen, wenn ich jetzt behaupte, dass du mich nicht verletzt hast. Aber euch in den letzten Wochen zuzusehen, wir ihr euch aus dem Weg gegangen seid … Glaubst du denn, dass das hier geplant war, Alexis? Wir haben eine Nacht, eine unüberlegte Nacht, mitsammen verbracht und Wochen später muss ich feststellen, dass ich schwanger bin, unwissend, wie dein Vater darauf reagieren würde. Und mit all dem hier, habe ich damals am wenigsten gerechnet", erklärte Kate und es fiel ihr schwer. „Ich hatte gedacht, dass er mir Geld anbietet und dann ab und zu vorbeisehen und sich um das Kind kümmern wurde. Oder er eine Abtreibung wollen würde. Oder dass er …", sie holte tief Luft, „ich hatte mir alles vorgestellt, nur all das hier nicht und nun hat er mir einen Antrag gemacht, wir leben zusammen in einer Wohnung und …"
„Und dann sage ich all das zu euch …"
„Alexis … Ich verstehe, dass du wütend auf mich bist, dass dich all das ärgert. Aber …"
„Ich muss mich bei Dad entschuldigen?"
„Ja, das musst du."
Alexis nickte nur. Kate stand auf und ging mit dem Mädchen zusammen ins Wohnzimmer, wo sich das Mädchen auf die Couch setzte, während Kate Alexis Bettwäsche wechselte und alles in den Wirtschaftsraum brachte.
Als sie wieder ins Wohnzimmer kam, saß Alexis vor dem Fernseher und sah sich eine Serie an. Kate blieb am Tresen stehen, lehnte sich gegen diesen und ließ die Unterhaltung, die sie mit Alexis geführt hatte, noch einmal Review passieren.
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Ende Kapitel 38
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A/N: Das ist quasi der erste Teil der Alexis-Castle-Kate Aussprache. Eigentlich wollte ich „Silhouette in Red" weiterschreiben, aber nachdem alle wissen wollten, wie es mit Alexis weitergeht …
