Loki's Tränen
Kapitel 1
Hoffnung in der Einöde
In einer kleinen Stadt herrscht trotz allem viel Trubel. Stress steht ebenfalls jeden Tag an.
Einige Familien können diesen Stress und den Druck nicht aushalten. Dann folgt Streit und die Familie, die einst so glücklich und harmonisch war, zerbricht. So war es auch bei einem jungen Mädchen namens Haruka. Vor kurzem trennten sich ihre Eltern, da sie ebendieser Last zum Opfer gefallen sind. Nur mit einer kleinen Umhängetasche bepackt, in welcher Nahrung, Wasser und einige Wechselsachen verstaut waren, rannte sie durch ihre kleine Stadt. Mit sechzehn Jahren schon von Zuhause weggehen? Tja, das klingt zu früh, aber sie sah keinen anderen Ausweg.
Mit Tränen in den Augen lief sie aus der Stadt, um für sich eine Bleibe in einer anderen zu finden.
Das klang vielleicht einfach, doch das war es nicht, denn zwischen der nächsten Stadt und ihrer Heimat lagen ungefähr dreißig Kilometer. „Na das kann ja was werden..." seufzte sie und machte sich auf den Weg.
Nach einer Weile sah sie etwas am Himmel leuchten. „Was ist das denn jetzt? ...Doch nicht etwa wieder die Avengers?" Ihre Augen weiteten sich. Es sah aus wie ein Meteorit! Ungefähr drei Kilometer von ihr entfernt ging dieser zu Boden und der Knall, der durch den Aufprall entstand, war schallte bis zu Haruka. „Wow... Das muss ich mir genauer ansehen, bevor es jemand anderes tut!"
Mit weit geöffnetem Mund rannte sie weiter und konnte kaum glauben, was sie da gesehen hatte.
„Wenn das ein Meteor sein sollte, könnte ich ihn für viel Geld verkaufen... Dann könnte ich mir eine Wohnung leisten!" Ihre Gedanken spielten mit der Vorstellung, etwas einmaliges zu finden.
Sie wollte einfach ein besseres Leben haben. In ihren Augen spiegelte sich die strahlende Hoffnung wieder.
Die drei Kilometer erwiesen sich letztendlich dann doch als ziemliche Probe. Haruka hechelte und keuchte bei den letzten Metern beinahe ihre Lunge heraus. Sie stolperte oftmals über ihre eigenen Füße und fiel hin. Deshalb hatte sie schon Schürfwunden an den Ellenbogen und Knien. Ihre blaue
Jeans war auch schon ein wenig zerrissen und verdreckt. Das gleiche galt für ihr weißes Hemd und ihre hellblaue Jeansweste. Ihr schwarzer Schal, welcher violette Streifen hatte, fiel ihr immer wieder hinunter, da sie ihn vor Hektik nicht richtig umgebunden hatte. Letztendlich stopfte sie ihn einfach in ihre hellbraune Umhängetasche. Ihre schwarz-weißen Sneakers waren schon voller Staub. Die schulterlangen, braunen Haare wehten durch den Wind und waren schon ganz zerzaust.
Als sie endlich angekommen war, sah sie vor sich den Krater. Er war nicht besonders groß, aber leichter Rauch kam heraus. „Oh Mann... Ich hoffe, ich werde das nicht bereuen." murmelte sie unsicher und ging ein paar Mal um den Krater herum. Vorsichtig sah sie in den Krater hinein und erblickte eine menschliche Form. Durch den dichten Rauch konnte sie aber nicht sehen, wer diese Person war, also entschloss Haruka sich, sie herauszuholen. Wie schlimm hätte es schon sein können?
...Anscheinend war es aber doch sehr schlimm, denn nachdem sie diese Person aus dem Krater geholt hatte, erschrak sie und versteckte sich hinter einem Felsen. „Okay, das ist der schlimmste Tag meines Lebens! Erst trennen sich meine Eltern, dann mache ich mich kopfüber ins Blaue auf und jetzt DAS!" Sie versuchte ihre Stimme zu senken, doch das gelang ihr vor Aufregung kaum.
Vorsichtig setzte sie einen Schritt nach dem anderen und ging wieder zu der menschlich wirkenden Person. „...Warum ausgerechnet ich? Warum muss ausgerechnet ich diesen Widersacher finden? Wo sind die Avengers, wenn man sie mal braucht? Und warum rede ich mit mir selbst?" Ihre Selbstgespräche waren schon eine Sache für sich.
Langsam bückte sich Haruka zu der, beinahe nur in schwarz und grün gekleideten, blassen, Person. Die Person war ein junger Mann. Zu mindestens sah er danach aus. Verwundet lag er da nun. Ohnmächtig und schwach. Jeder könnte ihn nun töten. Einst tötete er ungefähr achtzig Personen in zwei Tagen. Zudem verwüstete er New York und brachte Tod und Verderben über die Menschen, die dort lebten. Bis heute hin sind die Spuren der Katastrophe deutlich erkennbar.
Doch seine Macht gehörte nicht ihm. Das Einzige was er konnte, war die Fähigkeit, Trugbilder zu erschaffen und mit Dolchen wie ein Wahnsinniger um sich zu werfen. Auch einige Angehörige von Haruka wurde damals zum Opfer seines Wahnsinns. Es war zwar nicht so gewesen, dass sie diese Verwandten unbedingt leiden konnte, aber der Gedanke ist, was zählt.
Hin und her gerissen, dachte Haruka über ihre zukünftigen Taten nach. „Was soll ich machen?
Soll ich etwa einem wahnsinnigen Mörder helfen, der hunderte von Leben auf dem gewissen hat?
Oder soll ich ihn einfach seinem Schicksal überlassen? ...Wenn ich mein Handy dabei hätte, könnte ich die Polizei rufen. Na ja, dann würde ich aber wahrscheinlich wieder einige Personen in Gefahr bringen... Was also tun?" Sie redete vor sich hin und bemerkte nicht, dass der Mann sich mittlerweile wieder regte und ihr, mit angehobenen Augenbrauen, zuhörte. „Kannst mir jetzt bitte einfach helfen?" sprach er schwach und fühlte sich ein wenig veralbert. Haruka starrte verschreckt auf ihn hinunter. „Du hast mir zugehört?" fragte sie. Er antwortete nur mit einem kleinen „Jupp.".
„Wirst du mich jetzt umbringen?" fragte sie weiter. Der Mann verdrehte leicht die Augen und sprach: „Wenn du mir nicht hilfst, dann ist das höchstwahrscheinlich und ganz dezent der Fall."
Haruka wurde ein wenig blass. „Aber wenn ich dir nicht helfe und dich hier liegen lasse, wie willst du mich dann -" Er brüllte ihr dazwischen. „Kannst du mir jetzt bitte einfach helfen?! Der Boden ist nicht gerade ein gemütlicher Untergrund. ...Ich bin Loki aus Asgard. Du solltest froh sein, dass ich dich am Leben lasse! Ich bin ein Gott und könnte dich jeden Moment -" Haruka hob eine Augenbraue, hielt ihm den Mund zu und zog ihn ein Stück mit sich, bevor sie ihn an einen Felsen abstützte. Aus Loki's Blick konnte man sofort seine Gedanken entnehmen: „Ist das dein Ernst?"
Haruka grinste nur leicht auf den mickrigen Gott hinab. „Wenn ich dich nicht rette, würdest du einfach so verenden wie jede andere Kreatur in diesem Ödland. Da ist auch kein Gott eine Ausnahme. Verstanden?" Sie nahm ihre Hand von seinem Mund. Aus seinem trockenen Hals kam nur ein kleines „Ja ja...", bevor er sich nach hinten lehnte und die Augen schloss.
Plötzlich drückte sie Loki eine Wasserflasche vor die Nase und er schielte verwundert.
„Willst du die Flasche noch lange anstarren oder trinkst du jetzt mal was?" sprach sie. Man sah, dass Haruka leicht zitterte, auch wenn sie ihre Angst gut mit ein wenig Sarkasmus überspielen konnte. Loki nahm die Flasche mit leichtem Nicken und trank. Gleichzeitig legte Haruka ihm Schmerztabletten und ein eingepacktes Brot auf den Schoß.
Als das getan war, stand sie auf, drehte sich um und ging mit einem zufriedenen „Tschüss." ein paar Schritte nach vorn. Loki sah ihr verwundert hinterher. „Eh... Auf wiedersehen?" murmelte er und blinzelte verwirrt. „Wo will sie denn überhaupt hin?" dachte er verwirrt. Mit den Schultern zuckend, entgegnete er sich selbst daraufhin „Egal, ist ja nicht mein Problem. ...Mal nebenbei: Wo bin ich hier überhaupt?" Der Wind strich ihm um die Ohren und er blickte unsicher hin und her.
„Übrigens Loki: In wenigen Stunden wird es hier nur so von Polizisten und anderen Forschungsteams wimmeln. An deiner Stelle würde ich mich lieber schleunigst verkrümeln, sonst endest du wohl in einem Gefängnis oder dich erwartet die Todesstrafe. ...Viel Glück weiterhin und tschau!" Haruka setzte ihre Reise fort, doch dann glänzte ihr etwas entgegen und ihr Blick senkte sich. Eine Kristall? Nein. Ein regenbogenfarbiger, durchsichtiger Stein lag neben ihren Füßen.
Einfach so, wie als wäre nichts gewesen, verharrte der hübsche Stein dort. Haruka ging näher an ihn heran und hob ihn auf. Für seine Größe war er recht schwer. Er passte gerade so in ihre Hand und strahlte sie fröhlich mit den schönsten Farben des Regenbogens an. Ja, auch Steine haben anscheinend Gefühle. An den Stellen, an denen der Stein ihre Hand berührte, leuchteten die Farben noch stärker. „Was ist das?" fragte sie sich leise und sah aus dem Augenwinkel heraus zu Loki. Sie staunte nicht schlecht, als sie bemerkte, dass er sie schon die ganze Zeit beobachtete.
Anscheinend hatte er gerade nichts besseres zu tun. Nebenbei knabberte Loki noch an dem Brot, welches sie ihm gegeben hatte. Er scheiterte jedoch daran, die Tabletten zu schlucken. Ungefähr die Hälfte der Flasche war aufgebraucht, nachdem er endlich eine hinab bekommen hatte.
„Das kenne ich... Echt schlimm, diese kleinen Dinger." dachte sich Haruka amüsiert. Sie musste sich ein kleines Grinsen unterdrücken.
Plötzlich stand Loki auf und stapfte auf sie zu. Haruka's Augen weiteten sich und sie starrte wieder den Stein an. Loki stand nun neben ihr. Sie musste sich verbissen gegen einen Schrei wehren, der sich mühevoll ihren Hals hinauf kämpfte. Sie vergaß beinahe schon das Atmen. „Das bereitet mir eine Gänsehaut... Du darfst ruhig atmen." Loki legte seinen Kopf schief. Haruka sah mit blassem Gesicht zu ihm hinauf. „Der ist größer, als ich dachte..." schrie sie in Gedanken.
„Du bist ja fast blasser als ich. ...Mal nebenbei: Dieser Stein ist anscheinend ein Stück der Regenbogenbrücke. Es ist wohl ein Stück abgebrochen, als ich hinunter fiel..." Loki verschränkte die Arme vor seiner Brust. Haruka bekam nur ein kleines „Oh..." heraus. „Vielleicht kannst du die Steine, die hier herumliegen, gut verkaufen? ...So wie du aussiehst, kannst du das Geld sicherlich gebrauchen." Loki grinste sie frech an. Haruka wollte ihm am liebsten eine scheuern, aber das ließ sie dann doch lieber bleiben. Sie wusste gar nicht, was für ein Glück sie hatte...
