Lokis Tränen

Kapitel 6

Die Rückkehr zweier Legenden

Haruka sah kurz umher, um sicherzustellen, dass sie niemand beobachtete. Zaghaft rupfte sie die Kette von dem Hals des toten Mannes und betrachtete diese genauer. „Was... ist das?" flüsterte sie leise. Der Kristall der Kette beherbergte irgendetwas, doch man konnte nicht erkennen, was es war. Ein leicht milchiger Schimmer, schon fast wie leichter Nebel, lag darum. Trotzdem war die rote Färbung des Kristalls noch kräftig zu erkennen.

Haruka trat einige Schritte zurück und sah zum Podest. Dort lag noch immer das violette Kissen. Es sah so aus, als hätte da kürzlich noch etwas gelegen, etwas recht kleines. Nachdenklich legte sie die Kette auf das Kissen und sah umher. „...Nirgendwo ist ein Weg, der mich weiterführen könnte. Soll ich jetzt etwa einfach zurück gehen? Empfang habe ich hier auch nicht, also..." Langsam bewegte sie sich zurück in Richtung des Weges, auf dem sie hergekommen war.

Im nächsten Moment sah Haruka jedoch zurück zu der Kette. „...Nun ja, ich könnte ja auch..." Mit raschen Schritten ging sie zurück und schnappte sich die Kette. Nervös steckte sie diese in eine Tasche ihres Gürtels. „...Wird schon nicht schlimm sein." dachte sie sich erleichtert, als in der Ruine nichts weiter geschah. Schon fast rennend, begab sie sich wieder zum Ausgang der Ruine. „Phil, ich bin wieder da." Niemand antwortete. Nur ein recht fröhliches Pfeifen war zu vernehmen. Da Haruka wusste, was los war, denn es passierte recht oft, warf sie einen kleinen Stein nach oben und man hörte nur ein verschrecktes „Au!". Grinsend wartete Haruka ab. Schritte kamen näher und Phil sah nach unten. In seinen Ohren waren die Kopfhörer eines MP3-Players. Diese nahm er jedoch schnell wieder heraus, als er Haruka warten sah. „...Das sagen Sie aber bitte nicht Mr. Fury." sprach er, als er ihr heraus half. „Nein, keine Sorge... Da hätte ich schon zehn mal diesbezüglich Bericht erstatten müssen." kicherte Haruka, während sie sich den Staub von den Klamotten strich. „War dort unten etwas gefährliches oder gar tödliches?" Phil sah durch das Loch, aus welchem Haruka eben noch hinaus geklettert war. „Nun ja, wäre ich unverletzt hier, wenn es so wäre? ...Jedenfalls scheint es so, als ob es sicher wäre. Es gibt eine steile Treppe, bei welcher man sehr vorsichtig sein muss. Wenn man dann noch etwas weiter geht, sieht man Skelette, die Edelsteine in den Augenhöhlen haben. Dann gab es da noch eine Wand, die sich umdreht, wenn man gegen sie drückt. Man kommt zu einem großen See, mit einem Weg, der zu einem Podest führt. In der Decke sind einige Löcher. Man kommt sich so vor, als wäre man im Dschungel! Überall tropische Blätter und Ranken... In dem Wasser fand ich einige altertümliche Pfeile und die Leiche eines älteren Mannes. Offensichtlich war er ein Abenteurer gewesen..." Haruka fasste sich an die Tasche ihres Gürtels. Sie wollte Phil die Kette zeigen, aber zögerte und erzählte nichts davon. Sie spürte, dass sie etwas daran aufhielt. Was es war, wusste sie nicht.

Noch bevor Phil diese Nachrichten aufschreiben konnte, begann es plötzlich zu blitzen und zu donnern! Phil sah verwundert nach oben. „Oh, bekommen wir etwa Besuch?"

Auch Haruka sah hinauf und wunderte sich nicht schlecht, als sie sah, wie die Blitze plötzlich so aussahen, als würden sie miteinander tanzen. Die Blitze schlugen so ein, dass man denken könnte, sie würden eine Symphonie spielen. „Beethoven?" Einer der Blitze schlug einige Meter vor den beiden Agenten ein und zum Vorschein kamen... „Tadaaaa!" Eine nur allzu vertraute Stimme durchbrach den epischen Moment. Harukas Augen weiteten sich, als sie den Mann in schwarz-grüner Kleidung erblickte. „Okaaay... Bleib cool, Haru. Bleib cool!" In ihrem Kopf herrschte ebenfalls ein Wirbelsturm. Loki und Thor standen vor ihnen. „Sohn des Coul, es ist mir eine Ehre Euch wiederzusehen. Euch ebenfalls, Haruka." begrüßte sie Thor, während Loki mit großen Augen zu Haruka sah.

Harukas Wangen wurden ein wenig rot und sie begann ein wenig zu zittern.

„Es... ist ein Weilchen her, wie mir scheint." sprach Loki und lächelte sie sanft an.

Sie schluckte. Sie biss ihre Zähne zusammen und sah gen Boden. „Ah, Thor. Wie schön Sie zu sehen. ...Wie ich sehe, haben Sie Ihren Bruder mitgebracht. Ich hoffe nur, dass er keinen Ärger anstellt." Phil flüsterte seine letzten zwei Sätze. Thor sahen zu Haruka und Loki. „...Nein, offensichtlich wird er etwas abgelenkt sein." Loki hörte die Worte seines älteren Halbbruders und auch er wurde ein wenig rot. Nervös sah er von Thor wieder zu Haruka.

Während sich Phil und Thor unterhielten, ging Haruka zaghaft auf Loki zu. Beide waren recht unsicher, was sie jetzt tun sollten. Mit einem Mal umarmte Haruka den verwunderten Halbgott. Obwohl er zuerst erschrak, erwiderte er ihre Umarmung und schloss die Augen.

„...Idiot." kam es leise aus Harukas Mund, während ihr ein paar Tränen die Wangen hinab liefen. „Du hast mich einfach in der Einöde allein gelassen..." Loki sah sie traurig an und schmiegte seinen Kopf an ihren. „Ich weiß, Haruka... Ich weiß..." flüsterte er liebevoll.

Thor hatte ihr Treiben bemerkt und musste leicht lächeln. „Viel Glück, Bruder..." dachte er sich und wandte sich wieder Phil zu. „Aber, was ich mich frage, mit welchem Glück dürfen wir Euch hier begrüßen? Ist etwas vorgefallen?" Phil sah ihn eindringlich und böses ahnend an. Der Donnergott nickte leicht. „Ja, durchaus. In einer weit entfernten Welt, Karos, ist eine furchtbare Krankheit ausgebrochen. Diese hat schon Asgard erreicht. Nur eine Person kann uns jetzt noch helfen und das ist die weiße Rose." Phil sah ihn fragend an. „Von einer solchen Person habe ich noch nie gehört..." Thor sieht zu Loki und Haruka, welche ihnen mittlerweile gespannt zuhörten. „Die weiße Rose ist... Nun ja, wie soll ich es sagen? Sie ist eine sehr alte und doch junge Person. Sie ist älter als die Asen. Somit auch älter, als mein Vater. Sie hat jedoch die Gestalt einer noch recht jungen Frau. Einst wurde sie auf dieser Welt angebetet, doch die Menschheit hat sie zu Unrecht eingesperrt. Als einst ein riesiges Feuer loderte, wurde sie dafür schuldig gemacht, obwohl es eigentlich ein Brandstifter der eigenen Gattung war. Somit schlummert sie bis heute hin in einem roten Kristall. Hier in der Nähe soll er sich sogar befinden. Bald wird sie aufwachen und demjenigen dienen, der sie erweckt. Deswegen müssen wir sie finden. Nur sie kann diese Krankheit vernichten und die Welten retten!" Phil sah verdutzt zu Haruka, welche genauso überrascht war, wie er und dann wieder zu Thor zurück. „Das... ist viel Information. ...Aber... Was ist Karos für eine Welt? Ist sie eine Bedrohung?" fragte er leicht misstrauisch. „Nein, Karos ist eine neue Welt in unserem Universum. Somit sind es jetzt zehn Welten. ...Das ist durchaus ein unglaubliches Spektakel und sollte gefeiert werden, aber dazu haben wir sicherlich noch später Zeit, wenn erst mal die übrigen acht Welten gerettet sind. Asgard ist schon infiziert und viele Asen haben unglaubliche Schmerzen. Ich hoffe nur, dass sich die Krankheit nicht allzu schnell ausbreitet. ...Wir haben Glück, noch nicht von dem Virus befallen zu sein. Zu mindestens hoffe ich, dass wir es nicht sind..." Haruka sah besorgt zu Loki, welche sie nur leicht anlächelte. Sie trat ein paar Schritte nach vorn. Zuerst wollte sie jene Kette aus ihrer Gürteltasche holen, doch wiedermal zögerte sie und fragte stattdessen etwas ganz anderes. „Ich... ähm... Was passiert eigentlich bei dieser Krankheit?" Thor überlegte kurz und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Nun ja... Die betroffenen Asen klagen über schreckliche Albträume und ihre Haut beginnt sich grau zu verfärben. Es ist unklar, ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, aber das wissen wir spätestens, wenn wir die weiße Rose haben."

Haruka sah zu Boden und schluckte. „Wenn ich die Kette ihnen jetzt gebe, können sie das vielleicht beenden." dachte sie. Trotz allem verspürte sie nicht die Kraft, die Kette heraus zu holen. Etwas hinderte sie einfach daran. Ihre Arme waren schlapp. „...Wo ist eigentlich Euer Anführer, Mr. Pelzig?" Phil sah Thor mit schiefem Blick an. „Mr. Pelzig?" Haruka dachte, sie würde verstehen, worauf der Donnergott hinaus wollte. „Ach, er meint Mr. Fury.
Thor, nicht Mr. Furry, sondern Mr. Fury. ...Er hat 'ne Glatze, er kann nicht flauschig sein."

Von Thor kam nur ein kleines „Oh...", als Phil mit Tränen in den Augen einen Lachanfall bekam. „Soviel dazu..." sprach Loki grinsend.

Nachdem Phil sich wieder beruhigt hatte, machten sie sich gemeinsam zum Helicarrier auf.