Lokis Tränen
Kapitel 8
Die weiße Rose
Spät in der Nacht wachte Haruka ruckartig auf. Schwer atmend setzte sie sich auf und sah umher. Niemand war zu sehen. Offensichtlich war Loki schon in ein anderes Zimmer gegangen. Auf einem kleinen Nebentisch lag ein beschriebener Zettel. „Was für eine schöne Handschrift..." dachte sich Haruka, als sie den Zettel erblickte. „...Riecht das Blatt nach Rose?" Misstrauisch sah sie hin und her. Dann begann sie zu lesen: „Liebe Haruka, wenn du das hier liest, bist du wahrscheinlich aufgewacht. Das freut mich sehr. Einige Ärzte haben dich in dein Zimmer gebracht, als du ohnmächtig wurdest. Ich habe ein wenig Heilmagie angewendet, damit sich der Heilungsprozess deines Körpers schneller beendet ist. Ich hoffe, dir geht es gut. Mit lieben Grüßen, Loki." Harukas Wangen färbten sich leicht rot. „Er war also besorgt um mich, was?" flüsterte sie leise zu sich selbst. Ein leichtes Lächeln legte sich über ihre Lippen.
Nach einigen Momenten fiel ihr der Kristall wieder ein. Rasch suchte sie in ihrer Gürteltasche danach und zum Glück war er wirklich noch da. Loki hatte ihn anscheinend nicht entdeckt. Von Haruka kam nur ein kleines „Puh.", als sie sich den hübschen Kristall genauer ansah. „Darin schlummert also die weiße Rose, wie? ...Wer das wohl sein mag." In ihren Gedanken malte sie sich die Person aus, männlich und weiblich. „Vielleicht ist es ja eine Frau, die nach einem kleinen Mädchen aussieht. Sie ist wahrscheinlich kindisch und hat Rosenblätter in den Haaren. Oder es ist ein junger Mann mit einer langen Klinge, welche mit den Dornen der Rosen bestückt ist. Was für eine schöne Vorstellung..." Sie murmelte leise vor sich hin und dachte an verrückte Personen. Das müssen wirklich seltsame Ideen gewesen sein, denn sie hat ja schließlich schon so einige Persönlichkeiten gesehen. Kerle in hautengen Uniformen, in metallenen Anzügen oder in Ganzkörperanzügen, die mit einigen Metallplatten bestückt sind. Das konnte sie kaum glauben, es war aber wahr. Wahrscheinlich waren die ausgedachten Personen eine kunterbunte Mischung aus alledem. „Ein ultimativer Avenger... Oder eher ein Transformer?" Ein leichtes Gekicher drang aus ihrem Mund.
Ein leichter Schein kam aus dem Kristall. „Du schmeichelst mir..." Eine junge, weibliche Stimme erklang. Harukas Augen weiteten sich und sie sah verwundert umher. „Verdammt, hat mir jemand zugehört?!" Sie konnte niemanden sehen. „Hey, ich bin direkt vor dir!"
Sie sah direkt vor sich. „Nein, noch ein Stückchen tiefer. ...In deiner Hand!" Haruka sah auf den Kristall. „Ne, oder?" Verschreckt ließ sie den Kristall auf das Bett fallen. „Herzlichen Dank auch..." kam es aus dem Kristall. Vorsichtig hob sie ihn an dem befestigten Band hoch und sah hinein. „Ist gerade bei dir jemand?" fragte die Stimme. Haruka schüttelte leicht den Kopf.
Plötzlich begann der Kristall sehr stark zu leuchten und ein weißer Strahl kam heraus.
Einige weiße Rosenblätter flogen von jenem Punkt, auf den der Strahl traf, komplett durch das Zimmer von Haruka. Es war ein wunderschöner Anblick! Langsam begann sich in dem Licht eine Form zu bilden. Sie war menschlich und wurde langsam größer. Offensichtlich war es eine Frau. Sie war sogar größer als Haruka, welche schon 1,75 Meter groß war!
Das gleißende Licht um die Frau herum erlosch. Das meiste, was sie anhatte, war weiß.
Mann, was für eine Überraschung! …Ja... „B-bist du die weiße Rose?" fragte Haruka leicht stotternd und trat einen Schritt nach hinten. Die Augen der Frau waren zweifarbig. Ihr linkes Auge war goldgelb und das rechte Auge war aquamarinblau. Mit diesen leicht glühenden Augen sah sie auf die leicht zitternde und verängstigte Haruka hinab. „Ja, das bin ich." Die Stimme der Frau war nicht allzu hoch, aber erklang rein und schön. Ihr schulterlanges, weißes Haar (Ne, echt?) umrahmte ihr blasses Gesicht. Ihr Pony (nicht das Pferd) verdeckte ein wenig den oberen Teil ihrer Augen. Mehrere Strähnen gingen sogar über ihre Augen hinweg. Trotzdem konnte man ihre glasklaren Augen noch deutlich sehen. ...Vor allem wegen dem leicht bedrohlichen Glühen.
Um ihren Hals herum befand sich ein kleiner, hellblauer Aquamarin. An den Seiten dieses Aquamarins war ein weißer Umhang befestigt. Eine Jacke mit einem silbernem Reißverschluss war noch unter dem Umhang und direkt darunter befand sich ein hellbrauner (Wow, mal eine andere Farbe!) Gürtel, mit mehreren Gürteltaschen. An den Seiten des Gürtels waren zwei silberne Sensen, mit hellblauen, leuchtenden Schriftzeichen, befestigt. Der Rest war nicht sonderlich spektakulär. Einfach nur noch eine weiße Hose und weiße Stiefel, die ihr fast bis zu den Knien gingen. Die Stiefel hatten keine hohen Absätze. Sie ähnelten eher denen von Loki.
Haruka war leicht geblendet von diesem Anblick. Sie sah wirklich so aus, als würde sie direkt aus einer alten Legende stammen! Durch ihren weit geöffneten Mund sah man auch deutlich, dass sie ziemlich verblüfft war. Die weiße Rose hatte einen leicht ernsten Blick.
„Du bist... Haruka Demoson, nicht wahr? Ein normaler Mensch, richtig?" Haruka antwortete einige Momente nicht und starrte einfach weiter. Die weiße Rose hob eine Augenbraue und legte den Kopf schief. „Ähm... Könntest du vielleicht aufhören, mich so anzustarren? ...Das wird ja langsam peinlich..." Haruka schüttelte nur kurz ihren Kopf, um wieder klar denken zu können. „Oh, Entschuldigung. ...J-ja, mein Name ist Haruka Demoson und ich bin ein stinknormaler Mensch. ...Eigentlich schon ein bisschen erniedrigend, wenn ich so drüber nachdenke..." Die junge Frau lächelte leicht. „Ich wäre froh, wenn ich eine normale Person wäre... Aber wie auch immer. Entschuldige, dass du meinetwegen krank geworden bist. Ich hatte versucht, mit dir Kontakt aufzunehmen, doch meine Kraft war wohl zu stark. ...So, wie ich das mitbekommen habe, müsstest du aber in Kürze wieder komplett gesund sein. Das war nämlich eine eigenartige Szene, die ich da zu Gesicht bekommen habe..." murmelte die weiße Rose leise. Haruka legte nur fragend den Kopf zur Seite, woraufhin die junge Frau nur leicht lächelte und das Thema wechseln wollte. „Nun... ähm... Irgendwelche Fragen?" Haruka überlegte kurz. „...Dein wirklicher Name ist aber nicht 'die weiße Rose', oder? Das wäre überaus merkwürdig, selbst für eine Zeit, die weit hinter unserer liegt... Na ja, obwohl... Heutzutage heißen einige ja immer noch Wolfram, Günther oder Rüdiger." Haruka kratzte sich verlegen am Kopf. „Nein, das ist nicht mein wirklicher Name... Es gibt wirklich Leute, die solche Namen tragen? Ach, du meine Goethe... Wie auch immer. Mein wirklicher Name ist Wephisia Maphost. ...Das bedeutet eigentlich 'weiße Rose', also ist das ja dann irgendwie doch mein Name. Ach, egal..." antwortete sie von sich selbst verwirrt. Haruka wunderte sich über ihren Namen.
„Okay, so einen Namen habe ich auch noch nie gehört. ...Diskutieren wir gerade ernsthaft über Vornamen?" Daraufhin zuckte Wephisia nur mit den Schultern. „Offensichtlich..."
Haruka musste sich ein leichtes Kichern verkneifen. „Du bist mir sympathisch, Wephy."
Wephisia sah sie aufgrund dieses Spitznamens verwundert an. „Du kennst mich noch nicht mal seit fünf Minuten und gibst mir einen Spitznamen?" Fröhlich nickte Haruka. „Japp, das mache ich bei fast jedem! ...Nur bei Loki und Thor ist das ein wenig schwierig.
Bei Nick traue ich es mir nicht. Phil und Tony haben schon seit langem einen Spitznamen... Eigentlich hat fast nur Captain America einen Spitznamen bekommen, nämlich Cap oder auch Cap-Cap." Über sich selbst beschämt drehte sich Haruka um. „Was erzähle ich da eigentlich für einen Mist?!" schimpfte sie mit sich selbst. „...Leonardo DiCAPrio..." kicherte Wephisia leise. Langsam wurde die Situation schon etwas schräg.
Verwundert über diesen Kommentar, drehte sich Haruka wieder um. „Ja... Ja, doch. Du gefällst mir! …Du hast beinahe die gleiche bescheuerte Denkweise, wie ich!"
Leicht lächelnd blinzelte Wephisia peinlich berührt. „Ist das jetzt ein Kompliment?" fragte sie sich in Gedanken. War das der Beginn einer verrückten Freundschaft?
