Author's Note: Hier nun das zweite Kapitel, ein Jahr nach dem verheerenden Streich. Da ich die kurzen Szenen, in den die Charaktere beim ersten Antreffen vorgestellt werden, im Spiel sehr cool finde, habe ich versucht etwas ähnliches auch in der Geschichte zu verpacken. Ich hoffe, es hat funktioniert. Ansonsten gibt es jetzt die Busfahrt, einen Spaziergang und einen Wettstreit unter Männern zu bewundern. Viel Spaß.

PS: Ich werde, sobald ich mir sicher bin, auch vier Charaktere auswählen, die in der Kurzübersicht angezeigt werden. Wenn ich weiß wen ich nehme, mache ich das. Ob ich die Pairings dazu packen, weiß ich aber noch nicht.

Rating: Aufgrund von Blut und Schimpfworten habe ich die Story mit einem T bewertet.

Disclaimer: Mir gehört weder die Marke Until Dawn, noch die dazu gehörenden Charaktere. Nur die Rechte meiner drei OC's liegen bei mir.

Ein Jahr später

Es schneite. Mal wieder. Es schien in Blackwood immer zu schneien. Trotz des Schnees fuhr der Bus ziemlich zügig die gepflasterte Straße entlang. Nur wenige Leute fuhren diese Strecke, noch weniger zu dieser Jahreszeit. Vielleicht fielen die beiden jungen Frauen, die nebeneinander saßen, daher besonders stark auf. Eine von ihnen, die am Gang saßen, starrte auf ihr Handydisplay, hatte eine Kopfhörer in einem Ohr und schien sich auf das, was ihr gesagt wurde, zu konzentrieren. Die andere sah konzentriert nach draußen, beobachtete die Schneeflocken. Mit einem Mal stieß die Frau am Gang ihrer Freundin mit dem Ellenbogen in die Seite. Ihre Freundin schaute zu ihr. Auffordernd wurde ihr einer der Ohrstöpsel hingehalten. Sie reagierte nicht sofort.

"Ich will den Mist nicht hören, Sam", murmelte sie.

"Dann interessiert dich Josh's Video gar nicht, Maya?"

Maya seufzte nur, nahm den Hörer an sich und steckte ihn sich in ein Ohr. Die leicht knarzende Stimme eines Mannes erklang.

"…Zum Jahrestag des mysteriösen Verschwinden von Hannah und Beth Washington."

Sam stoppte die Tonspur und schaltete auf ein Video um. Auf dem Bildschirm erschien das leicht verschwommene Bild eines jungen Mannes. Er grinste breit und fuhr sich einmal durch die kurzen, schwarzen Haare.

"Hallo, Freunde und Fans", grüßte er theatralisch.

"Cut!", brüllte eine weitere Jungenstimme von hinter der Kamera.

Sam schaute Maya fragend an.

"Nick", erklärte sie. "Er ist vorgefahren, wollte Josh etwas helfen. Jetzt weiß ich auch wobei."

Eine Hand erschien kurz vor der Kameralinse und stellte dieses scharf. Es knarrte kurz etwas. Ein erhobener Daumen tauchte im Bild auf, kurz danach erklang wieder die Stimme von Nick aus dem Off.

"Okay, nochmal."

Josh grinste und breitete die Arme aus.

"Hallo, Freunde und Fans. Es ist unglaublich euch alle dieses Jahr wieder hier zu haben. Zuerst möchte ich sagen, wie großartig ich es finde euch hier willkommen zu heißen zum alljährlichen Blackwood-Winter-Ausflug. Wuhh."

Er riss die Arme in die Höhe, hinter der Kamera jolte Nick mit. Schlagartig wurde Josh wieder ernst.

"Gut, also… lasst uns einen Moment Zeit nehmen, um über den, sagen wir, 'Elefanten im Raum', zu sprechen. Ich weiß, dass ihr euch alle Sorgen um mich macht und dass es für uns alle hart wird wieder hierher zu kommen, nach dem, was letztes Jahr passiert ist… aber, ich möchte, dass ihr wisst… es bedeutet… es bedeutet mir so viel, dass wir das durchziehen. Und ich weiß, dass es Hannah und Beth sehr viel bedeuten würde, dass wir alle wieder hier sind und an sie denken. Ich möchte gerne mit jedem von euch Zeit verbringen und ein paar Momente teilen, die wir niemals vergessen werden. Für meine Schwestern. Okay… Also… Feiern wir, als wäre wir gottverdammte Pornostars. Erleben wir eine Partie, die wir niemals vergessen werden, alles klar? Ja!"

"Ja!", brüllte Nick von hinter der Kamera und reckte wieder den erhobenen Daumen ins Bild.

Josh kam auf die Kamera zu.

"War das gut? Soll ich noch was…"

Das Bild wurde schwarz. Maya zog sich den Ohrstöpsel wieder heraus. Sam lächelte, lehnte sich zurück. Schweigend setzten die Freundinnen die Fahr fort, beobachteten die Gegend von Blackwood, die am Fenster des Busses vorbeiraste. An einem verschneiten Durchgang kam er zum Stehen. Ratternd öffneten sich die Türen, die beiden jungen Frauen verließen den Bus. Schnee rieselte auf sie hinab, das Holzschild, welches an dem Durchgang hing, schwenkte im Wind leicht vor und zurück. Blackwood Pines stand darauf. Sam ging auf das eingeschneite Holztor zu, löste den Metallverschluss und stieß das Tor auf.

Sam
Hannah's beste Freundin
Gewissenhaft
Umsichtig
Abenteuerlustig

Sam hielt das Tor auf und wandte sich um. Einige Schritte hinter ihr stand Maya. Ihr Blick wanderte den Berg, der vor ihnen lag, hinauf.

"Kommst du?", fragte Sam.

Maya riss sich von dem Anblick des Berges los und schaute wieder zu ihrer Freundin. Bei Sams Anblick musste sie schmunzeln. Nur Anhand der Mütze, die aussah wie aus Russland, konnte man erkennen, dass Sam bereit war durch den Schnee zu stapfen. Naja, und anhand der dunklen Jacke. Doch der kurze Rock und die Strumpfhose passten in Mayas Augen nicht so ganz ins Bild. Da taten auf die Stiefel keinen Abbruch. Mit langsamen Schritten kam Maya auf ihre Freundin zu. Sie nahm Sam das Tor ab und schloss es hinter sich.

Maya
Nick's Zwillingsschwester
Beobachtend
Realistisch
Aufmerksam

Im Gegensatz zu ihrer Freundin fühlte sich Maya durchaus passender für den Trip angezogen. Kniehohe Stiefel über der Uniformhose, Sweatshirt und langer Mantel darüber. Also, so lang bis an die Knie. Alles in allem eine durchweg warmhaltende Kombination. Maya rückte den Griff ihres Rucksacks zurecht und folgte Sam den engen, eingeschneiten Pfad entlang. Der Schnee knirschte unter ihren Schuhe, der Wind pfiff um sie herum. In regelmäßigen Abständen beleuchteten hüfthohe Lampen den Weg. Sam wandte sich zu Maya um, die wieder etwas zurückgefallen war.

"Hey, nicht zurückfallen!", rief Sam, musste aber lächeln.

Maya holte mit schnellen Schritten wieder auf, lief sogar ein paar Schritte vor. Aus dem sie umgebenden Wald flogen ein paar Krähen über sie hinweg, krächzten auf. Die Freundinnen zuckte erschrocken zusammen.

"Himmel", murmelte Maya und strich eine rotbraune Haarsträhne zurück.

Sam nickte zustimmend. "Als wäre es hier nicht schon unheimlich genug."

"Angst?", fragte Maya neckend.

"Träum weiter", war die Antwort.

Sie setzten sich wieder in Bewegung, stiegen weiter den Weg hinauf. Die Felsen wurden immer höher, die Bäume ragten über ihren Köpfen auf den Weg. Langsam erschien vor ihnen ein großes Eisentor. Es war sauber zwischen zwei Steinmauern eingelassen worden. Sam erreichte es als Erste und erblickte den Zettel, der an der Klinke des Tors hing. In krakeliger Schrift stand dort: Das Tor ist kaputt. Klettert drüber. Chris und Conner

"Was? Shit."

"Was ist?"

Sam ging zu Maya und hielt ihr den Zettel hin. Sie überflog die Nachricht, verdrehte die Augen und seufzte.

"War klar."

Während Maya den Zettel zusammenfaltete und in ihre Hosentasche steckte, trat Sam an eine der Mauern heran. Sie strich über den mit Moos und Schnee bedeckten Stein, schätze die Höhe ab.

"Das ist leicht", meinte sie schließlich.

"Für dich. Du machst das hobbymäßig", konterte Maya und trat an Sam und die Mauer heran.

Anders als Sam wirkte sie nicht besonders angetan von dem Gedanken daran gleich die Mauer erklimmen zu müssen. Sam griff die ersten Steine und zog sich nach oben. Vorsichtig erklomm sie die Mauer. Maya war ein Stück zurückgetreten und sah ihrer Freundin etwas verunsichert zu.

"Sei vorsichtig", meinte sie leicht besorgt.

"Das ist ziemlich einfach", antwortete Sam und schwang sich auf die obere Kante der Mauer. Dort blieb sie hocken und streckte Maya helfend eine Hand hin.

"Komm, rauf mit dir!"

Maya war skeptisch. Sie ging noch einmal zum Tor und begann an diesem zu ruckeln. Es klapperte laut, die Metallstangen schlugen gegeneinander. Doch das Tor blieb fest verschlossen. Mit einem tiefen Seufzer trat Maya wieder zurück und ging zur Mauer, wo ihr Sam immer noch auffordernd die Hand hinhielt. Es gab keine andere Möglichkeit. Zögernd ergriff sie die ersten Steine, setzte einen Fuß auf die untere Kante der Mauer. Mit einem Ruck stieß sie sich ab, streckte die andere Hand aus und ergriff die Hand von Sam. Während Maya sich mit den Beinen von der Mauer abstieß, zog Sam sie so weit nach oben, bis sie mit der freien Hand die Mauerkante greifen konnte. Mit Sams Hilfe zog sie sich nach oben, bis sie auf der Kante kniete.

"Siehst du, ganz einfach", meinte Sam grinsend und sprang auf die andere Seite der Mauer.

"Total einfach", murmelte Maya und sprang ihr hinterher.

Der Schnee federte ihren Fall ab. Sie stapften zurück auf den vom Schnee befreiten Pfad und folgten diesem weiter nach oben.

"Wie sind die Jungs wohl darüber gekommen?", stellte Maya schließlich die Frage, die sie schon die ganze Zeit beschäftigte.

"So wie ich die beiden kennen, war es da noch heile", meinte Sam.

Maya nickte. Ja, es war Conner und Chris wirklich zuzutrauen, dass sie beim Versuch ihnen einen Streich zu spielen das Tor kaputt gemacht hatten. Die zwei Freundinnen hatten das Tor schon weit hinter sich gelassen, als vor ihnen auf dem Weg ein kleines Eichhörnchen auftauchte. Maya stieß gegen Sam, die schlagartig angehalten hatte.

"Wow, vorsichtig."

"Psst."

Sam ging in die Hocke und beobachtete das kleine Tierchen.

"Na du kleines Kerlchen", flüsterte sie. "Hast du Hunger?"

Sie kramte etwas in ihrer Jackentasche herum und holte ein paar Nüsse hervor, die sie dem Hörnchen hinhielt. Maya verharrte regungslos und beobachtete das Geschehen. Ganz langsam näherte sich das Eichhörnchen Sam, die Augen wanderten beide ruckartig zwischen den jungen Frauen hin und her. Mit einem Satz sprang das Hörnchen nach vorne, schnappte sich die Nüsse aus Sams Hand und verschwand wieder im Wald.

"Süß", meinte Sam, als sie wieder aufstand.

Maya reagierte nicht, sondern ging den Weg weiter.

"Komm, die Jungs warten sicher schon", sagte sie über ihre Schulter.

Sam lachte, holte sie aber mit schnellen Schritten wieder ein.

"Oh, ich bin mir sicher einer von beiden erwartet dich schon sehnsüchtig", neckte sie.

Fragend zog Maya eine Augenbraue hoch und schaute ihre Freundin an. Doch Sam grinste nur vielsagend.

"Von wem redest du?", fragte Maya schließlich.

Sam schlug ihr gegen die Schulter. "Von Conner natürlich. Mich wunderst es wirklich, dass du nicht mit ihm hier hochgefahren bist."

Maya seufzte und rieb sich den Nacken. Die ganze Busfahrt hatte sie sich schon gefragt wann diese Frage kommen würde. Conner war einer ihrer engsten Freunde aus der Gruppe. Sie kannten sich seit dem Kindergarten, waren nebeneinander wohnend aufgewachsen. Ohne Conner hätte sie viele ihrer Freunde nie kennengelernt, das wusste sie. Seit der Pubertät waren er und sie quasi unzertrennlich. Sie half ihm bei den Hausaufgaben und er versuchte ihr das Skateboard fahren beizubringen. Beides war eher von mäßigem Erfolg gekrönt. Im letzten Jahr hatten sie zusammen mit Chris und Ashley fast jeden Tag in der Bibliothek verbracht.

"Ich habe meine Gründe", erklärte Maya.

"Und welche?", hakte Sam nach.

"Sam, muss das sein?"

"Hey, wir haben noch einen ganz schönen Weg bis zur Seilbahnstation vor uns. Füllen wir die Zeit mit Leben. Also, erzähl es mir."

Maya seufzte wieder. Ihre Freundschaft zu Sam hatte sich seit dem Vorfall vor einem Jahr verändert. Sie war… anders geworden. Beide hatten sie ihre Freundinnen verloren und machten sich Vorwürfe nicht genug getan zu haben. Sam hatte sich danach sehr um Josh gekümmert, doch Maya hatte es nicht über sich gebracht dem Bruder ihrer Freundinnen ins Gesicht zu sehen. Trotzdem bewunderte sie Sam insgeheim für das, was sie für Josh tat. Sie konnte ihr vertrauen.

"Conner hat mich gefragt, ob ich mit ihm hochfahren will."

"Vor Chris?"

"Vor Chris. Aber ich… Sam, er hat sich verändert im Laufe des letzten Jahres. Ich bin gerne mit ihm zusammen, aber langsam brauche ich etwas Abstand. Was nicht heißt, dass ich ihn nicht gerne um mich habe, ich… naja, ich dachte etwas Zeit unter Jungs könnte ihm ganz gut tun", schloss sie.

Sam nickte. Sie schien zu verstehen, dass das Ganze nicht einfach war.

"Was meinst du mit 'Er hat sich verändert'?", fragte sie schließlich.

"Das wirst du sehen, wenn du etwas Zeit mit ihm verbringst. Wird dir wahrscheinlich eher auffallen als mir."

Sie hatten die untere Seilbahnstation erreicht. An der kleinen Holzhütte, welche die Seilbahnstation darstelle, brannten ein paar Lichter, ansonsten war es dunkel. Neben dem großen Schild, welches jemand mit Graffiti beschmiert hatte, stand ein Motorrad. Es hatte breite Reifen, an denen noch Schnee klebte, war pechschwarz und mit roten Drachen an den Seiten. Die lange Sitz, auf dem zwei Personen Platz haben konnte, war aus dunklem Leder, ebenso die Griffe des Lenkers. Sam wirkte etwas erschrocken, als sie das Geschoss erblickte.

"Das gehört Conner?", fragte sie Maya und deutete auf das Gefährt.

Maya nickte nur und seufzte. Nach der Sache mit Hannah und Beth hatten sich ihre Eltern alle merkwürdig verhalten. Ihre eigene Mutter war total durchgedreht und hatte plötzlich vor der Tür von der Wohnung gestanden, die Nick und Maya sich teilten. Sie hatte einfach nicht gehen wollen. Conners Eltern gingen davon aus, dass ihr armer Sohn ein schweres Trauma durch den Verlust von zwei seiner Freundinnen davongetragen haben musste. So, als hätte er zwei Schwestern verloren. Kurzerhand hatte sie ihm daher nach seinem Führerschein nicht nur ein Auto, sondern auch ein Motorrad gekauft. Das Auto hatte Conner wieder verkauft, doch das Motorrad war sein persönlicher Liebling geworden.

"Ein Geschenk seiner Eltern", erklärte Maya und ging zu der Hütte. Auf einer Bank, die von zwei Lampen erleuchtet wurde, standen zwei Rucksäcke und ein Motorradhelm. Sam riss sich endlich von dem monströsen Gefährt los und sah sich suchend um.

"Jungs? Wo seid ihr?", rief sie in den Wind hinein.

"Ihre Rucksäcke sind da",meinte Maya und deutete auf die Bank.

"Ihr seid da nicht drin, oder?", rief Sam wieder und näherte sich den Rucksäcken.

Maya blieb etwas hinter ihr, sah sich um. Gerade hatte sie das merkwürdige Gefühl verfolgt zu werden. Schnell schüttelte sie den Gedanken ab. Sie wurde noch paranoid, wenn das so weiter ging. Sam war derweil bei den Rucksäcken angekommen. Aus einem der beiden, dem von Chris, ragte sein Handy ein Stück heraus und vibrierte vor sich hin. Sam musste grinsen.

"Oh, was haben wir denn da?", murmelte sie.

Maya stand jetzt ein paar Schritte schräg hinter ihrer Freundin.

"Hältst du das wirklich für eine gute Idee in Chris' Sachen zu schnüffeln?", warf sie ein.

"Was denkst du von mir?", antwortete Sam leicht entrüstet und schloss den Reißverschluss des Rucksackes wieder.

Maya zuckte nur mit den Schultern. "Ich wollte es nur mal erwähnen. Bei dir kann man nie sicher sein."

"Das merke ich mir", antwortete Sam mit gespielter Empörung.

Sie begannen wieder Ausschau nach Conner und Chris zu halten, doch es blieb still um sie herum. Gerade schien Sam wieder etwas sagen zu wollen, als Schritte auf den alten Holzbrettern hinter ihnen erklangen. Dazu kam die erfreute Stimme eines jungen Mannes.

"Sam! Maya! Ihr seid hier!"

Sie wirbelten herum. Hinter ihnen stand ein hochgewachsener junger Mann in dunkelblauer Winterjacke, schwarzer Hose und dicken Stiefeln, ein breites Grinsen im Gesicht.

Chris
Ist verknallt in Ashley
Methodisch
Beschützerisch
Humorvoll

Zur Begrüßung zog er beide jungen Frauen in einen freundschaftliche Umarmung. Danach ging er an ihnen vorbei und schnappte sich seinen Rucksack, um ihn sich über die Schulter zu schwingen. Den anderen griff er zusammen mit Motorradhelm mit der anderen Hand.

"Oh, ich habe etwas gefunden, das wird euch umhauen", erklärte er den Freundinnen. "Kommt mit."

"Was ist es?", fragte Sam nach.

Chris ging vor ihnen her den Weg neben der Hütte entlang.

"Wird nicht verraten, aber es wird euch umhauen", fuhr er fort.

"Es gibt wenige Dinge, die mich umhauen", meinte Maya nur.

Chris grinste sie breit an. "Oh, ich glaube, das wird sogar unsere Mrs. Tough umhauen."

Als sie an der Hütte vorbeigingen, fiel Mayas Blick auf einen Zettel, der daran hing. Sie hielt inne und betrachtete ihn genauer. Zumindest wollte sie es.

"Maya!", rief Sam. "Komm!"

"Jaha!"

Mit schnellen Schritten holte Maya zu ihren Freunden auf. Hinter der Seilbahnstation stand eine sehr einfache Form eines Schießstandes. Mit einem Holzzaun war ein Teil abgetrennt, ein Vordach diente als Schutz für den Schützen. Chris wirbelte zu den Freundinnen herum und breitete die Arme aus.

"Taddah."

"Was zur Hölle ist das?", fragte Maya leicht überrascht.

"Das ist ein Schießstand, Baby", erklärte eine Stimme hinter Chris.

Jetzt trat der Vierte der Gruppe hervor.

Conner
Chris' und Josh's bester Freund
Treu
Aufbrausend
Verantwortungsbewusst

Jetzt, wo du zwei Freunde so nebeneinander standen, könnte man glauben Chris und Conner wären Brüder. Beide trugen diese Brille mit dem dicken Vollrahmen und hatten eine ähnliche Gesichtsform, auch wenn Conner sich durch seinen leichten Vollbart etwas abhob. Und wenn Conner auch noch seinen Beanie abnehmen würde, würde wahrscheinlich sogar die gleiche Frisur wie bei seinem besten Freund zum Vorschein kommen. Nur in dunkler. Dazu war er etwas größer und breitschultriger als Chris. Aber ansonsten fast wie Brüder.

Seine dunklen Lederhandschuhe knackten leicht, als er seine Finger um den Lauf eines Gewehrs schloss, das er schon die ganze Zeit in der Hand hatte. Er grinste und spielte mit der freien Hand etwas an seinen Schal herum. Als sein Blick den von Maya traf, wurde sein Lächeln etwas breiter. Auch sie musste lächeln und wurde sofort etwas rot. Conner lehnte das Gewehr an den einen der Träger des Vordaches und zog die Freundinnen zur Begrüßung nacheinander an sich. Maya hielt die Umarmung mit ihm etwas länger, was er durch einen starken Druck in den Armen erwiderte.

"Geht es dir gut?", fragte Maya leise.

"Jetzt, wo du da bist, besser, Babygirl", antwortete er und brachte sie wieder zum Lächeln.

"Hey, was macht ein Schießstand in der Nähe einer Ski Lodge?", fragte Sam schließlich.

Conner ließ Maya los und richtete sich wieder auf.

"Kennst du Josh's Vater eigentlich?", stellte Chris eine Gegenfrage.

"Ja", antwortete Sam sofort.

"Der hält sich für eine Art Großwildjäger. Wollt ihr mal?"

Fragend hielt Chris Maya und Sam das zweite Gewehr entgegen. Conner hatte sich derweil seines geschnappt und sich in Position gestellt. Kopfschüttelnd lehnte Sam und Maya ab, also legte Chris an und stellte sich neben Conner auf. Die Freunde warfen sich kurze Blicke zu, visierten dann über die Gewehrläufe an und drückten ab. Ein Sandsack erzitterte unter dem doppelten Treffer, kurz danach explodierte eine auf einem Baumstumpf aufgestellte Bierflasche.

"Meiner", knurrte Conner und schwenkte die Waffe auf der Suche nach einem guten Ziel.

"Ich würde behaupten, das war pures Anfängerglück", neckte Maya, die sich neben Conner an den Träger des Vordaches lehnte. Sam, die an der anderen Seite stand, nickte und grinste. Conner winkte ab. In dem Moment explodierte eine weitere Flasche. Chris vollführte mit der Waffe in der Hand einen kleine Siegestanz.

"Oh yay, ich bin böse, ich bin böse drauf", kommentierte er seine spontane Tanzeinlage. Maya verdrehte nur die Augen, während Conner ungehalten brummte.

"Oh, jedes Baby kann ein so großes Ziel auf so kleiner Distanz treffen", neckte jetzt Sam die beide Schützen.

Wie aufs Stichwort tauchte ein kleines Eichhörnchen auf und kletterte auf eines der Fässer. Aufmerksam beobachtete es die Gruppe. Chris zögerte kurz, schwenkte dann aber um und platzierte seinen Schuss in einem etwas größerem Sandsack. Nur Conner hielt weiterhin auf das Eichhörnchen an. Sein Zeigefinger zitterte nervös am Abzug, das Leder der Handschuhe knackte wieder. Im letzten Moment schwenkte er ab, die Kugel raste in eines der anderen Fässer.

"Hah, ich hab dich erwischt!", rief Chris triumphierend.

Conner senkte sein Gewehr und hielt seinem besten Freund die Hand hin.

"Einen kleinen Sieg muss ich dir ja auch mal gönnen", meinte er grinsend.

Sam schwang sich vom Träger weg. Sie hatte etwas rattern gehört.

"Hey, Leute, unser Taxi kommt", klärte sie ihre Freunde auf und ging mit strammen Schritten in Richtung Station.

Nur sehr widerwillig ließen die beiden jungen Männer ihre Waffen zurück, aber sie folgten Sam. Maya bildete den Schluss. Nur zur Sicherheit. Wieder fiel ihr dieser Zettel auf, diesmal blieb sie stehen. GESUCHT: MILGRAM, VICTOR stand dort in großen Buchstaben. Darunter eine genaue Beschreibung des Gesuchten. Maya war gerade dabei sie zu überfliegen, als Conners Stimme erklang.

"Hey, Babygirl, komm!"

"Bin unterwegs!"

Etwas verunsichert lief sie zu ihren Freunden. Dort schloss Chris gerade die Tür zur Seilbahnstation auf und ließ sie nacheinander hinein. Hinter ihnen schloss er die Tür wieder und es klickte leise, als er abschloss.

"Warum…", fing Maya an, doch Conner fiel ihr mit der Erklärung ins Wort.

"Josh hat uns darum gebeten. Er meinte, hier hätten wohl öfters Leute gepennt, daher muss jetzt abgeschlossen werden."

"Muss echt schwer sein für Josh", meinte Sam.

"Weiß nicht wie er das aushalten kann", brummte Conner.

"Ich wäre ein Wrack", antwortete Chris.

Maya konnte nur nicken, unfähig ihre Gefühle Josh gegenüber wirklich in Worte zu fassen.

"Wir müssen einfach alle auf ihn aufpassen", sagte sie schließlich. Die anderen nickte zustimmend.

Ratternd kam die Seilbahn zum Stehen. Die Freunde stiegen ein. Sam und Chris setzte sich auf die Bank mit dem Rücken zur Lodge, Maya und Conner ihnen gegenüber. Kaum, dass sie saßen, setzte sich die Bahn ratternd und schwankend in Bewegung.

"Auf ins Abenteuer", meinte Chris und grinste nur in die Runde.

"Ich hoffe echt wir tun das Richtige. Also, uns alle hier wieder zu treffen", warf Sam ein.

"Sicher", antwortete Conner ruhig. "Ich habe Josh lange nicht mehr so aufgeregt gesehen. Das ist eine ganz große Sache für ihn. Ich meine, es ist gut, dass wir uns alle wiedersehen. Wenn nicht für uns, dann für Beth und Hannah. Sie hätten sich unglaublich gefreut, da bin ich mir sicher."

Seine Worte blieben im Raum stehen, da keiner etwas dazu sagen wollte. Eine Weile herrschte Stille. Die Gondel schaukelte hin und her. Schließlich durchbrach Chris die Stille.

"Hey, wisst ihr eigentlich wie Josh, Conner und ich uns kennengelernt haben?"

"Oh, nicht die Geschichte schon wieder."

Maya lehnte sich leicht genervt zurück. Chris schaute sie überrascht an.

"Die hab ich schonmal erzählt?"

"Nein, aber der da."

Sie deutete auf Conner, der sich nur zurücklehnte und einen Arm um Maya legte. Er grinste unschuldig.

"Aber eine gute Geschichte kann man ruhig öfter hören. Außerdem ist Sam noch nicht eingeweiht. Also, leg los."

Chris nickte nur.

"Es war in der dritten Klasse. Ich saß ganz vorne im Raum, Conner und Josh ganz hinten, zwischen ihnen noch ein anderer Junge. Keiner von uns wusste von der Existenz der anderen zwei. Aber der Junge zwischen Conner und Josh hat dem Mädchen vor ihm immer an den Trägern ihres BH's gezogen. Also setzte unser Lehrer ihn nach vorne. Und mich nach hinten. Zwischen Josh und Conner. Als Banknachbarn. Und später auch als Freunde."

"Und die Allianz des Schreckens war geboren", schloss Maya mit einem dramatischen Unterton. Sam lachte auf, während Conner ihr gegen die Schulter stieß und Chris mit dem Kopf schüttelte. Betont theatralisch lehnte sich in seinem Platz zurück.

"Wäre Giene Simmens nicht drei Jahre zu früh in der Pubertät gewesen und hätte an dem Tag nicht ein Shirt mit einem so weiten Ausschnitt getragen, dass ihr Sport-BH rausschaute, naja, wer weiß, vielleicht würdet ihr mit jemand ganz anderem hier sitzen und euch unterhalten. Oder euch gar nicht kennen."

Er grinste in die Runde.

"Boom. Schmetterlingseffekt."