Frohe Ostern, euch allen und schaut mal was der Osterhase mit im Körbchen hat … ein neues Cap.
Kapitel 4
„Oh man Henry, wir müssen unbedingt mal mit George sprechen. Der Rasen sieht ja fürchterlich aus."
Dr. Granger musste einfach schmunzeln, auch wenn seine liebe Frau schon ein wenig Recht hatte. So gelb hatten sie die Flächen um ihr Haus noch nie gesehen. Gerade kam Hermines Familie vom Flughafen zurück und wie sollten sie denn wissen, dass ihr alter Freund und Gärtner George vor einer Woche einen Herzinfarkt erlitten hatte und im Krankenhaus lag. Der Sommer in diesem Jahr war ja aber auch alles andere als gnädig und die eher unüblichen Temperaturen von über dreißig Grad forderten ihre Opfer, sei es nun Mensch oder Natur. Henry Granger hatte sogar gefrotzelt, dass man überhaupt nicht nach Florida hätte fliegen müssen, um etwas Farbe zu bekommen. Doch seine Frau hatte ihn schnell daran erinnert, dass es vielleicht der letzte Urlaub mit ihrer Tochter gewesen war und dass wenn sie nicht geflogen wären und versucht hätten, so ein paar ruhige Tage zu bekommen, bestimmt das Ärztezentrum, wo sie beide arbeiteten, angerufen hätte, weil es mal wieder brennt und es überhaupt keinen anderen gibt, der es tun kann.
„Himmel Jane, was hast du nur alles wieder eingekauft?", beschwerte sich Hermines Dad, als er die Koffer aus dem Wagen lud. Eine Antwort bekam er jedoch nicht, nur eine leises „Hermine, was ist los?" von seiner Frau. Doktor Granger schaute auf und erblickte seinen Engel, der zitternd in der Tür stand und eine Zeitung, nein ihre Zeitung, den Tagespropheten, in der Hand hielt. Bevor die beiden Erwachsenen aber auf das Verhalten ihrer Tochter reagieren konnten, rannte Hermine an ihnen vorbei in Richtung des kleinen Wäldchens hinter dem Haus ihrer Eltern.
„Schatz, was ist?", wollte Jane Granger fragen, doch ihre Tochter antwortete nicht, sondern lief nur mit Tränen in den Augen an ihr vorbei. Dabei ließ sie die Zeitung, den Propheten, fallen und ihre Mutter hob ihn auf. Alles was sie dann noch zustande brachte war ein „Oh mein Gott" und alarmiert ließ Hermines Dad die Koffer fallen und versuchte etwas zwischen den sich bewegenden Bildern der Zeitung zu lesen. ´Tod einer Legende` fiel ihm dabei als erstes ins Augen und das Bildnis eines Jungen mit schwarzen Haare und einer blitzförmigen Narbe auf der Stirn. Entsetzt schaute Henry seine Frau an, bevor er sich den Rest des Artikels vornahm.
Ja liebe Leser, sie lesen richtig. Trauer und Bestürzung sind wohl das das jeder Zauberer und jede Hexe hier in England gerade empfindet. Doch es ist wahr. Der Junge der überlebt hat, der Auserkorene, kurz Harry James Potter ist tot. Er starb vor wenigen Tagen bei einem tragischen Flugzeugabsturz im Norden von Amerika, wo er mit seinen Muggelverwandten für einige Wochen Urlaub machen wollte.
„Oh mein Gott", flüsterte Henry Granger und schaute in die Richtung, in welche seine Tochter gelaufen war. Natürlich wusste der Arzt wie sehr Hermine an ihrem besten Freund hing und dass sie von seinem Tod aus der Zeitung erfahren musste, war wohl der größte Schock. Doch um sich einen noch besseren Eindruck zu machen, las er erst einmal weiter.
Das Unglück ereignete sich vor wenigen Tagen, als das Fluggerät der Muggel (nähere Erklärungen auf Seite zwölf) in ein Gewitter flog und von einem Blitz getroffen wurde. Wir vom Propheten sind auch eher zufällig auf diese Tragödie aufmerksam geworden, als uns Quellen im Ministerium darauf hinwiesen. Ihren Informationen zufolge gab es in der Abteilung zur Überwachung der Zauberei Minderjähriger einen Alarm, dass der Junge, der lebte, seinen Zauberstab benutzt hat, obwohl es ihm untersagt war in den Ferien zu zaubern. Da es jedoch nach dem Zwischenfall im letzten Juni in der Mysteriumsabteilung und dem Beweis, dass er dessen Name nicht genannt werden darf, wieder auferstanden ist, ein erhöhtes Risiko für einen Übergriff des Unsäglichen auf Harry Potter gab, machten sich sofort mehrere Auroren auf den Weg, den Vorfall zu untersuchen. Dabei trafen die Beamten auf Albus Dumbledore, der selbst zur Unglücksstelle gereist war und gemeinsam mussten sie mit ansehen, wie unser Harry seinen Verletzungen erlegen ist.
Henry Granger ließ den Tagespropheten sinken und atmete tief durch. Denn obwohl er Harry nie wirklich begegnet war, saß der Schock tief. Hermine hatten ihren Eltern jedes Jahr von ihren Abenteuern mit Harry und auch Ron erzählt und so kam es dem Mann vor, als kannte er den Jungen in- und auswendig. Das letzte, das er las, bevor er sich ebenfalls anschickte seine Tochter zu suchen, war der letzte Absatz im Propheten, wo die Zeitung berichtete, dass es eine kleine Trauerfeier in Hogwarts geben würde, auch wenn man Harry nur symbolisch zu Grabe tragen konnte. Laut Professor Dumbledore hatten die Behörden in Amerika Harrys Überreste noch nicht frei gegeben.
Und so machte sich Hermines Vater auf den Weg, seiner Frau zu helfen, ihre gemeinsame Tochter zu trösten. Er wusste auch, wo er hingehen musste, denn es gab nur einen Platz, wo sein Engel sich wohl fühlte, wenn sie etwas bedrückte. Es war die alte Eiche, ein Baum, weit über dreihundert Jahre alt, der in seinem Leben schon so manches erlebt hatte. Und was das besondere an der Eiche war, war die Tatsache, dass nicht einmal ein Blitzeinschlag vor dreißig Jahren ihr Leben beenden konnte. Zwar hatte die Gewalt des Einschlages den mächtigen Stamm des Baumes geteilt, doch die Eiche war einfach wieder zusammengewachsen und hatte dabei so etwas wie eine kleine Höhle geschaffen.
Und in eben jener Vertiefung, jener Höhle fühlte sich Hermine immer geborgen. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe, warum Henry vor vielen Jahren den Boden des Loches gepolstert und mit Leder ausgeschlagen hatte. Und der Zahnarzt sollte recht behalten, denn schon von weitem konnte er seine Frau sehen, wie sie neben ihrer Tochter hockte und sie in den Armen hielt. Henry konnte hören, wie Hermine weinte, nein heulte und immer wieder meinte, sie glaube nicht, dass Harry tot sei. Immer wieder schluchzte sie und wollte wegrennen. Doch Hermines Mum hielt sie fest und versuchte etwas vom Schmerz ihrer Tochter zu nehmen.
Bis in die Abendstunden blieben die drei Grangers im Wald und auch dann brauchten die beiden Erwachsenen jede Menge Kraft, damit Hermine ihnen ins Haus folgte. Dort jedoch schlief die junge Hexe sehr schnell ein und so konnte Henry endlich den Wagen fertig ausräumen. Der Schock ereilte die Grangers dann aber am Morgen. Denn als Jane gegen acht Uhr nach ihrer Tochter sehen wollte, war das Bett leer.
Zuerst vermutete sie, dass Hermine wieder bei der alten Eiche war. Doch dann fiel ihr auf, dass der Rucksack ihrer Tochter fehlte und auf dem Schreibtisch ein Buch lag, von dem Jane Granger wusste, dass diese Lektüre weniger etwas zum Lesen war, sondern vielmehr Hermine dort das Geld versteckte, welches sie immer von ihren Großeltern bekam. Ein Verdacht keimte im Geiste der Ärztin auf und sie rannte nach unten.
„Henry? Henry … ich glaube Hermine ist weg!", rief Jane und rannte ihren Mann in der Küche fast um.
„Wie weg … Schatz? Atme doch erst einmal durch", erwiderte Hermines Vater und nahm seine Frau in den Arm. „Wo sollte sie denn hin? Hogwarts? Ich glaube kaum, dass sie dort hingelangt ohne den Zug oder ohne zu apparieren oder wie das heißt. Und letzteres kann sie noch nicht. Du hast doch selbst gehört, wie sich im Urlaub darüber geärgert hat, dass Rons Brüder es dürfen und sie noch nicht."
Jane Granger sah ihren Mann nachdenklich an und erwiderte: „Ich glaube ja auch nicht, dass Hermine in die Schule will. Henry, sie hat ihr ganzes Geld mitgenommen und auf dem Schreibtisch lag ein Atlas offen, dessen Seiten Nordamerika zeigen."
„Nordamerika ? Du meinst … meinst …"
„Ja genau Henry. Sie will nach Forks. Sie will sich sicher sein. Oh nein, ich darf gar nicht daran denken, was ihr alles da drüben passieren kann. Henry, sie wird gerade mal siebzehn in einigen Wochen." Die Sorge über um ihre Tochter war deutlich bei Jane Granger herauszuhören. Henry nahm seine Frau in den Arm und überlegte, wie er sie etwas beruhigen konnte. „Nun macht dir mal nicht allzu viele Sorgen Schatz. Hermine ist schon groß und erwachsener, als viele andere Jugendliche in ihrem Alter. Sie wird bald erkennen, dass sie sich da in etwas verrannt hat. Und spätestens am Flughafen wird sie merken, dass man England nicht so einfach verlässt. Du weißt doch, sie mag zwar siebzehn sein und auch einen Reisepass haben, doch man kommt als Minderjährige nicht so ohne weiteres in einen Flieger."
Das was aber als nächstes geschah, ließ nun auch Hermines Vater stocken. Es flog halt nicht jeden Tag eine Eule mitten ins Zimmer, und dass das Tier dann auch noch einen Brief abwarf und wieder verschwand, als wäre der Leibhaftige persönlich hinter ihr her, machte das Ganze noch ungewöhnlicher. Skeptisch beäugten die beiden Erwachsenen den roten Umschlag, welcher sich dann auch in die Lüfte erhob und nach einigen Faltbewegungen so etwas wie einen Mund produzierte. Die Stimme aus dem Umschlag klang dann eher nach einer Anklage als nach einem Liebesbrief.
„Ankündigung einer Untersuchung wegen unerlaubtem Verwendens eines Gedächtniszaubers …", begann der Brief zu erklären und wandte sich dann persönlich an die beiden Zahnärzte. „Wie uns so eben bekannt wurde, hat Ihre Tochter Hermine Jane Granger heute gegen sieben Uhr morgens auf dem Flughafen von London einen Gedächtniszauber durchgeführt, obwohl sie aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Schulausbildung und ihres Alters dafür keine Erlaubnis hat. Hiermit wird Ihnen als Erziehungsberechtigte und Eltern eine Verwarnung ausgesprochen mit dem Hinweis, dass es zu einer Anhörung innerhalb der nächsten zwei Wochen kommt. Der Termin wird Ihnen, beziehungsweise Ihrer Tochter noch mitgeteilt."
Die beiden Ärzte standen für einen Moment fassungslos da, doch dann kam wieder Leben in ihre Gesichter und es war Henry Granger, der lachte und meinte: „So viel zum Thema, sie kommt nicht weit." Seine Frau schaute ihn daraufhin entgeistert an und meinte, dass dies nicht witzig sei, doch Hermines Vater erwiderte: „Doch Schatz, das ist es, wir reden hier schließlich von Hermine. Dem Mädchen, dass sich immer an die Regeln hält." Bevor Henry aber von seiner Frau einen Kommentar dazu bekam, beruhigte er sie, indem er meinte, er würde jetzt sofort mit dem Flughafen telefonieren und ihre weiteren Schritte einleiten. Ohne Zweifel würden die beiden noch etwas länger brauchen, bis sie wieder in der Klinik arbeiteten.
Visite war eigentlich etwas, das Carlisle immer sehr gern machte. Als Arzt liebte er es, sich mit seinen Patienten zu unterhalten und ihre Fortschritte zu beobachten. Besonders galt dies hier in einem kleinen Krankenhaus, wie dem von Forks. Fast jeden Patienten kannte er schon beim Namen und oft gab es einen kleinen Plausch über die Tiere zu Hause oder ob der Hamster gestorben war oder aber was es neues im Orte gab. Carlisle liebte diesen Umgang der Menschen, auch wenn es in den letzten Tagen wenig bekannte Gesichter gegeben hatte. Immer noch behandelten sie die Opfer des Absturzes und das Leid, welches damit einher ging, nagte auch an ihm.
Der einzige Lichtblick am heutigen Tage war, dass Harry den Transport zu sich nach Hause gut überstanden hatte und er auf dem Weg der Besserung war. Carlisle rechnete mit drei, höchstens vier Tagen, bis sein junger Patient endlich soweit war, dass er erwachen würde. Die Heilung ging gut voran und dies hatte der Vampir auch Kelly, seiner jungen Krankenschwester, berichtet. Sie war es übrigens auch gewesen, die dem Arzt eine Tasse heißen Kaffees auf seinen Schreibtisch gestellt hatte und nun an der Rezeption dafür sorgte, dass Carlisle seine Ruhe hatte.
Und diese Ruhe brauchte er auch, während er den Schreibkram erledigte. Immer wieder musste er Anfragen von Versicherungen bearbeiten oder aber Krankenberichte gegenzeichnen. Es war schon enorm, was für ein Papierkrieg mit dem Flugzugunglück über das Krankenhaus herein gebrochen war. Oft fragte sich Carlisle, warum man immer alles so vertraut behandeln musste. Jede Krankenschwester wusste doch, was für Verletzungen sie pflegte. Aber nein, es musste ein Arzt sein, der den Bericht schrieb. Manche Sachen waren nun mal nicht so schlimm, dass man sie als Geheimnis behandeln musste. Beim Gedanken an das Wort Geheimnis hingegen, kam dem Vampir ein anderes Ereignis wieder in den Sinn und während Carlisle einen kleinen Schluck des Kaffees trank, erinnerte er sich an den Tag zurück, wo er auf den alten Mann getroffen war.
Flashback
„Ist alles okay, Carlisle?", fragte Kelly vorsichtig und mit Bedacht nachdem sie Norman Willard, ihren Boss, hinter der nächsten Ecke verschwinden sah und nun Carlisle gegenüber stand.
„Ja, alles in Ordnung. Norman hat nur manchmal ein Problem damit, dass ich mehr Arzt als Buchhalter bin. Und mit der ganzen Presse hier, der Polizei und den Versicherungsagenten ist Normans Nervenkostüm etwas schwach. Nimm´s ihm nicht übel", versuchte der Vampir die junge Frau zu beruhigen. Allerdings war Kelly klar, dass es bei dem Gespräch um Harry ging und da fiel ihr wieder ihr Besuch ein. „Oh übrigens Carlisle, Harry hat Besuch. Ein alter Mann, ein gewisser Mr. Aldum", sagte sie und hier horchte der Arzt auf. „Wirklich?", erwiderte Carlisle überrascht und schickte sich dann an, in Harrys Zimmer zu gehen. Er war neugierig auf den Mann und stockte dann aber etwas, als er die Erscheinung des Fremden erblickte.
Mr. Aldum, wie Kelly ihn genannt hatte, schien sein Eintreten noch nicht bemerkt zu haben. Nein, seine ganze Aufmerksamkeit galt dem verletzten Jungen im Bett. Sanft streichelte die alte, langfingrige Hand über die Bandagen am Kopf und leise flüsterte er: „Oh Harry, mein Junge. Was hat das Schicksal nur mit dir vor? Ich dachte, du wärest hier in Sicherheit und dann das …" Carlisle räusperte sich nun und zum ersten Male konnte er in das faltige, bartumrahmte Gesicht des Fremden schauen. Allerdings erstarrte der Vampir, als er die Augen des alten Mannes sah. Sie schienen anfangs leicht überrascht, funkelten dann aber in einem hellen Blau und es kam dem Vampir so vor, als würde er durchleuchtet. Fast sah es so aus, als hätte der alte Mann für einen Moment einen Geist gesehen, jedenfalls zuckte er kurz zurück und Carlisle dachte zuerst, er würde jeden Moment angegriffen werden. Daher stellte sich der Vampir vor, um das Eis ein wenig zu brechen. „Guten Tag, Sir. Mein Name ist Carlisle Cullen und ich bin der behandelnde Arzt von Harry."
Mr. Aldums Augen verweilten noch einen Augenblick auf dem Vampir, wurden dann aber sanfter und er richtete sich auf. „Ihnen auch einen guten Tag, Dr. Cullen. Mein Name ist Aldum, Brian Aldum, und ich bin ein guter Freund des Jungen. Oder besser gesagt, ich bin der Direktor seiner Schule in England und ein Freund der Familie."
Carlisle lächelte und sagte sich in Gedanken, dass dies natürlich einiges erklärte. Allerdings ließ es auch Fragen auf und so erklärte er dem Mann erst einmal alles, was er zu Harrys Gesundheitszustand sagen konnte. Aldum schien sehr genau zuzuhören, wiederholte ab und an die Worte, welche Carlisle verwendete und es kam dem Vampir so vor, als formten sich im Kopf des alten Mannes einige Gedanken zusammen. Verstärkt wurde diese Vermutung dann noch, als er wissen wollte, wie lange Harry wohl bräuchte um wieder vollständig zu genesen. Carlisle schaute den alten Mann skeptisch an und erwiderte: „Nun, das hängt davon ab, wie seine Fortschritte sind. Wie schon gesagt, er hat schwere Verbrennungen am ganzen Körper, sein Becken war gebrochen und auch die beiden Arme. Also ich denke ein halbes Jahr wird er bestimmt brauchen." Dass dies allerdings eher eine vorsichtige Prognose war, sagte Carlisle jedoch nicht. Viel zu ungewöhnlich war der Fall des Jungen, wenn man alleine den raschen Verlauf seiner Wundheilung bedachte. Doch körperliche Wunden waren eine Sache, seelische Verletzungen eine andere. Vor allem da man Harry noch beibringen musste, dass seine Verwandten den Absturz nicht überlebt hatten. Die erste Klasse war die Abteilung des Flugzeuges, von der nur noch Asche übrig geblieben war.
Diese Aussage ließ bei Mr. Aldum das Lächeln im Gesicht verschwinden und der Vampir runzelte die Stirn. „Darf man fragen, warum Sie plötzlich so besorgt drein schauen. Ein halbes Jahr ist in Anbetreffen der Verletzungen doch ein sehr gutes Ergebnis. Oder gibt es da ein Problem?"
„Problem? Ein Problem?" Mr. Aldum schien nun völlig in Gedanken zu versinken und Carlisle hatte einmal mehr das Gefühl, als würde sein Geist durchleuchtet. Doch er tat es mit allgemeiner Überarbeitung ab und war umso überraschter als der alte Mann plötzlich bat, dass sie sich kurz setzten. Carlisle kam der Bitte nach und Mr. Aldum begann mit sanfter Stimme. „Nun Dr. Cullen, ich bin ein alter Mann und habe schon viel in meinem Leben gesehen. Ich glaube Menschen richtig einschätzen zu können und bin mir sicher, dass wenn sie mich haben aussprechen lassen, wir eine Lösung für ein kleines Problem, Harry betreffend, finden können."
„Ein Problem, Sir?", fragte Carlisle skeptisch und sein Gegenüber schaute ihn nun fast großväterlich an. Er hatte wohl keine Ahnung, wie alt der Arzt selbst war und dass er glatt selbst sein Urgroßvater sein könnte. Doch Mr. Aldum sprach einfach weiter. „Sehen Sie Dr. Cullen. Harrys Leben ist und war nie leicht. Er verlor seine leiblichen Eltern im Alter von einem Jahr bei einem Angriff auf seine Familie."
„Ein Angriff?", hakte Carlisle nach, da es ihn ein wenig überraschte.
„Ja Doktor, ein Angriff, der auch sein Leben beenden sollte. Doch er konnte gerettet werden. Und bevor sie die nun zweifellos kommende Frage stellen, versuche ich es Ihnen gleich zu erklären. Wir müssen dazu gut zwanzig Jahre zurückgehen, zurück in die Geschichte und zurück nach Großbritannien. Ich weiß nicht inwiefern Sie sich dort auskennen, damals in den Zeiten des Umbruchs kamen nicht nur positive Dinge zum Vorschein, sondern auch Begebenheiten, von denen manche Leute nicht mal eine Ahnung hatten. Eine Sache davon war eine Art Sekte, die es sich zur Aufgabe gestellt hatte, Menschen, die nach ihren Vorstellungen nicht würdig waren zu leben, einfach auszulöschen."
„Wie bitte?", fragte Carlisle schockiert, da er gehoffte hatte, dass so etwas angesichts der Geschichte der letzten hundert Jahre in Europa niemals wieder passieren würde.
„Ja Dr. Cullen", setzte der alte Mann nach, „die Anhänger dieser Sekte hatten sich um einen Mann versammelt, der unter dem Pseudonym Voldemort bekannt war, und überzogen viele Orte, meist kleine Gemeinden und Siedlungen mit Terror. Jedenfalls solange bis der Tag kam, an welchem Voldemort in seinem Wahn und seinem Hass, von dem keiner wusste woher er kam, Harrys Eltern tötete. Doch zu unserem und Harrys Glück ging etwas schief. Voldemort konnte seine Tat nicht vollenden, er konnte Harry nicht töten, denn die Polizei kam noch rechtzeitig und konnte ihn festnehmen. Er wurde vor Gericht gestellt und das Urteil lautete lebenslänglich."
„Doch nun ist er wieder da?", fragte Carlisle, der ja nun auch über die Erfahrung und Menschenkenntnis von einigen Jahrhunderten verfügte. Mr. Aldum sah den Vampir mit großen Augen an und nickte dann voller Trauer. „Ja, das ist er. Voldemort konnte vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis fliehen und ist nun dabei seine alten Freunde wieder zusammenzurufen. Und hier komme ich nun zu meinem Problem."
„Das da wäre, Mr. Aldum?"
„Nun Dr. Cullen. Sie selbst sehen, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Und während ich all die Jahre ein Auge auf Harry hatte, schwindet meine Kraft, mich auf alles konzentrieren zu können. Ich hatte gehoffte, dass Harry für den Sommer aus der Gefahr wäre, wenn er mit seinen Verwandten hier in Amerika bleibt. Doch das Schicksal wollte es offenbar anders und schon bald würden sich die Behörden aus England mit Harrys Fall beschäftigen."
„Doch sie trauen ihnen nicht, oder?", fragte Carlisle, worauf Mr. Aldum nickte. „Nein, das tue ich nicht. Zu viele von Voldemorts Anhängern konnten damals unerkannt fliehen und wenn man bedenkt, wie gut sie damals informiert waren und wie gut sie finanziell dastanden, möchte ich nichts riskieren. Und daher meine Frage, nein meine Bitte an Sie Dr. Cullen. Können Sie mir helfen, Harry gesund zu pflegen, auf ihn aufpassen und ihn beschützen, bis ich einige Sachen in England geklärt habe?"
Das Gesicht des Vampirs musste Bände gesprochen haben und Mr. Aldum schaute ihn hoffnungsvoll an. Carlisle auf der anderen Seite spürte, dass er Harry gar nicht so gerne hergab, da ihn noch so manche Frage beschäftigte. Hinzu kam, dass der alte Mann ihm auch versprach, dass wenn es um den finanziellen Aspekt ging, er sich keine Sorgen zu machen bräuchte. Doch gerade das bewegte Carlisle ja am wenigsten. Er hatte genug Geld, um zwei Krankenhäuser zu kaufen. Nein, es war eher die Erscheinung des alten Mannes und seine Ausstrahlung, die bei ihm die Nackenhaare sich leicht aufstellen ließen.
Schließlich aber entschied sich Carlisle, nachdem er noch einmal seinen Blick über den geschundenen Körper des Jungen hatte gleiten lassen, dass er das Angebot annahm. Sollte Harry doch in Sicherheit genesen und wenn es halt weit ab seiner Heimat war, dann musste es halt so sein. Allerdings keimten in Carlisle einige Fragen auf und die erste, die er stellte, war, warum Voldemort nun gerade Harrys Familie auslöschen wollte. Die Reaktion seitens des alten Mannes auf diese Frage hin überraschte Carlisle dann aber doch und was ihr folgte, ließ Mr. Aldum in einem eher mystischen Licht erscheinen. Er antwortete nämlich: „Nun Dr. Cullen, dies zu erzählen bleibt einzig und allein Harrys Aufgabe, wenn er soweit ist. Es ist sozusagen sein Geheimnis."
„Sein Geheimnis, Mr. Aldum? Was für ein Geheimnis?", fragte Carlisle und der alte Mann lächelte. „Nichts, was sie in Gefahr bringt, Dr. Cullen. Zumal Sie wahrscheinlich Gefahr anders definieren als die Menschen in ihrem Umfeld, oder? Jeder hat doch so sein kleines Geheimnis, nicht wahr Dr. Cullen?"
Mit diesen Worten drehte sich der alte Mann nochmals zu Harry um und Carlisle konnte hören, wie er sagte: „Werde wieder gesund Harry Potter. Deine Freunde brauchen dich, ebenso wie du sie." Kurz darauf besprachen die beiden Männer noch einige Dinge und während Carlisle eine Entscheidung getroffen hatte und begann Harry von den Maschinen abzukoppeln, lief Mr. Aldum zur Tür hinaus und in die Arme zweier Männer, die nicht minder komisch gekleidet waren, wie er selbst.
Flashback Ende
Immer noch in Gedanken hatte Carlisle gar nicht gemerkt, wie die Zeit dahin geflogen war. Kelly betrat schon im nächsten Augenblick sein Arbeitszimmer und hielt neben einer weißen Plastiktüte auch einen neuen Kaffee in der Hand. Der Vampir schmunzelte und dankte der jungen Krankenschwester, jedoch nicht ohne sie nach dem anderen Mitbringsel zu fragen.
Kellys Gesicht wurde daraufhin etwas ernster, wenngleich mit einem leichte Rotschimmer versehen, und sie meinte: „Nun Carlisle, das hier sind Sachen, welche Harry gehören. Es ist das was er bei sich hatte, als ihn die Rettungskräfte eingeliefert haben. Ich konnte seinen Ausweis und eine kaputte Brille und so etwas wie ein Taschenmesser erkennen. Ach und dann noch ein Stückchen komisches, verbranntes Holz mit einem roten Faden dran. Maggy hat gesagt, dass er sich bei seiner Einlieferung regelrecht daran geklammert hat."
Neugierig nahm Carlisle Kelly die Tüte ab und versprach ihr, dass er Harry alles geben würde. Dann wandte er sich wieder seinen Unterlagen zu, jedoch nur solange, bis die junge Medizinstudentin das Zimmer verlassen hatte. Kaum allein nahm sich der Vampir die Tüte und fischte das angesprochene Stück Holz heraus um es genauer zu betrachten. Etwas komisch war es ja schon. Wieso sollte sich Harry gerade davon nicht trennen wollen? Es war doch nur Holz, verbranntes Holz an welchem man noch das Blut des Jungen selbst erkennen konnte. Sorgfältig drehte Carlisle den Stummel hin und her und er fragte sich, was dieser Faden daran wohl zu bedeuten hatte. Es sah so aus als wäre er in das Holz, welches nebenbei bemerkt mit reichlich komischen Schriftzeichen verziert war, eingearbeitet gewesen. Doch dann beschlich den Vampir plötzlich ein ganz sonderbarer Gedanke. Was war das für ein Faden? Was war es für ein Material, wenn es das Feuer überlebt hatte?
Rasch griff Carlisle in den Schreibtisch und zog eine Lupe hervor. Langsam untersuchte er den roten Faden genauer und ließ überrascht die Lupe fallen, als er erkannte, dass es sich bei dem Faden um keine Faser sondern um eine lange rotgoldene, wenn gleich leicht verzwirbelte Feder handelte. Was hatte dies zu bedeuten? Eine Feder in einen Holzstab? Und noch während er diese Frage im Geiste zu Ende stellte, brach eine alte Erinnerung aus den unendlichen Weiten seines Kopfes hervor und er keuchte leise: „Das kann nicht sein."
Carlisles Gedanken kreisten. Er erinnerte sich an eine Sache, welche Jahrzehnte zurücklag und langsam formte sich der Name „Fullert" in seinem Kopf. Doch es machte Sinn und nur er könnte ihm weiter helfen. Und so ging der Vampir an seinen Arztkoffer und holte ein kleines Büchlein hervor, welches noch aus seiner Jugend stammte und in das er viele wichtige Dinge in seinem Leben geschrieben hatte.
„Kelly, ich möchte die nächste halbe Stunde nicht gestört werden. Ich habe ein wichtiges Telefonat." Mit diesen Worten durch die Tür hindurch, und mit einem „in Ordnung Carlisle" als Antwort, setzte sich der blonde Vampir an seinen Schreibtisch zurück und wählte die im Buch festgehaltene Nummer. Erleichtert atmete Carlisle auf, als er ein Amt bekam und sich nach dreimaligem Tuten eine freundliche Damenstimme meldete. „Federal Bureau of Investigation, mein Name ist Stacy Comez. Was kann ich für sie tun?"
Natürlich erwiderte Carlisle ebenso freundlich. „Nun, ich würde gern Agent Fullert sprechen, Miss Comez. Mein Name ist Cullen." Dabei lächelte der Vampir in sich, denn er wusste, wie seine Stimme auf Frauen wirkte und Stacy würde bestimmt gerade leicht rötlich im Gesicht werden. Allerdings schien die junge Frau auch sehr taff zu sein und erwiderte: „Ich bräuchte da aber eine genauere Angabe Sir. Wir haben zwei Personen mit diesem Namen."
„Oh wirklich? Nun ich würde gern Agent Ernest Fullert sprechen", präzisierte Carlisle seine Bitte und wurde daraufhin von der jungen Frau am Telefon mit leicht pikierter Stimme korrigiert. „Das heißt dann aber Subdirektor Fullert, Mister Cullen."
Carlisle grinste und bat dann, dass man ihn zum Subdirektor durchstellte. Allerdings landete er vorerst nur bei einer ebenso jung wirkenden Frauenstimme wie schon bei Stacy, jedoch war diese sehr viel resoluter und Agent Fullerts Assistentin würgte den Vampir mit dem Hinweis ab, dass ihr Chef in einer wichtigen Sitzung sei.
„Ok", erwiderte Carlisle und wollte gerade auflegen, als sein Blick auf die Uhr fiel, welche Punkt drei Uhr zeigte. Ein leichtes Lächeln umspielte nun die Lippen des Vampirs, denn während er in der Warteschleife des FBI hing, waren seine Erinnerungen an seine Zeit mit dem jungen Agent Fullert zurück gekehrt. Alles wurde wieder glasklar, so als wäre es erst gestern gewesen und so versuchte Carlisle sein Glück. Er führte den Hörer zurück ans Ohr und sagte zu der jungen Frau am anderen Apparat. „Es ist aber wichtig, Miss. Ich würde den Subdirektor wirklich sehr gerne sprechen, auch wenn er dafür seinen Kaffee und sein täglich Kubagold weglegen muss."
„Was ? Wie können Sie …", empörte sich die Sekretärin. Carlisle unterbrach sie aber sofort. „Wie schon gesagt, ich kenne Agent Fullert schon länger und auch seine Gewohnheiten. Ich selbst habe ihn wahrscheinlich auf dieses Ritual, welches er in Anbetracht Ihrer Reaktion gerade durchführt, gebracht. Doch wir können noch etwas anderes tun, Miss. Sie gehen jetzt zu ihrem Chef hinein und sagen ihm folgende Worte. Ich warte dann hier am Apparat noch fünf Minuten und dann werden wir sehen, ob Agent Fullert mich sprechen möchte oder nicht. Einverstanden?"
Die Sekretärin schien nun völlig von der Rolle zu sein und überlegte vermutlich, was sie tun sollte. Allerdings erklang wenige Sekunden später ihre Stimme wieder aus dem Hörer und sie fragte, welche Worte sie dem Direktor übermitteln soll. Carlisle lächelte und erwiderte: „Nun sagen Sie dem Subdirektor folgendes: An den Hörnern des Teufels klebte das Blut von fünfzig Männern, an meinen Händen nur das von El Diablo."
„Ist das Ihr Ernst? Cullen richtig? So war doch Ihr Name?", fragte die Frauenstimme ungläubig, doch Carlisle versicherte ihr, dass sie es genauso sagen sollte. Kurz darauf erklang mal wieder die Warteschleife im Telefon, bis es knisterte und eine tiefe Männerstimme überrascht in den Hörer fragte: „Carlisle Cullen, bist du das wirklich?"
