Kapitel 11
„… acht …"
„Harry, ist gut", sagte die angespannte Stimme von Emmett. Er hatte schließlich zur Zeit die Verantwortung für seinen kleinen Bruder, wie er ihn nannte. Etwas, das Harry irgendwie gefiel, in manchmal aber auch daran erinnerte, dass er in Wirklichkeit nun keine anderen lebenden Verwandten mehr hatte. Die Dursley mochten ihn zwar nie als ein wirkliches Mitglied ihrer Familie angesehen haben, aber sie waren es gewesen … seine Familie.
„ … nein, noch einen … neun …", erwiderte die Stimme des Gryffindors und man konnte die Anstrengung förmlich heraus hören. Es war, als würde eine unbekannte Kraft den Gryffindor immer weiter vorantreiben. Und diese Kraft sagte ihm, er müsse so schnell wie möglich wieder gesund und kräftig werden. Denn nur er habe ja das Zeug, um Voldemort aufzuhalten.
„Nein, hör auf", erklang es jetzt schon fast böse, doch mit einem vor Anstrengung stöhnendem „zehn" setzte Harry noch einen drauf, bevor er taumelte und beim Versuch sich festzuhalten die Tischdecke samt Blumenvase herunter riss.
Emmett war mit seiner unnatürlichen Geschwindigkeit sofort zur Stelle und schnappte sich den Gryffindor, bevor er auf dem Boden aufschlagen konnte und sich wieder ernsthaft verletzte. Der bullige Vampir sah seinen Schützling tadelnd an und trug ihn mit Leichtigkeit zurück zum Bett, wo er vorsichtig abgesetzt wurde. „Du sollst nicht übertreiben, Harry", ermahnte Emmett den Schwarzhaarigen und schaute dann zur Tür, in der Erwartung, dass Carlisle jede Sekunde durch diese hereinkam.
So war es dann auch. Doch noch bevor Harrys Arzt, der die Worte seines Sohnes ohne Zweifel gehört hatte, schimpfen konnte, rief der junge Zauberer: „Carlisle ich habe zehn Schritte geschafft!"
Die Freude darüber schwang in seiner Stimme unüberhörbar mit und Carlisle, eigentlich schon eine Ermahnung auf den Lippen, konnte nicht anders als zu lächeln. Dann untersuchte er Harry, ob dieser es nicht doch übertrieben hatte und meinte danach, dass wenn Harry es wirklich schon geschafft hatte, so viele Schritte zu gehen, dass es dann Zeit wurde, dass der junge Gryffindor umzog.
Überrascht schaute Harry auf und blickte verwundert zwischen den beiden Vampiren hin und her. Emmett grinste nun und sagt: „Ok Carlisle, ich kümmere mich darum."
Der Herr des Hauses wandte sich dann wieder Harry zu. „Harry, du bekommst ab heute ein Zimmer im Erdgeschoss. Denn ich denke Edward und Bella werden in den nächsten Tagen wieder zurück sein und außerdem kannst du mit zunehmender Heilung den Weg zum Bad alleine zurück legen. Ohne die Treppe, so denke ich, ist das auf jedem Fall schon drin."
„Wirklich?", fragte Harry und der Vampir lächelte aufmunternd.
Das Ganze war nun vier Tage her. Vier Tage in denen Harry wirklich gute Fortschritte machte und dies nicht nur im nichtmagischen Bereich seines Heilungsprozesses. Nein, der Gryffindor schaffte sogar schon einige leichte Zauber mit der Hand auszuführen. Stablos wie er es gern nannte, obwohl Harry wusste, dass es ja nicht wirklich an dem war. Zwar überwog die Anzahl der „Reparos" noch, doch das würde schon werden. Harry fühlte es einfach und ein wenig Stolz schwellte seine Brust, wenn er es schaffte Emmett und die anderen etwas zu überraschen. Ein Unterfangen, welches man bei Vampiren ja nicht so einfach hinbekam.
Die Uhr auf den Nachttisch zeigte halb fünf und Harry erwachte von seinem Mittagsschlaf durch Stimmen im Flur. Verschlafen blinzelte der Gryffindor zwischen Tür und Uhr hin und her und war über die Dauer des weg-getreten-seins schon sehr überrascht. Carlisle hatte also recht behalten. Und auch wenn sich Harry zuerst wie ein Kleinkind vorgekommen war, als der blonde Vampir ihm vorgeschlagen hatte, er solle sich nun jeden Tag mittags hinlegen und einen Mittagsschlaf halten, so merkte Harry sehr schnell, dass er diese Erholungspausen brauchte. Das Training, abwechselnd mit Emmett oder Carlisle, war nun einmal sehr anstrengend und die Fitnessgeräte forderten ihren Tribut.
Aber wie schon gesagt, jetzt wurde Harry erst einmal durch Stimmen geweckt. Sie gehörten sowohl den beiden Männern im Haushalt, als auch Alice und Rosalie. Am lautesten jedoch war Emmett und dies machte Harry neugierig.
„… nein, das tut ihr nicht … stehen geblieben …", sagte Emmett streng und dann hörte man Rosalie genervt aufstöhnen. Was sie jedoch sagte, verstand Harry danach nicht, da es in einem Rascheln unterging, welches an die Bewegung von vielen Plastiktüten erinnerte. Allerdings, so kam es Harry vor, schien genau dieses Gesagte Emmett noch mehr aufzuregen und nun wollte er sich bei seinem Vater Beistand holen.
„… Carlisle, das darfst du nicht zulassen … du bist sein Arzt … wir haben versprochen, Harry vor jedem Schaden zu bewahren …"
„… ja aber, Carlisle …", hörte man nun Alice sagen, doch sie wurde von Emmett unterbrochen.
„… kein aber, ich möchte heute Abend noch mit Harry trainieren. Und nur weil er einige Schritte zwischen Bett und Klo schafft, heißt das nicht, dass der arme Junge für diese Art von Quälerei bereit ist und ich ihn in eure Fänge lasse…"
„… Du übertreibst maßlos, Emmett …", fauchte Alice nun leicht. Ein Fauchen, das Harry durch Mark und Bein ging und ein bei ihm sonderbar vorkommendes Kribbeln verursachte.
„… ach ich übertreibe? Hast du mal in den Jeep geschaut? Mein Gott Carlisle, deine beiden Töchter haben überlegt, ob ich nicht von Port Angeles hierher laufen soll, damit mehr Platz im Auto ist…"
Harry konnte vor seinem inneren Auge nun förmlich sehen, wie der ältere Vampir lächelte. Ihn musste das Verhalten seiner Kinder wirklich amüsieren, auch wenn Harry immer noch nicht wusste, worum es eigentlich ging. Alles was er wusste war, dass Alice, Emmett und Rosalie schon ganz früh das Haus verlassen hatten. Doch Harry hatte angenommen, sie waren auf der Jagd. Dort schienen sie aber offenbar nicht gewesen zu sein und so ging das Gezeter weiter. „Glaub mir Dad…", setzte Emmett an. „Sie haben das ganze Einkaufszentrum durchkämmt und mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war."
„Emmett Cullen, du bist …"
„Was? Was bin ich, Alice? Du warst es doch, die sich wie im Rausch benommen hat. Du hast jedes Geschäft abgeklappert, hast die Angestellten fast zur Verzweiflung gebracht und Klamotten gekauft, als gäbe es kein Morgen. Carlisle, du kannst mir ruhig glauben, wenn ich sage, dass ich das Gefühl hatte, dass der Kreditkartenleser am Kassenausgang des Zentrums feucht geworden ist, so oft wie ich meine Visa durch den Schlitz hindurch ziehen musste."
„Machos!", fauchte nun Rosalie ihren Freund an, obwohl die Bemerkung wohl auch ihrem Vater galt, denn Harry konnte hören wie beide Männer lachten. Bevor die ganze Sache aber eskalieren konnte, erklang die Stimme von Esme. Sie bat Emmett seinen Ton zu mäßigen und fragte dann worum es ging. Emmett versuchte sofort an ihren Mutterinstinkt zu appellieren und sie auf seine Seite zu ziehen, allerdings musste der Kämpfer für Harrys Rechte dann aber eine kleine Niederlage hinnehmen, denn bei Esme kam die Frau durch und sie wollte nun auch wissen, was die beiden Mädchen gekauft hatten. Harry bekam ein ungutes Gefühl im Bauch, weil Alice plötzlich siegessicher aufschrie und meinte, sie würde Esme alles, ihre ganzen Einkäufe ganz genau zeigen und zwar an der Person, für die sie eingekauft hätten.
Harry hatte jedoch Glück im Unglück, denn Carlisle schritt ein, dämpfte den Siegesgesang seiner Tochter und riet ihr, sie solle weise wählen, was sie mit zu Harry ins Zimmer nahm. Maximal eine Tüte erlaubte er dem blutsaugenden Wirbelwind für heute mit ins Zimmer von Harry zu nehmen. Der Gryffindor konnte vor seinem geistigen Auge Alice Schmollmund nun förmlich sehen. Allerdings bekam er auch Bammel, für was sich Alice entscheiden würde. Ganz zu schweigen, dass dies ja auch bedeutete, er würde sein schützendes Bett samt Decke verlassen müssen und ausgerechnet Alice würde ihn mustern. Harry spürte wie er rot wurde und zog die Decke fast bis ans Kinn. Er stellte sich schlafend, vielleicht half es und schon öffnete sich die Tür zu seinem Zimmer langsam.
„… wenn das raus kommt, bin ich erledigt. Das weißt du schon Ernie…", sagte eine gedämpfte Stimme aus dem Dunkel der Tiefgarage und der Subdirektor des FBI drehte sich rasch in ihre Richtung.
„… Du übertreibst ein wenig. Findest du nicht, Paul?"
„… Tue ich das? Sollte man uns jemals zusammen sehen, dann bringen mich meine Kollegen um. Dein Verein und meiner, das geht nicht. Und ich bin auch nur hier, weil ich dir was schulde. Wenn es erledigt ist, dann sind wir quitt."
Ernest Fullert musste lächeln. Dann nickte er aber zustimmend und reichte dem Mann im Dunkeln einen Umschlag und drehte sich zum Gehen um. Alles was er noch hörte, war das scharfe Lufteinziehen von Paul und dessen leise Frage, ob dieser das ernst meinte. Ernest ging nicht darauf ein und zwei Sekunden später war er auch schon disappariert.
Harry wusste nicht was mehr brannte. War es die Scham oder seine geschundene Gliedmaßen? Gefühlte drei Stunden stand er nun schon in seinem Zimmer auf einem kleinen Hocker und versuchte das Gleichgewicht zu halten.
„Ok, ihr könnt", erklang Emmetts Stimme, wenn auch sehr genervt und die drei Frauen im Haushalt Cullen drehten sich um. Wie naiv war er doch gewesen, wenn es um seine kleine Schwester ging. Alice hatte sich an die Anweisung von Carlisle gehalten ... irgendwie jedenfalls … und nur eine Tüte mit in Harrys Zimmer genommen. Das diese jedoch ein etwa zwei mal zwei Meter großer Müllsack war, in den fast alle Einkaufstüten hinein gepasst hatten, nun das schmeckte Emmett überhaupt nicht und dies sagte auch sein Blick in Richtung der drei sich umdrehenden Frauen. Was folgte war der Aufschrei der holden Weiblichkeit.
„Ich glaub es nicht, Emmett. Du bist wohl als Bauer aufgewachsen?" Alice trat voller Empörung und ohne zu zögern an Harry heran und zupfte an der engen, schwarzen Jeans herum, die er in den letzten Minuten mit Emmett mühsam über seine Beine gestreift hatte. Sie zog sie immer weiter runter, bis Harry spürte, dass der Bund langsam die ersten Stoppeln des sich neu gebildeten Schamhaars freigab. Der Gryffindor verkrampfte sich immer mehr und war kurz davor, die junge Frau wegzuschieben. Hatte es denn nicht gereicht, dass er, bevor sie zu den Hosen und Shirts kamen, die halbe Kollektion von Calvin Klein zur Schau stellen musste? Ein Erlebnis, eine Zeit der Qual, die Harry geradeso hinter sich gebracht hatte. Er … nur in Shorts und Unterhemden vor drei Frauen, die mit ihren Bemerkungen dem Gryffindor das Leben zur Hölle gemacht hatten.
„So sitzt sie richtig", mahnte Alice und dann war das smaragdgrüne Seidenhemd dran. Dieses sollte Harry ihrer Meinung nach nicht bis zum obersten Knopf zu machen. Er war schließlich kein alter Mann. Ehe er sich versah, waren die oberen Knöpfe wieder offen. „Viel besser … sieht cool aus", stellte Alice lobend fest und wollte danach noch was anderes ändern, doch da mischte sich Esme ein. Sie hatte die letzte Stunde Harry genau betrachtet und schien zu spüren, dass es langsam an die Grenzen des Jungen ging. Nicht nur körperlich, sondern auch was seine Verlegenheit anging.
Esme hatte zwar nie das Glück gehabt, eigene Kinder zu bekommen, doch sie hatte als älteste von sieben Geschwistern ihre Brüder aufwachsen gesehen und konnte sich vorstellen, was gerade in Harry abging. Und dass Alice immer wieder meinte, dass der Junge in den neuen Sachen zum Anbeißen aussah und auch Rosalie, die sonst nicht mit Sterblichen konnte, machte es ihm mit ihren Bemerkungen über Harrys Knackarsch, nicht leichter. Daher beendete Esme die Modenschau für heute abrupt und das war das Stichwort für Emmett. Er schnappte sich Harry einfach und brachte ihn ins Bad und damit in Sicherheit. Allerdings warf er Alice noch einen bösen Blick zu und hörte, wie seine Mutter das Mädchen bat, nachher zu ihr in den Garten zu kommen.
Wozu, das bekam Harry nicht mehr mit. Er wollte auch nur noch hier weg. Und das aus gutem Grund. Denn bei aller Kraft, die er aufgebracht hatte, so hatte die Nähe zu Alice, wie sie so an seiner Hose herum gezupft hatte, ihr unbeschreiblicher Duft nach Jasmin, ihre Berührungen und die Tatsache, dass sie Harry immer wieder als sexy bezeichnet, seine Spuren hinterlassen. Harry hoffte inständig, dass Emmetts Schulter, über die er den Gryffindor geworfen hatte, genau so hart war, wie dessen Brust und er Harrys Reaktion auf Alice Nähe nicht sofort spürte. Im Bad angekommen, beschlich den Gryffindor dann aber das Gefühl, dass er in dieser Hinsicht kein Glück hatte. Allerdings sagte Emmett nichts, sondern öffnete lediglich den Wasserhahn und ließ das Wasser ein. Dann jedoch grinste er den jungen Zauberer an und meinte, er müsse noch mal kurz was holen. Harry glaubte aber zu spüren, dass der Vampir ihm nur etwas Zeit geben wollte, dass es für ihn nicht peinlich wurde, wenn er sich gleich auszog. Denn das, was sich in der neuen Hose abzeichnet, war eigentlich nicht zu übersehen und brauchte einige Zeit um wieder zu verschwinden.
„Und ich sage nein, Minister. Das ist mein letztes Wort. Sie selbst haben damals das Gesetz befürwortet und uns und unser Volk gezwungen, es in die Geschäftspolitik unserer Bank aufzunehmen. Und jetzt halten wir uns daran." Sarrock, der Chefkobold von Gringotts war mehr als nur gereizt.
„Aber er ist tot, Sarrock. Potter ist tot, hören Sie? Beerdigt auf dem Gelände von Hogwarts. Lesen Sie denn keine Zeitung?" Erwiderte Cornelius Fudge und sprang von seinem Sessel auf. „Daher bestehe ich darauf, dass Sie mir unverzüglich den Zugang zu den Verliesen der alten und ehrwürdigen Familie Potter gewähren."
Die gelblichen, spitzen Zähne des Kobolds blitzten auf, als der Minister ihn anfuhr. Niemand befahl dem Chef der Zaubererbank irgendetwas. Sarrock hatte aber genug Erfahrung sich nicht einfach nur aufzuregen, sondern lehnte sich in seinem Sessel zurück und erwiderte: „Natürlich lese ich den Propheten, Minister. Doch scheinen Sie es nicht zu verstehen. Harry Potter gilt für Gringotts nicht als tot. Dafür haben Sie selbst gesorgt, als Sie den Sarg leer gelassen haben. Oder glauben Sie wir sind Stümper? Wir Kobolde haben auf Ihren Wunsch hin, Minister Fudge, vor zehn Jahren die Gesetze und unsere Geschäftspolitik verändert und Ihnen außerdem für die Bestattung von Familienoberhäuptern, den überaus kostbaren italienischen Koboldmarmor zur Verfügung gestellt. Sie wissen noch wieso? Er bindet nämlich sämtlich Magie der alten Familien und lässt uns von Gringotts dadurch schneller handeln, damit niemand mit einer möglicherweise auf illegalem Wege beschafften Erlaubnis in die jeweiligen Verliese kann."
„Ja, aber …"
„Nichts aber, Minister. Sie haben überstürzt gehandelt und müssen jetzt mit den Konsequenzen leben. Und diese werden so aussehen, dass keiner an die Verliese heran oder hinein kommt bis zu dem Zeitpunkt, wo sämtliche Magie von Harry Potter oder den Potters im Algemeinen gänzlich verloschen und vom magischen Netz der Erde verschwunden ist. In der Regel dauert dies in etwa zwölf Wochen."
„Zwölf Wochen? Das ist nicht akzeptabel!", schrie Fudge nun regelrecht und die Wache vor Sarrocks Büro schaute zur Sicherheit durch die Tür hinein.
„Oder länger. Das kommt auf das Level des Zauberers an." Sarrock konnte sich dies nicht verkneifen und auch nicht das breite Grinsen. Danach bat er Minister Fudge schließlich zu gehen, denn er habe noch wichtige Sachen zu erledigen. Eine von diesen „Sachen" sah so aus, dass eine schwarze Eule wenig später die Bank verließ, an ihrem Bein eine Nachricht und mit einem Ziel im nördlichen Schottland.
Nachdenklich stand Harry vor dem Spiegel im Bad, nachdenklich und auch ein wenig um Linderung betend. Calvin Klein hatte er mittlerweile neben sich fallen gelassen und nun betrachtete er seinen Körper im Spiegel. Seine Musterung begann dabei am Kopf und der wieder langsam dunkler werdenden Kopfhaut. Etwa fünf Millimeter lang, schätzte er, waren seine Haare schon gewachsen und wie ein zarter Flaum bedeckte er das, was vor wenigen Tagen noch eine Glatze gewesen war. Nicht nur auf dem Kopf verschwand langsam die blanke Haut. Nein auch in südlicheren Regionen wuchs es, allerdings waren die Stoppeln hier viel härten und das machte die Sache nicht gerade angenehm. Immer wieder juckte es und piekte in die empfindliche Haut. Schon vorhin, als er noch Modell spielen musste, hätten sich Harry am liebsten einige Male gekratzt. Doch unter den Augen der holden Weiblichkeit war dies unmöglich und so hatte Harry es ertragen müssen.
Allerdings war sein Schamhaar im Moment sein geringstes Problem. Nein, Harry hatte mehr so seine Sorgen, das steil gen Himmel ragende Stück Fleisch in den Griff zu bekommen. Wippend stand sein bestes Stück da und der Gryffindor betete, dass Mutter Natur ein Einsehen hatte. Emmett konnte jeden Moment ins Zimmer gestürmt kommen und Harry wusste, er würde ihm nie wieder ins Gesicht schauen können. Es wäre einfach zu peinlich. Mit dem Gedanken sich abzulenken, schloss Harry seine Augen und versuchte an etwas nicht ganz so schönes zu denken. Vielleicht an Snape … oder Professor Trelawny … oder an beide … beim Sex. Schließlich fuhr er dabei die Narben auf seinem Körper nach und erinnerte sich daran, woher sie stammten.
Wie lange Harry so völlig nackt vorm Spiegel gestanden hatte, wusste er am Ende nicht mehr. Die Zeit war vergessen und der Gryffindor hatte sich seinen Gedanken der Trauer und des Schmerzes hingegeben. Allerdings zuckte er erschrocken zusammen, als sich plötzlich etwas Kaltes von Hinten an ihn lehnte und die Hand festhielt, welche erneut eine der etwas größeren Narben auf seiner Brust nachzog.
„Das wird schon wieder, Harry", flüsterte Emmett aufmunternd und dem Gryffindor überkam ein Schauder, als der kalte Atem sein Ohr und die empfindlichen Nackenhaare streifte. Für einen Moment verkrampfte sich der Gryffindor sogar, als er das Bild im Spiegel so sah. Er, völlig nackt, die Erektion noch immer nicht voll abgeklungen und ein anderer Jungen, fast nackt bei so etwas wie einer zärtlichen Umarmung.
„Ich hoffe es, Emmett", erwiderte Harry und versuchte dem Emmett im Spiegel nicht in die Augen zu sehen. Dann jedoch atmete er tief durch und tat etwas, das er im Nachhinein unter anderen Umständen niemals getan hätte. Er ließ sich nach hinten Fallen und damit vollständig in die Umarmung des Vampirs. Ihm war im Moment egal, dass er nackt und Emmett lediglich mit Shorts bekleidet war. Ihm war egal, ob sie beide aussahen als wären sie beide ein sich liebendes Paar. Harry wollte nur noch Halt nachdem die letzten Minuten und die dabei aufgewühlten Erinnerungen auf ihn eingestürzt waren.
„Ich hab dich, Brüderchen", sagte Emmett leise und hielt den Gryffindor mit seinem rechten Arm ganz fest. Er mochte zwar immer den lustigen, bärenstarken Typen heraushängen lassen. Doch auch er verstand, dass Harry in den letzten Tagen und Wochen eine Menge durchgemacht hatte. Vielmehr als manch anderer Mensch verkraften würde.
„Lass dich fallen, Harry. Lass es raus", sagte er leise und legte nun auch seinen zweiten Arm um Harry. Ihrer beider Haut berührte sich und man konnte bei Harry eine leichte Gänsehaut wegen des Temperaturunterschiedes erkennen. Aber dies schien Harry egal zu sein. Er tat, was Emmett ihm sagte und ließ sich fallen und ließ es raus. Immer stärker liefen die Tränen und immer flüssiger kamen die Worte über seinen Lippen, als er Emmett die nächsten Minuten von seinem Leben erzählte. Und er erzählte es so, wie es wirklich war und nicht wie es die Presse geschrieben hatte. Und Emmett … Emmett hörte zu. Er hörte sich die Geschichten und Abenteuer von Harry Potter an und erfuhr von den erst jüngsten Ereignissen des Jungen und vom Tod Sirius Blacks.
Schließlich endete Harry und wieder fuhr er über die Narben. Emmett konnte nicht anders und hielt die Hand fest. „Lass das Harry. Sonst heilen sie nicht. Außerdem vergiss eines nie, Narben sind manchmal das, was uns ausmacht. Sie gehen einher mit Erinnerungen und Erfahrungen und man sollte auf sie stolz sein, sofern man sie sich nicht selber beigebracht hat."
Harry drehte sich um und blickte dem Vampir fest in die Augen. „Du hast leicht reden, Emmett. Dein Körper ist perfekt, ihr alle seid perfekt und wunderschön und …"
Emmett drückte den Gryffindor nun ein wenig von sich weg und sah ihn eher tadelnd an. „Eine Schönheit, die jedoch einen hohen Preis hatte, Harry. Glaub mir, Rose, Alice und auch die anderen unserer Familie, musste Dinge aufgeben, dafür, dass wir so sind, wie wir sind."
„Oh", entfuhr es Harry und er blickte etwas betreten zu Boden. Daran hatte er noch nicht gedacht und er schämte sich nun etwas für seine Äußerung. Dann jedoch blickte er wieder auf und fragte Emmett, was sie denn alle aufgegeben hatten. Sein großer „Bruder" schien kurz nachzudenken und erwiderte; „Nun Harry, bei Alice sind es die Erinnerungen. Sie weiß nichts von ihrem früheren Leben und dann glaube ich, dass sie ihre Gabe in die Zukunft zu sehen, manchmal als einen Fluch ansah…"
„Hellsehen?", fragte Harry überrascht.
„Jepp Harry, doch zurzeit hat Alice so ihre Probleme damit. Seit der Sache mit Jasper." Emmett stoppt kurz und meinte, dass dies ein Thema für später sei. Dann erklärte er Harry, was Rosalie aufgeben musste und hier konnte sich Harry voll und ganz in die Blonde hinein versetzen, denn es war ja der Wunsch nach einer eigenen Familie, nach Kindern, die man Rosalie verwehrt hatte.
Am Schluss blieb nur noch Emmett und hier war Harry besonders gespannt, was wohl der bullige Vampir aufgegeben hatte. Gespannt deshalb, weil Harry den Eindruck hatte, dass Emmett am besten mit seinem Vampir-Dasein klar kam und er in allem einen Spaß sah. Allein schon der Gedanke daran, wie er sich freute, wenn es auf die Jagd ging und er mit einem Bären ringen durfte. Allein das sagte Harry, dass Emmett es mochte ein Vampir zu sein.
„Nun Harry, wie schon gesagt, mussten wir alle etwas aufgeben oder aber, es wurde uns genommen. Doch ich scheine mal wieder ein Glückspilz zu sein. Denn was mir am Anfang meines neuen Lebens zu schaffen gemacht hat, war der Verlust meiner Familie und die Tatsache, dass ich meine jüngeren Brüder, die ich alle sehr geliebt habe, nicht habe aufwachsen sehen können. Es war einfach zu gefährlich und außerdem war ich ja tot. Doch wie gesagt, ich bin ein Glückspilz, denn jetzt habe ich ja dich." Emmett grinste übers ganze Gesicht. „Und als erste Handlung als großer Bruder werde ich mich mal mit Alice unterhalten und ihr sagen, dass sie dich nicht immer so in Verlegenheit bringen soll. Anderseits sind solche Tage wie heute für sie wie ein Fest und …"
„Tage wie heute, Emmett?", fragte Harry skeptisch, sein Körper verkrampfte leicht, denn ihn beschlich eine böse Vorahnung. Natürlich war heute ein besonderer Tag, doch Harry hatte es vermieden den Cullens davon zu erzählen. Heute war der 31. Juli und Harry war damit nun sechzehn Jahre alt.
Emmett war für einen Moment von Harrys Reaktion überrascht. Er sprach jedoch weiter und erklärte rasch. „Na du weißt schon Harry, Shoppingtage. Ich verstehe es zwar nicht, aber für manche Frauen sind die Tage, wo sie die Kreditkarten ihrer Männer quälen können so wie für eine Vielzahl der Männer die Zeit um die Superbowl herum."
Harry hatte zwar keine Ahnung was die Superbowl war, aber das Grinsen in Emmetts Gesicht sagte ihm, dass der Vampir höchstwahrscheinlich zu eben diesen Männern gehörte. Dementsprechend lächelte Harry nun auch und dann lösten sich die beiden von einander. Emmett kümmerte sich ums Badewasser, während Harry seine neuen Sachen vom Boden aufhob und sie sorgsam über einen der Stühle legte.
„So kleiner Bruder und jetzt kümmere ich mich darum, dass du noch schneller gesund wirst."
„Wie?", fragte Harry überrascht, als Emmett mit einem Blitzen in den Augen vom Becken aufschaute. Etwas, dass dem Gryffindor gar nicht gefiel.
„Indem ich darauf achte, dass du Carlisles Anweisungen auch befolgst. Glaubst ich habe nicht gemerkt, dass du dich die letzten beiden Male darum gedrückt hast, zwei kräftige Schluck des Heilbades zu nehmen."
Harrys Augen weiteten sich. „Oh nein, das kannst du vergessen, Emmett. Das Zeug schmeckt widerlich, brennt im Magen und den Rest der Nacht denkst du, du hast eine tote Maus verschluckt. Auf keinem Fall saufe ich das Zeug." Das Gesicht was der Gryffindor dabei machte, zeigte dem Emmett, dass es Harry ernst war. Er selbst konnte sich das gesagte auch gut vorstellen, denn schon der Geruch des Badewassers war gewöhnungsbedürftig.
Aber es half nichts und so trat Emmett einen Schritt auf Harry zu. „Harry, Harry, Harry ich wusste, dass du so reagieren würdest, doch glaub mir, es bringt dir nichts ein. Es sind doch nur zwei Schluck und bald ist es geschafft. Und dass es wirkt, kannst du auch nicht abstreiten, oder Harry? Sieh dir doch mal deine Haare an. Sie wachsen und gedeihen …"
„… und jucken. Das hast du vergessen, aufzuzählen. Ich könnte mir ständig die Eier wundkratzen", platzte Harrys mit leichtem Rotschimmer heraus, um seinen Unmut über die Folgen des raschen Heilens frei zu machen. Emmett kam nicht umher zu schmunzeln und meinte, dass man dafür ja Abhilfe leisten konnte, indem man das Haar gar nicht so weit wachsen ließ. Harry schaute den Vampir überrascht an und ihm kam in den Sinn, dass er darüber noch nie nachgedacht hatte. Und um allen noch die Krone aufzusetzen, zog Emmett sich die Shorts aus und deutet nach unten. „Siehst du Harry, glatt wie ein Babypopo und nichts was kratzen kann."
„Du hast dich rasiert? Wann?", fragte Harry überrascht und Emmett grinste. „Nöö war Carlisle, ist aber schon Jahrzehnte her. Jetzt sag mir aber nicht, dass du das bisher nicht bemerkt hast. Ich meine, wir baden doch nicht zum ersten Male zusammen."
„Ähm, na ja …", stammelte Harry verlegen und schaute zur Decke. Dann überlegte er, wieso er Emmett noch nie wirklich betrachtet hatte und sagte mit fester Stimme. „Ich finde ein Junge sollte nicht unbedingt auf den Schwanz eines anderen Jungen starren."
Emmett lachte und gab den ekelhaft grünen Heiltrank ins Wasser. „Hogwarts liegt aber schon in Großbritannien, oder? Ich meine, es liegt nicht im Vatikanstaat und ist ein Kloster oder vielleicht durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum mit dem letzten Jahrhundert verbunden?"
„Nein", sagte Harry schnell und kam sich so dumm vor, dass er das so gesagt hatte. Andererseits erinnerte er sich daran, dass es ihm nicht gefallen hatte wie einige Gryffindors zur Mitte des letzten Schuljahres einen ihrer Mitschüler im siebenden Jahrgang betitelt und behandelt hatten, nachdem dieser, laut Hörensagen, beim gemeinsamen Duschen die anderen immer wieder gemustert und dann einen Harten gekriegt hatte. „Schwuli" oder „Tunte" hatten sie ihn genannt und dies sogar vor einem Großteil der in der Großen Halle versammelten Slytherins. Dabei wusste Harry es im Falle dieses Jungen jedoch genau, dass dieser nicht schwul war. Schließlich hatte er doch eine Freundin und war mit ihr öfters in Gewächshaus fünf verschwunden.
Im nächsten Moment zog Harry dann aber die Stirne kraus und fragte ungläubig. „Sagtest du eben Carlisle hat dich rasiert?" Und man konnte sehen, wie dem Gryffindor die Röte ins Gesicht stieg. Emmett wiegelte schnell ab und sagte; „Nein Harry, nicht wie du denkst. Ich besteige das Pferd schon von der richtigen Seite, andererseits könnte ich mich ja dann wohl kaum mit dir so unbeschwert unterhalten, wenn wir beide nackt baden. Nein, ich verdanke die ganze Sache mit meinem jetzigen Aussehen einem mächtig launischen und angepissten Grizzly – der letzte übrigens der gegen mich gewonnen hat – und seinen Pranken. Es war der Tag, an dem mich Carlisle gerettet und zu dem gemacht hat, was ich heute bin."
„Ok, das ist jetzt zu hoch für mich," entfuhr es Harry und sein Blick wanderte unbewusst noch einmal zu Emmetts Schritt, wo er wirklich kein einziges Haar fand. Dafür aber eine Bestückung, die sich nicht verstecken brauchte.
„Na ja Harry, dann will ich es dir mal versuchen zu erklären. Ich bin, wenn du es so willst, tot. Vampire zählen ja im Allgemeinen zu den Untoten. Und mit dem Tode stellt der Körper bekanntermaßen auch verschiedene Funktionen ein, wie zum Beispiel Blut zu produzieren oder aber Haare und Nägel wachsen zu lassen. Was glaubst du eigentlich, warum wir überhaupt Blut trinken müssen? Bei manchen Vampiren kann es zwar noch dazu kommen, dass dies noch weiter geschieht, aber das ist wirklich sehr selten. Ich persönlich kenne da nur Rosalie und Harry, ich habe schon eine Menge Vampire getroffen …"
„Rosalie?", fragte Harry kurz dazwischen und Emmett nickte. „Jepp, unsere Venusvorlage hat Glück mit ihrem Körper und darf noch ab und zu zum Frisör. Zwar nur dreimal im Jahr, was gut für unsere Tarnung ist, aber weiter im Text. Unsere Körper bleiben in ihrer Entwicklung einfach stehen. Und als der Bär mich zerfleischte, riss er mir auch ein riesiges Stück meiner Bauchdecke und der Haut über meinem besten Stück heraus. Zwar heilte Carlisles Gift bei der Verwandlung diese Wunde, doch wegen eben genanntem Stillstand im Haarwachstum sah es nach meiner „Wiedergeburt" in meiner Hose aus, wie der Endspielrasen nach dem Abpfiff einer Fußballweltmeisterschaft. Und das war nicht wirklich schön anzusehen. Es blieb also nur eines übrig, aus dem Mammut wurde eine Python."
Kaum diese Worte verstanden, verschluckte sich Harry und hustete mehrfach, bis er sich wieder fing. Emmett war nun mit dem Badewasser fertig und hatte sogar ein Glas voll abgeschöpft, damit es Harry vor seinen Augen leerte. Angewidert schüttelte Harry seinen Kopf. „Das kannst du vergessen", sagte er erneut, doch dies schien Emmett nicht zu beeindrucken. Er kam immer näher auf Harry zu, das Glas drohend in seiner Hand. Mit dem was folgte, hatte der Vampir jedoch nicht gerechnet.
Harry wich vor ihm zurück und dann richtete er seinen Arm auf Emmett. „Aquamenti!", rief der Gryffindor und eine Wasserfontaine schon auf seinen „großen Bruder" zu. Davon überrascht fiel Emmett das Glas aus der Hand und nur durch seine übermenschlichen Reflexe konnte er verhindern, dass es auf dem gefliesten Boden zerschellte. Bei späterer Betrachtung wäre dies aber nicht mehr aufgefallen. Denn dem Angriff auf Emmett folgt die wohl waghalsigste Wasserschlacht, die das Badezimmer der Cullens je gesehen hatte. Für den Vampir schien dies allerdings mehr ein Spaß zu sein und eine Jagd, die er im Endeffekt auch gewann. Harry schlug sich zwar ziemlich gut und machte mit einigen Zaubern den Vampir ziemlich pitschnass, doch dann ließen seine Kräfte nach und er landete schließlich im Becken. Emmett hatte kein Erbarmen und verschont ihn auch nicht vor seinem Heiltrunk.
Eines jedoch war nach der Schlacht anders. Denn Emmett befahl als Wiedergutmachung für seinen Sieg über Harry, dass dieser seine neuen Klamotten noch einmal anzog. Er meinte, dass sie beide nun Esme suchen würden, um ihr zu erklären, warum ihre Kakteen und auch andere Blumen im Badezimmer zur Gattung der Wasserpflanzen konvertiert waren. Leicht unsicher stimmte Harry zu und hoffte, dass die Hausherrin ihm nicht allzu böse war.
„Ich glaub sie ist im Wohnzimmer, Harry", sagte Emmett und buchsierte den Gryffindor in Richtung des Gemeinschaftszimmers der Familie. Dort angekommen klappte dem Jungen allerdings die Kinnlade runter, denn die ganze Familie war dort und schien auf ihn gewartet zu haben. Sie alle lächelten, allen voran Alice, die nun auch auf ihn zukam. Während sie einen mit sechzehn brennenden Kerzen geschmückten Kuchen trug, begannen alle zusammen „Happy Birthday" zu singen.
Harry stand einfach nur da und wusste nicht was er sagen sollte. Kleine Tränen bildeten sich in den Augen des Gryffindors. „Aber … aber …" Harry fehlten einfach die Worte und es war Alice, welche ihm schließlich alles Gute wünschte und Harry ein Küsschen auf die Wange drückte.
Natürlich wurde der Gryffindor rot und musste dann das Schmunzeln aller über sich ergehen lassen. Nach Alice gratulierten auch Carlisle, Esme und Rosalie, wobei die Blondine es sich auch nicht nehmen ließ, Harry etwas in Verlegenheit zu bringen. Nun zierten Harrys Wangen nämlich rechts und links die Abdrücke zweier Kussmünder. Esme hingegen war viel zu viel Mutter, als dass sie sich ihren Töchtern anschloss und bestand viel mehr darauf, dass Harry die Kerzen ausblies und der Geburtstagskuchen angeschnitten wurde, welchen sie in den letzten Stunden so liebevolle gebacken hatte.
Natürlich war Harry der einzige, welcher in den Genuss des Schokoladenkuchens kam. Carlisles Familie aß ja nun einmal keine menschliche Nahrung, jedenfalls in diesem Sinne. Allerdings musste Harry zugeben, dass er auch nur ungern geteilt hätte, denn der Kuchen war köstlich. Jedoch nach drei Stückchen war Schluss und Harry am Platzen. Der Gryffindor rieb sich den Bauch und unter dem Lächeln der Cullens gähnte er frei weg. Das Heilbad zeigte langsam seine Wirkung, welche ja darin bestand, dass Harry immer ziemlich schnell müde wurde und einschlief. Der nächste Satz von Alice ließ den Jungen aber wieder hellwach hochschrecken.
„Eigentlich würde ja jetzt das große Geschenke-Aufmachen beginnen, aber das hatten wir ja vorhin schon und alles passte unserm Harry ja wie angegossen."
„Was?", rief Harry überrascht und dachte an all die Tüten und Taschen mit Klamotten, die er früher am Tag alle anprobiert hatte. „Aber das geht nicht. Es ist zu viel. Carlisle bitte, dass alles muss ein Vermögen gekostet haben. Das kann ich nicht annehmen." Harry fühlte sich auf einmal gar nicht mehr so wohl in seiner Haut. Nicht nur, dass die Cullens für ihn hier eine richtige Geburtstagsfeier organisiert hatte. Nein, jetzt wollten sie ihm auch noch die ganzen Sachen schenken. Und dass, obwohl er ihnen doch so schon Umstände machte.
Esme, Alice und Rosalie starrten Harry überrascht an. Sie konnten nicht begreifen, was gerade in Harry vorging. Allerdings schien Carlisle es zu spüren, denn wenn er eines hatte, dann war es Menschenkenntnis und er trat an Harry gerann. „Harry bleib ganz ruhig und hör mir zu. Meine Familie mag dich sehr gern und uns wäre kein Geschenk zu teuer. Und dass du die ganzen Sachen bekommen hast, liegt wohl daran, dass du sie auch brauchst."
„Ja aber, ich kann doch nicht …"
„Doch kannst du Harry. Wenn es dich auf der anderen Seite dann aber doch zu sehr belastet, dann mache ich dir einen Vorschlag, mein Junge. Du suchst dir von alle den Sachen mehrere Stücke aus. Ich würde sagen pro Familienmitglied zwei, was dann zehn Kleidungsstücke macht und das Geld für den Rest, gebe ich Emmett in deinem Namen zurück. War ja schließlich seine Kreditkarte … abgemacht?"
Harry schaute den blonden Vampir verwirrt an und schüttelte den Kopf. „Das passt ja dann auch nicht, Carlisle. Schließlich gibst du Emmett ja das Geld." Carlisle schüttelte jedoch lächelnd seinen Kopf und erwidert. „Schon Harry, aber es ist dein Geld. Ich habe es heute Morgen bekommen."
„Was? Wie?" Harrys Verstand arbeitete zwar auf Hochtouren, er kam jedoch nicht mehr mit. Daher erlöste ihn Carlisle auch und erklärte: „Was ich meine ist, Harry, dass heute Morgen sich mal wieder eine Eule in unsere Gegend gezittert hat und einen Brief überbrachte. In ihm teilte mir dein Direktor Albus Dumbledore mit, dass er sich um deine Freunde gekümmert hat, sprich sie von ihrer Trauer befreit hat und dann hat er mir einen Scheck mitgeschickt, über fünfzigtausend Dollar, mit dem Vermerk, ich solle es als Aufwandsentschädigung sehen und dir alles nötige besorgen."
„Fünfzigtausend?", entfuhr es Harry und Carlisle nickte. „Richtig gehört, Harry. Ein schöner Haufen Geld und viel zu viel dafür, dass wir dir helfen. Und das habe ich auch in einem kurzen Brief, welchen ich der Eule angesteckt habe, bevor sie abhauen konnte, mitgeteilt. Das und dass es dir schon merklich besser geht."
Harry schaute Carlisle nachdenklich an und meinte, dass es schon in Ordnung ginge, wenn die Cullens das Geld behielten. Er erinnerte sich daran, was er bei seinem letzten Gringottsbesuch in seinem Verlies so alles gesehen hatte und war sich sicher, dass die fünfzigtausend Dollar nur ein Handgeld waren. Doch der blonde Vampir schüttelte den Kopf. „Nein Harry, es ist dein Geld und als dieses werde ich morgen nach meinem Dienst bei unserer Bankfiliale in Forks ein Konto für dich einrichten."
Harry überlegte zu widersprechen, doch dann merkte er sehr schnell, dass Carlisle sich entschieden und er keinen Einfluss mehr darauf hatte. Außerdem spürte Harry, wie der Schlaf ihn langsam überkam und so brachte Emmett ihn schließlich ins Bett. Das letzte woran sich der Gryffindor erinnerte, war der Gedanke, dass er sich seit langem wieder einmal sicher und geborgen gefühlt hatte und dass die Cullens ihn mochten. Und damit meinte er nicht nur Carlisle oder Emmett, sondern auch Rosalie, die sonst immer so unnahbar tat und nichts für sterbliche übrig zu haben schien.
… Wie naiv er doch war …
