Kapitel 12

Das Frühstück am Tage nach seinem Geburtstag war für Harry besonders lecker, gab es doch noch ein großes Stück von seinem Geburtstagskuchen. Harry hatte Esme gebeten, ihn nicht wie üblich weg zu werfen. Eine Sache, die der Gryffindor in den letzten Tagen schon mitbekommen hatte. Aber natürlich verstand er es auch, denn was sollten die Vampire auch mit frischem Essen machen? Manche Sachen kochte man nun einmal in größeren Mengen, um Geschmack zu bekommen. Etwas, das Harry schon sehr früh bei den Dursleys gelernt hatte. Obwohl, wenn man es genau betrachtete, dort musste man eh immer große Portionen kochen.

Allerdings rächte sich Harrys Maßlosigkeit spätestens beim Training und so hatte der Gryffindor so seine Probleme und war ziemlich groggy, als er sich mittags in Bett legte. Carlisle und die anderen nutzten dies um einen kurzen Jagdausflug zu machen und so war es nicht die Stimme von Carlisle oder Emmett, die Harry am Abend weckten und ihm sagten, dass es Zeit fürs Heilbad war. Nein es war ein leises unterschwelliges Rauschen, welches auftrat, wenn Wasser aus dem Hahn floss.

Harry schreckte hoch und seine Augen wurden noch größer, als er auf seinen Wecker schaute und dieser fünf nach sechs anzeigte. Die grünen Digitalziffern leuchteten ihn bedrohlich an und ein leises „Shit, verschlafen" entfuhr dem Gryffindor. Er fragte sich nicht einmal, warum ihn niemand geweckt hatten und mit raschen, humpelnden Schritten machte sich Harry auf ins Bad. Er zog dabei nicht einmal eine Hose über. Nein Boxer mussten reichen und war ja eh nur Emmett, auf den er treffen würde.

„Sorry Emmett, ich bin zu spät", rief er und stürmte bereitwillig ins Bad. Seine Worte blieben ihm dann allerdings im Halse stecken, genau wie seine Bewegungen erstarrten. Denn im Bad befanden sich nicht wie erwartet Emmett oder gar Carlisle. Nein, es war Rosalie und sie stand splitterfasernackt unter dem prasselnden Wasserstrahl der weiträumigen, in weißem Marmor gehaltenen und mit eleganten Fliesen ausgearbeiteten Dusche. Harry war wie versteinert. Er wollte sich zwar abwenden, konnte seinen Blick aber einfach nicht von der Göttin vor sich nehmen. Nun jedenfalls solange nicht, bis der blonde Vampir ihn bemerkte und ihn mit mordlustigen Augen anschaute.

„Potter" – Es war mehr ein Fauchen, nein das Fauchen eines wilden Tieres, einer Raubkatze, was Rosalies Mund verließ und ihr Gesicht verzog sich zu etwas, dass der Gryffindor schon einmal gesehen hatte. Und zwar damals, als er vor Beginn des vierten Schuljahrs mit den Weasleys bei der Quidditchweltmeisterschaft gewesen war. Harry fühlte sich an die Veelas erinnert und wie diese wunderschönen Geschöpfe durch die Provokationen der irischen Kobolde zu Furien mutiert waren.

„Entschul …", stammelte er und dann schlug er auch schon die Badezimmertür zu. Normalerweise wäre Harry danach zu Boden gesunken und hätte vor Schock oder Verlegenheit schwer geatmet, doch heute war es anders. Der Gryffindor dachte nicht mal daran auszuruhen, sondern nahm seine Beine in die Hand. Er sprintete los und humpelte mehr oder weniger um sein Leben. Ein Leben, das, wenn er Glück hatte, noch einige Sekunden währen würde. Ungefähr so lange, bis Rosalie sich etwas übergezogen und ihn eingeholt hätte.

Völlig außer Atem erreichte Harry schließlich sein Zimmer und kaum darin, machte er das, was ihm nach einem kurzen Scan des Zimmers aus sicherstes erschien. Er kroch hinters Bett, hockte sich dort hin und nahm sicherheitshalber noch den Infusionsständer, den Carlisle immer noch für den Fall der Fälle in Harrys Reichweite gelassen hatte, als Waffe in die Hand. Vielleicht konnte er sich damit gegen das wütende Vampirmädchen verteidigen.

Die Minuten verstrichen. Minuten, in denen Harry angespannt auf die Tür starrte und in denen ein weiteres Mal innerhalb der letzten Wochen sein Leben vor seinem geistigen Auge vorüber lief. Wie lange das ganze gedauert hatte, wusste der Gryffindor am Ende nicht mehr. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als sich der Türknauf langsam zu drehen begann und Harry umfasst das kühle Metall seiner Waffe ein ganzes Stück fester.

„Harry? Harry bist du wach?", fragte Carlisle melodische Stimme und schließlich trat der blonde Vampir vollends ins Zimmer. „Es ist Zeit für dein Bad."

Harry überlegte, ob dies ein Trick war und schaute hastig nach rechts und auf seinen Wecker. Dieser zeigte mittlerweile viertel nach Sieben an und abschätzend wandte sich Harry wieder zu Carlisle. Der war in der Zwischenzeit zum Schrank gegangen, um einige Sachen für seinen Patienten zu holen und war daher von Harrys Frage etwas überrascht.

„Bisschen spät dafür, oder?", entfuhr es dem Gryffindor, der extrem alarmiert wirkte und scheinbar nicht so recht zu wissen schien, was hier gerade vor sich ging.

„Wieso zu spät? Harry, du badest jeden Tag um haargenau diese Uhrzeit…" Carlisle unterbrach sich selbst, denn er hatte in Richtung Wecker geschaut. Dann schüttelte er leicht den Kopf und sagte leise: „Ach Emmett, es ist kein Verlass auf dich, wenn eine Jagd ansteht."

„Wie bitte?", fragte Harry, da er nicht verstand, was sein „großer Bruder" mit der ganzen Sache zu tun haben sollte.

Carlisle sah Harry entschuldigend an und erwidert: „Nun Harry, ich hatte ihn gebeten, die Batterien deines Weckers zu erneuern. Wir selbst nehmen ihn ja kaum, da Zeit für uns keine Rolle spielt. Und außerdem geht er immer etwas vor, wenn die Batterien schwach werden."

Dann griff der blonde Vampir in seine Jacke und holte eine sehr alt aussehende Taschenuhr hervor: „Es ist jetzt genau drei Minuten vor sechs Uhr und damit Zeit für dein Bad. Hier sieh selbst, Harry."

Der Gryffindor blickte auf die goldene Uhr und dann zurück zu Carlisle. Er sah ihn abschätzend an und dann sagte eine innere Stimme, dass er dem Vampir vertrauen sollte und dieser immer ehrlich zu ihm gewesen war. „Oh", entfuhr es Harry und er stand hinter dem Bett auf. Verlegen stellte er den Infusionsständer wieder hin und nahm seine Sachen von Carlisle in Empfang. „Blöde Uhr, das glaubt mir Rosalie doch nie und nimmer", sagte er dann und beide gingen in Richtung Bad. Allerdings entging ihm dabei das leichte Lächeln auf dem Gesicht des Vampirs. Vielleicht war dies auch besser, denn so blieb Harry ja die Hoffnung, dass Carlisle noch nichts von dem Vorfall im Bad wusste.

Im Bad angekommen, war das Wasser schon eingelassen und die grüne Suppe blubberte vor sich hin. Ein Schauder durchfuhr Harry, wenn er daran dachte, dass er nachher wieder zwei Schluck davon nehmen sollte. Vielleicht kam er ja heute drum herum. Harry schaute noch mal kurz zur Dusche, die jetzt so aussah, als wäre sie heute noch gar nicht benutzt worden und begann sich danach auszuziehen. Harry stockte erst, als Carlisle sich anschickte, das Zimmer zu verlassen. An der Tür angekommen, drehte er sich aber noch einmal um und erklärte: „Emmett kommt gleich, Harry. Warte bitte bis er da ist und geh nicht allein ins Wasser. Er ist nur noch kurz bei Rosalie und versucht sie zu beruhigen. Es war nicht gerade ihr Tag und dementsprechend ist auch ihre Laune."

Alles in Harry verkrampfte sich und eine böse Vorahnung beschlich ihn. Emmett? Wieso ausgerechnet Emmett? Warum heute? Er starrte zur noch nicht vollends geschlossenen Tür und hörte, wie Carlisle sich mit jemandem davor unterhielt. Und dieser jemand war Emmett und seine Stimme war ungewöhnlich angespannt. „Na toll", dachte Harry und trat einige Schritte von der Tür weg. Er stellte sich neben einen Stuhl, den man ja im Notfall als Waffe einsetzten konnte. Und dass er sie brauchen könnte, verriet das Gespräch vor der Tür. Harry lauschte ganz gespannt.

„Wie geht es ihr, Emmett?"

„Na wie wohl, Carlisle. Sie nimmt es persönlich und ich als ihr Freund auch…"

„Ja aber, sie hat sich etwas beruhigt oder? Ich meine, sie wird nichts Dummes tun?"

Carlisle klang wirklich besorgt und dies ließ auch bei Harry den Druck, der sich um sein Herz gelegt hatte, verstärken.

„Nein, wird sie nicht, aber es war schon hart an der Grenze. Und wenn es nach mir ging, dann … er sollte mir nicht an einem schlechten Tag in die Arme laufen."

„Lass gut sein, ich werde mich darum kümmern. Versprochen."

„Danke Dad. Und jetzt ist Harry fällig…"

Harry begann zu zittern und seine Hand ging unbewusst in Richtung Stuhllehne.

„Bitte Emmett, tu es nicht. Der Tag war auch für ihn nicht leicht", sagte Carlisle beschwörend, worauf Emmett erwiderte: „Keine Sorge Dad, Esme braucht sich nicht um ihr Bad zu sorgen. Es wird kein Blutbad geben. Ich mache es kurz und schmerzlos."

Einen Moment später ging die Tür auf und Harry duckte sich etwas und nahm eine Art Verteidigungsstellung ein. Emmett bemerkte dies natürlich und ein teuflisches Grinsen umspielte seine Lippen. Harry wusste sofort, so lächelte nur der Tod und er überlegte, welche Zauber er mit seiner Hand schon ausprobieren konnte, um sich zu verteidigen.

„Hallo Harry", lachte der bullige Vampir, während er seelenruhig die Tür verschloss. „Ich sehe, du willst spielen. Aber heute nicht, ich hab es Carlisle versprochen." Noch bevor der Gryffindor reagieren konnte, stand Emmett vor ihm, packte seine Arme und drückte sie seitlich an seinen Körper.

„Bitte Emmett, tu es nicht. Es war ein Versehen … ich … Rosalie … die Uhr …" Ein letzter Versuch seitens Harry, wurde aber nicht für voll genommen und dann durchschnitt ein reißendes Geräusch das Zimmer. Harry traute sich gar nicht nach unten zu schauen, voller Angst, dass dort vielleicht schon ein Teil seins Körpers fehlte. Dann wiederum blieb der Schmerz aus und so schaute der Gryffindor dann doch etwas verwirrt an sich herunter und sah, dass der Vampir ihm seine Boxershorts, die er durch Emmetts Ankunft, vergessen hatte auszuziehen, vom Körper gerissen hatte. Danach entledigte sich der Vampir auch seiner Klamotten, so schnell, dass man es kaum sah und bevor Harry fragen konnte, was dies bedeuteten soll, landeten beide auch schon im Wasser.

`Von wegen, kurz und schmerzlos', dachte Harry im nächsten Moment mit einer Mischung aus ungeheurer Furcht und Sarkasmus. `Ersäufen will er mich … qualvoll und langsam. Aber wenigsten hält er Wort, was das Blutbad anging.' Kein Spritzer aus Harrys Adern würde den Marmor beschmutzen und man konnte die Beweise einfach mit dem Wasser durch den Ausguss verschwinden lassen.

Panik machte sich in Harry breit, als er so unter Wasser war. Er riss seine Augen auf und sah durch den grünen Schleier des Heiltranks Emmetts breites Lächeln. Der Vampir war ebenfalls getaucht, nur brauchte er dafür keinen Sauerstoff. Er war einfach da und beobachtete Harry, der krampfhaft versuchte, die Luft anzuhalten. Schließlich schien es Emmett dann doch zu lange zu dauern und während er bisher Harry nur am Auftauchen gehindert hatte, ging jetzt seine Hand zu Harrys Seite und er strich kurz darüber. Harry verfluchte sich dafür, dass er in seinem Leichtsinn Emmett verraten hatte, dass er dort etwas kitzlig war.

Und dies nutzte Emmett gnadenlos aus. Harry konnte nicht anders. Er versuchte sich zwar zu wehren, doch es half nicht. Unaufhaltsam bahnte sich das Grüne Wasser seinen Weg in dem Mund des Gryffindors und dieser schluckte es. Allerdings ließ Emmett, kaum da dies geschehen war, Harry los und somit konnte dieser auftauchen. Hastig atmete Harry und wie ein Befreiungsschlag durchströmte die Kühle seinen Hals und die Lungen. Er wurde wieder Herr seiner Sinne und sofort versuchte der Gryffindor Abstand zum Vampir zu erlangen.

Emmett auf der anderen Seite schickte sich aber auch nicht an, Harry wieder in seine Gewalt zu bekommen und dies verwirrte den Jungen dann doch etwas. Harry drehte sich um und sah den ihm körperlich überlegenen Vampir überrascht an. Emmett grinste nun und meinte: „Na Harry, geht doch. Zwei kräftige Schluck Medizin und das alles ohne das halbe Bad zu verwüsten."

„Was? Wie? Ich … ich verstehe nicht …" Der Gryffindor war mehr als nur verwirrt. So sehr, dass ihn doch glatt entging, dass er eben noch Todesangst hatte und wie ein dummer Junge fragte: „Du … du bringst mich nicht um?"

„Umbringen? Natürlich nicht. Meine Güte Harry …", rief Emmett überrascht und voller Unglauben . „Wieso sollte ich dich umbringen? Alles was ich wollte war, dass du deine Heilbäder richtig ernst nimmst, ohne dass es gleich wieder in einen Kampf ausartet. Wie kommt du nur auf solche Ideen?"

Harry sah den Vampir an und wandte sich dann ab. Nuschelnd erwiderte er etwas von wegen einer nackten Rosalie und dass er doch das Gespräch eben mit Carlisle mitbekommen habe und Emmett dabei meinte, er sei mehr als nur sauer. Und dass ein wütender Vampir nicht gerade der ideale Badepartner war.

Emmett begann daraufhin zu lachen und sagte: „Meine Güte Harry, da drückt also der Schuh. Du denkst, ich würde … du glaubst, dass ich … wegen der Sache vorhin mit Rosalie …"

Harry war es nicht einerlei und er wurde zunehmend roter im Gesicht. Mann, wo hatte er sich jetzt nur wieder reingeritten? Dass Emmett nicht aufhörte zu lachen, half ihm noch weniger sich wieder fangen. Schließlich lehnte sich der Vampir an den Wannenrand und musterte seinen Gegenüber.

„Weißt du Harry, wenn ich jeden Jungen umgebracht hätte, der Rosalie lüstern angeschaut oder in manchen Fällen auch bespannt hatte. Glaub mir, Woodstock wäre kein Festival der Liebe, sondern ein Blutbad und die Forks Highschool ein wirklich einsamer Hort der Weiblichkeit geworden."

„Aber … aber du bist ihr Freund? Sollte es dich nicht wenigstens ein bisschen stören? Mein Gott, wenn daran denke, wie mein Kumpel Ron ausrasten würde, wenn mir das bei seiner kleinen Schwester Ginny passiert wäre …" Harry schüttelte nur den Kopf und stellte sich das Gesicht des Rothaarigen vor.

Emmett sah Harry jedoch mit einem Lächeln an, welches an Dumbledore erinnerte und dem Gryffindor wurde mit einem Male bewusst, oder er spürte zum ersten Male, dass der Vampir vor ihm zwar aussah, als hätte er seinen Schulabschluss gerade erst hinter sich gebracht, dann wiederum aber schon so lange lebte, wie manch alte schrumpelige Hexe und dementsprechende Erfahrungen vorzuweisen hatte. Und mit eben diesem Blick der Gelassenheit des Alters sagte Emmett: „Du weißt nicht sehr viel über Vampire Harry, oder?"

Dem Gryffindor wurde bewusst, dass er recht hatte und schüttelte leicht den Kopf. Emmett bedeutet Harry, er sollte es sich auch bequem machen und begann danach zu erzählen: „Weißt du Harry, Vampire sich Jäger, geborene Jäger und damit immer auf der Suche nach Beute. Und da diese im Allgemeinen unter der Bezeichnung Homo Sapiens bekannt ist, einer Gattung, die durchaus in der Lage ist, selbst uns gefährlich zu werden, ist die Jagd von jeher ein Kampf und macht uns zu Einzelgängern. Vampire leben nur selten in Zirkeln. Und wenn, dann dient dies meistens dem Zweck, der Nahrungsbeschaffung und des Schutzes. Einer der größten Zirkel sind die Volturi in Italien. Doch unterscheiden sie sich von allen anderen."

„Unterscheiden? Wie?", fragte Harry.

„Sie sehen sich als Herrscherfamilie und das sind sie im weitesten Sinne auch. Keiner würde es wagen, die Volturi herauszufordern, denn das bedeutet den sicheren Tod. Selbst wir stehen zurzeit unter ihrer Beobachtung und zwar wegen Bella."

„Bella, Edwards Frau?", hakte Harry nach und Emmett erklärte ihm kurz die Sache zwischen seiner Schwägerin und den Volturis. Dann kam er aber wieder zum Kern seines kleinen Gesprächs und er erzählte weiter. „ Und weil wir Einzelgänger sind, ist es eher selten, dass ein Vampir so etwas wie einen Gefährten findet, Harry. Carlisle hatte Glück mit Esme und Edward kann ohne Bella nicht mehr leben, doch das ist bei mir und Rosalie nicht so."

„Was? Aber ihr zwei … ihr lebt doch zusammen. Ihr gebt euch doch immer als Paar aus und ihr habt auch … auch …Se …Sex." Die letzten Worte brachte Harry kaum über die Lippen und sein Gesicht glühte. Emmett konnte nicht anders und grinste: „Natürlich haben wir den … und nicht zu knapp Harry. Doch was ich versuche dir zu erklären ist, dass Rosalie und ich nicht füreinander bestimmt sind, wie zum Beispiel Carlisle und Esme. Wir mögen uns, respektieren uns und sind die meiste Zeit auch füreinander da. Aber das ist nicht immer so, Harry. Glaub mir, es gab Jahre, da haben wir uns nicht mal mit dem Arsch angesehen. Ich bin dann meistens weg gegangen, in den Krieg oder so. Aber wenn ich zurück kam, dann folgte die Zeit, wo wir beste Freunde waren und schließlich wieder die Jahre der Verliebtheit."

Harry schüttelte den Kopf und wollte nicht glauben was er da hörte. Nicht wenn er sah, wie alle hier im Haus miteinander umgingen. Emmett schien seine Gedanken regelrecht lesen zu können und fuhr fort.

„Sieh es einfach mal so, Harry. Abwechslung ist wichtig, wenn man dazu bestimmt ist, ewig auf dieser Welt zu wandeln. Und ich verrate dir noch ein kleines Geheimnis, Harry. Bei all den Beziehungen, die Rosalie und ich den Menschen immer gezeigt haben, gibt es doch zwischen uns beiden ein kleines Abkommen, was unsere Zukunft betrifft."

„Abkommen?", fragte Harry überrascht, da es sich anhörte wie eine Staatsangelegenheit.

„Ja Harry, wir beide haben uns gegenseitig versprochen, dass wenn einer von uns jemand anderen kennen lernt und sich verliebt, dann ist auch der andere glücklich und akzeptiert diese neue Beziehung."

„Krass."

Harry hörte sich für einen Moment so an wie sein bester Kumpel Ron. Denn nur nach der sehr kurzen Zeit, welche er bei den Cullens war, hätte er nie gedacht, dass vor allem Rosalie so etwa mitmachen würde. Harry sah sie immer als sehr auf Emmett fixiert und konnte sich vorstellen, dass es sie nicht unerheblich treffen würde, sollte der bullige Vampir plötzlich ein anderes Mädchen finden.

Emmett versuchte das Thema aber auch schnell wieder zu wechseln und was half da mehr, als Harry zu striezen. Er grinste plötzlich und sagte: „Harry, was das mit dem Dich-Töten angeht, so brauchst du da keine Angst zu haben. Es war nicht wirklich deine Schuld. Denn erstens weiß Rosalie, wie man eine Tür verschließt und dann war ich es ja, der vergessen hat, deinen Wecker wieder funktionstüchtig zu machen. Carlisle hatte es mir schon vorgestern gesagt, dass die Batterie schwach wird."

Harry atmete tief durch und lächelte: „Na hast du 'ne Ahnung, wie erleichtert ich bin? Ich hatte echt Schiss als Rosalie mich so angesehen hat und dann dein Gespräch mit Carlisle. Ich dachte, das war's."

„Mein Gespräch mit Carlisle?", fragte Emmett kurz verwirrt und dann grinste er: „Oh Mann Harry, da hast du aber heute auch alles missverstanden. Vorhin ging es nicht um dich, sondern um jemand anderen, der für Rosalies Stimmung und ihr ungeplantes Bad verantwortlich war. Jemand mit dem ich noch ein Wörtchen zu reden habe."

Harry sah den Vampir nun neugierig an und fragte: „Jemand den ich kenne?"

Emmet schüttelte den Kopf: „Nee, ich glaube nicht. Oder sagt dir der Name Jacob Black etwas?"

„Black? Mein Pate hieß Black", erwiderte Harry und schaute Emmett nachdenklich an. „Ich habe aber nie gehört, dass Sirius von Verwandten hier in Amerika gesprochen hat. Auch wenn sein Stammbaum ziemlich weit zurück reicht und verzweigt ist.

„Harry, Black ist in den Staaten ein sehr verbreiteter Name. Ich glaube also nicht, dass du mit dem Köter verwandt bist. Du riechst nicht mal nach ihm."

Der Gryffindor wusste für einen Moment nicht, wie er darauf reagieren sollte und sagte baff: „Ähm danke, Emmett. Gut zu wissen." Allerdings fragte er sich auch, was der letzte Satz zu bedeuten hatte und hier merkte der Vampir, dass er etwas weiter ausholen musste.

„Weißt du Harry, Jacob Black ist ein Wolf, ein Werwolf aus La Push." Wenn Emmett jetzt geglaubt hätte, er könnte Harry schocken, musste ihn das Schicksal enttäuschen. Der Gryffindor nickte nur und atmete tief durch. Warum auch nicht, war Harrys erster Gedanke. Ich hab hier mit Vampiren zu tun. Wieso sollten dann nicht auch noch Werwölfe auftauchen? Als Harry aber nicht weiter darauf einging, hakte Emmett jedoch nach.

„Hast du mich verstanden, Harry? Ich sagte, er ist ein Werwolf."

„Hab ich Emmett. Nur kann ich nicht direkt das Problem darin sehen. Einer meiner engsten Bekannten ist ein Werwolf und wenn du denkst, ich würde nun schreiend davon rennen, muss ich dich enttäuschen."

Der Vampir schaute Harry überrascht an und ruderte zurück: „Oh nein, Harry, so habe ich das auch nicht gemeint."

„Wie dann Emmett? Wolltest du mir Angst ihm machen? Oder aber mit deiner Aussage dafür sorgen, dass ich ihn nicht mag? Ich weiß, dass Vampire und Werwölfe nicht gut miteinander können. Doch ich bin nun einmal unvoreingenommen, wenn es um solche Dinge geht. Er hat mir nichts getan. Also, wieso sollte ich ihn sofort ablehnen?"

Die Worte des Gryffindors beeindruckten Emmett mächtig und ein Grinsen schlich sich in sein Gesicht: „Völlig richtige Einstellung Harry. Ich selbst habe mit Jacob schon zusammen gekämpft, als es um Bellas Leben ging. Vor allem die jüngeren Wölfe können sehr lustig sein, wenn sie mal nicht mit den Alten zusammen sind und man ihren doch sehr starken Duft der Natur versucht zu ignorieren. Doch wir sind nun mal von Natur aus als Gegner füreinander bestimmt und da kann wohl keiner von beiden Parteien an manchen Tagen über seinen Schatten springen."

„So wie heute?", fragte Harry und bezog sich dabei auf Rosalie und Jacob Black. Worauf Emmetts Grinsen breiter wurde.

„So in etwa, Harry", erwiderte er. „Allerdings haben die beiden wohl immer ihre Tage. Es vergeht wenn man es recht sieht keine Begegnung der Zwei, an der Rose nicht irgendwas Beleidigendes sagt. Oder aber etwas von Jacob kommt. Glaub mir Harry, Black ist wirklich kreativ und seit ich ihn kenne, habe ich mehr Blondinenwitze gehört als in den letzten Jahrzehnten zusammen."

„So schlimm?", fragte Harry und musste schmunzeln.

„Schlimmer Harry. Die beiden sind wie ein altes Ehepaar. Glaub mir, wenn sich unserer beiden Rassen nicht an den Gurgel gehen würden, dann wären sie es wahrscheinlich auch. Lass das aber Rose nicht hören. Unser beider Tod wäre lang und schmerzhaft."

Harrys Schmunzeln wurde zu einem Grinsen und er versuchte es sich vorzustellen, auch wenn er diesen Jacob Black noch gar nicht gesehen hatte. Dann kam er aber wieder zum Grund dieses Gespräches und er fragte: „Aber heute hat Jacob Black es übertrieben? Ich meine, wenn ich Rosalies Reaktion mal betrachte, oder?"

„Richtig Harry", sagte Emmett überraschend ernst. „Heute war es schon hart an der Grenze. Obwohl ich zugeben muss, dass Rose nicht ganz unschuldig ist. Die beiden haben sich zuerst in Forks im Supermarkt getroffen, wobei es meine Liebe nicht unterlassen konnte, einen Spruch über räudige Hunde abzulassen und dann ging es im Wald weiter."

„Sie haben gekämpft?", fragte Harry, doch Emmett schüttelte den Kopf. „Nein so weit ist es nicht gekommen. Ich glaub sogar, die zwei haben sich nicht einmal gesehen. Rose wollte noch schnell auf die Jagd, einen Nachmittagssnack wenn du so willst und hat ihren BMW mit offenem Verdeck am Waldrand geparkt. UndJacob ? Nun er hat das gemacht, was Rosalie ihm immer andichtet. Er hat sich benommen wie ein räudiger Hund. Er hat sich verwandelt und ihr Auto markiert und das gründlich. Zuerst die Reifen, dann die Stoßstangen und zu guter Letzt auch den Fußinnenraum. Glaub mir Harry, die Karre stinkt ekelhafter als ein Raubtierhaus in der Regenzeit und für uns Vampire ist das noch hundertmal schlimmer."

„Oha", war alles was Harry herausbekam, denn er vermutete, dass Rosalie dieses Auto wirklich mochte. Und da er gesehen hatte, wie intensive der blonde Vampir geduscht hatte, ließ ihn vermuten, dass Rose mit dem Wagen auch noch hier her gefahren war. Also er wollte jetzt nicht im Fell von Jacob Black stecken. Da der Gryffindor nun aber wusste warum die Blondine so sauer war, konnte er eines jetzt aber schon. Er konnte sein Bad beenden und ins Bett gehen ohne sich Sorgen zu machen, dass er daran schuld war, dass Rose Stimmung auf dem Tiefpunkt war.

Bevor Harry jedoch aus dem Bad verschwand, hielt ihn Emmett noch einmal auf. Er grinste und sagte dann mit schelmischem Blick: „Eines mein Brüderchen kann ich dir aber noch verraten. Harry du bist jetzt was Besonderes. Denn du Harry bist der einzig lebende Mensch auf dieser Erde, der Rosalies kleines Geheimnis kennt. Du Harry bist der Auserwählte und hast den Schmetterling gesehen…"

„Schmetterling?", fragte Harry überrascht, worauf ihn Emmett überrascht ansah.

„Na ihr Muttermal, Harry. Sag nicht, du hast es nicht gesehen?" Ab hier starrte der Gryffindor den Vampir nur noch mit großen Augen an. Allerdings fixierten sie ihn nicht wirklich, denn Harry war schon in Gedanken und versuchte sich zu erinnern, was Emmett wohl meinte. Sein Geist ging in der Zeit zurück und zu dem Zeitpunkt, wo er ins Bad gestürmt war. Er sah vor seinem geistigen Auge plötzlich Rose in der Dusche. Sah wie das Wasser über ihren Körper lief, die festen Brüste umspülte und schließlich über den makellosen Bauch weiter floss. Bevor sich der Schwarzhaarige weiter erinnern konnte, traf ihn ein Schwall Wasser im Gesicht…

„Ruhig Kleiner. Heb dir dieses Gedanken fürs Bett auf. Sonst wird's peinlich." Emmett hielt immer noch einen kleinen, blauen Eimer in der Hand und schien kurz davor zu sein, eine weitere Bemerkung los zu lassen. Sein Blick hing dabei auf Harrys Körpermitte und der leicht eng wirkenden Shorts. „Shit", entfuhr es Harry, er nahm an Farbe im Gesicht zu und flüchtete aus dem Bad. Emmett schüttelte nur den Kopf, grinsten und wünschte seinem kleinen Bruder eine angenehme Nacht.