Kapitel 14

Harry erwachte am nächsten Morgen völlig entspannt und fühlte sich zum ersten Male seit langem so richtig ausgeschlafen. Der Duft von Kaffee stieg ihm in die Nase und Esmes leckeres Frühstück ebenfalls. Rasch erledigte der Gryffindor seine morgendlichen Bedürfnisse und betrat pünktlich um neun Uhr die Küche im unteren Geschoss. Die gesamte Familie Cullen war anwesend und schien auf ihn zu warten. Allerdings schien genau dies bei Harry gewisse Erinnerungen zurück zu holen und mit einem Male spürte er die Scham wieder hochsteigen.

„Morgen Harry", begrüßte Esme ihren Gast und tat Rührei auf. Der Gryffindor schaute leicht geschockt und hoffte, dass dies keine Anspielung war. Esme hatte dies aber nie im Sinn gehabt und mit irgendetwas musste Harry sein Mahl ja beginnen und die Eier würden am ehesten kalt werden.

„Danke", sagte Harry höflich und nahm den ersten Bissen. Es schmeckte einfach köstlich und so war alles auf dem Teller schnell verputzt. Allerdings spürte Harry, dass noch etwas in der Luft lag und es war dann Carlisle, der seinen Patienten fragte, was Harry denn nun gestern im Bad gemacht habe. Der Gryffindor wurde rot und er drehte sich zu Emmett. „Sorry", flüsterte er und der bullige Vampir grinste: „Schon okay, ich hatte es verdient. Doch nun sag schon, was waren das für Zauber."

Harry überlegte noch mal genau und erwiderte: „Nun das eine war eine Ganzkörperklammer. Sehr effektiv, wenn du mich fragst. Sogar bei Vampiren. Gefolgt von einem Dusch-Zeit-Zauber, den Madame Pomfrey in Hogwarts gelegentlich verwendet, wenn sie jemanden mit Verätzungen oder anderen Zaubertrankkontaminationen behandelt und abspült. Und schließlich ein Zauber, den ich bei meinem Vater schon einmal gesehen habe. Er hat ihn mal gegen einen seiner Mitschüler eingesetzt und ihn kopfüber in der Luft gehalten, wobei er allen herum seine grauen Unterhosen präsentierte."

„Dein Vater, Harry ? Wie soll das gehen? Ich denke, deine Eltern sind gestorben, als du ein Jahr alt warst." Alice sah den Schwarzhaarigen verwundert an und Harry schien kurz in Gedanken zu gehen.

„Es war in einer Erinnerung, Alice. Es war die Erinnerung von einem meiner Professoren. Professor Snape, mein Lehrer für Zaubertränke, er war der Junge und er hasste meinen Vater dafür. Snape lässt mich dies auch immer spüren."

„Die Erinnerung eines Fremden? Wie soll das gehen?", fragte Carlisle und ging nicht weiter auf die Beziehung zwischen Harry und diesem Professor Snape ein. Denn in seinen Gedanken konnte der Mann Harry nicht wirklich hassen. Denn schließlich braute er ja den Heiltrank, welchen Harry jeden Tag über sich ergehen ließ. So viel hatte der Vampir nämlich schon herausgefunden. Seine Anweisungen waren ja stets mit den Initialen S.S. unterzeichnet.

„Nun Carlisle, es gibt da in der magischen Welt etwas, das nennt sich Denkarium. Es sieht aus wie eine steinerne Schale, jedenfalls das von Professor Dumbledore, und in ihm kann man sich Erinnerungen ansehen, die man vorher aus dem Kopf extrahiert hat. Professor Dumbledore hat es mir mal gezeigt. Er hat damals mit seinem Zauberstab an seine Schläfen getippt und eine silbrige Substanz, sie war nicht flüssig aber auch nicht gasförmig, also irgendwas dazwischen, heraus gezogen und sie dann in die Steinschale gegeben."

„Und dann?", fragte überraschenderweise Rosalie, der es offenbar nicht behagte, dass man die Erinnerungen so einfach aus jemandem heraus bekam.

„Nun dann beugt man sich über das Denkarium und sieht sich die Erinnerung an. Wie als wenn du auf eine Still Wasseroberfläche schaust. Oder aber du tauchst ein. Ich habe es zum Beispiel gemacht und fand mich beim ersten Mal in einer Gerichtsverhandlung wieder. Es war die Erinnerung von Professor Dumbledore und sie stammte aus der Zeit, als Voldemort das erste Mal verschwunden war."

„Geil!", entfuhr es Emmett und Harry konnte sich vorstellen, was der Vampir so alles anstellen würde, käme er in den Besitz eines Denkariums. Danach wurde der Tag geplant und wie es aussah würde Harry heute wieder ein straffes Training erfahren. Esme und Rosalie hatten beschlossen den ganzen Tag nach Port Angeles zu fahren um einzukaufen, während Alice etwas in der Bibliothek von Forks nachschlagen wollte. Harry hatte zwar keine Ahnung was dies war, aber es war ja auch nicht seine Sache.

Und so blieben nur die beiden männlichen Vampire, von denen einer ganz begierig darauf war, dass es in den Trainingsraum ging. Emmett wollte unbedingt noch mehr Zauber sehen, die Harry so parat hatte und auch Carlisle war nicht abgeneigt, etwas über die Möglichkeiten der Zauberer zu erfahren.

„Komm schon Harry, noch mal", rief Emmett merklich genervt und angestrengt, während Harry zum zehnten Male die Ganzkörperklammer auf ihn legte. Der bullige Vampir wollte es einfach nicht wahr haben, dass ihn ein kleiner schmächtiger Zauberer so einfach außer Gefecht setzen konnte. Besonders da Carlisles Sohn immer so stolz darauf war, dass sich kein Vampir, außer Felix von den Volturi, mit seiner Stärke messen konnte.

„Finite", flüsterte Harry schließlich und lächelte. „Tja Großer, wird wohl nichts. Doch ich denke, ich kann dich beruhigen. Dieser Zauber ist zwar stark, aber er ist leicht zu erkennen und dadurch, dass sich der Zauberer mächtig bei der Beschwörung konzentrieren muss, sehr langsam im Aufbau."

„Das heißt dann wohl Harry, wir könnten ihm ausweichen, so wie wir die Beschwörungsformel hören", warf Carlisle ein und Harry nickte. Erleichterung machte sich im Gesicht des Vampirs breit. Diese verstärkte sich schließlich auch noch, als Harry meinte, dass dies bei sehr vielen Zaubern und Flüchen so war. Das einzige was man noch beachten musste, war die Tatsache, dass es auch möglich sein konnte, wortlos zu zaubern. Aber da hätten dann auch geübte Zauberer und Hexen so ihre Probleme.

Und mit dem Ende dieses Satzes gähnte der Gryffindor ziemlich laut und man konnte deutliche Spuren des Trainings bei ihm erkennen. Magisch ziemlich ausgelaugt, beendeten sie die Übungen und Harry machte sich auf den Weg zu seinem Zimmer. Ein bisschen Ruhe sollte ihm gut tun und bis zum Bad am Abend wäre der Gryffindor dann wieder fit. Heute war Carlisle dran, da Emmett und Alice jagen wollten und sie sich dann dabei mit den beiden anderen Frauen trafen.

Das Kribbeln war schon nervig, gestand sich Harry ein und schlug sich mit der flachen Hand auf den Unterarm mit der Narbe. Ohne Zweifel war dieser eingeschlafen und es zeigte dem Gryffindor, dass er es übertrieben hatte. Sobald dies möglich war, musste also ein neuer Zauberstab her, oder aber er würde Gefahr laufen, mitten in irgendwas weg zu nicken.

Jetzt im Moment aber fühlte sich Harry großartig und mit guter Laune und einem Lächeln im Gesicht betrat er das Badezimmer. Jedoch nicht ohne vorher zu klopfen, um sich zu vergewissern, dass niemand darin war und nackt duschte. Das Bad war jedoch frei, so stellte Harry fest. Allerdings musste Carlisle schon hier gewesen sein, denn das Becken war randvoll, der Schaum quoll förmlich über und leichte Nebelschwaden zogen sich über die Bodenfliesen.

„Na dann mal rein ins Vergnügen", sagte Harry leicht sarkastisch, denn auch wenn die Bäder ihm gut taten, so blieb das kleine Manko des Ich-MUSS-einen-großen-Schluck-nehmens. Und um das so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, begann Harry sich auszuziehen. Schuhe und Strümpfe waren rasch passé. Doch als der Gryffindor die ersten Knöpfe seiner Hose in Angriff nahm, öffnet sich die Badezimmertür und jemand kam herein, mit dem Harry nun überhaupt nicht gerechnet hatte.

Es war Alice, die leichten Schrittes ins Zimmer schwebte und Harry breit anlächelte. Sie hatte etwas von einer Katze, die um die Milch schlich und Harry wusste für einen Moment nicht, was er sagen sollte. Alice übernahm dafür das Erklären und sagte: „Oh Carlisle musste noch mal dringend weg. Ein Notfall im Krankenhaus, wenn ich richtig verstanden habe. Also werde ich wohl heute dein Bad überwachen. Wir wollen doch nicht, dass du wieder schummelst."

Harry klappte die Kinnlade runter und sein Gesicht begann brennen. `Alles nur das nicht', schoss es ihm durch den Kopf und sofort ließ er seine Hose los. Alice schien sich sichtlich zu amüsieren: „Du solltest die Hose aber schon ausziehen. Ich meine, die Jeans war ziemlich teuer und der Trank im Wasser wird sie zersetzen."

„Nein", entfuhr es Harry entsetzt und im nächsten Moment musste er auch schon sein Gesicht abwenden: „Das … das geht nicht. Du … du bist ein Mädchen."

Alice lachte: „Wow, Bio-Leistungskurs, stimmt's?".

Harry hatte zwar keine Ahnung was sie damit meinte. Er wollte im nächsten Moment ja auch nur noch hier raus, denn der Gryffindor, das Haus, welches für seinen Mut bekannt war, wusste nicht was schlimmer war. War es die Tatsache, dass er es nicht auf die Reihe brachte, sich einfach hier auszuziehen. Oder aber, dass er sich dadurch gerade zum Obst machte und vor Alice wohl wie ein verklemmter Trottel da stand.

Alice schien aber Mitleid mit ihm zu haben. Offenbar ahnte sie, dass Harry nicht mal annähernd so etwas wie Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hatte. Etwas, dass sich mit Emmetts Erzählung, was Harrys Geschichten über das internatsmäßig geführte Hogwarts betraf, sehr gut zusammen passte. Daher meinte sie, bevor der Schwarzhaarige gänzlich der Kopf platzte, dass sie sich auch solange umdrehen würde.

Harry schaute sie nicht an, murmelte allerdings ein leises: „Okay." Dann vergewissert er sich, dass Alice auch wirklich woanders hinschaute und streifte sich rasch die Klamotten vom Leib. Etwas umständlich, da seine Beine immer noch nicht wie früher waren, kletterte Harry schnell ins Becken und zog so viel Schaum wie möglich an seinen Körper heran. Irgendwie fühlte er sich an sein viertes Schuljahr erinnert, wo er die zweite Aufgabe des Trimagischen Turniers versucht hatte zu lösen und er von der maulenden Myrte bespannt worden war.

„Du kannst… wieder … gucken", sagte der Gryffindor mit leicht trockener Stimme und sie versagte ihm fast, als er sah, wie Alice wissend lächelte. Harry hatte das Gefühl, sie hatte doch geschummelt und versuchte sich damit abzulenken, dass er als erstes den unangenehmsten Teil seines täglichen Bades hinter sich brachte. Er tauchte kurz unter und schluckte zweimal kräftig das Wasser.

Der Vampir auf der anderen Seite schüttelte nur den Kopf. Natürlich konnte sich Alice nicht verkneifen Harry zu mustern. Aber sie hatte sich dazu nicht umgedreht, wie Harry vielleicht dachte. Nein vielmehr schien Harry vergessen zu haben, wie gut Vampiraugen waren und dass sich Alice Harrys Körper im Spiegel der weißen Fliesen ohne weiteres zu Gemüte führen konnte. Was sie gesehen hatte, gefiel ihr. Harrys Körper war nicht ohne. Und sie glaubte zu wissen, dass wenn erst alle Spuren des Flugzeugabsturzes, all die Narben auf seinem Körper wieder verschwunden waren, dass Harry dann auch etwas lockerer wurde. Verstecken brauchte er sich auf keinem Fall und zwar in jeder Hinsicht.

Als der Gryffindor wieder aufgetaucht war, begann er auch gleich mit seinen Übungen, die er immer im warmen Wasser machte und Alice versucht die Spannung etwas zu lösen, indem sie anfing Harry über sein bisheriges Leben auszuhorchen. Ihr Hauptinteresse lag dabei auf Hogwarts und Harrys Abenteuern dort. Der Gryffindor entschied, dass dies etwas war, über das er sich ohne weiteres mit Alice unterhalten konnte.

Obendrein entspannte sich Harry so auch nach und nach und er vergaß die Tatsache, dass Alice zum anderen Geschlecht gehörte und im Gegensatz zum ihm voll bekleidet am Beckenrand saß und ihm beim Baden zusah. Er begann sogar richtig Spaß zu haben und stellte dann auch selbst einige Fragen an das Vampirmädchen, welches er unter dem Einfluss des Morphiums als Engel gesehen hatte. Er vermied dabei jedoch das Thema Jasper, so wie Alice es vermied Sirius zu erwähnen. Er wollte das Mädchen einfach nicht daran erinnern. Allerdings sollte dies im Verlaufe des Gesprächs immer schwieriger werden, denn es war Alice, die das Thema Beziehungen anschnitt.

Harry schaute sie nun verlegen an und meinte, nein eher nuschelte: „Ich habe noch keine Freundin." Alice Augen glänzten daraufhin und sie erwidert: „Das macht doch gar nichts, Harry. Du bist gerade mal sechzehn Jahre alt und hast dein ganzes Leben noch vor dir."

Harry musste auflachen als er daran dachte, wie oft Voldemort schon nach selbigem getrachtet hatte und Alice schaute verwirrt. „Was?", fragte sie und der Schwarzhaarige erwiderte: „Du hörst dich an wie eine alte, weise Frau."

„Oh Harry, ich bin alt. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt bin ich fünfundneunzig Jahre alt. Aber hey, ich hab mich gut gehalten, oder Harry?" Der Gryffindor konnte nur nicken. Ja, Alice hatte sich in der Tat gut gehalten und Harry musterte ihren elfenhaften Körper möglichst unauffällig. Sein Blick wanderte dabei vorsichtig vom Kopf, über ihre Brust bis hin zum wohlgeformten Po, der heute in einer hautengen, dunkelblauen Jeans steckte. Diese, so hatte Harry es in der kurzen Zeit schon mitbekommen, zog sie immer an, wenn es auf die Jagd ging und es bewies dem Gryffindor, dass Alice es nicht geplant hatte, heute mit ihm hier zusammen zu sein.

Bevor sein Körper aber etwas tat, was er jetzt nicht gebrauchen konnte, brach Harry die Musterung ab und überlegte, ob es nicht Zeit wäre das Bad zu beenden. Und weil er ja in Gryffindor war und weil er sich in der letzten Stunde so gut mit Alice verstanden hatte, über kam ihn plötzlich der Mut oder aber der Übermut. Denn Harry wollte sich nicht schon wieder blamieren, indem er Alice bat sich umzudrehen und so schwamm er mit drei Zügen zum Rand des Beckens. Dort lag sein Handtuch und dort wollte er sich aus dem Becken hochstützen und einfach so vor Alice aus der Wanne steigen. Allerdings wollte das Schicksal es offenbar anders und so verließen den Gryffindor mitten in der Aufwärtsbewegung die Kräfte in seinen Armen. Er knickte regelrecht ein, rutschte ins Wasser zurück und verschwand unter jeder Menge Schaum und der Wasseroberfläche.

´Shit`, dachte Harry und versuchte den Halt wieder zu finden. Das Becken war ja nicht all zu tief. Doch wenn man die Arme nicht benutzen konnte und die Beine auch nicht so wollten, dann hatte man ein Problem. Dementsprechend panisch bewegte sich der Gryffindor im Wasser oder besser, er sank zum Boden hinab bis ihn etwas umschlang und er nach oben gerissen wurde. Das nächste was er sah, waren die bernsteinfarbenen Augen von Alice, die ihn besorgt anschauten und sie waren keine zwanzig Zentimeter von ihm entfernt.

Ein Kloß bildete sich in Harrys Hals und er schaute den Vampir immer noch nach Luft haschend an. Alice lächelte und fragte: „Alles okay? Hast du dir wehgetan?" Sie hatte keine zwei Sekunden gebraucht, um zu reagieren und war einfach ins Becken gesprungen. Jetzt standen beide im Becken, das Wasser bis zum Bauchnabel, und Alice hatte ihre Arme um Harry gelegt um dem Jungen Halt zu geben und um ihn zu stützen.

Alles was der Gryffindor tun konnte, war zu nicken und eine Gänsehaut bildete sich an seinem ganzen Körper. Sich aus der Umarmung zu lösen, dass schaffte oder wollte er dann wiederum auch gar nicht und die Zeit schien für beide still zu stehen. Alice schaute Harry an. Harry schaute Alice an. Keiner wollte sich bewegen, um den Moment nicht zu zerstören. Und dann geschah etwas, was der Gryffindor niemals für möglich gehalten hätte, denn ein Gedanke wuchs in seinem Geiste, als er die beiden blass roten Lippen sah. Ein Gedanke, der zeitgleich rechts und links von seinem Kopf leise Stimmen erklingen ließ. Diese gehörten zwei winzigen Figuren, einem Harry-Engelchen und einem kleinen Harry mit Hörnern, einem langen Schwanz (am Rücken, um das mal klar zu stellen) und einem fiesen Grinsen im Gesicht.

„Tu es nicht Harry. Du weißt was sie für ein Wesen ist. Du weißt, sie kann dich binnen einer Sekunde zerreißen", flehte das Harry-Engelchen eindringlich.

„Stimmt Harry, das kann sie", säuselte der Teufel in sein anderes Ohr. „Aber denk doch mal nach. Wie heißt es in den alten Geschichten? Den schönsten Tod erlebt Mann nur in den Armen eines schönen Mädchens, oder?", lockte der Teufel und Harry stahl sich ein Lächeln ins Gesicht.

Wenn der Gryffindor jetzt aber gehofft hatte, der Engel würde weiter auf ihn einreden, so wurde er überrascht. Denn plötzlich entflammte der Heiligenschein seines guten Gewissens, er brannte lichterloh und mit einer an Emmetts Stimme erinnernder Art, fügte das Engelchen plötzlich hinzu: „Ja oder zwischen den Schenkeln einer altrömischen Tempelhure."

Dann grinsten sich beide imaginären Harrys an, gaben sich High five und danach verpufften sie und überließen den echten Harry sich selbst. Der Gryffindor handelte danach einfach nur noch gefühlsmäßig. Er nahm seinen Mut zusammen, beugte sich einfachnach vorn und drückte Alice seinen Lippen etwas unbeholfen auf den Mund. Dabei flüsterte er kurz noch leise „Danke" und hoffte, dass sein Leben hier nicht endete...

Der ganze Kuss dauerte ungefähr fünf Sekunden, bevor Alice Harry von sich drückte und er sie knallrot und entschuldigend anschaute. Er kam sich im nächsten Moment wieder so dämlich vor, wie schon vor einer Stunde.

Da aber lächelte Alice schelmisch, leckte sich über ihre Lippe und meinte: „Mmh ausbaufähig, ohne Zweifel."

Bevor Harry durch diese Bemerkung noch verlegener werden und seinen Kopf wegdrehen konnte, wanderte ihr rechter Arm von seiner Hüfte nach oben und legte sich um Harrys Nacken. Sie zog den Jungen sanft an sich heran und es folgte Harrys erster, wirklicher Kuss seines Lebens. Denn im Nachhinein gestand sich Harry ein, dass der Kuss, welchen er mit Cho geteilt hatte, für den Gryffindor im nächsten Moment nicht mehr zählte. Wie hatte er doch damals Ron auf seine Frage geantwortet, wie es gewesen war? … Nass. Genau, nass hatte er gesagt und dies war es jetzt gerade nicht. Nein, das hier war um so viel besser.

Wie lange der Kuss dauerte, wurde Harry erst klar, als er sich von Alice trennte um Luft zu holen. Gierig atmet Harry ein um danach gleich wieder seine Lippen mir ihren zu vereinen. Auch wurde er mutiger und bewegte seinen rechten Arm um ihren Körper, besser gesagt um ihre Hüften. Es ging zwar nur langsam, da die Kraft immer noch fehlte, aber nachdem er es geschafft hatte, vertieften bei ihren Kuss wieder und Harry spürte wie Alice Zunge forsch, jedoch sanft über seine Lippen striche und um Einlass bat. Kleine Blitze schienen ihn zu treffen und er öffnete bereitwillig seinen Mund.

Was danach folgte empfand der Gryffindor einfach nur noch als unbeschreiblich. Alice schmeckte wie der Himmel, schmeckte nach Erdbeeren und Sahne, nach Butterbier und Honig oder Kürbissaft und Schweinebraten. Egal was man sagen würde, es stimmte. Alice schmeckte nach mehr und Harry wollte mehr. Nun erforschte auch seine Zunge ihren Mund, er kostete das, was sie verströmte, was sie zu bieten hatte und es fühlte sich einfach nur gut an. Harry glaubte einfach nur er würde schweben.

Doch dann, binnen einer Sekunde war alles anders. Harry brauchte Luft und Alice schien dies vergessen zu haben. Nicht nur das. Nein, auch etwas anderes bewegte den Gryffindor dazu den Kuss zu unterbrechen. Sein Körper oder besser Teile seiner Anatomie reagierte auf die Berührungen von Alice und das brauchte der Gryffindor im Moment nun wirklich nicht. Es war ihm einfach peinlich. Und infolge einer unachtsamen Bewegung passierte es. Harry spürte noch wie seine Zunge sich von der von Alice löste und den Mund verlassen wollte, als er an etwas hartes, scharfes stieß und dieses harte, kalte Etwas sein Fleisch wie Butter teilte. Von da an ging plötzlich alles schief, denn es verschwand der Geschmack des Himmels und Harry glaubte, er würde mit einem Male an einem Stück glühenden Eisens lecken. Er war zurück in der Hölle.

Alice hatte Harrys Zögern bemerkt. Sie hatte erkannt, dass Harry Luft brauchte. Doch bevor sie reagieren konnte, hatte sich der Jungen in ihren Armen auch schon bewegt, ruckhaft bewegt und sie schmeckte auf ihre Zunge plötzlich etwas, dass sie seit Jahrzehnten nicht mehr über ihre Lippen bekommen hatte und mit Panik drückte sie Harry von sich. Wie konnte sie sich nur so vergessen? Wie konnte sie nur vergessen, was passierte, wenn Vampire erregt wurden? Und die Küsse, die sie mit Harry eben geteilt hatte, waren nicht spurlos an ihr vorbei gegangen und sie hatte eine Menge Speichel und damit Gift produziert.

„Schnell Harry, spuck das Gift aus", rief sie bevor sie den Gryffindor packte und ihn blitzschnell aus dem Becken brachte. Doch Harry in seinem Schmerz tat genau das Gegenteil von dem, was man ihm sagte und er schluckte das Blut samt Gift hinunter. Das Brennen, was seine Kehle nun durchflutete, war einfach nur grausam und der Körper des Schwarzhaarigen bäumte sich vor Schmerzen auf. Der Cruciatusfluch, so war sich Harry sicher, war ein Scheißdreck dagegen.

Alice war wie gelähmt. Sie hatte Harry zwar noch aus dem Becken gedrückt und auf die Fliesen geworfen, doch nun wich sie zurück. Überall waren Blutspritzer, weil Harry panisch versuchte ihren Ruf zu folgen und alles auszuspucken. Doch gerade dies, der verführerische Duft von Harrys menschlichem Blute brachte sie an die Grenze ihrer Kontrolle und sie konnte einfach nichts tun. Alles wozu sie in der Lage schien, war da zu stehen, zu zittern und Harrys sich windenden Körper zu betrachten. Leise sank sie auf die Knien und von Vorwürfen übermannt zu fragen: „Was habe ich getan?"