Kapitel 19

Die warmen Sonnenstrahlen strichen fordernd über Harrys geschlossene Augen und weckten ihn mehr oder weniger sanft. Er wollte noch nicht aufstehen und der Gemütlichkeit seines Bettes entsagen. Wozu auch, denn Alice und der Rest ihrer Familie war ja auf der Jagd. Zumindest waren dies ihre Worte beim Gute-Nacht-Kuss gewesen. Und dann gab es ja noch sein allmorgendliches Problem seit seine Gedanken nächtlich immer wieder um das quirlige Vampirmädchen kreisten.

Bevor Harry jedoch seine Hand wieder auf Wanderschaft schickte, spürte er, dass er nicht allein im Zimmer war. `Sie sind also zurück`, durchzuckte es Harrys Geist und ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Dann drehte er seinen Kopf so, dass er in Alice Richtung schaute und mit geschlossen gehaltenen Augen und in einem Anflug von Übermut fragte er neckend: „Du kannst es wohl einfach nicht lassen, Schatz? Du musst es wohl ganz genau wissen, ob ich von dir Träume und ob ich dabei meinen Spaß habe, oder?"

Harry rechnete fest damit, dass seine Freundin wie gestern nun zu ihm ins Bett glitt und sie vor dem Frühstück noch etwas kuscheln konnten. Allerdings saß der Gryffindor im nächsten Moment senkrecht im Bett und seine Augen waren vor Schreck geweitet, denn es war nicht Alice Stimme, die erklang, sondern die von Edward und der Vampir schien schwer mit sich zu kämpfen nicht loszulachen.

„Ähm nein Harry, dass wohl weniger …"

„Was? Wie? Edward!" Man konnte die aufkommende Panik im Gesicht des Schwarzhaarigen förmlich sehen und seine Verlegenheit mal ganz weit von sich schiebend, zog er die Decken immer näher an sich heran und sah sich hektisch nach einem Ausweg um.

„Harry nicht!", rief Edward und hob abwehrend seine Hände. „Ich will dir nichts tun. Nur reden … bitte."

Harry glaubte dies nicht wirklich und rechnete fest damit, dass jeden Moment die Schmerzen in seinem Kopf wieder losbrachen. Doch sie blieben im Gegensatz zu Harrys letzten beiden Begegnungen mit dem dunkelblonden Vampir überraschenderweise aus und so starrte er Edward nur abwartend an.

Dieser war unterdessen vorsichtig etwas näher an Harrys Bett heran getreten und hatte sich auf einen der Stühle am Fußende gesetzt. Sein Blick blieb dabei aufmerksam und wachsam auf den Jungen vor ihm gerichtet, so als wollte er sehen, ob der Patient seines Vaters wieder Schmerzen bekam. Denn eines war sicher und dies hatte sich der Vampir selbst geschworen. Sollte es wirklich an ihm liegen, dass der Jungen solche Schmerzen bekam, dann würde er ihn sofort allein lassen. Als dies jedoch nicht zu geschehen schien, wurde er mutiger und wiederholte seine Worte. „Wirklich Harry, vertrau mir. Ich möchte wirklich nur reden und dir sagen, dass ich nichts getan habe. Jedenfalls nichts von dem ich wüsste, was dir diese Schmerzen bereitet."

Harry saß stocksteif im Bett und nahm den Blick nicht von Alice Bruder. Er wusste nicht, was er von der ganzen Sache hier halten sollte. Er kannte Edward wenn man es so nahm, praktisch überhaupt nicht und konnte ihm trotz Carlisles Worten nicht dasselbe Vertrauen entgegenbringen wie er es vielleicht bei Emmett oder Alice tat. Allerdings blieben die Schmerzen weiterhin aus und dies schien die Lage etwas zu entspannen. Kurz darauf bedeutete Harry Edward, dass er sprechen konnte und so erklärte ihm der Vampir was es mit seiner Fähigkeit des Gedankenlesens auf sich hatte und dass er niemals vorsätzlich in einen Kopf eindringen würde, zumal er es nicht einmal konnte.

Und Harry, nun Harrys hörte zu und versuchte seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Es war schon ein gewisses Vertrauensschenken, wenn Edward so frei über seine Fähigkeiten sprach und so beschloss Harry ihm eine Chance zu geben. Allerdings wollte der Gryffindor noch einen kleinen Test starten und fragte Edward frei heraus, was er von Voldemort halte. Mal sehen wie der Vampir auf diesen Namen reagierte. Schließlich waren die Schmerzen, welche Harry gestern gespürt hatte, die gleichen, wie wenn der dunkle Lord in seiner Nähe war.

Aufmerksam beobachtete Harry Edwards Gesicht um eine Regung zu erhaschen. Carlisles Sohn jedoch verzog keine Miene und antwortete ehrlich. „Harry, alles was ich sagen kann ist, dass dieser Voldemort das ist, wovor ich mich immer gefürchtet habe, es zu werden. Er ist ein Monster, ein Mörder und man kann ihn nicht wirklich mehr als menschlich bezeichnen. Allerdings kenn ich ihn nicht und weiß nur die Fakten, welche ich aus Alice Kopf oder aber der Akte von Carlisles altem Freund erhalten habe. Doch vielleicht kannst du mir noch ein wenig erzählen. Aber nur … nur wenn es dir nichts ausmacht."

Bevor der Gryffindor allerdings eine Entscheidung traf, klingelte das Telefon in Edwards Tasche und der Vampir ging mit einem genervten Stöhnen ran. Er hatte wohl die Nummer erkannte und Harry fragte sich, wer wohl am anderen Ende der Leitung war. „Was willst du?", fragte Edward nicht gerade freundlich. Jedoch schien die Antwort des auf alle Fälle männlichen Anrufers seine Laune auch nicht gerade zu heben.

„Nein, das kannst du nicht. Sie fühlte sich nicht gut und kann niemanden empfangen … Carlisle hat sie unter Quarantäne gestellt …", versuchte Edward zu erklären. Das nächste was Harry hörte, waren allerdings ziemlich wütende Worte und Edward schien den Hörer etwas vom Ohr weg zu nehmen. Er versuchte zwar noch zu seinem Gesprächspartner durchzudringen und ihm zu sagen, dass er mit seiner Annahme, was diese in Harrys Augen auch immer war, falsch lag. Doch er stieß dabei auf taube Ohren und dann wurde aufgelegt. „Ok…", zögerte Edward leise. „Also das wird noch lustig", fuhr er dann sarkastisch fort und wandte sich danach wieder Harr zu.

Dieser schaute nachdenklich in Edwards Gesicht, fragte aber vorerst nicht was gerade passiert war und fasste dann, auf ihr Gespräch vor dem Anruf zurück zu kommend, den Entschluss, dass es vielleicht gar nicht so schlecht war. Reden konnte manchmal helfen und so verbrachten die beiden Jungen die nächste Stunde damit, sich zu unterhalten. Harry erzählte von seinen Abenteuern und Edward hörte zu. Er war fasziniert von dem was er hörte und von dem Gedanken, dass es eine Welt da draußen gab, die genauso geheim gehalten wurde wie sie es mit ihrer eigenen Existenz taten. Und dass sie doch eigentlich in genau diese Welt gehörten. Besonders interessant fand der Vampir dann die Episode von Harrys letztem Jahr und seinem Training in Okklumentik. Er äußerte hierbei auch die wagemutige Vermutung, dass Harry vielleicht doch nicht so unbegabt darin war. Vielleicht konnte Edward deshalb nichts hören und Harry überlegte dies später auf alle Fälle mal näher zu beleuchten.

Allerdings ist es bei Dingen, die interessant sind nun einmal so, dass sie auch schnell vergehen und so merkten sie beiden Jungen nicht, wie die Zeit verflogen war. Die Sonne stand hoch am Himmel und so schimmerte Harrys Zimmer durch den Wald ums Haus herum nun in einem satten Grün. Edward hatte versucht ihm etwas Mut und Beileid zuzusprechen, nachdem Harry vom Verlust Sirius erzählt hatte. Doch nun versteifte sich der Vampir etwas, es war so als würde er sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren und sein Blick wurde bittend.

„Harry", sagte er. „Kannst du mir einen kleinen Gefallen tun und mich gleich beschützen?"

„Hä?", entfuhr es dem Gryffindor und Edward grinste wissend. „Na du weißt schon … vor Alice. Sie ist auf dem Weg und ich hatte ihr eigentlich gesagt, dass ich in Richtung Alaska unterwegs bin."

Harry schaute ihn verwirrt an. Nun jedenfalls bis er verstand und sich an das Verhalten seiner Freundin von gestern erinnerte. Er grinste zurück. „Ok mach ich." Danach streifte er seine Decke glatt, was jetzt, nach einer Stunde Quatschen ja wieder ging und wartete darauf von Alice geweckt zu werden. Edward schaffte es gerade noch aus dem Zimmer zu verschwinden. Allerdings sagte Alice Gesicht beim Betreten des Raumes sehr deutlich, dass sie seine Anwesenheit noch spürte.

„Was hat er getan?", fragte sie streng und blickte zu Harry. Dieser versuchte erst gar nicht mehr so zu tun, als wäre er gerade erwacht und erwiderte frei heraus, dass sie sich nur unterhalten hätten und nichts weiter passiert war. Alice Gesicht entspannte sich und nun kam das, worauf sich Harry eigentlich schon seit einer Stunde gefreut hatte. Alice ließ sich neben ihm nieder und nach einem sanften Gutenmorgenkuss, wurde es zu einer leidenschaftlichen, intensiven Knutscherei. Das Frühstück konnte ja noch warten.

„… Dad das kannst du nicht zulassen …"

Edward klang alles andere als erfreut und wer ihn kannte, konnte sogar so etwas wie Angst aus seiner Stimme heraushören. Harry und Alice hatte gerade das Wohnzimmer betreten und wurde Zeugen einer doch sehr ungewöhnlichen Szene. Esme und Rosalie hatten sich vor Bella aufgebaut und schienen die junge Frau zu beschützen, während Edward und Emmett ihnen gegenüber standen und versuchten an Bella heran zu kommen.

Was Edwards Frau anging, so schien sie das Ganze nur nebenbei mit zu bekommen. Offenbar hatte ihr Carlisle ihre tägliche Dosis Morphium vor nicht allzu langer Zeit gegeben. „Was ist hier los?", fragte Alice und Rosalie schaute ihre Schwester mit wütendem Blick an. „Sie wollen es umbringen, Alice. Sie wollen es aus Bellas Bauch heraus holen."

„Genau Rosalie … ES. Nicht mal du schaffst es, das Ding in ihr als Baby zu bezeichnen. Und ich werde nicht mit ansehen, wie es die Liebe meines Lebens umbringt!" Dann wandte Edward seinen Blick hilfesuchend zu Carlisle, doch der Blonde Vampir schien sich in einer Zwickmühle zu befinden.

Harry sah der ganzen Sache ziemlich unsicher zu und versuchte zu folgen, worum es hier überhaupt ging. Einerseits schien Rosalie Bella nicht wirklich zu mögen, doch andererseits beschützte sie sie nun vor ihrem eigenen Mann. Da aber kamen dem Gryffindor Emmetts Worte wieder in den Sinn und was jeder hier in der Familie für seine Unsterblichkeit aufgegeben hatte. Und bei Rose war es ja die Möglichkeit einer Familie zu gründen, die Möglichkeit Kinder zu haben gewesen. Daher wehte also der Wind und Harrys Blick wanderte zur blonden Schönheit.

Danach schaute Harry zu Edward und seinem Vater. Was würde Carlisle wohl entscheiden, zumal er ihm, Harry, doch erzählt hatte, dass Bella in gewisser Weise des Todes geweiht war? Bevor es aber zu einer Reaktion seitens des Familienoberhauptes kam, schien Edward einen erneuten Versuch zu starten, zu seiner Frau zu gelangen. Allerdings war Rosalie blitzschnell zur Stelle, versperrt ihm den Weg und schleuderte Edward zurück. Dabei hatte sie allerdings ihre Kraft unterschätzt und so flog der dunkelblonde Vampir mit voller Wucht in Harrys Richtung und riss diesen mit sich.

Der Schmerz, den der Gryffindor spürte war enorm und es fühlte sich so an, als hätte ihn ein Bergtroll mit seiner Keule erwischt. Harrys ganzer Körper schrie auf und Edward sprang blitzschnell von ihm herunter. „Oh nein Harry, dass wollte sich nicht", rief er und versuchte dem Jungen zu helfen.

Harry auf der anderen Seite schien nicht ganz so wahr zu nehmen, wer um ihn herum war und schrie lauthals: „Geh weg … Fass mich nicht an du Blutsauger!" Später würden ihm diese Worte noch leidtun. Doch im Moment hatte er nur Schmerzen und es war ihm egal. Allerdings hatten seine lauten Worte weitaus größere Auswirkungen, als Harry gedacht hatte. Denn gepaart mit dem lauten schmerzvollen Keuchen Bellas und der Tatsache, dass sich alle Vampire nur auf die beiden sterblichen Personen im Haus konzentrierten, waren sie mehr oder weniger geschockt, als es hinter ihnen plötzlich eine Explosion gab und die Tür samt Futter aus der Wand gesprengt wurde.

Holzsplitter flogen quer durch den Raum, ein grelles Licht blendete alle und Harry hob seine Arme instinktiv hoch, um sich vor den Geschossen zu schützen. Was nun die Cullens betraf, so taten sie nichts dergleichen. Einerseits waren sie so überrascht und dann perlte das Holz an ihnen ja einfach so ab. Doch die Überraschung musste überwiegen und so starrten nun alle zur Tür, durch welche keine Sekunde später jemand mit gezücktem Zauberstab herein gestürmt kam und lauthals schrie: „Mach dich bereit Harry zu apparieren, ich hole dich hier raus." Der Schwarzhaarige konnte nur überrascht die Augen aufreißen und rufen: „Hermine nein!"

Das nächste was er dachte war, dass Alice und ihre Familie dies als einen Angriff deuten konnten. Ach was dachte er da? Wieso deuten? Es war ja einer und Hermine mit Bestimmtheit gleich tot. Und um seine beste Freundin zu schützen, rief Harry gleich im Moment darauf nach Alice, um sie zurück zu halten. Die ganze Familie hatte sich nämlich nun in Verteidigungsstellung begeben und war drauf und dran sich auf den Eindringling zu stürzen.

Doch dazu sollte es nicht kommen, da plötzlich noch jemand in den Raum gesprungen kam. Jemand oder vielmehr etwas. Weil alles was Harry noch sah war Fell, braunes, kastanienbraunes Fell und ein mit riesigen Zähnen besetztes Maul. Harry wich erschrocken einem Meter zurück, denn auch wenn er Remus schon einmal gesehen hatte, so war dieses Tier, dieser Wolf hier der wohl größte den es auf Erden geben konnte.

„Jacob nicht", hörte Harry nun Bella verzweifelt schreien und ungläubig schaute der Gryffindor in ihre Richtung. Edwards Frau versuchte sich an ihrem Mann trotz der Schmerzen die sie hatte, vorbei zu zwängen. Doch es wollte ihr nicht gelingen. Edward, seine Augen nicht vom riesigen Wolf nehmend, hielt sie schützend hinter sich. Etwas, das dem eh schon wütenden Tier nicht wirklich zu gefallen schien. Es fletschte weiter die Zähne und bewegte sich in Richtung der Cullens. Hermine wurde dabei durch seinen massigen Körper erst einmal von ihnen getrennt, doch Harrys beste Freundin wich auch nicht zurück und starrte entsetzt auf das Schauspiel vor sich.

Harry nutzte das Ganze, um seine Gedanken zu ordnen. Was war hier eben geschehen? Wo kam Hermine her? Was wollte der riesige Wolf? Und war dies wirklich Jacob Black, von dem Emmett ihm erzählt hatte? Fragen über Fragen, die durch Harrys Geist schossen. Auf die er aber nicht so schnell eine Antwort bekommen sollte, denn plötzlich geschah schon das nächste Ungewöhnliche. Hauptakteur hierbei war der Wolf, dessen Verhalten sich nämlich schlagartig veränderte.

Harry beobachtete es wohl als einziger wirklich, während Carlisles Familie immer noch damit beschäftigt war, zu entscheiden, ob sie den Wolf angreifen sollten. Alles begann damit, dass sich die beiden Parteien weiterhin belauerte und während Alice immer wieder fauchte, wenn Jacob einen Schritt nach rechts ging und damit in Harrys Richtung, fletschte der Wolf die Zähne und knurrte gefährlich zurück.

Dann aber verstummte das Tier und der Wolf begann seinen Kopf zu heben. Seine gewaltige Schnauze war in die Höhe gerichtet und begann die Luft im Raum tief ein zu ziehen. Es war so, als würde seine empfindliche Nase etwas aufnehmen, das kein anderer roch und schließlich änderte sich das Interesse des Wolfes. Sein Kopf drehte sich langsam nach hinten. Er blickte über seine Schulter und schließlich drehte sich sein Körper auch soweit, dass er Auge in Auge mit Harrys bester Freundin stand. Obwohl Auge in Auge traf es nicht ganz, denn Jacob war so riesig, dass er nach unten blicken musste.

Nichtsdestotrotz standen sich Hermine und Jacob Black gegenüber. Und während Harrys Freundin den Wolf nur anstarren und ihren Zauberstab krampfhaft umfassen konnte, begann der Wolf immer schneller, immer intensiver zu schnüffeln. Seine Schnauze kam dabei bis auf wenige Zentimeter an Hermines Gesicht heran und aus dem Knurren wurde ein Grollen. Harry bekam es mit der Angst zu tun. Angst um seine Freundin und er überlegte, ob er schon kräftig genug war, sie stablos zu beschützen. Ein Stupor sollte vielleicht schon helfen, den Wolf zu betäuben, zumal dessen Verhalten immer gefährlicher wurde.

Jacob hatte sich nun vollends vor Hermine aufgebaut und die Cullens, welche er eben noch zerfleischen wollte, waren zweitrangig geworden. Er schien in den braunen Augen der Hexe gefangen zu sein und mit jedem Moment der verging, reagierte sein Körper heftiger. Es ging dann schließlich soweit, dass der fellbesetzte Kollos anfing zu zittern und dann glaubte Harry seinen Augen kaum, denn Jacob begann sich zu verwandeln. Sein Fell ging Stück für Stück zurück, die Haut wurde dunkler und sein Körper stellte sich auf beide Beine. Aus dem riesigen Tier wurde wieder ein Mensch. Und was für einer musste Harry voller erstaunen feststellen, denn Jacob überragte Hermine immer noch mit fast einem Kopf Unterschied.

Allerdings nahm der nun völlig nackt und verschwitzt vor ihnen stehende, braungebrannte Indianerjunge keinerlei Notiz von seiner Umwelt. Immer noch starrte er auf Hermine hinab und wenn nicht sein rascher Atem den Raum durchzogen hätte, Harry hätte ihn für eine Statue gehalten. Gebannt musterte Harry Jacobs Statur und verglich sie mit der von Emmett. Beide waren ähnlich gebaut, wenngleich Jacob noch einen halben Kopf größer war als der bullige Vampir.

Unterbrochen wurde Harry in seiner Musterung jedoch von Rosalie, da ihre unverwechselbare Stimme erklang. „Also das ist wirklich ekelhaft, du Köter", sagte sie und alle im Raum schienen aus ihrer Starre zu erwachen. Und auf die Frage, was der blonde Vampir denn meinte, nickte sie in Richtung Jacob oder besser in Richtung seiner Körpermitte. Harry verschluckte sich beinahe als er die riesige Erektion sah und er musste sogar seinen Kopf ungläubig schütteln. Was war denn hier los?

Jedoch war der Gryffindor nicht der einzige, der die körperliche Reaktion des Jungen bemerkt hatte und so sah man als nächstes nur noch, wie Hermine nach unten sah, laut quiekte und ihr Zauberstab klappernd zu Boden fiel. Dann rannte sie mit panischem Gesicht aus dem Zimmer, als wäre der Teufel hinter ihr her.

Harry blickte zur Tür, oder besser dem was von ihr übrig war und rief laut seiner besten Freundin hinterher: „Hermine komm zurück!" Doch es gab keine Reaktion und dann erklang auch schon Bellas Stimme mit einer Mischung aus Sorge und Überraschung: „Oh mein Gott Jake. Ist es das, was ich denke? Hast du … bist du … du auf sie … sie geprägt worden?"

Jacob Black antwortete nicht, sondern starrte weiter ins Nichts. Und dies gab Emmett die Möglichkeit seine Meinung in seiner unverwechselbaren Art kund zu tun. „Geprägt Bella? Also wenn du mich fragst Bella, natürlich ist er das. Hast du den Prägestempel nicht bemerkt?"

Harry wusste nicht ob er lachen oder verlegen sein sollte, zumal er immer wieder Jacobs Körper betrachtete. Glücklicherweise konnte der Gryffindor später sagen, dass er nicht der einzige im Raum war, der dies tat. Auch Esme, Alice und sogar Rosalie musterten den Jungen ausgiebig. Wobei der Blick von Emmetts Freundin zeigte, dass sie hin und her gerissen zu seien schien zwischen Ekel und Neugier.

Bellas Worte schien allerdings etwas bei Jacob zu bewirken, denn leise Worte kamen aus seinem Munde. „Ein Geist … ein Engel … Wer … ist das eben gewesen? Wer war dieses Mädchen? … Her…Hermi…ne richtig? Was … was für ein schöner Name …"

„Nun du Köter, wenn man wissen will, wer jemand ist oder wie dieser Jemand heißt, dann stellt man sich vor, anstatt gleich über sie herzufallen wie ein Triebtäter. Habt ihr keine Hundeschule in eurem Dorf?"

Das war dann der Punkt wo Carlisle einschritt und seine Tochter ermahnte: „Das reicht Rose. Wir haben dringendere Dinge zu erledigen und du siehst doch selbst, dass Jacob gerade ein wenig durcheinander ist." Dabei nahm er eine Decke von der Couch und legte sie dem Werwolf über. „Komm Jacob, setzt dich erst einmal. Ich glaube es gibt einiges zu klären."

„Ja Dr. Cullen … aber… aber … wir müssen … ich muss sie zurück holen …", stammelte der Werwolf immer noch leicht wie in Trance. Und dass er nichts auf Rosalies Beleidigungen erwiderte schien wohl der eindeutigstes Beweis dafür zu sein, dass der Werwolf nicht klar dachte. So fand es zumindest Harry, wenn er an die Geschichten dachte, die Emmett ihm über Jacob Black erzählt hatte.

Carlisle lächelte nur ob dem Verhalten des jungen Quileute: „Ja Jacob, da hast du voll und ganz recht. Wir müssen sie zurück holen. Doch finde ich in Betreff deines derzeitigen Zustandes, dass du der letzte sein solltest, der dies tut. Miss Granger könnte deine Aufmachung etwas missdeuten, oder?

„Richtig Black. Die Kleine sah nicht so aus, als wollte sie ihre Unschuld im Doggystyle verlieren." Bevor Rosalie noch eine weitere Bemerkung loslassen konnte – sie schien nun Blut geleckt zu haben und in Fahrt zu kommen – fasste sie sich an den Hals und schaute dann verwirrt in den Raum. Irgendetwas schien ihr die Sprache genommen zu haben und als sie sich so suchend umblickte und sie sah, dass Harry seinen Arm auf sie gerichtet hatte, da begannen ihre Augen zornig zu funkeln und sie bedeutete dem Gryffindor, er sollte sie sofort von seinem Zauber erlösen.

Doch Alice neuer Freund war noch nicht fertig und erwidert: „Ich glaube Carlisle wollte was sagen, Rose." Dann lächelte er verschmitzt und hob den Stillschweigezauber wieder auf. Danach ging sein Blick zu Jacob zurück und zum ersten Mal schien dem Jungen bewusst zu werden, wie er hier im Raum und vor all seinen Erzfeinden dastand. Hastig zog er die Decke enger an seinen Körper. Harry meinte sogar zu sehen, dass sich die braungebrannte Haut des Jungen etwas rötete und war froh, dass er nun nicht mehr der einzige hier war, dem sowas passierte.

Carlisle dankte Harry innerlich für sein Einschreiten und übernahm danach wieder die Regie. „Ja richtig, wir haben einige Dinge zu tun. Also als zuerst komme ich zu dir Harry. Hast du dir was getan?"

Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf: „Nein es geht schon, Carlisle. Wird vielleicht ein paar blaue Flecken geben. Doch das war´s auch."

Erleichtert lächelte der blonde Arzt, obwohl Alice es nicht ganz so einfach hin nehmen wollte. Sie funkelte bei der Erwähnung der blauen Flecken ihre beiden Geschwister böse an. Harry legte ihr aber beruhigend die Hand auf den Arm und zog sie zu sich ran.

„Ok, wo das geklärt ist, weiter in Text. Also ich würde vorschlagen, dass Alice bei Harry hier bleibt und Emmett sich auf den Weg macht, um unsere kleine Hexe zurück holt."

Sofort sprang der bullige Vampir auf und wollte zur Tür. Etwas, dass Jacob Black nicht zu gefallen schien. Nicht nur, dass er dem Mädchen, welches seit einigen Augenblicken alles für ihn bedeutete nicht hinterher laufen durfte. Nein, auch dass Doktor Cullen sie vor seinen Augen als Hexe bezeichnet, ging ihm gegen den Strich. Doch eben dieser Carlisle, dieser „Beleidiger" hielt ihn fest, ebenso wie Harry Emmett zurück rief.

„Warte Emmett. Sei bitte vorsichtig mit ihr. Hermine ist meine beste Freundin, wir haben schon sehr viel erlebt und ich glaube das war eben etwas viel für sie."

Die Sorge in seiner Stimme war mehr als deutlich und somit wurde auch Carlisles Sohn etwas gebremst. Er schnappte sich Hermines Zauberstab vom Boden, steckte ihn ein und sah dann zu Harry. „Keine Sorge Kleiner, ich bin ganz sanft bei der Jagd und werde ihr kein einziges Haar krümmen." Dann wollte er schon aus dem Zimmer rennen, hielt aber noch einmal inne und grinste: „Obwohl Harry, sei ehrlich, bei der Mähne würden ein oder zwei Haare nicht wirklich auffallen, oder?"

Harry starrte Emmett an, bis er den letzten Satz verstanden hatte und lächelte. Kurz darauf war der Vampir auch schon weg und Carlisle wieder an der Reihe. Diesmal wandte er sich an Alice und sagte: „Ich denke, er wird nicht lange brauchen, um Miss Granger zu finden. Kümmert euch dann um sie, während ich zusammen mit Edward und Bella erst einmal mit Jacob rede."

„Ok", sagte Alice und legte danach ihren Arm um Harry. Ihr Blick ging dabei zum Rest der Gruppe und vor allem Rosalie, die im Raum stand und darauf zu warten schien, dass ihr Vater auch ihr eine Aufgabe zuwies. Vorzugsweise eine, die sie möglichst weit von Jacob Black fern hielt. Und genau hier lag der Knackpunkt, wenn man Carlisles nächste Worte vernahm. Denn wie ein Peitschenhieb drangen seine Worte an ihr Ohr: „Und nun zu dir Rose. Dich würde ich bitten, einige von Emmetts Sachen zu holen, damit Jacob die Decke wegtun und sich etwas überziehen kann."

„Was?", fauchte die Blonde überrascht und warf dem Werwolf einen bitterbösen Blick zu. Ihr Vater stoppte sie aber sofort und präzisierte nach kurzer Überlegung und mit einer Vorahnung auf des möglicherweise kommende seinen Wunsch. „Du hast schon richtig verstanden, Rose. Jacob und Emmett haben annähernd die gleiche Statur und so dürften seine Sachen passen. Und ich beton hiermit ausdrücklich Sachen, keine Lumpen." Und zum ersten Mal glaubte Harry zu hören, dass der blonde Arzt Strenge in seine Stimme legte. Etwas, dass selten schien und Rosalie würde sich dies wohl auch zu Herzen nehmen.

Blieben also nur noch Esme, Bella und Edward, die man mit einer Aufgabe betreuen konnte. Wobei man Bella ja nicht zählen konnte. Esme sagte, sie würde erst einmal die Trümmer der Tür wegräumen und machte sich an die Arbeit. Blitzschnell hatte die geübte Hausfrau mit der Vorliebe für Tierblut Besen und Kehrblech zur Hand und ließ die Scherben verschwinden. Harry sah ihr bewundernd zu und wurde dann nur durch Jacob Backs Stimme von seiner Beobachtung abgelenkt.

„Ob mein Gott Bella, du lebst", sagte Jake mit einer Mischung aus Freunde und Überraschung.

„Natürlich lebe ich Jacob. Wie kommst du nur darauf?", erwiderte Bella und das Gesicht des Jungen verzog sich. „Na wie wohl, Bella. Durch ihn da", antwortete Black und in seiner Stimmer schwang reichlich Sarkasmus mit. „Er hat gesagt, du kannst niemanden empfangen. Besonders nicht mich und was glaubst du, wie das für mich geklungen hat?"

Bella warf ihrem Mann einen nicht ganz so glücklichen Blick zu und Edward schien sogar sich so etwas wie schuldig zu fühlen. Dann aber straffte sich Bellas Brust und sie sagte: „Nun Jake, irgendwie hat Edward ja recht. Ich fühle mich nicht gut. Doch es hat nichts mit dem zu tun, was in naher Zukunft mit mir geschieht."

Jacob verzog das Gesicht und erwiderte: „Bitte Bella sag sowas nicht. Du weißt, was das für uns bedeutet. Du weißt, dass wir dann Feinde werden und ich dich …"

Bevor das Gespräch aber in eine Richtung ging, die Bella nicht wollte, sagte sie ihrem Freund aus Kindertagen frei weg heraus, was los war. „Jake, ich bin schwanger."

Sekunden verstrichen, bevor sich Jacobs Augen weiteten. „Schwanger? Von ihm?" Dabei schaute er voller Unglaube in Richtung Edward und konnte dadurch nicht sehen, wie Bella mit den Augen rollte und sarkastisch antwortet: „Nein Jake, von Sam Uley … natürlich von Edward. Von wem denn sonst?"

Jacobs Blick wanderte zwischen den beiden Jungvermählten hin und her. „Aber … aber wie? Cullen ist doch tot."

Und zum ersten Mal in der Geschichte schienen Edward und Jacob gleich zu denken, denn der Vampir machte den Eindruck, dass er es bisher genauso gesehen hatte. „Ich weiß Black. Und ich habe immer gedacht, dass so was nicht passieren kann. Doch es ist nun mal passiert und …"

Carlisle befand es ab hier für richtig, die drei ein wenig Raum zu geben und meinte, sie sollten vielleicht in Edwards Zimmer gehen und ihn rufen, wenn es Fragen gäbe. Auch kam in diesem Moment Rosalie zurück und hielt doch tatsächlich Kleidung in ihren Händen. Sie warf sie allerdings Jacob vor die Füße und meinte, er soll sie nicht kaputt machen oder gar Flöhe darin brüten lassen.

Harry schmunzelte, obwohl er der ganzen Sache nur halbherzig zuhörte. Denn ihn beschäftigte gerade was ganz anderes und zwar hatte es mit seiner besten Freundin und Carlisle zu tun. Er bemerkte, dass der blonde Arzt sich von den anderen abwandte und fragte ihn daher auch ohne Umschweife: „Carlisle woher kennst du Hermines Nachnamen?"

Carlisle lächelte und setzte sich zu Alice und Harry. Dann schien er in Gedanken zu versinken und meinte: „Oh das ist etwas kompliziert und na ja mehr ein Zufall…"

Flashback

„… ich fass es nicht. Wo kommt man denn da hin …" Kelly Miller schimpfte immer noch vor sich hin und räumte ihren Arbeitsplatz auf. Sie merkte nicht einmal wie ihr Lieblingsarzt aus dem Fahrstuhl trat und sie dabei schmunzelnd beobachtete. Doch dann räusperte sich Carlisle und fragte: „Nun Kelly, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein. Was auch immer es war."

„Oh Carlisle, gut dass du kommst", fuhr Kelly auf und sah sich dann rasch um, ob sie auch keiner gehört hatte. Es gehörte sich ja nicht, Carlisle in der Öffentlichkeit zu duzen, obwohl es ihr der blonde Arzt angeboten hatte. Kelly hatte jedoch Glück und keiner der anwesenden Schwestern und Pfleger sah sie komisch an. Erleichtert atmete sie aus und bat Carlisle kurz an den Tresen, wo sie leise sagte: „Ich glaube wir müssen aufpassen, Carlisle. Vorhin war jemand da und hat sich nach Harry erkundigt."

„Nach Harry?", fragte der blonde Vampir alarmiert. „Wer?"

„Nun Carlisle, es war ein Mädchen, etwa siebzehn, vielleicht auch achtzehn Jahre alt und mit britischem Akzent. Sie meinte, sie wäre eine Freundin von Harry und wollte wissen, wo sie jemanden finden kann, der ihr etwas über ihn erzählt."

„Und?", hakte Carlisle nach, worauf Kelly leicht unsicher erwiderte: „Nun ich habe ihr gesagt, dass wir keinen Patienten mit dem Namen Harry hier haben. Sie schien daraufhin fast zu weinen und meinte, dass ich mich irren muss. Harry war hier und sie sei den ganzen Weg hier her gekommen, um ihn zu finden. Carlisle, sie schien wirklich kurz vor einem Zusammenbruch zu stehen. Allerdings habe ich ihr gesagt, dass ich keine Informationen weiter erteilen dürfte und dass sie sich an dich wenden müsste."

„Ja aber das sollte doch kein Problem darstellen Kelly oder?" sagte Carlisle, worauf die junge Schwester den Kopf schüttelte. „Nein das nicht Carlisle, aber ich habe ein komisches Gefühl bei dem, was danach geschah."

„Und das wäre?"

„Nun das Mädchen fragte, wo sie dich finden könnte und ich sagte ihr, dass du gerade zur Visite bist. Sie ist daraufhin ins Wartezimmer gegangen und ich dachte, dass sie vielleicht wartet. Allerdings habe ich sie ein wenig beobachtet und da geschah das Komische. Sie betrachtete unser Gruppenbild dort im Wartezimmer und fragte mich, welcher der Ärzte auf dem Fotos du seiest."

Carlisle schaute Kelly über die Schulter und in Richtung Wartezimmer. Dort fiel sein Blick auf das eingerahmte Foto, welches seit einigen Tagen dort hing. Es stammte von Angehörigen eines der Flugzeugopfer, welches sie nach einer extrem langen und schweren Operation gerettet hatten und die Angehörigen hatten es mit einer Widmung versehen, als Dank an das ganze Team des Krankenhauses. Dann sprach Kelly weiter und hatte wieder Carlisles volle Aufmerksamkeit.

„… und als ich ihr sagte, wer du bist, da schien sie sich plötzlich zu verkrampfen und machte den Anschein, sie habe einen Geist gesehen. Was danach geschehen ist, weiß ich nicht mehr. Alles was ich weiß ist, dass ich plötzlich etwas aus dem Keller holen wollte, unten ankam und nicht mehr wusste was ich eigentlich dort wollte. Und dass ich, als ich wieder hier war, meinen Arbeitsplatz so hier vorgefunden habe. Der Aktenschrank war offen, Harrys Akte lag auf dem Tisch und daneben das Telefonbuch."

„Das Telefonbuch, Kelly?", fragte Carlisle und betrachtete beide aufgeschlagenen Seiten genauer. Zuerst lag das Augenmerk des Arztes auf Harrys Akte und dem letzten Eintrag. Harry Potter verlegt in private Obhut von Doktor C. Cullen. Und als Carlisle dann erkannte, dass die Seite des Telefonbuches alle Namen die mit des C begannen zeigt und ihm wurde klar, dass darunter auch er samt seiner Adresse zu finden war.

Ein wirklich ungutes Gefühl beschlich Carlisle und der Gedanke daran, dass Harry womöglich in Gefahr war beschlich den blonden Vampir. Er musste Emmett und die anderen warnen. Man konnte ja nie wissen.

Bevor er aber dazu kam, ging die Tür des Fahrstuhls auf und drei Personen betraten den Gang. Es waren Charlie Swan in Begleitung eines Pärchens mittleren Alters. Carlisle nickte dem Chief freundlich zu und musterte dann die beiden Fremden. Die Frau, so musste der Vampir gestehen, hatte ein sehr hübsches Gesicht, auch wenn es gerade voller Sorge zu seien schien. Ihre Sachen wirkten elegant und sie machten den Eindruck, als hätten beide einen gewissen Stand erreicht. Etwas, dass auch der Mann ausstrahlte, wenn man mal seine nicht gerade billige Jeans, das Sakko und den mit Monogramm versehenen Rollkragenpullover betrachtete.

Auch schien sein Auftreten jedem der ein Gespür dafür hatte, zu sagen, dass dieser Mann sich nichts mehr beweisen musste. Und genau so stellte er sich dann auch vor, als Charlie Carlisle mit ihm bekannt machte.

„Granger Herr Kollege, Henry Granger", sagte der Fremde mit fester jedoch melodischer Stimme, die ihm auch einen Job als Geschichtenerzähler oder Märchenonkel gesichert hätte. „Und dies ist meine Frau Jane."

„Carlisle Cullen, ich bin der leitende Arzt unseres kleinen Hauses hier. Was kann ich für Sie tun?", erwiderte Carlisle und zuckte etwas zusammen, als er die warme Hand seines Gegenübers schüttelte. Auch bekam der Vampir ein leichtes Kribbeln im Nacken und dann fing seine Nase etwas Ungewöhnliches auf. Etwas, dass ihm vertraut und dann wieder fremd war. Allerdings war der Duft genauso schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war undda im gleichen Moment wo er es gerochen hatte auch die Tür geöffnet worden war, tat es Carlisle damit ab, dass es wohl eher von draußen gekommen war.

„Nun Doktor Cullen, wir sind hier, da wir unsere Tochter Hermine suchen."

„War sie an Bord der verunglückten Maschine?", fragte Carlisle und eine schlimme Befürchtung beschlich ihn. Einige der Opfer waren noch identifiziert worden und es hatten sich auch noch keine Angehörigen gemeldet. Glücklicherweise brachte der nächste Satz aus dem Mund von Mrs. Granger Entwarnung.

„Nein Gott sei es gedankt nicht. Aber es hängt mit dem Absturz zusammen, da Hermines Freund, ihr bester Freund aus ihrer Schule, mit in der Maschine saß. Sein Name ist Harry Potter und in unserer Zeitung stand, dass der arme Junge ums Leben gekommen sei."

„Harry Potter", sagte Carlisle leise und nachdenklich, während er die beiden Fremden betrachtete.

„Genau Potter, Carlisle", mischte sich Charlie ein. „Ein sehr ungewöhnlicher Name, wenn du mich fragst. Doch das ist es nicht, warum wir hier sind. Sondern es geht um Doktor Grangers Tochter Hermine. Scheinbar will sie es nicht wahr haben, dass ihr Freund tot ist und ist daher von zuhause weg gelaufen und so unglaublich es auch klingt, auf dem Weg hier her."

„Hier her?", entfuhr es Carlisle überrascht. „Aus England, über den Teich und durch nahezu die ganzen Staaten ?

„Genau Carlisle", erwiderte Charlie. „Ich kann es auch nicht wirklich glauben. Denk mal allein an der gesetzlichen Bestimmung, um in ein Flugzeug oder gar unser Land zu kommen."

Der blonde Arzt hörte Bellas Dad nur noch mit halbem Ohr zu und seine Gedanken versuchten die Grangers zu analysieren. Konnte es sein? Waren sie vielleicht? Halt nein, in der Akte von Ernest stand da doch was anderes.

Allerdings war der Vampir nicht der einzige, der sich seine Gedanken zu dem eben gesagten machte. Und so kam es, dass Doktor Granger Carlisle frei weg fragte: „Woher wissen Sie, dass wir aus England kommen. Ich bin mir eigentlich sicher, dass meine Aussprache nicht wirklich mit meiner Herkunft in Verbindung gebracht werden kann und Chief Swan hat nicht erwähnt, woher wir kommen."

Carlisle machte ein ertapptes Gesicht und schallte sich innerlich für diesen Fehler. Jetzt hieß es also alles oder nichts und so antwortete er: „Das ist richtig, Doktor Granger. Doch bevor ich weiter spreche, lassen sie mich auch kurz eine Frage stellen."

„Ok fragen Sie", erwiderte Henry Granger abwartend.

„Nun es geht um Ihre Tochter Hermine. Ich nehme an, da Sie ja sagten, dass sie eine Schulfreundin von Harry ist, dass sie auch ähnliche Begabungen wie er hat."

„Hat?", fragte Hermines Mum, die bisher zu zugehört hatte. Doktor Granger schien den Gedankengängen seiner Frau jedoch nicht folgen zu können und antwortete: „Ja, das hat sie."

Carlisle auf der anderen Seite erkannte sofort, was die Frau aus seinen Worten heraus gehört hatte und handelte. „Nun dann sollten wir uns vielleicht in meinem Büro weiter unterhalten", meinte er bestimmt und mit leicht verschwörerischem Ton und das wiederum verstand der Zahnarzt und nickte.

Allerdings blieb es nun noch an Carlisle Charlie loszuwerden. Denn der hatte ja nun überhaupt keine Ahnung, worum es hier ging. Auch sollte das Geheimnis um die Welt der Zauberer gewahrt bleiben und das letzte was der Vampir wollte, war, dass man Charlies Gedächtnis veränderte. Soviel hatte ihm Ernest ja schon erzählt.

Allerdings war der Chief auf der anderen Seite ein Gemütsmensch, der es dem blonden Arzt nicht übel nahm, als dieser ihn freundlich aber bestimmt darum bat, das Gespräch ohne ihn fort zu führen. Carlisle versprach ihm allerdings, dass eine Erklärung folgen würde und so war es für Charlie okay. Im Büro dann angekommen, klärte Carlisle dann die Grangers auf und versprach ihnen sofort Bescheid zu geben, wenn es ein Zeichen von Hermine geben sollte. Henry Granger gab ihm daraufhin seine Handynummer und die Adresse ihres Hotels in Port Angeles. Forks Hotelzimmer und freie Betten waren immer noch ausgebucht. Doch die beiden Orte waren ja nicht allzu weit voneinander entfernt.

Flashback Ende