Kapitel 22

Tausend Dinge rasten Hermine durch den Kopf als sie sich auf ihren Weg, auf die Suche nach Jacob Black machte, dem Jungen der laut Harry auf sie geprägt worden war. Prägen, Seelenmagie oder aber einen Gefährten haben … natürlich hatte Hermine davon gehört und gelesen. Die verbotene Abteilung in Hogwarts hielt darüber ja einige Bücher bereit. Doch dass es ausgerechnet sie traf, nun das musste Hermine erst einmal selbst verarbeiten.

Allerdings stoppte sie beim Verlassen des Cullen-Hauses noch einmal. Esme war nämlich gerade dabei die letzten Trümmer der Tür wegzuräumen und mehr so aus dem Reflex heraus zog die junge Hexe ihren Zauberstab. „Reparo", sagte sie und augenblicklich begannen die ganzen Holzteile und Glasscherben, die Esme in den letzten Minuten aufgestapelt hatte, sich wie von Zauberhand zu bewegen und wieder zu einer Tür zusammen zu setzen.

Fünf Sekunden später war von der Zerstörung durch Hermines stürmisches Eindringen nichts mehr zu sehen und die anwesenden Vampire standen mit offenen Mündern da. „Wie geil ist das denn?", entfuhr es Emmett, der wohl am meisten vom Thema Magie fasziniert war. „Rose hast du das gesehen? Zack und wieder heil … also den Spruch muss ich lernen, unbedingt. Überleg mal Schatz, wie viel Geld wir für neue Schlafzimmermöbel wir jedes Jahr sparen könnten."

Edward, Alice und Esme grinsten, während Harry sich verschluckte. „Bruderherz", meinte Edward mit einem Augenzwinkern in Richtung Harry daraufhin. „Das war ein klarer Fall von TMI."

„TMI?", fragte Harry während er versuchte standhaft und nicht allzu rot im Gesicht in Richtung der anderen zu schauen. Doch das war nicht so einfach für Harry, denn er hatte plötzlich Bilder in seinem Kopf, Bilder von einer nackten Rosalie und Emmett im Adamskostüm und wie sie gerade …. Edward grinste, da er nicht umher kam Harrys Gedanken zu hören. Alice auf der anderen Seite lächelte ihn an und legte ihren Arm um ihren Freund. Sie zog ihn an sich, küsste ihn auf die Wange und erklärte: „Jepp Harry … TMI … oder besser gesagt too much informations. Keiner von uns braucht die Bilder der beiden Karnickel da drüben. Mir persönlich reichte die Epoche der Siebziger bis in alle Ewigkeit."

Von all dem bekam Hermine jedoch nichts mehr mit. Sie war, nachdem ihr Esme dankbar zugelächelt hatte, ins Freie gerannt und hoffte dass sie den für sie immer noch fremden Jungen einholen konnte. Jacob Black war sein Name und ob die junge Hexe es wollt oder auch nicht, sein Erscheinungsbild verursachte ein Kribbeln in ihrer Brust. Sie musste in finden und sei es nur um sich bei ihm zu entschuldigen.

Vor dem Haus der Cullens schaute sich Hermine um und überlegte kurz wohin Jacob gerannt sein konnte. Sie ging die Treppe hinab und stolperte dabei über einige Stofffetzen, die wohl einst zu Emmetts Hosen gehörten. „Mist", fluchte Hermine, da ihr bewusst wurde, dass sich das Ziel ihrer Suche wieder verwandelt hatte. Und als Wolf, und mit der Enttäuschung in seinem Blick, konnte Jacob schon meilenweit weg sein.

Doch an dem war es nicht. Zumindest sagte Hermine dies ein Geräusch von rechts, welches ihrem gefluchten Worten folgte. Blitzschnell drehte sich Hermine um und konnte ein Stück braunes Fell erkennen, welches hinter einem riesigen Baume verschwand. „Jacob warte", rief sie und kurz darauf glaubte sie hinter eben jenem Baum so etwas wie eine Ballung von Magie zu spüren. Langsam schritt sie auf die riesige Tanne zu, in der Hoffnung, dass Jacob sie gehört hatte.

Und natürlich hatte Jacob Hermine gehört, hatte mit seinen übermenschlichen Ohren ihre Engelsstimme vernommen und war somit in seiner Bewegung gestoppt. Es war wie ein Befehl einer höheren Macht für ihn gewesen und schwer atmend stand Jacob nun leicht zitternd hinter einer der alten Tannen und überlegte was er tun sollte. Wie sollte er auf Hermine reagieren? Was sollte er sagen, wenn sie doch nicht wirklich mit der Situation seines Prägens klar kam? Verstand sie überhaupt was das Schicksal ihnen beiden da auferlegt hatte? Er konnte die ganze Sache ja kaum so angehen wie er es in Kalifornien gemacht hatte. Dort, bei all den heißen Mädchen, gab es meist einen coolen Spruch, dann ging's ab in irgendeinen Club, wenn man nicht schon in einem war, und irgendwann endete alles im Bett.

Doch das konnte er ja hier schlecht machen. Hermine war für ihn bestimmt und verdiente eine bessere, nein die beste Behandlung. Schwer atmend gegen den Baum gedrückt überlegte der junge Quileute, was er sagen konnte. Und wie er so nachdachte, kam ihm in den Sinn, wie es um sein derzeitiges Erscheinungsbild stand. Er war wieder nackt und keine zehn Meter von ihm stand sie … stand Hermine und bewegte sich auf ihn zu. Und in dem Moment tauchte vor Jacobs Augen der entsetzte Blick des Mädchens wieder auf.

Sein Herz verkrampfte sich, denn er sah wieder die Furcht davor was er, Jacob, nackt und so viel stärker als sie, wohl mit ihr machen würde. Und noch bevor er es dazu kommen lassen wollte, sagte er etwas, dass ihm mehr weh tat als die scharfe Borke der Baumes, die sich langsam in seinen Rücken schnitt.

„Komm nicht näher … geh weg", sagte Jacob gequält und eine eiserne Faust schien sich um seine Herz zu legen und drückte erbarmungslos zu. Dann änderte er zwar seine Aussage etwas, doch viel besser wurde es dadurch auch nicht. „Bitte bleib dort stehen, Hermine. Ich … ich … will dich nicht …" Seine Stimme versagte und die Faust packte noch fester zu als er die leisen Worte der Gryffindor vernahm. „Jacob ich wollte mich …", sagte sie und dann nur noch, „oh … okay … ich verstehe…"

Jacob presste sich nun vollends an den Baum und ließ sich dann an ihm hinab gleiten. Sollte die Rinde doch seinen Rücken verletzten. Mehr Schmerzen als das was er da eben getan hatte, konnte sie auch nicht verursachen. Denn er hatte sie einfach weggeschickt. Hatte die Person, die ihm durch die Magie seines Volkes, durch das Blut seiner Ahnen doch das Wichtigste sein sollte, einfach vor den Kopf gestoßen und damit aus seinem Leben.

Jacob hörte wie sich Hermine wieder entfernte und stand kurz davor ihr hinterher zu rennen. Doch da geschah etwas Sonderbares hinter seinem Rücken und vor allem hinter dem Baum. Er hörte Hermine irgendetwas sagen und dann stellten sich seine Nackenhaare auch schon auf. Es war ein Knistern zu hören, mächtig und zugleich prickelnd und Jacob fühlte sich an den Physikunterricht erinnert, und wie sie dort die Elektrizität und elektrische Felder behandelt hatten. Damals hatte er ähnliches gespürt, damals als sein Lehrer die beiden Scheiben aneinander gerieben hatte und danach der Blitz übersprang.

Doch hier im Wald konnte dies nicht sein. Hier gab es keinen Lehrer und auch kein Experiment. Und dies konnte nur eines bedeuten … Gefahr. Jacob stieß sich ab und drehte sich um. Er musste Hermine retten, egal was los war. Allerdings kam er nicht sehr weit. Denn schon kurz nachdem er hinter dem Baum hervor schnellte, stand er eben jener Hermine gegenüber und sie hielt ihm mit ausgestrecktem Arm Emmetts Hose hin.

„Hier, damit geht's wohl besser", grinste sie, obwohl Hermine es nicht wagte Jacob direkt anzuschauen. Es reichte ja die Vorstellung davon, dass der Indianerjunge nackt war, um ihr einen Rotschimmer ins Gesicht zu treiben und einen wohligen Schauer über den Rücken zu jagen.

Jacob auf der anderen Seite starrte auf das im Wind leicht hin und her wiegende, unbegreiflicherweise wieder heile Stück Stoff und brauchte noch einige Sekunden bis er sie nahm und überzog. „Ähm danke", sagte er und strich sich über die Oberschenkel. Nicht … nicht der kleinste Fehler im Stoff war zu sehen und ein leises „Wow" entfuhr seiner Kehle. Hermine blickte ihn daraufhin nun direkt an und ihrer beiden Blicke verschmolzen wieder förmlich.

Wie lange sie so dastanden wusste wohl keiner am Ende mehr. Allerdings unterbrach Jacob die Stille und dachte sich, es wäre wohl am besten, sich erst einmal richtig vorzustellen. „Hey … ähm … ich bin Jacob", sagte er und Hermines Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. „Ich weiß. Dein Name wurde heute schon mehrfach gerufen … mal lauter und mal leiser."

„Deiner aber auch", erwiderte der Indianerjunge und fügte dann ein etwas länger gezogenes „Her-mi-ne" hinzu, was das Mädchen noch breiter lächeln ließ. Allerdings folgte dieser Geste nichts weiter und so entstand wieder diese leicht peinliche Stille. Offenbar wusste keiner der beiden, wie sie weiter machen sollten. Jacob war verunsichert, weil er Hermine nicht verschrecken wollte, indem er einen dummen Spruch los ließ. Und was sie betraf. Nun da war das hier nichts was man in einem Buch lesen konnte.

Okay, man durfte das jetzt nicht falsch auffassen. Hermine war schließlich in ihrem vierten Jahr schon mal auf einen Jungen getroffen und auch die Jungs in Hogwarts, wie Seamus, Dean oder Neville und Ron gab es in ihrem Leben. Doch dies waren ihre Mitschüler und Kumpel. Und was Viktor Krum betraf, so war ihr klar gewesen, dass dieser sie als Begleitung für den Weihnachtsball gewollt hatte. Sie mochten sich zwar in gewisser Weise, aber Liebe und romantische Gefühle waren jedenfalls von ihrer Seite aus nicht im Spiel gewesen. Hermine hatte sich sogar später eingestanden, dass sie Viktors Einladung nur angenommen hatte, weil keiner ihrer beiden besten Freunde aus dem Arsch gekommen war. Doch das würde für immer und ewig ihr Geheimnis bleiben.

Wie also gesagt standen sich Hermine und Jacob nun gegenüber und es war schließlich wieder der Werwolf, der über seinen Schatten sprang und mit leicht erstickter Stimme sagte: „Es tut mir leid Hermine. Ich meine die ganze Sache mit dem Prä …"

Allerdings kannte er hierbei Hermine noch nicht und ihre Ansichten zu bestimmten Sachverhalten. Das Mädchen fuhr ihm einfach ins Wort, als hätte sie es geahnt. Offenbar tickten Jungs in mancher Hinsicht alle gleich, denn Harry hätte wohl dasselbe gesagt und sich die Schuld gegeben. „Sag es nicht, Jacob. Denn ich könnte es falsch auffassen. Man entschuldigt sich nämlich nicht für etwas, bei dem man keinen Einfluss hat. Prägen ist uralte Magie und liegt nun einmal in euren Genen oder halt in der Magie der Quileute und keiner kann etwas dagegen tun. Also sag nicht, dass es dir leid tut. Es sei denn aber du bedauerst es, gerade auf mich geprägt worden zu sein. Ich entspreche ja vielleicht nicht deinen Vorstellungen. Du bist wahrscheinlich einen anderen Schlag Mädchen gewohnt …"

„Himmel nein", fuhr Jacob hoch und wurde beim Erwähnen anderer Mädchen regelrecht rot. „Das ist es nicht. Ich meine du bist … bist wunderschön und … und …" Im nächsten Moment sah er aus als wollte Jacob Black im Erdboden versinken.

Hermine grinste über das verlegene Gesicht des Jungen, wurde nun aber selbst leicht rot und erwiderte „Danke". Jacob entspannte sich daraufhin sichtlich und kurzzeitig kehrte wieder Ruhe ein. Offenbar traute sich wieder keiner was zu sagen, bis dieses Mal Hermine das Zepter in die Hand nahm. „So Jacob, du bist also ein Animagus."

„Ein was?", fragte ihr Gegenüber leicht verwirrt.

„Ein Animagus oder auch Gestaltwandler. Jemand der magische Fähigkeiten in seinem Körper birgt und die Gestalt eines Tieres annehmen kann", erwiderte Hermine und Jacob schüttelte den Kopf. „Oh nein, ich bin ein Werwolf."

Hermine lachte kurz auf. „Oh nein, das bist du mit Sicherheit nicht. Ich habe schon einen richtigen Werwolf gesehen und glaub mir, du bist keiner."

Jacob überlegte, ob er aufgrund von Hermines Lachens beleidigt sein sollte oder nicht. Es klang nämlich wie ein Auslachen und wenn Jacob eines in der Zeit nach seiner ersten Verwandlung und dem ersten erlegten Vampir entwickelt hatte, so war das Stolz auf das was er war.

Hermine auf der anderen Seite schien nach fünfjähriger Erfahrung mit Ron und Harry die Verletzung dieses Stolzes zu spüren und hob abwehrend die Hände. „Bitte Jacob, versteh das Ganze nicht falsch. Es ist gut kein richtiger, echter Werwolf zu sein, denn das wäre ein Fluch, den ich niemandem wünsche. Du bist halt ein natürlicher Animagus, der die Fähigkeit in seinen Genen hat. Das haben nicht viele. Glaub mir, ich hab es gelesen. Und auch deine Form, der Wolf ist selten. Ich glaube die Quileute sind wohl die einzigen bekannten Menschen, die dies können."

Jacobs Augen wurden plötzlich groß und er erinnerte sich daran, dass er sich schon vorhin, als er noch bei Bella im Zimmer war und Hermine mit ihrem Freund Harry sprach, er sich gewundert hatte, woher sie das alte Stammeswissen kannte.

„Woher weißt du das?", fragte Jacob und sah Hermine teils neugierig, teils skeptisch an.

Hermine überlegte kurz und erwiderte: „Wahrscheinlich gelesen oder gehört. Weißt du ich beschäftige mich wirklich viel mit interessanten Dingen und in unserer Welt gibt es davon eine ganze Menge."

„Gelesen? Aber mein Vater sagt dieses Wissen wurde noch nie mit Fremden geteilt und wird nur bei besonderen Anlässen weitergegeben. Du kannst es also nicht gelesen haben." Die Sorge in Jacobs Stimme war nicht zu überhören, denn es ging hier um Stammesgeheimnisse und alte Legenden, die bis auf Bella und vielleicht einige ausgesuchte Freunde des Quileutestammes kennen sollten.

Hermine bedachte den Indianerjungen daraufhin ebenso nachdenklich und versuchte sich zu erinnern, wo sie schon einmal die Geschichte der Quileute gehört hatte. Allerdings unterbrach sie Jacob kurz in ihren Gedanken und fragte, was sie vorhin in ihrem Ausbruch im Wohnzimmer der Cullens gemeint habe, als sie sagte, sie sei eine Hexe und er ein Mug … Muggel. Er konnte das Wort kaum aussprechen, da es vom Klang her schon nichts Positives bedeuten konnte. Dementsprechend nagte der Begriff auch an seinem Ego, denn Hermine hatte ihn schließlich als solchen bezeichnet.

Ein Kribbeln wanderte über ihren Rücken als Jacob die Frage gestellt hatte. So als würde sie spüren dass Jacob etwas nicht behagte und schnell versuchte sie ihn zu beruhigen. „Also zuerst zu den Muggeln. Es ist in unserer Welt die Bezeichnung für Menschen ohne magische Begabungen. Es ist aber keinesfalls ein Schimpfwort oder so, Jacob. Ich weiß nicht einmal woher es stammt, aus welcher Sprache oder so. Es gibt es einfach und glaub mir, ich würde niemals etwas Schlechtes mit dem Wort Muggel verbinden, denn meine beiden Eltern sind ja schließlich selbst welche."

„Echt? Aber du bist eine Hexe, richtig?" Es schien so als wäre bei Jacob die Neugier ausgebrochen und auffordernd sah er Hermine an.

„Ja das bin ich. Eine Muggelgebohrene, wie man es in der Zauberwelt nennt." In Gedanken fügte sie leicht wehmütig hinzu. `Oder ein Schlammblut, wie Malfoy es nennen würde.´

„Wow. Und du kannst echt zaubern? Ich meine so richtig mit Hokus Pokus?"

„Ja, obwohl wir meist andere, richtige Zaubersprüche verwenden. Und dann gibt´s da ja auch noch den hier." Hermine zog ihren Zauberstab heraus und Jacobs Augen fingen an zu leuchten wie an Weihnachten. „Geil", sagte er und erinnerte die Gryffindor damit an ihren zweiten besten Freund Ron.

Kurz darauf wurde Jacobs Gesicht aber wieder ernst, denn ein anderer, schrecklicher Gedanke bemächtigte sich seiner. Wie sollte es weiter gehen? Hermine sagte, sie gehöre in eine andere Welt. Sie sagte, er sei ein Muggel und er könne nicht zaubern. Und da begann der Indianerjunge am ganzen Körper zu zittern. Furcht, panische Angst ergriff Besitz von ihm. `NEIN´, dachte Jacob. `Ich darf sie nicht verlieren.´

Und erneut überkam Hermine dieser Schauder und sie sah Jacob besorgt an. Dann legte sie plötzlich ihre Hand auf seine nackte Schulter und erschrak leicht als sie die Hitze spürte, die seine Haut ausstrahlte. „Jacob beruhige sich. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich weiß, dass mit der Prägung etwas wirklich Seltenes geschehen ist und wir beide lernen müssen, damit umzugehen. Glaub mir, unsere Welt ist in dieser Hinsicht offener, weil die Menschen wissen, dass gegen diese Art von Magie kein Kraut gewachsen ist."

Das Gesicht des Indianerjungen entspannte sich merklich, als er das hörte. Allerdings blieben leichte Zweifel zurück und er schaute Hermine unsicher an. Sie hatte zwar gesagt, dass sie seine Lage verstand. Aber wie es weiter gehen sollte, darüber schien die Gryffindor selber noch nicht so recht Bescheid zu wissen. Schließlich ging Jacobs Blick zu der Hand auf seiner Schulter und er muss sich eingestehen, dass ihm die Wärme, welche Hermines weiche Haut an seinen Körper sandte, gefiel. Unmerklich rückte sein Körper näher an den des Mädchens heran und fast hätten sie sich auch berührt. Doch da zuckte Hermine plötzlich zurück und drückte ihn weg. „Jacob, es tut mir leid. Ich kann nicht."

Sie hätte Jacob auch einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippen können. Jedenfalls fühlte sich der Werwolf im nächsten Moment so. Zu schön, zu angenehm war die Wärme von Hermine gewesen. Und umso so mehr schmerzten ihre Worte. Andererseits schaltete sich neben Jacobs Herz und seinem Instinkt nun auch mal sein Verstand ein und ihm wurde klar, dass das was eben geschehen war nur umso natürlicher sein konnte. Was hatte er geglaubt? Hatte er gedacht Hermine würde sich ihm sofort nachdem er ihr von der Prägung erzählte an den Hals werfen? Die Erkenntnis traf den jungen Indianer und mit einem leisen „Ok, ich verstehe" trat er einige Schritte zurück.

Hermine spürte erneut die Wirren in Jacobs Gefühlen und kam auch nicht umher ihre eigenen zu verleugnen. Denn Ihr Körper schrie aus einem ihr rationell nicht erklärbaren Grund ebenso nach seiner Nähe. Und auch wenn Hermines bisheriges Leben eher aus Lernen und Studieren bestand, gestand sie sich ein, dass Jacob und sein athletischer Körper nicht ohne war. Daher hielt sie den Jungen auch davon ab, sich von ihr zu entfernen und meinte. „Aber es war heute auch ein wenig viel und wir sollten es langsam angehen und uns selber erst einmal klar werden, was wir wollen."

Jacob Herz machte einen Hüpfer. Es bestand also Hoffnung und mit einem Lächeln nickte er zustimmend. Die nächste halbe Stunde erzählten sich beide noch etwas aus ihren Leben, wobei der Werwolf ein wenig eifersüchtig wurde, da Hermine schon viel erlebt hatte und dann auch, da in ihren Geschichten der Name Harry immer wieder auftauchte.

Schließlich aber wurde es Zeit wieder ins Haus der Cullen zu gehen. Nicht dass die Blutsauger sich noch Sorgen machten. Außerdem glaubte Jacob ein Fahrzeug zu hören, welches sich dem Haus näherte und ihm wohl die erste Begegnung mit Hermines Eltern brachte. Doch so einfach wie sich Hermine dies vorgestellt hatte, sollte es nicht werden. Die jüngere Vergangenheit holte die Gryffindor ein und zwar in Form eines stechenden Schmerzes im Knie. Der Eisbeutel von vorhin hatte seine Wirkung verloren und das beim hinter Jacob her rennen ausgeschüttete Adrenalin auch. Und somit sackte Hermine vor Schmerzen stöhnend zusammen und nur Jacob kräftige Arme bewahrten sie von dem harten Waldboden.

„Hermine was ist?", fragte der Werwolf besorgt und die junge Hexe versuchte abzuwehren. „Nichts, Emmetts Eier sind halt nur härter als gedacht." Im nächsten Moment wurde Hermine auch schon rot und Jacob bedachte sie mit einem fragenden Blick. Er hatte von dieser Geschichte ja noch nichts gehört, da er da noch bei Bella im Zimmer gewesen war.

Kurzerhand beschloss er aber, dass „sein" Mädchen jetzt auf gar keinem Fall mehr laufen durfte und nahm sie mit einem Grinsen im Gesicht einfach hoch. Zwar wollte sich Hermine noch wehren, doch Jacob ignorierte dies geflissentlich und trug die junge Hexe in Richtung Haus zurück.