Kapitel 23
Kühle Lippen wanderten über Harrys Rücken hinauf zum Hals und verharrten einmal mehr über seiner rechten Halsschlagader. Der Duft von Jasmin stieg ihm in die Nase, während Harry der unterschwellige Gedanke an die Gefahr, in welcher er ja schweben könnte, ein Kribbeln über seinen gesamten Körper jagte. Alice versuchte erneut ihren Freund aus seinen Gedanken zu reißen, die offenbar immer noch an dessen bester Freundin hingen. „Alles wird gut", flüsterte sie Harry beruhigend ins Ohr, bevor sie dann sanft an seinem Ohrläppchen zupfte.
„Boah nehmt euch ein Zimmer", lachte Emmett, spielte dann den Empörten und fing sich daraufhin einen bösen Blick von seiner kleinen Schwester ein. Viel lustiger als dieser war jedoch Harrys Reaktion. Er schien nämlich von all dem gar nicht so recht etwas mitbekommen zu haben und meinte eher nachdenklich: „Nein Emmett, jetzt nicht. Ich verpasse sonst Hermine. Was ist wenn sie Jacob nicht mehr erwischt hat? Was ist, wenn …"
„Haaarrry", erwiderte Alice und legte ihren Arm um ihn. „Mach dir nicht so viele Gedanken. Hermine hat Willy Wuff gerade noch erwischt, keine fünfzig Meter vom Haus und sie unterhalten sich gerade und tauschen Geschichten aus."
„Wirklich? Woher willst du das wissen?" Leicht skeptisch sah Harry seine Freundin an. Alice zog breit grinsend und sichtlich amüsiert die Augenbraue hoch, tippte dann auf ihr Ohr und sagte: „Vampir, schon vergessen?" Harry konnte daraufhin nur leicht verlegen mit dem Kopf schütteln. „Sorry, hab das schon wieder ausgeblendet, mein hübscher kleiner Blutsauger." Dann zog er Alice näher an sich heran und sie versanken in einem langen Kuss, der erst endete als Esme sich räusperte.
„Also so wie es sich anhört kommt Carlisle gerade die Einfahrt hoch." Dabei schaute sie zur Tür und fügte hinzu: „Und er ist nicht allein. Mein Holder hat die Grangers also erwischt." Danach wandte sich die blonde Frau an Rosalie und meinte, diese solle mit in die Küche kommen, damit sie etwas für ihre Gäste zum Essen machen können.
Rose war aber alles andere als angetan von dieser Idee, wobei es allerdings nicht um das Kochen an sich ging und verweigerte sich einer überraschten Esme. „Wie bitte? Esme, das kann nicht dein Ernst sein. Ich geh doch nicht gerade jetzt hier weg und in die Küche. Gerade jetzt wo der Spaß beginnt und verpasse damit das Beste."
„Das Beste?", fragte Emmett leicht verwirrt seine blonde Gefährtin mit der Befürchtung etwas Wichtiges verpasst zu haben. Rosalies Lippen umspielte mit einem Mal ein teuflisches Lächeln. „Natürlich Schatz, das Highlight des Tages, wenn du so willst. Obwohl der ganze Tag schon von Überraschungen nur so gestrotzt hat. Hast du vergessen wen Carlisle gerade in unser Haus bringt? … ihre Eltern. Und ich möchte auf gar keinen Fall verpassen, wie das schwanzwedelnde Fellknäuel da draußen sich denen vorstellt. Sind ja wohl sowas wie seine zukünftigen Schwiegereltern."
Für einen Moment war Ruhe, doch dann begann Emmett laut zu lachen, gefolgt von Alice Engelsstimme und auch Esme konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Natürlich hatten sie als Vampire und mit den Erzählungen über die Ereignisse der letzten Monate ein paar mehr Erfahrungen mit Jacob Black und somit wuchs auch bei Harry plötzlich so etwas wie Spannung und er schaute zur Tür als dies aufging.
„Hallo", begrüßte zuerst Esme als Hausdame ihre beiden Gäste und hieß sie willkommen. Erst danach schenkte sie Carlisle einen Kuss, so wie sie es jedes Mal tat, wenn ihr Gefährte nach Hause kam und Harry hatte sich öfters schon gefragt, ob seine Eltern auch so liebevoll mit einander umgegangen wären. Bei seinem Onkel hieß es immer nur Petunia, ich bin zuhause. Was gibt's zu essen?.
Doch diese Gedanken verschwanden auch rasch wieder aus seinem Kopf, denn sein Blick blieb nun vielmehr an Hermines Eltern hängen, die langsam in das Wohnzimmer traten und sich umschauten, während Emmett und Rosalie beschlossen hatten, es ihrer Mutter nach zu tun und sie sich freundlich vorstellten. Etwas, das man besonders von Rosalie nicht so kannte, denn sie verhielt sich ja sonst eher kühl und mimte die Unnahbare.
Harry blieb als einziger sitzen und beobachtete dies alles nur. Man sah es ihm in Anbetracht seines Heilungsprozesses aber nach und Hermines Eltern nahmen die paar Schritte zum Sofa bestimmt gerne in Kauf, um den jungen Mann kennenzulernen, dem sie ihren verlängerten Urlaub in den Staaten ja eigentlich verdankten. Und während der Gryffindor zuerst die zarte Hand von Jane Granger drückte, durchforstete er seinen Geist. Er hatte ja nur verschwommene Erinnerungen an die zwei Erwachsenen, wie zum Beispiel an ihr erstes Treffen damals bei Flourish und Blott's in der Winkelgasse.
Aufmerksam musterte Harry zuerst Hermines Mutter, verglich sie in irgendeiner Weise mit seiner besten Freundin und tat dann das Gleiche mit ihrem Dad. Sein Ergebnis überraschte Harry dann aber schon ein wenig und er kam zu der Feststellung, dass zum ersten Mal einer der ältesten Theorien der Menschheit nicht zutraf, denn Hermine kam nicht, wie es manche immer so schön sagten, nach ihrer Mutter. Nein, Hermine hatte, wenn man mal von der Fülle ihrer Haarpracht absah, sehr viele Züge ihres Vaters, insbesondere die Augen, welche auch bei ihm in einem sanften Braun leuchteten.
„Hallo Dr. Granger", erwiderte auf Harry den Gruß von Henry Granger und lächelte dabei. Vielleicht konnte er es den beiden ja ein wenig leichter machen, denn die Haltung der beiden Zahnärzte und ihr Auftreten waren abgesehen von der Begrüßung doch ein wenig unsicher. Wobei unsicher wohl vielleicht das falsche Wort war. Distanziert traf es wohl eher. Doch Harry konnte es den beiden Erwachsenen nicht verdenken. Schließlich waren dies hier alles um sie herum fremde Menschen. Und auch wenn Carlisle ihnen vielleicht einiges auf der Fahrt hier her erzählt hatte, so war wohl das überwiegende Gefühl seitens Hermines Eltern die Sorge um ihre Tochter.
„Wo ist sie, Carlisle?", fragte Mrs. Granger und schaute sich im Raum um.
„Sie ist …", begann Carlisle, merkte aber erst jetzt, dass Hermine fehlte. Fragend schaute der blonde Vampir zu Esme, die aber von Rosalies amüsierter Stimme unterbrochen wurde. „Sie ist gleich wieder da. Sie wolle nur kurz Luft schnappen."
Carlisle musterte seine Tochter skeptisch. Zu alarmierend war ihre Stimme gewesen und die unverhohlene Vorfreude, welche in ihr mitschwang. Keine Minuten später bestätigte sich jedoch Rosalies Aussage, denn wie auf leisen Sohlen tauchten Hermine und Jacob im Durchgang zum Wohnzimmer auf. Wobei letzter das Mädchen wie seine Braut auf seinen Armen trug und sich zielstrebig in Richtung Sofa bewegte.
„Oh mein Gott, Hermine", schluchzte Jane Granger und stürmte besorgt zu ihrer Tochter auf dem Sofa. Im Gegensatz zu ihr blieb Henry Granger da gelassener und meinte mit einem gespielt genervten Ton. „So viel zum Thema `Wir behandeln die ganze Sache streng und autoritär`, oder Schatz?" Dann atmete er tief durch und sagte geschlagen „Mütter".
Natürlich brachte ihm das eine Menge Schmunzler ein. Wobei Harrys Grinsen erstarb als sich Henry Granger nun an ihn wandte. „Also du junger Mann solltest die ganze Sache nicht so lächerlich finden. Immerhin, Harry Potter, bist du der Grund für das in meinen Augen für Hermine so untypische Verhalten. Weißt du, dass sie schon mindestens eine Vorladung in England bekommen hat?"
„Was?" rief Harrys beste Freundin und wollte sich hoch drücken. Carlisle, der mittlerweile neben ihr kniete und sich das lädierte Knie anschaute, hielt sie aber zurück und legte frisches Eis auf die Prellung. „Nein, bleib liegen. Dein Knie braucht Ruhe."
Hermine gab auf, auch wenn ihr Gesicht sagte, dass der Schock über die Vorladung noch tief saß. Ihre Mutter erkläre ihr, dass es bei dem Brief um einen Gedächtniszauber ging, den Hermine am Flughafen angewandt haben soll und der schuldige Blick seitens Hermines sagte ihr, dass dies wohl stimmte.
Jane Granger schmunzelte und war erleichtert. Zum einen hatten sie ihren Engel gefunden und dann zeigte ihre Tochter auch einmal ein Verhalten, dass nicht nur aus dem im Einhalten von Regel bestand. Sie nahm Hermine in ihre Arme und drückte sie ganz fest an sich. Etwas, das Jane früher so oft getan hatte, zu dem sie aber durch Hermines schulische Umstände immer weniger die Möglichkeit bekam.
Und wie sie ihre Tochter so hielt, fiel Janes Blick über deren Schulter hinweg auf Jacob Black, den Jungen, welcher Hermine gerade auf seinen Armen ins Haus getragen hatte. Musternd ließ die Ärztin ihren Blick über den athletischen Körper des Indianerjungen wandern. Man konnte ihr das anerkennende Lächeln danach auch nicht verdenken. Jacob sah aus wie ein Leistungssportler und mit seiner sonnengebräunten Haut hatte er einfach kein Potenzial um beim World Ugliest Man Contest in den Recall zu kommen.
Henry Granger als Vertreter der männlichen Welt und Mitglied im „Club besorgter Väter e.V." sah die ganze Sache jedoch mit anderen Augen und bemerkte den Blick, welcher Jacob Hermine schenkte. Er schien einerseits aus Sorge zu bestehen, doch dann spiegelte sich auch so etwas wie Glück in den braunen Augen wieder, gepaart mit einer für Henry Granger beängstigenden Portion Lust. Und als Rosalie Cullen dann auch noch etwas Leises in Richtung seiner Tochter und seiner Frau flüsterte, glaubte Henry ein Grollen aus der Kehle des Jungen zu hören. So als würde ein Hund knurren.
„Und Sie sind?", fragte Henry den jungen Mann und lenkte ihn damit von Rosalie und ihren Bemerkungen ab. Harry beobachtete dies nun ganz genau und sah wie Jacobs Verhalten sich binnen weniger Sekunden änderte. Sein Gesicht begann plötzlich zu strahlen und mit leicht geschwellter Brust und einer enormen Portion Selbstvertrauen reichte er Dr. Granger die Hand.
„Oh … ach ja … hallo Dr. Granger. Es ist schön Sie und Ihre Frau kennen zu lernen. Mein Name ist Jacob Black und ich bin Hermines …", er stockte plötzlich, „… ich meine, sie ist …" Das Stottern wurde stärker und Jacob schien zu bemerken, dass er vielleicht ein wenig übers Ziel hinaus geschossen war.
„Jaaa? Sie ist was?", fragte Henry Granger skeptisch und zog dabei die rechte Augenbraue fast bist zum Haaransatz hoch. Harry wurde unwillkürlich an Snape erinnert und fragte sich ob die beiden Männer vielleicht das gleiche Grundstudium absolviert hatten. In dem Moment fiel alles was Jacob eben noch gezeigt hatte, seine ganze Erscheinung, sein Selbstbewusstsein in sich zusammen und der Blick welchen Dr. Granger ihm schenkte zwang ihn regelrecht in die Knie.
„Dad bitte, lass ihn in Ruhe. Es ist nicht seine Schuld." Hermine hatte etwas Flehendes im Ton und versuchte sich aus der Umarmung ihrer Mutter zu lösen.
„Und was bitte ist nicht seine Schuld? Kennst du den jungen Mann? Geht er auch nach Hogwarts? Hermine?"
„Daaad bitte. Es ist kompliziert und ich weiß nicht genau, wie wir es euch erklären sollen." Hermines Stimme war angespannt und Harry konnte seine beste Freundin verstehen. Er selbst hatte das Ganze mit dem Prägen ja noch gar nicht so richtig verstanden. Allerdings kam es durch Hermines Mangel an Worten zu einem nicht unerheblichen Missverständnis. Jane Granger hielt sich nämlich im nächsten Moment entsetzt die Hand vor den Mund und sagte: „Oh mein Gott Hermine … du bist schwanger."
„Waasss?", riefen jetzt nicht nur Hermine und Jacob, sondern auch Henry Granger. Wobei seine Stimme nicht mit Entsetzten, sondern aufkommender Wut durchzogen war.
Mit geweiteten Augen hob Hermine jedoch abwehrend ihre Arme hoch. „Nein Mum, bin ich nicht. Oh mein Gott, wie kommst du denn nur darauf?" Das Gesicht welches Hermine dabei machte, sprach Bände und die Gryffindor, genau wie Jacob, begann vor Verlegenheit zu glühen. Denn irgendwie schien der jungen Hexe in den Sinn gekommen zu sein, dass man, um schwanger zu werden, im Normalfall etwas ganz anderes getan haben musste … nämlich miteinander zu schlafen … kurz gesagt Sex. Keiner der beiden Teenager schaffte es dem anderen in die Augen zu blicken.
„Gott sei gedankt", entfuhr es Jane Granger und sie legte ihre Hand auf ihre Brust, so als wollte sie ihr Herz beruhigen. Dann sah sie aber leicht verwirrt zwischen ihrer Tochter und dem Indianerjungen hin und her und fragte, was es denn sonst sei, was so schwer zu erklären war.
Hermine schwieg und schien nach den richtigen Worten zu suchen. Dieses Zögern wirkte sich allerdings alles andere als beruhigend auf Mister Grangers Verfassung aus und er versuchte Jacob mit seinem Blick zu erdolchen. Etwas, das Rosalie nur allzu amüsant fand und dadurch leise gluckste. Esme strafte sie sofort mit ihrem Blick ab und erhob das Wort.
„Also ich glaube, dass das was hier jetzt besprochen wird nur Jacob, Hermine und ihre Eltern angeht. Daher denke ich, wir lassen sie jetzt kurz allein. Rosalie, du kommst mit mir in die Küche. Wir bereiten dort das Abendessen vor…"
„Aber das muss doch nicht sein, Esme", sagte Mrs. Granger. „Wir wollen doch keinem zu Last fallen."
Doch mit dieser Aussage und Meinung da hätte sie auch gegen eine Wand reden können, denn wenn sich Carlisles Gefährtin einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, wenn sie ein Opfer für ihre mütterlichen und gastgeberischen Fänge hatte, dann setzte sie dies auch durch. „Papperlapapp Jane. Ich koche gern, es wird langsam Abend und wenn ich die Zeichen richtig deute, beginnt es auch bald zu regnen. De facto ihr bleibt heute hier und seid unsere Gäste. Wie haben oben ein schönes Gästezimmer, welches viel zu wenig genutzt wird, und Hermine kann bei Harry mit schlafen."
„Was?", rief Jacob verwirrt und funkelte erst die blonde Frau und dann Harry an. Bevor es aber weiter eskalieren konnte, sprich Jacob sich mit einem Anflug von Eifersucht noch mehr von Henry Grangers Mordgedanken schürte, sprach Esme weiter und zwar an ihren Sohn gewandt. „Und du Emmett, dich würde ich bitte, Harrys Bad vorzubereiten. Es ist nahezu Zeit dafür und mit dem kleinen Rempler vorhin mit Edward braucht er bestimmt die Entspannung des Heiltrankes. Und bring nachher das Reisebett in sein Zimmer."
Die beiden angesprochenen waren alles andere als erfreut. Doch man stellte sich nicht gegen Esme, egal was sie wollte. Carlisle stimmte seiner Frau ohne zu zögern zu und meinte, er würde sich in der Zwischenzeit wieder um Bella und Edward kümmern, da noch ein paar Tests ausstanden. Und dies ließ am Ende nur noch Harry und Alice übrig. Doch bevor die Zwei entscheiden konnten, was sie taten um Hermine und ihrer Familie etwas Privatsphäre zu gönnen, und Alice fielen da eine Menge Dinge ein, die sie und Harry involvierten, meldete sich die beste Freundin des Schwarzhaarigen zu Wort und bat die beiden zu bleiben.
Harry war überrascht und zugleich froh darüber. Natürlich wollte er auch wissen, was die Grangers zum Thema Prägung sagten, zumal er sich noch nicht einmal vorstellen konnte, dass die beiden Erwachsenen ahnten, was dies für ihre einzige Tochter bedeutete. Er selbst hatte ja nur ansatzweise eine Ahnung und wage Vorstellungen. Dementsprechend interessiert schaute Harry in Richtung Hermine, konnte sich dann aber ein leichtes Grinsen in Richtung Rosalie nicht verkneifen, als diese sich beschwerte, dass Harry und Alice bleiben durften. Sie sah ihn daraufhin böse an und folgte dann schmollend ihrer Mutter. Ein Anblick der Harry zum Lachen brachte. Und nicht nur ihn, wenn man das so sagen durfte.
Was dem Ganzen dann aber folgte war eine Stille, die schon sehr bedrückend wirkte. Harry, Hermine oder gar Jacob, keiner der sechs Personen im Zimmer schien als erster etwas sagen zu wollen und dementsprechend angespannt war auch die Stimmung. „Also nicht schwanger, Hermine", versuchte Jane Granger die Lage zu entspannen und schaute zu ihrer Tochter. Diese schüttelte den Kopf und offenbar waren die Worte ihrer Mutter genau das, was sie gebraucht hatte. Harrys beste Freundin atmete nämlich noch einmal tief durch und übernahm dann das Wort.
„Mum, Dad das was ich euch jetzt sage … also das was mich und Jacob betrifft … ist so denke ich, schwer zu verstehen oder zu glauben. Also Mum, du weiß ja dass ich eine Hexe bin, ja? Und … und Jacob ist auch irgendwie ein magisches Wesen. Also er … er gehört zu einem Indianerstamm, dessen Reservat sich hier ganz in der Nähe befindet und wie es scheint haben die Angehörigen dieses Stammes eine ganz besondere Art von Magie in ihrem Blut…
„Quileute?", fragte Henry Granger nach, wobei sein Gesicht einen sehr nachdenklichen Ausdruck zeigte.
„Ähm ja, Dad. Die Quileute. Hast du von ihnen gehört? Woher? Ich selbst habe keine Ahnung, wann und wo ich schon einmal davon gehört habe", erwiderte Hermine sichtlich überrascht und Jacob blickte nicht minder neugierig in Richtung des britischen Arztes.
Henry Granger erwidert jedoch nichts, oder zumindest schüttelte er den Kopf als wollte er sagen, dass er im Moment sich auch nicht erinnern könne, woher er es wusste. Jane Granger auf der anderen Seite wollte nun aber endlich wissen, was mit ihrer Tochter los war und so erklärte Hermine mit angespannter Stimme. „Also Mum, die Magie von Jacobs Stamm oder vielmehr die Legenden seiner Vorfahren erzählen immer von dem Bestreben um den Fortbestand und den Schutz der hier lebenden Indianer. Und im Zuge dessen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Begebenheit, eine magische Verbindung, die sich Prägen nennt."
„Prägen?" Jane Granger schaute skeptisch zwischen ihrer Tochter und dem Indianerjungen hin und her. Und es war nun Jacob der sprach. „Ähm ja Ma'am. Es bedeutet, dass wenn ein Mitglied unseres Stammes geprägt wird, dass das Mädchen, in diesem Falle Ihre Tochter, das passende Gegenstück zu der betreffenden Person, in diesem Falle mir darstellt und dass der Wolf in mir …"
„Wolf?"
„Oops, sorry Mum.", kam Hermine Jacob zu Hilfe. „Das habe ich ja noch vergessen. Jacob ist so etwas wie ein Stammeskrieger, eine Beschützer seines Volkes. Und als solcher, haben die männlichen Quileute die Fähigkeit sich in einen riesigen Wolf zu verwandeln."
Dass Jane Granger nun etwas nach hinten rutschte, machte die ganze Sache nicht viel leichter. Harry glaubte sogar so etwas wie leichte Furcht im Gesicht von Hermines Mum zu erkennen. Und wenn dies jetzt schon so war, so überlegte der Gryffindor, wie würde sie dann auf Carlisles kleine Familiengeschichte reagieren? Allerdings musste Harry diesen Gedanken erst einmal wegschieben, da ihn die Reaktion von Hermines Dad überraschte. Denn Henry Granger verzog keine Miene, als ihm gesagt wurde, wozu Jacob Black imstande war. Nein, sein Blick musterte den Indianerjungen nur und mit nachdenklichem Gesicht schwieg der Arzt so vor sich hin. Hermine versuchte die Situation etwas zu entspannen und knuffte Jacob leicht, damit er weiter sprach.
„Also Ma'am, wie eben gesagt hat der Wolf in mir Hermine als die Richtige angesehen und mich auf sie geprägt. Was heißen soll, es gibt für mich keine andere mehr auf dieser Welt und mein ganzes Sein richtet sich auf Hermine."
„Willst du mir sagen, es ist Liebe auf den ersten Blick?", fragte Jane Granger und Jacob erwiderte: „Nun nicht ganz Ma'am. Liebe würde ich nicht sagen, denn auch wenn ich irgendwie an Ihre Tochter gebunden bin, so werde ich sie nicht drängen und all das für sie sein, was sie sich wünscht. Egal ob als Freund, Beschützer, Seelentröster oder vielleicht eben auch als Geliebter. Eben ganz das was sie will."
„Und was denkst du, was Hermine will? Wie sehen deine Intensionen in Bezug auf meine Tochter aus?", ragte nun plötzlich Dr. Granger und bedachte Jacob mit dem skeptischen Blick eines Vaters.
„Nun … ähm …", stotterte der Junge etwas und schaute leicht unsicher in Richtung Hermine, die dem jungen Werwolf zu Hilfe kam.
„Nun Dad, das wollen und müssen wir noch herausfinden. Meine Güte, wir beide kennen uns keine zwei Stunden und … und wir haben draußen beschlossen es langsam anzugehen und erst einmal darüber zu schlafen." Hermine sprang rasch für Jacob ein und versuchte ihn aus der Schusslinie ihres Vaters zu holen. Allerdings spürte Harry es und er sah es auch im Blick seiner besten Freundin, dass diese wohl nicht unbedingt abgeneigt von dem Gedanken an Jacob Black war. Sie hatte so ein sonderbares Funkeln in ihren Augen, welches der Gryffindor nicht kannte.
Bevor Harry sich aber weitere Gedanken darüber machen konnte, erklang Emmetts Stimme von der Tür her. „Harry dein Bad ist fertig. Komm mach schnell, dann hast du es hinter dir, denn Esme meint, dass das Abendessen auch nur noch eine halbe Stunde braucht."
Harry nickte und atmete durch, was ihm den verwunderten Blick der Grangers einbrachte. Er stand auf und schickte sich an Emmett zu folgen. Allerdings nicht ohne seinen Unmut mitzuteilen. „Mann ey, ich kann's kaum erwarten bis ich wieder gesund bin. Ich hasse diese Bäder, geschweige denn davon, dass ich das Sch… Zeug auch noch schlucken muss."
Alice legte ihren Arm beruhigend auf Harrys Schulter und drückte ihm dann ein Küsschen auf. „Das wird schon wieder Harry. Du hast es ja bald geschafft."
Hermines Eltern verstanden nicht wirklich, was der Gryffindor meinte, wurden dann aber von ihrer Tochter aufgeklärt. Sie hatte nämlich so eine Ahnung, was ihr bester Freund für Bäder nehmen musste und mit der kurzen Frage „Grüner Trank? 37,5 Grad Celsius Wassertemperatur und stinkt ekelhaft?" und dem zustimmenden Nicken Harrys, bestätigte sich diese auch.
So also ließ Harry die Grangers mit Jacob und Alice allein und machte sich auf den Weg zum Bad. Alice würde ihm bestimmt nachher noch erzählen, was sie ab jetzt besprachen. Denn es interessierte Harry schon, wie Jacob die Frage von Henry Granger beantworten würde.
„Sooo, obwohl Harry uns zwar verlassen hat, habe ich immer noch keine Antwort Mr. Black. Was sind Ihre Intensionen?", sagte Henry Granger und betrachtete den Jungen vor sich aufmerksam.
„Nun Dr. Granger, wie Hermine es schon angedeutet hat. Wir wollen es langsam angehen und uns erst einmal kennen lernen und uns klar werden, was wir wollen. Glauben Sie mir, das alles ist auch für mich neu und ich würde Ihre Tochter nie zu etwas drängen." Jacob versuchte so selbstbewusst und ehrlich zu klingen, wie es nur eben ging. Allerdings machte ihm sein Körper dann einen kleinen Strich durch die Rechnung, als sein Gesicht einen nicht zu übersehenden Rotschimmer annahm. Und aufrichtig fügte er hinzu: „Obwohl ich nicht leugnen kann, dass ich Ihre Tochter für wunderschön halte. Und, das ich bei Hermines Erscheinung und dem, wie ich sie in den letzten beiden Stunden kennen gelernt habe, ich hoffe, dass es mehr werden …"
Das Funkeln in Dr. Grangers Augen ließ den Indianerjungen verstummen. Offenbar hätte Jacob auch sagen können „Hallo Herr Fischer, ich bin hier, um Ihre Tochter zum Fischen abzuholen", während auf dem Klingelschild groß und leuchtend der Name „Vogel" steht.
Hermine sah Jacob von der Seite an und die knallroten Wangen verrieten, dass sie von seiner Aussage mehr als nur geschmeichelt war. „Wirklich?", fragte sie leise und Jacob nickte. Dann wandte er sich wieder an Hermines Vater und überlegte, wie er den Mann besänftigen konnte. Zu seiner Überraschung zeichnet sie allerdings jetzt ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht des Zahnarztes ab und dann wollte Henry Granger plötzlich, dass Jacob ein wenig über sich erzählte. Es war so, als hätte der Junge einen Test bestanden und um nicht wieder in Verlegenheit zu kommen, begann Jacob zuerst von seinem Vater zu erzählen und wo er her kam.
