Kapitel 24
„Alice, das Abendessen ist in wenigen Minuten fertig. Wir treffen uns dann gleich alle im Speisezimmer. Führst du unsere Gäste bitte dorthin?" Esmes Stimme klang klar durch das Haus, ohne dass sie eine Spur von lautem Schreien in sich trug.
Hermine zuckte leicht zusammen und schaute zur Tür. Doch sie war nicht die einzige, die darüber überrascht war wie schnell die Hausherrin doch das Abendessen gezaubert hatte. Auch die beiden älteren Grangers schauten sich an. Allerdings konnten sie nicht verbergen, dass sie durch die Ereignisse des Tages, der Sorge um ihre Tochter und das Auslassen des Mittagessens energiehaushaltsmäßig vollkommen erledigt waren. Und daher folgten sie Alice zusammen mit Jacob die wenigen Schritte ins Esszimmer der Cullens.
Dort warteten schon Carlisle, Esme und Rosalie und die beiden Jungs auf sie. Carlisle bedeutete seinen Gästen, sich an den reichlich und mit edlem Porzellan gedeckten Tisch zu setzen. Etwas dem vor allem Jacob in seiner nun wieder erlangten lockeren Art rasch nachkam und Harry dadurch an seinen besten Kumpel Ron erinnert wurde. Das Essen, welches Esme gezaubert hatte, sah aber auch zu lecker aus, um ihm widerstehen zu können.
Allerdings fiel Harry auf, dass noch zwei Personen am Tisch fehlten. Sein Blick ging fragend zu Carlisle und dieser meinte, dass Bella und Edward sich erst einmal in ihr Haus begeben hatten. Etwas von dem sich Harry insgeheim fragte, ob dies nun gut oder schlecht war. Doch Carlisle konnte den Gryffindor rasch beruhigen indem er Harry erzählte, dass er seinem Sohn das Versprechen abgenommen habe, nichts Dummes zu tun. Über Bella und vor allem über das Schicksal des Ungeborenen würde die Familie später abstimmen. Vorerst ging es Bella soweit gut und das was sie jetzt am meisten brauchte waren Schlaf und Ruhe.
Henry und Jane Granger hatten von dem kleinen Gespräch der beiden nicht viel mitbekommen und schickten sich an ihre Plätze am Tisch einzunehmen. Allerdings stockten sie in ihren Bewegungen ein wenig und betrachteten den gedeckten Tisch etwas skeptisch. Nicht wegen dem Essen an sich. Nein, vielmehr wunderte sie beide das Fehlen von genügend Gedecken. Lediglich fünf der Selbigen standen auf dem Tisch und so bedachte Dr. Granger Carlisle mit einem etwas fragendem Blick. „Ihr esst nicht mit uns?"
„Oh nein, das tun wir nicht, Henry", sagte Carlisle und öffnete währendes eine Flasche Rotwein. „Meine Familie und ich, wir machen derzeit eine besondere Diät und wir essen dann etwas später." Das Gesicht welches er dabei machte, sagte Harry, dass der blonde Vampir hoffte, dass er damit Henry Grangers Interesse befriedigt und nicht erst geweckt hatte.
„Aber was für eine Diät, Carlisle?", fragte nun Hermines Mutter, nachdem sie die ganzen aufgetanen Speisen betrachtet hatte. Für sie als Ärztin, die neben ihrer Tätigkeit als Zahnarzt neuerdings auch so etwas wie Ernährungsberatung für junge Mütter anbot, war doch von jedem etwas dabei. Sei es nun Fleisch als Eiweißlieferant, oder gesundes Gemüse oder gar Kohlehydrate.
„Sie ist kompliziert, Jane", mischte sich Esme ein, während Rosalie leise grollte, als sie sah, dass Jacob sich eines der kleinen Steaks stibitzte. „Wir verzichten derzeit vor allem auf Ballaststoffe und dann fehlt diesen Speisen hier ein Großteil der Nährstoffe, die wir für gewöhnlich zu uns nehmen."
Jacob zog nun leicht übertrieben die Luft ein und nuschelte leicht angewidert: „Ja, das Essen ist nicht hämoglobinlastig genug." Dummerweise schien der Indianerjunge vergessen zu haben, dass Hermines Eltern eine medizinische Ausbildung genossen hatten und nun verwundert in Richtung der Cullens schauten.
Esme schien geschockt über Jacob Ausrutscher, während Rosalie den Jungen mordlustig anfunkelte. Carlisle hingegen schüttelte nur tadelnd den Kopf und sagte dann besorgt: „Jake, das war unpassend und überhaupt nicht klug von dir."
„Warum Carlisle? Warum war es nicht klug? Und viel wichtiger, was hat eure Diät mit roten Blutkörperchen zu tun?" Das Gesicht, welches Henry Granger machte war eine Mischung aus Überraschung und Skepsis. Es war jedoch Hermine, die antwortete und eher lapidar meinte: „Oh das hatte ich ja ganz vergessen, Dad. Die Cullens sind auch eine magische Familie oder vielmehr gehören sie alle einer Gruppe magischer Wesen an. Sie sind Vampire und …"
„Klirr!"
Jane Granger hatte nach dieser Offenbarung vor Schreck ihr Weinglas fallen lassen und starrte ihre Tochter an, als hätte diese zwei Köpfe. Henry Granger hingegen schloss die Augen und schüttelte nur den Kopf, als wolle er sagen ‚Was kommt noch?' Angst hatte er jedenfalls nicht. Wieso auch? Nach all dem was er in Hermines Büchern heimlich gelesen hatte, hätten sie als Muggel eh keine Chance im Fall eines Falles. Und dann, wenn Carlisles Familie ihnen wirklich nicht freundlich gesonnen wäre, würden sie bestimmt schon blutleer und tot sein.
Zwei Sekunden später fasste sich Jane jedoch wieder und peinlich berührt über ihren Ausbruch und das zersprungene Glas kniete sie sich hin und wollte es hochheben. Allerdings hielt Hermine sie davon ab. „Nicht Mum, du könntest dich schneiden und das wäre nicht gut."
„Wieso das denn, Hermine. Die Zeit drängt oder es gibt Rotweinflecken in diesem schönen, weißen Teppich", erwiderte Jane Granger besorgt und immer noch verlegen über ihr Missgeschick. Carlisle versuchte sie aber zu beruhigen und sagte mit seiner sanften melodischen Stimme. „Nun Jane, was deine Tochter meint, ist dass sie einerseits den Fleck sicher wegzaubern kann. Und dann will sie verhindern, dass du meine Familie und mich mit einem möglichen Schnitt und dem einhergehenden Blut unnötig reizt. Wir mögen uns als Vampire zwar dem tierischen Blut verschrieben und lange Zeit davon gelebt haben, doch das heißt nicht, dass das menschliche Blut weniger Reiz hat. Glaub mir, ich weiß wovon ich rede. Und wenn nicht, dann sprich mal mit meiner Schwiegertochter Bella über ihren ersten Geburtstag seit sie uns kennt."
Ein lautes Gähnen unterbrach das Gespräch und alle drehten sich zu Harry um, der rasch die Hand vor den Mund nahm. „T'schuldigung", sagte er verlegen. Allerdings sah man ihm an, dass er kurz vorm Einschlafen war. Das Heilbad war unerbittlich und forderte seinen Tribut für die immer weniger werdenden Narben. Daher nahmen alle erst einmal Platz und ließen sich das Essen schmecken. Wobei man zwischen den einzelnen Gängen noch so einige Themen behandelte. Einerseits stellten sich die Grangers ein wenig mehr vor und erzählten von ihrer Arbeit als Zahnärzte. Und dann unterhielt man sich auch über die magische Welt und in welcher Bedrohung diese durch Voldemort und seine Schergen schwebte.
Besonders Alice und Emmett konnten gar nicht genug davon bekommen und der bullige Vampir mit dem nicht minder großen Herzen eines ewigen Kindes forderte Hermine immer wieder mal auf, sie solle doch ein paar Kunststücke zeigen. Allerdings enttäuschte Harrys beste Freundin hier, denn einerseits wurde auch sie so langsam müde und dann war da noch die Furcht vor dem Gesetzt. Hermine hatte nämlich keine Ahnung, ob sie das Ministerium hier in den Staaten auch belangen konnte.
Zwanzig Minuten später war das Essen dann vorbei und Emmett schickte sich an, Harry zu helfen, damit dieser ins Bett kam. Wenngleich Carlisle meinte, dass es nicht nur für seinen Patienten an der Zeit wäre und man einen langen Tag hinter sich habe. Der blonde Vampir und Herr im Hause wollte es sich aber nicht nehmen lassen, Hermines Eltern noch eine kleine Tour durchs Haus zu geben, zumal er sicher stellen wollte, dass es seinen Gästen an nichts fehlte, sollten sie zu später Stunde allein im Hause sein. Es stand ja schließlich eine Jagd an, zu der keiner der Cullens fehlen wollte.
„… also wie schon gesagt, Henry, euer Zimmer befindet sich auch hier im unteren Geschoss, gleich neben dem großen Badezimmer und nicht weit von Harrys entfernt, wo ja Hermine mit schlafen wird. Allerdings gibt es, und ich bin deshalb ein wenig in meiner Gastgeberehre gekränkt, ein kleines Problem mit dem Bad in diesem Geschoss und ich würde euch bitten, vielleicht das im Obergeschoss zu benutzen."
„Ein Problem, Carlisle?", fragte Henry Granger neugierig, da in seinem Herzen auch die Seele eines Hobbyheimwerkers schlummerte. Carlisle lächelte während Alice und Emmett betreten zu Boden schauten. „Nun ja, nichts wirklich Gravierendes. Nur ein paar optische Mängel, sprich kaputte Fliesen und abgeplatzter Marmor an der Wand. Zwei meiner Kinder meinten ihre kindlichen Differenzen dort austragen zu müssen. Und Henry, wenn man die Beschaffenheit unserer Körper bedenkt, dann sieht das halt so aus, als hättest du mit einem Vorschlaghammer gearbeitet. Doch keine Sorge, unser Fliesenleger kommt in einer Woche, sobald die neuen Fliesen und der Marmor aus Italien eingetroffen sind."
Zuerst wanderten alle Blicke zu Alice und Emmett, doch dann zog Rosalie die Aufmerksamkeit auf sich, als sie scharf die Luft einsog. „Wie? In einer Woche? Aber du meinst doch mit Fliesenleger nicht etwa Jimbo? Carlisle ich bitte dich. Also wenn der Kerl kommt, mache ich Urlaub."
Natürlich hatte sie nun die Neugier bei Harry geweckt, die Müdigkeit war leicht verflogen und mit fragendem Blick schaute der Gryffindor die Blondine an. Rosalie schien es nämlich ernst zu meinen. Allerdings entging Harry nicht, dass der Rest der Cullens eher grinste, als dass sie böse drein blickten.
„Ist wohl ein Verehrer, Rose?", rutschte es Harry dann noch heraus und die Blondine war versucht den Gryffindor mit ihrem Blick zu erdolchen.
Emmett rettete seinen kleinen „Bruder" jedoch vor einem schmerzhaften Tod und erklärte. „Nein Harry, das ist er nicht. Jimmy, unser Fliesenleger, ist ein Freund der Familie. Eigentlich einer der wenigen Sterblichen, die hier zu uns ins Haus kommen und er hat eine Art oder besser eine Lebenseinstellung, die bei Rosalie auf Unverständnis stößt."
„Unverständnis Emmett? Der Kerl ist ein Macho wie er im Buche steht und ein Frauenheld Sondergleichen." Rosalie kam nun so richtig in Fahrt und dies schien Emmett, Alice und sogar Esme mehr als nur zu amüsieren. Offenbar war es selten, dass die sonst so kühle Rosalie Emotionen zeigte.
„Aber du musst auch zugeben, Rosalie, dass Jimmy Erfahrung hat, ein handwerkliches Genie ist und goldene Hände bei seiner Arbeit beweist", erwiderte Emmett und legte seinen Arm um seine Freundin. „Und nur weil er kein Kostverächter ist …"
Rosalie schob ihren Liebsten vehement von sich und funkelte ihn an. „Bah kein Kostverächter … der Kerl sollte Teflon heißen. Und das Schlimmste ist, dass es sich der Kerl damit auch noch rühmt und es sogar auf sein Auto geschrieben hat."
„Kein Kostverächter? Hat er das auf dem Auto stehen?", fragte nun Jane Granger überrascht und Emmett begann zu lachen. „Natürlich nicht Ma'am. Das wäre zu viel des Guten gewesen. Aber Jimmy ist ein Mann im besten Alter, nicht gerade unattraktiv und macht keinen Hehl daraus, dass er dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt ist. Und als er sich vor drei Jahren selbständig gemacht hat und nach einem Werbeslogan suchte, hab ich ihm im Spaß einen Vorschlag gemacht."
„Und der wäre?", fragte Hermine skeptisch. Sie konnte sich trotz der kurzen Zeit, die sie den bulligen Vampir kannte schon vorstellen, dass da nichts Gutes bei rum gekommen sein konnte.
Emmett grinste. „Naja Locke, der Slogan ist einfach gehalten und bringt seine Arbeit auf den Punkt."
„So kannst du es auch sagen, Emmett", brüskierte sich Rosalie nun lautstark. „Der Kerl hat einen knallroten Van auf dessen gesamter Breitseite steht … Keramik-Jimmy. Ich fliese Ihre neue Küche und kachle Ihre alte…"
Die nächsten drei Minuten war der Raum erfüllt vom Lachen, vorzugsweise dem der Männer, während Rosalie sich in Gedanken schon die Reihenfolge ausdachte, in der sie diese umbringen würde. Schließlich aber verwarf sie diesen Plan und versuchte das Thema zu wechseln, indem sie meinte, sie würde sich jetzt verabschieden und so langsam auf die Jagd vorbereiten. Und das war ein Thema welches seine Wirkung nicht verfehlte. Emmett und Carlisle verstummten und letzterer kam zu seinem ursprünglichen Plan zurück und zeigte seinen Gästen ihre Zimmer.
Harry bekam davon nicht mehr allzu viel. Er wurde von Emmett ins Bett gebracht und verpasste somit den nächsten lustigen Moment des Abends. Dieser hatte allerdings keinen Vampir als Hauptakteur, sondern er passierte zwischen Jacob und Hermine und der Frage wie man sich wohl richtig nach dem ersten Treffen verabschieden sollte.
Es begann damit, dass Rosalie, die eigentlich im Gehen war, in ihrer ureigensten Art meinte dass Jacob sich in seine eigene Hundehütte scheren solle. Doch Jacob hatte sich in der letzten Stunde so seine Gedanken gemacht, wie es mit Hermine weiter gehen sollte. Und weil sie es ja langsam angehen wollten, und er Hermine ja auch noch besser kennen lernen wollte, fand er es als richtig, den Werdegang einer Beziehung einzuhalten. Und so fragte er die junge Hexe frei heraus. „Hermine darf ich dich morgen ins Kino einladen?"
Harrys beste Freundin hatte damit nicht gerechnet und schaute Jacob daher überrascht an. Danach ging ihr Blick fragend zu ihren Eltern, in der Hoffnung auf eine Reaktion. Denn schließlich rechnete Hermine immer noch damit, dass sie eventuell Hausarrest für den ganzen Stress, den sie ihren Eltern beschert hatte, bekam. Und diese Reaktion kam dann auch. Allerdings anders als sie es erwartet hatte. Denn ihre Mum lächelte leicht und auch ihr Dad schien nichts dagegen zu haben, auch wenn es ein immer noch fast völlig fremder Junge war, der seinen kleinen Engel ins Kino einlud.
Der Moment wurde jedoch jäh zerstört als sich Rosalie zu Wort meldete.
„Ins Kino? Wie romantisch", spöttelte sie. „Was kommt denn? Der mit dem Wolf tanzt?"
Die „unendliche Liebe" zwischen Jacob und Rosalie war mehr als nur deutlich heraus zu hören und Esme wollte ihre Ziehtochter schon maßregeln, doch da hatte sie die Rechnung ohne Jacob Black gemacht. Denn meist hatte er auf Rosalies Sprüche eine Antwort.
„Natürlich nicht Scary-Barbie. Das ist doch viel zu unromantisch für ein erstes Date. Es sollte ja schon ein Film sein, der beiden Parteien auch Spaß macht und die Tränendrüse schont. Ich dachte da eher an Van Helsing. Du weißt schon, das ist der geile Film, wo unterbelichtete Vampire immer eins auf die Schnauze kriegen. Und besonders diese vorlauten Blondinen mit dem Blutfetisch am Ende die Dummen sind."
Und da geschah es … Rosalie war sprachlos und konnte nichts erwidern. Sie stand einfach nur da und funkelte den Werwolf böse an. Ein Verhalten das bei Jacob runter ging wie Öl und ihm ein Grinsen ins Gesicht zauberte. Er musste wohl gerade tonnenweise Endorphine ausschütten und ihm kam in den Sinn, dass sein Plan mit dem Es langsam angehen vielleicht falsch war. Und so auf einer Wolke schwebend wandte er sich an Hermine zurück, trat ganz nah an sie heran und sagte: „Ich hole dich dann morgen um fünf Uhr ab und wir fahren nach Port Angeles, ok?"
Hermine stand nur da und nickte. Zu mehr war sie nicht in der Lage, da sich ihr ganzer Körper verspannte und zu kribbeln begann, als sie Jacobs Wärme spürte. Was hatte dieser vor? Warum kam er ihr so nah? Und als hätte sie es geahnt, fragte Jacob auch noch unverblümt: „Krieg ich noch einen Gute-Nacht-Kuss?"
„Was?", entfuhr es Hermine und sie drückte Jacob von sich weg. „Du … du … wir wollen es langsam angehen."
„Nur einen kleinen … auf die Wange… biiiittee", flehte Jacob gespielt und grinste dabei. Etwas, wofür ihm Hermine am liebsten eine verpasst hätte. Musste er das ausgerechnet jetzt fragen? Hier? Und vor ihren Eltern? Unsicher schaute Hermine zu ihnen rüber und es verschlug ihr die Sprache als sie nicht nur Henry und Jane, sondern auch Esme und Carlisle amüsiert lächeln sah.
Der Wunsch den Werwolf zu töten wuchs und sie drehte sich zurück. Dann schien es fast so als würde sie knurren und ein leises „Na gut. Aber nur auf die Wange" kam über ihre Lippen. Für Jacob schien das der Himmel auf Erden zu sein und mit nach rechts gedrehtem Kopf beugte er sich vor, damit Hermine ihm einen Kuss auf die Wange geben konnte.
Hermine auf der anderen Seite glühte vor Scham. Ihr erster Kuss, wenngleich nur auf die Wange eines Jungen, und dann auch noch vor ihren Eltern. Ging es noch peinlicher? Ja es ging, denn Jacob schien ein Schelm vor dem Herrn zu sein und drehte doch glatt seinen Kopf wieder um, gerade als Hermines selbst die Augen geschlossen hatte und ihr Mund in Reichweite war. Ihre Lippen berührten sich und während Hermines entsetzt ihre Augen wieder aufmachte, grinste Jacob nur und mit einem „Gute Nacht" war er auch schon verschwunden.
Sekunden verstrichen und Hermine starrte Jacob immer noch hinterher. Was bildete der Kerl sich ein? Zu einem ihrer berühmten Wutausbrüche sollte es aber nicht kommen, denn Jane Granger war an ihre Tochter heran getreten und hatte sanft ihren Arm um sie gelegt.
„Also ich mag ihn, Engel. Er erinnert mich an deinen Dad." Die Worte ihrer Mum rissen die Gryffindor aus ihren Gedanken und sie schaute sie mit großen Augen an. „Wirklich?", kam es kaum hörbar aus ihrem Mund und Jane nickte. „Ja wirklich. Wenngleich er auch bis zum Kino gewartet hat und die Masche mit dem Ich-muss-mich-strecken-und-lege-meinen-Arm-um-dich abgezogen hat."
„Eyh, das war der Renner damals. Und soweit ich mich erinnern kann, hast du dich nie beschwert", empörte sich Henry Granger gespielt und trat nun auch an seine Tochter heran. Er nahm sie beide in den Arm und drückte sie an sich, bis Hermine gähnte und damit das Zeichen gab, dass sie bereit fürs Bett war.
Carlisle und Esme beobachteten die Szene mit Wohlgefallen und lächelten. Es freute sie eine so intakte Familie zu sehen. Zumal dies etwas war, was es in dieser Zeit eher selten gab. Einige Minuten später schaffte Carlisle es dann auch endlich allen das Haus zu zeigen und nach Beendigung dieser Tour trafen sich die Erwachsenen wieder im Wohnzimmer, wo Esme schon mit ein paar Snacks und zwei Gläsern Rotwein wartete.
Erwachsenengespräche unter Eltern standen auf dem Programm und da die Stimmung durch den Wein gelockert und offenbar der größte Druck von Hermines Eltern genommen war, kam man auch sehr schnell zum Thema, was vor allem Esme interessiert.
„Also Jane, ihr scheint ja ziemlich gut mit dem klar zu kommen, was ihr heute erfahren habt. Ich meine Jacob, das Prägen und dass eure Tochter jetzt so etwas wie einen Verehrer hat. Oder aber, dass wir Vampire sind und ihr in unserem Haus übernachtet."
„Weißt du Esme, sicherlich kommen wir damit klar. Wir sind doch erwachsene Menschen", antwortete überraschenderweise Henry Granger und nicht seine Frau. Allerdings konnte man eine leichte Anspannung in seiner Stimme heraushören. So wirklich kalt ließ es ihn dann wohl doch nicht.
Hermines Mum setzte ihr Rotweinglas ab, strich ihren Rock glatt und nahm die Hand ihres Gatten. „Was Henry meint, ist, dass wir es akzeptieren und versuchen damit umzugehen. Hermine ist unsere einzige Tochter und wir haben uns stets bemüht ihrem Leben, ihrer besonderen Begabung und all dem was damit auf sie zukommen würde offen gegenüber zu stehen."
„Ja genau Esme, uns war schon sehr früh klar, dass Hermines Leben anders verlaufen würde als unseres", meinte nun Henry. „Nur kann ich, oder zumindest ein kleiner Teil von mir, mich nicht damit anfreunden, dass ich nicht mehr der einzige Mann in ihrem Leben bin. Sie ist nun einmal mein kleiner Engel."
„Aber das ist doch völlig normal, Henry. Wenn ich es mal so sagen darf. Das gehört zum Vatersein dazu", sagte Carlisle und konnte ein Lächeln nicht vermeiden. „Und auch wenn ich nie selber Kinder hatte, mein Lieber. Glaub mir, du bist nicht allein im Universum. Jeder Vater hat Angst und ist besorgt, dass es gerade seinem größten Liebling, seiner Tochter gut geht und sie nur das Beste bekommt."
Auf diese Aussage hin lächelte nun auch Henry Granger und trank einen Schluck Merlot. „Ich weiß, Carlisle", erwiderte Henry. „Und es ist auch keine wirkliche Angst um meine Tochter oder was aus ihr wird. Denn ich wage einfach zu behaupten, dass Jane und ich Hermine gut erzogen haben, sie eine gute Kinderstube genossen hat und nun selber verantwortungsvoll entscheiden kann, was sie will."
Jane Granger grinste und fügte hinzu. „Und weil wir ja eh zehn von zwölf Monaten keinen Einfluss auf ihr Umfeld haben, ist unser Vertrauen in Hermine umso größer. Sie weiß schon, was sie tut und wie sie sich im Notfall verteidigen muss. Glaub mir Carlisle, kein Junge will sich den Zorn meiner Tochter einhandeln."
Einmal mehr war das Haus der Cullens vom Lachen erfüllt und nachdem es verklungen war, unterhielten sich die beiden Elternpaare noch über dies und das, bis es schließlich auch für Hermines Eltern hieß, den Tag zu beenden und erst einmal so richtig durch zu schlafen.
Hermine rubbelte sich noch ein letztes Mal die Haar trocken, bevor sie zur Bürste griff. Fast zehn Minuten hatte sie nun unter der Dusche gestanden und den heißen Wasserstrahl genossen. Sichtlich entspannter setzte sie sich auf den bequemen Stuhl vor dem Badezimmerspiegel und entwirrte vorsichtig ihre Haare. Etwas, dass wohl zu einem täglichen Ritual geworden war. Allerdings war es damit für heute nicht getan, denn seit einigen Wochen gab es noch etwas anderes, das zur täglichen Pflege gehört. Etwas, auf das Hermine gern verzichten würde. Doch es half nichts, sie musste die ganze Prozedur noch einige Woche durchstehen und so kümmerte sich die Gryffindor dann noch schnell um das nicht ganz so schöne Überbleibsel ihres Abenteuers im Ministerium … Die Narbe, welche von Dolohows Schneidefluch geblieben war.
Kurze Zeit später betrat Hermine dann Harrys Zimmer. Ganz vorsichtig bewegte sie sich, denn sie wollte ihren besten Freund ja nicht wecken. Doch da brauchte sie in Grunde keine Sorge haben. Der Heiltrank im Badewasser sorgte schon dafür, dass Harry tief und fest schlief. Er bemerkte nicht einmal, dass er ohne Zudecke im Bett lag und nur das Kopfkissen unter seinen Kopf geklemmt hatte.
Hermine überkam schon beim Gedanken daran ein Frösteln. Denn auch wenn es Sommer war, so kühlten die Nächte hier in Forks doch merklich ab. Hinzu kam, dass das Fenster nur angelehnt war und eine kühle Brise hinein wehte.
Hermine zog ihren Bademantel enger an ihren Körper und trat an Harrys Bett. Sie hob die Decke auf und breitete sie über dem Schwarzhaarigen aus, der sie auch sofort an sich heran zog, sich einkuschelte und im Schlafe ein Lächeln auf seinem Gesicht bekam.
Hermine musste einfach schmunzel und mit einem „Werd ja nur wieder richtig gesund, Harry", drückte sie ihm einen Kuss auf die Stirn. Danach ging sie zu ihrem eigenen Bett, legte sich hin und versuchte nicht allzu lange mehr wach zu sein.
Morpheus schien diesen Wunsch zu billigen und so brauchte Hermine keine fünf Minuten bis auch sie im Land der Träume war. Was die Gryffindor dadurch aber auch gar nicht mehr mitbekam war Alice, die gekonnt und elegant durchs offene Fenster kletterte. Sie hatte die letzten zehn Minuten im Baum gegenüber gesessen und das Ganze Schauspiel beobachtet. Sie hatte gesehen, wie sich Hermine um Harry gekümmert hat. Sie hatte gesehen wie Hermine ihren Freund geküsst hat. Und doch empfand sie nicht einmal einen Anflug von Eifersucht. Alles was sie wusste war, dass von diesem Mädchen keine Gefahr ausging und dass sie beide das Potenzial für beste Freundinnen hatten. Woher Alice dies wusste? Nicht aus einer Vision, nein, das sagte ihr dem Vampirmädchen ihr Bauchgefühl. Und mit diesem Wissen legte sie sich zu Harry, wie sie es in den letzten Nächten immer gemacht hatte und beobachtete ihren Freund beim Schlafen.
