Kapitel 27

„Wann hat dein Schoßhund gesagt, dass er erscheinen will, Hermine? Ein echter Gentleman lässt eine Dame nämlich nicht warten."

Rosalie konnte es sich einfach nicht verkneifen, Bemerkungen über Jacob los zu werden. „Gegen fünf Uhr", erwiderte Hermine gespielt gelassen, auch wenn es in ihr vor Aufregung brodelte. Auf Rosalies Anspielung ging sie dabei gar nicht weiter ein. Ignorieren war vielleicht der beste Weg um es ihr auszutreiben.

Alice grinste nur und zupfte einmal mehr an Hermines Haarpracht. Eine Locke noch hier hin, eine andere hinters Ohr geklemmt, erst dann befand der quirlige Vampir das Erscheinungsbild der Gryffindor für perfekt und Hermine wurde aus, wie sie es ab heute nennen würde, der Kammer des Schreckens entlassen. Sie war sich sicher, dass ihr Körper, ihre Haare und alles andere noch nie so gequält worden war. Etwas, das nach all ihren Abenteuern mit Harry, welche sogar die komplette Verwandlung in ein katzenähnliches Wesen mit einschloss, schon was heißen wollte.

Obwohl dies hier nicht andeuten sollte, dass Hermine sonst nicht auf ihr Äußeres achtete. Sie war vielleicht keine Lavender Brown mit einer Schminkpalette, die halb Hogwarts versorgen konnte, doch ihrer Meinung nach verstand sie es schon ihre Klamotten so zu wählen, dass sie passten und ihre Reize unterstrichen. Oder aber hatte sie gelernt wie man Lippenstift dezent einsetzte, um ihre schmalen Lippen etwas vor zu heben. Mehr wollte Hermine aber auch gar nicht. Sie fand sich und ihren Körper schön und stand zu ihm.

Allerdings waren dies in Gegenwart von Alice und Rosalie Cullen die falschesten Worte, die sie benutzen konnte. Nicht dass die beiden Hermine für hässlich hielten. Doch ihren Meinungen nach, konnte Hermine noch so viel mehr aus sich machen und so hatten sie die Gryffindor in ihre persönliche Folterkammer geschleift und sie gestylt, geschminkt und in kürzester Zeit mehr Klamotten gesteckt, als manch anderes Mädchen in ihrem ganzen Leben besitzen würde.

Und was war mit der armen Hermine? Nun sie machte einen voll und ganz auf Gryffindor und ließ es tapfer über sich ergehen, da ihr klar wurde, dass sie gegen die beiden Vampire eh keine Chance hätte. Einzig in dem Moment, wo Alice anfing vom Beinwachsen und dem Trimmen der Bikinizone zu reden, da weigerte sich Hermine energisch mit dem Hinweis, dass sie heute ihr erstes Date hatte und sie mit Jacob lediglich ins Kino ging. Was dachten die Zwei eigentlich, was sie heute mit ihrem neuen Freund noch alles machen würde? Sie kannten den Jungen doch noch überhaupt nicht!

Ein lautes Hupen verkündete wenige Minuten später die Ankunft eben jenen Jacobs und mit raschen Schritten bewegte sich Hermine die Treppe hinab und hin zur Haustür. Dort standen schon ihre Eltern, wobei ihre Mutter lächelte, während Hermines Vater einen Blick aufgesetzt hatte, der Jacob Black klar machen sollte, wie er mit seiner Tochter, seinem kleinen Engel, umzugehen hatte. Ein Rippenstoß von Jane Granger stimmte den Zahnarzt aber sehr schnell um, ebenso wie das Bild welches sich allen vor dem Haus der Cullens bot.

Denn dort draußen, draußen auf dem Schotterweg, stand nicht mehr der halbnackte Indianerjunge von gestern, sondern ein junger Mann in schwarzen Hosen, einem beigen Hemd und einem braunen Wildledersakko. In der rechten Hand hielt er einen Blumenstrauß und mit der linken versuchte Jacob noch ein wenig die Haare zu richten. Obwohl dies wohl noch eine übrig gebliebene Angewohnheit war, aus den Zeiten, wo seine Haare noch bis zum Hintern gingen.

Hermine musste sich eingestehen, dass Jacob in seinem Outfit echt was hermachte und ihr Herz begann um Einiges schneller zu schlagen. Doch sie vergaß jetzt nicht, was sie sich vorgenommen hatte und aus welchem Haus sie stammte und nahm ihren Mut zusammen und trat ins Freie.

„Hey Jacob", sagte Hermine freundlich, während der Werwolf nur ein „Wow" zustande bekam. Musternd ging sein Blick über ihren Körper und dann streckte er blitzschnell seinen Arm vor, so als wäre ihm eingefallen, dass er ja noch die Blumen hatte.

Die Erwachsenen lächelten über diese Geste, denn ihnen war wohl bewusst, dass die Blumen wohl nicht Jacobs Idee gewesen waren, sondern eher dem Geist eines der älteren Stammesmitglieder zu schulden war. Aber nichtsdestotrotz begrüßten auch sie den Indianerjungen. Sein Blick war dabei besonders auf Henry Granger gerichtete und wenn er jetzt eine Bemerkung in Bezug auf Hermine erwartet hatte, so wurde der Junge überrascht.

Denn Henry Granger schien von irgendetwas gefangen zu sein und er brachte nur ein leises „Wow" heraus. Auch ging sein Blick über Jacobs Schulter hinweg und war auf dessen Auto gerichtet. Eine Tatsache, die bei Jane Granger ein wissendes Lächeln hervorrief und bei dem Rest der versammelten Mannschaft ein verständnisloses Stirnrunzeln.

„Dad, ist alles in Ordnung?", fragte Hermine und ihr Vater erwiderte wie ein Junge im Modellbahnladen: „Das … das ist ein Golf I. Wow. Ein Klassiker und nur noch selten zu sehen."

„Ähm ja, Doktor Granger. Ich hab ihn selbst wieder aufgebaut." Jacob witterte eine Chance bei Hermines Vater zu punkten und erzählte, wie er jeden Dollar gespart hatte, um sich die Ersatzteile zu besorgen.

Für die Cullens, die sich um Geld nie Sorgen machen mussten, war diese Aussage schon ein wenig sonderbar. Doch Carlisle und Esme meinten, dass man daran erkannte, dass Jacob wusste, dass einem nichts geschenkt wurde.

Hermine allerdings war ein wenig verwirrt und schaute zu ihrer Mum. Jane lächelte aber nur zurück und schüttelte den Kopf als wolle sie sagen: „Nimm's einfach hin. Deinen Vater änderst du nicht, wenn's um Autos geht."

Und was sie damit meinte, bekam Hermine gleich einen Moment später zu spüren. Denn wo Jacob jetzt eigentlich dran war, sich um das Mädchen zu kümmern, auf welches er geprägt worden war, da wurde er von Henry Granger einfach zu seinem Auto gedrängt und sollte ihm alles darüber erzählen. Hermines Dad wollte alles wissen. Wie viel PS hatte der Motor? Wie alt war das Auto? War der Lack noch original? Die Fragen hörten nicht auf und dies rief Hermines Mum auf den Plan, um Henry zu stoppen.

Henry!?", rief sie streng. „Jacob ist heute nicht hier, um sich mit dir über Autos zu unterhalten."

In ihrer Stimme schwang aber auch etwas mit, das man sonst in Sätzen hörte wie „Ja ja, die lieben Kleinen. Sind sie nicht putzig?"

Henry schien aber in irgendeiner anderen Welt zu schweben und erwiderte: „Aber Jane, siehst du nicht, was wir hier haben? Einen Volkswagen, einen Golf. Die werden so nicht mehr gebaut. Es ist genau so ein Auto, wie ich es in meiner Jugend gefahren habe. Kannst du dich nicht mehr daran erinnern, wie wir gemeinsam damit durch das Land gefahren sind? Weißt du noch, wo es in unseren ersten Ferien hingegangen ist? Oder wie oft wir im Autokino waren? Wir haben eine Menge erlebt und so ein altes, gepflegtes Auto kann Geschichten erzählen, Jane."

Hermines Mum schüttelte nur den Kopf. Sie liebte ihren Gatten über alles, wirklich, doch manchmal war er einfach wie ein kleines Kind. Und weil es ja eigentlich heute darum ging, Hermine zu ihrem ersten Date mit Jacob zu verabschieden und weil sie eben diesen Jacob und alle anderen hier vor Henrys nostalgischen Erinnerungen bewahren musste, griff sie zu einem eher radikalerem Schritt um Henry aus seiner Welt zu holen. Sie atmete tief durch, schaute leicht entschuldigend zu Hermine und sagte: „Natürlich kann ich mich erinnern, Henry. Es war ja auch meine Jugend. Ich war bei all diesen wunderbaren Erlebnissen dabei. Wobei ich persönlich allerdings hoffe, dass bei solch einem Wagen die Rücksitzbank ein wenig Zurückhaltung bei ihren Erzählungen übt."

Binnen einer Sekunde war es im Umkreis von zwanzig Metern mucksmäuschenstill und Henry Granger war zurück in der brutalen Realität des Vaterseins. Er starrte seine Frau an und danach ging sein Blick, der wohl selbst Voldemort in seine Schranken gewiesen hätte, über das Autodacht hinweg zu einem mehr oder weniger immer roter werdenden Jacob Black.

„Oh nein, junger Mann", knurrte Henry. „Den letzten Satz meiner Frau vergessen sie ganz, ganz schnell. Denken sie nicht einmal im Traum dran, meiner Tochter den Sitz auch nur behilflicher Weise nach vorn zu klappen."

„Dad", empörte sich Hermine, die Ohrenspitzen so rot wie Ron Weasleys Haare, während die anderen sehr damit zu tun hatten, nicht zu lachen. Besonders die Cullens hatten die letzten Minuten mit jeder Menge Amüsement auf sich wirken lassen. Sie interagierte ja nun einmal nicht sehr oft mit anderen, sterblichen Menschen und allein solch ein Verhalten machte ihnen die Grangers noch sympathischer. Wobei bei all dem Spaß Alice und Rose hatten jeweils einen ihrer Pfennigabsätze auf Emmetts Füßen stehen, damit dieser sich ja zurück hielt.

Jacob Black wäre aber nicht er selbst, wenn er sich nicht schnell wieder fangen würde und cool erwiderte er: „Keine Sorge Doktor Granger. Sie haben doch gehört, wir wollen es langsam angehen und ich würde Hermine niemals drängen oder ihre Ehre beschmutzen."

Henry schaute ihn skeptisch an und richtete dann seine Finger im Peace-Zeichen gespreizt erst auf seine eigenen Augen und dann auf Jacob, als wolle er nur eins sagen… Ich beobachte dich.

Das war dann der Punkt wo Emmett nicht mehr konnte und loslachte. Ein Lachen welches ansteckend war und das die Stimmung Sekunden später wieder um Einiges lockerte. Kurz darauf war der junge Werwolf eingeladen ins Haus zu folgen, denn Esme hatte noch eine Kleinigkeit zu Essen vorbereitet. Schließlich sollten Hermine und Jacob nicht hungrig ins Kino und die Fahrt nach Port Angels würde auch noch eine Weile dauern.

„Und denken sie dran, Mister Black, dass ich meine Tochter Punkt zehn wieder hier auf der Matte stehen haben möchte."

Jacob und Hermine standen kurz davor das Haus der Cullens hinter sich zu lassen und endlich etwas Zeit allein miteinander zu haben. Oder besser gesagt, um endlich ins Kino zu kommen. Aber scheinbar konnte sich Henry Granger diesen Satz einfach nicht verkneifen und wollte wissen, wie Jacob wohl darauf reagierte.

Doch entgegen der Annahme, dass Jacob einfach nur ergeben nicken würde, erwiderte der Junge jedoch mit fester Stimme: „Nun Doktor Granger, ich glaube diesem Wusch kann ich nicht nachkommen."

„Und wie soll ich dies verstehen?", fragte Hermines Dad mit strengem Blick, worauf Jacob zu grinsen begann.

„Nun Doktor Granger, dies hat sicherheitstechnische Gründe. Sie wollen doch nicht, dass ich wegen einer halben Stunde, die wir länger bräuchten, schneller fahre als erlaubt ist und ich damit nicht nur ihre Tochter, sondern auch meinen Führerschein in Gefahr bringe. Nach meiner Erfahrung enden die meisten Filme in Port Angeles gegen halb Zehn und dann ist es noch eine gute Stunde nach Forks wenn man sich an die Geschwindigkeitsregeln hält. Sie sehen also Doktor Granger, dass …"

„Ist schon gut Jacob", mischte sich Jane Granger ein. „Mein Mann wollte dich nur ärgern. Ist wohl so ein komisches Vater-erster Freund der Tochter-Ding. Ich jedenfalls wünsch euch beiden viel Spaß im Kino und kümmere dich gut um Hermine. Lad sie danach ruhig noch auf ein Eis ein. Für mich geht das klar, wenn ihr erst um Elf da seid."

Damit war das Thema beendet und Henry machte ein Gesicht, als wäre er beleidigt. Allerdings war allen insgeheim klar, dass er dies nur spielte und schließlich gab auch er seinen Segen. Etwas, dass vor allem Hermine erleichternd fand und was sie dazu bewog ihrem Dad noch mit einem „Danke" einen Kuss auf die Wange zu drücken.

Allerdings gab es da noch eine andere Sache, welche die Gryffindor bewegte. Doch dafür wandte sie sich dann doch lieber kurz an ihre Mutter und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Die Reaktion seiner Frau darauf und ihre folgenden Worte ließen den Zahnarzt sich binnen einer Sekunde wieder völlig versteifen.

Jane lächelte nämlich plötzlich wissen und geheimnisvoll, so als heckte sie etwas aus und sagte zu Hermine, während ihr Blick bedeutungsvoll zu ihrem Mann ging: „Nun Schatz, wenn das so ist, dann solltest du vorbereitet sein. Ich denke, du findest was du suchst bei deinem Vater im Koffer, gleich oben in unserer Reisewaschtasche."

Henry sog scharf die Luft ein und funkelte seine Frau an. Hermine bedankte sich nur kurz und rannte auch schon die Treppe hoch. Harry und die Cullens folgten ihrem Weg mit ihren Blicken und keine Minute später kam Hermine auch schon zurück, drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und sagte: „Ich hab gleich zwei genommen. Besser ist besser, Mum." Mit diesem Satz schnappte sie sich Jacob und beide verschwanden zu ihrem ersten Date.

Harry konnte seiner besten Freundin nur hinterher schauen und wurde erst durch Henry Grangers leicht hysterischer Stimme aus seiner Starre geholt.

„Jane, was hast du getan? Wie konntest du nur? Bist du wahnsinnig?"

„Henry …", versuchte es Jane Granger mit ruhigem Ton, doch ihr Mann wetterte weiter.

„Meine ganze Arbeit war umsonst. All die Mühe, die ich mir in der letzten Stunde gegeben habe, den Jungen einzuschüchtern …"

„Henry …"

„Hast du eine Ahnung, was jetzt passiert? Das ist doch wie ein Freifahrtsschein für ihn. Und wenn Hermine nur halbwegs nach dir kommt … Oh Gott, ich muss hinterher."

„Henry Granger jetzt komm mal wieder runter, du Kindskopf." Mrs. Granger hatte sich nun ihrem Mann in den Weg gestellt, da dieser so aussah als würde er gleich zu Fuß hinter den beiden Teenagern hinterher rennen.

Der Zahnarzt stockte und funkelte seine Gemahlin unter den einerseits amüsierten Blicken der Cullens und andererseits dem entsetzten Gesicht von Harry an. „Was heißt hier runterkommen, Jane. Hermine ist zu jung für so etwas. Und du? Du ermutigst sie auch noch, indem du ihr ein paar Kondome mit auf den Weg gibst."

„Kondome?", fragte Jane Granger plötzlich verschmitzt. „Wer sagt, dass sie sich Kondome aus deinem Koffer geholt hat?"

Im nächsten Moment schien es dem Zahnarzt zu dämmern und er stammelte überrumpelt: „ Du … du hast … du wolltest, dass ich mich aufrege. Du wusstest, wie ich reagieren würde."

„Natürlich, du Übervater", lachte Jane Granger und drückte ihrem Mann einen Kuss auf den Mund. „Ich kenne dich jetzt schon wie lange? Zwanzig Jahre? Und du bist immer noch so leicht zu striezen."

„Du Biest", knurrte Hermines Dad und drückte dann seine Frau etwas von sich weg. „Und deine Tochter ist nicht besser, wenn sie bei so etwas mitspielt."

„Oh sie hat nicht mitgespielt, Henry. Sie hat wirklich etwas aus deinem Koffer geholt und zwar deine Aspirin. Sie hat im Laufe des Tages leichte Kopfschmerzen bekommen. Wollte gleichzeitig aber ihr Date mit Jacob nicht absagen."

„Wirklich?", fragte Henry hoffend und atmete dann erleichtert aus.

Jane legte ihren Arm um ihn und küsste ihren Mann erneut. „Du brauchst dir also keine Sorgen machen. Unsere Tochter weiß schon was sie tut, Henry. Und selbst wenn, waren wir uns doch einig oder?"

„Ja schon", erwidert Hermines Dad und versuchte das Thema zu beenden. Ein Vorhaben, welches allerdings durch Emmetts doch sehr persönliche Frage vereitelt wurde. „Sag mal Henry, habe ich das gerade richtig verstanden? Ihr benutz tatsächlich Kondome? In eurem Alter? Und wie fühlt sich das an?"

„Emmett Cullen wie kannst du nur so etwas fragen? Hast du keinen Anstand?", rief Esme halb entsetzt, halb empört und hatte dabei ihre Arme so in die Seiten gestemmt, dass Harry glaubte Molly Weasley war wie aus dem Nichts aufgetaucht. Andererseits fand sich Esme ja auch in einer Position wieder, wo sie sich fragte, ob ihr Sohn wohl nie erwachsen wurde und wo seine Manieren waren.

Ihren beiden Töchtern erging es dabei nicht anders, auch wenn sie ihre Gesichter etwas mehr unter Kontrolle hatten. Carlisle hingegen konnte seine Professionalität als Mediziner ausspielen und ging ganz anders an die Sache heran.

Allerdings war Esme nicht die einzige, die entsetzt über die Frage war. Wobei Harry wohl eher peinlich berührt war und sein Blick ganz schnell von den Eltern seiner besten Freundin abwandte. Er wollte nicht einmal daran denken, sich gar nicht erst vorstellen dass und wie Hermines Eltern miteinander intim wurden.

Die beiden einzigen Personen, welche von Emmetts Frage nicht getroffen wurden, waren die Grangers selbst. Sie lächelten nur und Jane antwortete in einer wie Harry fand coolen Art: „Warum wir sie nehmen, Emmett? Nun was denkst du wohl? Zur Verhütung natürlich, junger Mann. Es ist ja nicht so, als dass mit der Geburt vom Hermine unsere Libido in Rente geschickt worden ist."

„Jane, hättest du das nicht auch anders ausdrücken können. Was soll Harry nur von uns denken."

Für diesen Satz würde sich besagter Harry irgendwann noch bei Henry Granger rächen, denn nun lagen alle Blicke auf ihm und dass sein Gesicht immer noch glühte wie eine untergehende Sonne machte es für den Gryffindor nur umso schlimmer. Am liebsten wäre Harry im Boden versunken. Doch da gab es ja noch Alice, die ihren Liebsten beistand und versuchte ihm etwas Verlegenheit zu nehmen, indem sie ihren Arm um ihn legte.

Jane Granger war jedoch noch nicht fertig und erwidert: „Ach komm schon Schatz, Harry ist doch alt genug und sicher nicht verklemmt. Es sei denn Hogwarts ist wirklich so, wie Hermine es uns manchmal berichtet, streng und etwas hinterher. Ein viktorianisches Internat, wenn du so willst."

Harry überlegte für einen Moment ihr recht zu geben. Doch dann hätte er ja glatt gelogen, wenn er den Gerüchten über die sechsten und siebenden Jahrgängen Glauben schenkte. Und seine Gesichtsfarbe leicht wieder Normalniveau bringend sagte er: „Nun ganz so schlimm ist es nicht. Obwohl es schon sehr strenge Hausregeln gibt."

Jane Granger lächelte Harry an und wandte sich dann noch einmal an Emmett. „Sei es wie es ist. Aber Emmett, um deine bisher nicht gestellte Frage zu beantworten. Wir wollen uns die Option auf ein späteres Kind noch offen halten. Etwas, das wir schon kurz nach Hermines Geburt festgestellt haben. Und aus dieser Situation heraus fallen jedwede operative Verhütungsmethoden aus, genauso wie die Pille, weil ich die nicht vertrage. Zufrieden? Und was das sich anfühlen betrifft, da musst du schon deine eigenen Erfahrungen machen."

Ein mehr als nur verdutzter Emmett konnte nur nicken. So offen hatte er sich die Antworten auf seine unbedacht geäußerten Fragen nicht vorgestellt. Und wenn es ihm körperlich möglich gewesen wäre, so hätte Jane Granger etwas geschafft, was dem Vampir mit all seiner Abgebrühtheit seit Jahrzehnten nicht mehr passiert war. Er wäre rot angelaufen. Kurze Zeit Später fand dann das Abendessen statt, welches von Esme wieder üppig angerichtet worden war. Und danach hieß es für Harry einmal mehr ab ins Bad und dann ins Bett.

Sollten sich die Erwachsenen noch ein wenig unterhalten, so fand Harry. Sein Bedarf an Verlegenheit war für heute gedeckt und dank des magischen Bades und dem darauf resultieren Schlafes bekam der Gryffindor auch nicht mehr mit, wie seine beste Freundin Stunden später mit einem glücklichen Lächeln und einer leichten Hautverfärbung am Hals ins Zimmer kam und sich mit eben jenem, nicht schwinden wollendem Lächeln auf ihre Liege legte.

„… ich brenne … ich brenne …"

Harry wurde durch ein leises, schmerzvolles Stöhnen geweckt und bemerkte als erstes, dass er allein im Bett lag. Alice war wohl unterwegs, jagen oder bei Bella vielleicht. Sie war ja durch die letzten Tage und Wochen daran gewöhnt, dass er selbst durch seine magischen Heilbäder immer bis acht schlief. Warum er nun heute schon wach war, wusste der Gryffindor nicht. Doch das war ja im Moment unwichtig, denn ein weiteres Stöhnen kam von rechts und aus der Richtung, wo seine beste Freundin schlief. Rasch rappelte sich Harry auf und schaute rüber zu Hermines Bett.

`Was hat sie?`, schoss es ihm durch den Kopf. Im nächsten Moment erkannte Harry jedoch, dass er sich in Bezug auf seine Liebste geirrt hatte. Alice war nicht fort, sondern kniete neben Hermines Klappliege und hielt ihre Hand auf deren Stirn.

„Was ist mit ihr, Alice?", fragte Harry besorgt und Alice schaute auf.

„Keine Ahnung, Harry. Sie schläft schon seit einer Stunde so unruhig und scheint Fieber zu bekommen. Es war wohl doch alles in letzter Zeit ein wenig viel. Dein vermeintlicher Tod, dann ihr nasser Zusammenstoß mit Emmett und die Aufregung des ersten Dates. Da würde wohl selbst ich Kopfschmerzen kriegen. Wir sollten sie einfach schlafen lassen und Carlisle nur sicherheitshalber Bescheid geben."

Harry dachte über Alice Worte nach und stimmte ihr schließlich zu. Er selbst war ja kein Arzt und wenn es sich daran erinnerte, dass es Tante Petunia manchmal auch so ging, wenn sie Migräne hatte, dann war Ruhe wohl die beste Medizin. Hermine hatte ja wahrscheinlich die beiden Schmerztablette genommen und nun bekämpften diese das, was Hermine erwischt hatte.

Und Harry sollte Recht behalten. Am nächsten Morgen, auch wenn es schon fast elf Uhr war, stand Hermine mit einem Lächeln in der Tür zur Küche und murmelte leise: „Sorry, ich hab wohl verschlafen." Alle am Tisch schmunzelten, obwohl ein jeder auch froh darüber war, dass es Harrys bester Freundin wieder besser ging.

Allerdings hielt dies Carlisle nicht davon ab, Hermine zu bitten, nachher noch einmal kurz in sein Arbeitszimmer zu kommen. Blutdruck und Temperatur messen waren ja keine große Sache. Eine Maßnahme, die auch Hermines Eltern befürworteten. Wie sehr dieser Besuch in Carlisles Arbeitszimmer und Bibliothek Hermines Leben verändern sollte das konnte bis dahin noch niemand ahnen.