Kapitel 30

´Was für ein Sommer?´, schoss es Harry durch den Kopf, denn irgendwie überschlug sich in letzter Zeit wohl alles. Der Gryffindor hatte sich ein wenig in eine Ecke des Wohnzimmers der Blacks zurückgezogen und beobachtete all die anderen Leute, die ihm zum Teil noch so fremd waren. Jeder schien immer noch an dem zu hadern oder darüber nachzudenken, was für ein folgenschweres Geheimnis doch durch Hermines Beinaheverwandlung offenbart worden war.

Harrys Blick wanderte hierbei von Old Quil, der immer noch den Telefonhörer krampfhaft festhielt, zu Henry Granger, der neben dem alten Indianer stand und versuchte mit zu hören, was seine Mutter am anderen Ende der Leitung sagte. Bis die Aufmerksamkeit des Gryffindors schließlich einzig und allein seiner besten Freundin galt, um welche sich nun zwei Personen, nämlich ihre Mum und Jacob, kümmerten. Wobei man dem Indianerjungen anmerkte, dass er etwas zurückhaltender war, als man es erwartet hätte. Wahrscheinlich fühlte er sich immer noch etwas schuldig, an all dem hier mit seinem missglückten Joke verantwortlich zu sein.

Aber von diesem Gedanken wurde Jacob auch sehr schnell wieder abgelenkt, denn es klopfte vorsichtig an der Verandatür und alle, mit Ausnahme von Old Quil, drehten sich um. Ein bis dahin für Harry unbekannter junger Mann betrat den Raum und eigentlich wollte dieser nur Bescheid geben, dass im Dorf eine weiterer Fremder aufgetaucht war und nach dem Hause der Blacks suchte. Etwas, das sowohl die Wölfe als auch Carlisle alarmierte.

Aber schon in der nächsten Sekunde war dies nebensächlich, da kaum dass der Indianer im Zimmer erschienen war, Hermine plötzlich anfing sich zu verkrampfen und zu knurren. Der Blick, gepaart mit dem gleitenden Übergang ihrer sonst eher als rehbraun zu beschreibenden Augenfarbe hin zu einem leuchtendem Bernstein, welchen sie dabei Sam Uley, wie Billy ihn genannt hatte, zuwarf verhieß nichts Gutes und hätte Jacob seine Freundin nicht festgehalten, so hätte man denken können, sie wolle auf den Indianerjungen losgehen.

„Sam raus hier, sofort!", rief, nein vielmehr schrie Billy Black mit einer Mischung aus Panik und Erkenntnis im Gesicht und bewegte sich mit seinem Rollstuhl erstaunlich schnell zwischen Hermine und dem Alphawolf des Stammes, sodass es keinen Blickkontakt mehr gab. Sam schien diese Geste nicht ganz zu verstehen und Billy verlieh mit einem deutlich Zeig seines Armes in Richtung Tür seiner Bitte noch etwas Nachdruck. „Sam geh' jetzt, es ist besser so und ich erkläre es dir nachher."

Dann wandte er sich an Jacob und sagte ihm, er sollte mit allen Mitteln versuchen Hermine zu beruhigen. Etwas, dem sein Sohn auch schnell nachkam, indem er seine Freundin fest umarmte und ihr beruhigende Worte ins Ohr flüsterte, bis sich der Atem und das Beben im Körper des Mädchens merklich beruhigt hatte. Alle anderen im Raum starrten nur gebannt auf die junge Frau, die einen Moment später so aussah als würde sie aus einer Art Trance erwachen.

„Was war das eben?", fragte Harry als erster und bekam als Antwort von Billy lediglich ein Wort zu hören: „Machtkampf". Danach verschwand der alte Indianer durch die Vordertür und ließ einen ziemlich verwirrten Harry zurück. Dessen Blick ging daraufhin zu Jacob. Wenn es um eine Sache zwischen Wölfen ging, dann würde er es wohl am besten wissen. Doch Hermines Freund beachtete Harry gar nicht, sondern hatte nur Augen für seine Freundin.

Die Zeit verstrich und jeder blieb still. Zum einen weil wo jeder noch versuchte zu verstehen, warum Hermine gerade so reagiert hatte und es mit Billy doch sehr kryptischer Antwort in Verbindung zu bringen. Und dann gab es da ja noch das Telefongespräch zwischen Hermines Großmutter und Old Quil. Wenige Minuten später rührte sich dann endlich wieder etwas und zwar an der Tür. Harry rechnete fest damit, dass Billy von seinem Gespräch mit Sam Uley zurück kam und alle eine Antwort bekamen. Umso überraschter war der Gryffindor dann aber als er in die azurblauen, freundlich leuchtenden Augen von Albus Dumbledore schaute.

„Hallo Harry", sagte der alte Zauberer in seiner sanft-ruhigen Art. Obwohl ein geübter Beobachter heraus hören würde, dass sich in Albus Stimme eine Menge Freunde und Erleichterung versteckte.

„Oh hallo Professor? Wie kommen sie denn hier her?", erwiderte Harry und er verbarg seine Freunde nicht. Woraufhin Dumbledore lächelte und sagte: „ Das Wie, Harry? Nun ich würde sagen Zauberei. Das ist in meinem Alter auf alle Fälle leichter als den ganzen Weg auf einem Besen zu fliegen. Doch da du bestimmt meinst warum ich hier bin, das kann ich dir mit einfachen Worten sagen. Ich wollte natürlich wissen wie es dir geht. Die Briefe von Doktor Cullen mögen die eine Sache sein, doch wenn man es mit eigenen Augen sieht, so ist dies noch so viel schöner."

Mit diesen Worten wandte Albus sich dann an Carlisle, nickte ihm zu und stellte sich den anderen im Raum erst einmal vor, wie es der Anstand nun einmal gebot. Dies dann erledigt zeigte sich hinter dem langen Bart des alten Zauberers ein weiteres Mal so etwas wie Überraschung und er wandte sich wieder an Harry: „Wie ich sehe Harry, geht es dir, Merlin und der Familie Cullen sei gedankt, wieder so viel besser als es dies noch das letzte Mal der Fall war, als ich dich gesehen habe. Denn eigentlich habe ich dich auch dort besuchen wollen, bei den Cullens. Du kannst dir also vorstellen, mein Junge, wie überrascht ich war, als mir Mrs. Cullen sagte, du wärest nicht da und dass du dich um deine beste Freundin, um Ms. Granger, hier kümmern musst."

Damit ging Albus Blick zu seiner anderen Schülerin und deren Eltern und begrüßte sie. „Guten Tag auch Ihnen Ms. Granger. Mit Ihnen hätte ich hier am wenigsten gerechnet. Doch fühle ich mich dadurch auch wieder in einer meiner tiefsten Überzeugungen bestätigt, nämlich das Liebe und Freundschaft alles überwinden kann."

„Hallo Professor", erwiderte Hermine leicht rot werdend und auch Jane und Henry standen kurz auf und reichten dem alten Zauberer die Hand. Und während dies geschah schauten die anderen, die Mitglieder das Quileutestammes, nur gebannt auf die fünf Fremden.

„Doch bei all der Freude, Harry würde mich nun doch interessieren, wie es kommt, dass Miss Granger hier bei dir ist, obwohl ich doch so davon überzeugt war, dass dich niemand hier findet, beziehungsweise hier nach dir sucht, da du ja eigentlich für tot gehalten wirst."

Albus Blick lag dabei nachdenklich und etwas entschuldigend auf Harry und der Gryffindor merkte dem alten Zauberer sofort an, dass ihm die Sache mit dem scheinbaren Tod seines Schülers noch sehr beschäftigte. Es sah fast so aus als hätte Dumbledore etwas Angst vor Harrys Reaktion auf diese Charade. Umso überraschte war er als Harry ihm dafür keinen Vorwurf machte und offenbar verstand, warum er es getan hatte.

Die Antwort auf seine Frage bekam der alte Zauberer allerdings von Hermine, die nun auch mal was sagen wollte und dies in einer Art, die alle im Raum wieder alarmiert aufhorchen ließ. Nicht in der Befürchtung, dass das Mädchen erneut vor einer Verwandlung stand, sondern um Sorge um ihr Herz. Denn mit einem Male schoss es aus Hermine heraus: „Oh Professor, das ist eine lange Geschichte. Zuerst war da mein Urlaub mit meinen Eltern. Dann, als wir zurück kamen, war da die Nachricht von Harrys Tod, den ich jedoch nicht wahr haben wollte und dann bin ich weggelaufen und hier her gekommen, um Harry zu finden. Und dann waren da plötzlich die Vampire und dann lebte Harry plötzlich doch, aber ich dachte sie wollen ihn töten und leertrinken und dann kam da plötzlich Jacob und hat sich auf mich geprägt und ich dachte zuerst er will über mich herfallen und bin in den Wald gelaufen und dann hat er mich geärgert und mich rasend gemacht und ich habe mich fast verwandelt und das weil ich doch plötzlich das Werwolfgen habe und weil mein Großvater gar nicht wirklich mein Großvater ist, sondern der alte Quil und dann sind sie hier aufgetaucht und…"

Im nächsten Moment verstummt Hermine, weil Jacob ihr erst den Mund zu hielt und sie dann vor allen küsste. Sie hatte sich regelrecht in ihre Erzählung hineinsteigerte und keiner kam mehr mit. Dabei glühte ihr Kopf schon förmlich vom wenigen Luft holen und es fast so aussah, als stände die Gryffindor kurz vorm Infarkt. „Hermine, beruhige dich, denk an dein Herz", sagte Jacob seine Lippen wieder von ihr gelöst und Harry war dem Jungen dankbar, denn er selbst war kurz davor, seine beste Freundin zu schocken.

Hermine, nun endlich realisierend was sie gerade getan hatte, wurde knallrot und drehte sich verlegen weg. „T'schuldigung", sagte sie und einige grinsten. Allen voran Harry, denn das war die Hermine, die er kannte. Reden und alles erklären wollen, egal was passiert. Nur zu gut erinnerte er sich daran zurück, wie dieses Mädchen Ron und ihm schon so oft den Kopf gewaschen und zeitgleich verwirrt hatte. Harry Favorit war dabei ihre Rede nachdem sie Fluffy im ersten Hogwartsjahr entkommen waren.

Dumbledore allerdings hielt sich zurück mit jedweder Geste des Amüsements und schaute eher leicht verwirrt. Sein Blick ging dabei zu Jane Granger und diese erklärte dem alten Zauberer in kurzen Sätzen, was ihre Tochter versucht hatte rüber zu bringen. Fünf Minuten später endete die Dentistin damit, dass es jetzt nur noch galt, die Geschichte um die Herkunft ihres Mannes zu klären und dann könne man über die Zukunft reden. Ihr Blick ging beim letzten Satz in Richtung Henry und wie dieser zusammen mit Old Quil immer noch am Telefon hing und versuchte mit seiner Mutter zu sprechen.

Harry konnte sich vorstellen, dass dies noch eine Weile dauern würde, denn schließlich ging es um ein Thema, welches man nicht über eine Telefonleitung besprach. Und der Gryffindor schien nicht der einzige im Raum zu sein, der so dache. Nein, auch Albus schien Harrys Meinung zu sein und er wandte sich plötzlich an Hermines Mum. „Dr. Granger, ich weiß nicht ob mir die Frage gestattet ist. Doch inwiefern hat die Mutter Ihres Gatten Kenntnis von den Fähigkeiten Ihrer Enkelin?"

Jane Granger wurde auf diese Frage hin leicht rot und blickte ertappt in Richtung Boden. Ihr war klar, dass sie eigentlich gegen die Bestimmung zur Geheimhaltung der magischen Welt verstoßen hatte. Doch Hermines Großmutter wusste so gut wie alles, was mit ihrem Enkel, ihrem Rehlein wie sie Hermine immer nannte, zu tun hatte.

Dumbledore nickte verstehend und trat dann an Henry Granger heran. Er wechselte mit ihm einige Worte und mit einem Male veränderte sich der Gesichtsausdruck des Mannes schlagartig. Es hellte von enormer Anspannung plötzlich zu Erkenntnis auf, bevor es dann für einige Momente ausdrucklos wurde. Harry fand vor allem dies etwas sonderbar, hatte er diesen Ausdruck doch schon einmal gesehen und zwar im Unterricht beim falschen Mad Eye Moody und wie sie die unverzeihlichen Flüche behandelt hatten.

Alarmiert schaute Harry zu Dumbledore und bemerkte, wie dieser in seiner rechten Hand plötzlich seinen Zauberstab hielt. Er hatte doch nicht etwa? Aber doch nicht Albus Dumbledore? Der Imperiusfluch? Und als könne der alte Zauberer Gedanken lesen, lenkte Dumbledore, der sich kurz im Raum umgesehen hatte und dabei Harrys Gesicht bemerkte, seine Aufmerksamkeit vollends auf seinen Schüler und sagte: „Nein Harry, es ist nicht so wie du denkst. Ich brauche nur ein zwei Informationen und Mr. Granger hat mir sein Vertrauen geschenkt, damit ich diese bekomme."

Danach hörte der Gryffindor wie sein Professor leise „legilimens" flüsterte und dann wie Henry Quil bat, ihm kurz das Telefon zu geben. Hermines Dad wechselte nun einige Worte mit seiner Mutter, wandte sich dann an Jane und sagte: „Schatz kümmere dich um Hermine, ich bin bald zurück." Danach nickte er Dumbledore zu, reichte dem alten Zauberer die Hand und mit einem „Plopp" waren beide verschwunden. Eine Tatsache, die eine gewisse Panik in den Gesichtern vor allem der Personen hervor rief, die von Magie bis dahin nur geträumt hatten.

Von all dem hatte Billy Black natürlich nichts mitbekommen. Nein, der alte Indianer war so mit Sam beschäftigt gewesen und hatte lediglich Dumbledore den Weg ins Haus gewiesen, um dann sein hitziges und erklärendes Gespräch mit Alphawolf fortzusetzen. Umso überraschter war sein Gesicht daher, als er wieder in den Raum kam und sowohl der fremde alte Mann als auch der Vater von Hermine verschwunden waren.

„Hab ich was verpasst? Wo sind Henry und … ähm", fragte Billy verdutzt und schaute dabei in Richtung Jacob und Hermine.

„Disappariert, Billy. Sie sind kurz weg. Wohin? Nun darüber kann ich nur spekulieren. Also ich würde sagen, sie sind zu Oma Cathrin", erklärte Hermine in ihrem ihr eigenen Lehrerton. Wobei sie jedoch schon beim ersten Worte Billy noch mehr verwirrte. Woher sollte der alte Indianer denn wissen, was apparieren ist?"

Dementsprechend war natürlich seine Reaktion, er starrte ungläubig die junge Hexe an und Hermine holte etwas weiter aus. Sie erklärte allen im Raum, dass das Apparieren eine der verschiedenen Möglichkeiten magischen Reisens war und da sie ja die Theorie schon gebüffelt hatte, warf sie nun mit Definitionen und Fachbegriffen nur so um sich, was Harry auf den Plan rief. „Heeeermiiiine", ermahnte er seine Freundin indem er ihren Namen langzog. „Sag einfach dass du beim Apparieren an der einen Stelle verschwindest und am Ziel wieder auftauchst. Den Rest deiner Erklärung versteht keine Sau, ja nicht einmal ich und ich habe Zugriff auf magische Lehrbücher."

Hermine, etwas aus ihrem Konzept gebracht und von ihrer Mutter belächelt, funkelte ihren besten Freund nun leicht böse an. Doch Harry ruderte nicht zurück, weil er sich im Recht sah und dies brachte seine beste Freundin dazu leicht verlegen zu werden. Fünf Minuten später war das aber wieder vergessen, denn Harry wollte nun endlich wissen, was es mit der Sache zwischen dem jungen Mann namens Sam Uley und Hermine auf sich hatte.

Nun hatte Billy seinem Auftritt und er erklärte: „Also Harry im Prinzip ist es ganz einfach. Sam Uley ist der Leitwolf unseres Rudels, der Alphawolf wenn du so willst. Doch er ist es nicht vom Blute her, sondern weil Sam der erste der neuen Wolfgeneration war."

„Und wer wäre es vom Blute her?", fragte Jane, die einen leicht traurigen Unterton bei Billy bemerkt hatte.

„Jacob", erwiderte Billy. „In ihm fließt das Blut eines früheren, mächtigen Häuptlings und daher wäre er der rechtmäßig Leitwolf. Allerdings fühlte sich Jake zu dem Zeitpunkt, wo er Sam hätte ablösen können noch nicht bereit. Später dann, als der Kampf mit dieser rothaarigen Vampirhexe aufkam und es einen gewissen Zwist zwischen den einzelnen Wölfen gab, nun, da hat mein Sohn zwar Sam herausgefordert, allerdings mit dem Ergebnis, dass er sich vom Rudel gelöst und sein eigenes Rudel gegründet hat und zwar mit Leah und Seth, Sue's beiden Kindern."

„Wow", sagte Harry. Eine Antwort stand aber dennoch aus und so schaute er hoffend zu Billy. Der alte Indianer verstand und fuhr fort. „Also wie gesagt, in Jacob fließt das Blut eines Häuptlings und er hat als mein Erstgeborener, denn meine beiden Töchter Rebecca und Rachel zähen hier nicht, damit gewisse Ansprüche. Er ist aber nicht der einzige, weder hier im Haus noch im Stamm, der sie hat. Die Blacks mögen zwar von Taha Aki abstammen, doch das tun andere auch. Irgendwie ist jeder im Stamm mit einander verwand oder aber, es gab einen Häuptling mit dem Wolfsgen in den verschiedenen Familien. Und weil dies so ist, und weil Hermine ja wie eben erfahren haben eigentlich zur Familie Ateara gehört, hat auch sie ein Anrecht auf den Platz des Alphas und ihr innerer Wolf hat dies erkannt und Sam als Bedrohung angesehen."

Alle im Raum schauten nun zu Hermine hinüber und man konnte ihr deutlich ansehen, dass ihr diese Aufmerksamkeit so gar nicht behagte. Harry allerdings schossen schon die verschiedensten Szenarien durch den Kopf als er sich vorstellte, wie seine Freundin plötzlich mit einem riesigen schwarzen Wolf kämpfte. Woher Harry wusste, dass Sam schwarz sein würde? Nun er vermutete es, wenn man die pechschwarzen Haare des jungen Mannes betrachtete. Allerdings schlich sich dann plötzlich ein leichtes Grinsen in Harrys Gesicht, denn ein weiterer Gedanke bemächtigte sich seiner. Wie würde wohl Hermine als Wolf aussehen, wenn man mal nicht ihrer Haarfarbe, sondern ihre Haarfülle als Grundlage nahm? Fluffig? Pelzig? Wie ein überdimensionaler Teddybär?

Zum Glück bemerkte niemand das Grinsen und Harry beschäftigte schon die nächste Frage. „Mister Black, Billy, also eine Sache verstehe ich dann aber nicht. Wenn das Wolfsgen immer weitergegeben wird und ein Wolf erkennt, dass er ein Alphawolf sein kann. Wieso hat sich dann niemals Quil mit Sam angelegt? Wieso wurde er dann nicht der Alphawolf als Jacob es nicht konnte?"

Sowohl der alte Quil als auch sein Enkel starrten den schwarzhaarigen, fremden Jungen in ihrer Mitte an und konnte offenbar nicht verstehen, dass diesen all diese Fragen beschäftigten. Billy jedoch schien sich diese auch gestellt zu haben und erwiderte: „Harry ich muss sagen, ich bin überrascht von deiner Auffassungsgabe. Denn ja Harry, du hast recht. Dies war eine Sache, die mich schon bei den ersten Verwandlungen unserer Jugend beschäftigt hat. Doch mit dem Wissen von heute und mit dem Auftauchen von Hermine und vor allem von Henry Granger, machte alles auf einmal Sinn. Quil konnte nicht der Leitwolf werden, denn in ihm fließt zwar das Blut eines Atearas, jedoch nicht das eines Erstgeborenen. Mein alter, leider zu früh verstorbener Freund Quil, war ja eben nicht das erste Kind seines Vaters."

Plopp."

Bevor irgendjemand auf diese Aussage von Billy Black weiter eingehen konnte, tauchte plötzlich Albus Dumbledore wie aus dem Nichts auf und verpasste den Anwesenden im Raum fast eine Herzattacke.

„Oh Professor, da sind Sie ja wieder. Aber wo ist mein Dad?", rief Hermine überrascht und schaute den alten Zauberer fragend an.

„Er ist zuhause in England, Ms. Granger und führt ein ruhiges Gespräch mit Ihrer Großmutter. Ich habe ihm gesagt, ich würde ihn in zwei Stunden wieder abholen und …", - Dumbledore blickte nun zum alten Quil.- „… und falls beide es wollen, auch Ihre Großmutter mit hierher bringen.

Ein jeder schaute nun zum alten Quil und war gespannt auf dessen Reaktion. Der greise Indianer jedoch machte einen sehr gefassten Eindruck und lediglich eine Träne der Freude bahnte sich seinen Weg über das faltige Gesicht. Harry konnte sich aber vorstellen, wie sehr sich wohl nun die Vorfreude und Hoffnung in ihm aufbaute. Unterbrochen wurde er in seiner Gedanken daran, was wohl wahre Liebe nach all den Jahren in einem Menschen so alles bewegen konnte, durch Sue Clearwater. Seths und Leah´s Mum stand nämlich plötzlich auf und sagte: „Also wenn nachher wirklich mehr Leute kommen, dann sollten wir uns vielleicht langsam mal um das Abendessen und das Lagerfeuer kümmern."

„Was? Jetzt?", fragte Jacob überrascht. Für ihn war die Frage nach dem heutigen Abend eigentlich die letzte, die auf seiner Liste stand. Jetzt galt es doch erst einmal sich um Hermine zu kümmern und um den alten Zauberer und um Harry und um ….

Und Jacob war nicht der einzige, der so dachte. Nein, auch Harry hatte noch Fragen und wollte Antworten. Allerdings kam ihm Albus Dumbledore dazwischen und mit seiner für ihn bekannten ruhigen Art sagte er: „Ich glaube Mrs. Clearwater, richtig? Ja, ich glaube, Sie hat Recht. Und ein Lagerfeuer, an welchem man sich wärmen kann und sich wohlfühlt, ist der richtige Ort um nach Antworten zu suchen."

Harry jedoch ahnte, dass dies zu einem Problem werden könnte, denn wenn wirklich alle mit in der Runde sitzen sollten, die es irgendwie betraf, sei es nun Hermines Zukunft oder aber seine, Harrys. Nun dann ging dies nicht so einfach, nicht wenn es um ein Treffen zwischen Hermines Gefährten und um Harrys Freundin ging.

„Professor? Es gibt da etwas, das sie vielleicht wissen sollten. Etwas, das mich persönlich betrifft."

„Ja Harry?", fragte Dumbledore und schaute seinen Schüler fragend an.

„Nun Professor, in der Zeit hier bei den Cullens, während ich mich von meinen Verletzungen erholt habe, da ist etwas passiert und ich … ich …"

Dumbledore lächelte: „Oh du meinst Miss Cullen, die nette junge Dame, die mit Bestimmtheit schon sehnsüchtig auf deine Rückkehr wartet."

Verdutzt und wieder einmal verlegen nickte Harry. „Ähm ja Professor. Aber woher wissen Sie, dass sie auf mich wartet."

„Harry, ich war auch mal jung. Ist zwar ziemlich lange her, doch die Begebenheiten des Verliebtseins sind mir noch gut in Erinnerung."

„Ich verstehe Professor", erwiderte Harry mit rotem Gesicht, fasste sich aber und sagte: „Nun wenn Sie dies schon wissen, dass sollten Sie aber auch wissen, dass ein Gespräch hier über meine und vielleicht auch Hermines Zukunft Alice mit einbezieht und dass dies heute Abend beim Lagerfeuer nicht möglich sein wird."

Dumbledore schaute nun etwas verwirrt zuerst zu Harry und dann in Richtung Carlisle. Der blonde Vampir hatte sich in den letzten Minuten sehr zurück gehalten und nur beobachtete. Jetzt aber wandte sich Dumbledore jedoch direkt an ihn und so erklärte er: „Nun Professor Dumbledore, es gibt da einen Vertrag, eine sehr alte Abmachung zwischen meiner Familie und den Angehörigen des Stammes Quileute hier in La Push. Es besagte, dass wir ihr Land niemals betreten, niemals einen Menschen beißen oder eine Bedrohung für die Bewohner von Forks darstellen dürfen. Etwas, dass durch unsere eher ungewöhnliche Wahl der Nahrung bisher kein Problem darstellte. Im Gegenzug dafür bewahren die Indianer unser Geheimnis vor denen, die nicht wissen, was wir sind."

„Ich verstehe, Dr. Cullen. Und ich muss sagen, ich empfinde großen Respekt vor dieser Art des Lebenswandels Ihrer Familie." Man konnte bei Dumbledore ehrliche Bewunderung heraushören und auch dass dieser wohl schon in Gedanken nach einer Lösung suchte. Dass diese dann aber nicht aus dem Mund des alten Zauberers kam, sondern aus der von Billy Black überraschte wohl alle im Raum.

Jacobs Vater unterbrach nämlich plötzlich die Stille im Raum und sagte: „Sei es wie es sei. Außergewöhnliche Situationen bedürfen außergewöhnlich Lösungen." Dann wandte er sich plötzlich an Carlisle. „Dr. Cullen, ich kann nicht verhehlen, dass es zwischen unserem Stamm und den Angehörigen Ihrer Rasse einen gewissen, tiefverwurzelten Hass gibt. Hass, der auf einem Ereignis beruht, dass zwar lange zurück liegt, jedoch durch seine Grausamkeit und die Verluste in den Familien unserer Ahnen, wohl niemals verschwinden wird."

„Ich weiß Billy, ich habe von den Legenden gehört und es tut mir leid, dass …"

„Nein Carlisle sag es nicht. Denn nach all dem was ich in den letzten Monate über eure Familie gehört und mit erlebt habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Handeln eines Individuum nicht auf alle projiziert werden darf. Aus diesem Grunde, und weil es um die Zukunft meines Sohnes und die Rückzahlung einer gewissen Schuld geht, hebe ich für heute Abend den Vertrag auf. Ruf doch bitte deine Familie an. Ich lade sie mit zum Lagerfeuer ein."

„Was? Wie bitte? Bist du irre? Billy, das kannst du nicht machen!", rief Leah, verstummte aber sofort wieder, als sie den Blick ihrer Mutter sah. Sue duldete es offenbar nicht, wenn man einen der Stammesältesten nicht mit dem nötigen Respekt begegnete.

„Doch Leah, das kann ich und werde ich. Ich vertraue Carlisle und hoffe, dass dieses Vertrauen nicht enttäuscht wird. Es gibt so viel zu bereden und Neues zu erfahren. Oder willst du nicht wissen, was es mit der Welt von Hermine und Harry auf sich hat?"

Leah starrte Billy mit weiten Augen an, so als sei ihm ein zweiter Kopf gewachsen. Harry wusste für einen Moment nicht, wie er das gereizte Verhalten des Mädchens deuten sollte, wo doch alle anderen sich weit weniger über das Angebot von Billy echauffierten. Klar, Werwölfe und Vampire konnten nicht sehr gut miteinander. Doch warum diese offene Feindschafft? Etwas Licht in dieses Rätsel brachte dann Jacob, der seinen Arm plötzlich um Leah legte und ihr leise ins Ohr flüsterte: „Bitte Leah, es ist wichtig. Wichtig für mich und für Hermine. Ich weiß, dass es immer noch weh tut. Doch denke immer daran, es waren weder Carlisle noch ein anderer seiner Familie, die ihn getötet haben. Es war Victoria, vergiss dies bitte nie und auch nicht, dass wir unsere Rache an ihr hatten."

Leah starrte Jacob mit weiten Augen an und dann sah es so aus als würden sich einige Tränen in ihnen bilden. Im nächsten Moment versenkte Leah ihr Gesicht in Jacobs Brust und der Indianer strich der jungen Frau beruhigend über den Rücken.

„Ist schon gut Leah. Alles wird gut", flüsterte Jake und wandte sich dann an die anderen. „Harry, du solltest wissen, dass ihr Vater, der ebenso wie du auch Harry hieß, vor gut zwei Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, ausgelöst während der Jagd auf einen Vampir namens Victoria, die vor hatte Bella zu töten. Und Leah braucht wohl noch einige Zeit, um dies so richtig zu verarbeiten, zumal im Zuge ihrer Trauer und Wut auch bei ihr die Verwandlung eingesetzt hatte. Etwas, das doch sehr ungewöhnlich ja eigentlich ziemlich selten ist. Mädchen sollten sich nicht verwandeln. Es ist nicht gut für sie und ihren biologischen Rhythmus."

„Jacob, das Letzte gehört jetzt nicht hier her", fauchte Leah kurz und drückte sich etwas von Hermines Freund ab. Harry horchte den Worten von Jacob und fing langsam an zu verstehen, wie kompliziert das Ganze doch war. Allerdings beruhigte sich Leah rasch und schluchzte dem jungen Indianer ihr Einverständnis in die Brust, wo sich ihr Gesicht immer noch befand.

„Danke Leah", flüsterte Jacob und wandte sich danach an Carlisle. „Du solltest deiner Familie Bescheid geben. Wir haben was zu bereden", sagte er in einem Ton, der jeden Vater stolz gemacht hätte und welcher nach Alpha klang und danach sprach Jacob mit seinem Vater und meinte, er würde die Jungs zusammentrommeln, damit sie das Lagerfeuer am Strand von La Push vorbereiten.

„Was machst du da Paul?", rief Jacob und beobachtete skeptisch wie sein Kumpel, kaum dass sie genug Treibholz für die Feuer gesammelt hatten, am Strand einige große Steine aus dem weißen feinen Sand fischte und sie zur Seite warf. Dort nahm sie dann plötzlich der Jüngste im Rudel, Seth, und platzierte sie so, dass es aussah als hätte man ein kleines Areal von fünf mal fünf Metern abgesteckt und von möglichen Gefahren befreit. Wollten sie etwa Volleyball spielen?

„Na wie sieht's denn aus Jake. Ich mache die Arena bereit für den Kampf", erläuterte Paul grinsend.

„Das ist doch nicht dein Ernst. Hier wird nicht gekämpft. Denn dir ist schon klar, dass ich die Cullens eingeladen habe, um mit ihnen wichtige Dinge zu besprechen. Ich habe ihnen mein Wort gegeben, dass wir sie nicht angreifen. Hast du das nicht mitgekriegt?", fuhr Jacob seinen Kumpel verständnislos an.

„Mann bleib ruhig Jake. Niemand greift die Blutsauger an. Doch du musst zugeben, dass die Gelegenheit günstig ist, Mister Universum mal zu einem fairen, kleinen Ringkampf heraus zu fordern."

Jacob schüttelte den Kopf, als ihm klar wurde woher der Wind wehte. Paul würde wohl niemals erwachsen werden, wenn es um sein Ego und den ewigen Kampf mit Emmett Cullen ging. „Also ich bin raus, was das angeht. Und du solltest es auch irgendwann auf sich beruhen lassen. Emmett ist gar nicht so verkehrt. Und beeindrucken musst du auch niemanden mehr. Rachel kommt heute Abend auch zum Feuer und da du ja auf sie geprägt bist und sie dies auch akzeptiert hat, verstehe ich dich einfach nicht."

Paul grinste nur weiter und räumte den nächsten Stein weg. „Man kann ja noch träumen, oder Jake?" Dann schritt der Gestaltwandler noch einmal die Arena ab und befand alles für richtig. Jetzt fehlten nur noch die Zuschauer. Doch die würde wohl noch ein zwei Stunden brauchen.

„Sie sind spät dran", sagte Harry leicht besorgt zu Carlisle und schaute in Richtung Schotterweg, der vom Strand weg in Richtung Indianerdorf führte. Mittlerweile hatten sich irgendwie alle, die Interesse und keine Furcht vor den Cullens hatten, am Meer eingefunden. Wobei der Gryffindor besonders vom ersten Treffen der beiden Ältesten in ihrer Runde berührt worden war, Dumbledore altersmäßig mal außen vor gelassen. Harry dachte noch einmal zurück an vor einer halben Stunde und wie sein Professor mit Hermines Großmutter und Henry Granger zurückgekehrt war und wie die alte Dame und Old Quil sich minutenlang nur angestarrt und dann wie zwei frisch Verliebte ewig geküsst hatten.

Ein Lächeln schlich sich dabei auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie der jüngere Quil leicht gequält gesagte hatte: „Grandpa bitte, ihr seid nicht allein." Doch dies schien den beiden Älteren egal gewesen zu sein und Harry wurde klar, dass diese beiden, egal ob sie all die Jahre auch ein anderes Leben geführt hatten, sich immer noch liebten.

Minuten später dann hatte sich Catherin Granger zu ihrer Enkelin gesellt und diese fest umarmt. „Oh Hermine, mein kleines Rehlein, du hast ja gar keine Ahnung, wie leid es mir tut, dass du so viel durchmachen musst."

Hermine hielt ihr Großmutter fest und erwiderte: „Mach dir keine Sorgen Grandma, ich bin stark und hab schon anderes überstanden." Danach wurden auch die restlichen Stammesmitglieder der alten Dame vorgestellt und vor allem Quil war neugierig auf die große Liebe seines Opas.

Harry saß mit Jacob, Hermine und Jane etwas abseits und beobachtete die ganze Sache. Eine Menge Gedanken schossen ihm durch den Kopf und einer beschäftigte sich damit, wie sehr es doch an Hermines Großmutter genagt haben muss, ein solches Geheimnis vor ihrem Mann zu verstecken. Zu seiner Überraschung, erwiderte Henry, der sich geraden zu seiner Frau gesellt hatte und die Frage von Harry an Hermine gehört hatte: „Oh Harry da liegst du falsch. Mein Dad hat es gewusst, all die Jahre und er hat dies ebenso verborgen, wie meine Mum."

„Was?", riefen Jane und Hermine zeitgleich und Henry nickte. „Ja Jane, er hat es gewusst. Mum hat es mir vorhin erzählt. Sie hat gesagt, dass Henry es ihr auf dem Sterbebett gebeichtet hat, weil er nicht mit einem Geheimnis ins Grab gehen wollte."

„Oh mein Gott, Grandpa. Das ist ja furchtbar. All die Jahre zu wissen, dass …"

„Hermine", unterbrach Henry seine Tochter, die nun mit geweiteten Augen zu ihrer Großmutter schaute. „Das ist nicht furchtbar, sondern wahre Liebe. Cathrin hat gesagte, dass mein Vater es schon vor meiner Geburt gewusst hat. Er wusste, dass ich nicht von ihm sein konnte, weil es zeitlich nicht gepasst hätte. Ich wäre ein Siebenmonatskind gewesen, so seine Worte. Und dennoch er habe nichts gesagt, weil er wusste, wie schwer die Zeit für deine Großmutter damals gewesen war. All die Regeln, all die Traditionen und Verbote und dann die arrangierte Hochzeit durch ihre beiden Familien, die sehr auf ihren Stand in der Gesellschaft geachtete haben. All das war mit der heutigen Zeit nicht zu vergleichen. Im Gegensatz dazu hat Henry, mein Vater, Cathrin schon seit seiner Kindheit geliebt und verehrt und es war ihm egal, dass ich biologisch nicht von ihm war. Schließlich wusste dies keiner. Ich war sein Sohn und aus dieser Tatsache heraus sei seine Liebe zu deiner Großmutter noch stärker gewachsen und er habe jeden Tag etwas dafür getan, dass dies so blieb. Denn Liebe kommt nicht von ungefähr, sondern muss wachsen und gedeihen."

Hermine horchte bei den letzten Worten auf und erinnerte sich plötzlich an die Worte von Alice zurück. Auch sie hatte so etwas in Bezug auf Harry gesagt und langsam wurde ihr bewusst, dass diese Aussage über die Liebe wohl jede Menge Wahrheit in sich barg.

Kurz darauf wurden alle aber aus ihren Gedanken geholt, da ein für Harry bisher fremder Junge zum Strand gelaufen kam und rief: „Sie kommen!" Jared, wie Billy ihn nannte, atmete noch einige Male durch und deutete dann in Richtung Schotterweg, der vom Strand wegführte und über welchen jetzt Emmetts Jeep gefahren kam. An Bord waren Esme, Alice, Rosalie und jede Menge Dosen und Schüsseln.

Am Rande des Strandes dann angekommen, stiegen die vier Vampire schließlich aus und während Esme an Rosalie und Emmett Anweisungen gab, entging Alice diesen und kam schnellen Fußes auf Harry zu. Sie umarmte ihn, als hätten sie sich tagelang nicht gesehen und drückte ihrem Freund schließlich einen Kuss auf den Mund, der bei einigen der jüngeren Leute Pfiffe und Catcalls hervor rief.

Schließlich trennten sich Harry und Alice und als der Gryffindor sich umschaute, bemerkte er, dass es nun eine gewisse Spannung zwischen den zwei Parteien gab. Auf der einen Seite das Rudel des Stammes, welches sich zusammengefunden hatte und dann die Cullens abzüglich Carlisle und Alice, die ja schon zwischen Harry und den Grangers standen. Keiner schien so richtig zu wissen, was er sagen sollte und so war es Harry der das Eis brach indem er fragte: „Ähm Emmett, was sind das für Dosen und Schüsseln?"

Der bullige Vampir begann zu grinsen und erwiderte: „Na Harry was denkst du wohl? Essen natürlich. Du glaubst doch nicht, dass sich Esme diese Gelegenheit entgehen ließe."

„Emmett", fauchte Carlisles Gefährtin leicht peinlich berührt. Doch ihr Sohn setzte nach. „Kaum hatte Carlisle vorhin angerufen und es fielen die Worte Lagerfeuer und gemeinsames Treffen und Essen, da stieg der Stromverbrauch in der Küche schlagartig an. Und ich hatte noch Glück, denn ich musste nur schnell einkaufen, während Rosalie und Alice als Küchenhilfen rekrutiert wurden."

„Essen? Was für Essen?", fragte Jacob mit einer Mischung aus Unglaube und Neugier.

„Naja Jake, ich glaube es sind zwei Tonnen Pastete, Steaks und Puddings. Jedenfalls das, was ich hier buckle."

„Emmett Cullen, du bist unmöglich", hörte man Esme schimpfen. Doch dies ging eigentlich unter im Jubel der größtenteils jungen Stammesangehörigen, allen voran Seth, Quil und Jared, die ja während und in der Vorbereitung auf den Kampf mit Victoria schon einmal in den Genuss von Esmes Kochkünsten gekommen waren.

Harry hatte es zwar nicht so geplant, aber das Eis war gebrochen und das Buffet wurde aufgebaut. Dann begrüßten die Stammesältesten ihre Gäste noch einmal formal und man setzte sich erst einmal um das Lagerfeuer herum und begann zu reden. Harry und Hermine hörten den Alten zu und warteten schließlich bis Albus Dumbledore das Wort ergriff. Der alte Zauberer stellte zuerst einmal sich und ein wenig die Zaubererwelt vor und sprach schließlich den eigentlichen Grund für das heutige Treffen an.

„Wir haben uns also heute nun hier versammelt, um einige Dinge zu besprechen, die zwei oder besser vier junge Leute aus unserer Runde betreffen. Ich meine damit natürlich Ms. Granger und ihren Gefährten Jacob, aber auch Harry und Alice Cullen."

„Was meinen Sie damit, Professor Dumbledore?", fragte Quil und schaute dabei zu seinem besten Kumpel. „Was birgt denn Jacobs Zukunft?"

„Das liegt allein bei Mister Black, mein Junge. Obwohl er einige Entscheidungen treffen muss, was seine Zukunft mit Ms. Granger betrifft, denn für sie ist ein gewisser Weg vorgeschrieben, in anbetreff ihrer Herkunft und ihres Blutes."

„Ein Weg vorgeschrieben?", fuhr Hermine hoch und auch Harry hatte keine Ahnung worauf sein Mentor hinaus wollte. Er hoffte, dass es für seine beste Freundin nicht auch noch eine dämliche Prophezeiung gab. Etwas das Hermines Eltern auch zu beunruhigen schien und das ihre Gesichter auch zeigten.

„Ho ho, ich bitte um Verzeihung für meine Wortwahl Ms. Granger. Es ist vielleicht etwas unglücklich heraus gekommen. Natürlich steht Ihnen die Welt offen. Ich meinte lediglich Ihre schulische Ausbildung, die Sie nun wichtiger denn je abschließen müssen und wo ich hoffe, dass dies weiterhin in den Mauern von Hogwarts geschieht."

„Ich verstehe Professor", erwiderte Hermine um einiges ruhiger. „Allerdings klingt es mit Ihren Worten so, als wäre es ein Muss und als wenn ich nicht wieder nach Hogwarts zurückkehren wollte."

„Miss Granger, Sie sind scharfsinnig wie immer und vielleicht sollte ich Ihnen einiges in Bezug auf die Verfahrensweisen des britischen Ministeriums für Zauberei im Umgang mit seiner Jungend erklären", Dumbledore schaute dabei etwas in die Runde, so als wäre Hermine nicht die einzige die es betraf.- „Sie wissen Ms. Granger, das Ministerium sagte immer, alle Zauberer und Hexen haben die freie Wahl was ihre Ausbildung angeht. Doch dies ist schlicht und einfach nicht wahr. Der Minister kann es sich nicht leisten, eine magische Person ohne abgeschlossene Ausbildung durch das Land laufen zu lassen. Es besteht also eine Schulpflicht mit drastischen Konsequenzen, sollte man dieser nicht nachkommen."

„Konsequenzen?", fragte Henry Granger und war sich sicher, ihm würde die Antwort auf seine Frage nicht gefallen.

„Magieblockaden und Gedächtnismanipulationen", erwidert der alte Zauberer. „ Es waren früher gängige Praktiken und sie sind es heute noch, obwohl eher selten angewandt, da kaum einer Hogwarts missen möchte."

„Das heißt, sie nehmen einem die Erinnerungen an sein Leben, wenn man nicht in die Schule will? Das ist ja unmenschlich", brauste Jane Granger auf und musste von ihrem Mann gehalten werden. Und sie war nicht die einzige mit dieser Meinung. Nein, auch viele Angehörigen des Stammes schüttelten ihren Kopf.

„So ist es Mrs. Granger. Wobei dies bei Hermine nicht so einfach sein sollte."

„Wieso Professor?"

„Nun weil wir nach dem Wissen der letzten Stunden wissen, dass in Ihrer Tochter eine weit tiefere, ältere Magie schlummert, die man mit keinen Block einsperren kann. Hermine muss weiter studieren und ihren Abschluss machen. Und mein Wunsch wäre es, wenn sie dies in Hogwarts tut."

Alle schauten den alten Zauberer mit großen Augen an und versuchten das Gehörte zu verstehen. Harry hatte dabei seinen Arm um Alice gelegt, während seine andere Hand die von Hermine hielt als Zeichen, dass er für sie da war.

„Professor, bei all dem eben gesagten habe ich jetzt aber eine Frage. Und zwar betrifft es die Art und Weise, wie Sie schon zweimal betont haben, es würde Sie freuen, wenn ich weiter nach Hogwarts ginge. Glauben Sie wirklich ich würde die Schule verlassen?"

Albus Dumbledore schaute seine Schülerin an und etwas verlegen nickte er. „Nun ja Miss Granger, ich habe diese Befürchtung gehabt, nachdem ich so einige Dinge im Ministerium gehört habe und nachdem was im letzten Schuljahr so in Hogwarts geschehen ist."

„Dinge gehört? Im Ministerium? Was haben Sie gehört, Professor?", hakte Hermine nach und bekam von Albus die Gegenfrage: „Dann haben Sie sich also nicht in Salem beworben?"

Hermines Augen wurden im nächsten Moment immer größer. „Oh? Ooohhh Professor das. Also ich … ich …"

„Hermine, was meint der Professor damit?", fragte jetzt nicht nur Harry, sondern auch Henry Granger.

„Ach das … das war doch nur eine Idee von mir, als … als Professor Umbridge anfing den Unterricht und die Schule immer weiter kaputt zu machen. Ich hatte Angst, dass sie unsere ganzen schulischen Leitungen schmälert und da habe ich mich informiert, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, die Ausbildung zu beenden, außer Durmstrang und der Schule vom Madame Maxime. Ich hatte nie vor zu wechseln."

Das Lächeln in Dumbledores Gesicht kehrte zurück und er meinte, dass er Hermine verstand und froh war, dass sich die Sache geklärt hatte. Allerdings machte der alte und weise Zauberer im nächsten Moment einen schwerwiegenden Fehler und zog etwas aus seiner Tasche. Er hielt es in Richtung Hermine und meinte, dass wenn sie nun doch nach Hogwarts zurückkehren würde, dass er ihr dann dies hier noch überreichen müsse. Was folgte war ein Schrei, der alle schon schlafenden Vögel der Umgebung panische in die Nacht hinein fliehen ließ.