Kapitel 31

Konnte ein ganzer Kontinent einen Tinnitus bekommen? Ein ganzes Land? Oder aber auch nur eine Stadt? Harry hatte darauf keine Antwort. Alles was er wusste war, dass zumindest alle im Umkreis von Hermine Granger einen hatten. Harry klingelten die Ohren immer noch, nachdem er den entsetzten Schrei, ein lautes „Iieeckk", vernommen hatte und er war froh, dass seine beste Freundin nun schwieg, auch wenn dies bedeutete, dass Hermine nur völlig starr dastand und auf den Umschlag in ihren zitternden Händen blickte.

Was war mit ihr und was war das für ein Brief, der Hermine in Panik versetzte? Ein jeder in der Runde schien sich das zu fragen und erst Albus Dumbledore schien seinem Schützling einen Anhaltspunkt zu liefern, als er Harry einen weiteren Brief entgegen hielt mit den Worten: „Hier Harry, der dürfte für dich sein mit den besten Empfehlungen von meiner alten Freundin Griselda Marchbanks."

Harry starrte zuerst den Professor und dann seinen Brief an. „Heißt das … sind das meine … meine ZAGs?"

Dumbledore nickte und sah sich danach einer Menge fragender Blicke gegenüber. Es brauchte also einiger Erklärungen für diejenigen welche nicht in Welt der Magie eingeweiht waren und so sagte der alte Zauberer: „Es sind Prüfungsergebnisse, Zauberergrade, die jede Hexe und jeder Zauberer am Ende seines fünften Hogwartsjahres ablegen muss. Sie zeigen dem jeweiligen Schüler wie gut oder wie schlecht er nach fünf Jahren Schule ist. Eine Zwischenprüfung wenn man so will."

„Aber warum ist meine Freundin dann so entsetzt über den Brief? Wenn es doch nur eine Zwischenprüfung ist?", fragte Jacob und schaute zu Hermines Eltern. Er war sich doch sicher, dass nach all dem was er über sie gehört hatte, Hermine eine der besten Schülerinnen war.

„Weil ich bestimmt alles versaut habe. Ich weiß mit Sicherheit, dass ich bei mindestens vier Fragen nicht alle Antworten gegeben habe und dass …", schluchzte Hermine und sah betroffen zu Boden. Harry konnte nicht anders und begann zu lachen, lauthals zu lachen und jetzt zeigte auch sein alter Mentor eine Regung des Amüsements. Ein breites Lächeln zeichnete sich unter seinem Bart ab, während es sagte: „Also um das genau zu wissen, müssen sie den Brief schon öffnet, Ms. Granger. Doch glauben Sie mir, wenn ich Ihnen versichere, dass Sie bestimmt weitaus besser abgeschnitten haben dürften, als ich dies in Ihrem Alter getan habe."

„Sie Professor? Aber Mrs. Marchbanks hat uns doch während unserer Prüfung so von Ihnen vorschwärmt", warf Harry ein und Dumbledore lächelte noch breiter. „Natürlich macht sie das, Harry. Nur dir ist schon klar, dass Griselda weitaus jünger ist als ich und sie wohl kaum meine ZAGs geprüft haben kann."

Harry überlegte und ihm wurde bewusst, dass der Professor recht hatte. Außerdem untermauerte Albus seine Aussage indem er meine, dass er gerade mal sieben ZAGs geschaffte habe, wobei er damit noch im oberen Drittel der damaligen Prüflinge lag. Er selbst habe erst in den beiden letzte Jahren in Hogwarts sich wirklich ernsthaft mit dem Studium beschäftig. Eine Tatsache, die sich dann auch in seinem Abschluss wiedergespiegelt hat. Ein Abschluss von dem jeder sprach, für den man ihm eine gewisse Brillanz zusprach und der ihm später viele Türen geöffnet hatte.

„Ihr seht also, man sollte die ZAGs nicht zu hoch bewerten, wenn ich einfach mal zu überheblich sein darf. Nichtsdestotrotz solltet ihr eure Briefe aber öffnen. Glaubt mir es befreit und keiner von euch beiden sollte Angst haben."

Harry nickte und riss seinen Umschlag auf. Er nahm das Pergament heraus und las, was darauf stand in Ruhe durch. Hermine brauchte noch einige Moment bevor sie soweit war, doch dann tat sie es ihrem besten Freund nach und ein „Oh mein Gott" entkam ihrer Lippen.

„Und?", fragte Jane Granger ihre Tochter gespannt, während diese ihren Arm samt Brief sinken ließ. Etwas, dass die beiden Zahnärzte besorgt werden ließ.

„Ich … ich habe … habe … zwölf … zwölf ZAGs … volle Punktzahl." Im nächsten Moment brachen bei ihr alle Dämme und sie stürzte sich auf Jacob und begann ihn stürmisch zu küssen. Etwas mit dem sowohl der Indianerjunge als auch alle anderen in der Runde wohl nicht gerechnet hatten, denn sie fielen durch die Wucht Hermines beide in den Sand und blieben liegen.

„Wow volle Punktzahl", sagte Emmett und betrachtete das Paar im Sand. Dann ging sein Blick zu Henry Granger und mit einem Grinsen meinte er: „Na da geht doch heute Nacht noch was."

Alle, die einen mehr, die anderen weniger überrascht, starrten den bulligen Vampir an und die Jungend grinste, während Hermine und Jacob Emmett knallrot anschauten. Allerdings war dieser in bester Laune, schien Blut geleckt zu haben und so suchte er sich ein neues Opfer. Denn schließlich hieß es auf der Hut sein, hatte Jacob ein ganzes Rudel als Verstärkung mit, sollte er diesen weiter striezen. Sein Blick blieb daher an Harry hängen und wie dieser seinen Brief nachdenklich in den Hände hielt.

„Was los Harry? Nicht so viel Glück? Prüfung verhauen? Bleibt's heute Nacht beim Handbetrieb?" Und noch bevor Alice ihren Freund vor Emmett und seinen dämlich Sprüchen retten konnte, geschah etwas, dass sich bei allen in die Gedächtnisse einbrennen würde. Denn mit dieser Reaktion des jungen Zauberers hatte wohl niemand gerechnet, zumal es alles rasend schnell ging. Plötzlich begann die Luft um einige Grad wärmer zu werden, sie fing an zu knistern als wäre sie voller Elektrizität und es ballte sich eine Unmenge von Magie unter Harrys rechter Hand. Seine Augen begannen dabei zu leuchten und das Nächste was man sah war ein entsetzt blickender Vampir, ein gelbes, gleisendes Licht und wie Emmett plötzlich abging wie eine Rakete und im weiten Bogen aufs Meer hinausschoss.

Alle waren entsetzt, zumal keiner außer vielleicht Dumbledore oder Hermine je eine derart konzentrierte Ansammlung von Magie gesehen hatte. Kleine Zauber ja, aber das nicht. Und genauso schnell wie die Magie gekommen war, verschwand sie wieder und ließ einen zitternden Harry zurück. Er starrte auf die Stelle wo eben noch Emmett gestanden war und leise formten seine Lippen die Worte: „Was habe ich getan?"

„Harry? Harry ist alles in Ordnung?", rief Hermine panisch und begann ihren besten Freund aus seiner Starre zu rütteln.

„Oh mein Gott. Was habe ich getan?", schrie Harry jetzt förmlich, drehte sich um und rannte sein rechtes Bein leicht hinterher ziehend zum Meer und in es hinein. „Ich muss ihn retten", setzte er nach und war fast schon bis zum Bauch in den Fluten, als ihn zwei Arme umschlagen und hinderten weiter ins Wasser zu gehen.

„Harry beruhige dich. Ihm ist nichts passiert. Hörst du, Harry? Emmett geht es gut. Ich kann ihn von hieraus sehen. Er ist eben wieder aufgetaucht und glaub' mir, der Idiot schwimmt da hinten und lacht sich halb kaputt. Er will sogar noch mal fliegen." Alice hatte ihren Freund erreicht und zog ihn zurück an Land wo die anderen immer noch mehr oder weniger verunsichert waren, wie sie Harry nun begegnen sollten. Und vor allen warum er so drastisch auf Emmetts Joke reagiert hatte. Jacob hatte seinen Kumpel ja schon erzählt, dass Emmett Harry gern auf die Schippe nahm. Aber das? Sollte man vor dem Jungen jetzt Angst haben?

Am Ufer angekommen, wurde es Harry erst so richtig bewusst, was er getan hatte. Wie sollte er den anderen nur wieder unter die Augen treten? Was dachten die Cullen jetzt nur von ihm? Oder die Grangers? Oder der ganze Stamm? Harry schaffte es nicht aufzublicken und bekam dadurch nicht mit, wie Hermine seinen Brief aufhob und las.

„Oh Harry", flüsterte sie und zog damit die Aufmerksamkeit von Carlisle und Albus Dumbledore auf sich.

„So schlimm?", fragte der blonde Vampir, der ja eigentlich so rein gar nichts über Harrys Schulleben und seine dortigen Leistungen wusste.

„Ähm eigentlich nicht, Carlisle. Harry hat allein acht ZAGs regulär aufgrund seiner belegten Fächer in Hogwarts und zwei zusätzliche für sein Wissen in VggdK und dafür, dass er einen gestaltlichen Patronus beschwören kann. Das einzige Fach außer Astronomie und Wahrsagen und Geschichte, hinter dem kein O steht ist Zaubertränke. Doch das ist ja auch nicht anders zu erwarten, wenn man den Lehrer für dieses Fach und sein Verhältnis zu uns Gryffindors beziehungsweise Harry kennt."

„Was meinen sie damit, Ms. Granger? Laut meinem Wissen nach war Professor Snape sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Verraten sie ihm aber nicht, dass ich das erzählt habe", fragte Dumbledore. „Und ein E ist doch ein sehr gutes Ergebnis für so ein schwieriges Fach wie Zaubertränke."

„Das mag sein Professor, doch das genau ist Harrys Problem. Ein E reicht nicht um weiter am Unterricht teilzunehmen. Professor Snape hat uns gewarnt, dass keiner in den Fortgeschrittenenkurs kommt, der nicht mindestens ein O erreicht. Und damit sind Harry Bemühungen alle umsonst gewesen. Wissen sie wie schwer wir drei zusammen gebüffelt haben, trotz des ganzen Stress mit Professor Umbridge. Er kann damit seinen Wunsch Auror zu werden begraben. Kein Wunder also, dass er ein Ventil brauchte. Emmett hat ihn wirklich auf dem falschen Fuß erwischt."

„Oh daher weht der Wind", erwiderte Dumbledore und schaute nachdenklich in Richtung Harry, der mittlerweile wieder aus dem Wasser heraus war. Der alte Zauberer löste sich von der Gruppe und kam seinem Schützling entgegen. „Harry…", wollte er sagen, doch dieser unterbrach ihn. „Professor, es tut mir leid. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist."

„Schon gut Harry. Ms. Granger hat mir die Sache mit dem E in Zaubertränke erklärt und ich glaube, ich habe da eine gute Nachricht. Doch bevor wir dazu kommen, sollten wir uns um deine nassen Sachen kümmern." Damit zückte der alte Zauberer seinen Stab und richtete ihn auf Harrys pitschnasse Klamotten. Den Trocknungszauber schaffte Dumbledore dann aber nicht mehr, denn eine laute Stimme schallte vom Wasser her.

„Harry Potter so leicht kommst du mir damit nicht davon. Das war meine Lieblingsjeans." Und bevor irgendeiner, ja selbst Dumbledore reagieren konnte, war Emmett bis auf fünf Meter an die kleine Gruppe heran gekommen, seine Augen waren fast schwarz und als er den Zauberstab in Dumbledores Hand sah, streckte seine eigene blitzschnell aus und rief: „Accio Zauberstab."

Das allein war schon verrückt es zu versuchen. Wer wusste schon, wie einer der weltweit besten Duellanten auf diesen Angriff reagieren würde. Doch das Entsetzen in den Augen aller wurde noch größer, ja sogar bei Dumbledore selbst, als Emmett mit seinem Tun Erfolg hatte, nun den Stab auf Harry richtete und schließlich laut und deutlich sagte: „Aquamenti!"

Die Wucht des Wassers war enorm und Harry verschluckte sich höllisch, da er vor lauter Überraschung vergaß seinen Mund zu schließen. Das Husten war bestimmt noch hundert Meter zu hören, auch geschuldet der Tatsache, dass alle fassungslos zwischen dem Gryffindor und dem bulligen Vampir hin und her schauten. Letzter schien aber mit Harrys völlig durchnässtem Zustand zufrieden zu sein und grinste im nächsten Moment. Er drehte sich in Richtung Dumbledore und nachdem er in Cowboymanier den Zauberstab wie einen Colt kurz um seinen Zeigefinger hatte kreisen lassen, gab er ihn dem alten Zauberer: „Mit besten Dank zurück, Professor. Für den Wasserspruch reichts bei mir leider noch nicht ohne Hilfe, geschweige denn, dass ich einen anderen kenne."

Dumbledores Miene schien immer noch versteinert zu sein und Harry, der sich mittlerweile das Wasser aus dem Gesicht gewischt hatte bemerkte dies. Sein Blick ging dann in Richtung der Hand des Professors, in welcher er nun den Stab hielt und schließlich zurück zu den azurblauen Augen seines Mentors. Diese fingen an zu leuchten und das für Dumbledore so typische Funkeln kehrte zurück. Es schien so als wäre der alte Zauberer erleichtert und nur Augenblicke später machte dieser dann schließlich das, was er vor einigen Augenblicken noch vorgehabt hatte. Er schwang kurz den Stab und Harry spürte wie sämtliche Nässe von seinen Körper wich.

„Besser, Harry?", fragte Dumbledore und Harry nickte dankbar. Dann wurde der Zauberer auch noch bei Emmett und Alice ausgeführt und während er dies tat, sagte Dumbledore: „Also wie schon vorhin gesagte, solltest du dir um deine weitere Teilnahme an Zaubertränke keine Sorgen machen. Ich glaub ich habe da eine Lösung."

„Wirklich Professor?", fragte Harry hoffnungsvoll und sein Mentor nickte: „Ja Harry. Aber lass dich überraschen. Wir haben jetzt noch wichtigere Dinge zu bereden."

Damit bedeutete Dumbledore, dass es Zeit war sich wieder ans Lagerfeuer zu setzten und er erklärte, während man sich all die von Esme und auch Sue und Emily zubereiteten Köstlichkeiten schmecken ließ, wie er sich die Zukunft von Hermine und Harry vorstellte, jedenfalls für die nächsten beiden Jahre.

Harry hörte ihm dabei zu, sein Blick lag jedoch mehr auf Billy und Carlisle, als die jeweiligen Väter derer Personen, die es ja eigentlich auch betraf. Wie würde Billy reagieren? Oder Carlisle? Wobei dieser nicht wirklich Einfluss auf Alice ausüben würde. Schließlich war Alice ja eigenständig genug.

„…also wie schon gesagt, Harry und Hermine müssen unbedingt ihre Schule fortführen. Wobei ich ganz stark die Hoffnung hege, dass dies in Hogwarts geschieht."

„Aber ich gehe nicht allein", rief Harry plötzlich mit Entschlossenheit. „Ich liebe Alice und werde sie nicht verla…"

„Harry … ich war noch nicht fertig. Ich habe dir doch in unserem Gespräch nach deinem Besuch im Ministerium gesagt, dass alles was ich will ist, dass du eine halbwegs normale Jungend hast. Etwas, mit dem ich bisher leider nicht ganz so viel Erfolg hatte. Und daher …", er wandte sich nun an Carlisle, „ … stimme ich Ihnen zu Dr. Cullen."

„Mir?", fragte das Familienoberhaupt der Cullens überrascht. Obwohl er hoffte, dass es nicht das war, was er befürchtete. Carlisle hatte in den letzten Augenblicken wieder das Gefühl gehabt, er würde durchleuchtet werden. Und als ihm in den Sinn kam, was er zuletzt gedacht hatte, da fürchtete er nun um die Reaktion des alten Zauberers.

„Ja Dr. Cullen, ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Wir haben uns nie darüber unterhalten, was Sie als Gegenleistung für die aufopferungsvolle Pflege von Harry bekommen sollen."

„Oh", entfuhr es mehreren Personen in der Runde, da die meisten Carlisle als die Selbstlosigkeit in Persona kannten.

„Professor, es ist nicht fair, die Gedanken anderer zu lesen", versuchte sich Carlisle zu verteidigen, doch der alte Zauberer ging gar nicht darauf ein. Er würde sich nie anmaßen den Arzt für seine Gedanken zu verurteilen. Denn im Grunde hatte Carlisle ja Recht. Dumbledore selbst hatte an das Gute im Herzen des Vampirs appelliert und dessen starkes Mitgefühl ein wenig ausgenutzt, nachdem er ihm bei ihrer ersten Begegnung auf den Zahn gefühlt hatte. Allerdings stellten ihn die jetzigen Gedanken des blonden Vampirs vor eine neue Aufgabe. Etwas, das einer schnellen Entscheidung bedurfte und für die man den alten Zauberer wohl einmal mehr als nur für verrückt erklären würde. Doch sie waren auch im Krieg mit Voldemort und nachdem dessen Rückkehr nun als offiziell galt und man erkannt hatte, dass sehr sehr viele Menschen Dumbledore und Harry Unrecht getan hatten. Nun ja, sagen wir es mal so. Albus Dumbledore hatte einmal mehr ein gewisses Polster an Freiräumen und Cornelius Fugde zögerte seine Entscheidungen zu hinterfragen. Aus diesen Grunde begann Harrys Mentor auch leicht zu lächeln und sagte: „Und aus diesem Grunde denke ich, dass Ihr Wunsch gerechtfertigt ist."

„Wunsch? Was für ein Wunsch, Carlisle?", fragte Esme.

„Nun Mrs. Cullen", erwiderte Albus erklärend, „es geht in der Idee Ihres Mannes um die Zukunft Ihrer Kinder. Obwohl es natürlich bei jedem selbst liegt, ob er diese Zukunft wählt. Im Großen und Ganzen jedoch läuft es darauf hinaus, ob es möglich ist, dass Alice, Rosalie und Emmett Harry begleiten können, wenn er nach Hogwarts zurückkehrt."

„Oh", riefen die drei betroffenen Vampire überrascht, gefolgt von einem eher niedergeschlagenem „oooh" seitens Jacobs.

„Das Gleiche gilt natürlich auch für Sie Mister Black", fügte Dumbledore rasch hinzu und die Augen des Werwolfs begannen zu leuchten.

„Oh man, wie geil ist das denn? Ich und zaubern." Emmett fand als erster die Sprache wieder und musste sich natürlich von Esme für seine Ausdrucksweise rügen lassen.

„Nun Mister Cullen, ob es geil ist, wie sie so schön sagen. Nun das weiß ich nicht. Allerdings sehe ich bei Ihnen eine gewisse Notwendigkeit in Sachen magischer Schule. Denn jetzt, da Sie um unsere Welt wissen, sollten Sie diese auch kennen lernen, um nicht ihrer Gefahren zu erliegen. Glauben Sie mir Mister Cullen, ein Vampir zu sein, macht sie in der Welt der Muggel vielleicht zu etwas, mit dem diese nicht umgehen können. Doch wir Zauberer und Hexen haben unsere Mittel und Wege um ihre Vorteile in Nachteile zu verwandeln."

„Oh wirklich?", fragte Emmett auf einer Wolke der Euphorie getragen und daher herausfordernd. Doch allein das erhabene Gesicht des alten Zauberers und wie er über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg schaute, ließ es dem sonst so taffen Vampir einen sonderbaren Schauder über den Rücken laufen.

„Doch das soll keine Drohung sein, Mister Cullen, sondern eher eine Warnung. Denn nicht alle Zauberer sind gut, so wie nicht alle Vampire böse sind. Es gibt immer Menschen aus beiden Lagern. Und um genau diesen richtig zu begegnen, geht man schließlich in eine Schule wie Hogwarts und lernt."

„Aber was würde dies kosten?", fragte nun Billy, wobei er nicht einmal darauf einging, ob sein Sohn überhaupt das Reservat verlassen würde. Für den alten Indianer schien klar zu sein, dass es so kam und auch wenn er es niemals laut sagen würde, so war Billy Black froh, wenn sein Sohn die Welt kennen lernte. Denn wenn man ehrlich war, gab es in La Push nicht viel außer Traditionen und Billy würde alles tun, damit sein Junge hier nicht fest saß.

„Nun ja, es gibt da einen gewissen Satz an Lehrgeld, welches die Familien…"

„Mach dir keine Sorgen Jacob", unter brach Harry seinen Mentor. „Meine Eltern und auch Sirius haben mir eine Menge Geld hinterlassen und wenn du willst, dann …"

„Ich will keine Almosen", sagte Jacob resolut und bedachte Harry mit einem stolzen Blick. Etwas das diesen leicht zurückweichen ließ. Denn so hatte Harry dies auch nicht gemeint. Er hatte nur daran gedacht, dass Jacob und Hermine weiter zusammen bleiben konnten. Aber vielleicht war es etwas falsch herüber gekommen.

„Nun Mister Black und auch ihr anderen. Ich war mit meinem Satz noch nicht fertig gewesen. Denn ich wollte eigentlich sagen, dass diese Familien, meist sind es alte ehrwürdige Zaubererfamilien, dieses Lehrgeld freiwillig geben als Danke und Stolz und Verbundenheit zu Hogwarts."

„Wirklich?", fragte Harry überrascht und Dumbledore nickte: „Ja Harry, Hogwarts finanziert sich weitestgehend selbst und dies schon seit seiner Gründung. Früher gab es da so etwas wie den Zehnt, welchen die Bauern und Bergleute um das Schloss Hogwarts herum an ihren Lehnsherren, in Hogwarts Fall die Familie Gryffindor zahlen musste. Doch in den späteren Zeiten und bis heute hin, kommt das Geld der Schule weitestgehend aus Beteiligungen an Firmen und Projekten in beiden Welten, sowohl der magischen als auch der Welt der Muggel."

„Beteiligungen? Beide Welten? Die Muggelwelt?", rief Henry Granger überrascht und Dumbledore nickte: „Ja Doktor Granger. Aber nicht wie Sie denken. Es wird keine Magie angewandt im Sinne davon, dass wir uns vielleicht in die Finanzwelt einmischen oder durch Zauberei unsere Geheimhaltung gefährden. Nein, bei einer Vielzahl handelt es sich bei unseren Beteiligungen um Projekte aus dem Bereich der Tränke und der Medizin. Ein Bereich, dem man zwar Wunder zuspricht, doch der am wenigsten die magische Welt verraten würde. Viele Söhne einiger auch in der nichtmagischen Welt sehr bekannter Familien wollten schon in früheren Zeiten ihr Wissen und ihre Begabung in diesem Gebiet nutzen und in die Wirtschaft gehen. Wobei dies aufgrund unserer Traditionen in der Muggelwelt weit einfacher ist."

„Das heißt einige Zauberer mischen in der Pharmaindustrie mit?", hakte Jane Granger nach.

„Das ist richtig, Doktor Granger. Obwohl einige vielleicht etwas untertrieben ist. Wenngleich man nicht immer ihr Namen kennt und weiß, dass sie Zauberer sind. So wie bei einem meiner ersten Schüler, den ich als junger Lehrer für Verwandlungen unterrichten durfte. Er war ein Nachkomme des Hauses Bayer in Deutschland."

Dumbledore sah vielsagend in Richtung der drei Mediziner und schien deren erstaunte Gesichter sichtlich zu genießen und glaubte noch einen draufsetzen zu können, indem er mit amüsiertem Ton sagte: „Oh Ja. Während ein anderer Schüler unterdes, übrigens ein ehemaliger Klassenkamerad eures jetzigen Professors für Zaubertränke, seine Ergebnisse eines von ihm in der Schule eigentlich vermasselten Herzstärkungstrankes weiterentwickelt hat und ist jetzt leitender Mitarbeiter in der Forschungsabteilung eines Konzerns, der vor über hundert Jahren von einem Mann namens Karl Pfizer gegründet wurde."

Die Erkenntnis und das wissendes Grinsen im Gesicht von Doktor Granger ließ den alten Zauberer breit schmunzeln. Hermines Vater wusste also worauf Dumbledore abzielte und erwiderte diabolisch lächelnd: „Und von ihm bekommen sie jedes Jahr eine schöne Stange Geld?"

Dumbledores Gesicht veränderte sich nun in einer Art und Weise, wie es Harry wohl kaum für möglich gehalten hatte. Denn zum ersten Male glaubte er so etwas wie ein schelmisches Grinsen bei seinem Mentor zu entdecken, kein Lächeln oder Funkeln in den Augen sondern ein wirkliches Grinsen. Dann nickte er auch noch und erwiderte: „Richtig Doktor Granger. Besonders durch Hogwarts Beteiligungen am Unternehmen dieses Ehemaligen zeigt die Bilanz der Schule steil nach oben …"

„Etwas, was man ja nicht verachten sollte, oder Professor?", erwiderte Henry nun und fügte nachdenklich hinzu: „Und sollte Hogwarts jemals seine eigenen Galleonen prägen, wären die bestimmt eine sehr harte Währung. Meinen sie nicht?"

„Henry?", meldete sich Jane Granger zu Wort, der es allmählich zu weit ging. Aber ihr Mann hört nicht, genauso wenig wie Albus Dumbledore. Sie beide schienen in einem Wettstreit um immer anzüglicherer Umschreibungen.

„Henry … Professor … Jungs, es reicht. Ich denke alle, die wissen was Pfilzer herstellt, haben es verstanden."

Die beiden zuckten zusammen und Harrys Mentor schien etwas verlegen. Er blickte in die Runde und versuchte die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Ein Räuspern sollte ihm wohl dabei helfen, gefolgt von Worten in einem eher lehrerhaften Ton. „Sie sehen also, Hogwarts mag zwar ein altes Schloss sein, doch auch wir gehen mit der Zeit, anders als vielleicht uns Ministerium und Teile seiner Mitarbeiter. Die Schule ist gut konstituiert, was auch einen Grund darstellt, warum das Ministerium im letzten Schuljahr mittels einer seiner Mitarbeiterinnen versuchte hat die Oberhand in Hogwarts zu erlangen."

„Umbrigde", knurrte nun Harry, obwohl ihm eigentlich die Frage nach dem ominösen Produkt auf der Zunge lag, und alle anderen, die ein wenig über Hintergrundwissen verfügten und wussten, warum sich die beiden Männer über ihrer Wortspiele so feierten, schauten ihn verwundert an.

„Richtig Harry, Dolores Umbrigde. Doch dies ist nun vorbei und soweit ich weiß, wird es für sie in nächster Zeit noch um einiges schwerer. Denn einige Eltern laufen im Ministerium Sturm, nachdem ihnen ihre Kinder die Überbleibsel ihrer Strafarbeiten gezeigt haben. Etwas für dass ich mich zu Beginn des neuen Schuljahres noch persönlich entschuldigen werde. Ich hätte es niemals soweit kommen lassen dürfen."

Dabei blickte Dumbledore auf Harrys Hand, über die der Junge gerade strich, so als spürte er die Blutfeder einmal mehr. Doch Harrys Freude war dort nichts mehr. Kein „Ich soll nicht lügen" war in seine Haut geritzt. Denn dafür hatten seine Heilbäder gesorgt.

Harry in seinen Gedanken lassend wandte sich Dumbledore schließlich an Jacob und sagte: „Du siehst also, es sind keine Almosen. Vielmehr bietet Hogwarts sowohl dir als auch den Kindern von Dr. Cullen so etwas wie ein Stipendium an. Wobei ich euch eher als Gäste der Schule sehe, die etwas über unsere Welt kennen lernen wollen und vielleicht den einen oder anderen Zauberspruch."

Mit dieser Erklärung schaute Dumbledore vor allem in Richtung Emmett, was diesen zum Grinsen brachte und danach wurden so ziemlich alle Themen und Fragen in der Runde um das Lagerfeuer diskutiert. Eine Runde, die Harry genoss und in die er sich mit einigen Geschichten auch einbrachte. Irgendwie fühlte er sich hier geborgen und wurde nur etwas unruhig, als er beim Zuhören und Beobachten der anderen bemerkte, dass Emily, Sams Freundin, immer mal wieder in Richtung der Vampire, insbesondere Esme schaute und diese mit einem sonderbaren Blick bedachte. Es sah für Harry so aus, als würde die Indianerfrau etwas beschäftigen. Doch was es war, darauf hatte Harry keine Antwort und dann wurde er auch schon wieder etwas gefragt und er wandte sich an Billy …