Ich wünsch euch ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch
Euer Mister Figgs
Kapitel 32
„Komm schon, du Pussy. Wer weiß wann du es wieder einmal machen kannst?", rief Seth mit leicht quengelnder Stimme und spritzte eine gewaltige Menge Meereswasser über die kleine in der Sonne sitzende Gruppe bestehend aus Harry, Hermine und Leah, die zusammen mit Jacob und seiner älteren Schwester Rachel am Strand von La Push saßen und den letzten gemeinsamen Tag verbrachten.
Morgen, schon ziemlich zeitig sollte es losgehen, würde ihre kleine Reise beginnen, die Hermine und Harry zurück und Jacob und die Hälfte der Familie Cullen in eine für sie völlig neue Welt führte. Aus diesem Grunde war Harry in diesem Moment hier auch ohne seine Liebste hier am Strand. Denn obwohl Alice von Billy auch weiterhin die Erlaubnis besaß hierher zu kommen, wenn sie in Begleitung von Hermine oder Harry war, fehlte sie heute. Carlisle hatte seine Kinder, sprich Alice und Edward für vier und Emmett und Rosalie für zwei Tage bis hinauf nach Alaska zum Denaliclan auf die Jagd geschickt, um ihre Reserven für ihre Reise nach England und nach Hogwarts aufzufüllen und um sich von ihren Freunden dort in den kalten Gefilden zu verabschieden.
„Nerv nicht, Seth", knurrte Jacob und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. „Ich habe dir gesagt, ich springe heute noch von den Klippen und du weißt ich halte mein Wort." Doch vorerst genoss der Indianerjunge die sanften Streicheleinheiten, die ihm seine Freundin zukommen ließ, während Hermine sich nebenher mit den anderen beiden Mädchen unterhielt. Besonders mit Leah konnte man reden, wenn mal zu ihr durchgedrungen war und was Rachel anging, so hatte Hermine in ihr so etwas wie eine Verbündete gefunden, war doch Paul auf sie geprägt worden. Und da dieser wohl noch um eine Spur hitzköpfiger war als Jacob, und weil sie Jacobs ältere Schwester war, konnte sie Hermine wohl am ehesten ein paar Tipps geben.
Und so verstrich die Zeit und die Sonne fing an den Sand und die Luft immer weiter zu erwärmen, eine Tatsache, die bei den Mädels den Wunsch aufkommen ließ, sich etwas abzukühlen. Etwas, das Harry auch gern getan hätte, doch Carlisle hatte ihn gebeten, dies zu unterlassen. Irgendwie vertrug sich das salzige Wasser nicht mit Harrys Heilbädern. Ein Effekt, der sich schon kurz nach dem großen Treffen, wie Seth und Jacob das erste gemeinsame Lagerfeuer der Vampire und der Werwölfe vor ein paar Tagen jetzt nannten, eingestellt hatte. Zuerst hatte Harry geglaubt, er hätte sich nur etwas überanstrengt. Doch schon einen Tag nachdem er ins Meer gerannte war um Emmett nach seinem Wutausbruch zu retten, fühlte Harry wie seine Gelenke im Fuß und im Beckenbereich wieder mehr schmerzten und die neue Haut runzliger und trockener als gewöhnlich geworden war.
Sorgenvoll hatte Carlisle dies beobachtete und sich sofort mit Professor Snape in Verbindung gesetzt. Dumbledore hatte hierfür einen Zauber über das Haus der Cullens gelegt, der es Carlisle in der Zukunft ermöglichen sollte, eine Eule zu sich zu rufen, falls er Post an seine Kinder senden wollte. Die Antwort auf seinen ersten selbstverschickten Brief kam drei Tage später und er bestätigte Carlisles Befürchtungen. Harrys Heiltrank und das Meersalz vertrugen sich nicht. Das Salz wirkte der Regenration entgegen, neutralisierte die Schmerzlinderung und trocknete die Haut aus. Harry konnte wohl erst wieder im Meer baden, wenn er vollends genesen war und somit schaute er ein wenig wehmütig in Richtung Wasser. Wehmut, die jedoch wenige Augenblicke später verschwunden sein sollte, gewichen einem Gefühl, welches Harry doch so vehement versuchte abzulegen … nämlich Scham.
Erster Auslöser dafür war Rachel Black, eine in den Augen vieler Männer mehr als nur attraktiven jungen Frau, welche sämtliche black´schen Eigenschaften vereinte. Ihr Körper war sportlich, wohlproportioniert, die Haut sonnengebräunt und ihre schwarzen Haare reichten so weit nach unten, dass wenn Rachel ein Arschgeweih gehabt hätte, dieses Tier einen Pony besäße.
Und eben diese Schönheit schien sich ihrer Reize bewusst und geizte nicht als sie ihr T-Shirt und ihre wild abgeschnittene Jeanshose auszog und nun im Bikini vor Harry stand. Der Mund wurde ihm trocken und er verschluckte sich dann fast als auch Leah sich ihrer gewohnten Klamotten, sprich Karohemd und Jeans entledigte. So viel nackte Haut hatte Harry nun wahrlich, seinen Traum von Rosalie mal außer Acht lassend, noch nicht gesehen und ein Kampf begann. Ein Kampf zwischen sich nicht zu verschlucken, zu sabbern und nicht allzu offensichtlich auf die beiden Frauenkörper zu starren. Alice als seine Freundin hin oder her, als hormongeladener Teenager musste der Gryffindor einfach seinen Blick schweifen lassen.
„Kommst du mit ins Wasser, Hermine?", fragte Rachel und schaute die dritte im Bund fordernd an. Hermine zögerte jedoch etwas und blickte erst zu Harry und dann zu Jacob, der seine Augen wieder geschlossen hatte.
„Ich weiß nicht, Rachel. Ich würde gern mit ins Wasser kommen. Ich schwimme nämlich für mein Leben gern. Aber ich habe nur dieses eine Shirt mit zum Strand gebracht und wenn es nass wird? Nun Professor Dumbledore hat gemeint, ich solle das Zaubern beschränken, da mein Aufenthalt hier in den Staaten mittlerweile auch dem britischen Ministerium gemeldet wurde und sie mich daher wieder auf dem Radar haben."
„Na dann zieh es doch einfach aus, Hermine. Wir haben doch auch keins an", mischte sich Leah ein und Hermine schaute sie nachdenklich an. „Also wenn du meinst und das keinen stört. Ich habe mal gelesen, die Menschen hier in den Staaten sind in der Hinsicht etwas prüde."
„Sind wir nicht. Von mir aus kannst du das Shirt ruhig weglassen", rief nun Jacob, drehte sich auf den Bauch und Harry konnte sich vorstellen, dass der Indianerjunge alles andere als dagegen war, seine Freundin im Bikini zu sehen. Das Jacob dann aber fast die Augen übergingen, war allerdings dem Umstand geschuldet, dass Hermine es auch wirklich tat, sie ihr Shirt auszog, jedoch kein Bikinioberteil zum Vorschein kam.
„Na gut, wenn's keinen stört, dann komme ich natürlich mit ins Wasser. Mein Dad sagt immer ich bin eine Wasserratte", sagte sie mit einer gewissen Vorfreude, wobei man ihre nächsten Worte nur gedämpfte vernahm, da sie sich das T-Shirt über den Kopf zog. „Ich hatte nämlich Bedenken, dass es Ärger geben könnte, wenn ich hier oben ohne bade. Aber Madame Pomfrey hat mir nun mal verboten einen BH zu tragen, bis meine Wunden gänzlich verheilt sind. Sie meinte, die Schwerkraft sollte in meinem Alter noch kein Problem sein, wohin im Gegenzug die Träger meine Haut zu sehr reizen würden."
Im nächsten Moment war es ganz still am Strand und nur die entfernten Schreie eines sich in die Fluten fallen lassenden Seth´s konnte man vernehmen. Sowohl Jacob als auch Harry starrten Hermines Körper an, ließen ihre Blicke über die samtene Haut, die durchtrainierten Arme und die wohlgeformten Brüste des Mädchens gleiten und schienen zu nichts weiter fähig.
„Wow", entkam es Jacob und man konnte sehen, dass er immer röter wurde. Wohin gegen Harry gar nichts sagte und immer noch auf die Brust seiner besten Freundin starrte. Nun jedenfalls sah es so für einen Außenstehenden aus. Doch in Wirklichkeit hatte etwas ganz anderes Harrys volle Aufmerksamkeit und etwas, das man eigentlich nur noch wahrnahm, wenn man genau hinsah … eine Narbe. Ein dunklerer Strich, der auf der von der Sonne gebräunten Haut eigentlich kaum noch zu sehen war. Doch Harry wusste dass es ihn gab und so starrte er das Überbleibsel ihres Kampfes im Ministerium an, ohne auch nur eine Sekunde seine Umgebung wahr zu nehmen.
Erst Rachels Stimme schien zu ihm durchzudringen und Harry zuckte kurz zusammen. „Also Harry wirklich. Es schickt sich nicht, einem Mädchen so dermaßen auf die Brust zu starren. Man könnte denken zu seiest ein Lüstling und nicht ihr bester Freund."
Sofort wurde Harry sich seinem Benehmen bewusst und senkt beschämt seinen Blick, die Gedanken jedoch immer noch auf die Narbe gerichtete und ein zunehmendes Gefühl für diese Verunstaltung seiner besten Freundin verantwortlich zu sein umschloss sein Herz. „Es tut mir leid, Hermine. Das habe ich nicht gewollt."
Leah und Rachel schien von Harrys Verlegenheit amüsiert und lachten, während man bei Jacob ein leises Knurren hören konnte. Wem es galt, konnte man nur ahnen. Doch damit war die ganze Sache noch nicht erledigt, denn anders als die beiden Indianermädchen, kannte Hermine Harry nur zu gut, als dass sie seine Worte falsch deutete.
Und keine zwei Sekunden später erklang ihre Stimme strenge und autoritär. „Oh nein Harry Potter das tust du nicht. Du wirst mich sofort ansehen." Alle im Kreis schauten Hermine verwirrt an und als Harry es geschafft hatte seine beste Freundin wieder anzublicken, ihre nackte Brust mal ausblendend, fuhr die Gryffindor auch schon fort. „Du wirst dir nicht die Schuld an dem geben, was uns passiert ist, verstanden? Harry, wir sind dir freiwillig ins Ministerium gefolgt um Sirius zu retten. Hörst du, freiwillig und wir alle, Neville, Ron, Luna und Ginny, wir wussten, dass es nicht leicht wird."
„Ja aber …", wollte Harry Hermine unterbrechen, doch das schien unmöglich, denn sie hob sofort die Hand.
„Kein Aber, Harry. Im Krieg gibt es Opfer und Verletzte. Wobei wir das Glück hatten zu letzteren zu gehören. Und wenn einem die Verantwortung für unsere Narben und Verletzungen geben willst, dann gib sie verdammt noch mal den Todessern und Voldemort. Oder wenn es dir hilft, in meinem Fall und meiner Narbe Dolohow und seinem dunklen Schneidefluch. Hast du mich verstanden?"
Harry konnte für einen Moment gar nichts sagen. Doch dann nickte er und wandte seinen Blick gen Boden. Denn jetzt wo es nicht mehr um die Narbe ging, so fand er, schickte es sich wirklich nicht mehr an seiner besten Freundin auf die, naja zugegebenermaßen reizvollen, nackte Brust zu starren. Hermine nahm dies als ein gutes Zeichen auf und lächelte. „So und jetzt geht's ins Wasser. Ich glaub ich brauche eine Abkühlung. Was meint ihr Mädels?"
„Definitiv Hermine", sagte Rachel und lachte nun auch.
„Kommst du mit, Jacob?", fragte Hermine dann erwartungsvoll an ihren Freund gewandt. Doch wurde sie hier überraschendenderweise enttäuscht.
„Ähm eher nicht, Schatz", erwiderte Jacob angespanntem Gesicht „Ich bleibe noch kurz bei Harry und bereite mich mental auf meinen Sprung von den Klippen vor. Du weißt doch, ich habe es Seth versprochen und komme dann nach meinem Sprung zu euch rüber."
„Ok bis gleich", sagte Hermine leicht verdutzt und hauchte Jake einen Kuss zu. Dann schaute sie zu Harry und wie dieser immer noch den Kopf abgewandt hatte. „Und du Harry Potter, werd ja lockerer. Dies hier sind ja wohl nicht deine ersten Brüste, die du gesehen hast. Und glaub mir, du musst noch viel cooler werden. Denn wenn ich Kathy Bell und Angelina richtig verstanden habe, kommt im nächsten Jahr so einiges auf uns zu."
„Und was?", fragte Harry, der sich nicht vorstellen konnte, dass es in Hogwarts etwas gab, das dem hier gerade glich.
„Oh Harry, ich hab da so was munkeln gehört. Sachen wie Aufklärungsunterricht mit Professor McGonagall. Oder aber, dass die Sechstklässler in das geheime Ritual des Flaschendrehens eingeweiht werden. Glaub mir Gryffindors geheimer Almanach der Schülerschaft hält noch vieles für uns bereit, dass nicht in der Geschichte Hogwarts steht."
Harry schaute seine beste Freundin entsetzt an, hatte er doch überhaupt keine Ahnung wovon diese da redete. Doch diese ging nicht weiter auf ihn ein und rannte ins Wasser. So blieb ihm nicht weiter übrig als sich den doch vor allem sehr störenden Gedanken an seine Professorin im Gespräch über Sex aus dem Geiste zu drängen. Eine Hilfe dabei war übrigens Jacob, der kaum dass die Mädels weg waren, sich sofort mit strengem Ton an Harry wandte.
„Ok Harry Potter, heraus mit der Sprache, was ist das für eine Narbe bei Hermine? Was für einen Kampf habt ihr gekämpft? Welches Ministerium? Und ganz wichtig, wer ist Dolohow?"
Harry zuckte zusammen und war sich sicher, dass besonders die Antwort auf letztere Frage eine Menge Wut schüren könnte. Ganz zu schweigen davon, dass der Gryffindor nicht wirklich Lust hatte, von ihrem kleinen Abenteuer zu berichten, brachte sie ja die Erinnerung an Sirius Tod wieder hoch. Daher schaute er Jacob an und erwiderte sich an einen Strohhalm klammernd: „Muss das jetzt sein? Willst du nicht lieber ins Wasser und mit Hermine planschen? Ich komme hier schon allein klar."
Jacobs Gesicht veränderte sich und ein Grinsen zeichnete sich ab, welches Harry nicht wirklich gefiel.
„Würde ich ja gerne, Harry. Geht aber gerade nicht."
„Wieso?"
„Weils peinlich werden könnte."
„Hähh?"
„Das heißt wie bitte, Harry. Doch sehe ich mal drüber hinweg und versuch es dir so zu erklären. Harry, ich bin ein Teenager, geprägt auf eines der heißesten Mädchen der Welt, welches sich gerade vor mir bis auf den Slip ausgezogen hat und jetzt mit zwei anderen, spärlich bekleideten Mädchen im Wasser steht und Ball spielt. Ich kann jetzt also nicht aufstehen, liege hier auf dem Bauch und brauche dringend eine Ablenkung, sonst gibt es eine Umweltkatastrophe, weil ich irgendeine Ölquelle weit unter mir angebohrt habe."
Harry wollte eigentlich wieder ein geistreiches „Hähh" von sich geben, als ihm klar wurde, was Jacob meine und mit einem verlegenem „Oh" ging sein Blick in Richtung Jacobs Körpermitte und wie diese leicht nach oben gewölbt war, so als würde der Junge auf etwas liegen.
Jacob grinste aufgrund Harrys Gesichts und meinte, dass ihm dies an sich nicht stören würde, wenn er mit Hermine alleine wäre. Doch da sie sich in Begleitung von Leah und noch wichtiger seiner älteren Schwester Rachel befanden, fiel dies natürlich aus.
Harry schüttelte den Kopf und beschloss, dass er Jacob helfen würde. „Ok ich erzähle es dir. Aber nur unter zwei Bedingungen, abgemacht?"
„Ok, und die wären?"
„Du bleibst ruhig und flippst nicht aus, wenn du die Geschichte hörst. Und noch wichtiger, du bleibst auf dem Bauch liegen. Ich habe keine Lust in den nächsten Minuten durch ein Zelt in deiner Hose abgelenkt zu werden." Beim letzten Satz lachte Harry leicht und fühlte sich sichtlich erleichtert, kein brennendes Gefühl in seinem Gesicht verspürt zu haben. Vielleicht war das ja ein Anfang vom Cooler- Werden.
„Geht klar Harry. Ich bleibe ruhig und bäuchlings liegen, damit du nicht neidisch wirst." Jacob konnte sich eine kleine Spitze nicht verkneifen und Harry quittierte dies mit einem „Idiot", bevor er begann zu erzählen und sein Abenteuer im Ministerium für Magie och einmal Revue passieren ließ.
„… schlaf schön Schatz …"
„… du auch und versuch nichts zu vergessen, ja Jake?"
„Geht klar. Obwohl ich immer noch nicht verstehe, warum ich euch beide nicht bis zum Haus hoch fahren soll."
„Weil Harry und ich noch einige Schritte gehen wollen und die klare Luft genießen."
Harry hatte die Verabschiedung seiner besten Freundin und ihres Liebsten nur nebenbei verfolgt. Er brauchte ihr verliebtes Getue nicht, zumal es ihm selbst fehlte. Ja Harry musste sich eingestehen, dass die letzten beiden Tage schon so etwas wie eine Qual gewesen waren und dass ihm Alice mit all ihrer Art fehlte. Doch das würde ja bald wieder vorbei sein und vielleicht war seine Liebste ja schon zurück von der Jagd und sie konnten noch ein wenig knutschen bevor der Heiltrank ihn wieder ins Reich der Träume schickte.
Knutschen, Küssen und Kuscheln … ja Harry fand Gefallen daran und musste unwillkürlich leicht grinsen, als er daran dachte, was er doch heute noch so alles gesehen und erfahren hatte im Bezug auf Hermine, seine beste, immer regeltreue und bisher doch als so zurückhaltend bekannte Freundin.
Alles hatte damit begonnen, dass Harry Jacob von ihren Erlebnissen im Ministerium berichtete hatte. Ein Bericht der wie befürchtet auch die Erinnerungen an Sirius wieder hochkommen hat lassen. Aber Jacob hatte ihm dafür kumpelhaft, wie auch Ron es immer tat, auf die Schulter geklopft und gesagt: „Weißt du Harry, das Leben geht weiter und wenn ich deine Beschreibung von diesem Sirius richtig verstanden habe, dann war er der Typ, der genau auf diese Weise hat sterben wollen, nämlich während er die, die er liebt beschützt hat."
Kurz darauf war Jacob aufgestanden, mit dem Hinweis an Harry die Klippen im Auge zu behalten, wenn er mal was Cooles sehen will. Eben jene Klippen, die majestätisch über dem Meer aufragten und bizarre Schatten im Licht der Nachmittagssonne schufen und von denen sich Hermines Freund Minuten später mit einem Schrei der Befreiung in die Tiefe stürzte. Harry konnte es immer noch nicht fassen und fragte sich, wieso ein Mensch so etwas tat.
Danach war Jacob zu Hermine und den anderen Mädchen geschwommen und das für Harry schon erwähnte untypische Verhalten seiner besten Freundin begann. Denn beide fingen an im Wasser stehend zu knutschen und sich wild zu küssen, wie Harry es mit Alice noch nie getan hatte. Rachel und Leah zogen sich daraufhin zurück und kamen kichern in Richtung Harry gelaufen. Dieser jedoch konnte seinen Blick nicht von den sich beiden Vergnügenden nehmen und fragte sich, ob er nicht leicht den Hang zu Voyeurismus hatte.
Schließlich waren Jacob und Hermine soweit zu Strand gekommen, dass sie nun im seichten Wasser lagen und sich liebkosten. Der junge Werwolf war dabei oben auf und küsste ihren Hals, während Hermine eines seiner Beine mit ihrem eigenen umklammerte. Harry konnte das Prickeln zwischen den Zweien förmlich spüren. Und war das Jacobs Hand der gerade Hermines Brust zu streicheln begann?
Harry wandte seinen Blick verlegen ab und schaute zu Leah und Rachel, die ihn angrinsten und ihm das Gefühl gaben ertappt worden zu sein. Minuten später jedoch wurden seine Gedanken unterbrochen, als er Hermine plötzlich „Nein" rufen hörte und Harry dann gerade noch sah, wie sie den jungen Indianer mit einem kräftigen Stoß von sich schleuderte. Etwas, eine Kraft, die man wohl auf ihr Erbe als Wolf zurückführen konnte. Hatte sich Jacob zu viel vorgenommen, hier am Strand und am letzten Tage vor ihrer Abreise?
Was Harry dann aber verwundert war, dass der Indianerjunge anfing zu lachen und im Wasser liegen bleibend seiner Liebsten hinterher schaute, als diese schnellen Schrittes zum Strand kam und sich ihr Handtuch schnappte. Das Gesicht dabei stark gerötet, was wohl von einer nicht zu versteckenden Erregung herrührte, ebenso wie die harten, Brustwarzen, die sich Sekunden später durch das T-Shirt drückten. Was passiert war, fragte natürlich niemand, auch wenn man Jacobs Lachen und sein Verbleiben im Wasser als sonderbar ansehen konnte. Es sah halt noch so aus, als hätten die beiden keine Meinungsverschiedenheit oder aber dass Jacob zu schnell, zu viel wollte.
„… Was ist Harry?", fragte Hermine und riss den Gryffindor damit aus seinen Gedanken.
„Was soll sein?", erwiderte Harry, starrte geradeaus und versuchte sich das Grinsen aus dem Gesicht zu wischen.
Hermine ließ aber nicht locker, ihr Blick wurde kalkulierend und mit einer an Professor McGonagall erinnernden Strenge in der Stimme hakte sie nach: „Na eben genau das Harry, dein Grinsen. Also spuck's aus, was dich beschäftigt. Ich weiß, dass es mit mir zu tun hat. Du dich aber auf gar keinem Fall traust, mich darauf anzusprechen. Ich kenne dich zu lange, Harry."
Hermines Ton war streng und doch wieder nicht, als würde sie es nur spielen und viel lieber mit lachen. Allerdings sagte Harrys Erfahrung, dass wenn er jetzt das Falsche tat, womöglich nicht nachgab, er sich auf sehr dünnem Eis befand. Daher atmete er noch einmal durch und sagte: „Ich habe mir nur so meine Gedanken gemacht, Mine. Gedanken darüber was uns das Leben doch so alles bereit hält. Ich meine Alice und mich oder Jacob und dich, wie es dich verändert hat und wie ihr vorhin …"
„Jaaa?", hakte Hermine nach und Harry hoffte jetzt nicht einen ganzen Fetteimer mitzunehmen.
„Na ja Hermine, ich mein … du und Jacob … ihr … ihr geht es ziemlich schnell an. Ich … ich meine … so wie ihr vorhin im Wasser …"
„Ach komm schon Harry, du willst mir doch nicht sagen, dass du und Alice nicht auch schon mal rumgeknutscht habt. Ich meine, ihr schlaft zusammen in einem Bett. Obwohl schlafen dürftest nur du und Alice beobachtet dich dabei. Aber du kannst mir nicht erzählen, dass ihr nur zusammen daliegt und nichts tut. Ich habe gesehen, wie dein kleiner Blutsauger ihre Hand gern auf Wanderschaft schickt."
Harry wusste genau worauf Hermine abzielte und obwohl er leicht rot wurde, grinste er auch an den Gedanken an Alice Hand und was sie mit dieser so alles anstellen konnte. Nichtsdestotrotz ging es jetzt aber hier gerade nicht um ihn und seine Freundin, sondern darum dass es vorhin fast so ausgesehen hatte als würden Hermine und Jacob den nächstgrößeren Schritt gehen und nur Hermines Einschreiten dies verhindert hatte. Das Harry dies Hermine gegenüber aber auch mit solch ähnlich formulierten Worten ausgedrückt hatte und es nicht so sagte, wie als würde er sich mit Ron oder Emmett unterhalten, brachte Hermine dazu ihren besten Freund lauthals anzulachen.
„Oh man Harry, du bist so süß, wenn du verlegen bist, und so wortgewandt", sagte sie und schlug ihm auf die Schulter. „Doch glaub mir, soweit, dass wir miteinander schlafen, sind wir beide, also Jake und ich, noch nicht. Das dauert wohl noch etwas."
Harry schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare. Wo war er denn nur jetzt wieder hinein geschlittert? Denn in diese Richtung sollte das Gespräch doch eigentlich nicht gehen. Immerhin war dies hier Hermine, seine beste Freundin und ein Mädchen. Mit ihr konnte er ja wohl kaum über Sex reden. So was machte man doch wohl eher mit seinem Kumpel oder bestem Freund. Geschweige denn, dass er wissen wollte, wie weit Hermine schon war und was sie so alles mit Jacob anstellte.
Allerdings durchzuckte Harry im nächsten Moment ein ganz anderer Gedanke und dieser sagte ihm im Grunde genau das Gegenteil. `Wieso eigentlich? Wieso eigentlich nicht, du Depp? Du sagst es dir doch immer selbst. Sie ist deine beste Freundin.´ Und mit dieser Erkenntnis und der Erinnerung daran, zu wem er gegangen war, als er sich im letzten Jahr versucht hatte, Cho Chang zu nähern, sah er Hermine plötzlich in einem ganz anderen Licht und lachte.
„Ach wirklich? Soweit seid ihr noch nicht? Du hast wohl einen Zeitplan für alles, Mine?"
Braune Augen funkelte grüne an, bevor sie sich zu Schlitzen verengten. „Harry Potter, wag es nicht dich über meine Planungen lustig zu machen. Oder muss ich dich daran erinnern, dass diese dir mehr als nur einmal den Arsch gerettet haben."
„Oh oh", rutschte es Harry raus und er hob abwehrend seine Hände. Jetzt war sie sauer und Hermine zeigte es ihm auch, indem sie ihn in den Arm knuffte. Ein Schlag der Harry überrascht nach rechts taumeln ließ.
„Natürlich habe ich keinen Plan dafür, wann ich mit Jacob schlafe. Und wenn es morgen geschehen würde, weil wir beide da plötzlich bereit sind, Harry, dann soll es auch so sein. Ich denke, es gibt dafür keine Regel. Wenn's passiert, dann passiert's."
Hermine blickte Harry voller Ernst an und bemerkte, dass dieser ihr zwar zuhörte, nebenbei aber damit beschäftig war sich seinen Arm zu reiben, wo sie ihn gerade geboxt hatte. „Tut es sehr weh, Harry? Denn das habe ich nicht gewollt."
„Ach lass Mine, das geht schon. Wird vielleicht ein blauer Fleck. Doch mit meinem Heilbad nachher dürfte es kein Problem sein."
Hermine sah ihn skeptisch an und nickte. Dann legte sie ihren Arm um Harry, zog ihn an sich heran und sie gingen weiter in Richtung Cullenhaus. Allerdings spürte der Gryffindor, dass Hermine noch etwas beschäftigte, doch er würde warten, dass sie von sich aus etwas sagte. Und dies tat sie auch wenige Meter später.
„Weißt du Harry, es tut mir wirklich leid, dass ich dir wehgetan habe. Aber manchmal vergesse ich, dass in mir doch etwas schlummert, über das ich noch die Kontrolle bekommen muss. Es ist auch ein Grund, warum unserer Knutscherei heute Nachmittag so abrupt geendet hat."
„Echt?", fragte Harry überrascht. „Also nicht weil Jake zu viel wollte?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Nein Harry, du weißt er würde mich nicht drängen. Und außerdem ging die Initiative von mir aus und ich habe ihn weg geschleudert und mich von ihm getrennt, um euch zu schützen."
„Du meinst meine Augen und meine unschuldige Seele, stimmt's?", lachte Harry und Hermine hob drohend ihr Faust. „Du Idiot", erwiderte sie. „Bei dir von Unschuld zu reden, wäre ja wohl völlig fehl am Platz. Nein Harry, es ist viel komplizierter als du denkst, denn Wut ist nicht der einzige Auslöser für die Verwandlung zum Wolf. Nein, jede Art von Emotion, die einen kurzzeitig die Kontrolle verlieren lässt, spielt dem inneren Biest in die Hände. Und da ich denke Harry, dass du 'ne Runde Fünf gegen Willi schon bis zum Finale gespielt hast, weißt du was ich meine, wenn ich vom Verlust der Kontrolle über den Geist rede."
„Hermine", fuhr Harry empört hoch und er starrte seine beste Freundin an. Musste sie denn gleich wieder so starke Geschütze auffahren? Konnte man das nicht dezenter sagen?
Doch Hermine grinste nur wie des Teufels kleine Schwester und meinte: „Vergiss nicht zu atmen und noch wichtiger, vergiss doch einfach mal das Bild welches du von uns Mädchen hast. Glaubst du nicht, wir quatschen auch über solche Dinge, wenn wir in unseren Schlafsälen sind? Glaubst du, ihr Jungs seid die einzigen, die das machen? Vertrau mir Harry, wir sind nicht anders oder vielleicht noch schlimmer. Denn ich denke, dass es wohl nicht ein Mädchen oberhalb der dritten Klasse gibt, die den Vibrex-Zauber nicht kennt."
„Was für ein Zauber?", fragte Harry überrascht und Hermine grinste noch breiter. „Den Vibrex-Zauber. Warte ich zeig ihn dir." Damit zog sie plötzlich ihren Zauberstab, drückte ihn Harry in die Hand und dann flüsterte sie „Vibrio". Was folgte war ein leise Summen, der Zauberstab in Harrys Hand wurde leicht warm und begann zu vibrieren, was bei Harry ein wolliges Gefühl auslöste. Das Kribbeln in seiner Hand breitete sich aus und ein Schauder überzog Harrys Rücken. Allerdings wurde dem Gryffindor im nächsten Moment klar, wozu die Mädchen diesen Zauber wohl benutzten und vor allem wo sich der Zauberstab in seiner Hand dann dabei möglicherweise befand. Reflexartig wie als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen, ließ Harry den Zauberstab fallen und starrte erst ihn und dann seine beste Freundin mit großen Augen an.
Hermine lachte frei heraus, als sie Harrys Blick sah. „Meine Güte Harry, wenn du jetzt dein Gesicht sehen könntest? Verdammt dass ich keine Kamera dabei habe. Aber Spaß beiseite Harry, meinst du nicht, wir Hexen wissen auch wie ein Reinigungszauber funktioniert?"
Harry brauchte noch einige Moment um sich zu fangen. Allerdings brannte sich in seinen Geist ein Gedanke ein und zwar der, dass er wohl nie wieder einen Zauberstab einer Hexe anfassen, oder benutzen konnte, ohne daran zu denken, wo dieser vielleicht schon alles gesteckt hatte.
„Da tun sich ja Abgründe auf, Hermine. Was ist nur aus den unschuldigen jungen Hexen geworden, die Hogwarts doch hervorbringen wollte."
„Sie sind erwachsen geworden und das ist gut so. Und wenn du wirklich jemanden die Schuld geben willst, so suche unter den Männern. Schließlich haben sie die Dinge wie den Vibrex-Zauber erfunden."
„Das glaube ich wohl eher nicht, Hermine", widersprach Harry und bekam prompt seine Antwort.
„Das kannst du aber. Denn dieser Zauber ist wenn du so willst der erste, den ein jeder Zauberstab erfährt. Er wurde nämlich von den alten Zauberstabmeistern erfunden und dient dazu, das Holz zu schleifen und das Wachs einzuarbeiten. Ich habe das schon mal nachgelesen. Es steht in einer Abhandlung über die Herstellung von Zauberstäben und berichtet davon, dass die alten Meister die fast fertigen Stäbe mit Schleifpapier in der Hand umfassen und um dann mittels des Zaubers letzte Unebenheiten weg zu arbeiten. Besser als dass sie es von Hand könnten. Du siehst also, deine schmutzigen Gedanken stammen nicht von einer Frau, sondern aus dem Geist eines Mannes, der nur daran dachte, seinen Zauberstab zu polieren."
Harry schüttelte nur den Kopf und stieg mit in Hermines Lachen ein. Dann meinte er noch, sie sei unmöglich und kurz darauf erreichten sie das Haus der Cullens, wo Alice schon wartete. Harry sah sie freudig an und im nächsten Moment berührten ihn auch schon zwei kühle Lippen und alle Gedanken, die ihn in den letzten Minuten beschäftigt hatte, waren nebensächlich. Hermine lächelte ob dieses Verhaltens und freute sich insgeheim schon auf das Kommende…
