Gesundes neues Jahr wünscht euch Mister Figgs

Kapitel 33

Alexander Cord, oder kurz Alex wie ihn seine Freunde nannten, betrat pünktlich neun Uhr seinen Arbeitsplatz und eines der wichtigsten Gebäude der Vereinigten Staaten … den Hauptsitz des FBI im Hoover Building in Washington DC. Mit seinen fünfundzwanzig Jahren galt er immer noch als Neuling oder Greenhorn bei den älteren Kollegen. Doch wagte sich dies ihm keiner zu sagen, sprachen sein Abschluss an der Akademie und seine Erfolge beim Aufklären einiger doch sehr heikler Fälle für sich.

Doch das war es nicht, gab es ja da noch den Umstand, dass Alex kaum dass er zwei Tage im Beruf stand auch schon vom Subdirektor unter die Fittiche genommen worden war. Und mit dem alten Ernest legte man sich nicht an. Er war fair, ohne Frage, und doch wusste der alte Mann so viel und manche Dinge, die er eigentlich nicht wissen sollte. Er war ein Phänomen und eine Größe, die man nicht hinterfragte und der man sich nicht in den Weg stellte.

Alex konnte dies nur recht sein. Ein wenig Unterstützung war immer gut, gepaart mit der Tatsache, dass ihn und seinen Boss nicht nur die Marke verband, sondern auch ihre Herkunft. Alex war schließlich auch ein Zauberer und als solcher freute es ihn heute, mal wieder mit seiner Welt in Verbindung zu kommen. Ernest hatte ihm gesagt, er solle heute seinen Zauberstab mitbringen und dass es lange werden könnte. Und mit diesen Gedanken trat Alex wenig später aus dem Aufzug und eilte festen Schrittes in Richtung Vorzimmer seines Chefs.

„Oh, Guten Morgen Agent Cord. Es ist gut, dass sie kommen", erklang, kaum dass er das Zimmer betreten hatte, auch schon die leicht erregte Stimme von Dotti, Ernest Fullerts Sekretärin. Ein weiteres Rätsel aus der Sicht von Alex, denn Erregung, oder besser Sorge wenn man es richtig betrachtete, kannte man bei Dotti nicht. Sie war ein resolute Frau Anfang Vierzig mi langen, glatten, blonden Haaren und ein Dekolleté, sodass man sie getrost als Hingucker bezeichnen konnte. Manche männlichen Kollegen nannten sie hinter vorgehaltener Hand auch gern mal „Dotti mit doppel D".

Nicht dass Alex sie als solches ansah. Denn er wusste, dass Dotti weit mehr war als nur attraktiv. Nein, diese Frau hatte vor allem ihr Büro im Griff wie kein anderer und keiner machte ihr was vor. Und es gab wohl laut Aktenlage auch nur einen Agent, ein Greenhorn wie er einst eines war, dem besagter Spitzname in Dottis Beisein herausgerutscht war. Manche munkeln, sie habe ihn am Wochenende darauf gegrillt und sich seine Eier mit Tsatsiki schmecken lassen.

Man konnte also sagen, dass auch ein Großteil der älteren Agenten einen Heidenrespekt vor ihr hatten, manche sogar Angst. Doch Alex hatte in seiner kurzen Zeit noch nicht herausgefunden wieso. Dotti war wie gesagt ein weiteres Rätsel, welches er noch lösen musste. Und so begrüßte er sie auch erst einmal: „Morgen Dotti, was ist denn los? Du siehst besorgt aus."

„Es geht um Ernest, Agent Cord. Ich erreiche ihn nicht. Er ist in seinem Büro, hat die Tür verschlossen und antwortet nicht auf meine Anrufe."

„Nun vielleicht arbeitet er an etwas wichtigem und …"

„Nein, nein Alex …", unterbrach sie den jungen Mann und dieser schaute alarmiert, da sie nun seinen Vornamen benutzte. „Das ist es nicht. Er hat zwar gesagt, er wolle nicht gestört werden, doch da ist noch etwas anderes. Er hatte Besuch."

„Besuch?", fragte Alex überrascht.

„Ja. Ein Mann war vor gut einer halben Stunde bei ihm. Ein ganz komische Kautz, dem ich nicht im Dunkeln begegnen möchte. Und viel wichtiger seine Herkunft … ein Virginia Farmboy."

„Wie bitte? Ein Jünger aus Langley bei uns im FBI. Und du hast ihn nicht gleich vor die Tür gesetzt?", lachte Alex kurz auf und sah wie Dotti einmal mehr versuchte ihren Boss anzurufen. Dann ging er zur Tür und versuchte an ihr zu lauschen. Doch schon als er sein Ohr an die Tür drückte, erkannte er das Problem. Ein Kribbeln brachte die feinen Härchen im Innersten seines Lauschers dazu sich aufzurichten. Dotti konnte gar nicht zu Ernest durchdringen, egal ob nun Rufen, Klopfen oder mit dem Telefon. Es lag nämlich ein Stillschweigezauber auf dem ganzen Büro. Alex fragte sich allerdings warum dies so war.

Rasche schaute er noch mal kurz zu Dotti, bemerkte, dass sie wegsah und griff in seine Jacke. Dort richtete er seinen Zauberstab auf die Tür und flüsterte „Finite incantatem". Augenblicklich fiel der Zauber zusammen und Alex hörte wie drinnen das Telefon anfing zu klingeln. Doch um es nicht allzu komisch aussehen zu lassen, klopfte Alex jetzt erst einmal laut und stärker als nötig an die Tür.

„Direktor, es ist kurz nach Neun, wir müssen los", rief er etwas unorthodox und wenige Augenblicke später erklang ein gedämpftes „Herein".

Dotti sah dem jungen Agenten hinterher und ihre Starre löste sich erst, als er mit ihrem Boss zurück kam.

„Morgen Dotti, alles okay? Ich bin wohl kurz eingenickt. T´schuldigung kommt nicht wieder vor und bitte verpetz mich nicht beim Big Boss." Wer Ernest kannte, wusste dass er jetzt nur versuchte abzulenken. Doch es klappte und im nächsten Moment lachten alle im Zimmer. Ernest griff sich einen Stift vom Schreibtisch und trug sich im Anwesenheitsbuch aus. Dann bedeutet er, dass sie los konnten und wurde nur noch vom Klingeln des Telefons davon abgehalten.

Büro von Subdirektor Fullert", meldete sich Dotti lächelnd und schaute in Richtung Ernest. „Oh Sie sind es Direktor. Einen Guten Morgen wünsche ich Ihnen. Ernest?", -sie bemerkte wie dieser den Kopf schüttelte, – „… Oh das tut mir leid, Direktor. Der ist gerade weg. Wohin? Nun, das können Sie mir ja vielleicht verraten. Er hat nur wieder diese ominösen Abkürzungen im Buch hinterlassen. Welche? Nun ja heute ist es AP, auch wenn ich nicht weiß, was dies zu bedeuten hat…"

Ernest und Alex verfolgten das Gespräch mit einem Lächeln und auch auf Dottis Gesicht zeichnete sich eins ab. Der oberste Boss musste wohl wieder in seiner ureigensten Art verkündet haben, dass es nie gut ist, alles zu wissen. Allerdings erwiderte Dotti, dass sie nun einmal ein Mensch war, der keine Geheimnisse mochte und dass sie schon noch herausfinden würde, was AP oder MA bedeutete. Notfalls würde sie am nächsten Wochenende ihre ganze Zeit in der Küche verbringen und dann einfach mit einem Kuchen beim Direktor zuhause auftauchen und ihn bestechen.

Das Gespräch ging noch einige Momente weiter und dann legte Dotti auf. Das war dann die Gelegenheit für Ernest ein geschocktes Gesicht zu machen und lächelnd zu sagen: „Also Dotti wirklich, da tun sich ja Abgründe auf. Hast du gerade schamlos mit unserem obersten Boss, dem Direktor des FBIs geflirtet?"

Seine Sekretärin schien aber zu taff zu sein, um auf diese Frage hin zurück zu stecken. Sie funkelte ihren direkten Vorgesetzten an und sagte: „Natürlich Ernest. Was soll ich denn machen? Du bist glücklich verheiratet, Alex als Greenhorn hat noch weniger Ahnung als ich und so bleibt ja nur der Boss zum Hochschlafen, wenn es das ist, was man tun muss, um an die letzten Geheimnisse des FBIs zu kommen."

Die nächsten Augenblicke war das Büro einmal mehr erfüllt vom Gelächter der Drei. Dotti war schon eine Kraft für sich und jeder wusste, wie sie es meinte. Besonders Ernest kannte diese Frau besser als jeder andere und daher wurde sein Gesicht auch ernst und er sagte: „Ok Dotti, du hast gewonnen. Ich verspreche dir hiermit hoch und heilig, dass ich dir spätesten bis zu deinem nächsten Geburtstag gesagt habe, was die beiden Abkürzungen bedeuten und dass ich dich auch einmal mit dorthin nehme. Bis dahin musst du aber Geduld beweisen und ein Blaubeerkuchen hin und wieder wäre auch nicht schlecht."

Damit wandte er sich an Alex und sie beide verließen das Büro in Richtung Aufzug. Dieser brachte sie in die Tiefgarage und dort brach es dann aus dem jungen Agenten heraus. „Sir, war es klug Dotti dieses Versprechen zu geben? Ich meine, es gibt doch schließlich die Gesetze zur Geheimhaltung unserer Welt vor den Muggeln."

Ernest lächelte erhaben. „Natürlich gibt es die, Alex. Und ich habe nicht vor sie zu brechen. Allerdings sollte dies bei Miss Dotwankow kein Problem darstellen."

„Dotwankow? Ist das Dottis richtiger Name, Sir?", hakte Alex überrascht nach und ihm wurde bewusst, dass er noch nie nach dem Nachnamen von Dotti gefragt hatte. Sie war von Anfang an als er in Ernest Dienste trat, eben einfach immer … Dotti. Allerdings klingelte es beim Namen Dotwankow und Alex schaute seinen Boss fragend an. „Ist sie verwandt mit Agent Dotwankow, Sir? Sie wissen schon, der Agent ohne Bild und Zahlen an unsere Wand im Foyer. Ich meine die Wand mit den Gedenktafeln für besondere Verdienste. Es heißt, er habe einem von uns das Leben gerettet und sich geopfert."

Ernest schmunzelte, als er den Stolz aus Alex Mund hörte und wie er von diesem Agenten sprach. Und vielleicht hatte Dotti ja recht, es gab zu viele Geheimnisse. Daher blieb der Subdirektor plötzlich stehen, rieb sich erst den Nacken, dann komischerweise seine linke Bauchhälfte und schaute schließlich seinen Protegé ernst an. „Nun Alex Dotti ist nicht direkt mit ihm verwandt. Dotti ist Agent Dotwankow oder wie es richtig heißt Alexandra Irina Dotwankow.

„Sie ist …"

„Lass mich ausreden, Alex. Damit du es richtig verstehst. Dotti war einer der ersten Agents, die ich je selber ausgebildet habe. Sie war mein Zögling und wie du es jetzt bist, eine der besten in unseren Reihen. Sie ist und war loyal und der Job ging über alles, bis zu diesem schrecklichen Tage vor zehn Jahren, an dem sich ihr Leben so völlig verändert hat."

„Vor zehn Jahren?", fragte Alex und in Gedanken schien er zurück zu rechnen und sein Wissen aus den Akten hervor zu holen. „Sir, war das nicht da, wo auch sie angeschos… Oh mein Gott. Sie waren es, dem sie das Leben gerettet hat." Die Erkenntnis stand dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben und Ernest nickte.

„Ja Alex, das hat sie. Wir haben damals an unserem bis dahin schwierigsten Fall gearbeitet. Es ging um einen bewaffneten Raub und als wir die Mistkerle endlich gestellt hatten, brach die Hölle los. Ich glaube so viele Kugeln wie an diesen Tag durch die Luft geflogen sind, haben wir im ganzen Vietnamkrieg nicht verbraucht. Jedenfalls endete es damit, dass ich einen Bauchschuss abbekommen habe und als einer der Räuber meinte, mein Kopf bräuchte auch noch ein Loch mehr, da ist Dotti in die Flugbahn gesprungen und hat die Kugel abgefangen. Kurz darauf traf die Verstärkungen ein und wir beendeten die Jagd."

„Wow", entfuhr es Alex. Allerdings brannte ihm auch die Frage auf der Seele, was Ernest damit meinte, Dotti habe sich geopfert. Und warum war sie nicht mehr im aktiven Dienst?

„Die wahre Tragödie…", fuhr Ernest fort. „… die ereignete sich allerdings erst am Abend dieses Tages als wir beide im Krankenhaus lagen. Denn die Nachricht von Dottis Verletzung erreichte ihre jüngere Schwester, die sofort zu ihr eilen wollte. Doch sie kam niemals im Krankenhaus an. Ihr Wagen verunglückte, Dottis Schwester verstarb noch an der Unfallstelle und ließ ein eineinhalbjähriges Mädchen zurück."

„Oh mein Gott, das ist ja furchtbar."

„Ja, das war es, Alex. Und es bringt uns zu dem, was man getrost als Dottis größtes Opfer betrachten darf … ihr Karriere. Verstehst du Alex? Dotti lebte für das FBI und ihre Arbeit und all dies gab sie auf, um sich um ihre Nicht zu kümmern und um sie aufzuziehen."

„Sie hat also quittiert? Aber wieso ist sie dann …?"

„Ich habe mich darum gekümmert und das wissen nur sehr wenige, verstanden?"

Alex sah seinen Boss nachdenklich an und nickte verstehend. Ernest und Dotti verband also mehr als er geahnt hatte und es ging nur sie an. Doch das half nicht darüber hinweg, die beiden von nun an in einem anderen Licht zu sehen. Allerdings war da noch die Frage, warum Ernest das Gesetz der magischen Welt brechen wollte. Doch auch hier war der Ältere seinem Schützling einen Schritt voraus und sagte: „Und Eve, Dottis Nichte ist etwas ganz besonderes, Alex. Nicht nur für Dotti, sondern im Allgemeinen. Eve ist eine Hexe und bekommt im Juni nächsten Jahres einen besonderen Brief. Und eben jener Brief sorgt dafür, dass ich das Gesetz nicht breche. Denn schließlich ist Dotti Eves Vormund und hat ein Recht darauf, von der magischen Welt zu erfahren."

Mit diesen Worten bedeutet Ernest sie sollten weiter gehen und als sie aus dem Blickfeld der Kameras der Tiefgarage und dem möglicher Zeugen verschwunden waren, lösten sich beide Zauberer in Luft auf und waren disappariert.

Es war schon lange nach Sonnenaufgang, warm wie es man an einem Augusttag erwarten konnte und es regnete mal nicht als sich wieder Leben hinter Harrys Augenlidern zeigte. Das Heilbad, erst sehr spät genommen und ausgiebig genossen, hatte nach all der Anstrengung des gestrigen Tages dafür gesorgt, dass er nicht erwacht war obwohl ihn Emmett aus seinem Bett geholt, angezogen und in Carlisles Mercedes verfrachtet hatte. Nicht einmal gezuckt oder gemurt hatte Harry und einfach weitergeschlafen, während alle die anderen mehr oder weniger bequem die dreistündige Fahrt nach Seattle über sich ergehen lassen hatten.

Grund hierfür waren vor allem die Koffer von Jacob, Hermine und Harry gewesen. Zwar hatte Carlisle überlegt mit einem Auto mehr zu fahren. Doch da Emmett und Rosalie ebenso wie Alice vorerst nicht wieder nach Forks zurückkehren würden, war beschlossen worden, dass man nur zwei Autos nahm und zwar Carlisles AMG und den BMW von Rose. In ihm saßen nun Jacob, Hermine und Emmett samt Liebster und versuchten mit Carlisle Schritt zu halten.

Harry hatte von dem allen, dem Stress eines Abreisetages, natürlich nichts mitbekommen und lag der Länge lang auf der Rückbank den Kopf auf Alice Schoss gebettet. Und eben jene Schlafmütze spürte, jeh aus seinen Träumen gerissen, dass er nicht mehr in seinem Bett lag, sondern dass er sich bewegte und ein leises Surren drang an sein Ohr.

´Oh, wir sind schon unterwegs`, durchzuckte es Harrys Geist. Bevor er jedoch die Augen öffnen konnte, berührten ihn aber auch schon zwei kühle Lippen. „Morgen du Murmeltier", hauchte Alice ihm ins Ohr und sein Mund verzog sich zu einem Lächeln.

„Morgen Alice. Hab ich dir schon gesagt, dass ich dich liebe?", erwiderte Harry darauf und wie schon in den letzten Tagen bekam er als Antwort ein „Heute noch nicht" und einen weiteren Kuss. Danach hieß es dann endlich für Harry aufzustehen und als der Gryffindor sich aufrichtete, war das was ihm als erstes ins Auge fiel ein großen, gelbes „M".

Im selben Moment stoppt Carlisle auch den Wagen, drehte sich lächelnd zu Harry und sagte: „Also eines muss man dir Lassen Harry … Perfektes Timing".

„Wir sind da, oder?", fragte Harry und wischte sich den Schlaf aus den Augen. Sein Blick weiterhin auf das große M gerichtet, fragte er sich wie es wohl ab hier weiter ging. Carlisle hatte am Vortag beim Frühstück nur noch gesagt, sie würden sich heute mit seinem Freund in Seattle treffen und der Treffpunkt läge in der Nähe eines Einkaufparks.

Harry schaute sich um und fand diesen auch gleich, bunt, groß und laut auf der anderen Seite der Straße. Dort also sollte der Eingang zur magischen Welt Amerikas sein? Aber warum standen sie dann hier auf dem Parkplatz eines McDonald Restaurants? Die Antwort kam laut von Harry selbst und zwar in Form eines Knurrens aus der Magengegend. Frühstück stand auf dem Plan und wenn Harry ehrlich zu sich war, dann baute sich binnen weniger Sekunden in seinem Innersten plötzlich so etwas wie Vorfreude auf. Denn wann war er je mit den Dursleys bei McDonalds gewesen? Ein einziges Mal, wenn er sich recht erinnerte und da auch nur, weil Mrs. Figgs nicht auf ihn aufpassen konnte und seine Verwandten ihn notgedrungen mitnehmen mussten. Als Dank für die Bürde, die Harry ihnen damals auferlegt hatte, so die Worte von Onkel Vernon, hatte er damals auch nur einen mickrigen, kalten Hamburger bekommen und durfte den Rest von Dudleys Cola trinken.

Aber heute würde dies anders sein. Heute würde er sich selbst was bestellen und erst aufhören zu essen, wenn er kurz vorm Platzen stand. Rasch zog Harry sich die Schuhe an, richtete sein Hemd und kletterte aus dem Auto. Sein Blick ging dabei suchend zu Hermine und den anderen und als er das Gesicht seiner besten Freundin sah, ihre gerunzelte Stirn, da fragte Harry sich, was wohl in ihr gerade vorging. Zumal Hermine immer wieder zwischen dem Einkaufscentrum und McDonalds hin und her schaute. Sie wäre wohl lieber gleich ins Äquivalent der Winkelgasse gerannt um ihre Schulsachen zu holen und ein wenig zu stöbern. Und dass sie ihre Bücher hier bekommen würden, dass hatte Professor Dumbledore ihnen versichert. Doch zuerst stand das Frühstück an, etwas dass auch Jacobs Tagesansporn Nummer eins im Moment zu sein schien, und so betrat die kleine Gruppe das Restaurant.

Neugierig und aufmerksam, was ihn erwartete, schritt Harry durch die Tür, welche mal völlig entgegen der Etikette von Alice offen gehalten wurde und sofort schien Leben in die sich im Restaurant befindlichen Personen zu kommen. Es war nicht sehr viel los. Hier und da eine kleine Gruppe, meist junge Eltern mit Kind, die versuchten ihren Jüngsten beizubringen, dass man bei McDonalds einmal ausnahmsweise nicht mit Messer und Gabel essen musste. Und dann gab es da noch vereinzelt Männer in Anzügen, die einen Kaffee tranken und die Tageszeitung lasen.

`Bei McDonalds kommen also alle zusammen´, dachte Harry und folgte den anderen an den Tresen, wo er dann aber doch etwas stutzte. Denn kaum war ihre ganze Truppe im Restaurant, begann plötzlich ein leises, jedoch schrilles Piepen. Wie ein Alarm klang es, auch wenn Harry sich erinnern konnte, dass es bei McDonalds auch von den Fritteusen herrühren konnte. Und als hätte jemand ein Signal gegeben, drehten sich die zwei bedienenden Jungs um und verschwanden in der Küche oder so. Harry blickte skeptisch und seine Hand suchte die von Alice.

Sekunden später tauchten dann auch schon drei andere Personen hinter dem Tresen auf. Diesmal ein Hüne von einem Mann im Anzug welcher ihm das Aussehen einen riesigen Schrankes verlieh und zwei jüngere Frauen in Restaurantuniform, die vielleicht nur drei oder vier Jahre älter waren als Harry und die sich aufmerksam ihre neuen Gäste anschauten. Harry wusste für den Moment nicht, was er davon halten sollte. Doch da begann eine der jungen Damen plötzlich lächeln und winkte Harry heran.

„Willkommen bei McDonalds. Was kann ich für Sie tun?"

„Oh … ähm … ja", Harry war ein wenig überrascht und schaute hastig zu der über seinem Kopf befindlichen Tafel.

Die junge Frau auf deren Namensschild man deutlich „Nancy" lesen konnte lachte und erwiderte: „Lassen Sie sich ruhig Zeit, Sir. Ich sehe, wir haben Sie etwas durcheinander gebracht mit unserem Schichtwechsel. Es tut mir leid. Ehrlich … wir machen dies auch sonst nicht so abrupt, wenn die Feierabendsuhr klingelt. Doch die Jungs wollen zum Football und hummeln schon die ganze Nachtschicht."

Harry schaute für einen Moment verwirrt, doch dann entspannte sich sein Gesicht. Jungs und Football, da wurde er sofort an Emmett erinnert und als er zu diesem rüber schaute und dessen Grinsen sah, da musste auch Harry lächeln. Nancys lockerer Art schien dann ihr Übriges zu tun und Harry widmete sich wieder seiner Bestellung. Dabei nahm er unbewusst sein Basecap ab, welches er ja eigentlich trug um seine ziemlich kurzen Haare und seine Narbe zu verstecken. Aber es sollte ja nicht runter fallen, wenn er den Kopf beim Lesen nach hinten legte. Doch genau diese Geste trug dazu bei, dass sich Nancys Verhalten plötzlich änderte.

Die junge Frau schaute Harry plötzlich mit großen Augen an und Harry wurde es etwas unwohl. Hatte sie ihn erkannt? Oder sah er mit dem kurzen Flaum auf dem Kopf so schlimm aus? Seine Haare waren zwar gewachsen und taten es weiter, doch seine frühere Pracht hatten sie noch nicht erreicht. Rasch setzte Harry seine Kappe wieder auf und suchte sich etwas zum Essen aus. Und während er dies tat, spürte der Gryffindor, wie jemand neben ihn trat. Es war ein Mann im dunklen Anzug, wie Harry im Augenwinkel erkannte und mit tiefer Stimme, bestellte er sich einen Kaffee.

Nancy schien diesen Mann zu kennen. Sie wandte sich kurz von Harry ab und fragte: „Wie immer Sir?"

„Ja bitte. Schwarz und mit zwei Stück Zucker, Nancy."

Sie gab die Bestellung weiter nach hinten und wandte sich wieder Harry zu, um dessen Bestellung aufzunehmen. Der Gryffindor bestellte sich einen Orangensaft, ein Croissant, einen BigMac, Pommes und noch einen McChicken. Dabei schaute er immer wieder zwischen der Karte und Nancy hin und her und bemerkte, dass diese mit ihren Augen versuchte, den Mann im Anzug auf ihn, Harry, aufmerksam zu machen. Immer wieder schaute sie den Mann an und nickte dann schon förmlich in Harrys Richtung.

Harry wurde dabei immer komischer zumute und fast wäre er versucht gewesen zu fragen, was die solle, doch da drehte sich der Mann zu ersten Male zu ihm um, musterte ihn von oben bis unten und begann zu lächeln. Danach nahm er seinen Kaffee, den die andere Bedienung mittlerweile fertig gemacht hatte, entgegen und sagte: „Nun ja Nancy, die Presse ist auch nicht mehr das, was sie mal war und man darf nicht alles glauben, was in ihr steht."

„Sir?", fragte Nancy überrascht und der Mann, mit den angegrauten Haaren und dem Kaffee in der Hand lächelte: „Aber ich finde es ja gut, dass du so aufmerksam bist. Das warst du ja schon immer. Doch ab hier übernehme ich und wenn ich so auf das Tablett von Mister Potter schaue, und auch auf die seiner Freunde, dann denke, geht die Rechnungen auf mich und ich bitte dich, ihr Essen als Little Wizard Menus zu übergeben."

„Was?", rief Harry überrascht und starrte den Mann vor sich an. Woher kannte dieser Fremde seinen Namen?

„Ich darf mich Ihnen vorstellen, Mister Potter? Mein Name ist Ernest Fullert und ich glaube, wir haben einen Termin." Dann reichte er Harry die Hand, die dieser auch leicht zögernd annahm. Und während Harry dies tat, ging sein Blick zu Carlisle, der etwas entschuldigend nickte. Harry hatte also gar nicht mitbekommen, dass Carlisle den Mann schon erkannt hatte und amüsiert dem Schauspiel gefolgt war.

Drei Minuten später hatten alle ihr Essen, zumindest die, welche hier essen konnten und man setzte sich an einen großen Tisch und stellte sich gegenseitig vor. Harry ließ sich dabei sein Frühstück schmecken und hörte den Erwachsenen aufmerksam zu. Nun jedenfalls bis zu dem Moment, da sich der Orangensaft meldete, gepaart mit der Tatsache, dass er gleich vom Bett ins Auto gebracht worden war und somit noch keine Möglichkeit der Morgentoilette hatte. Rasch entschuldigte sich Harry und machte sich auf den Weg zum Klo. Fünf Minute später fühlte sich der Gryffindor um einiges erleichterter und wollte gerade zurück zum Tisch, als er an einer nicht ganz verschlossenen Tür vorbei kam und seinen Namen hörte.

„… und du bist dir sicher?", fragte eine weibliche, Harry fremde Stimme voller Neugier. Sie hatte ein klein wenig den Klang wie wenn sich Lavender und Parvati unterhielt und den neuesten Hogwartstrasch auswerteten.

„… natürlich bin ich das. Er ist Harry Potter… Direktor Fullert hat es mir doch gesagt", erwiderte nun Nancys Stimme.

„… oh Mann, er ist ja ein richtiges Sahneschnittchen…"

„… Conny hör auf. Ich hab mich voll zum Obst gemacht. Nicht nur weil ich den Boss auf ihn aufmerksam machen wollte und der schon wusste, wer er war. Nein viel schlimmer war, als ich ihn fragen musste, was er in sein Little Wizard Menu haben wollte. Hast du sein Gesicht gesehen, als ich ihm die drei Plastikfigürchen von Spiderman und Co gezeigt habe? Man war das peinlich. Ich kenne selbst nicht einen Zauberer oder eine Hexe, die sich mit Marvel auskennt. Ich kann einfach nicht verstehen, warum die Zentrale uns zwingt, diesen Mist an die Leute zu bringen. Das Zeug ist was für Muggel und nicht für Zauberer."

Harry hörte den beiden Mädchen zu und erinnerte sich an den Moment vorhin, den Nancy gerade beschrieb. Natürlich hatte Harry keine Ahnung was er mit dem Spielzeug sollte oder wer Spiderman war. Er hatte sich dabei für den grünen Kobold entschieden, nur um festzustellen, dass dieser so rein gar nichts mit einem Kobold zu tun hatte.

Bevor er aber weiter lauschen konnte spürte er das Plastikding in seiner Jeanshose, und Harry kam eine Idee. Ein Grinsen zeichnete sich in seinem Gesicht ab und ohne auch nur anzuklopfen, betrat Harry das Zimmer mit den beiden jungen Frauen, die überrascht hochzuckten. Eine viertel Stunde später schritt Harry mit einem zufriedenen Lächeln wieder ins Restaurant wo die anderen schon sehnsüchtig auf ihn warteten.

„Man Harry, wo warst du. Du wolltest doch nur pinkeln. Oder hast du noch schnell Nancy klar gemacht. Ich hab sie vorhin auch ich diese Richtung laufen sehen", rief Emmett und wurde für seine Wortwahl von Esme gerügt.

„Hat länger gedauert, Bruderherz. War gestern 'ne Menge Cola am Strand", antwortete Harry und setzte sich wieder hin. Harry ging dabei nicht einmal auf die andere Spitze des Vampirs ein und fragte sich, wie es wohl jetzt weiter ging. Dabei schaute er zu Direktor Fullert, der sich bisher mit Carlisle unterhalten hatte und hoffte auf einen Hinweis. Den Blick des Jungen offenbar spürend, lächelte Ernest und bat um die Aufmerksamkeit aller. Er winkte dabei auch noch einen jungen Mann, der bisher im Restaurant die Zeitung gelesen hatte zu sich und sagte: „Ich denke, es wird Zeit, dass wir einkaufen gehen. Alex hier, wird uns dabei begleiten und eure Fragen beantworten, soweit er es kann und darf, während ich nachher Harry mitnehmen, damit er seinen neuen Zauberstab bekommt."

Die Cullens, Harry, Hermine und Jacob horchten bei diesen Worten auf und fragten sich, wie sie denn nun in die magische Welt gelangten. Allerdings war es nur Hermine, die diese Frage auch laut aussprach. Die Antwort von Ernest war ein sanftes Lächeln und die Worte: „Der Weg dorthin liegt vor euch und geht durch den Magen."

Natürlich wusste damit keiner etwas anzufangen und jeder starrte nur auf die Tabletts mit den Überresten ihres Frühstücks. Ernest lachte und fuhr fort: „Ich habe euer Essen nicht ohne Grund als Little Wizard Menu deklarieren lassen. Jeder junge Zauberer und jede junge Hexe, die alt genug sind in unsere Welt einzutauchen, essen mindestens einmal hier, oder in einem anderen Restaurant, welches unter der Kontrolle des amerikanischen Ministeriums steht. Ich denke, ihr solltet vor allem nicht durstig in unserer Welt eintauchen."

Harry schaute bei diesem letzten Satzes etwas verwirrt, denn schließlich war er ja gerade erst vom Klo zurück. Doch während er sich noch fragte, was Ernest damit meinte, fiel sein Blick auf den leeren Orangensaftbecher. Harry hob ihn hob, drehte ihn um und als er hinein schaute, entfuhr ihm ein überraschte „Oohh".

Rasch nahmen auch Jacob und Hermine ihre Becher hoch, wobei letztere ihn noch austrinken musste. Doch dann wurden auch ihre Gesichter überrascht und Hermine las laut vor, was auf dem Boden des Bechers geschrieben stand.

Die Magische Welt wartet darauf, von dir entdeckt zu werden. Du findest den Eingang gleich hinter den Toiletten.

Wie auf einen Ruck schauten alle, die diese Worte gelesen hatte in Richtung Toilettengang und ihre Gesichter zeigten pure Überraschung als am Ende des Ganges eine weitere Tür wie aus dem Nichts zwischen der Damentoiletten und der der Herren auftauchte. Harry wurde dadurch sofort an den Grimmauld Platz erinnert und wie sich dieses Haus bei seinen ersten Besuch auch plötzlich zwischen den Häusern elf und dreizehn breit gemacht hatte.

„Der Fideliuszauber?", fragte Hermine und Direktor Fullert nickte. Und kaum eine Minuten später war die kleine Gruppe bereit. Sie standen auf und nachdem sie sich sicher waren, dass sie keiner sah, schritten sie zu der eben erschienenen Tür. Ernest drückte sich auf, erklärte noch, dass wenn die Tür sichtbar wurde, einige sehr starke Muggelablenkzauber wirkten und dann sagte er: „Bitte folgen, meine Damen und Herren und herzlich willkommen auf dem Agrippa Plaza…"