Kapitel 34
Ein grelles Licht, wie der direkte Blick in die Sommersonne, strahlte Harry entgegen, als er durch die magisch erschienene Tür im McDonalds Restaurant in Seattle schritt. Wobei etwas komisch war es schon, denn bevor er durch den Türrahmen getreten war, hatte es so ausgesehen, als würden sie alle in einen Abstellraum geführt. Doch kaum hatte die kleine Gruppen ihren Fuß über die Schwelle gesetzt, fühlte es sich an, als würden ihre Körper durch eine enge Röhre gedrückt und nun standen sie alle auf einem riesigen Platz. Nun ja nicht mitten auf dem Platz, sondern eher an einer der vier Seiten, vor einer roten Backsteinmauer und die Sonne strahlte ihnen freundlich entgegen.
„Bitte nicht stehen bleiben. Treten Sie etwas von der Wand weg, damit auch andere Besucher landen können."
Harry schaute sich überrascht um und bemerkte einen etwas älteren Zauberer in klassischer Zaubererrobe, der rechts von ihnen auf einer Bank saß, in der linken Hand eine Art Schreibboard und mit der rechten in einer Richtung deutend, in welche Harry und der Rest sich wohl bewegen sollte. Das Gesicht welches der Zauberer machte, war aber nicht genervt oder gestresst, wie Harry es von den Beamten des britischen Zaubereiministerium her kannte. Nein vielmehr verriet es, dass Harry und seine Freunde nicht die ersten waren, die erst einmal stehen blieben und mit offenen Mündern starrten.
„Geht klar Franco. War mein Fehler. Ich hab vergessen, dass in drei Tagen Schulbeginn und hier dann immer ein reges Treiben ist." Mit diesen Worten entschuldigte sich Ernest Fullert, grüßte den alten Mann mit einem leichten Winken und führte seine Begleiter von der mit schwarzem Granit gepflasterten Lande- oder Apparierplattform weg.
Und kaum dass der Weg frei war, erschienen auch schon wieder neue Besucher. Diesmal war es eine junge Familie, bestehend aus einem Mann um die dreißig, seiner blonden Frau und ihren beiden Kindern, die wohl gerade erst eingeschult werden dürften. Woher sie kamen konnte man anhand ihrer Kleidung, bestehend aus Jeans, Stiefeln, Karohemd und Stetson allerdings sehr schnell erahnen. Unterstütz wurde Harrys Theorie von Emmett, der meinte, dass der Akzent eindeutig texanisch war. ´So sah also ein Cowboy aus`, dachte Harry und schmunzelte.
Danach hieß es erst einmal sich zu orientieren. Harry schaute sich um und erkannte, dass der Platz, oder wie Ernest ihn genannt hatte Agrippa Plaza im Vergleich zur Winkelgasse riesig war. Die Dimensionen waren gewaltig und es war hell, der strahlenden Sonne geschuldet. Kaum hatte Harry dies erkannte, ging sein Blick zu Alice, die sich wie der Rest ihrer Familie etwas unwohl zu fühlen schien, zumal sie gerade funkelten und glitzerten wie die Auslagen von Tiffany.
Allerdings, so stellte es Harry auch fest, schien dies keinen hier auf dem Platz zu stören oder in Aufregung zu versetzen. Vereinzelt schauten Passanten kurz auf und runzelten skeptisch die Stirn, aber keiner schrie panisch „Vampir" oder rannte lauthals weg. Eine Tatsache, die Carlisles Familie verwunderte, ihr aber auch eine gewisse Erleichterung verschaffte.
Harry hatte Alice Hand genommen und drückte sie sanft. „Alles in Ordnung, mein Supermodell aus Antwerpen? Oder soll ich dich für heute Göttin der tausend Karat nennen?"
Alice funkelte ihren Freund erst an ob dieser Spitznamen und lächelte dann sanft zurück. „Nein Harry, es reicht wenn du den Boden küsst, auf dem ich laufe."
„Ok, werde es versuchen, wenn wir mit unseren Einkäufen fertig sind. Zumal ich dann ja eh gebückt laufen werde, da ich als Knecht … verzeih Freund natürlich … dann deine Einkäufe schleppen muss."
Damit kam Harry wieder zu seinem ursprünglichen Plan und schaute sich auf dem Platz um. Er erkannte dabei, dass das ganze Areal von allen vier Seiten von Gebäuden umgeben war, hier und da vielleicht mal eine kleine Gasse zwischen den Häusern, aber an sich die Ausmaße wohl mindestens hundertfünfzig Meter in der Länge und achtzig Meter in der Breite betragen dürfte. Das Zentrum des Platzes bildete ein Brunnen aus weißem Marmor, der umgeben war von unzähligen Buden und Ständen, so wie man es auch auf einem Wochenmarkt in der Muggelwelt finden konnte. Und dies schien es auch zu sein … ein Markt, denn Händler boten ihre Waren dar. Waren, die dem täglichen Gebrauch dienten und auch Nahrung. Harry fragte sich jedoch, ob er an solch einem Stand einen neuen Zauberstab bekam. Etwas, das dem Gryffindor dann doch etwas abwegig schien, wenn er an seinen Besuch bei Mister Ollivander dachte.
„Es erinnert mich hier etwas an den Marcusplatz in Venedig", hörte Harry Hermine sagen und dass auch Carlisle und Esme ihr zustimmten.
„Ja, er ist ein wenig diesem nachempfunden, Miss Granger. Nicht nur in den Dimensionen, sondern auch bei der Architektur. Sie sehen sicher die vielen Gebäude mit ihren Arkadengängen", erwiderte Ernest und lächelte das Mädchen vor sich an. Hermine schien viel zu wissen und mit Zufriedenheit stellte Ernest fest, dass die Informationen in ihrer Akte halbwegs korrekt waren.
„Sir, wir sollten langsam los", meldete sich Alex und schaute dabei in Richtung eines der Gebäude. Es war mit eines der größeren und befand sich an der Nordseite des Platzes. Zu ihm schien es auch die Texaner zu ziehen und Ernest meinte, dass sein junger Freund recht hatte.
„Na dann sollten wir uns losmachen." Mit diesen Worten wandte sich Ernest an Carlisle und sagte weiter: „Ich denke Carlisle, dass du, deine Frau und Miss Granger in der nächsten Stunde den Markt erkunden solltet. Ihr drei braucht keinen neuen bzw. überhaupt keinen Zauberstab und ihr findet bestimmt etwas, dass euch gefällt oder interessiert."
Carlisle nickte und wandte seinen Blick an Hermine und seiner Frau zu. Esme nickte ebenfalls und schaute schon in Richtung Marktstände, während Hermine nicht so recht wusste, ob sie Jacob allein lassen wollte. Andererseits konnte sie ihrem Freund bei der Auswahl seines Zauberstabes eh nicht helfen, zumal sie vor einigen Tagen noch nicht einmal geglaubt hatte, dass Jacob überhaupt einen Stab benutzen konnte. Doch ein Test von Professor Dumbledore hatte sie eines besseren belehrt und nun sah sich Hermine einer bisher noch nicht zu kalkulierenden Aufgabe gegenüber.
Harry und Ron waren schon schwierig. Doch jetzt hatte sie auch noch mit einem hundertachtzig Pfund schweren Kindskopf fertig zu werden, dem es galt über fünf Schuljahre Wissen und ein gewisses Maß an Vernunft einzutrichtern. Oh man, war Hermine froh, dass Emmett nicht in ihren Aufgabenbereich fiel. Darum konnte sich Rosalie kümmern, denn Jacob Black, der kaum, dass der Test positiv verlaufen war, gedroht hatte, jeden erdenklich Zauber an, wie er sie jetzt nannte Walpurgis-Barbie auszuprobieren, würde ihr schon genug graue Haare bereiten.
Der Marsch über den Platz war schnell hinter sich gebracht und Harry betrachtete das Gebäude vor sich mit zunehmender Neugier. Denn es war groß, hell und strahlte eine nicht zu verkennende Macht aus. Harry wurde unwillkürlich an Gringotts erinnert, nur dass hier die Architektur um einiges geradliniger war als bei der Koboldbank in der Winkelgasse.
Man betrat das Gebäude über eine breite Treppe, die fast über die ganze Breite der Vorderfront zog und sich nach oben hin, zu den hohen Glastüren hin verjüngte. Harry fragte sich, ob man auf dieser Treppe nicht auch sehr bequem sitzen konnte, wenn man das Treiben auf dem Markt beobachten wollte und wurde sogleich mit einer Antwort belohnt. Eine kleine Gruppe kam aus dem Gebäude und während die Erwachsenen noch versuchten, ihre Kinder etwas zu beruhigen, setzten sich die beiden Jungen auch schon auf die Treppe und betrachteten ihre neuen Zauberstäbe voller Ehrfurcht.
Schließlich hatte Harry, mit etwas Unterstützung von Alice, das obere Ende der Treppe erreicht. Er drehte sich um und genoss den Ausblick bis sich die riesige Glastür hinter ihm wie von Zauberhand öffnete und den Weg ins Innerste frei gab. Sofort nutzen Harry und seine Begleiter die Chance und traten ein.
Die Tür, nein vielmehr das gläserne Portal hinter sich gelassen, konnte Harry nicht anders und musste einfach starren. Denn wo das Gebäude von außen schon so einiges her machte, war es drinnen noch um ein vielfaches imposanter. Harry kam sich vor wie bei Harrods. Obwohl er dieses nur durch überschwängliche Reportage aus dem Fernsehen kannte. Riesige helle Räume, breite Treppen, und Prunk stachen jedem Besucher sofort ins Auge. Doch wo es anderswo wie Protz wirkte, wenn riesige Kronleuchter und goldene Verzierungen mit weißem Marmor ein Ensemble bildetet und einem den Atem nahmen, so empfand Harry, der sich jetzt nicht wirklich damit auskannte und zum Beispiel nur das Atrium im britischen Ministerium kannte, dies hier gar nicht als solchen. Für ihn sah die Empfangshalle des Einkaufshauses, und als solches stellte es sich heraus, vielmehr edel und gediegen aus.
„Oh wir haben Glück", sagte Ernest und schaute sich um. „Sonst ist um diese Zeit hier immer die Hölle los." Damit bedeutete er der kleinen Gruppe ihm zu folgen, zumal Emmett und Co scheinbar gar nicht wussten, wo sie zuerst hinsehen sollten. Jedes goldene Augenpaar glänzte in eine andere Richtung. Rosalie und Alice schauten zum Beispiel nach oben rechts in die erste Etage, wohin man durch eine breite Treppe gelangte und wo Harry nach einem kurzen Blick die Abteilung mit den Klamotten ausmachte.
Wenn es Harry mal genau nahm, führte eigentlich in jede Abteilung, die sich nicht im Erdgeschoss befand eine Treppe. Es sah fast so aus wie in Hogwarts, nur dass sich hier die Treppen nicht bewegten. Harry zählte allein vor sich drei Treppen, eine rechts, wie schon gesagt, eine links und zwischen ihnen eine breite Treppe, die nach unten führte und von wo es Harry so vor kam, als würde dort ein gewaltiges Stück Magie pulsieren.
„Wir müssen hier lang", erklärte Ernest und deutete zu Harrys Linken, weg vom Trubel und auch weg von den für Emmett und Jacob so interessanten Dingen wie dem Geschäft für Quidditchzubehör und Besen, oder aber auch weg von der etwas weiter hinten in der Art Passage gelegenen Version des Honigtopfes.
Ernest führte seine kleine Gruppe in eine weitere, sehr hell wirkende Empfangshalle, in welcher es einen edel verzierten Tresen und mehrere Sitzgruppen aus schwarzem Leder gab. Die Wände waren dabei mit jede Menge Bücherregale geschmückte und Harry konnte Hermines Augen leuchten sehen. Alles in Allem sah der Raum, nein eher kleine Saal aus wie ein Salon.
Doch dies schien Ernest, der wohl schon öfter hier gewesen war, nicht mehr so zu beeindrucken wie seine Begleiter. Er und Alex traten an den Tresen heran und sofort schaute eine junge Dame auf. Sie trug eine Art Uniform, hatte blondes Haar und einen Pagenschnitte und lächelte freundlich: „Willkommen bei SMU. Mein Name ist Annabell. Was kann ich für Sie tun, Sir?"
Ernest lächelte ebenso freundlich zurück und erwiderte: „Wir haben einen Termin, Miss." Dabei zog der ältere Zauberer eine Pergamentrolle aus seinem Umhang und reichte sie der jungen Empfangsdame. Diese öffnete das Siegel las den Inhalt und nickte dann verstehend. Was sie danach machte, das konnte Harry nicht so genau erkennen. Aber sie bewegte ihre Finger sehr schnell und ein leises Klappern war zu hören. Was tat sie da? Sie würde doch nicht etwa? Harry hatte plötzlich eine Vermutung und musste es einfach sehen. Er trat an den Tresen heran und schaute frech darüber.
Harry schüttelte den Kopf, als er es sah. Er erkannte die Tastatur und schließlich den Monitor und nur sehr langsam wurde der Gedanke in seinem Kopf klar … die junge Hexe hatte einen Computer.
„Stimmt etwas nicht? Kann ich ihnen helfen, Sir?", fragte sie und schaute Harry verwirrt an.
„Das da ist … ist ein Computer, richtig? Ein Muggelgerät?", kam es zaghaft aus Harry Mund.
„Ähm ja Sir, das ist ein Computer. Wir bei SMU arbeiten sehr viel mit solchen …", erwiderte Annabell, wie Harry es jetzt auch auf ihrem Namensschild las, und bevor sich Harry noch mehr blamierte, schritt Ernest ein. Offenbar waren sich die beiden dann doch nicht fremd, wie man es bei den zuerst gewechselten Worten hätte vermuten können. Andererseits schien es logisch zu sein, dass Ernest hier bekannt war, wenn er schon als eine Art Verbindung zwischen der magischen Welt und der der Muggel diente.
„Verzeih meinem jungen Freund, Ann. Aber er kommt aus England und …"
„Ich verstehe Sir", sagte Annabell verstehend und Harry kam sich noch dämlicher vor, ja jetzt regelrecht beleidigt.
„Was heißt hier, verstehe?", fragte er, so als würden sie ihn plötzlich als zurück geblieben betrachten, nur weil er überrascht war, dass sie hier mit Muggeltechnologie arbeiteten.
„Oh entschuldige Harry, so sollte es nicht herüber kommen. Doch du solltest wissen, dass Computer und Technologie für uns hier alltäglich sind. Viele Haushalte in Amerika haben elektrischen Strom, Fernseher und so weiter. Denn unsere Kultur hat sich in den letzten Jahrzehnten angepasst und arbeitet mit den Muggeln und nicht gegen sie, soweit es die internationalen Bestimmungen zur Geheimhaltung zulassen. Du darfst es uns nicht verübeln, dass wir vor allem England für ein wenig rückständig halten. Denn wenn man ehrlich ist, seid ihr es im Bezug auf das, was die Muggel geschaffen haben."
Harry wollte sich erst brüskieren, doch dann kamen ihm seine Gedanken von vor einigen Tagen in den Sinn, in welchen er nachdem er Carlisle und seine Familie beobachtet hatte, zu eben fast den selben Schlüssen gekommen war, wie die, welche ihm Ernest gerade genannt hatte.
„Ok Sir, ich entschuldige mich für meinen Ausbruch. Aber es ist doch schon sehr überwältigend und ungewöhnlich für mich, so etwas zu sehen. Und wenn mir noch eine Frage gestattet ist. Was bedeutet SMU?"
Es war Annabell, die mit einem gewissen Stolz antwortete: „SMU bedeutet Salomons Magical Utilitys. Wir sind eines der größten magischen Warenhäuser der Welt und haben Filialen in über dreißig Ländern."
„Oh", entfuhr es Harry und er schaute in Richtung der vielen Abteilungen, welche man über die verschieden Treppen erreichen konnte. „Und es gibt hier alles?" fragte er gleich hinterher und war gespannt auf Annabells Antwort.
„Nein Sir, alles gibt es hier nicht. SMU will keine Monopolstellung auch wenn es sich in mancher Hinsicht doch so entwickelt hat und daher verzichten wir hier auf bestimmte Produkte im Sortiment."
Harry war versucht zu fragen welche Produkte dies waren, doch eine Stimme von rechts lenkte ihn ab und im entferntesten Sinne führte sie auch zu einer Antwort.
„Ernest?", rief eine ältere Dame vom Eingang her. „Darf ich kurz mal vordrängeln?"
Direktor Fullert schaute auf und lächelte: „Natürlich Agneta. Du darfst doch fast alles."
„Danke", erwiderte die fremde Hexe mit einem nicht zu übersehenden Rotschimmer auf den Wangen und wandte sich an Annabell. „Fräulein, ich suche frische Waranenschwänze für einen Hauterneuerungstrank. Wo im Gebäude finde ich diese?"
„Gar nicht bei uns, Ma'am. Alle frischen Produkte obliegen unseren Händlern auf dem Marktplatz. Soweit ich es weiß, könnte Ihnen da der alte Adelbert weiterhelfen."
„Danke Miss", war dann das letzte was man von der älteren Hexe noch hörte und sie verließ das Kaufhaus wieder. Eine Minute später dann ertönte eine Glocke und durch eine ziemlich große und schwer wirkende Eichentür traten zwei junge, blonde und sportlich gebaute Männer in den Empfangsraum. Beide schätze Harry so um die dreißig Jahre alt. Doch während der eine vom Auftreten und vom schelmisch wirkendem Lächeln her in die Kategorie Weasleyzwilligen fiel, war der andere offenbar ein sehr ruhiger Typ, der seine Umgebung aufmerksam musterte.
Beide Männer trugen eine Art Uniform oder vielmehr Arbeitsrobe aus braunem Leder, hohe Stiefel, eine Latzschürze und ein Barrett mit einem goldenen Anstecker. Dieser fiel Harry besonders ins Auge, zeigte er doch einen Phönix mit einem filigran gearbeiteten Zauberstab in den Krallen, umschlossen von einem Kreis aus Feuer.
„Hey Ann, was hast du für uns? Sind das unsere zehn Uhr Termine?", fragte der dritte Bruder von Fred und George und lächelte dabei die junge Frau so an, als wollte er sie gleich noch um ein Date bitten.
„Ja, das sind sie Tony. Und wisch dir das Grinsen aus dem Gesicht, oder mein Vater tut es bei eurem nächsten Baseballspiel."
„Ja Babe, ich hab dich auch lieb", hauchte Tony jetzt und zuckte mit den Augenbrauen. Ohne Zweifel kannte die beiden sich schon eine Weile und Harry kam es so vor als wäre dies ein Spiel zwischen den Zwei. Dann wandte sich Tony an Alex Cord und meinte, dass er sich um dessen Begleiter kümmern würde, was hieß Emmett, Rosalie und auch Jacob und Alice sollten ihm folgen. Und dies taten sie auch, konnte es doch keiner der drei erwarten seinen Zauberstab zu bekommen. Allerdings war dies an gewisse Bedingungen geknüpft, wie Ernest es erklärt hatte, denn schließlich waren zumindest drei Personen Vampire, die eigentlich keinen Zauberstab mit sich führen geschweige denn benutzen durften.
Doch auch hier hatte Ernest eine Lösung gefunden und zwar in Absprache mit Albus Dumbledore und dessen wiedergewonnenen Freiheiten sowohl im britischen Ministerium als auch in der Öffentlichkeit. Sie beinhaltete einerseits, dass Alice und ihre Geschwister als Austauschstudenten der Vereinigten Staaten galten und daher unter deren rechtliche Zuständigkeit fielen und andererseits, dass man die Zauberstäbe der drei etwas modifizierte, sprich einige Banne auf sie legte, sodass bestimmte Zauber, die unter die dunkle Magie fielen oder gefährlich sein konnten, praktisch nicht ausführbar waren. Und eben diese Justierung der Zauberstäbe fiel in das Resort von Tony, der seine Kunden nun durch die schwere Eichentür führte und somit Harry, Ernest und den zweiten Zauberstabmacher zurück ließ.
Harry schaute ihn erwartungsvoll an. Er hatte keine Ahnung was auf ihn zukam, zumal der junge Mann vom Auftreten her nicht einmal annäherungsweise an den alten Mister Ollivander herankam. Dieser hatte damals, als er im staubigen und leicht düsteren Geschäft des Zauberstabmachers gewesen war, diese leicht mystische Ausstrahlung gehabt und ihn gesagt, dass sie Großes von Harry erwarten könnten. Doch der Mann jetzt vor ihm hatte diese Ausstrahlung nicht. Nein, Harry kam es eher so vor, als würde sein Gegenüber versuchen so professionell wie nur möglich herüber zu kommen um sein jungen Alter zu überspielen.
„Direktor Fullert", wandte er sich zuerst an Ernest und dieser lächelte zurück: „Du bist Adam, stimmt's? Du bist Curtis Fletschers jüngster, oder?"
„Ähm ja, Sir. Kennen Sie ihn?", erwiderte Adam etwas überrumpelt, doch schien es auch das Eis ein wenig zu brechen.
„Natürlich kenne ich deinen Dad. Und dich auch, zumindest habe ich dich als Baby des Öfteren besucht, um die kleinen Missgeschicke, welche du mit deiner wilde Magie hervorgerufen hast, wieder aus der Welt zu schaffen."
„Oh", sagte Adam leicht verlegen und brachte dadurch nicht nur Harry und Ernest, sondern auch Annabell hinter ihrem Tresen zum Kichern.
„Aber wir sind nicht wegen mir hier, Adam. Vielmehr habe ich unseren jungen Freund Harry hier her gebracht, damit er einen neuen Zauberstab bekommt. Sein alter wurde leider bei einem Feuer zerstört."
„Ich verstehe, Direktor", antwortete Adam, obwohl Harry sein Stirnrunzeln bemerkte und das diese wohl mit der Frage zusammenhing, wieso sich der Subdirektor des FBIs, der auch in der Zaubererwelt einen nicht zu verkennenden Stellenwert hatte, um die Belange eines fremden Jungen kümmerte. Allerdings verkrampfte sich der junge Stabmacher sofort, als ihm Ernest das Pergament reichte und er es las. Unwillkürlich ging der Blick von Adam zu Harrys Stirn. Doch da dieser sein Basecap wieder auf hatte, konnte man Harrys Markenzeichen natürlich nicht erkennen.
„An deiner Reaktion Adam, sehe ich, dass du weißt, wie brisant und unter welchem Geheimhaltungsaspekt, das alles hier zu betrachten ist."
„Natürlich, Sir", kam als Antwort. So als hätte Ernest einen Befehl erteilt. Allerdings bemerkte Harry auch, dass Adam plötzlich etwas anderes in den Sinn gekommen zu sein schien. Seine Hände fingen an zu zittern und ein „Aber das würde ja bedeuten, dass ich als mein … oh mein Gott" entkam ihm. Ernest grinste und sagte: „Ganz genau, mein guter Adam. Meister Dionysus meint, das wäre genau das was du brauchst. Also streng dich an und viel Erfolg."
Mit diesen Worten drehte sich Ernest um, wünschte Harry noch viel Spaß und meinte, sie würden sich nachher wieder hier am Empfang treffen. Alles was Harry noch tun konnte war, zwischen dem Direktor, Annabell und Adam hin und her zu schauen. Dabei bemerkte er das Lächeln welches die junge Frau dem Stabmacher schenkte und las von ihren Lippen ab, wie auch sie ihm viel Erfolg wünschte.
Ein gewisses Unbehagen fuhr durch Harrys Körper und skeptisch blickte er zu Adam, der wiederum noch versuchte sich zu sammeln. Was war hier nur los? Diese Frage brannte Harry auf der Zunge. Doch bevor er sie stellen konnte, sprach ihn der junge Mann an.
„Kommen sie Mister Potter? Ich führe Sie in meine Werkstatt, damit wir mit dem Werk beginnen können."
Harry überlegte kurz und sah die leicht versteiften Gesten seines Gegenübers. Und weil man ihm ja nachsagte, er habe eine Rette-Mensch-Tick, unterbracht Harry Adam noch einmal kurz und sagte: „Harry. Sie können ruhig Harry zu mir sagen, wenn Sie das beruhigt. Allerdings stelle ich eine Bedingung und die wäre, Sie sagen mir, warum Ernest Ihnen viel Erfolg gewünscht hat und Miss Annabell auch. Ich bekommen doch nur einen neuen Zauberstab."
Adam schaute Harry mit großen Augen an und ihm wurde wohl klar, dass sein Kunde wirklich nicht wusste, was gerade in ihm abging und warum. Daher führte er Harry zur Eichentür, öffnet sie und als sie aus dem Hörfeld des Empfangs verschwunden waren sagte er: „Danke Harry für das DU. Und entschuldige, wenn ich eben etwas durcheinander gewirkt habe. Es ist nur so, dass heute Morgen etwas passiert ist, auf das ich im Prinzip schon lange warte und es mich dann doch ein wenig kalt erwischt hat. Denn als ich heute Morgen hier her gekommen bin, hatte ich an meinem Umkleideschrank eine goldene Holzraspel hängen. Es ist ein Zeichen dafür, dass mein Großmeister mich für bereit hält die nächste Stufe meiner Meisterprüfung im Zauberstabmacherhandwerk zu erreichen."
„Eine Meisterprüfung? Heißt das, dass mein Stab dein … Ihr Meisterstück sein soll?", fragte Harry überrascht und wurde sogleich von Adam verbessert und ermahnt, dass wenn er ihn duzen dürfte, dass dies andersherum auch galt.
„Richtig Harry, du bist mein Meisterstück, zumindest dein Zauberstab und wenn es klappt, dann bekomme ich heute Abend meine neue Robe." Dabei deutete er auf seine dunkelbraune Uniform voller Gebrauchsspuren und erklärte, dass man die bestimmten Grade an der jeweiligen Kleidung und den Anstecknadeln erkannte. Adam schien nun beim Erklären regelrecht aufzublühen und so bemerkte Harry erst wenig später, dass sie ihr Ziel erreicht hatte. Ein Ziel, die Werkstatt, welches sich Harry so nie und nimmer vorgestellt hatte und welches sich nun in atemberaubende Kulisse vor ihnen auftat. Bisher war der Gryffindor Adam nur eine lange breite Treppe nach unten gefolgt. Doch nun standen sie in einem Durchgang, der sie in eine riesige Halle führte.
„Oh bei Merlin, wo sind wir hier?"
„Im Heiligtum der Zunft der Zauberstabmacher, Harry. Hier lernen und lehren die Lehrlinge und Meister und selbst die Großmeister die Kunst und das Handwerk des Zauberstabmachens. Denn wie Meister Dionysus es immer sagt, man lernt niemals aus, egal wie alt man wird."
„Es … es ist …"
„Beindruckend … ja Harry, so habe ich es damals empfunden, als ich das erste Mal diese Treppen hinab gekommen bin. Komm ich zeig dir meinen Arbeitsplatz. Er ist dort drüben."
Adam deutete auf einen Punkt etwas weiter links in der Halle. Doch der Gryffindor zögerte, denn er wollte erst sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Harry trat an das hölzerne, reichlich verzierte Geländer heran, welches direkt vor ihm lag und welches den Weg geradeaus versperrt. Er blickte in die Halle und schon im nächsten Moment zuckte Harry leicht zusammen, als es plötzlich zu seiner Rechten rot aufleuchtete und ein Schockzauber durch die Luft surrte.
Der Ursprung des „Stupors" lag einige Meter unterhalb von Harrys Position, im Zentrum der Halle und zwar mitten in einer Arena. Wenn man es recht nahm, war die ganze Halle aufgebaut wie ein kleines Stadion, oder zumindest einem Colloseum nachempfunden, jedoch nicht rund sondern eckig. Man hatte unten im Zentrum eine quadratische Arena, in der sich gerade zwei junge Zauberer lauthals duellierte und da wo sich sonst die ersten Zuschauerreihen befinden würden, erkannte man rings um die Arena kleine abgeschlagen Arbeitsbereiche in denen Harry bei genauerer Betrachtung Mädchen und Jungen nur unwesentlich älter als er selbst, ausmachte. Sie bildeten offenbar die Riege der Lehrlinge, rannten emsig umher und trugen allesamt einfach hellbraune Lederroben.
Über dem Lehrlingsbereich verlief dann eine Art Rundgang, der diese Ebene abgrenzte von der der Gesellen oder Stabmachern, auf welcher jetzt gerade Harry stand und die immer noch sehr beeindruckende Kulisse auf sich wirken ließ.
„Komm Harry, wir haben viel zu tun", sagte Adam und bedeutete Harry ihm zu folgen. Es ging raschen Schrittes eine Meter nach links dem mit dunklen Holzbohlen belegten Gang entlang und dann um eine Kurve, in welcher sie eine Treppe kreuzten. Wenn man es genau nahm, war hier sehr viel mit Holz gearbeitet worden, verschieden Art, mal hell mal dunkel aber eben Holz. Harry schaute sich interessiert um, blickte die Treppe, die sie passierten hinauf und dann wieder in die Halle und erkannte, dass es in jeder Ecke eine gab. Und nur über sie konnte man die verschiedenen Ebenen erreichen.
Es gab also so etwas wie eine Hierarchie und im Grunde bildete das Gebäude oder zumindest dieser Raum hier eine Art spiegelverkehrte stumpfe Pyramide, bei welcher der Stumpf die Arena, die Treppen die Steilkanten und die Grundseiten den obersten Rand bildeten, welcher ein riesiges gläsernes kuppelförmiges Dach trug. Und je mehr man lernte, desto mehr Erleuchtung erreichte man, wenn man bedachte, dass die Arbeitsbereiche der Meister und Großmeister, wie Adame Meister Dionysus genannt hatte, am weitesten Oben lagen, von wo sie alles überblicken konnten.
„Wir sind da", gab Adam bekannt und führte Harry in eine Art großen Verschlag oder eher abgetrennten Bereich, wie die Loge in einem Stadion. Harry erinnerte sich dabei an ein Foto welches er einmal bei Onkel Vernon gesehen hatte und welches die Anfänge seines Onkels bei Grunnings dokumentierte. Auf ihm war damals eine Art Großraumbüro zu sehen gewesen, wie man es auch aus dem Fernsehen her kannte, mit all seinen kleinen Verschlägen. Und Harry erinnerte sich daran, dass Vernon immer sehr stolz darauf gewesen war, dass er es zu mehr in der Firma geschafft hatte und er nach nur vier Jahren in sein eigenes großes Büro ziehen durfte.
Doch auch wenn Adam Arbeitsbereich kein blick- und schalldichten Wände oder gar eine Decke hatte, so war es dennoch größer als die Karnickelbuchten bei Grunnings. „Setz dich", sagte er und bot Harry einen Stuhl an. Der Gryffindor jedoch zögerte etwas und schaute sich viel lieber neugierig um. Es war wohl eine seiner Schwächen, die Neugier. Sein Blick fiel dabei auf den sorgfältig aufgeräumten Arbeitsplatz, wo allerlei Werkzeug zur Holzbearbeitung akkurat über dem Schraubstock angeordnet war. Oder aber er schaute auf die zahlreichen Bücher und Diagramme an einer der Wände, die den richtigen Umgang mit den verschiedene Materialien und Werkzeugen und die bestimmten Stadien der Herstellung darstellten.
„Nun Harry, dann sollten wir beginnen." Adam versuchte die Aufmerksamkeit seines Kunden oder wie man ihn nennen sollte, zu erlangen. Wobei sein Blick auch kurz nach oben zuckte, was Harry wiederum nicht entging. Er folgte dem Blick und schaute einen Moment später in die strengen Augen eines alten Zauberers, die über ihnen auf ein hölzernes Geländer gestützt stand und ihn mit einem Nicken begrüßte. Dann nickte er auch Adam zu und dies war wohl das Zeichen, dass er beginnen durfte.
„Ähm ja", räusperte sich Adam noch einmal kurz, um seine trockene Kehle zu beruhigen und erklärte dann: „Also Harry, wir wollen dir heute einen neuen Zauberstab zukommen lassen und um den für dich passenden zu finden, müssen wir uns im Zuge einiger Fragen den richtigen Grundeigenschaften deines neuen Stabes annähern. Denn nur so wirst du den richtigen finden."
„Verzeihung Adam wenn ich dich unterbreche. Aber man hat mir einst gesagt, dass nicht der Zauberer den Stab aussucht, sondern der Zauberstab den Zauberer."
Adam lächelte ob dieser Aussage. So als hätte Harry irgendeine Dummheit gesagt. Doch der Gryffindor konnte sich noch genau an die Worte von Ollivander erinnern und wie er doch so viele Zauberstäbe im Laden des alten Mannes probiert hatte, die Ollivander doch für so passend gehalten hatte.
„Harry, nimm mir das jetzt nicht übel, doch das was du sagst, ist der Glaube und die Meinung der alten Meister jenseits der neuen Welt, wie wir sie nennen. Nicht dass ich deren Arbeit und Wissen nicht respektiere, Harry. Doch wir hier in den Staaten haben gelernt nicht nur an den alten Traditionen fest zu halten. Nein, wir versuchen auch die Moderne mit einzubeziehen. Eine Sache, die uns auch Großmeister wie mein Mentor Dionysus immer wieder sagen."
„Aber …", wollte Harry wiedersprechen. Doch Adam ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Kein Aber Harry. Ich sagte doch, ich spreche den alten Meistern, und ich zähle Mister Ollivander , von welchem du ohne Zweifel deine ersten Zauberstab gekauft hast dazu, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nicht ab. Aber sie haben sich nicht weiterentwickelt, wie wir es unsere Meister hier getan haben. Sie haben ihr Handwerk fortgeführt und das haben sie gut gemacht. Doch die Aussage, dass der Zauberstab den Zauberer wählt ist so nicht richtig, Harry."
„Aber wie dann?", fragte Harry, den dieses Thema plötzlich brennend interessiert und zwar nicht nur im Bezug auf seinen neuen Zauberstab, sondern auch in Gedenken an seinen alten Phönixstab und dem was ihn dadurch mit Voldemort verband.
„Nun Harry, eigentlich ist dies ein Thema, welches nur im Kreise der Zauberstabmacher erläutert wird und über das ich nicht ohne die Erlaubnis meines Meisters Auskunft geb …"
„Tu es Adam", erklang mit einem Male eine tiefe Stimme von oben. Harry und Adam schauten hinauf zu Meister Dionysus und bemerkten sein Lächeln.
„Ich darf, Meister?"
„Ja Adam, du darfst. Mister Potter hier scheint ein aufgewecktes Kerlchen zu sein, der nach Wissen strebt. Und es gehört auch zu den Pflichten und Aufgaben eines Meisters, sein Wissen zu vermitteln. Und da Mister Potter ja nun völlig fremd mit der Materie zu seien scheint, finde ich, ist es eine gute Gelegenheit einige sonst verschwiegene Dinge zu offenbaren."
„Ich verstehe Meister", erwiderte Adam, obwohl Harry spüren konnte, dass der Druck auf den Meisterschüler wieder um einiges gestiegen war. Er schien noch einige Atemzüge nach den richtigen Worten zu suchen, doch dann begann er: „Wie ich dir schon sagte Harry, ist deine Aussage, dass der Zauberstab den Zauberer wählt nicht ganz korrekt. Ich weiß, dass die alten Meister dies gern vor allem bei jungen Kunden sagen. Aber es steckt doch so viel mehr hinter der Aussage. Denn der Zauberstab wählt nicht die Person an sich, sondern vielmehr die Eigenschaften, die er in ihr wiedererkennt. Verstehst du Harry? Jeder Zauberstab beinhaltet mindestens eine Komponente, die einst zu einem Lebewesen gehört hat. Und egal ob wir diese Lebewesen wie Drachen, Manticore oder Phönixe nur als Tier ansehen, so haben diese Tiere auch eine Seele und bestimmte persönliche Eigenschaften."
Harry schaute gebannt auf Adam und wie dieser in seiner Erklärung fort fuhr. „Nimm zum Beispiel mich, Harry. Mein Zauberstab enthält das Schwanzhaar eines Einhorns. Einem Tier, das für Reinheit und Naturverbundenheit steht …"
„Heißt das, du bist noch Jungfrau?", platzte es aus Harry heraus und schon im nächsten Moment hielt er sich den Mund zu. `Oh mein Gott, was frage ich denn da? Bist du irre, Potter?`, dachte Harry bei sich. Allerdings war Harry umso geschockter, als Adam ihn nicht verletzt oder brüskiert anschaute sondern cool erwidert: „Frag das mal meine Frau und meine beiden Töchter, die ich laut meinen besten Freunden optisch gesehen nicht abstreiten kann."
„Ich … ich … T´schuldigung, das wollte ich gar nicht fragen", stammelte Harry total peinlich berührt und Adam winkte nur ab.
„Ach lass ruhig Harry, du bist nicht der Erste, der diese Frage gestellt hat. Obwohl es schon eine Weile her ist. Andererseits frage ich mich einmal wieder, warum man Reinheit immer mit Keuschheit verwechselt. Ein Mensch kann doch immer noch reinen Herzens sein, auch wenn er des Nachts pimpert als gäbe es kein Morgen."
Ab hier musste Adam kurz unterbrechen, da Harry sich kurz verschluckt hatte und lachend fügte er dann hinzu: „An deiner Reaktion und bei dem roten Gesicht, Harry, wird mir allerdings klar, wer hier die Jungfrau im Raum ist." Damit nahm er einen Stift und schrieb etwas auf seine Schreibboard nieder. Harry hoffte allerdings inständig, dass Adam nicht seine Unerfahrenheit dokumentierte und schaute Nachdenklich auf Adams Hand.
„Keine Sorge, das kommt nicht in die Akten. Das geht Niemanden etwas an. Ich habe mir nur einen Stichpunkt gemacht, der mir nachher bei der Auswahl der Materialien hilft. Kann ja sein, dass auch du auf Einhornhaar reagierst und da will ich vorbereitet sein. Manche Reaktion kann nämlich sehr heftig sein, je nach Charakter des Tieres. Und glaub mir, unsere vierbeinigen Freunde sind nicht immer so wie man sie kennt. Glaub mir Harry, ich habe in meiner Lehre Meister Dyonisus oft geholfen, verschiedene Zauberstabmaterialien zu besorgen. Manchmal sogar dann wenn die Paarung der Einhörner an stand und Einhörner können dabei alles andere als lieb und rein und unschuldig sein."
Harry glühten die Ohren als er sich annäherungsweise vorstellte, was Adam damit meinen könnte. Ein Glucksen von oben verriet dem Gryffindor, dass auch Meister Dionysus sich wohl gerade daran erinnert. Allerdings wurde Adam dann wieder ernst meinte: „So jetzt aber Spaß beiseite Harry. Es wird Zeit für den ersten Schritt der Stabherstellung."
Wenn Harry jetzt aber gedacht hätte, Adam würde ihn wie Mister Ollivander damals vermessen, da wurde er enttäuscht. Denn zuerst hieß es für den Gryffindor einige doch sehr spezifische Fragen zu beantworten. Fragen wie nach seiner Lieblingsspeise, oder ob er Allerdien hatte. Die Frage nach seinem Lieblingsholz oder was er von Quidditch hielt. Alles in Allem kam sich Harry nicht vor wie bei einem Zauberstabmacher, sondern als wenn er einem Reporter der Teenwitch gegenübersaß.
Adam stellte seine Fragen mit sehr viel Aufmerksamkeit und bemerkte schnell wenn Harry nicht wirklich darauf antworten wollte. Doch es war sein Job und half dem Ergebnis. Sein Gegenüber, also Harry, versuchte unterdes nicht so viel preis zu geben, zumal ihm bewusst war, dass über ihnen Meister Dionysus ebenfalls alles hörte, auch wenn der alte Meister sich ab und an wegdrehte und seine anderen Lehrlinge und Gesellen beobachtete. Zwanzig Minuten später war das Interview vorbei und Harry erlöst. Ab jetzt konnte der praktische Teil beginnen. Ab jetzt hieß es seinen neuen Zauberstab zu finden.
„So Harry, ich denke wir versuchen erst einmal die richtig Stablänge zu finden", sagte Adam und holte aus einem Regal ein Art Setzkasten mit verschiedenen Zauberstäben. „Das hier sind Musterstäbe mit den gängigsten Kernen. Du brauchst dir kein Sorgen machen, wenn sie nicht gleich wirklich funktionieren. Es geht hier nur ums Handling."
„Verstehe Adam", erwiderte Harry und griff nach dem ersten ihm gereichten Zauberstab. Kirschholz mit Einhornhaar, hatte Adam gesagt und ein leicht süffisantes Lächeln im Gesicht, wofür ihn Harry am liebsten einen Fluch präsentiert hätte. Allerdings fühlte sich der Zauberstab nicht richtig an und Harry legte ihn zur Seite. Es folgten schließlich noch drei weitere Stäbe, die ebenfalls keine Wirkung zeigten und was Harry etwas unruhig werden ließ. Er fühlte sich irgendwie an seinen Besuch bei Mister Ollivander erinnert. Doch da hatten die Stäbe wenigstens etwas gemacht.
Adam blieb auf der anderen Seite die Ruhe selbst und machte sich Notizen, bis er schließlich einen Zauberstab in die Hand nahm, der Harry an seinen Phönixstab erinnerte. Und Harry sollte recht behalten es war ein Stab mit Phönixfederkern. Adam reichte ihn Harry und dieser wedelte leicht. Doch nichts geschah. Zumindest nichts, was Harry erwartet hatte. Leicht enttäuscht legte der Gryffindor den Musterstab wieder auf den Tisch und bemerkte nicht, dass er dabei die anderen Stäbe anstieß und sie ins Rollen kamen. Einer nach dem anderen fiel vom Tisch und mit einem „Mist", wollte Harry sie vorm Herunterfallen bewahren. Er griff sich den Kirschstab und dann den Phönixstab mit seiner linken Hand, da diese seit dem Absturz weitaus besser Reflexe vorwies als seiner Rechte. Harry schob dies auf die Narbe auf seinem Knochen. Weshalb er auch beschlossen hatte, dass seine linke Hand ab jetzt seine Zauberstabhand sein sollte. Allerdings reichte diese Hand nicht aus um alle Stäbe aufzufangen und so griff der Gryffindor auch noch mit der rechten Hand zu. Und von da an ging alles schief.
Kaum hatte Harry den eben noch runter fallenden Zauberstab mit dem Phönixkern in der rechten Hand, begann dieser immer wärmer und heißer zu werden. Seine Spitze fing an zu glühen und Funken sprühten in alle Richtungen. Es waren jedoch keine goldenen oder roten harmlosen Funken, sonder eher glühendheiße Spritzer wie bei einer Wunderkerze.
Überall flogen sie hin und überall wo sie landetet brachen kleine Feuer aus. Adam hatte seinen eigenen Zauberstab sofort in der Hand und schaute entsetzt auf das Schauspiel. Sein Blick ging dabei von Harry zu seinem brennenden Schreibtisch und er rief immer wieder, Harry solle den Zauberstab fallen lassen. Zwischendurch löschte er die Brände mit kleinen Wasserfontänen aus seinem Stab.
Allerdings war dies ein nicht gerade erfolgreiches Unterfangen. Daher ließ Adam es erst einmal sein und versuchte an Harry heran zu kommen, um ihm vielleicht den Stab zu entreißen. Denn offenbar schaffte der Gryffindor es nicht den Zauber zu beenden, was auch immer dies für einer war. Harry schien zu geschockt für eine Rektion zu sein und wenn Adam nicht bald etwas einfiel, dann wurde Gefahr für Harry noch größer denn die Funken oder besser ihre Quelle wanderte wie bei einer Muggelwunderkerze auch immer weiter nach unten und damit in Richtung von Harrys Hand, was unweigerlich zu einer schmerzhaften Verbrennung führen würde.
Harry bekam von all dem nur noch Bruchstücke mit. Er spürte nur noch den Schmerz in seinem rechten Arm, nicht einmal die Hand, sondern sein Arm brannte und zitterte, so als würde ihn das Feuer von innen her aufzehren. Dann hörte er Adam Stimme und wie dieser rief, er solle den Stab fallen lassen. Doch Harry konnte es nicht. Der Stab klebte förmlich an seiner Hand und fühlte sich an als gehörte er zu seinem Körper. Und noch bevor Harry dies weiter begreifen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen. Langsam fiel der Gryffindor nach vorn über und das letzte was Harry hörte war der schrille Schrei eines Phönixes … ein Phönix, der seinen letzten Zug tat.
