Kapitel 35

„Und Alex, hast du das Spiel gesehen?"

„Welches?"

„Welches? Was für eine blöde Frage. Die Harpiens natürlich! Klasse Spiel und wenn die bedenkst, dass die Saison erst angefangen hat, dann können wir uns auf mehr freuen."

Tony, der Zauberstabmacher, welcher sich um Jacob und die Cullens kümmern sollte, führte diese wieder zurück in die Eingangshalle von SMU und dann an verschiedenen Boutiquen vorbei. Allessamt Geschäfte, welche die Aufmerksamkeit der beiden weiblichen Vampire voll und ganz auf sich zogen. Wogegen Jacob und Emmett eher am Gespräch der zwei Zauberer interessiert waren. Zumal Alex, der junge FBI Agent, auf Tonys empörten Gesichtsausdruck, dass er nicht wusste, welches Spiel gemeint war, nur amüsiert lächelte.

„Ach das Spiel T. Nun ja, es war ganz in Ordnung. Obwohl ich nicht ganz so viel davon mitbekommen habe. Ich hatte Sicherheitsdienst am letzten Sonntag. Du weißt schon T, ich musste zuerst die Kabine der Harpiens checken, dann die ganze Zeit Wache in der Umkleide schieben, damit sie beim Umziehen nicht gestört werden und schließlich im Kontrolleraum sitzen und das Spiel auf fast dreißig Monitoren und aus den unterschiedlichsten Perspektiven mit ansehen. Glaub mir, dass war Stress pur und dann noch das Catering … grauenhaft. Nur gekühlte Getränke und ein Buffet, dass nichts offen ließ."

Im nächsten Moment blieb Tony stehen und starrte den jungen Agenten an. Sein Blick wandelte von Unglaube hin zu gespieltem Ärger. „Arschloch", lachte er und boxte Alex kurz auf den Arm. „Oder sollte ich Glückspilz zu dir sagen? Mann, wie machst du das immer nur?"

„Berufsgeheimnis T, mehr sage ich nicht", erwiderte Alex und bedeutete Tony, dass sie weiter gehen sollten.

„Ok, Mister geheimnisvoll. Aber eins sagst du mir noch. Wie sehen die Harpiens ohne ihre Spielklamotten aus? Tragen sie wirklich nichts unter den Trikots? Und noch viel wichtiger, hast du Charlottes geheimnisvolles und von allerlei Sagen umwobenes Tattoo gesehen?"

„Du meinst den kleinen weißen Tiger?", grinste Alex wissend, ja geradezu verboten schmutzig und ließ damit keinen Zweifel offen. Das war dann der Punkt, wo sich Rosalie zu Wort meldete. Sie hatte die ganze Unterhaltung mit angehört und ließ ein leicht genervtes und abfälliges „Männer" verlauten. Und ganz bestimmt hätte sie auch noch etwas anderes in Richtung von Macho gesagt, wäre ihr nicht Emmett ins Wort gefallen.

„Von was für einem Sport redet ihr da eigentlich? Und wer sind die Harpiens? Ist das 'ne Tanzgruppe? Cheerleader vielleicht?"

Tony schaute den bulligen Vampir mit großen Augen an und musste erst von Alex darüber aufgeklärt werden, dass seine Begleiter noch nicht sehr viel von der magischen Welt wussten. Allerdings war dies vielleicht ein Fehler gewesen, denn schon im nächsten Moment sah sich Tony, den Alex seit der Schule her kannte und ihn als einen seiner engsten Freunde bezeichnete, dazu berufen, die beiden Fremden über alles was es zu Quidditch zu sagen gab, aufzuklären. Ein Gespräch, welches wohl Stunden dauern konnte und welches dies auch tat. Denn Tony und Emmett und Jacob kamen sich währen dessen irgendwie näher, zumindest was ihr Interesse für Sport anging und da dies das Eis brach, erleichterte es auch die nächsten Schritte beim Aussuchen und Justieren der Zauberstäbe. Alles flutschte förmlich bis zu dem Punkt, als plötzlich ein lautstarkes Dröhnen einer Alarmsirene ein Unglück verkündigte. Und das mit einem Ton, der den drei Vampiren schmerzhaft in den Ohren klingelte.

Sofort waren alle Angestellten bereit, hielten ihr Zauberstäbe in den Händen und warteten darauf, dass aus den Lautsprechern die ersten Instruktionen, zum weiteren Vorgehen zu hören waren. Irgendwo im Gebäude war etwas geschehen, doch bevor man nicht wusste wo, hieß es Ruhe zu bewahren. Allerdings sollte dies schwer werden, zumindest für Alex und Tony, denn als eine Geisterstimme verlauten ließ, dass es einen Vorfall in der Zauberstabmanufaktur gab, da hörten die beiden nur noch, wie Alice und ihre Geschwister synchron „Harry" riefen und sich anschickten das Protokoll zu verletzen und in Richtung Eingangshalle stürmten.

Die Tür oder das Portal erreichten sie jedoch nicht. Denn trotz ihrer übermenschlichen Kraft und Geschwindigkeit hielt sie im nächsten Moment etwas mitten im Lauf auf. Alice, Rose und Emmett schauten sich verwirrt um und bemerkten, dass sowohl Alex als auch Toni ihre Zauberstäbe auf sie gerichtete hatten.

„Lass mich los", fauchte Alice, scheinbar total vergessend wo sie hier war und versuchte sich krampfhaft gegen den Zauber zu wehren. Harry war in Gefahr, möglicherweise sogar verletzt und sie musste unbedingt zu ihrem Liebsten.

Emmett auf der anderen Seite hatte schon Erfahrungen mit dieser Art von Magie und wusste, dass es nichts brachte. Daher schaute er nur zu Rosalie und hoffte, dass diese nicht auch noch auf die Idee kam, gegen die Zauber zu kämpfen, zumal immer mehr der hier anwesenden Hexe und Magier ihre Zauberstäbe zückten.

„Beruhigen sie sich Miss Cullen. Allein das wird das Beste sein, was Sie tun können. Panik hilft weder Harry noch Ihnen, denn das Personal und die Sicherheitsleute vom SMU könnten Ihr Verhalten als mögliche Gefahr sehen und wissen mit einer solchen umzugehen."

Alex hatte mit ruhigem, aber sehr überzeugendem Ton gesprochen, seinen Zauberstab jedoch nicht einen Millimeter gesenkt. Natürlich verstand er Alice, verstand ihre Sorge, hatte der junge Agent schließlich gesehen und auch gespürt, dass diesem Mädchen Harry Potter sehr viel bedeutete. Doch da sie scheinbar nicht einmal ansatzweise eine Ahnung zu haben schien, was diese Welt hier, in der sie sich gerade befand, mit ihr anstellen konnte, hieß Deeskalation die oberste Devise.

„Haben Sie mich verstanden, Miss Cullen?", fragte Alex und bedeutete dann Toni, dass er dessen Zauber übernahm und den jungen Zauberstabmacher damit frei gab, um sich anderweitig um etwas zu kümmern. Etwas, dass Toni auch machte und eiligen Schrittes zu einem kleinen Regal an der Wand ging. Dort stand eine kleine, etwa zehn Zentimeter im Durchmesser messende Glaskugel auf einem Sockel und auf diese legte Toni seine Hand.

„Abteilung F … Adam Fletscher", sagte er laut und deutlich und im Inneren der Kugel bildete sich ein gelber Nebel, aus dem Augenblicke später ein Gesicht hervor kam. Emmett schaute gespannt auf die Kugel, die wohl ein magisches Äquivalent zu einem Bildtelefon darstellte.

„Ja Toni, was ist los?", fragte das verkleinerte, sichtlich angespannte und mit Ruß überzogene Gesicht von Adam.

„Was los ist? Willst du mich verarschen? Das Haus hat gewackelt und ihr habt bei euch einen Alarm in der Abteilung, der besagt, es ist etwas mehr passiert als nur eine umgefallen Flasche Feuerameisenpisse. Ganz zu schweigen davon habe ich hier als Gegenpol drei besorgte Vampire im Fesselzauber, die wohl jeden niederwalzen würden, der dumm genug ist sich ihnen in den Weg zu stellen. Also was ist los? Wie geht es vor allem deinem besonderen Kunden und ich hoffe die Antwort ist befriedigend, denn vor allem dem kleinen Schnuckelchen von Blutsauger reißt bald der Geduldsfaden."

„Oh Harry geht's gut, den Umständen entsprechend. Vielleicht ein wenig verrußt wie wir alle im Umkreis von fünf Metern. Ach, und ja. Er hat gerade meine Werkstatt in Schutt und Asche gelegt und den als antik einzustufenden Phönixstab unseres Firmengründers völlig ausgebrannt."

Hinter Adam konnte man aus der Kugel ein entsetztes „Oh, das habe ich nicht gewollt" hören und offenbar reichte dieses, diese Stimme aus, um Alice zu beruhigen, denn schließlich war es Harrys Stimme und das Zeichen, dass es dem Junge gut ging. Allerdings funkelte sie nun Toni mit finsterer Miene an. Denn eines musste noch geklärt werden. Hatte er sie gerade „Schnuckelchen" genannt?

Toni blickt über seine Schulter und grinste breiter als der Grand Canyon. Dann gab er noch einmal offiziell Entwarnung und kaum hatte er dies getan verstummte auch schon wieder die Sirene. Etwas, das Toni nutzte um die andern im Raum noch zu informieren. „Alles in Ordnung in der Arena, nur Sachschaden und ein angeknackstes Ego bei unserem Primus. Doch da muss er durch als Lurch."

Alex grinste. So war Toni nun einmal. Immer einen Spruch auf den Lippen und mit Sicherheit würde er sich auch aus der Sache mit Alice Cullen wieder herausreden können. Daher hob Alex den Zauber auf und ließ die Vampire frei. Schließlich hieß es immer noch, die richtigen Zauberstäbe für seine drei Schützlinge zu finden.

Harry wollte schreien … einen Siegesschrei von sich geben. Allerdings warum er es tun wollte, das wusste er jedoch nicht. Es kam ihm so vor als hätte er soeben einen mächtigen Feind besiegt, doch an alles was sich der Gryffindor erinnern konnte, war wie der Zauberstab in seinen Händen Feuer gefangen hatte und …

„… Harry …", ein leises Hauchen.

„… Mister Potter …", eine fester Bariton, der von Weisheit zeugte.

Leise Stimmen drangen an sein Ohr. Wo kamen sie her? War es die Dunkelheit um ihn herum, die Harry rief und lockte? Er war versucht ein „Hallo" in die Leere zu rufen. Doch dann völlig unvermittelt trieb es einen fürchterlichen Gestank in seine Nase, der bis zum Hirn hochkroch und Harry schreckte auf. Er war wieder Herr seiner Sinne und blickte in das Gesicht von Adam, der gerade ein kleines Fläschchen unter Harrys Nase wegzog … Riechsalz.

„Oh mein Gott, was ist passiert?", rief er und schaute sich im Zimmer um, oder dem was davon noch da war. „Was habe ich getan?", flüsterte Harry geschockt und dann: „Oh shit, ich habe deine Prüfung versaut."

Im nächsten Moment verwandelte sich das Gesicht von Adam. Aus anfänglicher Erleichterung darüber dass es seinem Kunden gut ging, wurde Sorge und sich zu Meister Dionysus umdrehend meinte er: „Schnell Meister, wir brauchen einen Heiler. Harry hat sich den Kopf gestoßen."

„Was? Wie? Nein, das habe ich nicht. Es geht mir gut!", rief der Gryffindor und bemerkte wie der alte Großmeister anfing zu lächeln.

„Das denkst du Harry", unterbrach Adam ihn. „Aber du zeigst eindeutige Symptome. Ich meine, du hättest dich ernsthaft verletzen können, gar sterben und das erste was dir in den Sinn kommt, ist, dass du mir meine Prüfung versaut hast?"

Harry schaute Adam mit großen Augen an und versuchte etwas zu erwidern. Er merkte dass sein Gegenüber mehr als nur aus seiner Ruhe und die für ihn so typischen sachlich-stoischen Art gerissen worden war. Und Harry schien nicht der einzige zu sein, der das so sah.

„Und wer sagt, dass deine Prüfung schon vorbei sei, Adam?", fragte Dionysus. „Habe ich dies in irgendeiner Art und Weise angedeutet?"

„Aber Mei … Meister", stotterte Adam nun leicht und sah ungläubig zu dem alten Zauberer hinüber.

Dionysus erhob sich von seinem Platz und schritt langsam zu seinem Schützling herüber. „Soweit ich die Sache sehe, hast du bisher nichts wirklich Gravierendes falsch gemacht. Gut, dein Arbeitsplatz liegt in Trümmern und jede Menge Zauberstabmaterial ist in Flammen aufgegangen. Doch ob dies an dir lag, dies herauszufinden wird auch ein Bestandteil deiner Prüfung sein. Einfach einen Zauberstab herzustellen, dass kann jeder Stabmacher. Du jedoch Adam, du willst ein Meister werden und dazu gehören auch solche Dinge hier."

Sowohl Adam als auch Harry schauten den alten Mann mit großen Augen an. Harry bemerkte, wie der jungen Stabmacher anfing zu schwitzen und sich über das Gesicht wischte. Etwas das er hätte lieber sein lassen, oder aber er hätte es getan, nachdem er den ganzen Ruß und die Asche von seinen Händen losgeworden war.

Dionysus lächelte ob diesen Anblicks und als ihn Adam fragend ansah und wahrscheinlich wissen wollte, was sein Meister so lustig fand, wurde er in seinem Tun unterbrochen, da hinter ihm, gleich neben der Tür etwas zu surren begann. Harry schaute in die Richtung und bemerkte eine gläserne Kugel auf einem hölzernen Sockel, von der das Surren ausging und in welcher sich eine Art gelblicher Nebel bildete.

Adam lief zu der Kugel und strich kurz mit seiner Hand darüber. „Ja, was ist los?", fragte er und ein kleines Gespräch mit einen von Harrys Platz aus nicht zu erkennendem Gesicht begann. Worum es ging verstand Harry nicht wirklich. Nur als Adam meinte, dass nichts passiert war, es Harry gut ging, und dieser etwas Antikes zerstört habe, da konnte der Gryffindor nicht anders und ein „Oh, das habe ich nicht gewollt" verließ seinen Mund.

Adam sprach noch einige Moment mit der Kugel und beendete dann deren Zauber. Er drehte sich zu Harry um, schaute ihn nachdenklich an und dann über die Trümmer seines Arbeitsplatzes. Offenbar fragte er sich, wie es nun weiter gehen sollte. Adam hatte sich eigentlich schon damit abgefunden, dass seine Prüfung vorbei war. Dementsprechend unsicher wanderte sein Blick durch den Raum.

„War er wirklich antik? Der Zauberstab, meine ich?", unterbrach Harrys Stimme Adams Grübeln.

„Ähm ja, Harry. Aber mach dir keine Sorgen. Du kannst nichts dafür", erwiderte der junge Zauberstabmacher und versucht sein Gegenüber zu beruhigen. Dann nahm er sein Schreibboard vom Schreibtisch, oder zumindest dem, was davon übrig war. Überraschenderweise hatte das Pergament nicht den kleinsten Brandfleck und Harry fragte sich, ob das Board vielleicht durch Magie geschützt war.

Adam las noch einmal seine Notizen durch und schien nach einem Anhaltspunkt zu suchen, wie dieser Unfall passieren konnte, und wie es jetzt weiter ging. Hilfe bekam er dabei von seinem Meister. Dionysus straffte nämlich im nächsten Moment seine Robe und fragte: „Also Adam, fühlst du dich in der Lage deine Prüfung fortzusetzen?"

Adam zögerte, bevor er nickte: „Ja Meister, das tue ich. Allerdings frage ich mich, wie …"

„Bei mir im Atelier natürlich, Adam. Wozu ist denn sonst das ganze Werkzeug da", erwiderte Dionysus ruhig, ja fast großväterlich und konnte es sich offenbar nicht verkneifen ein „Aber leg es nicht in Schutt und Asche" hinterher zu schicken. Danach wandte er sich an Harry und fragte diesen, ob er gewillt war, weiter an der Prüfung mitzuwirken.

„Ja, das bin ich", antwortete Harry kurz und ohne nachzudenken, und kam sich so vor, als hätte er einen Eid geleistet. Er wollte ja nicht verraten, dass es ihn wirklich interessierte, wie ein Zauberstab hergestellt wurde. Danach bat Dionysus die beiden Jüngeren ihm zu folgen und er führte sie über eine der Treppen auf die nächste Ebene der Manufaktur.

„So Adam, mein Reich gehört nun völlig dir, außer vielleicht die Bilder meiner Frau, die Strandfotos meiner Enkelin und die Minibar mit dem Scotch. Ein paar Privilegien musst du dir schon noch erarbeiten." Mit diesen Worten beschwor der alte Zauberer noch zwei Stühle und setzte sich dann wieder beobachtend zurück.

„Ähm ja. Okay. Dann wollen wir mal", erwiderte Adam und wischte sich die schwitzenden Hände an seiner Hose trocken. Dann nahm er seine Aufzeichnungen und sagte: „Also Harry, ich denke wir sollten dort fortsetzen, wo uns das Feuer unterbrochen hat." Dann jedoch schüttelte der junge Stabmacher den Kopf. „Nein, das lassen wir und untersuchen vielmehr den doch sehr sonderbaren Vorfall und warum der Zauberstab auf dich reagiert hat und ausgebrannt ist."

Harry stimmte dem zu, denn er hatte keine Lust noch einmal fast in Flammen aufzugehen. Er bedachte Adam mit einem zustimmenden Nicken und setzte sich lässig und nicht ganz so verkrampft auf den gepolsterten Stuhl, welchen Dionysus beschworen hatte. Denn wenn dies hier schon länger dauern würde, dann sollte es wenigstens in einer bequemen Haltung sein.

„Nun Harry, wir sollten einige Fragen abklären. Ich hoffe der Vorfall hat dein Vertrauen in mich nicht zu sehr erschüttert und du bleibst weiterhin so offen mit mir. Also sag mir doch bitte zuerst, was du gespürt hast, als das Feuer ausgebrochen ist. Du musst wissen, magisches Feuer hat sehr oft mit Emotionen zutun und werden durch genährt."

Harry überlegte und sofort kamen ihm der Schrei seines imaginären Gegners und das Gefühl des Sieges wieder in den Sinn. Nur wie sollte er das erklären ohne leicht verrückt auf Adam zu wirken. Andererseits war es vielleicht wichtig und erzählte Harry oder besser versucht er es zu umschreiben.

„Ein Kampf und ein Sieg", sagte Adam leise und schrieb es auf. Dabei las er noch einmal durch, welche Zauberstäbe Harry schon probiert hatte und man konnte sehen, dass sich leichte Runzeln auf der Stirn des jungen Mannes bildeten. Harry hatte das schon mal gesehen und zwar wenn Dudley sich beim Nachdenken sehr anstrengen musste. Etwas, das bei seinem Cousin allerdings auch schon beim kleinen Einmaleins der Fall gewesen war.

'Ein Kampf und ein Sieg', hallte es durch Harrys Geist und er schaute zu Meister Dionysus. Der alte Zauberer lächelte und Harry, im Gegensatz zu Adam, konnte dies deutlich sehen und auch das Dionysus zufrieden nickte. Offenbar war Adam auf dem richtigen Weg und das freute dessen Mentor.

Erneut ging Adams Blick auf sein Schreibboard und blieb schließlich ziemlich weit oben hängen. „Sag mal Harry, dein alter Zauberstab hatte doch einen Kern aus Phönixfeder, richtig?"

„Ähm ja, wieso?", fragte Harry überrascht und bekam als Antwort von Adam einen Gegenfrage.„Hast du die Überreste noch?"

„Ja", erwiderte er und griff unbewusst in Richtung Hosentasche, wo Harry in einem Taschentuch eingewickelt den Holzstummel mit dem Phönixfaden aufbewahrte.

Adam entging diese Bewegung nicht und er lächelte in sich hinein. „Kann ich sie mal kurz sehen?" Allein schon diese Frage ließ für Harry keinen Zweifel offen, dass sei Gegenüber wusste, dass er die Reste mithatte. Harry nickte und zog das Taschentuch heraus. „Hier sind sie, Adam. Aber bitte sei vorsichtig. Ich möchte sie als Andenken aufheben."

„Keine Sorge, ich werde sie hüten wie meinen Augapfel", lachte Adam und nahm den Holzstummel sorgsam in seine Hand. Selbst mit seinen jungen Jahren wusste der Stabmacher, dass viele Zauberer und Hexen so etwas wie eine Beziehung zu ihrem Stab aufbauten und ihn als Teil von sich sahen und dies war gut so, denn dann funktionierten sie auch besser. Jetzt aber galt es Harrys alten Stab zu untersuchen. Vielleicht lag ja die Antwort in ihm.

„Oh", flüsterte Adam überrascht, kaum dass er das Holz in seinen Händen hielt.

„Was ist los, Adam?", fragte Harry sichtlich interessiert über dessen „Oh".

„Nun Harry, es ist komisch oder eher ungewöhnlich. Ich spüre keine Magie mehr in deinem alten Stab. Er scheint völlig leer zu sein. Und das sollte es eigentlich nicht geben, egal was mit dem Stab passiert ist. Es gibt immer eine gewisse Restmagie in den Überresten aufgrund der magischen Komponente."

Harry schaute Adam überrascht an und erinnerte sich an Hagrids Regenschirm, in welchem der Gryffindor schon immer die Überreste des zerbrochenen Zauberstabes seines großen Freundes vermutete. Aber wo war die Magie dieses Stabes hin? Im Gegensatz zu Adam hatte Harry die Antwort auf diese Frage ja und rieb sich unbewusst über seinen Arm mit der Narbe. Eine Geste, die auch Adam nicht entging.

Der Stabmacher musterte den Jungen vor sich nun genau, schaute erneut auf sein Board und legte dann den Holzstummel auf seine flache Hand um ihn genauer zu betrachten.

Ein mulmiges Gefühl umspielte seine Magen dabei, als er die verkohlten Holzspuren und das getrocknete Blut sah. Adam wollte sich nicht einmal vorstellen was für Schmerzen Harry erlitten haben musste. Allerdings blieb sein Blick an einigen markanten Linien am Griff hängen und Harry bemerkte, dass Adam diese mit seinen Fingern nachzeichnete.

Dann schüttelte er leicht den Kopf und Harry sah sich das Holz nun auch genauer an. Was hatte Adam gesehen? Was stimmte nicht? Harry konnte auf den ersten Blick nichts feststellen, außer dass das Holz unterschiedlich verbrannt bzw. verkohlt war. Es gab hellere Stellen, wo weniger Feuer es angegriffen hatte, wahrscheinlich durch Harrys Finger geschützt. Und dann Stellen, die völlig schwarz waren. Und genau diese Stellen, diese schwarzen Striche hatten nun voll und ganz Adams Aufmerksamkeit. Er schien sogar so sehr damit beschäftigt zu sein, dass dies die Neugier von Meister Dionysus auf sich zog. Denn schließlich hatte sich der alten Zauberer erhoben und stand nun direkt hinter Adam. Seinen Zögling zu unterbrechen, soweit ging er dann jedoch nicht. Denn offenbar wollte er selbst wissen, was Adam so beschäftigte.

„Das passt nicht", flüsterte der junge Mann und legte den Holzstummel über seine linke Hand. Er versuchte durch Rollen die schwarzen Striche mit den Zwischenräumen seiner Finger in Übereinstimmung zu bringen. Aber es gelang nicht. Es konnte ja auch gar nicht gelingen. Doch dies wusste nur eine Person im Raum und Harry erkannte dies sofort. Ein leicht beklemmendes Gefühl umschloss sein Herz. Schließlich blickte Adam auf und sah Harry mit durchbohrendem Blick an.

„Welche hast du gesagt, ist deine Zauberstabhand, Harry?", fragte er streng und mit einer bis dahin ungewohnten Art, die Harry etwas verunsicherte. Es war so als hätte Adam ihn durchschaut.

„Links", antwortete der Gryffindor bestimmt, doch Adam zeigte keine Regung. Vielmehr wurde der sein Blick noch durchdringender. Er schien die Antwort sehr genau abzuwiegen und ließ den Holzstummel einmal mehr über seine Hand rollen. Dann lächelte er plötzlich und fragte: „Und das war sie schon immer?"

Harry zögerte und verriet sich damit. Er schaute Adam ertappt an und schüttelte den Kopf. „Nein, nicht wirklich. Aber ich möchte, dass sie es ab jetzt ist."

Nun lachte Adam erst so recht auf und sagte: „Du möchtest es also so. Nun Harry das wird nicht gehen. Man kann nicht mal ebenso einen Urinstinkt oder wie auch immer du es nennen willst, unterdrücken." Dann ließ er seinen Blick über Harrys rechte Hand gleiten und fragte: „Und warum möchtest du nicht mehr mit rechts zaubern?"

Harry zögert erneut und wog seine Möglichkeiten ab. Er strich sich über den ganzen Arm, fühlte die Narbe pulsieren und erwiderte: „Nun ich habe seit dem Absturz so meine Probleme mit den Reflexen der rechten Hand und dann …"

„Und dann?", hakte Adam nach.

„Und dann hatte ich gedacht, dass ich … dass ich …" Harry rollte seinen Ärmel hoch und sagte mit kleinlauter Stimme: „Na ja Adam, es ist da beim Absturz was komisches passiert. Ich glaube dass mein Zauberstab oder vielmehr dass was ihn einmal ausgemacht hat, mit meinem Arm verschmolzen ist."

„Verschmolzen?", fragte Adam überrascht und schaute auf die dicke Narbe, welche nun unter Harrys hochgeschobenem Hemd zum Vorschein kam.

„Ja verschmolzen. Jedenfalls vermutet Carlisle dies, nachdem er auf den Röntgenbildern die Maserung von Holz und ein Abbild der Phönixfeder auf dem Knochen entdeckt hat." In den nächsten Minuten erzählte Harry den beiden Zauberstabmachern die ganze Geschichte und wie er versucht hatte stablos zu zaubern. Und Adam und Dionysus? Nun, die hörten ihm aufmerksam zu.

„… und daher dachte ich, ich zaubere ab jetzt mit links und bewahre mir die stablose Magie als kleines Geheimnis. Vielleicht kann mir der Überraschungseffekt im Kampf gegen Voldemort einmal hilfreich sein."

Harry schaute dabei vor allem dem älteren in die Augen und bekam ein wissendes Lächeln geschenkt. Adam auf der anderen Seite lachte breiter als sein Mentor und sagte: „Oh Harry, der Ansatz ist gut. Doch dein Wissen leicht mangelhaft."

„Wie bitte?", rief der Gryffindor leicht pikiert.

„Ja Harry. Doch mach dir deshalb keine Sorgen. Es geht vielen so, die es nicht besser wissen. Allerdings solltest du dich damit abfinden, dass es so etwas wie stablose Magie nicht gibt. Oder besser gesagt, es gibt so etwas Zauberstabmagie nicht. Der Stab dient immer nur als Fokus und der Zauber kommt aus deinem Innersten."

„Das stimmt nicht Adam. Ich habe es gesehen, bei Dumbledore und Voldemort. Sie können stablos zaubern."

„Natürlich können sie das, weil sie mächtig sich. Doch bezieht sich diese Macht nicht auf ihr magisches Potenzial, sondern vielmehr auf ihre Körperbeherrschung und vielleicht den ein oder anderen Trick aufgrund ihres Wissens."

„Sag nichts gegen Professor Dumbledore", knurrte Harry plötzlich wie auch Hagrid es tun würde wenn es um Dumbledore ging und Adam hob abwehrend seine Hände.

„Das würde ich doch niemals tun Harry. Der alte Zauberer, der wie ich sehe einen großen Platz in deinem Herzen einnimmt, ist ohne Zweifel mächtig und doch benutzt er einen Trick. Ich wette er trägt einen Ring oder gar zwei, an jeder Hand einen, oder?"

Harry überlegte und nickte dann leicht. Albus Dumbledore trug in der Tat jeweils einen Ring. Doch Harry dachte immer, es seien Familienerbstücke oder ein Insigne für seine Stelle als Direktor von Hogwarts.

„Und da haben wir unsere Lösung, Harry. Denn um zu zaubern bedarf es drei Dinge. Zuerst eine magische Quelle, im Falle eines Zauberers sein magischer Kern, seine Seele. Dann etwas um die Magie zu leiten, in diesem Falle Dumbledores Arm oder Körper, das ist egal. Und dann brauchst du noch das wichtigste, den Fokus. Einen Punkt, wo du die Magie bündelst und zum Hervortreten bringst. Und dies kann nur in einem Kristall oder Edelstein oder aber eben mit enormer Willenskraft geschehen. Letzteres ist jedoch sehr anstrengend und jedes magische Kind, dass schon einmal im Affekt gezaubert hat, erinnert sich bestimmt daran, wie müde es danach war."

Harry schaute den jungen Mann vor sich mit großen Augen an und wartete darauf, dass dieser zum Punkt kam.

„Und genau hier besteht der Trick deines Direktors. Denn wenn er zaubert und wie du sagst dies ohne Zauberstab, dann nutzt er im Grunde seine Ringe um die Magie zu bündeln. Ich wette sie sind mit mindestens einem Edelstein besetzt."

Harry dachte nach, versucht sich zu erinnern und nickte erneut, was Adam lächeln ließ. „Ja, ich glaube es sind Saphire und sie funkeln in einem Blau, das dem seiner Augen sehr nahe kommt, wenn er sich freut."

„Saphire sind sehr gut als Fokus geeignet, ebenso wie Smaragde und rote Diamanten. Eben jene Edelstein, die sich, wenn auch nicht immer sichtbar in der Spitze eines jeden Zauberstabes befindet."

Harry hörte Adam genau zu und versuchte das Gehörte zu verarbeiten. „Aber ich habe bei Voldemort keinen Ring oder so gesehen. Obwohl er eine ganz schön große Anzahl von Zaubern bei seinem Duell mit dem Direktor ohne seinen Stab gewirkt hat."

Adam schien sein nächsten Worte genau abzuwägen und erwidert: „Falls dies so war, kommen wir nun zum Punkt der geistigen Kontrolle. Man muss dazu einen sehr starken Willen haben und seine Emotion bündeln können. Liebe wäre eine davon und …"

„Hass", unterbrach Harry den jungen Stabmacher. „Voldemort kennt nur Hass und Wut. Also Liebe können wir bei ihm definitiv ausschließen."

Adam lächelte und nickt, da Harry Recht hatte. Doch um seine Ausführungen noch zu untermauern fragte er den Jungen vor sich, ob er es schon einmal versucht hatte mit seinem rechten Arm zu zaubern und wie sich Harry danach gefühlt habe.

Harry überlegte kurz und erwiderte: „Ja Adam, das habe ich. Aber nur kleine Zauber und eher selten. Denn immer wenn ich es getan habe, bin ich danach völlig ausgelaugt gewesen und oft sogar eingepennt. Lag wohl daran, dass ich nach dem Absturz noch nicht ganz so auf dem Damm war."

„Oder am fehlenden Fokus, Harry", widersprach Adam lachend und schrieb wieder etwas auf sein Board. Dann wandte er sich an Meister Dionisios und fragte diesen, ob er noch eine Frage hatte. Der alte Meister schüttelte jedoch den Kopf und meinte, es sei Adams Prüfung und er wolle sie nicht unterbrechen.

Adam nahm dies als gutes Zeichen und fragte Harry, ob er dessen rechten Arm einmal kurz in Augenschein nehmen dürfte. Harry hatte nichts dagegen, krempelte den Ärmel hoch und legte damit die Narbe frei.

„Darf ich", fragte Adam erneut und führte dann seinen Zauberstab in Richtung Harrys Arm.

Harry zuckte leicht als er den Stab sah. Lag wohl daran, dass immer wenn jemand den Stab auf ihn richtete bedeutete dies nichts Gutes. Sorgsam beobachtete Harry den Stab und wie er näher kam. Doch ebenso schnell wie Adam ihn in Richtung Harrys Arm gerichtet hatte, ebenso schnell zog er ihn auch wieder weg und legte den Stab auf den Tisch.

„Was ist Adam?" fragte Harry als er bemerkte, dass der junge Mann sich seine Hand rieb.

„Er ist heiß geworden, Harry. Offenbar hast du mit deiner Vermutung nicht ganz Unrecht. Dein Arm wirkt ähnlich einem Zauberstab und durch den Anteil an Phönixmagie, einem magischen Wesen, das als Einzelgänger gilt, scheint dein Arm keinen anderen Stab zu akzeptieren."

„Oh", sagte Harry überrascht.

„Ein gewaltiges ‚oh', Harry und ein kleines Problem", erwiderte Adam.

„Problem? Warum?"

„Na ja Harry denk mal nach. Wie sollen wir für dich einen neuen Zauberstab finden, wenn dein Körper ihn nur zur Hälfte akzeptiert?"

Diese Aussage war für Harry wie ein Schlag ins Gesicht und sein Magen verkrampfte sich. „Verstehst du was ich meine, Harry? Wir könnten dir jetzt einen Zauberstab aussuchen, mit dem du zaubern kannst. Doch er würde nur in deiner linken Hand funktionieren. Allerdings birgt es Risiken."

„Welche Risiken, Adam?", fragte Harry rasch. Egal welche, er würde sie eingehen. Er brauchte doch einen neuen Zauberstab. Wie sollte er sonst gegen Voldemort bestehen?

„Nun im schlimmsten Fall, passiert das Gleiche wie vorhin und zwar wenn du aus Versehen den Stab in die falsche, sprich rechte Hand nimmst."

Harry starrte Adam an und dieser schaute nachdenklich zurück. Im war wahrscheinlich bewusst, was da gerade in Harrys Kopf abging und er fühlte mit dem Jungen. Es musste doch eine Lösung geben? Angestrengt schaute Adam zu Meister Dionysus und bemerkte dass auch dieser nicht wirklich zu wissen schien, was sie tun konnten. Zauberstabherstellung hielt sich nun einmal an ganz bestimmt Regeln der Natur und auch den Größten waren Grenzen aufgezeigt.

Und dass der alte Meister selbst an einer Lösung arbeitete, das sagte Adam das Gesicht von Dionysus. Angespannt war es, das Lächeln verschwunden und wie es schien holten ihn die Jahre wieder ein. Hinzu kam, dass Adam bei seinem Mentor etwas sah, dass es seit dem Tode dessen Bruders nicht mehr gegeben hatte ... Dionysus rauchte.

Überrascht sah Adam wie der alte Mann sich plötzlich seine Pfeife anzündete. Etwas, dass dieser seit über fünf Jahren nicht mehr getan hatte. „Meister?", fragte Adam, doch Dionysus zog nur nachdenklich den schweren Rauch ein. „Bitte Meister tut euch das nicht an. Denkt an eure Lunge." Adam flehte regelrecht und Harry konnte sich vorstellen, dass es zu diesem Flehen eine Vorgeschichte gab, wenn man bedacht, wie stark der alte Mann plötzlich hustete.

Dann jedoch verstummte Adams Stimme und Harry bemerkte, dass sein Blick auf der Pfeife seines Mentors hing. Was hatte Adam dort gesehen, dass es ihm die Sprache verschlug? Sofort folgte Harry alarmiert diesem Blick und wie Adam betrachtete das aufwendig zu einem Drachenkopf geschnitzte Stück Holz im Munde des alten Zauberers.

Harry konnte ja nicht ahnen, dass es nicht das Kopfstück war, dem Adams Aufmerksamkeit galt, sondern dem Schaft dahinter, der so verziert war, dass es den Anschein hatte, es wäre nicht ein Stück Holz verwendet worden, sondern drei unterschiedliche miteinander verflochten. „Wieso eigentlich nicht?", hörte man Adam leise flüstern und dann schien er einen Entschluss gefasst zu haben. Jedenfalls strafften sich seine Schultern und er blickte Meister Dionysus fest in die Augen.

„Meister Dionysus …", sagte er, „…ich weiß es ist ungewöhnlich vom traditionellen Protokoll einer Prüfung abzuweichen. Und ich werde auch die vollen Konsequenzen tragen, sollte ich scheitern. Aber ich möchte unter den gegeben, ungewöhnlichen Umständen, die uns heute hier begegnet sind, etwas Neues ausprobieren. Auch auf die Gefahr hin, dass ich versage."

„Nein Adam, es ist deine Prüfung", rief Harry entsetzt. Aber der Alte Meister ging gar nicht auf diesen Einwand ein. Er schaute seinen Schützling einige Moment nachdenklich an und dann lächelte er und sagte: „Adam es sind in der Tat ungewöhnliche Umstände und da selbst ich mit all meiner Erfahrung nicht so recht weiß, wie wir Mister Potter helfen können, sei dir dein Wunsch gewährt. Ich biete dir sogar an, dir in einigen Dingen zu helfen, sollte es bestimmte Prozetere erfordern, für die du weder moralisch und auch rechtlich nicht bereit bist."

Harry überlegte, was dies bedeuten sollte. Denn wenn man ein Meister werden wollte, sollte man dann nicht alles beherrschen? Oder gab es eine Grauzone? Wie dem auch sei, Harry kam nicht weiter zum Grübeln, da Adam ihn plötzlich ansprach und meinte, dass sie heute wohl einen ganz neuen Weg gehen würden.

„Etwas Neues Adam?"

„Nun ja Harry, nicht wirklich. Die Idee dafür hatten schon andere Stabmacher. Doch keiner hat sich meines Wissens nach daran versucht. Zumal es keiner bisher gebraucht hat."

„Und was willst du versuchen, Adam?", fragte Meister Dionysus.

Adam zeigte auf die Pfeife seines Mentors und erwiderte: „Einen dreigeteilten Stab, Meister. Drei Kerne miteinander verwoben um einerseits Harrys Magie zu leiten und andererseits den Stab zu schützen."

Dionysus schaute auf den Schaft seiner Pfeife, zog noch einmal daran und begann zufrieden zu lächeln. „Ich denke du könntest auf dem richtigen Weg sein und wünsche dir viel Erfolg." Damit setzte er sich zurück an seinen Schreibtisch und nahm sich ein Buch zur Hand.

Wenn Harry bis jetzt nur neugierig und gespannt war, dann stand sein Körper nun völlig unter Strom. Er fühlte sich wie vor Weihnachten oder besser so, als würde er selbst nun vor einer Prüfung stehen. Er merkte nicht einmal, dass Adam ihn ansprach und zuckte leicht zusammen.

„Oh verzeih, ich hab nicht zugehört. Was hast du gefragte, Adam?", entschuldigte sich der Gryffindor, woraufhin Adam abwinkte: „Nichts Harry. Ich habe nur gesagt, dass eine Menge Arbeit vor uns liegt, wir es anpacken sollten und wir am besten beim Holz anfangen."

Mit dieser Aussage breitete Adam erneut einige Muster vor Harry aus, diesmal die verschiedensten Holzarten. „Zuerst, den Kern für den linken Arm. Ich denke wir sollten vielleicht das gleiche Holz nehmen wie bei deinem alten Stab. Was war es gleich nochmal gewesen?"

„Stechpalme", antwortete Harry.

„Ok erster Kern also Stechpalme. Kommen wir zum nächsten Teil und zwar das Holz, welches deine Magie nur leiten soll und deinen Stab schützen."

Harry hörte gespannt zu und ein Gedanke formte sich in seinem Geist. „Du Adam?", fragte er. „Du sprichst immer von drei Kernen. Wie meinst du das? Sollte nicht wenigsten eine Holzart auch den Mantel bilden? Oder zaubere ich dann später mit einer Art hölzernem Zopf?"

Adam lachte. „Natürlich nicht Harry. Doch für den Mantel und das Design deines Stabes hatte ich eine besondere Idee. Ich meinte Harry, nur wenn du nichts dagegen hast. Ich dachte mir nämlich, du bist jung und gehörst zu einer neuen Generation. Warum sollte dann auch nicht dein Stab moderner sein als die der anderen? Aber gut, dass du fragst Harry. Wenn schon mal kurz beim Mantel sind, welche Farbe soll dein Stab denn haben? Ich würde ja Schwarz vorschlagen. Doch es geht auch grün, gelb oder vielleicht pink."

Harry schaute Adam entsetzt an und rief laut: „Nein, kein Pink!" und fügte dann ein leises „ Schwarz ist gut" hinzu.

„Schwarz also, wirklich? Ich meine gehört zu haben, dass Pink im Kommen ist. Und wenn wir dann noch ein paar Hello Kitty Hologramme eingravieren, werden dich sicher eine Menge Hexen beneiden."

Harry wusste nicht, was er darauf erwidern sollte und hörte wie Meister Dionysus hinter seinem Buch gluckste. „Spaß muss sein", meinte Adam dann und sagte, dass sie zur Stabummantelung erst später kämen, wenn sie die Kerne zusammen hätten. Allerdings stand Adam dann kurz auf und ging zu einem Regal neben der Tür. Dort befand sich wie in den anderen Räumen auch, wieder eine der Kommunikationskugeln und in sie sprach der junge Zauberstabmacher und verlangte einen gewissen Peter.

Mit diesem wechselte er dann einige Worte. Doch alles was Harry verstand, war, dass Adam etwas in Schwarz bestellte. Danach erlosch die Kugel und auf dem Weg zurück zu Harry holte Adam wieder einige Stücken Holz hervor. Diese Mal schienen es jedoch keine fertigen Zauberstäbe zu sein, sonder vielmehr einfache Stöcke. An die Spitze des ersten von ihnen klemmte er mittels einer Art Messingspange ein rotes Kristall und hielt ihn Harry hin.

„Hier Harry, probier mal einen Lumoszauber mit der rechten Hand."

Harry schaute eher skeptisch, tat aber wie ihm geheißen. „Lumos", flüsterte er vorsichtig, in Furcht der Stab könnte entflammen. Doch dem war nicht so, sondern lediglich die Spitze begann zu leuchten, wie es der Zauber normalerweise hervorrief.

Adam lächelte und fasste den Stab an. Sofort erstarb sein Lächeln wieder und er bat den Zauber zu beenden.

„Was ist denn los, Adam? Es hat doch funktioniert", fragte Harry verwirrt und schaute auf den provisorischen Stab in seiner Hand.

„Ja, hat er Harry. Aber fass ihn mal mit links am Schaft an", erwiderte Adam und Harry zuckten zurück. „Er ist ja heiß."

„Gut erkannt Harry. Also auf zum nächsten Versuch", erklärte Adam und setzte den Kristall auf das nächste Holz.

Alles in Allem versuchte Harry die verschiedensten Hölzer. Es ging dabei von Zeder über Birke bis hin zu Eiche und Mahagoni. Doch erst als Harry ein ziemlich helles Holz in der Hand hielt und es dem Gryffindor beim Zaubern sogar so vor kam, als würde der Zauber sehr viel leichter von der Hand gehen, da begann auch Adam Gesicht wieder zu leuchten. Er nahm das Holz und las den Aufdruck am unteren Ende. „Pappel, war ja klar.", sagte er und räumte dann all die anderen Muster wieder in die Ledertasche, aus welcher er sie genommen hatte.

Harry schaute Adam fragend an. „Wieso war das klar, Adam? Was ist so anders oder besonders an Pappelholz?"

Als Antwort erhielt er mit fachmännischem Ton so als würde das doch jeder wissen: „Der magische Widerstand Harry. Dieser ist bei Pappelholz am geringsten und daher wird es eher selten für Zauberstäbe verwendet."

„Magischer Wi … was?" Harry schaute Adam mit großen Augen an. Allerdings spiegelte sich eher Neugier als Überraschung in ihnen.

Adam schaute kurz zu Meister Dionysus, schien sich ein Okay zu holen und erklärte dann: „Nun Harry es ist wie bei den Muggel und ihrer Elektrizität. Du weißt ja vielleicht, dass es dort auch einen Widerstand gibt, den elektrischen, benannt und gemessen wird er nach Georg Simon Ohm und er beschreibt die Größe der Spannung, die benötigt wird, damit ein Strom durch ein Metall oder anderen Leiter fließt."

„Ähm ja, wird schon stimmen", flüsterte Harry kleinlaut, da er durch seine Zeit in Hogwarts nicht wirklich etwas von Physik verstand.

Adam lächelte, da er wusste, dass Harry nicht der einzige Zauberer auf der Welt war, dem es so ging. Und so versuchte er etwas anders zu erklären. „Siehst du Harry, bei der Magie ist das ganz ähnlich wenn sie wirken will. Auch sie muss bestimmte Widerstände überwinden, wie zum Beispiel die Luft, das Wasser oder gar feste Stoffe. Herausgefunden und damit ein großes Rätsel gelüftet hat dies übrigens Ohms jüngerer Bruder Martin, der im Gegensatz zu Georg magisches Blut besaß."

„Ein Muggelgeborener", statuierte Harry und blickte Adam dabei aufmerksam an. Doch dieser lächelte nur, nickte und zeigte keinerlei muggelfeindliche Attitüde. Etwas das Harry sehr gefiel und er hoffte, dass Adam weiter erklärte.

„Also Harry wie eben gesagt, besitzen alle Stoffe so etwas wie einen magischen Widerstand und dass ist gut so, denn sonst könnte man die unterschiedlichsten Zauber vielleicht gar nicht bewirken. Vor allem beim Holz zeigt sich das am deutlichsten. Denn wenn du zum Beispiel Verwandlungen praktizieren willst, sollte dein Zauberstabholz einen ziemlich hohen Widerstand besitzen, damit sich sagen wir es mal so, deine Magie erst einmal im Stab staut, sich konzentriert und wenn der Widerstand überwunden ist auf den Fokus trifft. Am besten eignet sich dafür vor allem sehr harzreiches Holz. Frag mal deine Verwandlungslehrerin, was sie für einen Stab hat. Also ich wette darauf, es ist ein Nadelgehölz."

Harry schaute Adam an und fragte sich, ob er nicht schon einmal in Hogwarts gehört hatte, was Professor McGonagall für einen Zauberstab benutzte. Nebenbei hörte er wie sein gegenüber erklärte, dass man für Angriffs- und Verteidigungszauber eher Hölzer mit Widerstand mittlerer Stärke nahm und schreckte erst etwas hoch, als es an der Tür klopfte.

„Herein", sagte Meister Dionysus, legte sein Buch zur Seite und ein blonder Mann in Meisterrobe und um die fünfzig Jahre betrat den Raum. In seinen Händen hielt er einige Pergamente, die er dem Großmeister vorlegte.

„Ahh Gordon, die Examina deiner Kleinen. Sag wie sind sie ausgefallen?"

„Nicht schlecht würde ich sagen, Meister. Ich glaube sogar unser kleiner Primus hier könnte in einigen Jahren Konkurrenz bekommen."

Harry hörte den beiden Zauberern aufmerksam zu, da Adam dabei war etwas auf seinem Board zu zeichnen. Allerdings bemerkte er, dass Adam etwas grinste, als der Begriff Primus fiel und es schien auch dem anderen Mann, den Meister Dionysus Gordon genannt hatte, zu einer solchen Geste zu verleiten.

Harry wurde nun klar, wer gemeint war und glaubte zu sehen, dass Adams Brust leicht anschwoll. Doch das war auch schon alles und der junge Stabmacher zeichnete weiter und trug nun irgendwelche Maße in sein Diagramm ein.

Gordon verfolgte das Ganze mit wachsamen Augen. Er sprach zwar mit Meister Dionysus, doch sein Blick hing öfters auf Adam und seiner Arbeit als am Mund des Großmeisters, der dies jedoch keinesfalls als unhöflich empfand. Nein, Dionysus war vielmehr amüsiert und fragte Gordon, ob er nicht etwas Zeit habe und zu einem Tee bleiben wollte.

Harry konnte die Zerrissenheit bei Gordon sehen. Einerseits hatte er bestimmt wichtige Dinge zu tun. Doch andererseits war dies hier auch eine Prüfung und ihm als Meister juckte dies bestimmt in den Fingern. „Ich weiß nicht so recht Meister. Es ist bald Mittag und ich habe Aufsicht im Speisesaal."

„Papperlapapp Gordon. Du hast die Jungs im Griff und zur Not kann einer der Älteren auf alle aufpassen", erwiderte der Großmeister. „Ich gebe dir fünf Minuten …"

„Eine halbe Stunde", sagte Adam plötzlich dazwischen und zog somit die Aufmerksamkeit der beiden Meister auf sich.

„Verzeiht Meister Dionysus, ich wollte nicht dazwischen reden. Doch wir wären jetzt gleich soweit, den magischen Kern auszusuchen. Und ich wollte vermeiden…", er wandte sich nun an Gordon Raffael, „ …dass Ihr, Meister Raffael, hier unnötig warten müsst."

„Danke Adam, das war sehr umsichtig. Und was das dazwischenreden betrifft? Ich sagte doch, es ist deine Prüfung und du hast hier heute Hausrecht." Damit wandte der alte Zauberer sich wieder an Meister Raffael und pflichtete seinem Schützling bei. „Adam hat recht, Gordon. Komm in einer halben Stunde wieder her, dann reden wir weiter beim Tee. Vielleicht wissen wir dann auch, welchen magischen Kern Mister Potters neuer Zauberstab hat."

Gordon Raffael nickte und verließ den Raum schnellen Schrittes, was Adam als Zeichen nahm, weiter zu machen. Er wandte sich zurück an Harry und sagte: „So Harry, jetzt da wir wieder allein sind, können wir weiter machen. Ich bräuchte dafür noch einige Antworten und es ist vielleicht besser, wenn du sie nicht vor zu vielen Ohren beantworten musst."

„Fragen? Was für Fragen?" Harry bekam ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, zumal Adam leicht grinste. Sie würden doch hoffentlich nicht zu sehr in den persönlichen Bereich gehen. Denn wenn Harry bedachte, dass Adam ihn vorhin schon nach seinen Lieblingsessen und Farben gefragt hatte, was konnte da jetzt noch kommen?

„Nichts schlimmes Harry. Du musst mir nicht dein Liebesleben offenbaren", antwortete Adam. „Doch vielleicht gibt es ja aber noch einige Dinge, die wichtig sind und die du vielleicht gern verschweigst. Du weißt schon Harry, verborgene Talente oder Vorlieben im Bereich Magie, die eine bestimmte Art von Zauberstab erfordern."

Harry sah Adam nachdenklich an und überlegte, wie er das nächste richtig formulieren könnte. Schließlich gab es da ja etwas, dass nicht sehr viele wussten und was in der magischen Welt sehr oft als Zeichen für dunkle Magie galt. Schließlich jedoch fasst Harry sich und sagte: „Nun Adam, es gibt da etwas, eine Fähigkeit, die nicht jeder hat. Doch du musst mir glauben, ich kann nichts dafür, dass ich sie habe und daher denke bitte nicht schlecht von mir."

Adam sah Harry skeptisch an und kurz ging sein Blick zu Meister Dionysus. „Sag es ruhig, Harry. Ich bin sehr offen und …"

„Ich bin ein Parselmund", platze es aus Harry raus.

„Echt?", entfuhr es Adam voller Überraschung und dann begann er zu lächeln. „Und dafür soll ich dich schief ansehen? Wieso das denn?"

Harry kam sich für einen Moment dumm vor. Dann jedoch erwiderte er: „Na weil Parsel als Merkmale für einen dunklen Zauberer gilt?"

Hier nun lachte Adam und wollte eine Gegenrage stellen. Doch ein Zischen von hinten unterbrach ihn und er drehte sich um. Er blickte direkt in die leuchtenden Augen seines Mentors, doch dessen Blick galt nicht Adam sondern Harry.

„Parsel ist ein Gabe, Mister Potter. Ein Geschenk der Natur und niemand sollte sich dafür schämen."

„Danke Meister Dionysus", erwiderte Harry und erzählte dann von seinen Erlebnissen im zweiten Jahr in Hogwarts. Besonders lag ihm dabei am Herzen, dass ihn alle für den Erben von Salazar Slytherin gehalten hatten, weil er Parsel sprach und dieser ja eigentlich Voldemort war.

Das Gespräch zwischen den beiden ging noch einige Minuten, bis Adam sich zu Wort meldete und rief: „Ähm Meister Dionysus? Harry? Könntet ihr bitte normal sprechen? Ich verstehe kein Wort."

„Wie bitte? Was meinst du damit, Adam?", fragte Harry überrascht, bis sich seine Augen vor Erkenntnis weiteten. „Oh bei Merlin. Meister Dionysus ihr ... ihre seid auch ein Parselmund."

Der alte Zauberer nickte und sagte dann mit seiner gewohnten Stimme: „Ja das bin ich, Mister Potter. Sie sehen also, Sie sind nicht allein auf der Welt. Und glauben Sie mir, hier auf dieser Seite des Teiches hat man schon lange die alten Vorurteile aufgegeben. Oder glauben Sie, man würde mich sonst eine solche Schule hier leiten lassen?"

Harry ließ das ganze Sacken und schüttelte den Kopf. Danach war Adam wieder an der Reihe und nun hieß es für die drei Zauberer sich auf einen kurzen Marsch zu machen. Denn Adam hatte anhand seiner Berechnungen und Tabellen herausgefunden, was der dritte Kern werden würde und diesen würden sie hier im Rohstofflager nicht finden. Adam zeigte seine Aufzeichnungen Meister Dionysus und dieser sagte: „Sehr gute Arbeit bisher, Adam und nur zu gerne helfe ich dir an diesem Punkt deiner Prüfung."

Harry horchte auf und fragte sich, was nun kam. Sollte ein Meister in seinem Handwerk nicht alles können? Wieso bekam Adam nun Hilfe? Doch um eine Antwort zu erhalten, musste er den beiden folgen und dies tat er auch. Adam gab den Weg vor und sie gingen die lange Treppen in Richtung Arena hinab. Harry beschlich ein komisches Gefühl. Sollte er etwa kämpfen? Die unmöglichsten Szenarien spielten sich in Sekundenschnelle in seinem Kopf ab, doch alle endeten damit, dass Adam sein Blut brauchte.

Das man den Gryffindor nicht einmal anfassen würde, kam Harry erst in den Sinn, als Adam am Fuße der Treppe plötzlich die Richtung änderte und sie durch eine dunkle Eichentür in einen hell erleuchteten Raum traten. In ihm kam sich Harry mit einem Male nicht mehr vor wie in einem Zauberstabladen, sondern wie in einem kleinen Zoo oder besser gesagt im Insekten- und Reptilienhaus.

„Adam was machen wir hier?", fragte Harry und erhielt nur ein „Pssst" zurück. Dann beobachtete er, wie der jungen Meisterschüler an eines der Terrarien herantrat und mit einer langen Zange eine Schlange heraus fing.

„Ich habe eine", rief Adam, hielt sie mittels Zange weit weg vom Körper in die Mitte des Raumes und im nächsten Moment erstarrte Harry zur Salzsäule. Meister Dionysus hatte nämlich von seinen jungen Begleitern nicht weiter beachtet, aus einer Art gläserner Vitrine einen Zauberstab geholt und sagte nun die beiden Worte, die Harrys Leben von Grund auf veränderten: „Avada Kedavra!"