Kapitel 37

Ein jeder, der einen Zauberstab besaß, holte diesen alarmiert hervor. Und dies bedeutete, dass im nächsten Moment Rosalie, Alex und Alice in der Erwartung einer Gefahr in Richtung Harry schauten. Wenngleich wohl einzig Alex etwas hätte tun können, kannten die beiden Vampire ja eh keinen Zauber welchen sie wirken konnten. Bei Merlin wie auch? Sie waren wie Erstklässler und hielten ihren neuen Besitz ja gerade mal eine Stunde in den Händen.

Jacob hingegen war der Trubel egal, denn für ihn zählte nur Hermine und wie es sich gehörte half er seiner Freundin dabei, das Gleichgewicht wieder zu finden. Allerdings war Jacobs Blick angespannt und auf Emmett gerichtet, der sich immer noch hinter Hermine zu verstecken versuchte. Doch spiegelte dessen Gesicht eher Schadenfreude oder vielmehr riesiges Amüsement als Angst vor einem wütenden Harry Potter wieder.

Er war halt Emmett und sein Grinsen ging von Ohr zu Ohr als er rief: „Ach komm schon Harry. Das meinst du doch nicht so. Außerdem bin ich doch schon tot und wenn nicht, dann war zumindest das Gesicht der alten Dame zum Totlachen."

„Ach halt die Klappe Emmett. Dir ist schon klar, dass ich mich in dem Laden nie wieder blicken lassen kann. Wenn wir in der Winkelgasse wären, dann könnte ich mich gleich einsargen", fauchte Harry und schien einen Weg zu suchen, wie er den bulligen Vampir verhexen konnte, ohne dass er seine beste Freundin traf.

Entschärft wurde die ganze Sache dann, als Alice ihren Zauberstab senkte und zur ihrem Liebsten ging. „Was hat er denn schon wieder gemacht, Schatz?", fragte sie und legte ihren Arm um Harry. Allerdings war sie dann etwas geschockt, als Harry sich dagegen wehrte und erneut versuchte die beste Position für seinen Fluch zu finden. Alice konnte die Wut in Harrys Bauch beben spüren und warf ihrem Bruder einen bösen Blick zu. Offenbar hatte Emmett wirklich den Bogen etwas überspannt.

Nichtsdestotrotz musste sich Harry erst einmal beruhigen und daher stellte sich Alice zwischen ihren Freund und ihren Bruder und fragte noch einmal mit sanfter Stimme: „Komm schon Harry, was hat er jetzt wieder getan? Du weißt, wenn es wirklich schlimm war, werde ich dir sogar helfen, ihn zu verhexen."

„Hey!", rief Emmett leicht empört über fehlende Unterstützung seine Schwester.

Harry löste seine Fixierung auf Rosalies Freund und schaute nun Alice tief in die Augen. „Was er gemacht hat? Kaputt hat er es gemacht, der Idiot."

„Kaputt gemacht? Was hat er kaputt gemacht?", fragte Alice nun etwas sorgenvoll. Sie hoffte inständig, dass es nicht Harrys neuer Zauberstab war. Dies würde zumindest seine Wut erklären. Andererseits versuchte Harry ihren Bruder mit eben jenem Stab zu verhexen, also fiel dieser aus.

Im nächsten Moment war die Wut von Harry verschwunden und durch etwas ersetzt, dass Alice bei ihrem Freund nur zu gut kannte und für das sie ihn so liebte … seine Unschuld und seine Verlegenheit bei Dingen, wo man mit etwas mehr Erfahrung nicht verlegen sein musste. Harry jedoch wurde rot, schaute seine Liebst an und sagte: „Nichts materielles, Alice. Er hat nichts zerstört. Doch ich wollte dich doch nachher überraschen und dir Blumen und ein kleines Geschenk geben. Und dann kam Emmett und hat … hat …"

„Jaa?", hakte Alice nach und bemerkte, dass alle in ihrer kleinen Gruppe an Harrys Lippen hingen. Nun ja nicht alle. Denn Emmetts Grinsen wurde wieder breiter und allein dafür hätte sie ihn erwürgen können. Harry schien unterdes die richtigen Worte zu suchen und fand sie schließlich.

Flashback

Komm Harry, wir sind spät dran. Du brauchst wohl immer länger mit deinem Stab." Emmett konnte es sich einfach nicht verkneifen. Allerdings hatte Harry in den letzten Wochen dazu gelernt und wusste, wie man dem bulligen Vampir begegnen musste.

Gut Ding will Weile habe, Emmett. Nicht jeder ist nach drei Minuten fertig. Oder brauchtest du deinen Stab vorhin nur einmal anfassen und es war vorbei?"

Rosalies Freund schaute Harry mit großen Augen an und begann zu lachen. „Touché. Gute Antwort Harry. Ich sehe meine Schule bringt was. Aber wirklich, die anderen warten bestimmt schon auf uns."

Zu seiner Überraschung und weil er gedacht hatte, Harry würde so schnell wie nur möglich zu Alice wollen, widersprach ihm Harry mit einem Lächeln im Gesicht. „Na dann warten sie eben. Ich habe noch etwas vor und das ist mir wichtig."

Mit diesen Worten schlug Harry plötzlich einen anderen Weg ein. Ein Weg, der sie vom Marktplatz mit den Händlern wegführte, hin zu den Arkadengängen und einigen ziemlich alt aussehenden Geschäften. Vor einem Blumenladen hielt Harry schließlich an und fragte Emmett, ob dieser wüsste, welche Blumen Alice mochte.

Ist das dein Ernst, Harry? Vampire schenken sich keine Blumen. Jedenfalls ich nicht. Es sei denn es ist eine Schlingpflanze um Rose zu fesseln." Harry erkannte, dass er von dieser Seite aus keine Hilfe bekam, auch wenn Emmett meinte, dass Harry wohl eine ziemlich romantische Ader besaß. Der Gryffindor ging darauf aber nicht weiter ein und betrat das Geschäft, welches ihn sofort mit einer unvergleichlichen Duft- und Farbenvielfalt begrüßte.

Boah das ist zu viel des Guten", stöhnte Emmett und hielt sich die Nase zu. Harry wurde sich bewusst, dass sein großer Bruder wohl alles hundertmal stärker wahrnahm und wusste für einen Moment nicht, ob er ihn bedauern sollte. Schließlich aber flüchtete Emmett aus der unmittelbaren Nähe der duftenden Blüten, hin zu den fleischfressenden Pflanzen, was Harry schmunzeln ließ. So hatte er ein wenig Ruhe vor Emmetts Witzen. Jedenfalls hatte er das gedacht, bis ihn eine warme, alt klingende Stimme ansprach.

Kann ich dir helfen, mein Junge? Gefallen dir meine Blumen?", fragte die Verkäuferin hinter ihrem Tresen, der wohl zugleich als Arbeitsplatz für das Herrichten der Sträuße diente. Sie war dem Aussehen nach schon einige Jahrzehnte auf dieser Welt und versprühte die gleiche Ruhe wie Dumbledore es immer tat. Auch schien sie in ihrer Arbeit mit den Pflanzen voll aufzugehen, denn mal abgesehen von ihrem sanften Lächeln, den leuchtenden braunen Augen, die sich hinter einer rahmenlosen Brille versteckten und ihrem ergrauten Haar, trug sie eine Schürze, welche zeigte, dass sich die Frau nicht zu schade, um mal mit kräftig zu zupacken.

Oh ähm ja", fuhr Harry überrascht herum. „Ich wollte gern ein paar Blumen für meine Freundin kaufen, Ma´am."

Die Augen der Frau wurden leicht träumerisch, so als würde sie sich an etwas erinnern. Es fehlte nur noch, dass sie etwas in Richtung „Oh junge Liebe" sagte. Doch dies blieb Harry erspart und so beobachtete er nur, wie die alte Frau ihre Schere und den angefangenen Blumenstrauß aus der Hand legte, sich die Hände kurz an ihrer Schürze abwischte und fragte: „Na wenn das so ist, was sollen wir dir denn dann wohl verkaufen? Mal sehen, was zu deinen vor Freude leuchtenden Augen passt. Vielleicht ein paar rote Rosen um das Herz deiner Angebeteten zu liebkosen. Oder aber wir nehmen Narzissen zum Küssen …"

Harry überlegte und schmunzelte über die Art, wie die alte Frau die Blumen aussuchte. Allerdings versteinerte sein Gesicht im nächsten Moment, denn er hatte in seiner Euphorie den Faktor Emmett total vergessen. Und Rosalies Freund hatte ja nichts Besseres zu tun, als zu lauschen, den gedanklichen Weg der alten Hexe aufzugreifen und quer durch den Laden, ungeachtet der anderen Kunden, laut zu rufen: „Eyh Harry hab´s. Wenn man die Blumen für seine Freundin so auswählt, dann frag die nette Frau doch einfach mal, ob sie nicht ein Bund Wicken hat."

Im nächsten Moment erstarrte jede Bewegung im Raum und alle Blicke lagen auf Harry, der die alte Frau vor sich entsetzt anschaute und dann eigentlich nur noch eines wollte, nämlich im Boden versinken. Doch halt, bevor er dies tat, würde er noch einen Mord begehen und jemanden qualvoll töten. Drei Sekunden später rannten die beiden jungen Männer auch schon aus dem Blumenladen und in Richtung Marktplatz.

Flashback Ende

Harry beendete seine Ausführungen und hatte schon den ersten Fluch auf den Lippen. Zumal Emmett hinter seinem menschlichen Schild gluckste und unverhohlen feixte. Allerdings stach Harry dann etwas ins Auge, das ihn zögern ließ. Denn mit einem Male hatte er, wenn er es genau nahm und es auf das Grinsen bezogen, nicht mehr nur einen Gegner, sondern sieben mit denen er es aufnehmen und dahingehend verfluchen müsste.

Harry konnte es nicht fassen und eine frische Röte zeichnete sich in seinem Gesicht ab, ob nun vor Wut oder Scham. Doch Emmett war nicht der einzige der lachte. Okay, er war der einzige der es offen tat, während Carlisle, Jacob und Hermine, ja sogar Esme damit zu tun hatten, ihre Gesichtsmuskeln nicht zu sehr zu beanspruchen um ein ernstes Gesicht zu wahren. Wieder ein Scherz auf seine Kosten.

Nur bei einer Person wusste Harry nicht, was sie von der ganzen Sache hielt. Und es war die Person, die Harry das wichtigste war und die er sich jetzt gerade nicht getraute anzuschauen. Wie hatte Alice es aufgenommen? Was würde sie von ihm denken? Sex und mit einander schlafen, davon hatte sie doch beide noch Abstand genommen. Zum einen wollte Harry seine Freundin nicht drängen, dann die Sache mit seiner Heilung und schließlich gab es ja noch das kleine, für den Gryffindor eigentlich ausschlaggebendere Argument; dass sie bisher in Carlisle Haus gelebt hatten. Einem Haus voller Vampire, die jedes Geräusch und jeden Geruch wahrnahmen und Harry stand zu der festen Überzeugung, dass er nach einer Nacht mit Alice und unter dem Dach der Cullens, Esme, die er als Mutter ansah, nicht mehr in die Augen hätte sehen können.

Harry zögerte und umfasste seinen neuen Zauberstab fester. Was sollte er tun? Konnte er es wagen sich umzudrehen? Wo war sein Gryffindormut hin? Weg, gestand sich Harry ein und dann durchfuhr ein anderer Gedanken seinen Geist. Etwas, dass das eben gedachte ihm erst jetzt klar machte. Es ging dabei um genau das Thema, welches Emmett mit seinem blöden Witz angerissen hatte. Es ging um den Sex mit Alice, ihre gemeinsame Zeit. Nicht sie, Alice war es die übers Streicheln und Küssen nicht hinausging, sondern er, Harry. Irgendwie hatte er Angst etwas falsch zu machen und egal dass seine Freundin ihm immer sagte, dass man Erfahrungen machen musste, so blieb in Harrys Hinterkopf immer, dass Alice mit ihren Erfahrung mit Jasper ja auch eine gewisse Erwartung und Ansprüche haben könnte.

Wie sollte er ihr jetzt also unter die Augen kommen? Vorsichtig drehte Harry seinen Kopf, nur um dann leicht zusammen zu zucken, da er im nächsten Moment Auge in Auge und Nasenspitze an Nasenspitze mit Alice stand. Ihre Augen funkelten und etwas das Harry getrost als teuflisch bezeichnen würde spiegelte sich in ihnen.

Harry wollte sagen: „Alice, es ist nicht so wie …" Doch wurde sein Versucht jäh unterbrochen. Alice zog ihre rechte Augenbrauche hoch, sodass ihre bernsteinfarbenen Augen in der Sonne glänzten und nach Sekunden, die Harry wie Stunden vorkamen, fragte sie einfach: „Du hast ein Geschenk für mich?"

Etwas überrumpelt schüttelte Harry kurz den Kopf um klar zu werden. „Ähm ja", stotterte er und plötzlich benahm sich Alice wie ein kleines Kind. Sie schaute nach unten zu Harrys Taschen und fragte aufgeregt: „Was ist es? Wann krieg ich es?" Harry fiel ein Stein vom Herzen. Seine Freundin war also nicht verärgert oder so. Und um das Thema Sex gänzlich abzuschließen sagte Harry: „Jetzt, wenn du willst."

Die anderen in der kleinen Runde schmunzelten nur und Carlisle nahm Esmes Hand und drückte sie sanft. Das war seine Alice, die stets wusste mit besonderen Situation umzugehen. Natürlich war Carlisle klar, dass Alice es Harry nicht schwer machen würde und dass sie ein Geschenk bekam, machte es für den quirligen Vampir noch umso schöner. Sie liebte Geschenke, besonders wenn sie für sie selbst und ihre Gabe unerwartet waren. Allerdings verdunkelte sich im Augenblick darauf das Gesicht des blonden Vampirs kaum merklich und er griff in seine Tasche.

Er wartete noch ab, bis Harry Alice das Halsband mit dem Bärenzahn und seinem Namen darauf gegeben hatte und sagte: „Und weil wir gerade bei Geschenken sind, habe ich für meine Lieblingstochter auch noch eine Kleinigkeit."

Alle schauten zu Carlisle und dieser hielt nun eine silbern schimmernde Kette mit einem Kreuz in der Hand. Harry betrachtete das Geschenk genau und bemerkte dann, dass Alice in seinen Armen sich etwas versteifte. Was hatte dies zu bedeuten? Kannte seine Liebste diese Kette irgendwo her? Sie sah jedenfalls nicht so aus, als wäre sie von der Größe und dem zu erwartenden Gewicht ein Schmuckstück, welches sich Alice selber zulegen würde.

Harry musterte die Kette noch einmal genau als Alice zu Carlisle ging und sie umlegte. Die Worte, welche er ihr dabei ins Ohr flüsterte, konnte Harry zwar nicht verstehen, allerdings ließen die Reaktionen von Emmett und Rosalie, die das Gespräch verstanden, Harry etwas die Stirn runzeln.

Was war das für eine Kette? Wo stammte sie her? Hatte das Kreuz eine besondere Bedeutung, denn schließlich war es mit seiner Größen von etwa acht mal fünf Zentimeter für Alice zarten Körper eindeutig zu wuchtig, auch wenn man es reichlich verziert hatte. Bevor Harry sich aber weitere Gedanken machen konnte, dankte Alice ihrem Ziehvater und küsste ihn kurz auf die Wange. Damit schien das Thema beendet zu sein und man konnte sich wieder dem Besuch hier in der magischen Welt widmen.

„Okay Jungs, was kommt als nächstes?", fragte Esme, da sie sich sicher war, dass Harry und Emmett noch nicht alle Sachen für ihre Reise nach Hogwarts gekauft hatten.

„Nur noch ein paar Kleinigkeiten", erwiderte Harry und zum Erstaunen aller, fügte er hinzu: „Aber dies würde ich noch gern mit Emmett allein besorgen."

Rosalies Freund sah für einen Moment verunsichert aus, ja regelrecht besorgt, dass er mit Harry allein weiter gehen sollte. Und auch Esme bedachte Harry mit einem eher abwägenden Blick. War die Sache mit Emmetts Scherz doch noch nicht aus der Welt und hatte ihr Sohn sich noch auf etwas gefasst zu machen? Zum Glück für Harry meldete sich dessen Magen lautstark und Carlisle schritt ein.

„Nun Harry wenn das so ist, dann lass uns erst einmal was essen. Es ist ja auch schon nach zwei und das Frühstück liegt eine Weile zurück. Danach sehen wir weiter und wenn ich Ernest richtig verstanden habe, dann haben die Geschäfte hier sowieso bis acht geöffnet."

Gesagt, getan und keine zehn Minuten später waren die Bäuche derjenigen, die nicht auf Hämoglobindiät waren mit leckerer Pizza und einem Eis, welches dem von Florean Fortescue schon sehr nahe kam, gefüllt.

„Okay Harry, was brauchen wir noch?", fragte Emmett als er den Rest seiner Familie hinter einem der Marktstände hatte verschwinden sehen. Ab jetzt war er auf sich gestellt und musste sich Harry und dessen möglicher Rache tapfer allein stellen.

Der Gryffindor grinste aber nur, zog seine Einkaufslistaus der Tasche und deutete dann in Richtung der Arkaden. „Ich glaube wir müssen darüber, für das was ich noch vor habe. Jedenfalls habe ich dort drüben vorhin etwas entdeckt."

Es war mittlerweile kurz vor sechs Uhr und Hermine wartet zusammen mit Jacob und den Cullens, dass ihr bester Freund endlich auftauchte. Was dauerte nur so lange? Und viel wichtiger, was vor allem hatte Harry noch vorgehabt. Die Antwort würde wohl noch warten müssen, auch wenn der Gryffindor zusammen mit Emmett wenige Augenblicke später hinter einem Marktstand mit frischem Obst auftauchte und beide Jungen herzlich miteinander scherzten. Harry hatte den Vampir also nicht ins nächste Abenteuer gehext und seine Wut war wohl auch weg.

Neugierig betrachtete Hermine ihren besten Freund in der Hoffnung etwas zu finden, was so lange gedauert haben könnte. Doch die einzige Veränderung an Harry war etwas, über das sie beide schon mal kurz gesprochen und zudem Hermine Harry selbst geraten hatte. Harry trug nämlich jetzt im Vergleich zu vorhin einen schwarzen Handschuh aus dünnem hautengen Leder am rechten Arm und zwar einen ziemlich langen, der bis unter den Ärmel seines T-Shirts ging um die Narbe zu verdecken.

Allerdings runzelte Hermine dann etwas die Stirn. Harry schien noch nicht an sein neues Kleidungsstück gewöhnt zu sein, denn er zuckte leicht zusammen als Alice ihn umarmte und den Arm berührte. Sich jedoch weiter darüber den Kopf zu zerbrechen, dazu kam Hermine nicht mehr. Denn just in diesem Moment stießen Ernest Fullert und Alex wieder zu ihnen und meinten, es wäre an der Zeit nach Seattle zurück zu kehren. Carlisle stimmt dem zu und so machte sie sich auf den Weg zur Apparationsplattform, gespannt darauf, wie sie wohl zurück in das Mc Donalds Restaurant gelangen würden.

An der Mauer angekommen, saß der alte Zauberer von heute Morgen immer noch auf seinem Posten und las mittlerweile Zeitung. „Na Ernest, alles gekriegt?", fragte er und hob den Kopf etwas an.

„Natürlich Franco, keiner kann mir doch eine Bitte abschlagen", scherzte Ernest zurück und informierte sein Gegenüber dann dahingehend, dass ihr Ziel Seattle war.

Der alte Franco nickte und legte die Zeitung beiseite. Danach zückte er seinen Zauberstab, richtete ihn auf den Mauer hinter der Plattform und wie durch Geisterhand begannen sich die Ziegelsteine ähnlich dem geheimen Eingang zur Winkelgasse hinter dem tropfenden Kessel zu verrücken und gaben einen Durchgang frei. Augenblicke später befanden sich Ernest und seine Begleiter wieder am Anfangspunkt ihrer heutigen Reise und hörten den Trubel im Restaurant mit dem großen M.

„Boah ich glaub daran könnt ich mich gewöhnen. Du nicht Rose?", lachte Emmett als er das Gesicht seiner Freundin sah. Harry schaute sie an und bemerkte den leichten Grünstich im Gesicht der blonden Schönheit. Offenbar sagte das Apparieren Rosalie nicht wirklich zu und Harry fragte sich ob Vampire sich womöglich übergeben konnten. „Schnauze", fauchte Rosalie und verschwand in Richtung Bad.

Fünf Minuten später kam sie zurück, die Haare gerichtet und das Gesicht wieder mit einer gesunden Vampirblässe. Allerdings verkniff sich Harry zu fragen, was los war. Denn er hatte ja gelernt, dass man Rosalie auf gar keinem Fall nach einer Schwäche oder so fragte. Andererseits galt die Aufmerksamkeit des Gryffindors im nächsten Moment Alice, die leise „Oh" sagte und dann mit leicht starrem Blick gen Decke schaute.

„Was ist Schatz?", fragte Harry, bekam jedoch keine Antwort. Alice schien dieser Welt entrückt und erst zehn Sekunden später schien sie wieder im Hier und Jetzt und schaute hastig zu Carlisle. „Es geht los, Dad", sagte sie und eine Sekunde darauf klingelte auch schon Carlisles Mobiltelefon.

Der Arzt ging ran und hörte der Stimme am anderen Ende zu. „Ich verstehe, Edward. Bleib ruhig und bereite alles vor. Ich bin auf dem Weg."

Harry schaute besorgt zwischen Alice und Carlisle hin und her. „Was ging los?", wollte er noch fragen, doch da wurde es ihn auch schon klar … Bella. Offenbar war es soweit und ihr Kind kam zur Welt. Ein Ereignis, welches man im Normalfall als ein freudiges erachten würde. Aber Harrys Magen verkrampfte sich dennoch, bedeutete es doch diesmal den Tod eines Menschen. Eines Menschen, den Harry in den letzten Tagen kennengelernt hatte und den er zu so etwas wie seiner Familie zählte.

Alice schien Harrys Gedanken lesen zu können und nahm seine Hand. „Mach dir keine Sorgen Harry. Ich kann vielleicht noch nicht so oft wie früher in die Zukunft sehen. Doch hier bin ich mir sicher, dass alles gut gehen wird und dem Baby und Bella wird nichts geschehen."

„Ja aber sie wird sterben, Alice", flüsterte Harry ungläubig.

„Das schon, Schatz. Doch danach wird sie umso glücklicher mit Edward sein und ganz wichtig … sicherer. Sei es weil sie nicht mehr so zerbrechlich ist oder aber, weil die Volturi in ihr keinen Gesetzesbruch mehr sehen können."

Harry schaute seiner Liebsten tief in die Augen und begann zu verstehen, dass man Leben nicht immer nur aus einem Blickwinkel betrachten durfte. „Okay", flüsterte Harry und küsste Alice sanft auf den Mund.

Carlisle hatte in der Zwischenzeit sein Telefonat beendet und Esme informiert, dass er sich beeilen muss. Daher wurde es auch ein wenig hektisch beim Verabschieden, da Harry gehoffte hatte, sie könnten ihre letzten Stunden bis zum Abflug gemeinsam verbringen und dass Esme und Carlisle sie zum Flughafen brachten. Doch es sollte halt nicht sein und so wünschte Carlisle seinen Kindern viel Glück und Spaß. Er drückte Emmett sogar noch einige Hundert Dollar in die Hand und meinte, sie sollten heute Abend noch im Hotel ein wenig Spaß haben und dann machte er sich auch schon auf den Weg.

Harry schaute hinterher und fragte sich, ob er den Mann, der ihm so geholfen hatte, jemals wieder sehen würde. Doch natürlich würde er das. Denn spätestens im Winter zu Weihnachten, wollten sie ja die Ferien zusammen verbringen. Etwas worauf sich Harry schon freute, zumal ja auch Hermine und Jacob dann mit von der Party waren, um Billy Black und den Rest des Stammes zu besuchen.

„Okay Leute, der Erste ist weg. Bleibt nur noch Nummer Zwei und dann ist sturmfrei und damit Party angesagt"

Emmett konnte es sich einfach nicht verkneifen und sah wie Ernest und Alex grinsten. Ihr Blick ging dabei durch die Fenster hin zu seinem alten Freund, der gerade die Wagentür geöffnet hatte und noch einmal kopfschüttelnd lächelnd ins Restaurant blickte.

„Und wie willst du mich loswerden, junger Mann?", fragte nun Esme und funkelte ihren Sohn an.

Alle lachten ob Emmetts Gesicht. Er hatte Esme wohl schon völlig ausgeblendet, da diese ja naturgemäß dorthin ging, wohin es Carlisle zog. Er hatte wohl Esmes mütterliche Gefühle für Harry vergessen und grinste nun leicht verlegen. Allerdings schoss im nächsten Moment eine Idee durch Harrys Geist und er sagte sich, dass sein großer Bruder ja eigentlich recht hatte. Es war schließlich noch eine ganze Nacht bis ihr Flug nach England ging. Daher schlich sich plötzlich ein Grinsen auf sein Gesicht und nachdem Harry sich kurz bei Alice entschuldigt hatte, ging er zum Tresen, wo Nancy von heute Morgen immer noch Dienst schob.

„Oh hey Harry, ihr seid also zurück vom Einkauf", fragte sie lächeln und Harry nickte.

„Und hast du noch Hunger?", fragte sie, worauf Harry allerdings den Kopf schüttelte. „Ähm nein, eher nicht. Aber ich hab ein Anliegen."

„Sei doch froh, Harry. Er muss doch nicht immer stehen", fuhr Nancy dazwischen. Sie grinste und ihre Augen funkelten teuflisch.

Harry war baff und entsprechend seiner Natur wurde er wieder einmal knallrot und starrte das Mädchen vor sich an. Es half auch nicht, dass der Rest seiner Freunde alles gehört hatte und nun leise kicherte. Augenblicke später fing sich der Gryffindor jedoch und fragte: „Du heißt nicht zufällig McCarthy mit Nachnamen?"

„Ähm nein, Harry. Und tut mir leid mit dem Spruch. Doch ich konnte einfach nicht wiederstehen."

„Schon gute. Also wie gesagt, hätte ich da ein An… eine Frage und zwar. Gibt es hier in Seattle einen Ort, wo meine Freunde und ich sowas wie eine kleine Party zum Abschied machen können?"

Nancy schaute Harry nachdenklich an und dann in Richtung seiner Freunde. „Du meinst euch alle, also auch deine kleine Blutsaugerin und ihre Familie?"

Harry nickte und Nancys Gesicht begann zu leuchten. „Na dann bleib nur ein Ort für euch … die Fortress of Doom, der beste Club den es gibt. Und ihr habt Glück, Harry. Heute Nacht steig da die geilste Party des Jahres. Die Fortress feiert Geburtstag und das Ende der Sommerferien. Harry, ihr MÜSST dort hin. Alles andere wäre Frevel."

Harry überlegte im nächsten Moment, ob seine Idee wirklich so gut war. Denn Nancy benahm sich plötzlich so als wäre sie ein Harry Potter Fan und das gefiel dem Gryffindor überhaupt nicht. Allerdings schien Nancy dies zu spüren und lenkte ein. „Gut Harry, ich hab vielleicht übertrieben, was den Frevel angeht. Doch ihr solltet wirklich kommen. Es gibt eine Menge Spaß dort und wenn ich dein Gesicht gerade richtig gedeutet habe, so brauchst du dir auch keine Sorgen wegen deiner Person machen. Keiner wird dich erkennen oder anders behandeln. Die Fortress kümmert sich um alle Gäste gleich und du wirst wohl auch nicht der einzige Prominente sein, wenn man dich erkennen sollte."

Harry überlegte noch einen Moment und schaute dann zu seinen Freunden, die wieder einmal mitgehört hatten und deren Gesichter nur ein Wort ausstrahlten … Party. Somit drehte sich Harry wieder um und sagte Nancy, dass sie kommen würden. Das Gesicht der jungen Frau strahlte vor Freude und sie drückte Harry einen Zettel mit der Adresse in die Hand. „Seid aber nicht zu spät dran. Die Hauptshow geht Punkt zehn Uhr los und die wollt ihr nicht verpassen."

„Machen wir, danke", erwiderte Harry und nahm sich dann doch noch einen BigMac mit auf den Weg zum Hotel, welches Carlisle für sie gebucht hatte. Begleitet und chauffiert wurden sie dabei alle noch von Ernest Fullert und Alex, wobei letzterer ihnen noch viel Spaß am Abend wünschte. Harry konnte sich denken, dass der junge Zauberer die Fortress of Doom auch kannte und wenn man mal bedachte, wie er sich heute um sie alle gekümmert hatte, so konnte sich Harry vorstellen, dass man den jungen Agenten heute nicht zum letzte Mal gesehen hatte.