Kapitel 39
Die Minuten verstrichen. Minuten in denen um Harry herum immer mehr Leute tanzten und Party machten. Ja Harry selbst war versucht auf die Tanzfläche zu stürmen, aber der Tag war schon lang gewesen und forderte seinen Tribut. Somit blieb dem Gryffindor nichts weiter übrig als zuzuschauen und sich so zu erfreuen.
Als die Musik dann noch einmal einen Tick zunahm, spürte Harry aber auch, dass dies noch nicht der Höhepunkt für heute sein sollte, zumal seine Nackenhaare sich aufrichteten und er das Gefühl bekam, dass etwas nahte. Wachsam schaute er sich um und seine Freunde, mal kurz von der Tanzfläche gelöst, folgten seinem Verhalten. Instinkte konnte man also nicht täuschen, zumal Harry bemerkte, dass auch andere Gäste anfingen sich umzuschauen und zu flüstern.
„… Hast du gesehen? Ich fasse es nicht. Sie ist schon da…"
„… Wow. Sie kommt sonst nie so früh …"
„… Wer?..."
Harry hörte ein paar Mädchen flüstern und fragte sich, wer denn nun aufgetaucht war. Ein Promi, wie Nancy es angedeutet hatte vielleicht? Harry drehte sich in Richtung Eingang um, doch da war niemand. Angestrengt versuchte er sich wieder auf das Flüstern zu konzentrieren und hörte gerade noch, wie eines der Mädchen leicht schockiert sagte: „Was heißt hier, „wer"? Sag nur, du kennst Black Widow nicht. Sie ist die Hausherrin hier und DJ Merlins Frau." Dabei nickte das Mädchen in Richtung der Galerie und als Harry sich umdrehte, klappte ihm fast die Kinnlade herunter.
Oben auf einem der balkonähnlichen Vorsprünge stand eine Frau, wie Harry sie noch nie gesehen hatte. Eine Hexe ohne Zweifel, mit einer Ausstrahlung die der Gryffindor nur so beschreiben konnte: Man nehme den Anmut und das aristokratische Verhalten von Narcissa Malfoy, gepaart mit dem strengen Blick einer Minerva McGonagall und der Schönheit einer schwarzhaarigen Rosalie Cullen, gekleidet in ein edles schwarzes Gouvernantenkostüm nur halt mit jeder Menge Leder und Spitzenbesatz.
Und eben jene Frau ließ ihren Blick wachsam über die wild tanzenden Gäste schweifen, bevor sie langsam und erhaben in Richtung Treppe schritt, sich der Wirkung ihres Auftrittes hundertprozentig bewusst. Immer mehr der tanzenden und sich amüsierenden Jugendlichen schauten sich um und erstarrten in ihrem Tun. Das Tuscheln wurde mehr und als die Frau, bekannt als Black Widow, schließlich die Treppe hinab glitt, teilte sich die Masse und gab ihr den Weg auf die Tanzfläche frei.
Harry fragte sich, ob dies vielleicht so eine Art Ritual war, da es wie von Zauberhand gelenkt oder gar einstudiert wirkte. Ein Lächeln schlich sich auf das Gesicht der, in Harrys Augen, wunderschönen Frau. Gleich darauf war Harry froh, dass Edward nicht hier war und Alice nicht dessen Gabe hatte. Nicht dass das jetzt jemand falsch verstand, Harry liebt Alice und sie war für ihn die schönste Frau der Welt, doch Black Widow hatte etwas anderes, mystisches und sie war nun auf Harrys Höhe.
Passend dazu erklang Emmetts Stimme. Rosalies Freund konnte es sich einfach nicht verkneifen und musste, während die anderen starrten, einen Kommentar abgeben. Harry sah noch, wie Emmetts sich grinsend zu Rose beugte und in Hinblick auf das Auftreten und das Outfits der Dame des Hauses flüsterte: „Oh ja Babe. Schlag mich, peitsch mich, gib mir Tiernamen." Doch Harry war offenbar nicht der einzige, der dies gehört hatte und so stoppte Black Widow, verharrte einen Moment, ihre Mundwinkel zuckten und dann völlig aus dem Nichts heraus knallte es laut neben Harry.
Die Musik stoppte sofort und alle Blicke lagen nun auf der kleinen Gruppe rund um Harry, vor allem aber auf einem völlig geschockten Emmett Cullen, der nicht einmal in der Lage gewesen war zu reagieren. Nicht einmal mit seinen Vampirreflexen. Natürlich waren Rosalie und Alice sofort bereit ihren Bruder zu helfen. Allein aber die Tatsache, dass die fremde Frau blitzschnell einen etwas längeren Zauberstab in der linken Hand hielt, ließ die beiden Zögern.
Neugierig schauten alle Gäste auf das Schauspiel und Harry musterte nun genau, wie sich Black Widow langsam Emmett näherte und dann sagte: „Wünsche, mein junger Freund, sollte man mit Bedacht äußern. Denn du weißt nie, ob sie nicht sofort erfüllt werden." Dann lächelte sie, schaute hinab zu ihrer rechten Hand und hob eine völlig zersplitterte Reitgerte hoch. Woher sie diese hatte, konnte Harry nur vermuten. Doch wahrscheinlich gehörte sie zu ihrem strengen Outfit und steckte in einem der schwarzen Lederstiefel, wenngleich sie das Treffen mit Emmetts steinhartem Körper nicht überlebt hatte. Black Widows Lächeln wurde noch breiter, sich bewusst, dass sie Emmett nicht wirklich weh getan hatte und unter den Pfiffen und den Lachern der übrigen Gäste sagte sie: „Du schuldest mir übrigens eine neue Peitsche, mein … Schmusebärchen."
Emmett brauchte noch einen Moment, doch dann begann auch er zu grinsen. Es war ja schließlich sein Fehler gewesen und so stimmte er immer weiter mit ins Lachen ein bis es sich beruhigte und die Aufmerksamkeit wieder vollends auf der Herrin des Hauses lag. Sie war mittlerweile im Zentrum der Tanzfläche angelangt und hatte ihre rechte Hand erhoben.
„Guten Abend, meine Freunde. Ein weiteres Jahr ist vergangen und die Sommerferien stehen vor dem Ende. Also wird es Zeit noch einmal so richtig zu feiern, wie wir es jeden Sommer tun."
Applaus flammte auf und brachte Black Widow zum Lächeln. Erhaben schaute sie in die Runde und bedeutete dann einem ihrer Diener, dass offenbar der nächste Akt der Show beginnen konnte. Alle schauten nach oben wo einer der Angestellten in einer ledernen Wachenkluft mit gezielten Griffen zum Blatt einer alles überragenden Turmuhr kletterte und dort den großen Zeiger auf die Zwölf stellte. Dann hielt er noch das Pendel an und kletterte zurück.
„Es ist getan", sagte Black Widow. „Zeit hat heute keine Bedeutung mehr für uns. Die Zeit steht still und wird unser Feiern nicht mehr behindern." Danach zog sie ihren Zauberstab und deutete damit auf den Boden der Tanzfläche, wo nachdem sich die Tanzenden etwas zurückgezogen hatten, der Blick auf einen im Stein eingelassenen Spiegel frei wurde.
Harry verfolgte das Spektakel wie alle anderen auch. Allerdings formte sich in seinem Geiste eine alles beherrschende Frage. Gab es hier kein Geheimhaltungsabkommen? Immerhin wedelte Black Widow hier mit ihrem Zauberstab und auch andere Begebenheiten waren mehr als ganz Hollywood mit seinen Effekten erzielen konnte. Immer wieder schaute sich Harry um und sah Dinge, die man nur aus der magischen Welt kannte. Egal ob es nun hin und wieder heimlich zaubernde Jugendliche waren oder gar das große Aquarium in dem Harry eindeutig einen Grindeloh ausmachte.
Bevor er sich aber weitere Gedanken machen konnte, hatte Black Widow eine lange Beschwörung gemurmelt, schwarze Nebelschwaden traten aus den Fugen des steinernen Bodens hervor und verdichteten sich über dem eben erwähnten Spiel. Dann zuckten plötzlich Blitze und mehrere Donnerschläge gingen allen durch Mark und Bein.
„Er ist da", flüsterte Nancy und grinste. Dabei deutet sie auf dem Nebel und auf die Person, welche sich aus ihm erhob.
Harry konnte nur starren und sagte fassungslos: „Merlin."
Und weil es nicht nur ihm so erging, sondern auch viele andere den Namen riefen, begann die Person im Zentrum des Raums über seine Brille hinweg und durch seinen langen Bart hindurch verschmitzt zu lächeln.
„Na meine Freude, habt ihr mich vermisst?", fragte das perfekte Abbild eines Merlingemäldes spitzbübisch und umarmte dann die Frau, die ihm das wichtigste auf Erden zu sein schien. Er küsste Black Widow unter den Augen der Gäste, genoss offenbar die Pfiffe und Catcalls und zückte dann seinen Zauberstab.
„Seid ihr bereit? Habt ihr gute Laune mitgebracht? Heute ist schließlich Party angesagt."
Die Menge rief laut „ja!" und das Lächeln im Gesicht von „Merlin" wurde noch breiter. Er schaute sich um, nahm das Mikro wieder hoch und sagte: „Freunde, ihr glaubt gar nicht wie sehr ich mich freue heute hier zu sein. Meine Europatour ist der Hammer und ich habe bisher so viel gesehen. Glaubt mir, die Leute da drüben gehen so richtig ab. Könnt ihr euch das vorstellen? Fast eine Million Menschen im Takt von hämmernden Bässe und Party ohne Ende. Freunde, die nennen es Love Parade und ich durfte mit auflegen. Doch davon berichte ich euch ein anderes Mal."
Damit schien seine kleine Begrüßung beendet zu sein und die Musik wurde wieder etwas aufgedreht. Merlin schaute zum DJ hoch und sagte: „Oh ja David, auch dir einen schönen Abend." Danach drehte er sich wieder zur Tanzfläche und fragte: „Und meine Freunde, hat mich David würdig vertreten?"
Die Masse jubelte und entlockte dem jungen Mann am Pult ein Lächeln, während Merlin zufrieden sagte: „Das ist schön zu hören, meine Freunde. Glaubt mir, mein junger Adept wird einmal ein ganz großer werden. Ihm liegt die Musik im Blut, wie ich es nur noch von mir kenne und ich wage zu behaupten, dass es in einigen Jahren heißen wird David Ghetta feat. … und dann die Namen großer Leute der musizierenden Kunst."
David schien dieser Gedanke auch zu gefallen und er drehte die Bässe hoch – so richtig hoch. Die Tanzfläche füllte sich und während dies geschah, bemerkte Harry, dass DJ Merlin seinen Zauberstab zückte und sein Aussehen veränderte. Er wurde von einer auf die andere Sekunde gut vierzig Jahre jünger, seine Umhang verwandelte sich in ein Hawaiihemd und ein Paar Flipflops passend zur Kakihose rundeten sein Outfit ab.
Schließlich erklomm der nun weitaus jüngere „Merlin" die Kanzel mit den Mischpults und ab da glaubte Harry in einer anderen Welt zu sein. Blitze zuckte in den verschiedenste Farben, Laser tanzten wild durch die mit Disconebel geschwängerte Luft und Musik, die Harry in den letzten Wochen im Radio gehört hatte, erklang nun sehr viel schneller und bebender aus den Lautsprechern.
Man konnte sagen, dass der Club jetzt erst so richtig abging und Harry stand mit einem Male etwas allein am Tisch, da egal ob Alice, Rose oder Hermine, sie alle auf der Tanzfläche waren und im Takt der Musik sich gehen ließen. Harry sah seinen Freunden zu. Sah wie sie Spaß hatten und verfluchte in diesem Moment seinen Zustand. Denn egal ob er seine Beine vielleicht nicht im Takt eines Walzers bewegen konnte, das was da auf der Tanzfläche los war, das würde er auf alle Fälle hin bekommen, wäre da nicht der noch nicht abgeschlossene Heilungsprozess.
Etwas sehnsüchtig schaute der Gryffindor zu seiner Freundin und beobachtete, wie sie sich katzenhaft bewegte. Und obwohl er es selbst gewesen war, der sie gedrängt hatte mit den anderen Spaß zu haben, zu tanzen und ihn hier allein zu lassen. Umso mehr ärgerte ihn sein Zustand. Denn nur zu gern wäre er jetzt auch mit dort.
Bevor sich Harry aber weiter ärgern konnte, schnappte ihn plötzlich jemand von hinten und drückte ihn auf einen Stuhl. „Hey was…", fuhr er auf und sah sich im nächsten Moment Nancys Lächeln gegenüber. „Hier wird nicht gefaulenzt, Harry", sagte sie grinsend und schon gleich darauf wurde Harry zusammen mit dem offenbar fahrbarem Barhocker in Richtung Tanzfläche geschoben.
„Nancy, was soll das?", fragte er überrascht und bekam als Antwort. „Schwache Beine sind keine Ausrede, Harry. Mit dem Stuhl hier haben wir schon Leute mit schwereren motorischen Einschränkungen zum Tanzen gebracht." Und bevor Harry sich versah, machte die Menge auf der Tanzfläche plötzlich eine Gasse und Harry war einmal mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Er stand, sorry saß nun Alice gegenüber und seine Freundin lächelte ihn glücklich an.
„Danke", flüsterte sie in Richtung Nancy, bevor Harry ihre Lippen auf seinem Mund spürte und danach begann der quirlige Vampir auch schon Harrys Körper im Takt der Musik zu bewegen. Zwar brauchte der Gryffindor noch einige Moment, um sich an diese Art des Tanzens zu gewöhnen, doch schon wenig Minuten später hatte auch Harry seinen Spaß und flog manchmal regelrecht über die Tanzfläche, sodass man befürchten musste, er fuhr vielleicht noch jemandem über die Füße.
Wie lange sie getanzt hatten, wusste Harry am Ende nicht mehr. Nur dass er völlig fix und fertig war, konnte man seinem Gesicht ansehen. Das und der Durst in seiner Kehle brachte Harry erst dazu abzuwinken und während Emmett seinen kleinen Bruder in Richtung Tisch schob, machte sich Alice auf den Weg zur Bar.
„Hey" sagte sie freundlich zur Bedienung und ein ebenso freundliches „auch hey" wurde erwidert. „Ich hätte gern zwei Drinks, für meinen Freund und mich", bestellte Alice und ließ ihren Blick über die Karte wandern, welche an einem Holzbalken in Form einer alten Pergamentrolle genagelt war.
„Kein Problem", erwiderte die junge blonde Frau hinter dem Tresen. Allerdings musterte sie Alice und schien etwas abzuwägen. „Was soll's denn sein?"
„Oh ich weiß nicht so recht. Vorhin hatten wir Jacki-Coke und sie war super. Doch alles auf der Karte hört sich irgendwie geil an."
„Na wenn du probieren möchtest, dann empfehle ich die einen Tasmanian Dragonbreath. Unser Sommerdrink des Jahres. Wir haben ihn noch nicht lange im Programm und er bleibt auch nur diesen Sommer. Doch er ist jetzt schon der Renner."
„Ok, dann nehme ich zwei."
Bevor die Bardame jedoch anfing die Drinks zu mixen, schaute sie zu Alice rechter Hand, musterte das rote Armband und fragte danach, wer denn ihr Freund sei. Etwas verwundert über diese Frage, drehte sich Alice suchend um und erwiderte: „Ähm, naja, wir sitzen dort hinten." Dabei deutet sie in Richtung Harry und Emmett. Letzter, der sie von seiner Position aus sehen konnte, hob den Arm und winkte.
Betty, wie Alice nun auf dem kleinen Namensschild lesen konnte, lächelte und mit einem „Okay" wirbelte sie die ersten Flaschen durch die Luft. Zwei Minuten später hatte Alice ihre gewünschten Drinks, bezahlte indem sie ihre Hand an eine Art Scanner hielt und war zurück bei ihrem Freund.
Harry hatte sich mittlerweile etwas akklimatisiert, sein Puls war wieder ruhiger, doch das hieß nicht, dass er weniger Durst hatte. Dankbar nahm er das Glas aus Alice Hand, hauchte ihr einen Kuss zu und setzte es an. Was folgte war ein erster großer Schluck, dann ein zweiter und schließlich ein dritter. Zu einem vierten sollte es jedoch nicht mehr kommen. Man konnte förmlich zuschauen wie dem Gryffindor sämtliche Farbe aus dem Gesicht fiel und er anfing zu röcheln. Das Glas glitt Harry aus den Fingern und nur Emmetts Reflexe bewahrten den Boden vor jeder Menge Splitter.
„Harry was ist?", fragte Alice und setzte ihren Drink, der ihr übrigens so wirklich schmeckte, ab.
Harry antwortete nicht, sondern hielt sich nur seinen Halt und würgte. Dann ging er auf die Knie und es sah so aus als würde Harry Potter jeden Moment nach vorne überkippen. Ein weiteres Mal musste Emmett reagieren und hielt gleich darauf Harry im rechten Arm.
