Jax hatte noch nie von diesem Kloster gehört, von dem dieser Mönch angerufen hatte. Deswegen fragte er sich, warum Opie ausgerechnet dort sein sollte. Wenn es überhaupt wahr war, was man ihm gesagt hatte. Vielleicht hätte er doch erst mit Chibs und Happy darüber reden sollen, was sie von der ganzen Sache hielten, aber wiederum konnte man nicht wissen, wie diese Leute auf zu viel Besuch reagierten oder wie sie darauf reagierten. Garantiert würden sie das für einen schlechten Scherz halten, was bei Jax bereits der Fall war. Aber warum sollten ein paar Mönche Scherze über einen Toten machen? Und woher hatten sie überhaupt die Informationen? Genau diese Fragen stellte sich der Blondhaarige immer wieder und er würde Antworten bekommen soviel war sicher. Allerdings war da ein anderes Problem. Wo sollte dieses Kloster sein? Jax konnte sich nur erklären, dass es in der Nähe von dem Gefängnis sein müsste, in dem sie vor wenigen Monaten eingesessen hatten. Doch war dort ein Kloster? Davon gehört hatte er noch nie. Aber es stellte sich heraus das dieses Kloster wirklich existierte und es tatsächlich einige Kilometer vom Gefängnis entfernt war. „Jesus Christ...", murmelte der Blonde, bis er registrierte, dass er sozusagen vor einem Haus Gottes stand und nicht in dessen Namen fluchen sollte. Normalerweise war ihm das egal, deswegen wusste er nicht, warum es ihn heute so interessierte. Kurz sah sich der President von den Sons of Anarchy um und bemerkte das er mitten im Nirgendwo stand und ein kurzer Blick auf sein Handy zeigte an, dass er auch abgeschnitten von der Außenwelt war, da er keinen Empfang hatte. „Wird ja immer besser", murmelte er zu sich selber ehe er von seinem Motorrad abstieg und sich dann auf den Weg machte, um in dieses Kloster hineinzugehen. Davor überprüfte er nochmal seine Waffe, ob er auch genügend Kugeln drin hatte, und sie dann zurück in seinen Hosenbund steckte. Man konnte ja nie sicher genug sein und er wusste auch nicht, was ihn dort drin erwarten würde. Vielleicht war es gar kein Kloster und es lebten keine Mönche hier und man hatte ihn in einen Hinterhalt gelockt. Doch er war kaum drin da wurde Jax eines besseren belehrt. Das Kloster war voll mit Mönchen, die ihren Arbeiten nachgingen und ihm erst einmal keine Beachtung schenkten. Während er seine Sonnenbrille abnahm und diese an die Brusttasche seiner Weste steckte, stellte er fest das es wie in einer anderen Welt war. Friedlich und ruhig und nicht so stressig wie es derzeit bei ihnen war. Die Mönche hatten große Ackerflächen, wo sie Obst und Gemüse anpflanzten. Es kam ihm gerade so vor als wäre er im Mittelalter gelandet. Und sein Gefühl verstärkte sich, dass Opie hier niemals sein konnte. Dennoch blieb er im Außenbereich des Klosters und seine Schritte führten ihn immer weiter hinein. Aber noch ehe er die Tür zum Innenbereich erreicht hatte, wurde er von einem älteren Mönch abgefangen, der bereits keine Haare mehr auf dem Kopf hatte. Ob er sich diese ab rasiert oder ob sie ihm vollständig ausgefallen waren, konnte Jax nicht sagen. „Wir sehen nicht oft Besucher in unserem schönen Kloster. Wie können wir Ihnen helfen?" Jax' Gedanke war, dass er es verstehen konnte bei so einer toten Gegend, wo man gleich vorbei fuhr, aber er sprach es nicht aus, da er nicht unhöflich wirken wollte. Wenn diese Mönche nicht wirklich Mönche waren dann wollte er nicht gleich alle gegen sich aufbringen. „Ich suche einen Bruder Franklin", meinte er stattdessen und versuchte geschäftlich zu klingen was ihm recht wenig gelang, weil sein mulmiges Gefühl ihn zu übermannen versuchte. Er drängte es aber zurück und machte eher ein ernstes Gesicht. „Dann müssen Sie Mr. Teller sein? Wenn ich mich vorstellen darf. Ich bin Bruder Franklin", stellte sich der glatzköpfige Mönch vor und reichte Jax die Hand, welche er annahm und sofort bemerkte der Jüngere das dieser Mönch einen starken Händedruck hatte. „Bitte kommen Sie doch rein dann erzähle ich Ihnen alles. Aber davor...", fügte er noch hinzu und zeigte auf eine kleine Kiste ein paar Meter weiter weg von ihnen. „... legen Sie doch bitte Ihre Kutte und ihre Waffen ab. Wir mögen hier keine Gangmitglieder!" Es war keine Bitte von dem Mönch, sondern ein Befehl, was Jax sofort raus hörte. Allerdings ließ er sich ungern Befehle erteilen und schon gar nicht von einem Fremden. Erstrecht nicht wenn es hier darum ging, dass er sozusagen nackt sich ausliefern würde. Jedoch sorgte der durchdringende und ernste Blick von Bruder Franklin dazu, dass Jax sich die Kutte auszog und damit zur Kiste ging. „Das darf doch alles gerade nicht wahr sein", murmelte er mehr zu sich selbst ehe er diese in die Kiste warf gefolgt von seinem Messer und seiner Waffe, die er vorhin noch in seinen Hosenbund gesteckt hatte. Gerade wurde Jax das Gefühl nicht los, dass vorhin beobachtet wurde wie er seine Waffe überprüft hatte. Als er zurück zu Bruder Franklin gehen wollte, sah er seinen Blick, der zu wissen schien, das er noch eine Waffe bei sich trug. „Oh Jesus Christ...",murmelte er und warf auch die Waffe, die er versteckt an seinem Knöchel trug auch noch in die Kiste. „Ich hoffe, Sie sind glücklich, dass sie mich total nackt bekommen. Ich hoffe für Sie, dass was Sie haben reicht." „Ich bitte Sie, Mr. Teller. Wir sind nur ein paar Mönche. Was sollten wir ihnen tun?", fragte Bruder Franklin mit einem Lächeln und einem freundlichen Blick seinen Gegenüber. Der hatte genug Antworten auf Lager, was man genug mit ihm machen konnte, da er schon sehr viele Erfahrungen gemacht hatte. Trotzdem sagte er nichts darauf, stattdessen gab er ihm einen ernsten Blick, das sagen sollte, dass mit ihm nicht zu spaßen war. Doch Bruder Franklin ließ sich von diesem nicht beirren und zeigte mit einer Hand in das Innere des Klosters. „Folgen Sie mir", meinte er und ging dann vor. Jax sah noch einmal zurück zum Ausgang, wo sein Motorrad stand und folgte ihm dann schließlich. „Also... dann geben Sie mir jetzt eine Erklärung! Und ich wünsche für Sie, dass es eine wirklich gute Erklärung sein wird und nicht ein schlechter Scherz von diesem komischen Mönchskloster!", fing Jax an, als er Bruder Franklin durch die Gänge folgte. Solche Scherze mochte er gar nicht. Und erstrecht nicht, wenn es hier sogar noch um seinen besten Freund ging. „Vielleicht sollten Sie wissen, dass ich meinen besten Freund sterben sehen habe! Er kann unmöglich noch am Leben sein!" „Wissen Sie, Mr. Teller, manchmal zeigen einem die Augen nie das was man sehen will", antwortete der Mönch mit einem Lächeln, während er weiter ging. Jedoch bemerkte er, dass der junge Mann hinter ihm ungeduldig wurde. „Geduld ist eine Tugend", fügte er noch hinzu, aber als Jax dann stehen blieb und den Mund öffnete um darauf etwas zu erwidern, wusste der Mönch, dass er ihn schon zu lange strapaziert hatte und es doch Zeit wurde ihm die Erklärung zu bieten. „Vielleicht sollten Sie sich vorher setzen." Das war der Moment, wo Jax wirklich letzter Geduldsfaden riss. „Jesus Christ! Ich will mich nicht setzen! Ich will endlich wissen, was mit Opie ist! Wenn er noch lebt, dann sagen Sie es mir jetzt und wie er überlebt hat!" Er wusste nicht warum, aber dieser Mönch war wirklich dabei ihn in den Wahnsinn zu treiben und dafür zu sorgen, dass er ihn oder irgendjemand anderen zusammenschlug. Wobei das in einem Kloster wohl nicht gerade die beste Idee wäre. Aber das war dem Biker recht egal. Immerhin hatte er andere Probleme, um die er sich kümmern musste. Bruder Franklin ließ sich von Jax nicht beirren und blieb weiterhin ruhig. Einzig und allein eine Augenbraue zog sich in die Höhe als er sprach: „Sie sollten nicht den Namen Gottes so in den Mund nehmen... aber gut ich erkläre es Ihnen. Wir hätten Sie schon vorher informiert aber durch sein Schädel-Hirn-Trauma und der Amnesie als er aus dem Koma erwacht ist." „Ich bitte Sie! Ich bezweifle, dass Sie das Tattoo auf seinem Rücken nicht entdeckt haben...", unterbrach Jax den Mönch und zog nun seinerseits eine Augenbraue in die Höhe. Immerhin war das Tattoo auf Opies Rücken das gleiche, was er selber hatte und was sich über den gesamten Rücken erstreckte. Nur ein Blinder konnte dieses übersehen. „Wir wollten ihm die Chance zu geben selbst zu entscheiden was für ihn am besten ist und ob er raus wollte. Denn Sie müssen wissen das wir hier des öfteren Leute behandeln oder einfach nur unterbringen die von ihren Gangs auf der Flucht sind oder getötet werden sollten. Aber Harry dem Tod näher als dem Leben. In Wahrheit war er Scheintod." „Scheintod? Moment mal... soll das heißen Opie... Harry war nicht richtig tot?" fragte Jax und glaubte im Moment gar nichts zu verstehen. Er legte eine Hand an die Wand und wollte es aussehen lassen das er sich locker dagegen lehnte. In Wahrheit hielt er sich daran fest das ihn nicht doch seine weichen Knien nachgaben. Das konnte nicht sein. Das war alles so unglaubwürdig. Oder zumindest ein Traum. Aber eine andere Frage stellte sich dann in seinem Kopf welche er auch sofort aussprach: „Aber... wie ist das klar geworden? Ich habe ihn gesehen und es steckte kein Leben mehr in ihm" Man konnte sehen das der Blonde verwirrt war und erhoffte eine wirklich gute Antwort. „Ich wusste das Sie sich das fragen werden. Als er bei Ihrer Totenwache war konnte man auch noch denken das er tot war. Sein Puls war so weit runter gesunken das dieser kaum noch spürbar war durch den Schock den er erlitten hat. Nachdem der Sarg mit ihm allerdings im Krematorium ankam und noch einmal überprüft wurde das es auch die richtige Person war, bemerkte man das dünne Rinnsal an Blut aus seiner Wunde am Kopf. Es wurde schnell reagiert und er wurde hierher gebracht. Verbrannt wurde nur ein leerer Sarg", antwortete der Mönch und beobachtete wie Jax ihn ungläubig ansah und es noch immer nicht richtig verstehen konnte oder gar wollte. Deswegen wollte er dem jungen Mann vor ihm jetzt auch endlich zu seinem Freund bringen damit er ihm wirklich glaubte. „Ich bringe Sie jetzt zu ihm. Aber ich warne Sie. Wir tun zwar alles um ihn wieder zu heilen aber er hatte so schwere innere Verletzungen gehabt sowie zu 80 Prozent seiner Knochen waren gebrochen das er noch immer Zeit braucht um sich zu erholen. Seit er sich aber von seiner Amnesie wieder erinnern konnte hatte er nach Ihnen gefragt und uns fast die Hölle heiß gemacht das noch niemand aufgetaucht ist." fügte er hinzu und setzte sich dann in Bewegung um Jax zu seinem besten Freund zu bringen. Der President der Sons of Anarchy konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Irgendwie klang das gerade wirklich nach Opie Winston. Trotzdem war ihm nach dieser kurzen Erzählung seines Befindens ein wenig mulmig und er war doch nervös. Verdammt wenn er nur gewusst hätte, dass Opie noch leben würde, dann hätte er alles daran gesetzt ihn wieder zu finden, egal was er für Stress hatte. Wie sollte er es ihm erklären? Kurz musste er schlucken ehe er dem Älteren folgte und durch mehrere Gänge in einen Flügel kam, der der Krankenflügel war wie es ihm schien. Das es sowas in einem Kloster gab, wusste Jax gar nicht. Allerdings war er auch noch nie in einem Kloster gewesen. Natürlich hatte der Biker sich den Weg gemerkt, wie er ganz schnell wieder nach draußen kommen würde, falls es doch eine Falle sein sollte. Dann blieb Bruder Franklin an einer Tür stehen, die er öffnete, nachdem er angeklopft hatte. Jax sah über die Schulter des Mönches hinweg in das Zimmer und konnte bis auf einem unbekannten Rücken niemanden sonst erkennen. Erst als dieser weg gegangen war, sah er eine für ihn bekannte Person. „Jesus Christ...", brachte Jax daraufhin nur hervor und bemerkte nicht, dass er das laut ausgesprochen hatte.