Sie hatte ihn gerettet. Gemeinsam lagen sie erschöpft Seite an Seite am sicheren Ufer. Sie trug wie er nur ihre Unterwäsche. Ihre Haut war weiß, nur ihre Arme waren von der Sonne leicht gebräunt. Das Haar klebte ihr in nassen Strähnen rund um den Kopf. Ihre Zöpfe hatten sich im Wasser aufgelöst.
„Das war mit Abstand das Dümmste was ich je gesehen habe!", zischte sie, sobald sie wieder sprechen konnte.
„Du hättest sterben können!" Sie war wütend.
„Ich hätte sterben können!", fügte sie noch hinzu.
„Ich habe keine Angst vor dem Tod! So leicht bekommt er mich nicht!", erwiderte er arrogant. Sie drehte sich zu ihm und sah ihn mit großen Augen an.
„Wie kannst du dir da nur so sicher sein?"
Leicht zuckte er mit den Achseln. „Ich weiß es einfach!"
Plötzlich strich sie ihm über sein schwarzes Haar. „Du bist ein seltsamer Junge, Tom Marvolo Riddle!"
Sie kannte tatsächlich seinen Namen.
„Du kennst also meinen Namen, aber wie lautet deiner?", fragte er streng. Er mochte es nicht, wenn er das Gefühl hatte im Nachteil zu sein.
„Ich bin Isabell!"
„Einfach nur Isabell, oder hast du auch einen Nachnamen?"
„Grayback!"
Das war das erste und einzige Mal gewesen, dass er vor ihr erschrocken zurückwich. Dieser Name, konnte es Zufall sein? Beinahe war er versucht sie nach Fenrir zu fragen. In der ganzen magischen Welt kannte jeder diesen Namen. Lange betrachtete er sie und beschloss dann es als Zufall abzutun.
Vorerst.
~ ° ~
Die Nacht war still und wog in dunklen Massen um ihn. Es war alles noch so frisch in ihm. Wie ein giftiger Stachel saß sie in seinem Fleisch und bereitete ihm noch immer Qualen. Er war zu dicht an das Ufer des Sees getreten. Er stand bis zu den Fußknöcheln im Wasser. Mittlerweilen konnte er es. Schwimmen. Isabell hatte ihm gezeigt wie es ging. Isabell Grayback. Zischend stieß er die Luft aus. Er wünschte er könnte sie nur hassen. Sie hatte nur Hass verdient. Nicht mehr.
Wäre sie nicht bereits tot, er würde sie wieder töten. Für alles was sie getan hatte, war der Tod eine milde Gabe und lediglich ein Geschenk. Ihr Glück war das er es nicht wagte einen der dunklen Flüche die ihm bereits bestens vertraut waren, an ihr anzuwenden. Zu mächtig thronte der Schatten Dumbledores noch über ihn. Aber auch das würde sich bald ändern. Alles ändert sich. Das hatte ihm der vergangene Sommer gezeigt. Und das ließ ihn die Zukunft bereits erahnen.
~ ° ~
Von diesem Augenblick an, als sie ihm das Leben gerettet hatte, waren sie unzertrennlich. Sie taten alles gemeinsam. Am Abend gab es ein großes Lagerfeuer. Es wurden Würste gegrillt und Lieder gesungen. Wenn es sie nicht gegeben hätte, dann hätte er sich davon fern gehalten. Schulter an Schulter saßen sie dicht am Feuer. Sie sprachen kaum. Er wusste nicht was er sagen sollte. Sie war eben anders. Schweigend aßen sie.
Der Lärm rund um sie, das ausgelassene Lachen, die Musik und die vielen Stimmen die durcheinander redeten, hörte er nicht. Nur sie nahm er wahr. Sie hatte irgendetwas mit ihm gemacht. Ihn irgendwie verzaubert. So neben ihr fühlte er sich besser, klüger, stärker und größer. Er wollte ihr alles zeigen was er konnte. Er wollte das sie ihn bewundernd ansah. Und er wollte das sie ihn wirklich sah. Nicht den Jungen aus dem Ferienlager, sondern den großen Zauberer, der er bereits war.
Verstohlen schlich sich eine Hand in seine. Automatisch umschloss er sie, er wusste wessen Hand es war – ihre und zum ersten Mal in seinem Leben wünschte er sich diese Nacht würde niemals enden. Es war so wie es war perfekt. Später schlenderten sie Hand in Hand am Ufer entlang. Nur noch drei Tage, dann würde er nach Hogwarts zurückkehren. Aber diese drei Tage wollte er mit ihr verbringen, das schwor er sich.
Fast gleichzeitig blieben sie stehen. Es war eine schöne, romantische Nacht. Die Sterne standen am Himmel, der Mond war zu sehen, er war beinahe voll, und sie waren alleine. Kein anderes Wesen störte ihr Zusammensein. Sie hob ihm ihr Gesicht entgegen und blickte ihn erwartungsvoll an und ohne zögern küsste er sie. Tom hatte noch nie zuvor ein Mädchen geküsst und er würde es danach auch nie wieder tun. Es war ein angenehmes, warmes Gefühl ihre Lippen zu berühren. Dieses zuerst federleichte darüber gleiten, das zunehmend einem anderen Drängen Platz machte. Hungrig, beinahe fieberhaft stürzte er sich in diesen Kuss und fühlte wie sie ihn erwiderte.
~ ° ~
Tom kehrte dem See den Rücken zu. In diesem lauerten nur Ungeheuer. Manche sichtbar. Manche unsichtbar. Unwillkürlich ballte er die Fäuste. Er hätte niemals gedacht, dass auch ihm ein Ungeheuer auflauern könnte, ohne das er es merkte. Im Gegenteil, er begab sich sogar freiwillig in dessen Fänge. Tom strich mit der Hand über die Stelle seiner Brust wo sich darunter sein Herz befand. Narben, tiefe Narben zierten dort die Haut.
Längst verheilt und dennoch konnte man erkennen, dass irgendjemand mit Klauen versucht hatte ihm sein Herz aus der Brust zu reißen. Zu seinem Glück war er schneller gewesen. Obwohl wenn er sich gelegentlich seine Narben betrachtete, wurde auch ihm jedes mal aufs neue klar wie knapp es gewesen war. Wie konnte er sich nur in einem anderen Menschen so irren? In ihm wallten Gefühle auf, die ihm schnell klar machten warum sie ihm so nahe hatte kommen können.
~ ° ~
Hell lachte sie auf. Sie war wie ein leuchtender Stern und er betrachtete sie nur zu gerne. Die Nacht am See war magisch gewesen und der Kuss … Nie hatte er geglaubt, dass ihm die Berührung mit einem anderen Menschen etwas bedeuten könnte, aber Isabell war anders. Gerade strich er mit seinem Handrücken über ihren Arm. Sie war so glatt, warm und weich und es fühlte sich gut an sie zu berühren. Erstaunlich gut. Er hörte wie sie einen genießerischen Ton, der sich gleich einem Schnurren anhörte, von sich gab. Sie waren wie immer am See. Nahe am Ufer hatten sie sich niedergelassen. Die Sonne warf ihre Strahlen über sie. Es war ein wunderschöner Tag.
Normalerweise machte er sich über den Tag keine Gedanken. Seine Welt drehte sich bisher einzig um Magie und wie er mehr erlangen konnte. Tom hatte klare Ziele. Er würde einst der mächtigste Zauberer aller Zeiten werden. Noch mächtiger als Salazar Slytherin es je gewesen war. Aber in ihrer Nähe verspürte er den Drang nach ganz anderen Dingen. Komisch dabei kannte er sie gerade einen Tag. Ihre Hand verirrte sich in sein Haar und brachte es durcheinander. Es war nass. Sie hatte ihm gezeigt, wie man schwimmt. Er konnte schwimmen.
„Du bist ein seltsamer Junge, aber ich glaub, ich mag dich!" ,wisperte sie und zog ihn zu sich herunter.
Wie von selbst fanden sich ihre Lippen und zum ersten Mal verspürte er in seinem Leben Erregung. Er wollte mehr von ihr. Er wollte sie ganz und er spürte ganz deutlich, das auch sie es wollte. Zurückhaltung lag ihm fern. Er nahm sich was er wollte und gerade war das sie. Er gab seinem Verlangen nach ihr nach und schälte sie ungeduldig aus ihrer Kleidung. Sie trug so wenig. Ein Shirt, Shorts und einen Badeanzug, aber im Augenblick war ihm das viel zu viel.
Es dauerte schier ewig bis er sie daraus befreit hatte und wieder einmal verfluchte er den Umstand, dass er nicht zaubern durfte. Ein Wink mit seinem Zauberstab und ihre Kleidung wäre Geschichte gewesen. Aber so war er gezwungen gewesen es mit seinen Händen tun zu müssen und auch das hatte einen gewissen Reiz, dem er sich nicht entziehen konnte.
Tom strich mit der Hand seitlich ihren Rippenbogen hinab bis zu ihrem Hüftknochen. Seufzend wandte sie sich unter seiner Berührung. Isabell wollte ihn genauso sehr wie er sie. Heftig zehrte sie an seiner Kleidung. Riss sie ihm förmlich von seinem Körper. Sie war begierig ihn zu sehen, wie er zuvor sie. Ihr Körper, ihre Brüste, der flache Bauch, ihre schlanken Beine und ihre Scham dazwischen faszinierten ihn.
Er strich mit den Fingern über jede Stelle ihres jungen, makellosen Leibes und es schien als würde ihre Haut durch das bloße darüber geleiten seiner Finger zum Leben erwachen. Ungeduldig drängte er sich zwischen ihre Schenkel und drang in sie. Er ließ sich vollkommen ein und plötzlich wurde ihm klar, dass er im Begriff stand sich zu verlieben. Isabell, ein Muggel, hatte sich in sein Herz geschlichen. Verträumt blickte er auf sie und sah mit Schrecken wie sie aufstand und sich anzukleiden begann.
„Was ..?"
