Heute ist John und Marys fiktiver Hochzeitstag, daher denke ich, dass es ein guter Tag ist, um endlich das letzte Kapitel zu posten. Ich entschuldige mich für die lange Wartezeit, aber das 'wahre Leben' hat seinen Tribut gefordert. Nachdem ich dieses Kapitel mehrmals in den letzten Wochen gelöscht und neu geschrieben habe, bin ich tatsächlich fertig geworden und ich hoffe, dass euch das fluffige Ende gefällt. Ja, ich weiß, tief im Innersten bin ich eine hoffnungslose Romantikerin.

Kapitel 4

John stand mitten im Schlafzimmer und drehte sich langsam um sich selbst. Mit gerunzelter Stirn ließ er einen argwöhnischen Blick durch das Zimmer schweifen.

Nein, nichts. Wo hatte Sherlock seine Geige gelassen? Weder der Notenständer noch die Geige waren im Wohnzimmer. Das alleine war noch nicht allzu ungewöhnlich. Obwohl Sherlock meistens an einem der Fenster stand wenn er spielte oder komponierte, nahm er beides durchaus gelegentlich mit ins Schlafzimmer. Aber auch hier war nichts!

Johns Blick blieb an der Kommode hängen und wanderte dann nachdenklich über die geschlossenen Schubladen, ehe er sich in Bewegung setzte. Die Papiere auf der Kommode gestern Abend, das waren keine alten Akten gewesen, soviel war klar. Außerdem war alles viel zu ordentlich sortiert gewesen - und es waren Schlüssel dabei gewesen, einer hatte ausgesehen, als ob er zu einem Schließfach oder so was gehörte.

Die aufgeräumte Wohnung, die fehlende Geige, die Papiere, nicht zu vergessen die Waffe - wie passte das alles zusammen? Den Kopf leicht zur Seite geneigt lauschte John auf das Rauschen des Wassers, Sherlock stand noch unter der Dusche. Ohne länger zu zögern öffnete er die oberste Schublade.

Sherlocks geliebte Sockenordnung war völlig durcheinander, und als John ein Paar hochhob, sah er die Ecke eines Blattes Papier hervor lugen. Behutsam, als ob er eine Bombe entschärfen würde, legte er ein Paar Socken nach dem anderen auf die Kommode. Darunter kam ein einziges Durcheinander an Papieren zum Vorschein.

John nahm den obersten Zettel in die Hand und las 'mit Windsor-Knoten binden!'. Als nächstes hielt er eine Versicherungspolice in Händen, dann Kontenaufstellungen, weitere Versicherungsunterlagen, Verträge. Immer mehr kam zum Vorschein: er legte ein Schlüsselbund mit Hausschlüsseln und einem ihm unbekannten, kleineren Schlüssel, Briefumschläge und schließlich Sherlocks Testament zu den anderen Sachen auf die Kommode. Verwirrt und verständnislos starrte John alles an.

Er versuchte genauer hinzusehen, zu sehen so wie Sherlock es ihn gelehrt hatte, aber sein Gehirn weigerte sich, das Muster zu erkennen. Die Briefumschläge stachen ihm ins Auge und John nahm den kleinen Stapel wieder in die Hand. 'Mummy' las er auf dem ersten Umschlag, dann 'Mrs. Hudson' und 'Mycroft'. Wie versteinert starrte John den an Mycroft adressierten Umschlag an.

In diesem Moment öffnete sich die Badezimmertür und Sherlock kam heraus, seinen blauen Morgenmantel offen über der Pyjama-Hose tragend. Er hatte in aller Eile geduscht; es war ihm unerträglich, auch nur kurz von John getrennt zu sein. Obwohl er wusste, dass John da war, hatte es ihm fast körperliche Schmerzen bereitet, ihn nicht zu sehen, und so rauschte er mit dem Handtuch noch in den feuchten Haaren ins Schlafzimmer. Als er John mit den Briefen in der Hand vor der offenen Kommode stehen sah, erstarben alle seinen Bewegungen und er wurde aschfahl.

Ganz langsam drehte John sich zu Sherlock herum, der wie angewurzelt mitten im Zimmer stand, die Haare zerzaust, das nasse Handtuch hing in seinen schlaffen Händen. Sherlocks Gesicht spiegelte seine Gedanken wieder, und John wünschte sich zum ersten Mal, dass er nicht so gut in ihm lesen könnte. Sherlocks Augen klebten an dem Umschlag in Johns Hand, es war der Brief an Mycroft, und er sah aus, als ob er sich jeden Moment übergeben müsste. Ziemlich genau so fühlte John sich, auch ihm war die Farbe aus dem Gesicht gewichen, als sein Gehirn endlich alle Puzzelteile zusammengefügt hatte.

"Wa - " Johns Stimme versagte und er musste sich räuspern. "Was ist das, Sherlock?" Sherlock wimmerte leicht. "Es ist nichts", versuchte er es, aber seine Stimme klang verzweifelt. "Bitte John, es ist nichts, wirklich."

John schüttelte langsam den Kopf. Den Briefumschlag immer noch in der Hand haltend ging er auf Sherlock zu. "Sherlock, was ist das?"

Sherlock zog den Morgenmantel enger um sich und sank auf die Bettkante. Die Arme fest um sich gewickelt, den Blick starr auf den Boden gerichtet blieb er dort hocken. Nur mit großer Anstrengung gelang es John, sich wieder zu bewegen, aber schließlich setzte er sich zu Sherlock und wartete.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging ein Schaudern durch Sherlocks Körper und sein Kopf fiel auf seine Brust. Ohne darüber nachzudenken fand Johns rechte Hand ihren Weg und streichelte beruhigend über Sherlocks Rücken. Sherlock schloss die Augen und atmete ein paar Mal zitternd ein und aus, bevor er schließlich leise antwortete.

"Ich habe es versucht, wirklich. Aber acht Monate, John. Acht Monate nur Alpträume und Schmerzen, Verzweiflung … und keine Zukunft … Ich konnte so nicht mehr weitermachen, darum wollte ich es ändern."

Eine lange Pause entstand, in der keiner der beiden etwas sagte. Als die Hand von Sherlocks Rücken verschwand biss er die Zähne so fest zusammen, dass es weh tat, um nicht laut aufzustöhnen. Hatte er John jetzt endgültig verloren, zum zweiten Mal? Das könnte er nicht ertragen, definitiv nicht.

Ein lautes Rumsen/Geräusch erschreckte ihn und ließ ihn die Augen öffnen und den Kopf heben. John war vom Bett gerutscht. Er saß auf dem Fußboden, die Augen weit aufgerissen, der blanke Horror stand ihm ins Gesicht geschrieben. Eine Faust hatte er im Mund, um den Schrei zu unterdrücken, der in seiner Kehle saß, die andere umklammerte immer noch den Brief an Mycroft.

Bestürzung und Schock fegten durch Johns Eingeweide, als er realisierte, was Sherlock zu sagen versuchte. Der Gedanke, dass Sherlock verzweifelt genug gewesen war, um aufzugeben war, schon schlimm genug, aber dass John die Ursache dafür gewesen war, machte ihn krank. Die Erkenntnis, die Wahrheit, hatte ihn wie ein Schlag getroffen. Das war seine Schuld, ganz allein seine Schuld! Er hätte Sherlock fast umgebracht!

Nur langsam registrierte er, dass das laute Wimmern, das er hörte, von ihm selbst kam, aber er konnte es nicht abstellen. Sherlock war jetzt neben ihm und nahm ihm den Brief aus der Hand. John kniff die Augen zu, er konnte ihn nicht ansehen. Es war seine Schuld! Oh Gott, Sherlock musste ihn dafür hassen.

Dann spürte er eine zögernde Hand auf seinen Haaren und auf seiner Wange. Es dauerte etwas, bis er Sherlocks Stimme wahrnahm, bis er verstand, was er sagte. Aber das konnte nicht sein, das war -falsch. Warum sollte Sherlock sich bei ihm entschuldigen? Wofür denn? Außerdem entschuldigte sich Sherlock nie, niemals!

Nachdem er ihm vorsichtig den Brief aus der Hand genommen und achtlos zur Seite geworfen hatte, schaute Sherlock sich ratlos um. So hatte er John noch nie erlebt, in all den Jahren nicht. Schließlich hob er ganz langsam eine Hand und strich John zögerlich eine Strähne aus der Stirn, streichelte dann ganz sanft seine Wange. "Es tut mir leid John, wirklich, ich wusste doch nicht … ich dachte, du bist … ich … ich konnte ohne dich einfach nicht mehr … es tat so weh … "

"Oh Gott, Sherlock, hör auf dich zu entschuldigen!"

Sherlock erstarrte, doch bevor er seine Hand wegziehen konnte, umfasste John sein Handgelenk und hielt ihn fest, er hatte die Lider immer noch fest geschlossen. Endlich hob er den Kopf und schaute Sherlock in die Augen. "Ich muss mich entschuldigen. Es tut mir leid, dass du so leiden musstest. Es tut mir leid, dass ich nichts unternommen habe. Es tut mir so leid … alles … es ist alles meine Schuld." Er musste es aussprechen, auch wenn er Sherlock damit vertreiben würde, er musste es ihm sagen. "Ich habe dich fast umgebracht, ich weiß nicht, was ich …" Seine Stimme brach, er konnte nicht weitersprechen. Wieder lief ein Zittern durch seinen Körper.

Als Sherlock seine Hand aus Johns Griff löste, hatte John das Gefühl, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggezogen würde. Er zog die Knie an den Körper, kniff die Augen zu und machte sich so klein wie möglich. Seine ganze Konzentration galt seiner Atmung, während er versuchte die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. Er hatte es verbockt, es war vorbei, er hatte es endgültig versaut. Ein unkontrolliertes Zittern erfasste ihn.

Verunsichert blickte Sherlock auf die zusammengekauerte Gestalt neben ihm. Dieses Auf und Ab der Gefühle machte ihn noch wahnsinnig, in all den Jahren hatte er offensichtlich nichts dazu gelernt. Wütend und frustriert über seine eigene Unzulänglichkeit stand er auf. Denk, Sherlock! Was würde John tun? Schließlich räumte er das Tablett weg und zog die Decke vom Bett. Dann kniete er sich vor John auf den Boden und wickelte sie beide warm ein. Sherlock spürte Johns Zittern, die feinen Vibrationen, und er kämpfte darum, es zu verstehen. Vorsichtig löste er Johns verkrampfte Finger und strich beruhigend über seine Hände, seine Arme hinauf bis zu den Schultern, massierte ihn sanft, bis er merkte, dass die Spannung und das Zittern unter seinen Fingern langsam nachließen. "Shhh, John. Es ist alles in Ordnung, ich bin ja hier."

"Nein", kam es müde und leise von John. "Nein, es ist nicht in Ordnung." Er hob den Kopf etwas an, bis er Sherlock in die Augen sehen konnte. "Wie kannst du sagen, dass alles in Ordnung ist? Ich habe dich fast umgebracht. Nur einen Tag später und - " John konnte nicht weitersprechen, er musste würgen und hielt sich die Hand vor den Mund. Mit einem Satz sprang er auf und rannte ins Bad, wo er grade noch rechtzeitig die Toilette erreichte, bevor er sich übergeben musste.

Sherlock war ihm gefolgt und reichte ihm ein feuchtes Handtuch, mit dem er sich das Gesicht abwischen konnte. Erschöpft ließ John sich rückwärts an die kalten Fliesen sinken.

"Komm, steh auf." Sherlock stand vor ihm und streckte ihm auffordernd die Hände entgegen. "Der Boden ist viel zu kalt John, komm." Aber John sah nicht einmal auf, er war noch immer völlig in seinen Gedanken gefangen und starrte blicklos vor sich hin.

Schließlich zog Sherlock ihn einfach hoch und schob ihn ohne große Gegenwehr ins Schlafzimmer und zum Bett, wo John sich zu einer Kugel zusammenrollte, als wollte er sich unsichtbar machen. Seufzend legte Sherlock sich zu ihm. Er konnte Johns Schuldgefühle nicht ganz nachvollziehen. Es war ja nicht so, dass John ihn bewusst verlassen hatte oder ihm das absichtlich angetan hätte, aber er wusste auch, dass das für John keinen Unterschied machte.

Früher, als John oft Albträume von seinem Einsatz in Afghanistan gehabt hatte, hatte Sherlock ihn immer in die Arme genommen und festgehalten. Meistens hatte John sich dann schnell beruhigt. Manchmal war er sogar in Sherlocks Armen wieder eingeschlafen, immer in der Gewissheit, dass er nicht alleine war, dass Sherlock da war und über ihn wachte. Schließlich waren die Träume ganz verschwunden.

Also versuchte Sherlock es einfach. Langsam und vorsichtig wickelte er sich um John, so dass er ihn von hinten im Arm halten und streicheln konnte. Es war ein ungewohnter Rollentausch, denn abgesehen von den Albträumen am Anfang, war John immer der starke, zuversichtliche Part in ihrer Beziehung gewesen.

Sie lagen eng aneinander geschmiegt, Sherlock hatte seinen linken Arm unter Johns Nacken geschoben, so dass seine Hand auf Johns Brust direkt über seinem Herzen ruhte. Seine andere Hand streichelte, was immer er erreichen konnte, während er sein Gesicht in Johns Haaren vergraben hatte und ruhig atmete. Sherlock hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, aber schließlich spürte er, wie John sich in seinen Armen entspannte.

Nachdem sie zur Ruhe gekommen waren und eine Weile ganz still beieinander gelegen hatten, begann Sherlock zu reden. Es passierte ganz einfach, fast unfreiwillig und ohne, dass er bewusst darüber nachgedacht hatte. "Ich bin nicht mal sicher, ob ich es geschafft hätte." Seine Stimme war nur ein Flüstern, fast als ob er mit sich selbst sprach. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie ungeschickt ich mich angestellt habe", murmelte er in Johns Haare und drückte ihm einen leichten Kuss auf den Scheitel. "Ich wollte nicht alles zusauen, schließlich braucht Mrs. Hudson die Wohnung ja noch, also habe ich gedacht, ich mache es in der Dusche. Dabei bin ich ausgerutscht und fast hingefallen. Kannst du dir Mycrofts Gesicht vorstellen, wenn er mich mit gebrochenem Knöchel gefunden hätte? Furchtbar!" Angeekelt verzog Sherlock das Gesicht bevor er weitersprach. "Außerdem hatte Lestrade sich selbst eingeladen, er wollte unbedingt auf einen Drink vorbei kommen." Ein leichtes Schnauben zeigte Sherlock, dass John ihm zuhörte. Das war gut, sehr gut sogar. "Du siehst also, dass deine Schuldgefühle völlig übertrieben sind.

Sherlock drehte John zaghaft herum, so dass er ihn ansehen konnte, und hielt ihn fest im Arm. "Ja, ich war verzweifelt. Ich habe es gehasst schlafen zu gehen, weil dann die Träume kamen. Und ich habe es gehasst aufzuwachen, weil dann die Einsamkeit wieder kam. Aber nachdem ich mich so - ungeschickt - angestellt habe, glaube ich nicht, dass ich es wirklich geschafft hätte." Er schaute John ernst in die Augen. "Und weißt du auch warum? Weil ich die Hoffnung nie ganz aufgegeben habe." Sherlock wand sich unbehaglich, sein Blick flackerte unruhig über Johns Gesicht, er suchte nach den richtigen Worten. "Ich kann so was nicht gut, dass weißt du. Aber diese Verbindung die wir haben, die wir vom ersten Tag an immer hatten, sie ist wie eine unsichtbare Kette zwischen uns. Ich hätte es gespürt, wenn sie gerissen wäre."

John sah Sherlock lange unbeweglich an, dann nickte er wortlos und schmiegte sich in Sherlocks Arme, die ihn fest umklammert hielten.

Epilog

Mycroft hatte sich Johns Geschichte ein paar Tage später schweigend angehört und ihm dann einen Termin bei einem Therapeuten machen lassen. Dass er so leicht davon kam erstaunte John, aber wahrscheinlich hatte Mycroft bzw. einer seiner Lakaien in der Zwischenzeit seine Geschichte längst überprüft und er wusste bereits jede Einzelheit.

Auch die Untersuchungen im Krankenhaus waren wie erwartet ohne Ergebnis geblieben.

Der Therapeut gefiel John und schaffte es tatsächlich, John im Laufe der Zeit über seine Schuldgefühle hinweg zu helfen. Außerdem gab er ihm den einen oder anderen Tipp, wie er besser mit Sherlocks Launen umgehen konnte. Und da Mycroft ihn bezahlte, nahm John ihn gerne länger in Anspruch.

Sherlock Albträume verschwanden ziemlich schnell; er war nie jemand gewesen, der sich im Nachhinein viele Gedanken machte wenn ein Fall beendet war, und dieser Fall war für ihn beendet. John war zurück; das war das einzige, was für ihn zählte.

Nachdem er zuerst kaum von Johns Seite gewichen war, normalisierte sich die Situation nach ein paar Wochen langsam wieder. Allerdings brauchte Sherlock die ständige Rückversicherung, dass John noch da war, sei es durch einen suchenden Blick hier und da oder eine SMS, wenn sie getrennt unterwegs waren.

Was John anfangs irritierte, neben der zwanghaften Anhänglichkeit, die seine Geduld manchmal auf eine harte Probe stellte, waren kleine, ungewohnte Gesten. Sherlock hatte begonnen, seine Zuneigung in einer Art und Weise zu zeigen, wie er es nie zuvor getan hatte. Das fing damit an, dass er für John Tee machte, äußerte sich aber auch in kleinen Zärtlichkeiten; ein Abschiedskuss, wenn John zur Arbeit ging, ein Streicheln über die Schulter oder ein kleiner Kuss auf die Haare, wenn John in seinem Sessel saß und las.

Auch ihr Liebesleben hatte sich verändert. Sherlock hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass Sex für ihn nicht so wichtig war wie für John, und nach über zehn Jahren war die Luft ein bisschen raus, das war normal. Aber seit John wieder da war, konnte Sherlock offenbar nicht genug von ihm bekommen. Nicht dass John sich beklagt hätte, aber es machte ihn neugierig.

"Sherlock", begann er vorsichtig, als sie eines Nachts beide erschöpft und zufrieden im Bett lagen, "kann ich dich etwas fragen?" Sherlock nestelte in Johns Haaren. "Du fragst dich, warum ich ständig mit dir schlafen will." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Sherlock hatte schon darauf gewartet, dass John darauf zu spreche kam.

"Ich kann es dir nicht wirklich erklären, es ist nur so, dass mir klar geworden ist, wie begrenzt unsere gemeinsame Zeit vielleicht ist. Es heißt doch immer, dass man etwas erst zu schätzen weiß, wenn man es verloren hat. Das stimmt." Er umarmte John fester. "Aber ich habe eine zweite Chance bekommen, eine zweite Chance mit dir. Wenn wir zusammen schlafen ist es, als ob wir eins werden, verschmelzen, unzertrennlich sind. Das will ich so oft wie möglich spüren,ich will dich spüren, in mir, eins mit dir sein."

John hielt Sherlock noch etwas fester und küsste ihn sanft. Ja, das war es wohl, eine zweite Chance, dachte er. Und er war entschlossen, sie zu nutzten.

Ein paar Mal in seinem Leben hatte Sherlock Momente absoluter Klarheit erlebt. Für wenige Sekunden konnte die Stille den Lärm verdrängen und er fühlte anstatt zu denken. Die Dinge zeigten sich klar und scharf und die Welt schien noch makellos und jungfräulich, es war, als wäre alles gerade erst entstanden. Es gelang ihm nie, diese Momente festzuhalten. Er klammerte sich daran, doch wie alles andere verblassten sie. Von diesen Momenten lebte er, sie holten ihn zurück in die Gegenwart und er erkannte, dass alles ganz genau so war, wie es sein sollte.

Ende