Auf der Destiny hatte sich Eli am nächsten Morgen wieder im Kontrollraum eingefunden und war eigentlich darauf vorbereit, daß Rush ganz mies gelaunt war. Daher stoppte er kurz unvermittelt in der Tür und starrte den Wissenschaftler an, der gedankenverloren an einer Konsole stand, nur drauf starrte und so aussah, als hätte er absolut keinen Plan, was er machen sollte.

„Dr. Rush?" fragte Eli. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?"

„Wie? Oh, Eli… guten Morgen. Alles bestens, danke der Nachfrage. Und? Hat Ihnen das Fest gestern gefallen?"

Eli war inzwischen an seiner Konsole angekommen und konnte gerade nichts anderes tun, als Rush einfach nur anzustarren.

Das muß ich träumen. Genau. Ich bin noch in meinem Bett und träume. Er zwickte sich selber in den Arm und mußte feststellen, daß er sehr wohl wach war. Rush hatte ihm inzwischen seine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt und wartete lächelnd darauf, daß Eli antworten würde.

„Ahm… ganz… gut denke ich", stotterte der junge Mann und schaute dann auf seine Konsole.

„Sind Sie sicher, daß alles okay ist? Ich weiß, Sie wollen unbedingt noch die Analyse fertig machen", begann Eli sich zu rechtfertigen, weil er im nächsten Moment annahm, Rush hätte eine Taktik erfunden, um ihn gleich zur Schnecke zu machen. „Aber dieser kleine Abstecher hat mir wirklich gut getan, jetzt bin ich wieder voll bei der Sache und bereit für Nachtschichten." Er schenkte ihm ein breites Grinsen.

„Gut, gut… wo waren wir gestern gleich stehengeblieben?" frgte Rush dann und jetzt schaute ihn Eli an wie einen steppenden Eisbären. „Ahm… die... täglichen Schiffsroutinen und die Auswertungen von dem Systemscan?" fragte er mehr.

„Richtig. Warum kümmern Sie sich nicht um die Planeten und ich schaue, ob unser Schiff noch reisetauglich ist?" schlug der Wissenschaftler wieder mit einem Lächeln vor.

„Ehm… klar Dok", stotterte Eli und machte sich an die Arbeit.

Was ist denn mit dem los? fragte er sich und äugte sehr viel öfter als sonst zu ihm hinüber.

Rushs Mundwinkel schienen in einem leichten Dauerlächeln eingefroren zu sein und er trieb Eli nicht ein einziges Mal an oder fragte nach seinem Status.

Mit verstreichender Zeit wurde dem jungen Mann das Verhalten des Wissenschaftlers immer unheimlicher und er dachte ernsthaft darüber nach, TJ aufzusuchen und sie zu bitten, ihn einmal von Kopf bis Fuß zu untersuchen. Als Rush nach einer Weile ihn dann auch noch bat ihm zu sagen, wo er noch mal auf die Dateisysteme der Lebenserhaltung zugreifen konnte, wurde es Eli zu viel.

„Dr. Rush, was ist los mit Ihnen?" fragte er geradeheraus. „Ist das Ihre neue Art mir zu zeigen, daß sie sauer sind, weil ich gestern auf den Planeten wollte? Gut, ich weiß ja, wie wichtig Ihnen die Destiny und ihre Mission ist, aber es waren doch nur ein paar Stunden… oder haben Sie sich vielleicht was eingefangen auf Ihrem Spaziergang?" Eli war so verwirrt, daß er ihm einfach seine zwei wahrscheinlichsten Theorien an den Kopf warf.

Rush schaute ihn schon erschrocken an und meinte dann nur: „Nein, wie kommen Sie nur auf so etwas? Es ist wirklich alles in bester Ordnung. Ich bin vielleicht heute nur ein wenig… zerstreut."

„Sie und zerstreut? Wenn Sie jemals zerstreut sein sollten, dann sollten Sie sich umgehend von TJ untersuchen lassen. Sie sind NIE zerstreut."

„Eli", sagte Rush ruhig, denn der junge Mann war jetzt doch schon sehr aufgebracht. „Wenn es Sie beruhigt, lasse ich TJ einmal nachsehen, aber ich garantiere Ihnen, mir geht es gut. Sie haben doch sicher auch einmal einen schlechten Tag, nicht wahr?" Er schenkte ihm noch ein breites Lächeln.

Eli griff sich mit seinen Händen kurz rechts und links an die Schläfen, schüttelte kurz den Kopf und löste seine Hände wieder von seinem Gesicht, behielt sie aber weiterhin in der Höhe, denn unbewußt nahm er zur Gestikulation jetzt auch seine Hände.

„Wenn Sie einen schlechten Tag hab, dann fauchen Sie jeden und alles alle 2 Sekunden wegen irgendetwas an. Sie dagegen sind heute die Liebenswürdigkeit in Person. Sie sind sogar so nett, daß ich gar nicht weiß, ob wir uns überhaupt kennen."

Rush blickte ihn jetzt etwas schärfer an. „Ist es Ihnen lieber, wenn ich den ganzen Tag herumschreie?" fragte er dann etwas mehr Rush-like.

Eli war für einen Moment sprachlos, doch dann platzte er einfach heraus: „Ja! Um ehrlich zu sein sind Sie mir heute unheimlich!" Er senkte die Arme wieder und wurde etwas ruhiger. Das hatte gerade jetzt schon mehr nach Rush geklungen.

„Wie Sie wollen. Ich dachte nur, ich versuche mal ein wenig netter zu sein."

„Ja, nein, ich meine, ja, netter, okay, aber warnen Sie mich doch vor!" sagte er dann immer noch konfus, was Rush ein kleines Lächeln entlockte.

„Also gut, dann warne ich Sie jetzt offiziell vor, daß ich heute keine Lust habe, jemanden anzuschreien. Und jetzt – würden Sie mir bitte freundlicherweise helfen, diese Zugangsdateien zu finden?"

Eli gab auf. Er trat nur zu Rush an die Konsole, tippte auf eine Buttonfolge und meinte dann: „Es ist Mittagszeit. Gehen wir in die Messe und essen etwas."

„Nein, danke, gehen Sie nur vor. Ich mache das hier noch schnell zu Ende."

Eli war das ausnahmsweise Recht und er floh fast vor Rush.

Dieser blickte dem jungen Mann unbehaglich hinterher. Scheinbar war dieser Dr. Rush ein kleiner Giftzwerg, der seine Leute nur rumkommandierte. Schade, daß die Maschine zwar die meisten Erinnerungen neben der Körperform übertrug, aber nicht die Persönlichkeit eines Orignials. Nun, er war jetzt vorgewarnt und der Junge schien seine Ausrede geschluckt zu haben. Zumindest hoffte er das. Außerdem hatte er jetzt endlich die Möglichkeit in Ruhe zu versuchen herauszubekommen, wie diese Technik hier funktionierte. Diese Art hatte er noch nicht erlebt und er hatte jetzt schon, weit nach Ablauf der üblichen Frist nichts gefunden, wie er die Crew außer Gefecht setzten konnte.

In der Messe holte sich Eli schnell ein heute mal wirklich leckeres Mittagessen und setzte sich dann zu Chloe, Matt, Linda Park, Brody und Dr. Volker an den Tisch ran.

„Eli, alles klar? Hat Dich Rush noch nicht aufgefressen?" witzelte Chloe.

Eli legte sein Besteck beiseite und beugte sich etwas näher zu den anderen über den Tisch, damit es nicht alle mitbekommen würden.

„Ich glaube ernsthaft, mit ihm stimmt was nicht", erzählte er dann. Die anderen wurden hellhörig.

„Wie meinst Du das?" fragte Matt.

„Rush ist heute netter als Mutter Theresa und dann muß ich ihm auch noch zeigen, wie er einige Schiffssysteme aufrufen kann!"

Die anderen blickten sich etwas fragend an.

„Übertreiben Sie nicht vielleicht ein wenig?" fragte Volker.

„Nein! Gehen Sie mal hin und fragen Sie ihn was völlig schwachsinniges", schlug Eli kurzerhand vor, was eigentlich mehr als Scherz gemeint war, aber Volker nahm in beim Wort.

„Dann werde ich nachher bei Ihnen mal vorbeisehen."

„Aber jetzt wo das mit Rush erwähnst", warf Chloe auf einmal nachdenklich ein, „TJ ist auch irgendwie merkwürdig seit sie zurück ist."

„Was soll das jetzt heißen?" fragte Brody.

„Naja, ich habe ihr vorhin auf der Krankenstation bei einer Schnittverletzung geholfen, und als sie das Blut sah, da dachte ich im ersten Moment, sie kippt um. Als ob sie kein Blut sehen konnte! Sie hat auch einen Moment gezögert und dann erst angefangen, sich um die Wunde zu kümmern. Aber sie war schon auffällig darauf bedacht, so wenig Kontakt wie möglich zu haben."

Chloe ließ ihre Erinnerungen an den merkwürdigen Moment noch einmal Revue passieren und die anderen schwiegen einen Moment. Brody war es dann, der das Offensichtliche zusammenfaßte.

„Fassen wir zusammen. Rush und TJ waren wie immer, als sie die Destiny verließen. Dann waren sie eine gute Stunde allein irgendwo auf dem Planeten und jetzt verhalten sie sich ganz untypisch. Was sagt uns das? Möglichkeit eins: Wir bilden uns nur etwas ein heute. Möglichkeit zwei: auf dem Planeten ist irgendwas mit denen passiert und sie wissen es nicht. Möglichkeit drei: Die beiden sind heute einfach mal nicht gut drauf."

„Eins möchte ich nicht ganz ausschließen, aber das können wir überprüfen", schlug Park vor.

„Zwei wäre eine alarmierende Meldung, aber hätten sie nicht erzählt, wenn sie etwas ungewöhnliches bemerkt hätten? Ich meine, an der Luft kann es nicht liegen, die haben wir alle eingeatmet."

„Ich würde ja einfach die dritte Möglichkeit bevorzugen", sagte Eli, „aber um ehrlich zu sein, mit Rush stimmt wirklich etwas nicht."

„Dann sollten Sie, Brody und Volker ihn vielleicht mal etwas auf den Zahn fühlen", schlug Matt vor, „ich gehe mit Chloe auf die Krankenstation und wir unterhalten uns mal mit TJ. Dann werden wir ja sehen."

„Wir sollten auch Colonel Young informieren", meinte Matt pflichtbewußt.

„Warten Sie noch ein wenig ab und lassen Sie uns erst einmal mit den beiden reden. Danach können wir immer noch den anderen Bescheid sagen", sagte Volker.

„Also gut. Aber wir machen das sofort nach dem Essen", bestimmte Matt.

Eli, der inzwischen aufgegessen hatte, meinte zu Brody und Volker: „Wollen wir dann gehen?"

„Von mir aus, ich muß sowieso in den Kontrollraum." Brody stand auf und Volker ebenfalls. Gemeinsam mit Eli verließen sie die Messe um Rush unter die Lupe zu nehmen.

Der echte Rush, der TJ immer noch an einer Hand hinter sich herzog, hetzte mit ihr durch das Unterholz. Hinter ihnen konnten sie ihre Verfolger hören und Rush war klar, daß sie, wenn sie nicht bald ein gutes Versteck finden würden, nicht ewig weiterrennen konnten. Einmal war TJ schon fast hingefallen als sie über eine große Wurzel gestolpert war und der Wald wurde langsam immer dichter.

„Unter den Baumstamm dort", rief Rush und steuerte auf nach rechts. TJ folgte ihm und hinter einem großen, umgestürzen Baum fanden sie eine Möglichkeit, sich zu verstecken.

Nach Luft schnappend von dem langen Rennen hofften sie, daß ihre Verfolger vorbeilaufen würden oder eine andere Richtung einschlugen. Sie hatten Glück, zwei Männer stürmten mit ihren Waffen geradewegs an ihnen vorbei, weiter in den Wald hinein.

Für einen Moment hatten beide die Luft angehalten und atmeten nun erleichtert aus, als die Männer außer Sicht waren.

Rush riskierte einen vorsichtigen Blick hinter dem Baumstamm hervor und als er niemanden sehen und hören konnte, meinte er: „Lassen Sie uns weiter laufen, wir müssen unbedingt das Tor erreichen."

„Ist gut", meinte TJ und beide liefen weiter.

Eine halbe Stunde später bogen sie um einen kleinen Hügel und Rush stoppte abrupt, als er in einiger Entfernung vor sich zwei der Dorfbewohner sah, die zu seinem Leidwesen immer noch nach ihnen suchten. TJ hatte zum Glück schnell reagieren können und vorsichtig traten beide den Rückzug an, nur um direkt in einen anderen Dorfbewohner hineinzulaufen, der sich von hinten angeschlichen hatte.

Rush reagierte schnell, als er den Angreifer entdeckte, und schleuderte seinen Rucksack genau in sein Gesicht. In dem Moment, als er sein Wurfgeschoß allerdings auf den Weg geschickt hatte, spürte er auf einmal einen stechenden Schmerz in seiner Seite. Der Rucksack hatte seinen Gegner ausgeschaltet, dieser hatte allerdings vorher noch seinen Pfeil abgeschossen – und getroffen.

TJ, die das ebenfalls nicht mitbekommen hatte, lief zu der niedergestreckten Wache um kurz nach ihm zu sehen und den Rucksack zurückzuholen.

„Er ist nur bewußtlos", rief sie und drehte sich wieder um. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und sie rannte zu Nick zurück.

Dieser schaute immer noch etwas fassungslos auf den Pfeil, der recht tief in ihm drin steckte. Seine Hand wanderte an den Schaft um ihn einfach herauszuziehen, doch TJ's Stimme hielt ihn auf.

„Rush! Nicht anfassen!"

Er gehorchte und dann war TJ neben ihm. Vorsichtig untersuchte sie die Wunde und sah sich um. Ein paar Schritte entfernt war ein großer Stein, genau was sie brauchte.

„Nick, setzen Sie sich", meinte sie half dem Wissenschaftler, sich langsam hinzusetzen.

Rush sog einmal scharf die Luft ein, aber sonst gestattete er sich keine Schmerzbekundungen.

„Ich muß den Pfeil rausholen, aber das kann ich hier unmöglich tun", meinte sie recht verzweifelt.

„Wir müssen auf die Destiny zurück."

„Tja, da gibt es nur das Problem, daß die nicht mehr da ist", bemerkte Rush trocken. „Ziehen Sie ihn einfach raus."

„Nein! Wenn die Pfeilspitze Widerhaken hat, dann ist das, als ob ich einen laufenden Mixer in ihren Bauchraum stecken würde. Am besten wäre es nur den Schaft abzubrechen." Sie sah sich den Pfeil genauer an und versuchte dann, ihn probehalber etwas weiter oben zu brechen, doch er gab keinen Millimeter nach. Da sie kein Messer mehr hatte, blieb also nur noch, den Pfeil aus der Seite zu holen. „Der Schaft ist zu stark, ich kann ihn nicht abbrechen. Aber bevor ich nur daran denke ihn herauszuziehen muß ich erst nachsehen, wie die anderen aussehen. Warten Sie kurz."

Sie vergewisserte sich, ob Rush auch sitzen blieb ohne vom Stein zu fallen, dann lief sie wieder zu dem Mann zurück und kam eine Minute später mit einem erleichterten Gesichtsausdruck zurück.

„Keine Widerhaken, eine ganz glatte, zugespitze Metallspitze. Aber ich brauche etwas, um die Blutung zu stoppen, wenn das Teil draußen ist."

„Schauen Sie im Rucksack nach, für gewöhnlich ist da ganz unten immer irgendwo ein vergessenes Brillenputztuch." TJ konnte deutlich die Anstrengung in Rushs Stimme hören, die es ihn kostete, ihr vorzumachen, daß alles nicht so schlimm war.

Schnell kramte sie im Rucksack herum in der Hoffnung, noch etwas anderes, brauchbares zu finden, aber viel Erfolg hatte sie nicht.

„Kommen Sie, legen Sie sich hin, das wird jetzt weh tun. Sie dürfen sich aber möglichst nicht bewegen", erklärte sie dann und half ihm, sich auf dem Boden auszustrecken.

„Sind Sie bereit?" fragte sie dann und er nickte nur.

„Ja, machen Sie schon."

Etwas zögerlich am Anfang faßte TJ den Schaft des Pfeils und zog ihn dann ganz langsam und vorsichtig heraus. Sie spürte zum Glück keinen Widerstand und nach einer Minute, in der der Wissenschaftler seine ganze Kraft zusammengenommen hatte, um nicht laut aufzuschreien, war er endlich draußen. Sofort preßte TJ das kleine Tuch auf die Wunde und drückte fest zu.

Rush atmete flach und einige Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gesammelt.

„Das haben Sie gut gemacht, Nicholas", lobte sie ihn und drückte weiterhin das Tuch fest auf die Wunde.

„Wir sollten weitergehen, hier sind wir nicht sicher", sagte dieser und machte Anstalten, aufzustehen.

TJ war davon nicht begeistert, wußte aber, daß er Recht hatte und half ihm deshalb hoch.

„Setzten Sie sich noch eine Minute hin", meinte sie, doch Rush lief einfach los.

„Dafür haben wir später noch Zeit." Er wollte sich seinen Rucksack wieder aufsetzen, doch TJ entwand ihn seiner Hand.

„Den kann ich wohl nehmen", meinte sie dann etwas angesäuert, weil der Wissenschaftler wieder alles viel zu sehr auf die leichte Schulter nahm.

„Na gut, aber kommen Sie jetzt."

TJ sah sich noch einmal nach hinten um und folgte ihm dann. Dieser ging leicht gebückt und preßte mit seiner linken Hand das kleine Tuch, das inzwischen schon völlig mit seinem Blut vollgesogen war, trotzdem weiter auf seine rechte Seite.

Als sie nach 20 Minuten weder etwas von ihren Verfolgern gesehen noch gehört hatten, machte TJ der Flucht vorerst ein Ende in dem sie sagte: „Das reicht jetzt. Sie müssen sich ausruhen. Sie können kaum noch stehen, geschweige denn, hier durch den Wald rennen. Lassen Sie mich das noch einmal ansehen." Da ihr Ton unüblich schneidend war und Rush sich schwächer fühlte, als er zugeben wollte, meinte er nur: „5 Minuten, dann gehen wir weiter."

„Wann wir weitergehen entscheide ich", schnaubte die Sanitäterin und half dem Wissenschaftler, sich hinzusetzen. Langsam nahm dieser seine Hand weg und TJ schaute unter das Tuch, das ein wenig in der Wunde festgeklebt war.

„Wir brauchen Wasser", meinte sie dann und kletterte auf einen Steinhaufen.

„Auf sowas können wir jetzt nicht unsere Zeit verschwenden", meinte Rush und war gerade dabei, wieder aufzustehen, doch irgendetwas hinderte ihn daran.

„Da bitte, ihr Körper ist vernünftiger als ihr Super-Hirn", stichelte sie ein wenig und trat einen Schritt nach links, um an einem dicken Baum vorbeischauen zu können. Das war ihre Rettung, denn dicht an ihrem rechten Ohr sauste ein Pfeil vorbei und verfehlte sie nur um Zentimeter.

„Runter! Wir müssen hier weg!" rief Rush und rappelte sich auf. Im nächsten Moment wurde ihm schwindelig und er rang um sein Gleichgewicht, doch TJ stützte ihn.

„Kommen Sie, Nicholas", bat sie verzweifelt und Rush sammelte seine Kräfte zusammen und lief los.

TJ ließ ihn los und rief: „Laufen Sie, ich versuche ihn aufzuhalten." Sie wartete erst gar nicht auf eine Antwort, sondern kehrte um und rannte dem Dorfbewohner entgegen in der Hoffnung, daß Rush fliehen konnte.

Als sie in Sichtweite kam, legte der Mann seinen Pfeil an und in dem Moment, als er auf TJ schoß, wurde diese zu Boden gerissen.

„Was soll das, Sie sollten doch weglaufen", fauchte sie den Wissenschaftler an, der ihr gerade vermutlich das Leben gerettet hatte, in dem er sich auf sie draufgeworfen hatte.

„Stehen Sie auf", fauchte dieser wiederum und trotz seiner Verletzung kam er schnell hoch und zog TJ auf die Beine. Dann schubste er sie an, damit sie loslaufen würde. Diesmal zögerte sie nicht und rannte in die andere Richtung. Rush war dicht hinter ihr und gerade, als sie an eine große Felsformation kamen, die ihnen Deckung geben würde, hörten sie noch einmal ein Zischen in der Luft.

TJ nutzte ihren Schwung um sich hinter einen Felsen zu ducken und warf sich auf den Boden.

Sekunden später wurde ihr gewahr, daß sie allein war. „Rush?" rief sie und schaute vorsichtig um den Felsen herum.

Rush lag bäuchlings auf dem Boden, der Pfeil, der ihn getroffen hatte, ragte aus seinem Rücken. Er rührte sich nicht mehr. TJ vergaß ihre Deckung und stolperte auf ihren Kollegen zu.

„Rush, nein!" rief sie und tastet nach seiner Halsschlagader. Fast sofort spürte sie, daß sein Herz noch arbeitete und war erleichtert. Doch bevor sie ihn weiter untersuchen konnte, wurde sie grob von zwei Männern weggezerrt und festgehalten.

„Lassen Sie mich los, ich muß ihm helfen", sagte sie nachdrücklich und versuchte, sich zu befreien. Doch sie hatte keine Chance. Inzwischen waren auch andere Männer aus der Suchtruppe heran gekommen und einer kniete sich neben hin, zog kurzerhand den Pfeil wieder aus der Schulterpartie und warf ihn ins Gras. Dann hob er ihn einfach über seine breite Schulter wie ein Sack Mehl und die Männer machten sich, TJ's Bitte ignorierend, Rush wenigstens liegend zu transportieren, auf den Weg zurück ins Dorf.