Als Rush wieder zu sich kam spürte er nichts als starke Schmerzwellen, die durch seinen Körper spülten. Er stöhnte auf und versuchte seine Augen zu öffnen. Etwas kaltes wurde plötzlich auf seine Stirn gelegt und das half ihm ein wenig, wieder wach zu werden.

„Bleiben Sie ruhig liegen", sagte eine sanfte Stimme, die ihm bekannt vorkam.

Dann erinnerte er sich wieder. Er war mit TJ auf der Flucht gewesen und war verletzt worden.

„Wo sind wir?" brachte er hervor und schaffte es endlich, seine Augen zu öffnen.

„Zurück im Dorf", erwiderte TJ. „Sie wurden von zwei Pfeilen getroffen, erinnern Sie sich?"

Rush gelang nur ein sehr schwaches nicken mit dem Kopf.

„Warum sind sie zurückgekommen und haben mich gerettet?" fragte TJ sanft und tupfte ihm die Stirn ab mit dem nassen Tuch.

Rush machte einen Versuch mit den Schultern zu zucken, was aber käglich mißlang. Dann sagte er angestrengt nur: „Sie hatten den Rucksack mit der Fernbedienung. Wenn Sie mir nächstes Mal die Flucht ermöglichen wollen, dann geben Sie sie mir vorher."

Trotz dieser recht unnetten Erklärung mußte TJ lächeln. Sie wußte natürlich, daß er das für sie getan hatte und nicht für die Steuereinheit, aber Rush wäre nicht Rush, wenn er so etwas zugeben würde.

„Hier", meinte TJ dann und hielt ihm einen Holzbecher hin. „Trinken Sie das."

Vorsichtig legte sie ihren Arm unter seinen Nacken und half ihm ein wenig hoch. Rushs stöhnte auf, denn die Bewegung brachte eine erneute Spitze des Schmerzes mit sich. Als er das Wasser ausgetrunken hatte, ließ TJ ihn wieder vorsichtig herunter.

„Also, wie ist meine Verfassung?" fragte er.

TJ biß sich kurz auf die Unterlippe und sagte dann wahrheitsgemäß: „Die Wunde in der Seite ist nicht ganz so schlimm. Es blutet nicht mehr und ich hoffe, daß keine inneren Organe verletzt wurden. Was allerdings ihren Rücken angeht… da sieht es nicht ganz so gut aus. Ihre Rippe wurde getroffen und ich fürchte, wenn sie ungünstig gesplittert oder gebrochen ist, könnte sie sich in ihre Lunge bohren. Außerdem hat sich die Wunde entzündet."

Rush sagte dazu nichts weiter, sondern seufzte nur leise. TJ feuchtete das Tuch erneut an und legte es ihm dann auf die Stirn. Eine unangenehme Stille überschattete den Raum, denn sowohl Rush als auch TJ wußten, daß sie ein ernstes Problem hatten und im Moment hatte keiner eine Lösung dafür.

Das Denken fiel Nick schwer. Abgesehen von den Schmerzen, die er fühlte, war ihm auch noch heiß vom Fieber und es fiel ihm schwer, die Augen offen zu halten und sich auf etwas zu konzentrieren. Die ersten wirren Gedanken schlichen sich auch schon bereits in seinen Kopf.

„Sehen Sie eine Möglichkeit noch einmal an die Steuereinheit zu kommen?" formulierte er dann nach einer Weile eine Frage.

Die Sanitäterin schüttelte den Kopf. „Nein, der Rucksack ist weg und wir bekommen ihn nicht wieder."

Rush preßte die Lippen kurz aufeinander.

„Außerdem brauchen Sie in Ihrer Verfassung nicht einmal daran zu denken, aufstehen, geschweige denn Laufen zu wollen", fügte sie noch hinzu.

„Wer sagt, daß ich das vorhatte?" entgegenet er unwirsch.

„Und wenn Sie glauben, ich lasse Sie hier allein, dann täuschen Sie sich aber gewaltig. Wir sind hier sowieso gestrandet, wo sollte ich hin?"

„Wie lange sind wir schon wieder hier?" wollte der Wissenschaftler dann noch wissen.

„Einen halben Tag fast. Wenigstens haben Sie uns Wasser und ein paar saubere Leinen gegeben."

Rushs Augen schlossen sich langsam wieder und sein Kopf kippte zur Seite.

TJ fühlte rasch nach seinem Puls. Wenn sie nicht bald seine Wunde wenigstens säubern und verbinden konnte, dann würde er ihr über kurz oder lang unter den Händen wegsterben. Seine Temperatur war auch schon sehr hoch. Sie blieb neben ihm sitzen, kühlte so oft es ging seine Stirn und hoffte nur, daß er in seinem Fieberschlaf, in den er gerade gefallen war, nicht zu wirres Zeug träumte und ruhig blieb.

TJ schreckte aus einer sehr unbequemen Position hoch. Irgendwann hatte sie einfach nicht mehr wach bleiben können und war wohl eingenickt. Der Grund ihres plötzlichen Erwachens war Rush, der sich neben ihr hin und her bewegte und dabei schmerzhaft stöhnte.

„Verdammt", fluchte TJ und legte sofort ein neues, nasses Tuch auf seine Stirn. Rush wand sich erneut in einem Fiebertraum und TJ versuchte ihn so gut es ging ruhig zu halten. Doch so schmächtig der Wissenschaftler auch aussah – an Muskeln fehlte es ihm nicht.

„Hey, ich brauche hier Hilfe!" schrie sie dann einfach und hoffte, daß man ihr helfen würde.

Fast sofort ging die Tür auf und eine Wache schaute herein.

„Ich brauche etwas um seine Wunden zu desinfizieren, neues Wasser, Tücher und etwas gegen sein Fieber", erklärte sie hastig.

Die Wache, die den beiden scheinbar etwas freundlicher als andere gesonnen war, meinte: „Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann."

„Danke!" rief TJ noch hinterher, bevor die Tür zufiel.

Es schien ihr wie eine halbe Ewigkeit, bis sich endlich wieder etwas tat. Die Wache und eine Frau traten ein und brachten einige Sachen herbei.

„Er muß ruhig liegen bleiben", meinte sie hilflos und schaute zur Frau und dem Wachposten.

Die Frau legte ihre Hand auf Rushs Stirn und meinte dann zu dem Mann: „Sie hat Recht, er hat wirklich hohes Fieber."

„Ich hole ein paar Seile", meinte er dann und ließ die beiden allein.

„Können Sie mir helfen?" bat TJ die Frau schließlich.

„Natürlich", entgegenete diese. „Sie hätten vorher schon etwas sagen sollen", meinte sie dann mit einem leichten Vorwurf in der Stimme.

TJ hatte eigentlich keine Lust und auch keine Zeit, sich dazu zu äußern, aber das ärgerte sie und daher meinte sie nur: „Ich wußte nicht, daß Gefangene hier Wünsche und Bitten äußern dürfen. Zumindest hätte ich nicht gedacht, daß sie sich in irgendeiner Weise um uns scheren, wenn sie uns wir Freiwild einfach abschießen."

„Tut mir leid, aber Sie hätten nicht versuchen sollen zu flüchten", meinte die Frau ein wenig einlenkend.

TJ erwiderte nichts darauf sondern war dabei, Rush sein Hemd auszuziehen, was er nach der ersten Behandlung noch anhatte, und ihn dann mit ihrer Helferin zusammen vorsichtig auf den Bauch zu rollen.

Zum Glück kam in dem Moment der Wachtposten wieder herein mit ein paar Stricken und half den Frauen, denn Rush bewegte sich immer noch hefig.

TJ legte ihre Jacke unter sein Gesicht, daß er wenigstens den Staub nicht abbekam und während der Mann seine Beine festhielt und die Frau seine Arme, suchte sie aus den ganzen Sachen heraus, was sie brauchte.

„Ist das zur Desinfektion gedacht?" fragte sie und zeigte auf einen kleine Schüssel mit einer rosafarbenen Flüssigkeit.

„Genau, wir gewinnen es aus einigen Bäumen hier. Es hilft sehr gut."

TJ tunkte ein sauberes Tuch vorsichtig in die Flüssigkeit und tupfte es dann auf die Wunde.

Rush zuckte zusammen und schrie auf, weil es ziemlich brannte.

„Halten Sie ihn fest", meinte TJ nur schnell reagierend und drückte mit einem Knie von ihr auf das eine Handgelenk von ihrem Patienten. Ihre Helferin brauchte beide Hände, um Rushs anderen Arm festzuhalten.

„Gießen Sie ruhig etwas hinüber, das ist am besten", schlug die Frau vor und TJ kam der Anweisung nach.

Die brennenden Schmerzen, die daraus resultierten, holten Rush aus seinem Fiebertraum.

„Nick, ich weiß, daß es furchtbar brennt, aber bitte versuchen Sie ruhig zu bleiben. Sie dürfen sich nicht so viel bewegen", sagte TJ sanft und Rush versuchte, ihrer Bitte zu entsprechen.

„Ich bin gleich fertig", informierte ihn TJ und deckte die Wunde dann mit einem neuen Tuch ab.

„Hoffentlich hält das auch", meinte sie zweifelnd. „Wir müssen seinen Oberkörper leicht anheben, helfen Sie mir bitte."

Behutsam drehten sie Rush erst wieder herum, der dabei noch einmal gequält aufstöhnte, und richteten dann seinen Oberkörper etwas auf. TJ wickelte ein langes Tuch zweimal fest um seinen Brustkorb und nickte ihren beiden Helfern dann zu.

„Okay, lassen sie ihn wieder runter."

Kaum lag Rushs Kopf wieder auf der Jacke, dämmerte er wieder in einen Fieberschlaf hinüber.

„Binden Sie seine Beine zusammen, das schränkt ihn in seiner Bewegung hoffentlich genügend ein", meinte die Wache und reichte ihr ein Seil.

„Danke", sagte TJ nur und schlang es möglichste locker um Rushs Knöchel.

„Ich werde Ihnen noch ein paar Kräuter und frisches Wasser bringen", bot die Frau noch an und TJ nickte dankbar.

In den nächsten drei Stunden verschlechterte sich Rushs Zustand. Er glühte geradezu und TJ wußte schon nicht mehr, was sie noch machen konnte. Die Kräuter, die die Frau einige Zeit später gebracht hatte, schienen kaum zu helfen und der Wissenschaftler bewegte sich immer noch zu viel. TJ mußte ihn festhalten. Irgendwann wachte er dann halbwegs wieder auf.

„Wo… bin ich?" brachte er kaum heraus. TJ schöpfte ein Becher voll Wasser, kniete sich hinter Rush und zog ihn vorsichtig ein wenig hoch, damit er etwas trinken konnte.

„Wir sind immer noch auf dem Planeten", erklärte TJ zwischendurch.

Allein das Trinken hatte seine ganze Kraft verbraucht, und noch in TJ's Schoß liegend wurde er bewußtlos.

„Rush, halten Sie durch, bitte", flüsterte sie leise und legte ihn wieder hin.

Plötzlich hörte sie draußen laute Schreie und dann Waffenfeuer.

Eine ihr wohl bekannte Stimme ertönte auf einmal, die ihr die Tränen in die Augen stiegen ließ.

„Colonel, hier drinnen!" schrie TJ so laut sie konnte, stand auf und stieß einfach die Tür auf. Die Wachen waren verschwunden, und sie blickte sich einen Moment um. Was sie sah, brachte ihr so eine Erleichterung, daß sie taumelte. Doch schon war Young an ihrer Seite, der sie inzwischen entdeckt hatte.

„TJ, geht's Dir gut?" fragte er vertraulich und leise. Sie nickte nur drückte ihn für einen Bruchteil einer Sekunde fest an sich.

„Wo ist Rush?" fragte der Colonel dann weiter und TJ deutete auf die Hütte.

„Es steht sehr schlecht um ihn, ich weiß nicht, ob er überleben wird. Wir müssen ihn sofort auf die Destiny bringen", kam dann wieder die Sorge um ihren Patienten hoch.

„Scott! Kommen Sie her!" schrie Young und ging in die Hütte.

Scott war einige Sekunden nach ihm dort und als er Rush sah, kam er nicht umhin zu fragen: „Wird er es überleben?"

„Ich weiß es nicht", meinte TJ. „Bringen wir ihn schnell zum Schiff. Achten Sie darauf, daß sein Oberkörper gerade bleibt." TJ löste noch die Stricke um seine Beine, dann hoben ihn Young und Scott gemeinsam hoch und brachten ihn hinaus.

Vor der Hütte legten sie ihn noch einmal vorsichtig ab und Young winkte Sergeant Greer heran.

„Helfen Sie Scott Rush zum Tor zu bringen und sehen Sie zu, daß sie so schnell wie möglich wieder auf das Schiff kommen."

„Ja, Sir", erwiderte Greer nur, hing seine Waffe um und hob dann mit Scott zusammen den Wissenschaftler hoch.

TJ blieb bei ihnen während Young noch einmal die Lage überblickte. Die Dorfbewohner waren allesamt entwaffnet und in der Dorfmitte zusammengetrieben worden. Sechs Soldaten bewachten sie und Young pfiff drei Männer heran um die Höhle zu finden, in der die Verwandlungsmaschine stand.

Nach einigen Minuten erreichte die Gruppe mit Rush in der Mitte endlich das Tor. Eli und ein paar andere warteten dort bereits.

Als der junge Mann seinen Mentor sah, kam er ihnen entgegengerannt und fragte entsetzt: „TJ, was ist passiert?" Sofort faßte er mit an und sie legten Rush noch einmal vor dem Portal ab.

„Später Eli, wir müssen zu Destiny."

„Alles klar", sagte er sofort und wählte das Gate an.

Vier Portale später kamen sie dann endlich wieder auf dem Schiff an.

„Sofort auf die Krankenstation", befahl TJ und scheuchte die Leute zur Seite, die sich im Torraum versammelt hatten und jetzt erschrocken auf Rush starrten.

„Chloe, Camile!" rief TJ, als sie die beiden Frauen entdeckte und die kamen sofort näher.

„Chloe, ich brauche Deine Hilfe auf der Krankenstation, Camile, sehen Sie zu, daß wir einen Arzt hierher bekommen."

„Schon unterwegs", sagte Wray nur und rannte los.

„Was ist denn passiert, TJ?" fragte Chloe besorgt.

TJ faßte es kurz zusammen. „Er wurde angeschossen und die Wunde ist enzündet, außerdem kann ich nicht ausschließen, daß er innere Verletzungen oder Knochenabsplitterungen hat. Sie könnten seine Lunge oder auch sein Herz beschädigen."

Endlich kamen sie in TJ's Reich an und Rush wurde auf eine Liege gebettet. Er war immer noch bewußtlos, was TJ allerdings jetzt sehr gelegen kam.

Sie begann mit Chloes Hilfe mit der Versorgung des Wissenschaftlers. Kurze Zeit später kam auch Camile wieder herein, die getauscht hatte.

„Dr. Charles", stellte sie sich vor. „Was haben wir?" fragte sie schnell und machte eine erste eigene Sichtung.

TJ erklärte kurz, was los war und Matt, der wußte, wann jemand nicht gestört werden durfte, scheuchte alle anderen aus der Krankenstation heraus und meinte nur kurz zu TJ: „Wir sind vor der Tür, wenn Sie etwas brauchen, rufen Sie."

„Danke", sagte sie nur hastig, dann waren die Türen zu und alle konnten nur noch abwarten.

Eine halbe Stunde später tauchte Young ebenfalls vor der Krankenstation auf und fragte: „Wie geht es ihm?"

„Keine Ahnung, sie kümmern sich scheinbar noch um ihn. Wir können nur warten. Aber Dr. Charles ist wieder hier, somit stehen seine Chancen besser."

„Gut, dann warten wir", meinte Young nachdenklich.

Eli, der zusammen mit dem Colonel aufgetaucht war, lehnte sich betroffen an eine Wand und starrte unentwegt auf die Tür, hinter der Rush mit dem Tode rang.

Um sich um die anderen etwas abzulenken schlug Young schließlich vor: „Lassen wir die drei ihre Arbeit machen, TJ wird uns schon informieren wenn sie fertig sind. Scott, Greer, Sie bleiben hier falls TJ Hilfe brauche. Die anderen - gehen Sie wieder an ihre übliche Arbeit."

Ein wenig unzufrieden, weil sie nicht mehr an der Quelle bleiben durften, wandten sich alle zum Gehen, außer Scott, Greer und Eli.

Ein paar Minuten lang schwiegen sie, doch dann brach es aus Eli heraus.

„Warum haben wir nicht schon früher etwas unternommen? Himmel, ich hätte es früher merken müssen, schließlich arbeite ich mit ihm tagtäglich zusammen. Und wenn wir sie schneller enttarnt hätten, dann hätten wir es eher zurück auf den Planeten geschafft und Rush wäre vielleicht nicht verletzt. Und was ist, wenn er wirklich stirbt?"

Elis Stimme hatte einen kleinen Anflug von Panik und Scott packte den jungen Mann an beiden Armen und sagte dann eindringlich: „Eli! Hör auf! Wie hätten wir es früher merken sollen? An so etwas hätte nicht mal jemand gedacht! Es waren Rush und TJ, die wieder an Bord gekommen sind, keiner hätte so etwas vermutet. Und die Verletzungen, die sich Rush zugezogen hat, sind eine Weile her, wir hätten nichts machen können."

Er sah Eli fest in die Augen und fügte dann noch nachdrücklich hinzu: „Aber wir haben sie jetzt wieder gefunden, dank Deiner Hilfe. Also hör auf, Dir Vorwürfe zu machen, das hilft keinem."

„Sorry", meinte Eli nur und resignierte irgendwie. Matt ließ ihn wieder los und meinte dann ein wenig aufmunternd: „Hey, Rush ist eine harte Nuß, der Kerl überlebt immer irgendwie und TJ tut, was sie kann. Hab ein wenig Vertrauen in beide."

Das schien Eli wirklich ein wenig Zuversicht zu geben, denn er rang sich sogar ein kleines Lächeln ab.

„Okay", meinte er dann nur und setzte sich dann auf den Boden. Er würde hier nicht weggehen, bis er wußte, was mit Rush war.

Seine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, und nicht nur seine. Colonel Young fragte alle halbe Stunde nach, eb es schon etwas Neues gab und beim sechsten Mal war sogar Matt ein wenig angenervt, was er natürlich verschwieg.

Doch nur ein paar Minuten später ging dann endlich die Tür wieder auf und TJ trat heraus.

Ihr Gesicht war leicht gerötet und ein paar Haarsträhnen hingen wirr in ihr Gesicht. Eli kam sofort hoch und die drei Männer schauten sie erwartungsvoll an.

„Wie geht es ihm?" fragte Eli sofort.

„Nun ja, er lebt noch", begann TJ, „aber ob er es wirklich schafft werden die nächsten 24 Stunden zeigen."

„Was ist los mit ihm?" fragte jetzt sogar Greer, der Rush nie hatte leiden können, aber in den letzten Monaten doch wenigstens so etwas wie Respekt für ihn empfand und er nicht wollte, daß er so starb.

„Er wurde von zwei Pfeilen getroffen, die eine Wunde war nicht ganz so schlimm, aber die zweite. Er wurde im Rücken schulterseitig getroffen und von seiner Rippe ist ein Stück Knochen abgesplittert. Neben einer Wundinfektion hat sich das Stück Knochen auch noch in seine Lunge gebohrt, zum Glück allerdings erst, als wir ihn schon hier hatten. Wir konnten es unter einigen Schwierigkeiten entfernen und müssen jetzt abwarten, ob die Lunge zu sehr geschädigt wurde. In einem normalen Krankenhaus wäre das alles nicht so schlimm, aber hier… wir haben kaum Medikamente und die Geräte der Antiker sind noch so unbekannt…" TJ stockte kurz und Matt legte seinen Arm um ihre Schultern.

„Er hat so hohes Fieber und dazu die Lunge… ich weiß nicht, ob er es schafft." Alle drei merkten, daß es TJ schwer fiel, ihre Tränen zurückzuhalten und Matt bot an: „Soll ich Colonel Young informieren?"

Sie nickte. „Ja bitte. Und Sergeant", wandte sie sich jetzt an Greer, „würden Sie Dr. Charles bitte dann wieder zum Steinraum bringen? Sie kann hier nichts weiter mehr tun."

„Natürlich."

„TJ, kann ich zu ihm?" fragte Eli leise und bittend.

Eigentlich wollte die Sanitäterin erst ablehnen, doch als sie Elis Gesicht sah, meinte sie: „Also gut, aber nur kurz. Er ist immer noch bewußtlos und braucht Ruhe."

„Danke", sagte Eli nur und trat langsam ein.
„Ich hole Dr. Charles", sagte sie und folgte Eli.

Kurz darauf waren nur noch TJ, Chloe und Eli auf der Krankenstation und alle drei standen um Rushs Bett herum.

Der Wissenschaftler lag wie ein Toter da, Eli hatte im ersten Moment gedacht, er würde gar nicht mehr atmen, denn sein Brustkorb hob und senkte sich nur unmerklich. Sein Gesicht war jedoch vom Fieber noch gerötet und auf seiner Stirn glänzten kleine Schweißperlen.

Chloe, die neben ihm saß, legte ihm ein feuchtes Tuch auf die Stirn und nahm dann zwei weitere, die sie als kühlende Wickel um seine Waden schlang. Sie sah ziemlich fertig aus, fand Eli.

„Chloe, soll ich Dich ablösen? Ruh Dich ein wenig aus, ich bleibe bei ihm, okay?"

Das Mädchen blickte unsicher zu TJ. Ja, sie war schon ziemlich müde, aber genausowenig wie TJ oder Eli wollte sie Rush allein lassen, wenn Sie helfen konnte.

Als sie jedoch TJ leicht nicken und Elis bittenden Blick sah, stand sie auf.

„Ich könnte wirklich eine Pause gebrauchen. Wenn die Tücher trocken werden, einfach naß machen und dann neu auflegen, okay?"

„Ja, schon klar, ich kann das, keine Sorge", meinte Eli nur dankbar.

„Ich komme später wieder und löse Dich ab. Danke!"

Eli hörte sie schon gar nicht mehr, seine ganze Aufmerksamkeit galt nur Rush. Der Wissenschaftler stöhnte leise, kam aber nicht zu Bewußtsein.

TJ überprüfte noch einmal seine Werte und zog sich dann etwas zurück, um den beiden Männern etwas Privatsphäre zu geben.

Eli hatte nur am Rande mitbekommen, daß er mit Rush allein war. Sorgsam wechselte er alle paar Minuten die Tücher und ohne, daß er es vielleicht am Anfang selber mitbekam oder gar wollte, fing er an, mit Rush zu reden.

„Sie hätten Ihren Doppelgänger mal sehen müssen", fing er an, „er wußte nicht mal, wie man die Systemdateien der Destiny aufruft, das mußte ich machen. Und er war freundlich! Hat mich nicht angeschrieen oder herumkommandiert. Das war total strange. Ich meine, von Dr. Perry weiß ich, daß Sie auch nett sein können, aber uns haben Sie das noch nie gezeigt. Ich dachte zuerst, Sie würden irgendein Spielchen treiben, weil ich Sie bei der Arbeit allein gelassen und auf den Planeten gegangen bin, aber… als mir klar wurde, daß da was nicht stimmt… ich meine, ich kenne Sie nun schon so lange und auch wenn Sie mich oft herumkommandieren, anschreien und mich ständig zum Arbeiten einspannen…" Eli hatte sich dicht neben sein Ohr gebeugt und füsterte jetzt nur noch, „…ich respektiere und schätze Sie sehr, vielleicht haben Sie nicht die besten sozialen Umgangsformen, aber… verstehen Sie das jetzt nicht falsch, Sie sind ein Mentor und…" spätestens jetzt war Elis Stimme selbst für Rush kaum hörbar, hätte er ihn hören können, … und wie ein Vater für mich. Sie reden mit mir, arbeiten mit mir, treiben mich an und ich glaube, Sie mögen mich sogar. Aber wenn Sie mich jetzt verlassen, dann sind Sie nicht besser als mein richtiger Vater. Bitte Rush, verlassen Sie mich nicht. Wir brauchen Sie… ich brauche Sie." Er legte seine Hand auf Rushs Schulter und drückte sie kurz. Dann bemerkte er, daß die Tücher schon wieder trocken waren und dankbar für kleine Ablenkung wechselte er sie rasch. Was hatte er da nur gerade für einen Unsinn erzählt? Zum Glück hatte Rush ihn nicht hören können, er hatte sich gehen lassen und das ärgerte ihn nun. Wenn Rush wach gewesen wäre, hätte er ihm vermutlich jetzt gehörig den Kopf gewaschen.

Bei dem Gedanken mußte Eli unwillkürlich etwas schmunzeln.

„Eli…" hörte er auf einmal eine sehr leise Stimme und dann sah er, daß die Augen von Rush ein klein wenig geöffnet waren.

„Nick…", patzte Eli überrascht in dem er einfach Rush beim Vornamen nannte.

„So… heiß", stöhnte Rush und Eli rief nach TJ.

Diese kam sofort angerannt und als sie sah, daß Rush bei Bewußtsein war, ergriff sie sofort die Chance um ihn zum Trinken zu nötigen.

„Eli, hilf mir ganz vorsichtig ihn ein wenig aufzurichten. Er muß unbedingt etwas trinken."

„Klar, kein Problem."

Eli hatte keine Mühe Rush allein ein wenig aufzurichten. Der Wissenschaftler hatte keine Kraft ihm irgendwie zu helfen, doch er war so leicht, daß das gar nicht nötig war. TJ kam unterdessen mit einem Becher Kräuterwasser an und setzte ihn ihm behutsam an die Lippen.

„Langsam schlucken", befahl sie und Rush schaffte es immerhin, den Mund ein wenig zu verziehen, als er die recht bittere Flüssigkeit schmeckte.

„Ja, ich weiß, das schmeckt scheußlich, aber es hilft." Sie hielt ihm den Becher noch einmal hin und nach ein paar Minuten hatte es Rush geschafft, den Inhalt zu trinken. Völlig erschöpft schloß er wieder die Augen und als Eli ihn wieder hinlegte war Rush gerade wieder dabei, wegzudämmern.

„Dr. Rush, kämpfen Sie, haben Sie verstanden?" gab ihm Eli noch nachdrücklich mit auf den Weg, bevor seine Sinne wieder schwanden.

„Es war gut, daß er das getrunken hat, ich bin jetzt doch ein wenig zuversichtlicher. Die Kräuter sind wirklich hilfreich für ihn." TJ wirkte tatsächlich ein wenig erleichtert und Eli machte damit weiter, die Tücher bei Rush zu wechseln. Irgendwie mußten sie das Fieber runterkriegen.

In den nächsten Stunden tauchte Colonel Young auf um sich nach Rushs Befinden zu erkundigen und war nur milde überrascht, daß Eli immer noch hier war und zusammen mit Chloe sich um den Kranken kümmerte.

TJ konnte ihm auch nicht mehr sagen, als daß sein Zustand immer noch unverändert war und die Nacht die Entscheidung bringen würde.

Nicht gerade glücklich über die Situation verabschiedete sich Young wieder und als ein paar Stunden später die Nacht anbrach und TJ Chloe und Eli in ihre Quartiere schicken wollten, lehnten beide vehement ab.

So machten sie eine Rotation aus, damit Rush permant überwacht werden würde, doch keiner von ihnen fand in der Nacht Ruhe.

Kurz nach Mitternacht bemerkte Chloe, die gerade an Rushs Seite saß, daß etwas geschah.

„TJ!" rief sie und im gleichen Moment fing Rush an, unkontrolliert zu zittern.

Diese war sofort da, ebenso Eli, und untersuchte Rush kurz.

„Seine Temperatur ist noch gestiegen und er hat Schüttelfrost.." sagte TJ und brach dann ab.

Chloe und Eli blickten sie angsterfüllt an, denn sie wußten, daß TJ ihnen gerade etwas verschwieg.

„TJ, was ist los mit ihm?" rief Chloe außer sich und versuchte, Rushs Beine ruhig zu halten, während Eli sich um seine Arme kümmerte.

TJ antwortete nicht, sondern eile zu ihrem Medikamenten Schrank und injizierte Rush dann etwas.

„Hört nicht auf mit den Wickeln, wir müssen das Fieber runterbringen."

„TJ, Du verschweigst doch etwas", sagte Chloe und sah sie mit großen Augen an.

Die Sanitäterin seufzte, sagte dann jedoch: „Das gestiegene Fieber, der Schüttelfrost, das können Anzeichen für eine Lungenentzündung sein und in seinem Zustand… würde er das nicht überleben." Die letzten Worte waren sehr leise gewesen, aber Eli kam es vor, als hätte TJ sie rausgeschrieen. Sie wiederholten sich wie Glockenschläge in seinem Kopf und er schaute fassungslos zu Rush hinunter.

„Nein, er wird nicht sterben, hören Sie Rush? Sie – DÜRFEN – NICHT – STERBEN!" Eli hielt ihn etwas fester.

„Wenn Sie es wagen an einer Lungenentzündung zu sterben oder an sonst was, dann bringe ich Sie um, hören Sie?"

„Eli, ist schon gut, beruhige Dich", sagte Chloe sacht. Sie hätte nie gedacht, daß ihr bester Freund so sehr an Rush hängen würde.

TJ war neben ihn getreten und legte ihre Hand auf seinen Arm, während sie ihn ansah. „Eli, ich habe noch nicht gesagt, es ist eine Lungenentzündung, nur, es könnte sein… was mich hoffen läßt ist die Tatsache, daß er noch nicht hustet. Also, positiv denken, okay?" TJ sprach diese Worte viel zuversichtlicher aus, als sie selber war, aber es gab ihnen allen wenigstens einen Funken Hoffnung.

Eli sagte nichts weiter, starrte Rush nur an und Chloe bemerkte ein winziges Zucken seiner Mundwinkel. Doch er machte unermüdlich weiter mit den Wickeln.