Als der künstliche Morgen dann ein paar Stunden später anbrach, wachte auch TJ wieder auf.
„Guten Morgen, und? Irgendwelche Veränderungen?" fragte sie, bevor sie überhaupt aufgestanden war.
„Ich glaube, das Fieber ist gesunken", meinte Chloe freudig und TJ eilte mit einem hoffnungsvollen Blick zu Rush. Diese legte zur ersten Prüfung auch ihre Hand auf seine Stirn und dann noch an seine Wangen und auch auf ihrem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.
„Das ist es wirklich." Schnell holte sie ein Thermoter um nachzumessen und wurde auch von der Technik nicht enttäuscht.
„Er ist bei 39,3° C", teilte sie den anderen dann mit. „Immer noch viel zu hoch, aber besser, als die 40°C, die nicht runtergehen wollten."
Dann fiel ihr Blick auf Eli und seine dunklen Ringe unter den Augen.
„Eli, leg Dich hin. Chloe und ich passen jetzt auf."
Etwas unwillig, aber doch mit der Erkenntnis, daß TJ Recht hatte, befolgte Eli die Aufforderung, machte allerdings vorher noch einen Abstecher zur Messe, um den beiden und sich Frühstück zu besorgen und entschied sich dann sogar dafür, ein paar Stunden in seinem Quartier zu schlafen und sich frisch zu machen.
Um die Mittagszeit tauchte er dann wieder in der Krankenstation auf, hatte praktischerweise gleich das Mittagessen mitgebracht und setzte sich dann wieder zu Rush.
„Wie geht es ihm?" wollte er sich auf den aktuellsten Stand bringen.
„Er wird wieder, Eli", sagte TJ und lächelte. „Er ist bei 38,9°C inzwischen angekommen."
Ein breites Grinsen trat nun auf die Lippen des jungen Mannes und Chloe mußte schmunzeln. Dann sprach sie etwas an, das sie schon länger nebenher beschäftigte: „Eli, mußt Du nicht eigentlich am Schiff arbeiten?"
Der MIT-Abbrecher zuckte jedoch nur mit den Achseln. „Brody, Volker, Park und die anderen haben alles im Griff. Die Systeme laufen und die können ruhig einen Tag ohne mich auskommen. Wenn was ist, werden die sich schon melden."
„Meinst Du nicht, daß Rush gleich einen Bericht von Dir haben will, wenn er wieder aufwacht? Sei lieber drauf vorbereitet, daß das das erste ist, wonach er fragen wird", witzelte Chloe und Eli und TJ mußten kichern.
„Da hat sie völlig Recht", kam auf einmal eine sehr leise Stimme, die die drei dazu veranlaßte, fast ihre Schüsseln fallen zu lassen. Dr. Rush hatte die Augen wieder leicht geöffnet und sah zu Eli.
TJ sprang sofort auf und wandte sich an den Kranken. „Dr. Rush, wie fühlen Sie sich?" fragte sie und maß gleich noch einmal seinen Puls.
„Durst…" brachte Rush hervor und sowohl Eli als auch Chloe stürzen geradezu los, um ihm ein Becher Wasser zu holen.
„Hier, trinken Sie", meinte Eli führsorglich, drückte Chloe den Becher in die Hand, legte denn seinen Arm unter den Nacken von Rush und richtete ihn ganz vorsichtig ein wenig auf.
Rush entfuhr ein Schmerzenslaut und TJ fragte: „Schulter?"
„Ja", meinte er nur, dann hielt Eli im den Becher an die Lippen und der Wissenschaftler trank das ganze Wasser, wenn es auch ziemlich dauerte.
„Noch mehr?" fragte Chloe und Rush nickte.
Während das Mädchen den Becher nachfüllte, fragte Rush, der jetzt etwas besser sprechen konnte: „Was ist mit dem Schiff?"
Eli und TJ rollten synchron mit den Augen und Eli schimpfte: „Sie sind unmöglich! Das Schiff ist okay, Sie dagegen sind alles andere als okay. Kümmern Sie sich erst um sich selber."
Rush hob andeutungsweise eine Augenbraue und schaute Eli scharf an. Er kannte zwar schon die manchmal ein wenig kindischen Ausbrüche von Eli, aber noch nie war so einer gegen ihn gerichtet gewesen.
„Ich… sry", murmelte Eli dann. „Aber Sie sind uns hier fast weggestorben und das erste und einzige, um das Sie sich Sorgen machen, ist das Schiff!"
Rush seufzte. Eli hatte sich anscheinend wirklich Sorgen um ihn gemacht und ganz tief in seinem Inneren war er sogar gerührt darüber. Deshalb beschloß er, ihm ein wenig entgegenzukommen in dem er sagte: „Ihr habt mich gut gepflegt, Eli. Deshalb mache ich mir keine Sorgen um mich."
Eli starrte ihn an, mußte dann aber leicht lächeln. Chloe kam mit dem Wasser wieder und Eli half dem erschöpften Rush noch einmal hoch.
Als er den zweiten Becher auch geleert hatte, schloß er müde seine Augen.
„Rush?" fragte Eli, der befürchtete, er würde wieder bewußtlos werden.
„Mir geht's gut, ich bin nur müde", meinte er dann und war Sekunden später auch schon wieder eingeschlafen.
Eli blickte fragend zu TJ, doch diese lächelte. „Jetzt bin ich sicher, daß er es schafft", meinte sie nur und Eli fühlte sich so erleichtert, wie selten zuvor.
In den nächsten Stunden blieben sie weiterhin bei Rush und konnten fast mit ansehen, wie es ihm langsam besser ging. Am späten Abend maß TJ noch einmal mit dem Fieberthermometer und meinte dann: „38°C. Das gefällt mir schon besser." Seine Rückenwunde sah soweit gut aus, das hatte sie mit Hilfe von Eli und Chloe vor einer Stunde überprüft und die drei bereiteten sich wieder auf die Nachtwache vor.
Diesmal übernahm TJ die erste Nachtschicht, während Chloe und Eli in ihren Quartieren schliefen. Da Rushs Zustand jetzt nicht mehr lebensbedrohlich war, hatte sie die beiden guten Gewissens wegschicken können. Die junge Frau beschloß, ihre Anzahl von Vorräten auf den neuesten Stand zu bringen und saß daher neben ihrem Medikamentenschrank und schrieb eine Liste.
„Lieutenant?" hörte sie ein wenig später Rushs leise Stimme und legte sofort ihr Schreibzeug hin.
„Ist alles in Ordnung, Dr. Rush?" fragte sie alarmiert und untersuchte ihn dann schnell.
„Ja, ich habe nur Durst", meinte er dann und Tamara holte sofort einen Becher Wasser.
„Sie haben mir wirklich einen riesen Schrecken eingejagt", sagte sie, als sie Rush beim Trinken half.
„Wegen ein bißchen Fieber?" hakte der Wissenschaftler leicht spöttisch nach.
„Ja, deswegen", sagte Tamara ein wenig ärgerlich über seine Leichtfertigkeit. „Nicht zu vergessen die Schußverletzungen. Sie waren mehr dem Tode nahe als dem Leben, also hören Sie bitte auf, immer alles so herunterzuspielen. Wir haben uns Sorgen um Sie gemacht."
Rush blickte sie einen Moment nachdenklich an und sagte dann, zu TJ's völliger Verblüffung: „Tut mir leid. Ich kann es nur nicht leiden, krank zu sein und nichtsnützig nur herumzuliegen."
„Glauben Sie mir, die Destiny kommt durchaus auch mal ein paar Tage ohne Sie aus. Sie sollten wirklich anfangen, den anderen ein wenig mehr Vertrauen entgegen zu bringen. Sie machen ihre Arbeit gut."
Rush seufzte. „Sie sind langsam und verstehen die Hälfte nicht. Die einzige Ausnahme ist Eli."
Tamara sah ihn mit leicht zusammengekniffenen Augen an und meinte dann: „Scheint, als wären Sie wirklich auf dem Weg zur Besserung. Sie können schon wieder meckern."
„Ich meckere nicht, das sind Tatsachen", meinte Rush ruhig.
„Wissen Sie eigentlich, daß es hier tatsächlich doch viele Leute auf dem Schiff gibt, die Sie aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen mögen?" begann TJ etwas zu sticheln.
Rush blickte sie jetzt etwas verwirrt an.
„Neben Eli und Chloe hatten sie noch einige Helfer, die sich freiwillig gemeldet haben um sich um Sie zu kümmern."
„So?" fragte er einfach nur, ließ sich aber weiter nicht aus der Reserve locken.
„Nick, ob Sie es wollen oder nicht, aber hier sorgen sich einige Leute um sie. Also bitte hören Sie auf, als wären Sie Superman."
„Das habe ich nie behauptet."
„Nein, aber Sie verhalten sich so. Nur Arbeit, keine Pausen, Sie versäumen das Essen, trinken zu wenig…"
„Wenn die anderen kompetenter wären, müßte ich nicht so viel arbeiten."
TJ seufzte laut und meinte dann kopfschüttelnd: „Ach, ich geb's auf. Ihnen ist nicht mehr zu helfen."
Rush schwieg. Wenn er ehrlich war, war er völlig überrascht von TJ's Worten, daß scheinbar nicht nur Eli der einzige war, der ihn ausstehen konnte. Doch er konnte niemanden mehr an sich heranlassen, außer Dr. Perry. Alles endete in Schmerz und Verlust. Nein, gerade hier auf der Destiny, Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, mit immer denselben Leuten… das würde nur Ärger geben.
Und dann war da auch noch Eli. Er hatte mitbekommen, was er ihm des nachts alles anvertraut hatte, wenngleich er sich am Anfang, als er sich an die wirren Träume erinnerte, nicht sicher war, ob das wirklich Eli gewesen war. Aber mit der Zeit hatte er Tatsachen von Träumen trennen können und obwohl er es versuchte mit aller Kraft zu vermeiden, so hatte er doch nicht verhindern können, daß Elis Worte ihn sehr berührt hatten. Falls er jemals einen Sohn gehabt hätte, das Wissen von Eli und sein Talent für Zahlen hätte er sich auch für seinen Sohn gewünscht. Vielleicht mochte er ihn deshalb so sehr, zumindest für seine Verhältnisse. Natürlich würde er das aber für sich behalten. Zumindest vorerst. Und Eli hatte noch weitaus mehr Potential in sich, als er im Moment selber für möglich hielt und Rush hatte es sich zu einer seiner Aufgaben gemacht, ihn in der Hinsicht so zu fördern, daß er das Maximum erreichen würde. Das war ihm sehr wichtig.
„Haben Sie schon Hunger?" fragte TJ plötzlich von hinten.
„Nicht wirklich", antwortete er.
„Dann trinken Sie aber das hier noch", meinte sie und hielt ihm einen Becher hin, in dem diesmal kein Wasser war, sondern irgendeine übel riechende Flüssigkeit.
Er rüpfe die Nase. „Was ist das?"
„Ein Cocktail. Trinken Sie, da sind Nährstoffe drin. Wenn Sie natürlich etwas essen möchten, tausche ich gerne…"
Rush sah sie pikiert an, hielt die Luft an und trank kurzerhand ohne groß zu zögern alles auf einmal aus.
TJ mußte lachen und nahm ihm dann den leeren Becher ab.
„Respekt, das bekommt nicht jeder runter", meinte sie dann, während Rush versuchte, das ebend Getrunkene nicht gleich wieder auszuspucken.
„Ab morgen nehme ich gern das Essen", sagte er dann und verzog noch einmal das Gesicht.
„Gute Wahl", entgegnete TJ nur und meinte dann: „Versuchen Sie jetzt zu schlafen. Sie sind noch weit von gesund entfernt und brauchen Ruhe."
Das fiel Rush gar nicht schwer, denn für seine Verhältnisse war die Wachphase gerade ganz schön anstrengend gewesen. Er schloß die Augen und fühlte, wie die Müdigkeit ihn kurze später wieder übermannte.
Als er das nächste Mal wieder erwachte, sah er in das breit grinsende Gesicht von Eli, der eine Schüssel in der Hand hielt.
„Morgen Dok, ihr Frühstück", meinte er fröhlich und half Rush in eine sitzende Position, wobei er darauf achtete, nicht seine Rückenwunde zu berühren.
Trotz seiner Vorsicht stöhnte Rush auf, denn die Schmerzen waren immer noch da.
„Tschuldigung", murmelte Eli, doch Rush schüttelte den Kopf.
„Dafür kannst Du nichts, die Wunde tut auch beim atmen weh."
Vorsichtig stopfte ihm Eli zwei Kissen hinter den Rücken und ließ ihn dann langsam drauf absinken.
Nick war etwas schwindelig, denn seit Tagen war er zum ersten Mal so weit aufgerichtet, aber zum Glück legte sich das Gefühl schnell wieder.
Da er noch zu schwach war um selber zu essen, trichterte ihm Eli den Brei Löffel um Löffel ein.
Nach der Hälfte schüttelte Rush den Kopf. „Das reicht, mir wird schon schlecht."
Eli sah hilfesuchend zu TJ, doch die nickte.
„Er kann den Rest später essen, für den Anfang war das gar nicht mal so schlecht."
„Okay." Er stellte die Schüssel beiseite und fragte dann: „Möchten Sie erst einmal so sitzten bleiben oder wollen Sie sich wieder hinlegen?"
„Ich glaube, liegen wäre eine gute Idee", erwiderte Rush und versuchte sich etwas aufzurichten, damit Eli nicht so viel Arbeit hatte, aber der Versuch endete damit, daß er erneut aufstöhnte vor Schmerzen.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen." Eli half ihm sofort und Rush sank erschöpft wieder in seine Kissen.
„Ich wußte gar nicht, daß essen so anstrengend sein kann", stöhnte er und schloß müde die Augen.
„Sie haben auch immer noch Fieber, die Wunden sind noch nicht geheilt und Sie sind noch völlig kraftlos", faßte Eli plump zusammen.
„Jaja, ich weiß", sagte Rush unwirsch. „Was ist mit der Destiny? Irgendwas neues?"
„Und Sie haben nur Arbeit im Kopf", fügte Eli noch kopfschüttelnd hinzu.
„Mit irgendwas muß ich mich schließlich beschäftigen, oder?"
„Soll ich Ihnen Ihr Buch holen?" bot Eli kurzerhand an. „Dann haben Sie was zu tun."
Rush rollte nur mit den Augen.
„Konzentrieren Sie sich lieber darauf wieder gesund zu werden."
„Wie lange ist die Destiny jetzt schon im Hyperraum unterwegs?" fragte Rush weiter, ohne auf Elis Mahnung einzugehen.
Der junge Mann seufzte, sagte dann aber: „Seitdem Sie wieder hier sind, sind wir nicht einmal rausgefallen. Also…", er überlegte kurz, denn das Zeitgefühl war ihm ein wenig abhanden gekommen, „3 Tage fast."
Rush runzelte die Stirn. „Das ist recht ungewöhnlich", meinte er dann.
„Das liegt daran, daß keine Portale mehr da sind im Augenblick. Sie hatten Glück, daß wir sie beide noch zurückholen konnten, das war die letzte Chance."
„Dr. Rush", mischte sich TJ jetzt ein, „ich möchte mir noch einmal ihren Rücken ansehen. Wir werden Sie jetzt umdrehen, okay?"
„Wenn's sein muß", murmelte Rush und machte schon wieder Anstalten, sich selber umzudrehen.
Die Quittung kam sofort in stechenden Schmerzen und er gab einen Schmerzenlaut von sich.
„Sie lernen es auch nicht, oder?" meinte Eli etwas säuerlich und gemeinsam mit TJ halfen sie ihm dann, sich auf den Bauch zu legen. Die Sanitäterin löste die Kompresse und sah sich die Wunde genau an.
„Sieht gut aus, aber ich desinfiziere sie lieber noch einmal. Das könnte jetzt etwas schmerzhaft werden", warnte sie Rush vor.
Etwas war leicht untertrieben, als TJ die Wunde desinfizierte hätte Rush am liebsten aufgeschrieen, so sehr brannte es. Doch er unterdrückte es tunlichst und biß sich dafür seine Lippe blutig. Außerdem konnte er nicht verhindern, daß seine Schulter begann zu zucken.
„Ich bin gleich fertig", beeilte sich TJ zu sagen, als sie es bemerkte. Dann war sie endlich fertig und Rush seufzte auf. Eli und TJ drehten ihn wieder auf den Rücken, nachdem TJ die Kompresse erneuert hatte und überprüfte dann noch einmal alle Werte von ihm.
„Es sieht gut aus", meinte sie dann an beide Herren gewandt mit einem Lächeln. „Wenn Sie noch ein paar Tage schön brav sind, bis die Infektion verschwunden ist, dann können wir bald über ein wenig Arbeit reden", neckte sie Rush.
Seine Mundwinkel zuckten, immer ein deutliches Anzeichen, wenn er ärgerlich war, aber er sagte nichts.
Eli konnte aber nicht anders und mußte lachen. „Sie sehen aus, als hätte Ihnen TJ gerade ihr Todesurteil verkündet."
„Ich weiß eigentlich nicht, warum Du nicht schon längst bei der Arbeit bist", fauchte Rush ihn statt dessen an.
„Okay okay, Dok, bin ja schon weg." Trotz des harschen Tons war Eli nicht böse. Im Gegenteil, jetzt wußte er, daß Rush wirklich Rush war. Mit einem „falls Sie mich brauchen, TJ, funken Sie mich ruhig an", verließ er vergnügt die Krankenstation.
Ein paar Tage später durfte Nicholas dann tatsächlich wieder immerhin sein Quartier beziehen. Allerdings stand er unter strenger Aufsicht von TJ und Eli, die mit Argusaugen darüber wachten, daß er sich nicht übernahm und regelmäßig seine Mahlzeiten einnahm.
Seine Rückenwunde war jetzt schon fast vollständig verheilt und nach zwei endlosen Wochen (zumindest für Rush endlos), gesattet ihm TJ dann wieder, seine übliche Arbeit aufzunehmen.
Als Eli morgens dann die Brücke betrat, blieb er abrupt stehen, als er Rush in dem Kirk-Stuhl sitzten saß. Damit hatte er nicht gerechnet.
„Dr. Rush?" fragte er entgeistert, doch selbiger reagierte gar nicht.
Eli ging die paar Stufen hinunter und stellte sich dann vor ihn. Leicht genervt schaute Rush ihn schließlich an. „Sollten Sie nicht lieber an Ihrer Station sein anstatt zu überlegen, ob ich real bin oder nicht?" giftete er dann in seiner üblichen Art.
„Hat TJ Sie schon arbeitsfähig entlassen?" fragte Eli nur, ohne auf seine Worte einzugehen.
„Ja, sonst wäre ich wohl nicht hier. An die Arbeit."
Eli machte, daß er an seine Kontrollstation kam und hörte gleich darauf, wie die Tür sich erneut öffnete. Volker und Brody kamen herein, offensichtlich in einen Disput vertieft. Erst als sie die untere Plattform betreten hatten merkten sie auf einmal, daß ihr Boß ebenfalls auf der Brücke war und verstummten synchron um ihn mit großen Augen anzublicken.
„Sie haben beide nicht recht", fing er einfach an. „Weder die eine noch die andere These würde erklären, warum die Energieversorgung zusammengebrochen ist. Aber zum Glück für Sie bin ich jetzt da um das wieder geradezubiegen was sie natürlich geflissentlich übersehen."
Volker und Brody klappte wieder absolut synchron der Unterkiefer herunter, dann blickten sie zu Eli.
Der zuckte nur die Achseln. „Einfach hinnehmen", meinte er nur und begann, seine Arbeit zu erledigen, bevor Rush ihn aufessen würde.
„Kümmern Sie sich lieber um etwas anderes und lassen Sie die Finger von Dingen, die sie nicht verstehen", fauchte Rush die beiden noch einmal an und die suchten so schnell es ging das Weite an ihren Stationen.
Die nächsten Stunden trieb Rush sie in seiner üblichen Art an. Schließlich war es Volker und Brody gelungen, unter doch recht fadenscheinigen Ausflüchten die Brücke und somit Rushs Aufsicht zu entkommen und waren den restlichen Abend an der Bar zu finden, wo sie kräftig einen hoben.
Eli hatte sich das Lachen verkneifen müssen, als die beiden den Rückzug angetreten hatten und überlegte selber, wie er langsam in sein Bett kommen würde. Er hätte es natürlich nie zugegeben, aber er war von den vergangenen Tagen doch recht müde.
Verstohlen schaute er hinter sich und sah, wie Rush, eine Hand am Mund, einfach minutenlang und bewegungslos auf das Display in der Armlehne starrte.
Eli konnte nicht anders, dieses Bild erinnerte ihn an den Rush Doppelgänger und er fragte mit einem verwegenen Grinsen: „Haben Sie vergessen, wie man auf die Systeme der Destiny zugreift? Ich kann helfen…"
Rush schaute ihn ruckartig an, seine Augen verengten sich leicht und er sagte nur: „Mr. Wallce… wenn Sie sich nicht zugegebenermaßen so gut um mich gekümmert hätten vor ein paar Tagen, dann würde ich Sie jetzt hochkant von der Brücke schmeißen. Sie haben genau eine Minute um zu verschwinden."
Eli hielt sich nicht lange auf, hatte er es doch darauf angelegt, seinen Chef zu provozieren.
„Bin schon weg, ich wollte mich nur vergewissern, ob Sie wirklich Dr. Rush sind, denn normalerweise starren Sie nicht 5 Minunten Löcher in die Luft und…"
„Hinaus", wurde er mit einem scharfen Befehl unterbrochen und er rannte schon fast von der Brücke.
Doch vor der Tür blieb er noch einmal stehen, drehte sich um und sagte fast zögerlich: „Dr. Rush?"
Der Angesprochene drehte sich in seinem Stuhl herum und blickte ihn finster an.
Eli lächelte nur und meinte dann: „Es ist schön, Sie wieder hier zu haben. Gute Nacht." Dann war er verschwunden.
Rush betrachtete die inzwischen wieder geschlossene Tür und ein kurzes Lächeln stahl sich auf seine Lippen…
