~Tee-Debakel und Schlafmangel~

Anmerkung: Außer Eliza und Felizita gehört mir immer noch nix ;) Außerdem möchte ich hier schon einmal anmerken, das ich mich bei dieser Story an der Sparte "Benutzt einfach so echte bekannte Personen" bedient habe, um so gut wie jede Genre mit einzubeziehen^^ (Und nein, ich weiß nicht wie das wirklich heißt xD)

Ich weiß nicht mehr wie ich es in dieser Nacht zu stande gebracht hatte nicht einfach aus dem Fenster zu springen, um diesen Alptraum ein Ende zu setzte. Nicht, dass ich nicht darüber nachgedacht hätte. Mir war mein Leben einfach zu schade.

Irgendwie kam ich zu dem Punkt der Resignation. Das hatte nicht zu bedeuten, dass ich die Ereignisse zum mich herum einfach so hin nahm. Es war mehr eine Kampfansage, eine Einwilligung in das Spiel, dass das Schicksal mit mir zu spielen versuchte. Ich war nicht der Typ, der einfach so aufgab, wenn ihn was nicht passte. Nein, mir wurden schon so oft in meinem Leben Steine in den Weg geschmissen, die mich aus der Bahn werfen sollten, doch ich verlor nie den Mut. Eigentlich war es auch ganz aufregend in meiner Position zu sein. Das Leben der Eliza war nie langweilig, das wusste ich schon zu genüge. Dieses Wissen musste ich mir so lang zu nutze machen, bis sich mein Gedächnis vollkommen verfälschen ließ.

Trotz der aufmunternden Gedanken, die ich mir zu dieser dunklen Stunde machte, verliesen mich die schlechten Gefühle nicht. Man kann gut sagen, dass ich nur vor Nervösität und Trauer trotzte, als ich mich in meinem Zimmer einschloss um auf den nächsten Morgen zu warten. Müde war ich nicht im geringsten, das gesamte Adrenalin, was sich in den letzten Stunden freigesetzt hatte, schoss mir noch immer durch die Venen und ließ mich nicht zur Ruhe kommen. An Schlaf war nicht zu denken. Mit aufgerissenen Augen versuchte ich trotz der Dunkelheit etwas in meinem Zimmer erkenne zu können. Schon komisch, im ersten Moment denkst du dir die Möbel aus und im nächsten stehen sie direkt vor dir wie: jetzt mach doch kein langes Gesicht, das hast du dir doch gewünscht? Wenn es doch nur so gewesen wäre. Nie wieder, dachte ich, werde ich etwas schreiben was einer Geschichte nahe kommt. Unter diesen Umständen würde mir das wohl nicht schwer fallen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich meine erste Leiche zu sehen bekommen würde, vorausgesetzt die Dinge verliefen so, wie ich es geplant hatte. Und da war ich mir nun überhaupt nicht mehr sicher.

Seufzent lies ich mich auf das Bett fallen, das sich überraschender weise als sehr weich heraus stellte. Wenigstens etwas. Langsam schloss ich die Augen und während ich nach Schlaf rang, versuchte ich meine Gedanken zu ordnen.

Du bist Eliza Holmes, Mündel von Sherlock Holmes und seines ich-bin-nicht-schwul-aber-ich-kann-die-Meinungen-nicht-ändern Freundes Dr John Watson. Wohnhaft in der Baker Street, London und gehe auf die Paddington Academy im Stadtteil Westminster. Deine einzige Freundin heißt Felizita Owen und wohnt nicht weit von hier entfernt. Du verstehst dich gut mit Mrs Hudson und Inspektor Lestrade, Mycroft solltest du meiden..

Das waren die grundlegenden Fakten die ich bereits im Kopf hatte, bevor sich alles so grundlegend geändert hatte. Wie sich mein Charakter entwickeln würde wusste ich am Anfang nicht, das stellte sich erst im Laufe der Zeit ein. Ich hoffte nur, das ich nicht wirklich so schlimm war wie Sherlock es beschrieben hatte. Dieser Idiot... Ich hatte zwar in keinster weise erwartet, dass er mich mit offenen Armen empfangen würde, doch seine mehr als offenen Worte verletzten mich doch sehr, auch wenn mein Ego das nicht zugeben würde. Und dann auch noch wegen diesem Arsch zu weinen. Was hatte ich mir nur gedacht? Eines stand fest, wenn ich mit diesen Leuten in einem Haushalt wohnen wollte musste ich mir ein dickes Fell zulegen. Obwohl von wollen ja nicht wirklich die Rede war. Im fersehen ansehen? Klar! Die beiden um mich herum haben? Nicht wirklich. Vielleicht würde ich bald entführt oder erschossen werden? Keine unplausible Vorstellung.

Die wenigen Stunden Schlaf, die ich am Ende doch noch erhaschen konnte, brachten nicht viel Erholung mit sich. Das Aufwachen verlief sehr panisch, weil mein Hirn eine Weile brauchte um sich zu erinnern wo ich war. Im Tageslicht wirkte das Zimmer zwar einladender, jedoch immer noch ziemlich dunkel, was vor allem an den dunklen Möbeln und den schweren Vorhängen lag.

Nun war ich also aufgewacht und befand mich noch immer in dieser seltsamen Welt. Der nächste Tag war da und ich war immer noch hier. Und nun? Die aufbauenden Gedanken von letzter Nacht rückten in den Hintergrund. Ob Eliza ein Langschläfer war? Ich musste aufhören so zu denken. Du bist Eliza. DU! Mach gefälligst was du willst, es spielt keine Rolle mehr wen oder was du verkörpern musst.

Einfach in den Tag leben, wie ich dachte, dass es richtig war. Einfach machen,leben.

Was theoretisch sehr simpel und logisch klang, ließ sich in der Praxis nicht so einfach umsetzten. Gefühlte zwei Stunden stand ich vor dem großen Kleiderschrank in meinem Zimmer, ohne auch nur Anstalten zu machen mich anzuziehen. Ich starrte einfach nur auf die Sachen, die sauber und ordentlich auf Kleiderbügeln hingen als wären sie frisch aus dem Laden. Und was für Sachen das waren, das meiste sah sehr teuer aus oder war einfach nur schön anzusehen mit einer Mischung aus edel und trotzdem jugendlich. Auch viel mir auf, dass es überwiegend Kleider waren, die mir dort vor der Nase hingen. Keine aufdringlichen Farben, nichts ärmellos und was für mich am wichtigsten war, nicht zu kurz. Ich wunderte mich darüber, ob ich es selbst war, die diese Kleidung ausgesucht hatte oder ob sie mir jemand besorgte. In den Schubladen befanden sich ganz typische Sachen wie Unterwäsche und eine ganze Menge Strumpfhosen. Oh je, das ging zu weit. War ich etwa eine Puppe? Tatsächlicher weise viel mir auf, das ich mir über solche Dinge wie Klamotten nie Gedanken gemacht hatte. Einzig und allein mein treuer Mantel blieb in meinem Kopf und begleitete mich überall hin, wie auch in dieser Welt, wie ich erleichtert feststellte. Er war schwarz, leicht ausgestellt und knielang. Wenigstens ein normales Ding in dieser unnormalen Gegend.

Mit einem seltsamen Gefühl im Magen wählte ich ein Kleid und schmiss es auf das Bett. An meinem Zimmer grenzte ein kleines Badezimmer, wie ich ja von letzter Nacht noch wusste, in was ich mich schnell verdrückte. Die Eile war jedoch umsonst, denn in der ganzen Wohnung war kein einiger Ton zu hören, was bedeutete, das die Männer noch schliefen. Der nächste Kulturschock erwartete mich, als ich nichts ahnend in den Spiegel über dem Waschbecken blickte. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich mich nicht wiedererkannt hätte, doch der Anblick erschreckte mich dennoch. Meine Augenringe waren nicht nur immer noch vorhanden, sie waren sogar schlimmer geworden. Meine Nase war spitzer und erinnerte mich an eine Ratte. Meine grünen Augen waren heller als zuvor und als ob das nicht gereicht hätte zeichnete sich eine lange Narbe an meinem linken Unterarm ab. Der übrigens erstaunlich blass war, genauso wie der Rest von mir. Und dann waren dann noch die Haare, lang, dunkel, undefinierbar ob dunkelbraun oder schwarz.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich von diesem Anblick losreißen konnte um mich endlich fertig machen zu können. Als ich wieder aus dem Badezimmer kam, konnte ich Geräusche hören, die aus dem unteren Stockwerk drangen. Rasch zog ich mich an und lief nach unten. Schließlich konnte ich mich nicht ewig verstecken.

In der Küche stand John mit dem Rücken zu mir und war gerade dabei seiner Lieblingsbeschäftigung, nach dem bloggen, nachzugehen. Tee kochen. Ich rümpfte die Nase. Tee war überhaupt nicht mein Fall, doch wer weiß, vielleicht änderte sich das ja noch.

Mein Herz raste, als ich den kleinen Mann mit dem Wollpulover sah, genau so wie es bei Sherlock war. Der Unterschied war hier jedoch, dass mich John schon kannte und ich wusste nicht, ob das gut war oder nicht.

Als John mich bemerkte schenkte er mir ein einseitiges Lächeln, das so ganz anders war als Sherlocks. Es trotzte nicht vor Hohn oder Selbstgefallen, sondern war einfach nur das, was es war. Ein Lächeln.

"Morgen Eliza, gut geschlafen?"

Seine Stimme klang schläfrig und in seinen Augen schimmerte regelrecht das Verlangen zurück ins Bett gehen zu wollen. Warum war John denn schon aufgestanden, wenn er noch müde war? Wahrscheinlich hatte er sich es angewöhnt vor Sherlock aufzustehen, damit der Detektiv keinen allzu großen Schaden in der Wohnung anrichten konnte. Das tat er nämlich nur, wenn er allein und somit automatisch gelangweilt war.

"Ja, gut."

Ich versuchte angestrengt nicht an letzte Nacht zu denken, um meine Lüge so gut wie möglich rüberbringen zu können. Zwar war der Schlaf tief, doch viel zu kurz um gut sein zu können. Wahrscheinlich würden mir sogar bald die Augen schwer werden, besser gesagt die Lieder. Irgendwas musste passieren, damit ich meinen Start in diese seltsame Welt gut hinlegen konnte. Die dampfende Tasse in Johns Hand zog automatisch meinen Blick an. Ich wusste was ich brauchte. Kaffee, und zwar viel davon.

John verfolgte meinen Blick mit angehobenen Augenbrauen.

"Du musst mir schon sagen wenn du Tee willst. Gedanken lesen kann ich noch nicht, aber wenn ich es könnte wären so manche Dinge hier einfacher für mich. Nun?"

Ein kleiner Teil in mir nagte an dem Verlangen den Mann vor mir in seinem Satz unterbrechen zu wollen, doch ganz hatte ich meinen Verstand nun nicht verloren. Dafür stammelte ich herum, als wenn ich mindestens zehn Jahre rückwärts gegangen wäre in der Entwicklung meiner sprachlichen Fähigkeiten.

"Eigentlich hätte ich gern einen..ähhm Kaffee, wenn einer da ist natürlich. Wenn nicht ist auch nicht schlimm, ich.."

Ich rechnete schon damit in meinem sinnlosen Gebrabbel unterbrochen zu werden, doch John hörte mir geduldig zu als wäre ich ein Patient, der den Verstand verloren hatte. Die Worte endeten dennoch, als ich einfach keinen Sinn mehr darin fand einen vernünftigen Satz heraus bringen zu wollen. Stattdessen grinste ich zum Abschluss ein furchtbar schlechtes Grinsen, was mir richtig weh tat in den Mundwinkeln. Johns Blick änderte sich währenddessen so, als hätte er es tatsächlich mit einer Geisteskranken zu tun.

"Du und Kaffee? Stimmt irgendwas nicht Eliza? Du siehst aus als müsstest du dich jeden Moment übergeben."

"Übergeben! Ja, ja ich meine da hab ich auch schon darüber nachgedacht, weil, ja weil.."

Was machst du denn da? Hör auf damit, sofort!

Ich sprang mehrere Zentimeter in die Höhe, als John mit Wucht seine Tasse auf den Küchentisch knallen ließ. Ein wenig von dem Tee schwappte dabei heraus, doch im Vergleich zum Rest des Tisches sah der Fleck richtig sauber aus.

"Hier, trink davon was. Schwarztee, ungesüßt. Enthält auch Koffein, wenn du das brauchst. Obwohl ich der Meinung bin-"

"Ah du hast Tee gemacht John, wie nett von dir."

So wie die Tasse da war war sie auch schon wieder weg. Sehnsüchtig blickte ich ihr hinterher, als sie an die Lippen von Sherlock gehoben wurde. Wie aus dem Nichts war der Mann aufgetaucht und stand nun wie Krösus persönlich zwischen mir und John in der schmalen Küche. Kurz war ich gewillt ihn von hinten anzuschubsen, damit auch er keinen Spaß an dem Tee haben konnte.

"Hey! Der Tee war für mich!", protestierte ich stattdessen in einem quitschigen Ton, das sich selbst mir die kleinen Haare in Genick hochstellten.

"Das ist wahr Sherlock, das war nicht sehr nett von dir", gesellte sich John auf meine Seite. Stolz wie eine Henne über die Unterstützung blickte ich an Sherlock vorbei und nickte eifrig.

"Das stimmt!"

"Und das sollte mich wie weit interessieren? Wie kommst du überhaupt dazu Schwarztee trinken zu wollen? Du bist doch nicht etwa müde?"

Dieses Schwein. Dieses allwissende, schleimige Schwein.

Ich schlug meinen Rückzug zurück hinter Sherlocks Rücken ein, als ich augenblicklich John prüfenden Blick ausgesetzt war. Wie hieß es gestern noch mal? . Du musst ins Bett. Wenn John dich um diese Zeit hier sitzen sieht kracht es. Offensichtlich musste er großen Wert auf eine gute Portion Schlaf legen. Hatte er eigentlich schon einmal etwas davon gehört, dass Teenager im Allgemeinen nie so viel schliefen wie sie sollten?

"Das stimmt allerdings. Wie viel hast du geschlafen Eliza?"

Na das hatte Sherlock wunderbar eingefädelt. Ich konnte nicht verleugnen wenig geschlafen zu haben, durfte aber nich erzählen warum. Ich musste also etwas zugeben wofür ich selbst gar nichts konnte. Und zum krönenden Abschluss musste ich mir wahrscheinlich auch noch eine Geschichte einfallen lassen warum ich so lang aufgeblieben war.

"Na ja, ich konnte nicht gut einschlafen, weil...weil ich einen A..Alptraum hatte."

Kindisch, aber gut. John konnte mir wohl kaum böse wegen einem Traum sein. Und irgendwie stimmte das ja auch. Alles nur ein großer dicker Traum. Natürlich hatte ich nicht Sherlock in die Rechnung einbezogen.

"Ja das kann ich mir richtig gut vorstellen. Hieß der Alptraum vielleicht Felizita und fand in einem Chatroom statt?"

Was?! Ich konnte es nicht glauben. Warum machte er das nur mit mir? Wollte Sherlock unbedingt, das ich Ärger bekam? Aber natürlich, das musste es gewesen sein. Ich sollte dafür bezahlen in seine Privatsphäre gestolpert zu sein. Johns prüfender Blick wurde einen Schlag ernster.

"Wie oft soll ich dir noch sagen das du dir die Nächte nicht immer sonst wie um die Ohren hauen sollst! Gerade du brauchst den Schlaf für deine Entwicklung Elizabeth Holmes!"

Der volle Name? John benutzte tatsächlich den vollen Namen? Machte man das nicht nur in ernsten Situationen? Das hier war doch nicht wirklich ernst! Oder doch? Sherlocks schmierigen Grinsen nach zu urteilen musste es das sein. Klar, er kannte sich schon aus und wusste wie sein Kumpel reagieren würde. Wie konnte er nur so gemein sein?

John holte tief Luft, als keine Antwort von mir kam. Ob er wohl eine erwartet hatte? So weit ich wusste war Eliza nicht auf den Mund gefallen.

"Dein LapTop wird konfesziert. Eine Woche."

Eigentlich hätte ich empört oder sauer sein sollen, doch nichts von diesen Emotionen traf mich in dem Moment. Um ehrlich zu sein juckte es mich nicht wirklich. Da wurde mir also was weg genommen, was ich sowieso noch nie ( nicht wirklich ) benutzt hatte. Was solls?

Meine Gedanken kreisten einzig und allein um Sherlock und die Wut, die ich für ihn empfand.

Als sich John, eine weitere Tasse Tee später, in ein anderes Zimmer verdrückte, rückte ich Sherlock genau so nah auf die Pelle, wie er es mit mir zuvor getan hatte. Ich versuchte meine ganze Wut zum Ausdruck zu bringen, als ich mich nah an ihn heranbeugte und flüsterte:

"Das wird Rache geben."