~Dir werde ich nie verzeihen~
Anmerkung: Warnung!: Für die feinfühligen unter euch: In diesem Kapitel sind Schimpfwörter enthalten.
Was für ein blöder Zeitpunkt einen Flashback zu bekommen. Normalerweise hätte ich mich nicht darüber beschwert mich an etwas aus meiner Vergangenheit erinnern zu können, doch wie ein starrender Leguan mitten auf dem Schulhof zu stehen war doch etwas peinlich, rückblickend betrachtend zumindest. Mein Gefühl für diesen Tag verschlechterte sich rapide, als ich vor dem großen Schulhaus stand, das den typisch komischen Eindruck erwecken wollte einladend und freundlich zu sein, in Wirklichkeit aber genau das Gegenteil erreichte. Augenblicklich waren einige Momente der Vergangen greifbar nah. Ich erinnerte ich daran, dass ich oft die Schule wechseln musste und jedes mal war es ein furchtbares Erlebnis. Das Gefühl, fremd zu sein und einen Eindringling dazustellen war alles andere als schön. Und immer erlangte ich das Privileg an Schüler zu geraten, die mir das Leben zu Hölle gemacht hatten. Selbst die Lehrer hatten es irgendwie immer auf mich abgesehen, fast so, als hätten auch sie keine Fremden dulden können. Diese Blicke, die an einem haften wie schwarzes Pech. Das Getuschel, das man hoffnungslos auszublenden versuchte. Das Gefühl ständiger Überwachung und des Alleinseins. Klassenfahrten waren der Horror, ebenso wie die einfache Aufforderung des Lehrers Gruppen zu bilden. Ich bin immer ein Außenseiter gewesen, egal was ich tat oder versuchte zu unternehmen. Versuche sich anzupassen wurden schon im Keim erstickt oder ausgelacht. Höhnisches Lachen, das tief in die Kinderseele einschneidet und Schäden hinterlässt. Laut den Lehren gab es so etwas wie Mobbing nicht. Und wenn man doch den Mut dazu gefasst hatte um nach Hilfe zu bitten wurde man ignoriert oder das Problem wurde klein geredet.
So war es in der alten Welt, in der kalten Realität. Da, wo nicht an jeder Ecke ein Taxi hielt, egal wann oder wo, oder, ganz einfach gesagt, wo man nicht aus dem Nichts von oben in fremde Wohnungen fiel. Das hier ist etwas ganz anderes. Die Intensität der Umgebung war mitreißend, die Luft vibrierte regelrecht vor Aufregung und die Zukunft war ungewiss. Wer würde schon wissen, was am nächsten Tag passieren konnte? Immerhin kam es zum Beispiel nicht gerade alle Tage vor, dass der Mitbewohner eine Harpune aus dem Fenster schmiss. Auch hätte ich nie für möglich gehalten einmal mehr als eine Fremdsprache sprechen zu können. Natürlich waren das alles nur Beispiele und wahrscheinlich nur Peanuts im Vergleich zu dem, was vielleicht noch passieren würde. Eigentlich konnte die Schule in dieser Welt nur besser sein, oder?
Der Zufall spielte mir glücklicherweise in die Karten. Schneller als befürchtet fand ich das richtige Klassenzimmer und auch die Courage es zu betreten. Was für eine andere Wahl hätte ich auch gehabt, immerhin war ich eh schon zu spät. Im Raum war es fast mucksmäuschen still, als die Tür einen spaltbreit aufging. Eine tiefe Männerstimme brummelte etwas über X-Gleichungen und verteilt waren einzelne, viel leisere Stimmen zu hören. Auf die Lippe beissend betrat ich den Raum wie eine Ballettänzerin, die sich nach ihrem verpatzten Einstieg heimlich auf die Bühne schleichen wollte. Sofort waren alle Blicke auf mich gerichtet. Erst überflog mein Blick die Schüler, die ich sofort in verschiedene Kategorien einteilen konnte. Felizita war nicht dabei.
"Ah Ms Holmes, schön dass Sie uns auch mal beehren. Da war der Schönheitsschlaf wohl etwas länger was?"
Mit entsetzen drehte ich mich um, als der Lehrer seine unfreundliche Begrüßung raushaute, die mir fast die Schuhe auszog. Meine Wangen wurden kochendheiß, als von den Schülern Gelächter zu hören war. Ich wusste überhaupt nicht was ich dazu sagen sollte. Der Lehre sah aus wie ein abgebrochener Zwerg mit Halbglatze, dicker Brille und fusselig brauner Strickjacke. Auf seinem Gesicht hing unter der fleischigen Nase ein schmieriges Lächeln. Ich lächelte zurück, jedoch etwas freundlicher.
"Entschuldigung, ich habe den Bus verpasst und.."
"Ja ja was auch immer, Ihre Ausreden können Sie sich sparen. Das ist jetzt schon das dritte mal in folge, dass Sie zu spät zum Unterricht erscheinen. Ich werde ihre Eltern benachrichtigen."
Wieder war Gelächter zu vernehmen, dieses mal jedoch lauter als zuvor. Die Schüler schienen nicht allein wegen der peinlichen Standpauke zu lachen. Es war auch noch etwas anderes, dass nach diesen Worten des ungehobelten Lehrers im Raum hing. Doch was es genau war konnte ich noch nicht ausmachen. Es sollte jedoch nicht mehr lang dauern, bis ich es heraus fand.
In dieser peinlichen Situation war ich zu nichts anderen in der Lage als schwitzend und mit gesenkten Kopf vor dem Lehrer zu stehen, dessen Namen ich nicht einmal kannte. Er sagte nichts mehr, deshalb sah ich mich dazu genötigt endlich meinen Platz einzunehmen und die Schmach hinzunehmen, die von einer Minute auf die andere auf mich herein brach. Natürlich war es meine eigene Schuld zu spät gekommen zu sein, doch wer hätte schon ahnen können, dass der Lehrer so ein unverschämter Mistkerl war. Im Nachhinein betrachtet erschien mir diese Frage sinnlos, schließlich war er ein Lehrer.
Die hämischen Blicke der Anderen verfolgen mich bis auf den einzig freien Platz, der sich ganz hinten in dem großen Klassenzimmer befand. Es war modern eingerichtet, an den Wänden hingen die obligatorischen Lehrplakate und zwei Schränke mit Glastüren standen verteilt an den Seiten. Auf einem stand ein Globus und in einem Schrank standen ausgestopfte Vögel. Diese Gegenstände konnten meine Aufmerksamkeit nicht lang gewinnen, denn so wie ich mich hingesetzt hatte begann erst das Theater.
"Er wirds Mami und Daddy sagen, ach nein halt, Papa und Daddy?"
"Daddy eins und Daddy zwei?"
"Jetzt sein nicht albern, die sind zwar Freaks aber denkst du wirklich das die sich wie Roboter ansprechen?"
"Bin mir nicht sicher, hast du den großen schlacksigen schon mal gesehen?"
"Ja, erst neulich in der Zeitung..."
Mir war, als sein ich in eine komplett falschen Film. Da saßen doch tatsächlich drei Mädchen, die sich schamlos und total laut über mein Leben ausließen! Fassunglos starrte ich die Hühner an, die, eine häßlicher als die andere, aussahen als wären sie aus einem Zickenhäftchen entsprungen. Schwere Kettchen lagen auf ihren Blusen, die natürlich noch einen Schlag schicker waren als die der anderen. Eine hatte lange braune Haare, die sie zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Ihre Augenbrauen sahen unnatürlich geschwungen aus, richtig häßlich gezupft. Ihre Freundin zu ihrer rechten war ein typisches Blondchen mit Glitzerlipgloss und die dritte trug einen perfekten Dutt und ebenso perfekte bräune, die sich aber seltsamerweise nur in ihrem knochigen Gesicht befand. Obwohl jeder im Prinzip die selben Sachen trug leuchteten sie regelrecht aus der Klasse heraus, wie drei Prinzessinen, die über ihre Untertanen wachten. Mir kam regelrecht das kotzen. So etwas klischehaftes hatte ich noch nie gesehen.
Offenbar war ich eines ihrer Lieblingsziele. Ob sie es wohl sehr cool fanden Männer, die sich nicht im Ansatz kannten, als schwul zu bezeichnen? Und überhaupt, sollte dieses Thema nicht heutzutage kein Problem mehr sein? Ich konnte es mir bildlich vorstellen, drei Chicksen, die in einem wohlhabenden Haushalt lebten und von Mami und Papi verhetschelt wurden. Wie sie das Leben sahen, dass ihre Eltern als "normal" bezeichneten und aufgehetzt wurden gegen jede andersartigkeit, die auf diesem Planeten stattfinden konnte. Sherlock und John waren nicht schwul, das wusste ich, aber das war überhaupt nicht der Punkt. Diese Mädchen hatten einfach nicht das Recht über das Leben andere her zu ziehen und darüber zu reden als ginge es um das Wetter. Der Schultag fing echt großartig an.
Ich kam mit dem Stoff der nächsten Stunden gar nicht hinterher. Alles war neu und erschien so kompliziert, dass ich mir am liebsten den Kopf an der Tischplatte eingehauen hätte. Felizita kam auch in den nächsten vier Stunden nicht, wo wir nach Mathe Deutsch und zwei Stunden Geschichte hatten. Eigentlich fielen mir diese Fächer nicht schwer, doch mit den ständigen Blicken der Zicken war es der Horror. Noch schlimmer war es in der Mittagspause. Wie ein eingeschüchtertes Mäusschen folge ich den anderen aus meiner Klasse in die Mensa und bekam dort fragwürdiges Schulessen auf einem Tablett. Das Problem war, dass ich mit dem Tablett in den Händen mitten zwischen den Tischen stand und nicht wusste wo ich mich hinsetzen sollte. Ich sah ein paar aus meiner Klassen die netter wirkten, doch überall waren die Plätze besetzt. An fremde Tische wollte ich mich eigentlich nicht setzen, doch was blieb mir wohl anderes übrig. Verdammt nochmal, warum war Feli nicht da? Wie konnte sie mich nur so im Stich lassen? An einem der Tische konnte ich die Zicken erspähen, die umringt von anderen Mitschülern vergnüglich aßen und mit großer Wahrscheinlichkeit lästerten. Genau in dem Moment, als ich zu ihnen hinüber blickte schaute das Blondchen genau in meine Augen. Ich war froh darüber, dass ich nicht genau verstand was sie darauf zu ihren Freundinnen sagte. Mir reichte es schon aus das Wort "Opfer" hinter vorgehaltener Hand zu hören.
Mir war einfach zum heulen zumute. Der Unterricht war sehr schwer, die Mitschüler ignorierten mich komplett und die Zicken waren offensichtlich meine Feinde, auch wenn ich noch nicht wusste warum. Und zu allem Überfluss zwickte die Schuluniform auch noch wie die Pest. Konnte es eigentlich noch schlimmer kommen?
Das Gefühl ausgestoßen und ignoriert zu werden war mir nicht fremd. Es tat nur immer wieder entsetzlich weh. Mit starren Blick schaute ich nach unten auf das unapetitliche Schulessen und versuchte die Tränen zu unterdrücken, die sich ihren Weg unaufhaltsam aus meinen Augenwinkeln bahnen wollten. Warum war ich nur so nah am Wasser gebaut? Früher hätte ich solche Lapalien besser weggesteckt und darüber hinweg gesehen. Doch das ging nicht mehr. Ich war allein, ratslos und völlig fehl am Platz. Das Schicksal konnte mich offenbar nicht leiden, sonst hätte es mich doch nicht von einer misslichen Lage in die nächste gesteckt, oder doch? Wahrscheinlich konnte mich einfach keiner mehr leiden, so war das. Für mich gab es keinen Platz auf dieser Welt, deshalb wurde ich umhergeschoben wie eine ledirte Schachfigur mit Komplexen. Der Appetit war mir vergangen, was vielleicht auch daran lag, das es plötzlich unglaublich heiß wurde. Ob es an der engen Schulkleidung lag oder an der Körperwärme der dutzend Schüler um mich herum wusste ich nicht und es war mir eigentlich auch egal. Ungeachtet der haftenden Blicke der Zicken stand ich von meinem völlig deplazierten Platz auf und versuchte heimlich das Essen in den nächsten Mülleimer zu kippen, damit die dickliche Frau an der Essensausgabe nichts davon bemerkte, dass ich ihr Gourmetessen verschmähte. Tatsächlich gelang es mir gerade so, sodass ich das Tablett wieder abgeben konnte. So schell wie möglich suchte ich nach der nächsten Toilette und schloss mich in eine Kabine ein. Sofort wurde die Bluse ein stück weit aufgeknöpft und die Ärmel so weit es ging nach oben gekrämpelt. Ich fühlte ich gerade so wie eine Frau in den Wechseljahren. Glücklicherweise schien ich allein auf der Toilette zu sein, de meisten Schüler aßen noch oder lümmelten im Gang herum. Um ehrlich zu sein währe ich am liebsten aus dem kleinen Fenster gekrochen, das sich ganz oben in der Wand eingelassen befand. Natürlich stand das außer Frage und so entschloss ich mich ganz einfach für den Rest der Pause in der Toilette mit der schmierigen, abgeschlossenen Tür zu bleiben. Ich wusste nicht wie viel Zeit schon vergangen war, als ich auf dem herunter gelassenen Toilettendeckel saß und meinen Kopf gegen die Wand der Kabine lehnte. Das Licht in diese Raum war unangenehm gelblich und verursachte Kopfschmerzen, wenn man länger als eine Minute auf dem selben Fleck starrte. Was machte ich da nur? Mich hundeelend fühlen, zu einer anderen Antwort kam ich nicht. Ein Teil in mir schrie darum so zeitig noch nicht aufgeben zu wollen, während der andere versuchte mich zu trösten und mir einzureden wie unfair die Welt doch war. Beide Teile lagen im Kampf und leider gewann nicht der optimistische. Es waren nun schon so viele Minuten verstrichen, dass das Licht ausging, was sehr unangenehm war, falls jetzt noch einer auf die Toilette wollte und bemerkte, das ich da im dunkeln saß. Deshalb stand ich voller Wiederwillen auf und suchte mit eingezogenen Kopf nach dem Klassenzimmer, wo meine nächste Stunde sein sollte. Es fühlte sich eher an wie der nächste Schritt in den Wahnsinn.
Als nächstes hatten wir Chemie, was sich als recht interessant heraus stellte, weil jeder von uns einen Laborpartner brauchte. Jeder, der normal aussah hatte natürlich schon einen Partner und mit Entsetzen stellte ich fest, das sich drei nicht durch zwei teilen ließ. Jedenfalls nicht, wenn es um Personen geht. Tatsächlich war die 'Schönheit' mit dem überdurchschnittlich großen Dutt die einzige, die nach keinen Laborpartner hatte und so wie der glückliche Zufall es wollte hatte ich natürlich auch keinen! Was war der logische Schluss daraus? Genau, die Schönheiten klebten aneinander und heulten herum, weil sie ihre ABF nicht dem Monster namens Eliza aussetzen wollten. Wäre ich doch nur wirklich ein Monster gewesen, dann hätte ich ihr etwas antun können ohne das ich Probleme bekam. Ich meine, wer legt sich schon mit einem waschechten Monster an? Mit dem kindischen Gedanken an ein Monster mit langen Reißzähnen, vielen Armen und meiner Gestalt blinzelte ich mit verschwommenen Blick auf die weiße Tischplatte vor meinen Augen. Ob ich dann nicht mehr so klein wäre? Das musste doch dazugehören, schließlich hatte keiner Angst vor ein kleines Monster, das zudem auch noch blasse Haut hatte und die Nase einer Spitzmaus. Obwohl es ja viele Leute gab die Angst vor Mäusen hatten und die Blässe mit den gefährlichen Vampiren in Verbindung brachten. Ein abenteuerlicher Gedanke entsprang meiner Fantasie. Vielleicht fürchteten sich die Schönheiten auch ein bisschen vor mir? Wenn ja, dann brachten sie es auf eine sehr unangenehme Weise zum Ausdruck.
Das Duttmädchen starrte mich an wie man einen eckligen Käfer anstarren würde und ich schaute nicht weniger abweisend zurück. Ihre Freundinnen schenkten ihr immer wieder bemitleidenswerte Blicke, während der Lehrer, der nebenbei bemerkt recht nett aussah, versuchte uns krampfhaft in den Gruppen zu halten, die er arangiert hatte. Eigentlich war er nur für meine Gruppe verantwortlich, doch ich sah ihn trotzdem, oder genau deswegen, als Ursprung jenen Grauens, das mich durch hellbraune Augen anschaute, die so schmal waren, als gehörten sie einem Chinesen.
Während des ganzen Experiments über (ich hatte keine Ahnung was ich da machte, aber es sah cool aus) versuchte ich meinen Blick stur auf den Bunsenbrenner und dem Reagenzglas zu halten, das ich vorsichtig über der Flamme halten musste. Doch das Duttmädchen atmete mir regelrecht in den Nacken. Es war absurd, auf einer Seite wollte sie sich so weit weg wie möglich von mir halten aber auf der anderen Seite kam sie mir gefährlich nahe und beobachtete jeden meiner Handgriffe. Sie erinnerte mich an eine garstige Chefin, die ihre Angestellten mobbte. Eigentlich wartete ich nur auf eine spitze Bemerkung, doch dazu ließ sie sich nicht herab. Sie wartete lieber bis die Stunde vorbei war und wir unsere Utensilien wieder aufräumen mussten. Pflichtbewusste nah ich den Bunsenbrenner und die Arbeitskleidung an mich und vertaute die Gegenstände in den richtigen Schränken. Wenn ich eine Hälfte der Arbeitsmittel nahm konnte sie die andere Hälfte aufräumen, dachte ich gutgläubig und begann meine Schultasche zu schließen um für den heutigen Tag die Schule endlich verlassen zu dürfen. Doch Miss Dutt machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich stand schon an der Tür, als sie nach mir rief.
"HEY! Zurückkommen, was ist mit dem Rest bitte?", sprach die Arroganz in Person. Ganz langsam, um meinem Frust nicht zu sehr zu zeigen, drehte ich mich um und sah ihr zum ersten mal direkt in die Augen. Natürlich standen ihre Freundinnen schon hinter ihr.
"Genau, einfach so abhauen ist nicht. Wenn du schon nichts gutes tun kannst dann kannst du wenigstens aufräumen und für später üben."
Mit 'für später üben' meinte sie wohl, dass ich nach der Schule als Putzkraft arbeiten würde.
"Wie kreativ", antwortete ich knapp und blickte wieder die Duttschönheit an. Wurde Zeit, dass ich ihre Namen kennen lernte.
"Ich habe schon etwas aufgeräumt und du machst die andere Hälfte." Ich sprach so schnell, das ich beinahe über die Worte stolperte wie eine halb Taube mit Sprachproblemen. Mein Malör war natürlich super lustig. Die Schönheiten zeigten ihre perfekt weißen Zähne, die mit Sicherheit aufwendig gebleicht waren. Was war an diesen Mädchen nicht aufwendig? Sogar ihr Charakter war es, der so gekünstelt wirkte, als würden sie für jedes Wort, das aus ihren mit Lipgloss beschmierten Mündern tropfte, Geld bekommen.
"Das kannst aber mal ganz schnell vergessen. Als wenn Freaks Sonderrechte hätten."
Das wars. Mir reichte es bis obenhin. Schnaufend wie ein Stier begann ich auf die drei zu zugehen, die sich nicht ein Stück bewegten oder sonst eine Regung zeigten.
"Was fällt euch eigentlich ein so über mich zu reden. Ihr wisst einen SCHEIßDRECK über mich und ich habe auch nicht vor das zu ändern. LASST ICH IN RUHE!"
Das Brüllen war absolut nicht gewollt, doch seine Wirkung war einschlagend. Mit einem mal fand ich mich nämlich auf dem Boden wieder, die größte der Schönheiten mit dem Zopf zu Füßen. Sie hatte mich geschubst und zwar so kräftig, dass ich den Halt verlor und so stark auf den Rücken fiel, das mir die Luft aus der Lunge gepresst wurde.
"Leg dich nie wieder mit mir an du Schlampe. Dir werde ich nie verzeihen, dir und deiner verfickten Familie."
Ich hätte mir so gewünscht etwas sagen zu können, doch statt dessen röchelte ich nur vor mir hin und bekam Panik zu ersticken. Nicht das es jemand bemerkt hätte. Der Lehrer war längst weg, genau so wie der Rest der Schüler. Offenbar hatten die Schönheiten auf so eine Gelegenheit gewartet. Nur langsam drangen die Worte der Brünetten zu mir durch. Ich verstand zwar nicht den Sinn, aber dennoch bekam ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Was auch immer sie gemeint hatte, das musste der Grund für den brennenden Hass sein, der zwischen uns herrschte. Aber ich konnte sie ja wohl schlecht fragen 'hey na, was hab ich dir nochmal schlimmes angetan?'
Nachdem ich keine Regung zeigte stiegen sie über mich hinweg und ließen mich allein auf dem kalten Fliesen des Klassenzimmers zurück.
