~Wie vom anderen Stern~

Anmerkung: Mir gehört noch immer fast nix! Naja, außer Eliza, Feli und die beiden anderen natürlich ;) Ich komme endlich voran, juhu :D

Jeden Tag bekam ich mehr den Eindruck, das ich jegliches Zeitgefühl verlor. Alles begann seinen Rhythmus zu nehmen. Bis zum frühen Nachmittag saß ich neben Sarah in der Schule und versuchte mich unsichtbar zu machen. Das Mädchen war zwar nett und freundlich, aber ich fühlte mich dennoch nicht wohl. Mir fehlte Feli, auch wenn ich noch gar nicht so viel mit ihr unternommen hatte. Währe sie da gewesen, hätten wir zwar an dieser seltsamen Veranstaltung teil nehmen müssen, von der sie mir erzählt hatte, aber ich hätte gleichzeitig die Gelegenheit gehabt ein wenig mehr über mich heraus zu finden. Zwei mal die Woche fuhr ich gleich nach der Schule zum Haus der Owens, um Hausaufgaben und andere Lernmaterialien vorbei zu bringen. Ein paar mal geschah es, das Mr Owen selbst nicht zu hause war. An diesen Tagen legte ich die Blätter und Bücher vor der Haustür ab, wenn sie nicht in den Briefkasten passten. Wer würde schon auf die Idee kommen so etwas klauen zu wollen?

Jeden Morgen war ich sehr müde und kam nur schwer aus dem Bett. Was der Grund dafür war? Diese seltsamen, verstörend echt wirkenden Alpträume wollten einfach nicht enden. Jedes mal fand ich mich in einem anderen Raum wieder, nur um im nächsten Moment eine absurde Situation nach der anderen zu erleben. Ein mal wurde ich von einer Schlange verschluckt. Ein anderes mal stand ich knietief in Blut und wiederum ein anderes mal verlor ich ohne jeglichen Grund an beiden Händen den kleinen Finger. Was sich im ersten Moment vielleicht nicht so schlimm anhört, war aber grausam zu erleben. Jeder dieser Träume war schmerzhaft real und gab das unausweichliche Gefühl, das genau das passieren wird. Jede Nacht schrak ich auf und konnte danach nicht mehr einschlafen. Ich steckte in einem Teufelskreis aus einschlafen, Alptraum und schreckhaften Erwachen und ich wusste weder warum, noch was ich dagegen tun konnte.

Ich der Schule lief es mäßig. Ich versuchte mein bestes, um mit zu kommen und auf zu passen, aber ich hatte immer das Gefühl, das ich nicht so klug war wie ich es eigentlich sein sollte. Für Hausaufgaben hatte ich zwar die Zeit, aber nicht den Nerv. Am Abend fragte ich manchmal Sherlock, ob er mir etwas auf seiner Geige vorspielen konnte, um meine Nerven zu beruhigen. Er verstand es, ohne das ich viel sagen musste.

Ich empfand es als sehr wohltuend, das ich Sherlock nie mehr erzählen musste, als ich wollte. Im Gegensatz zu John verstand er es, sich den Rest selbst zu denken, wenn ich eine Erzählung nicht zu ende brachte. An den Wochenenden begleitete ich ihn und John ein paar mal, wenn sie an irgendwelchen Fällen außerhalb der Wohnung arbeiteten. Doch das machte ich nicht oft. Meistens leistete ich Mrs Hudson Gesellschaft, wenn ich nicht gerade den Tag durch schlief. Ich hörte mir gern ihre Geschichten an, auch wenn einige davon etwas seltsam waren.

An einem unschönen Samstag kam Sherlocks älterer Bruder Mycroft zu besuch. Ich hatte keine Ahnung was er eigentlich wollte, denn wenn er kam, dann immer unangemeldet. Mycroft war etwas kleiner und dicker als Sherlock. Auch besaß er noch weniger Humor und Menschenkenntnisse, die sich außerhalb der Deduktionsgrenze befanden. Eigentlich konnte er perfekt als Vulkanier durchgehen.

Am Himmel hing weit und breit keine Wolke, doch Mycroft Holmes kam mit einem Regenschirm in der Hand in die Wohnung gelaufen, als wäre es selbstverständlich, wie der Pinguin aus den Batman Comics auszusehen. Sein Blick streifte durch die Wohnung und blieb prompt an mir hängen. Ich lümmelte gemütlich auf der Couch, ein Buch in den Händen, als der Überraschungsbesuch kam. Und zu allem Übel waren Sherlock und John nicht da.

"Eliza! Es überrascht mich zu sehen, das mein Bruder dich noch nicht aus der Wohnung geeckelt hat", grüßte er, mit etwas, das wie ein schiefes Grinsen aussah.

"Hallo", antwortete ich, nicht wissend, was ich sonst hätte sagen sollen. "Sherlock und John sind nicht da."

"Hätte ich mir denken können", sagte Mycroft und setzte sich unaufgefordert in den Sessel seines Bruders. Mir war mulmig zu mute, weil ich nicht wusste was ich sagen oder tun sollte. Ich hatte zwar keine direkte Angst vor Mycroft, aber ich war vorsichtig. Die Stille die zwischen uns entstand, nutzte er um in aller Ruhe einen Umschlag aus der Innenseite seines Jackets zu ziehen und behutsam auf den Tisch zu legen. Ich verfolgte jeden seiner Bewegungen mit den Augen und wünschte, das Sherlock oder John jeden Moment zur Tür herein kamen. Oder Mrs Hudson, Hauptsache ich war nicht allein mit ihm.

"Der ist für Sherlock. Ich verlasse mich darauf, das du ihm sagen wirst das ich ihm das vorbei gebracht habe, und das du die Finger davon lässt." Er schaute mich mit einem Blick an, der verriet, das er eigentlich genau das Gegenteil von mir erwartete.

"Wenn wir schon so schön am plaudern sind, wie ist es so mit meinem Bruder zu leben? Anstrengend, nehm ich an."

Wollte er mich nur ausfragen oder macht er sich tatsächlich darüber Gedanken? Ich richtete mich noch ein wenig mehr auf und legte entschlossen das Buch zur Seite, das ich zuvor auf dem Schoss liegen hatte. Dieses mal war ich es, deren Bewegungen beobachtet wurden.

"Ich weiß, das sie sich nicht besonders gut verstehen, aber Sherlock ist gut zu mir. Viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen."

"Kein Grund gleich aufgebracht zu sein. Es war nur eine nett gemeinte Frage."

"Und ich habe nur nett geantwortet."

Mycroft blickte nach unten auf den Griff seines Schirmes. Langsam drehte er ihn in seiner Hand hin und her. Ich wurde etwas nervös, obwohl ich mich bis hier hin recht wacker geschlagen hatte.

"Ich könnte verstehen, wenn es dir nicht so gut geht Eliza. Es gibt keinen Grund die Harte zu spielen, nach dem, was du durch gemacht hast."

Sofort waren meine Sinne hellwach. Rein aus Reflex stand ich auf und ging auf Mycroft zu, ohne wirklich zu wissen zu welchem Zweck ich das tat. Um die Situation zu retten setzte ich mich ihn gegenüber auf Johns Sessel.

"Wie meinen Sie das."

"Ich meine natürlich den Vorfall mit deiner Freundin. Auch ich lese die Zeitung."

Aus irgendwelchen Gründen machte es mich wütend, das Mycroft über Feli sprach. Es war, also wollte er noch extra Salz in die Wunde streuen.

"Es ist schlimm aber ich kann es nicht ändern. Wenn das alles ist, ich habe noch was vor. Ich richte Sherlock aus, das Sie hier waren."

Mit diesen Worten stand ich auf und stellte mich neben die Tür. Mycroft blickte mich etwas überrascht an, schaute auf seine Armbanduhr und stand tatsächlich auf. Ich hätte nicht gedacht, das es so einfach war ihn los zu werden.

"Wenn das so ist. Reisende soll man nicht aufhalten. Auch wenn ich etwas mehr Gastfreundschaftlichkeit von jemanden erwartet hätte, der nur auf Grund von Freundlichkeit eines anderen ein Dach über dem Kopf hat."

Mycroft blieb kurz stehen und schaute mich von oben herab an.

"Wenn Sie meinen. Noch einen schönen Tag wünsch ich."

Während Mycroft die Stufen im Hausflur nach unten stieg, rief er mir zu: "Manchmal könnte ich schwören, du seist eine echte Holmes."

Nach diesem anstrengenden Besuch zog ich Stiefel und Mantel an, um im nah gelegenen Park etwas spazieren zu gehen. Ich musste den Kopf frei bekommen und mich auf das besinnen, was wirklich wichtig war. Ich hatte vor kurzen beschlossen, alle Träume auf zu schreiben, ebenso den seltsamen Vorfall an der Lagerhalle und die Stimme, die zu mir gesprochen hatte. Ich war mir so sicher, das ich mir das nicht eingebildet hatte, das ich anfing eine Theorie zu entwickeln. Irgendjemand oder Irgendwas versuchte eine Botschaft zu übermitteln. Sie musste nur noch richtig erfasst und aufgeschlüsselt werden. Ich betrieb so zu sagen Detektivarbeit an etwas, das nur aus Träumen und Halluzinationen bestand. Wahrscheinlich war das der Hauptgrund, warum ich niemanden davon erzählte. Ich glaubte an so was, doch die meisten taten es nicht. Ich hatte so schon sehr wenig Freunde, da wollte ich mir die nicht auch noch vergraulen.

Ich schnappte mir meine Unterlagen und verstaute sie in meiner Tasche. Der Park war nicht weit weg und gut zu Fuß erreichbar, sodass ich mich gleich auf den Weg machte. Zuvor schrieb ich noch eine kleine Notiz über meinen Aufenthaltsort, falls Sherlock oder John vor mir wieder daheim sein sollten.

Der Park war, wie zu erwarten war, gut besucht. Pärchen lagen bei den Temperaturen noch im Grass und genossen die letzten Sonnenstrahlen, Kinder rannten hin und her und ältere Leute saßen auf den Parkbänken, um den Vögeln Brotkrumen zu zu schmeißen, die sich noch nicht auf den Weg Richtung Süden gemacht haben. Ich setzte mich auf eine Bank, die etwas weiter weg stand und legte die Aufschreibungen neben mich. Für einige Zeit blieb ich einfach nur dort sitzen und beobachtete die Kinder, die lachend umhertollten. Wehmut kam in mir auf, bei dem Gedanken, das ich nie die Chance hatte genau wie diese Kinder in diesem Park zu spielen. Wie wäre ich wohl heute, wenn ich hier aufgewachsen wäre? Ob mir einiges einfacher gefallen wäre als jetzt? Ob ich nicht so misstrauisch den älteren gegenüber gewesen wäre, wenn ich von klein auf jemanden gehabt hätte, der sich wirklich um mich sorgt? Die Erinnerung an eine Familie kam auf, die mich allein ließ, während sie Unternehmungen machten. Die mich nicht am Tisch hat mit essen lassen und deren Dreck ich jeden Tag beseitigen musste.

Tränen weg blinzelnd schaute ich nach unten auf die Unterlagen und nahm sie zur Hand. Bei dem letzten Traum, den ich aufgeschrieben hatte, war ich mir nicht so sicher, ob er auch zu den anderen, seltsamen gehörte, oder ob er geprägt war von den Erinnerungen meines früheren Lebens. Ich träumte von einem Mann der mich schikanierte und befehligte Aufgaben zu erledigen, zu denen er selbst keine Lust hatte. Eines Tages hatte ich keine Lust mehr und nahm ein großes Messer zur Hand, das sich in der Küche befunden hatte. Danach endete der Traum aprupt und ich hatte keine Ahnung, ob ich mir selbst oder dem Mann etwas antun wollte. Jetzt wusste ich, das ganz tief in mir die Antwort steckte. Doch zu sowas war ich nicht in der Lage. Es war halt doch einfach nur ein Traum. Neben dem Eintrag schrieb ich ein großes Fragezeichen und blätterte im Notizbuch hin und her.

Als ich wieder aufblickte waren die Kinder schon weg. Dafür tummelten sich zwei andere Gestalten herum, die auffällig in knall bunten Farben gekleidet waren. Sie wirkten beinahe so, als seien sie modetechisch gesehen ein Jahrzehnt zu spät dran. Eine von den beiden, die die Kapuze ihrer Jacke tief ins Gesicht gezogen hatte und Handschuhe trug, holte eine seltsame silberne Bock aus ihrer Tasche und hielt sie an den Pavillion, der in der Nähe stand. Die andere schien darüber aufgebracht zu sein und versuchte die Box weg zu schnappen, doch die andere war schneller und hatte sie wieder weg gesteckt.

Seltsame Leute gibt es wohl überall, dachte ich nur und schaute wieder auf das Notizbuch, als neben mir anfing ein Hund zu bellen. Von dem Moment an wurde alles so seltsam, das ich mir sicher war, das mir das niemand glauben würde, wenn ich davon erzählte. Eigentlich war das sogar der Stein, der alles ins Rollen brachte und meine Geschichte erst richtig beginnen ließ.

Die Hundebesitzerin versuchte vergeblich, ihr kleines Hündchen zum schweigen zu bringen. Genervt schaute ich sie an, doch die ältere Dame ignorierte mich geschickt und zog an der Leine, als wenn es die Zügel eines durchdrehenden Pferdes wären. Tatsächlich war der Hund gerade mal so groß, das er Gefahr lief umzufallen, während er bellte. Ich schaute wieder nach vorn und sah noch immer die beiden Gestalten von vorhin. Nur das sich eine von den beiden zu uns gewendet hatte und die andere so aussah, als wenn sie einfach nur noch weg wollte. Die besagte eine kam auf uns, also mir und dem Hund, drauf zu, doch ich konnte ich Gesicht nicht erkennen. Das sah so gruselig aus, das ich schon drauf und dran war einfach abzuhauen. Doch aus welchem Grund auch immer tat ich es nicht und starrte die Person einfach nur an. Doch von mir schien sie gar nichts zu wollen, denn sie wechselte leicht die Richtung und ging auf den Hund zu, der sie weiterhin tapfer anbellte. Die Hundebesitzerin blieb versteinert stehen, mit einem Blick, der meinem gar nicht so unähnlich war.

"Oh, na was bist denn du für ein Ding, hm?"

Mit einer Stimme, die nicht von dieser Welt war, sprach die Person, oder besser gesagt das Mädchen, zu dem Hund und beugte sie zu ihm herunter. Jetzt hätte ich eigentlich gehen können, doch ich musste mir das Schauspiel mit anschauen. Im Hintergrund sah ich die andere Person, die sich jetzt auch langsam näherte. Ob die wohl auch noch nie einen Hund gesehen hatte?

Der Kleine bellte nun wie verrückt, als würde er etwas riechen, was kein anderer riechen konnte. Das Mädchen ließ sich nicht beirren und versuchte nun sogar, den Hund zu streicheln. Und da passierte es. Kaum hatte sie ihre Hand ausgestreckt, schnappte der Hund danach und biss sie. Das Mädchen schrie kurz auf, mehr erschrocken als vor Schmerzen, und versuchte ihre Hand aus dem kleinen Maul zu ziehen. Ich sprang auf um zu helfen, wusste aber nicht wie und blieb einfach nur stehen. Die Frau übrigens auch, was natürlich eine Frechheit war. Das Mädchen schien stark zu sein und schaffte es mit einem gewaltigen Ruck ihre Hand zu befreien. Dabei verlor sie jedoch ihren Handschuh, der noch im Maul steckte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis das Mädchen realisierte, das sie ohne Handschuh war und sie ihre Hand in der Jackentasche versteckte. Doch die Zeit reichte für mich aus, um zu erkennen, das die Hand vollkommen blau war. Sie hatte keine blauen Flecke oder war blau angelaufen, nein, sie war BLAU. Richtig blau, als hätte man sie in einen Topf Farbe gesteckt!

Als sie meinen Blick bemerkte schaute sie mich an und ich hätte schwören können, das ihr Kinn auch blau war. Offensichtlich erschrocken trat sie erst einen Schritt zurück und rannte dann ganz weg, vorbei an der anderen Person, die genau so alamiert wirkte. Ein paar Sekunden später kam auch sie auf uns zu.

"Entschuldigt meine Freundin, sie...schminkt sich gern außergewöhnlich und liebt Hunde. Wenn ich den Handschuh wieder haben dürfte? Er war ein Geschenk."

Wie auf Befehl spuckte der Hund, der erstaunlicherweise ruhig geworden war, den Handschuh aus. Ich bückte mich um ihn aus zu heben, doch genau in der selben Sekunde tat das Mädchen das selbe. Unsere Hände berührten sich und ich schaute auf um zu lachen und mich zu entschuldigen, doch sie hatte genau das selbe vor. Nun sah ich ihr Gesicht knapp vor mir und bekam einen fast noch größeren Schock als zuvor. Es war, als hätte ich in einen Spiegel geschaut. Ein Gesicht schaute mich an, das genau so aussah wie meins, ausgenommen von der Augenfarbe. Ihre Augen waren noch hellgrüner als meine und stachen richtig hervor.

Auch sie schien das selbe bemerkt zu haben wie ich und starrte mich einfach nur an, als könne auch sie es nicht begreifen. Ich hatte das Bedürfnis ihr Gesicht zu berühren, doch ich wusste es besser, als das zu tun. Was hatte diese Freakshow zu bedeuten? Erst ein Mädchen mit blauer Haut und nun jemand, der genau so aussah wie ich?

Bevor ich etwas sagen konnte schnappte sie sich den Handschuh und rannte genau so schnell weg, wie es zuvor ihre Freundin getan hatte. Die Hundebesitzerin schaffte es endlich ihren Kläffer weg zu zerren und ich setzte mich wie ein Stück Holz zurück auf die Bank. Nach mehreren Minuten in die Luft starren, nahm ich das Notizbuch zur Hand und schrieb in aller Schnelle auf , was geschehen war.