~Übernatürlich~
Anmerkung: Nach sehr langer Zeit bin ich wieder zurück! Ich habe nicht mal ne passende Ausrede parat, weil ich sämtliche Kapitel schon vorgeschrieben hatte und trotzdem nicht dazu kam regelmäßig die Story zu updaten. Sorry! Trotzdem bleibt es dabei: Außer Eliza (und andere Personen, die vielleicht oder vielleicht auch nicht hier auftauchen und die ich nicht alle aufzählen mag) gehört mir nix!
Ich sah mein Leben an mir vorbei ziehen, zusammen mit der Tasse, die in hoher Geschwindigkeit auf mich zukam. In letzter Sekunde schaffte ich es mich zu ducken, vollkommen überrumpelt von dem plötzlichen Angriff, der von der Küche aus kam. Unter anderem lernte ich an diesem Tag, das es keine gute Idee war einen Mann, der auf kalten Entzug war, zu reizen. Und einem Süchtigen seine Droge weg zu nehmen war ganz klar ein Reiz.
"Ich wusste nicht, das die von dir waren!", rief ich als verzweifelten Versuch hinter dem Sessel hervor, hinter dem ich mich nun versteckt hielt. Besser gesagt, ich benutzte ihn als Schutzschild, da noch mehr Teile aus der Küche geflogen kamen.
"Hör auf mich anzulügen! Du hast mich eiskalt bestohlen, obwohl du ganz genau weißt wie sehr ich die brauche!"
"Jetzt lügst du aber! Zigaretten sind ungesund und DU weißt ganz genau das du nicht rauchen darfst!"
"DU.." Eine Kelle kam geflogen und kam mit einem dumpfen Knall auf dem Teppich neben mir auf. "..HAST MIR NICHT ZU SAGEN.." Jetzt flog ein Küchensieb knapp über den Sessel. "..WAS ICH ZU TUN ODER LASSEN HABE!" Zum Schluss kam das größte auf mich zu, ein Suppentopf, mit voller Wucht gegen den Sessel. Das hat mir gereicht. Auch wenn ich Angst hatte sprang ich auf.
"Sag mal spinnst du? Was wenn mich das Ding GETROFFEN hätte?!"
"Dann hättest du dir das verdient!"
Obwohl ich Sherlocks seltsame Art kannte, rechnete ich dennoch nicht mit dieser Art von Antwort. Geschockt blickte ich ihn an, während meine Augen großer und mein Herzschlag schneller wurde.
"Du...du hast sie doch nicht mehr alle", rief ich in dem Wissen, das ich keine Chance hatte, wenn weitere Angriffe jeglicher Art kamen. Was war aus dem freundlichen, verständnisvollen Sherlock geworden, der mir seine Hilfe angeboten hatte? Der mich auf dem Schulhof verteidigt hatte? Und nun war er selbst derjenige, der angriff.
Etwas regte sich in seiner Mimik, als er mein geschocktes und verängstigtes Gesicht sah. Gab es wirklich einen Grund Angst zu haben? Ich schuldete niemanden etwas, ich könnte jederzeit abhauen, irgendwo hin, wo mich niemand kannte. Freilich war das, was ich tat nicht richtig, doch noch lang nicht schlimm genug um so aus zu rasten. Und wenn das Schleudern von Töpfen kein ausrasten war, dann wusste ich auch nicht mehr weiter.
Ich versuchte mir immer und immer wieder einzureden, das Sherlock nur so handelte wie er es tat, wie jeder andere Süchtige es tun würde, der bestohlen wurde. Ich erinnerte mich an eine Szene, in der Sherlock die Wohnung auseinander nahm, weil John seine Zigaretten versteckt hatte. Wo war John überhaupt? Gerade dann, wenn ich ihn am dringensten brauchte war er nicht da. Er wusste bestimmt, wie er den Tobsuchtsanfall dieses riesigen Kindes stoppen konnte. Zumindest hätte ich mich hinter dem ehemaligen Soldat verstecken können, wenn es hart auf hart kam.
Doch Sherlock schien sich tatsächlich etwas beruhigt zu haben. Er ging nun unruhig hin und her und wuschelte sich durch die Locken, ohne mich zu beachten. Bestimmt dachte er darüber nach, wie er am schnellsten an neue Zigaretten kam. Währenddessen machte ich mir Pläne zur Flucht. In mein Zimmer zu gehen war zu unsicher und einfach wieder hinaus auf die Straße zu rennen erschien mir sinnlos, da ich mir sicher war, das Sherlock mir hunderprozentig folgen würde. Also entschied ich mich ganz einfach dafür zu Ms Hudson zu gehen. Sie hatte bestimmt ein offenes Ohr und eine ruhige Wohnung.
So unauffällig wie möglich schlich ich mich zum Flur hinaus und ging die Treppe runter. Sherlock rief nichts und folgte mir nicht, also fühlte ich mich sicher genug um an der Tür von Ms Hudson zu klopfen. Es regte sich nichts, also wartete ich kurz und klopfte erneut. Leider musste ich feststellen, das die ältere Dame nicht zuhause war. Geschlagen setzte ich mich auf die unterste Stufe der Treppe und lehnte den Kopf gegen das Geländer. Oben aus der Wohnung drangen jetzt Geigenlaute, doch ich bewegte mich nicht vom Fleck.
Ich wusste nicht genau wann, doch irgendwie musste ich es geschafft haben einzuschlafen. War ich überhaupt müde? Ich hatte mich nicht so gefühlt, nur etwas erschöpft vielleicht. Doch das Adrenalin, das durch die Aufregung durch meinen Körper schoss hätte mich eigentlich wach halten müssen. Das hatte es dieses mal nicht getan. Statt dessen fand ich mich wieder in der riesigen Halle wieder, von der ich schon einmal geträumt hatte. Doch dieses mal war ich nicht allein. Dort, wo der Thron stand, leuchtet nun ein heller Lichtkegel, der den ganzen Sitz erstrahlen ließ. Die Symbole leuchteten nun alle auf und gaben kaum die Möglichkeit genau hinzuschauen, wer dort auf dem Thron saß.
Ich spürte, wie meine Beine weich wurden und mein Herz anfing wie verrückt zu schlagen. Plötzlich kam mir das alles nicht mehr wie ein Traum vor, sondern wie die blanke Realität. Alles fühlte sich so echt an, das es schon unheimlich war. Jetzt zitterten nicht nur meine Beine, sondern mein ganzer Körper. Das, was da auf dem Thron saß, stieß eine solche Macht aus, das es mich beinahe weg drückte.
Ich hielt den Atem an, als ein langer Seufzer den Raum erfüllte. Er klang relativ hoch und definitiv menschlich, was mich etwas beruhigte.
"Ich kann es einfach nicht glauben. Dabei hab ich mir solche Mühe gemacht. Tja, Undank ist der Welten Lohn."
Da war sie wieder, diese Stimmen, die mich zu verfolgen schien. Doch dieses mal war sie viel lauter und näher als je zuvor. Mir stellten sich die Nackenhaare auf.
"Hallo? Wer ist da?", fragte ich in den Raum hinein. Ich konnte noch immer nicht viel sehen, viel zu sehr tat das Licht in den Augen weh.
"Du fragst wirklich wer ich bin? Erkennt denn das Kind seine Mutter nicht?"
Ok, nun wurde es wirklich, WIRKLICH unheimlich. Ich musste ganz klar aufwachen aus diesem absurden Traum. Völlig unpassend zu dieser ernsten Situation musste ich an Cartoons denken, in denen sich die Figuren immer selbst kniffen, um auf zu wachen. Gar keine so schlechte Idee, was hatte ich schon zu verlieren?
"Ich weiß schon was du denkst, was hast du schon zu verlieren? Na ja, außer dein Leben vielleicht. Du kannst echt von Glück reden, das ich dich am liebsten mag."
Jetzt war die Stimme noch näher als zuvor. Beinahe war mir, als könnte ich die Gestalt unmittelbar vor mir spüren. Auf mich lauernd, provozierend.
"Wer bist du? Wo bin ich hier?!", versuchte ich es nochmal, aber fordernder.
Plötzlich schien sich an den Lichtverhältnissen etwas zu verändern. Das helle Leuchten wurde unterbrochen, wie eine Silhouette, die durch ein hell beleuchtetes Fenster beobachtet werden konnte. Jetzt sah ich, das dieses etwas tatsächlich näher kam. Und ich sah auch, das dieses etwas menschlich war. Er oder sie wirkte nur noch halb so bedrohlich, angesichts der Größe dieses Geschöpfes. Es war nicht sehr viel größer als ich, doch als ich in ihr Gesicht sehen konnte, änderte ich meine Meinung in Betracht der Bedrohlichkeit wieder. Es war ganz klar ein Mädchen, mit schneeweißer Haut, leicht spitz zulaufenden Kinn und den seltsamsten Augen, die ich je gesehen hatte. Und die waren es wohl auch, die dem Mädchen diese bedrückende Aura gaben. Sie waren groß, stechend und von seltsamer Färbung. Eins war grasgrün, während das andere komplett lila war. Die Pupillen waren nichts mehr als Schlitze.
"Ich hätte nie gedacht, das es soweit kommen würde. Was habe ich bloß getan? Das ist vorher nie passiert."
"WAS ist passiert?!" Mir war egal, was für eine mysteriöse Gestalt das war. Ich wollte endlich richtige Antworten haben.
Ich bekam eine Gänsehaut, als das Mädchen lächelte und sich zu mir runterbeugte, als wäre sie sehr viel größer als ich.
"Du hast die Grenze überschritten. Du hast mich dazu gebracht das alles hier geschehen zu lassen. Aber warum nicht? Was spricht denn dagegen etwas neues aus zu probieren? Eigentlich könnte ich das ganz gut ausnutzen..."
"Wer. Bist. Du!" Ich wusste nicht woher ich den Mut aufbrachte so zu reden. Das Mädchen schien sich nicht daran zu stören, ganz im Gegenteil.
"Die Rolle der Eliza steht dir wirklich gut! Aber wird es nicht langsam langweilig so daher zu dümpeln im trüben London, mit Erwachsenen die nichts von dir wissen und einer Freundin, die die Welt nicht mehr ertragen kann und sich selbst umbringen will? Clevere Idee mit dem Zug, so gut war ich schon lang nicht mehr drauf.."
Sie lachte kurz auf, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Was hatte das alles zu bedeuten? Was meinte sie mit Idee?
"Aber ich will dich nicht länger da herum stehen lassen, stumm wie ein Fisch. Ich habe dich schließlich nicht umsonst hier her geholt. Eigentlich wollte ich dich nur warnen, aber jetzt habe ich ganz andere, viel interessantere Pläne für dich."
Das Licht, das vom Thron aus kam, wurde erst schwächer und verschwand dann ganz. Jetzt konnte ich das Mädchen in ganzer Gestalt sehen. Sie war tatsächlich nicht viel größer als ich und trug ein knielanges, ausgestelltes Kleid, das mit allerlei Einzelheiten beschmückt war. Einiges schien gar nicht zusammen zu passen oder sah aus, als sollten sie nicht einmal an irgendein Kleidungsstück gehören. Ihre Haare waren pechschwarz und in zwei Zöpfe aufgeteilt, die von ihrem Kopf abstanden.
Nachdem das Licht natürlicher geworden war, konnte ich auch andere Teile des großen Raumes besser sehen. Wie zum Beispiel die großen Statuen, die allesamt als Säulen zu dienen schienen, die das riesige gewölbte Dach trugen. Sie schienen mich an zu starren, die steinernden Mädchen mit ihren kalten Augen, genau wie die Gestalt vor mir. Vergnügt lief sie nun hin und her und grinste, was mich nicht beruhigte.
"Herzlich willkommen in der Zentrale, in meinem Reich. Um deine Frage endlich zu beantworten muss ich auch dir eine Frage stellen. Du glaubst doch an das Schicksal, oder nicht?"
Was hatte das nun schon wieder zu bedeuten?
"Das stimmt."
Das Mädchen blieb nun stehen und breitete seine Arme aus, als würde es mich umarmen wollen.
"Das ist ganz toll! Weißt du nämlich warum?"
Sie schaute mich an wie ein erwartungsvoller Hund, dem ein Knochen gezeigt wurde. Ich schüttelte nur den Kopf.
"Weil ich es bin! ICH bin dein Schicksal! Ich habe dich erschaffen und kann mit dir machen was ich will! Ich kann dich in jede Welt befördern, in jedes Buch, in jeden Film. Und das mache ich schon sehr lang, aber nicht mit dir wohlgemerkt. Du bist neu und schon jetzt mein Liebling. Du kannst dir ja gar nicht vorstellen wie nervig die anderen waren. Und so kurzlebig! Aber du, DU bist etwas anderes, aufregendes. Das spüre ich mit jeder Faser meines Körpers. Wir werden noch viel Spaß haben."
Ich wusste gar nicht, was ich zu dieser Verrückten sagen sollte. Mir blieben regelrecht die Worte weg, als die mir tatsächlich weiß machen wollte, so eine Art Gott zu sein, der mich erschaffen hat. Ging es noch bekloppter?
"Ich glaube dir kein Wort."
Das Lächeln des Mädchens verschwand kurz, nur um kurz darauf wieder auf zu tauchen.
"Ich habe gehofft das du so reagieren würdest. Ich werde es dir beweisen und du wirst mir glauben müssen, ob du willst oder nicht. Ich bin doch nicht verrückt!"
Kennt ihr diese Träume, in denen man sich selbst sieht wie von der Perspektive eines Zuschauers aus? Genau so ging es mir in diesem Moment, nur das ich mir sicher war nicht mehr zu träumen. Ich spürte einen Schlag auf die Brust, bevor ich mich selbst sah, mit dem "Schicksal" davor. Ein blaues Licht erschien und hüllte mich komplett ein. Im nächsten Moment hatte ich das Gefühl, hundert kleine Hacken würden sich in mein Fleisch verfangen und mich nach vorn ziehen, in die Dunkelheit, die immer näher zu kommen schien.
Das erste, was ich war nahm, war ein modriger Geruch nach Schimmel und die Feuchtigkeit, die in der Luft hing. Noch bevor ich die Augen öffnete wusste ich, das ich nicht mehr in London war, nicht mehr in Hausflur der 221b. Ein stechender Schmerz zog sich von einer Schläfe zur anderen, als ich langsam die Augen öffnete, und doch nichts sehen konnte. Überall war es stockdunkel, wo auch immer ich war. Auch hören konnte ich nichts. Langsam aber sicher kroch Panik in mir hoch. Ob ich wohl tot war?
Nur um zu testen ob das stimmte versuchte ich mich zu bewegen. Erleichterung machte sich breit als es funktionierte und sich meine Hände nach vorn bewegten um nach Hindernissen in der Dunkelheit zu fühlen. Ich schrak auf, als da tatsächlich etwas war, das knapp vor meiner Nase stehen musste. Dieses etwas gab unter leichten Druck nach und bewegte sich wie eine Tür zur Seite. In diesem Moment dämmerte es mir. Ich stand in nichts geringeres als in einem Schrank. In einem alten modrigen Schrank noch dazu, weshalb ich mich entschloss so schnell wie möglich das Weite zu suchen.
So wie ich aus dem Schrank raus war wurde ich von etwas gewaltigen umgeschmissen, das in hoher Geschwindigkeit auf mich zu kam. Von einer Sekunde auf die andere sah ich in das Gesicht eines blutrünstigen Mannes mit langen Fangzähnen. Die Gestalt lag auf mir drauf und drückte mich an unten. Ich wollte schreien, doch er umschloss mit seiner mächtigen Hand meinen Hals und drückte ihn zu. Nach Luft ringend sah ich bereits mein Ende, als sich plötzlich heftige Schritte von der Seite näherten. Noch bevor ich den Kopf zur Seite drehen konnte um zu sehen wer da war, zischte etwas und der Kopf des Mannes, der auf mir lag, flog im hohen Bogen durch die Luft.
Mit zittrigen Beinen und schnell schlagendem Herzen versuchte ich aufzustehen, nachdem der kopflose Körper seitlich von mir herunter gerollt war. Das war nicht wahr, das war doch alles gar nicht echt. Dieses Mädchen versuchte mir Halluzinationen zu verursachen und offenbar hatte sie Erfolg. Noch bevor ich richtig stand sackte ich wieder zusammen, als mir schwarz vor Augen wurde. Genau in diesem Moment spürte ich einen festen Griff um meine Hüfte, der mich wieder nach oben zog. Mühselig hob ich den Kopf, um durch meine schmutzigen Haarsträhnen hindurch erkennen zu können wer mein vermeintlicher Retter war.
"Hab ich dir nicht gesagt du sollst im Wagen bleiben Amber? Du weißt verdammt nochmal genau wie das immer für dich ausgeht!"
Noch bevor ich ihn mir richtig anschauen konnte, hörte ich ihn schimpfen. Die Stimme war fest und kräftig, genau wie der Mann, dem sie gehörte. Er war normal groß, war einfach aber praktisch gekleidet, hatte kürzeres Haar und große, grüne Augen. In seiner linken Hand lag eine blutverschmierte Machete. Ich hatte so ein Gefühl, wer da an meiner Seite stand, wollte aber auf Nummer sicher gehen. Aber ich meinte hey, wenn schon Sherlock Holmes, warum nicht auch er?
"Dean?", fragte ich mit noch schwacher Stimme als ich befürchtet hatte. Der Mann schaute mich fragend an.
"Wer denn sonst? War der Aufprall gegen den Boden zu viel für dich?"
Ach du heiliger...
Noch bevor ich den Gedanken zu Ende bringen konnte kam ein weiterer Mann in den Raum hinein gestürmt. Er war größer, schon fast riesig und hatte längere Haare als Dean. Jetzt, wo ich die Bestätigung hatte, wusste ich auch wer das war.
"Ein bisschen spät Sammy. Hätte ich auch so getrödelt wie du wäre Amber jetzt Vampirfutter."
"Vampire?", brach es aus mir hervor. Bevor ich etwas anderes tun konnte wich ich erschrocken zurück. Ängstlich zu sein war wohl meine Natur. Oder besser gesagt die, der ich nun verkörpern sollte.
"Ja klar, was denkst du denn warum wir dich nicht dabei haben wollten? Hörst du uns eigentlich einmal zu?"
Dieses mal war es Sam der sprach. Er wirkte keine Spur erfreulicher über die Situation als Dean. Der Jüngere blickte erst Dean, dann den Kopf des Mannes an, der in einer Ecke des Zimmers lag.
"War das der Alpha?"
"Leider nicht", antwortete Dean matt. "Aber ein toter Vampir ist ein guter Vampir. Nun lass uns endlich gehen, bevor mir der Kragen platzt."
Mit diesen Worten wurde ich unzeremoniell vorwärts geschoben. Das Haus, in dem wir uns befanden war groß und dunkel. Es sah aus, als würde es frisch aus einem Horrorfilm stammen und war mit Sicherheit perfekt geeignet um Vampiren ein Versteck zu bieten. Vampire, pah, das ich darüber mal nachdenken würde, als seien sie echt. Seit Twillight stand ich denen eher fragwürdig gegenüber. Ich fand es albern, wie sie immer mehr von der Gesellschaft, vor allem von den Jugendlichen, verehrt und angeschmachtet wurden. Echte Vampire glizerten nicht und waren auch keine Vegetarier, das konnte ich nun mit Sicherheit sagen. Zu gerne zerstörte ich die rosa Träume kleiner Mädchen.
Vor dem Haus stand der schwarz glänzende Impala, Deans Schatz. Lustlos ließ ich mich zum Auto führen, nach hinten auf den Rücksitz. Die Männer stiegen auch ein, Dean wie gewohnt auf der Fahrerseite und Sam daneben. Während die beiden sich über etwas unterhielten, was ich entweder nicht verstehen konnte oder wollte, dachte ich darüber nach in was für einer Situation ich mich gerade befand. Vor mir saßen Dean und Sam Winchester, Brüder, die beide zu Jägern gegen das Übernatürliche erzogen wurden. Ich befand mich mit beiden in ihrem Chevrolet Impala, nachdem ich fast von einem Vampir ausgesaugt wurde. Alles soweit ganz schön aber...WAS SOLLTE DAS?
Ich biss die Zähne zusammen um nicht vor Wut auf zu schreien. Hatte dieses dumme Mädchen etwa Recht behalten und sie schleuderte mich hin und her wie eine ihrer Puppen, oder träumte ich das alles nur? Vielleicht hatte sie mir auch irgendeine Droge verabreicht, ohne das ich es merkte und hatte nun Halluzinationen. Schließlich befand ich mich in nichts geringeren als einer Fernsehserie. Schon wieder. Doch dieses mal schien es ernster zu sein, schließlich landete ich nun in einer Welt voller Ungeheuer. Und einen anderen Namen hatte ich auch. Wie hatte Dean mich genannt, Anna? Abby? Nein, Amber musste es sein. Ob ich wohl auch anders aussah? Ich rutschte von meinem Platz, unangeschnallt wie ich war, und streckte meinen Kopf nach oben, um in den Rückspiegel schauen zu können. Auf den ersten Blick sah alles normal aus, außer das meine Haare komplett von einem Haarreifen nach hinten gehalten wurden und ich sehr, sehr blass war. Das lag wahrscheinlich an dem Schock von vorhin. Außerdem hatte ich Augenringe. Deans Blick traf meinen, als auch er in den Spiegel schaute.
"Anschnallen Amber, du steckst schon genug in Schwierigkeiten. Weißt du eigentlich was ich mir für Sorgen gemacht habe, als du nicht mehr im Wagen warst?"
"Wir beide haben uns Sorgen gemacht", schaltete sich Sam ein.
"Ach ja? Und wo warst du dann?"
"Entschuldigung, ich würde ja gerne überall sein, aber auf meinem Weg waren ein paar Vampire ,die mich leider nicht vorbei lassen wollten."
"Schon gut", lenkte Dean ein. "Wenn Amber auf uns gehört hätte wäre das erst gar nicht passiert. Das nächste mal lassen wir Castiel bei ihr."
"Ich brauch keinen Babysitter", hörte ich mich sagen.
"Das haben wir ja heute gesehen", sprach Dean die finalen Worte. Danach war es ruhig im Impala. Ich wollte nicht, oder besser gesagt konnte nicht weiter diskutieren, was eher ungewöhnlich für mich war. Obwohl es eigentlich von Anfang an irgendwie klar war merkte ich, das ich nicht mehr ganz die selbe war. Ein Blick nach unten verriet mir auch, das ich andere Klamotten trug als zuvor. Ein kariertes Hemd mit Shirt darunter, ein robuster Rock und derbe Schuhe hatten den Platz meines schönen Mantels eingenommen.
Wie ich schon gedacht hatte bogen wir beim nächsten schäbigen Hotel ein, das in Reichweite war. Dean war bei der Rezeption und buchte ein drei Betten Zimmer, während ich mit Sam Draußen stand. Der Riese schaute mich an, doch ich starrte nur Löcher in die Luft. Normalerweise hätte ich was gesagt, doch jetzt konnte ich nicht mehr, als hätte mir jemand einen Riegel vorgeschoben. Aber ich verstand schon, das war ein Teil meiner jetzigen Persönlichkeit und ich konnte nichts daran ändern, auch wenn ich es gedanklich wollte. So musste sich ein Stummer fühlen, der reden will, es aber nicht kann. Das störte mich tierisch und dieses Schicksalsdingens wusste das ganz genau. Wahrscheinlich wollte es mir eine Lektion erteilen, doch so schnell gab ich mich nicht geschlagen. Ich war ein eigenständiges Wesen, und das wollte ich auch beweisen. Zeit, ihren Plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Ich musste fast würgen, um die Worte über meine Zunge zu bekommen, die nicht für mich bestimmt waren. Es war ein richtiges Kampf und ich lief Gefahr ihn zu verlieren. Aber ich konnte das, musste es sogar. Wie hätte ich ihr sonst was beweisen wollen?
"Ich..also..ich." Es viel mir verdammt schwer den Satz zu vervollständigen und das Dean dazu kam machte es nicht einfacher. Auch das war mit Absicht, das wusste ich ganz genau. Denn sie wusste wiederum was ich vor hatte, auch wenn es sich nur in meinem Kopf abspielte. Das machte mir wiederum Angst.
"Was ist denn los?", fragte Dean mit besorgtem Blick. Er sah mich an als sei ich krank.
Dann, plötzlich, als wenn sich der Knoten gelöst hätte, begannen die Worte aus mir heraus zu sprudeln. Es geschah so plötzlich, das ich fast keine Luft mehr bekam.
"Ich bin nicht von hier und ich heiße gar nicht Amber! Ich heiße Eliza und komme aus London aber auch nicht wirklich und die da hat mich irgendwie hier her geschickt und ich will eigentlich nur nach Hause."
Wow, das war mal ein Satz. Nach Luft ringend stand ich da, während in der kalten Nachtluft nur die Zimmerschlüssel in Deans Hand klimperten. Die Männer sagten nichts und starrten mich nur an. Eigentlich hatten die beiden doch schon so viel erlebt, das sie doch nichts mehr schocken konnte, oder?
"Ich glaube wir müssen reden", sprach Dean plötzlich in die Stille hinein und ging auf die Zimmertür zu, die uns wohl die Nacht über gehören würde. Der Satz war bedeutungsvoll, das war daran zu erkennen, wie Dean ihn ausgesprochen hatte. Sam hatte dem nichts hinzu zu fügen und trat nach mir ins Zimmer. Es war dunkel, miefig und die Betten klamm. Fast so wie der Schrank in dem ich stand, nur ohne Bett.
Dean ließ die Schlüssel geräuschvoll auf die Theke der Küchenzeile fallen und deutete auf eins der Betten.
"Setzen", befahl er schlicht, was mir aber reichte. Bevor ich's mich versah saß ich auf dem Bett und ließ die Beine ein wenig hin und her baumeln. Sam saß sich neben mich, nur Dean blieb vor mir stehen, seitlich an die Wand gelehnt. Müde rieb er sich die Augen und seufzte leicht.
"Also schön, fangen wir an. Vor zwei Wochen tauchst du plötzlich auf und behauptest irgendeine Bekannte zu sein, ohne Beweise zu liefern. Wie nehmen dich auf, weil du ja offensichtlich nirgends hin konntest. Dann machst du uns ständig Ärger, nicht zu vergessen heute Abend sodass wir dir ständig hinterher rennen müssen und jetzt behauptest du plötzlich Eliza zu heißen und aus London zu kommen? Ist das die Wahrheit? Hast du uns wirklich die GANZE Zeit angelogen?"
Das war wohl ganz klar ein Fehler. Ich wusste ja nicht mal ob das stimmte! Ganz ehrlich, konnte ja sein das mein Ich in dieser Welt wirklich eine Verwandte war und das das alles stimmte was ich wohl mal gesagt hatte. Schließlich war ich bei Sherlock ja auch nur in eine Rolle gerutscht! Mir rutschte das Herz in die Hose, als ich Deans Blick sah. Ich hatte es eindeutig vermasselt, aber richtig. Blieb nur noch zu hoffen, das ich das irgendwie erklären konnte.
"Hört bitte zu,ich weiß wirklich nicht wie ich das erklären soll!"
"Nur zu, wir verstehen so einiges", antwortete Sam, ruhig aber sauer.
Tief Luft holend zählte ich innerlich bis drei. Jetzt sträubte sich mein Geist noch mehr die wahren Worte auszusprechen. Mit anderen Worten, ich musste kotzen.
"Entschuldigt kurz.."
Ich konnte gerade noch so meinen Mageninhalt (was hatte ich nur gegessen?) in mir behalten, als ich zur Toilette rannte. Ohne die Tür zu schließen hing ich mich über die Schüssel und würgte. Nur entfernt im Hintergrund konnte ich hören, wie mich die Männer riefen.
"Alles in Ordnung?", rief einer von beiden, ohne das ich die Stimme sofort zuordnen konnte. Alles drehte sich um mir herum, so schlecht ging es mir schon lang nicht mehr. Ich zitterte, als ich mich endlich vom Klo losreißen konnte und sah, wie Sam auf mich zukam. Als nächstes spürte ich seine große Hand auf meinem Rücken. Das Schwindelgefühl wurde stärker, als er mich hoch hob und in beiden Armen zum Bett trug. Dean stand dabei und schlug die Decke zu Seite, bevor mich Sam absetzte. Mir war wirklich nur noch zum schlafen zu mute, aber ich musste doch unbedingt erzählen was los war! Ich wollte nicht einschlafen bevor die Männer nicht die Wahrheit wussten. Mit brummenden Schädel richtete ich mich auf, gegen die Proteste der Männer.
"Bleib liegen Amber, oder wie du auch immer heißt."
"Dean, bitte. Ihr gehts nicht gut."
"Bitte, bitte ich muss es euch erklären", leierte ich als sei ich betrunken. Daran war nur sie Schuld, das konnte ich spüren. Sie versuchte mich mit aller Macht davon abzuhalten die Wahrheit zu sagen. Ich kam mir vor wie in einem umgekehrten Märchen von Pinocchio.
"Amber gibt es wirklich, sie ist wahrscheinlich sogar auch mit euch verwandt, ganz bestimmt sogar. Ich bin nur in ihre Rolle geschlüpft, ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Welt. Vorher war ich in einer Fernsehserie namens Sherlock und jetzt bin ich hier, ich glaube sogar das ich wieder jederzeit verschwinden kann. Bitte, ihr müsst mir glauben. Glaubt der Amber die noch hier sein wird wenn ich wieder weg bin, bitte. Ich weiß nicht wie ich es besser erklären soll weil ich es selbst nicht besser weiß. Ich..ich..."
"Shh.. ist schon gut", sprach Sam und legte eine kühle Hand auf meine heiße Stirn.
"Schlaf jetzt erst mal, wir sehen morgen weiter."
Das war ein Befehl, den ich gern ausführte.
